Vorwort zu "Zur Kritik der Arbeiterbewegung, des Marxismus und der Linken"

VIII. Eine längst fällige Antwort an unsere Kritiker

In einer Welt voller Ideologien ist der Kampf gegen das alltägliche Überleben auch ein Kampf gegen die verschiedenen Ideologien, die uns jeden Tag als Erklärung für unsere Lage und unsere Probleme angeboten, die uns unsere Hirne verkleistern sollen. Die Ideologien werden uns angepriesen wie Sortimenter von Waschmaschinen, Konservendosen oder Zigaretten. Für jeden haben die Produzenten der Ideologien das „richtige“ Angebot: für den „Traditionellen“ den Katholizismus, für den „Angepaßten“ den Sozialdemokratismus, für die „Radikalen“ den Faschismus oder darf es ein bißchen Bolschewismus oder Linkskommunismus sein. Was auf der Strecke bleibt, sind die Einsicht in unsere Lage, die Verwirklichung unserer Bedürfnisse, das sind wir selbst und unser Leben. Jeder Tag ist ein Kampf gegen die Vereinnahmung, gegen die Entfremdung und gegen die Bedingungen der Lohnarbeit und des Überlebens. Diesen Kampf führen wir auf unsere Art wie ihn Millionen Menschen führen, die auch keine Wahl haben, in gesellschaftliche Verhältnisse hineingeschmissen wurden und nun zurechtkommen müssen. Nichts fiele leichter als sich einer der Ideologien zu bemächtigen, sich einer Organisation unterzuordnen und der Vielfalt der gesellschaftlichen Trennungen noch eine „revolutionäre“ Abart hinzuzufügen. Weil wir dies - aus oben geschilderten Gründen - nicht tun, wird uns „Organisationsfeindlichkeit“, „Passivität“ und „Spontaneismus“ unterstellt. Die Unsinnigkeit dieser Vorwürfe ergibt sich aus der Fixierung dieser Gruppen auf ihre eingefahrenen Politikkonzepte. Organisation beginnt für uns schon dort, wo wir uns mit Kollegen, Freunden und Genossen zusammen koordinieren, kollektiv Diskussionen führen und initiieren, theoretische Widerspiegelung vergangener und gegenwärtiger Kämpfe versuchen, Erfahrungen austauschen, Broschüren und Flugblätter herausgeben und über gemeinsames Vorgehen beratschlagen. In den Kämpfen werden sich die Arbeiterinnen und Arbeiter ebenfalls Organe der Selbstorganisation geben, wie sie es bereits heute in den begrenzten Kämpfen und in begrenztem Umfang tun (z.B. informelle Arbeiterkerne, Streikkomitees, etc.). Mit unseren bescheidenen Mitteln versuchen wir Diskussions- und Bewußtwerdungsprozesse zu befruchten und zu fördern. Das tun wir nicht mittels althergebrachter Konzepte. Hierin besteht auch unsere Aktivität, denn wir können keine Kämpfe herbeizaubern. Wir sind uns unserer begrenzten Möglichkeiten bewußt, wie auch unserer eigenen Bürgerlichkeit, die wir nicht mittels der Mitgliedschaft in einer „revolutionären“ Organisation überwinden können, sondern nur durch praktische Auseinandersetzung, Selbstkritik und Thematisierung. Sollen unsere Kritiker nur weiter fluchen, durch ihr Verhalten, ihre Kritik und Politik bestätigen sie nur unsere Kritik.

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