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| StLB
VT 32 und VS 42 am 10.01.2003 bei Unzmarkt |
1980 bis 1981 konnten auf der
Murtalbahn die neuen Triebwagen VT 31 bis VT 34 in Betrieb
genommen werden. Die Hersteller Knotz und Brown Boveri arbeiteten bei
der Entwicklung eng mit den Steiermärkischen Landesbahnen zusammen,
sodaß eine maßgeschneiderte Lösung entstehen konnte. Passend zu den
Triebwagen entstanden auch 4 Steuerwagen VS 41 bis VS 44 sowie
der Postwagen FD 93. Die Fahrzeuge weisen eine automatische
Türsteuerung auf. Der Verkauf der Fahrkarten erfolgt durch den
Triebfahrzeugführer. Im Steuerwagen ist nur ein Führerstand eingebaut,
am anderen Ende befindet sich ein WC. Die Triebwagen besitzen ein
dieselelektrische Kraftübertragung, der MAN 6-Zylinder-Dieselmotor
leistet 221 kW. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 70 km/h. Die
Gesamtlänge des Triebwagens beträgt bemerkenswerte 18000 mm, jene
des Steuerwagens 17730 mm. Die Fahrzeuge werden untereinander
mittels einer Scharfenbergkupplung verbunden und sind mit Druckluft
gebremst. Aus Platzmangel befindet sich bei den VT an der Außenseite der
Drehgestelle je ein Bremszylinder pro Rad.
Einige Jahre später wurde von Jenbacher
(mechanischer Teil) und ADTranz (elektrischer Teil) ein weiterer
Triebwagen beschafft, welcher 1999 als VT 35 in Betrieb genommen
werden konnte. Dieser unterscheidet sich äußerlich durch die seitliche
Schallschutzverkleidung sowie durch das an den Stirnseiten geänderte
Dach von den übrigen VT.
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| VT 35
und VS 42 am 24.08.2002 in Murau-Stolzalpe. |
Der gesamte Personenverkehr der
Murtalbahn wird mit diesen Fahrzeugen durchgeführt, welche grundsätzlich
zweiteilig (VT+VS) unterwegs sind. Dabei zeigt der Steuerwagen stets in
Richtung Unzmarkt. Einige Züge werden zwecks Spitzenabdeckung aber auch
mehrteilig (VT+VT+VS) geführt, wie es zum Beispiel bei Schülerzügen
zwischen Tamsweg und Murau vorkommen kann.
Während VT 31 bis VT 34 und
die Steuerwagen früher eine orange Lackierung mit roten Stirnseiten
hatten, weisen mittlerweile alle Fahrzeuge die moderne rot-weiß-grüne
Farbgebung der StLB auf.
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| VS4 +
B4 32 + VT6 der Zillertalbahn am 16.05.2002 bei Erlach. |
1984 erhielt die Zillertalbahn vom Hersteller Knotz die beiden
Triebwagen VT3 und VT4, die ähnlich den steiermärkischen Vorbildern
konstruiert waren. Allerdings wurde nur einen Führerstand einbaut, denn
von Beginn an war geplant, daß diese Triebwagen nur gemeinsam mit den
neuen Steuerwagen VS3 und VS4 und den Personenwagen B4 32 bis 35
sowie BD4 42 verwendet werden sollten. Dementsprechend beträgt die
Gesamtlänge des Triebwagens "nur" 16875 mm und jene des
Steuerwagens 16605 mm. Die Fahrzeuge sind im Gegensatz zu den
StLB-Fahrzeugen an ihren Enden nicht verjüngt, was am deutlichsten am
breiteren Rand neben der Windschutzscheibe auffällt. Die Steuerwagen
besitzen je ein über 11 m² großes Gepäckabteil. Alle Fahrzeuge
weisen eine Übergangsmöglichkeit zum nächsten Wagen auf, welche
allerdings nur vom Zugpersonal benutzt werden darf. 1992 wurden
Dieselmotoren mit 250 kW Leistung eingebaut.
Die Garnituren bewährten sich und bald machte sich für den
Taktverkehr der Bedarf nach mehr Fahrzeugen bemerkbar. Daher wurden von
Jenbacher 1993 zwei weitere Triebwagen geliefert, welche als VT5 und VT6
eingereiht wurden. Sie unterschied sich von der 1. Lieferserie durch
Übersetzfenster und der Schallschutzverkleidung an den Seiten.
Mittlerweile ist aber dieser Schallschutz auch an VT3 und VT4 teilweise
angebracht worden. Da die neuen Triebwagen gegenüber den älteren beiden
VT um 180° gedreht standen und einer der beiden Steuerwagen ebenfalls
gedreht wurde, konnten nun eine VT+B4+BD+VT sowie zwei
VT+B4+VS-Garnituren gebildet werden.
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| VT5 + BD4 42 + VT4 am 16.05.2002 bei Erlach. |
Mit der 3. Lieferserie ist 1998 von Jenbacher schließlich noch der
VT7 und VT8 zur Zillertalbahn gekommen. Man kann sie am besten durch die
Schwenktüren von den ersten vier VT und deren Falttüren unterscheiden.
Gemeinsam mit einem Zwischenwagen bilden sie eine eigene
VT+BD+VT-Garnitur. Somit stehen der Zillertalbahn zur Zeit bis zu vier
Triebwagengarnituren zur Verfügung. Für den Fall des Falles steht
außerdem noch die D10 zur Verfügung, welche 1995 für den Wendezugbetrieb
ausgerüstet worden ist.
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| VT7 + BD + VT8 erreichen am 16.05.2002 Jenbach. |
Die Triebfahrzeuge tragen noch die gelungene, originale rote
Farbgebung, einige Zwischenwagen werden jedoch bereits als Werbeträger
verwendet.
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| ÖBB 5090 004-2 am 22.07.1994 in Alt Weitra. |
Durch eine Initiative der Eisenbahnergewerkschaft kam es 1983 auf
der Waldviertelbahn und auf der Pinzgauer Lokalbahn zu Probefahrten mit
dem StLB VT 34. Der Triebwagen konnte auch hier überzeugen und
endlich kam zur Bestellung von 5 Triebwagen durch die ÖBB, nachdem schon
seit Jahrzehnten keine neuen Fahrzeuge für den Personenverkehr
angeschafft worden waren. Die von Knotz gelieferten Fahrzeuge wurden
1986 als 5090 001 bis 5090 005 in Betrieb genommen. Die
wesentlichste Änderung gegenüber den StLB Fahrzeugen betrafen die
Schwenktüren sowie die verlängerten Führerstände mit Rammsäulen und
Knautschzonen. Dadurch erhöhte die Gesamtlänge auf 18300 mm. Der
MAN Dieselmotor leistet 235 kW. Es wurden keine Steuer- oder
Zwischenwagen beschafft. Nur auf der Pinzgauer Lokalbahn werden
teilweise adaptierte BD4 ("Krimmler"-Personenwagen) für den
Fahrradtransport mitgeführt. Nach einer Erprobungsphase kamen
5090 001 bis 5090 003 nach Zell am See. Die Triebwagen
5090 004 und 5090 005 verblieben bis zur Einstellung des
Personenverkehrs Mitte 2001 im Waldviertel. Danach kamen sie nach St.
Pölten.
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| Innenraum
des 5090 005-9, am 22.07.1994 in Gmünd. |
1993 wurden von Bombardier zwei weitere Triebwagen als 5090 006
und 5090 007 geliefert und in Zell am See stationiert. Sie
unterschieden sich von der ersten Serie durch die weniger aufwändigere
Lackierung. Im Laufe der Zeit wurden die Triebwagen bei einigen
Sitzplätzen mit Übersetzfenstern ausgerüstet.
Die dritte Lieferserie rollte 1995 als 5090 008 bis
5090 017 auf die Gleise und sollte sehr rasch die bisher auf der
Ybbstalbahn und Krumpe vorhandenen 2091 ersetzen. Die auffallendsten
Unterschiede sind die geänderte Stirnfront mit den eckigen
Scheinwerfern, die Übersetzfenster sowie die Schallschutzverkleidungen
an den Seiten. Die Schwenktüren sind vom Fahrgast nun per Tasten zu
bedienen. Drei der neuen 5090 kamen nach St. Pölten (5090 014 bis
5090 016), einer nach Zell am See (5090 008) und die
restlichen sechs Triebwagen nach Waidhofen an der Ybbs.
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| 5090 014-1 am 18.08.2001 in Mank. |
5090 001 bis 5090 005 sind in einer aufwändigen, aber
gelungenen Farbgebung in blutorange und elfenbein ausgeliefert worden.
Ab 5090 006 ist dieses Farbschema insoferne vereinfacht worden, als
daß auf die zahlreichen Zierlinien verzichtet worden sind. Die Farben
sind auf achatgrau und verkehrsrot geändert worden. Auch die älteren
Triebwagen sind mittlerweile zum Teil bei Ausbesserungen mit dieser
einfacheren Lackierung versehen worden. Als Einzelgänger ist der
5090 001 heute als "knallroter Schienenbus" unterwegs, nachdem er
analog den neuesten ÖBB-Lokomotiven oder Autobussen komplett in
verkehrsrot lackiert worden ist. Einige der Triebwagen tragen so wie
schon viele 2095 inzwischen Gemeindewappen oder sind wie der
5090 007 im Pinzgau mit einer dezenten Werbung versehen.
Diese mittlerweile 28 Triebfahrzeuge und 6 Steuerwagen umfassende
Familie erfüllt sicher alle jene Anforderungen, für die sie konstruiert
worden sind. Einmannbetrieb und ein weit geringerer Verbrauch als ein
mit Lokomotive und Waggons geführter Zug tragen ihren Teil zur
Kostenreduktion bei.
Die ÖBB Triebwagen sind vor allem aufgrund des fehlenden WC
wiederholter Kritik ausgesetzt. Dieser Mangel kann während einer Fahrt
nach einer Stunde vor allem bei kleineren Kindern durchaus zum Problem
werden. Übrigens war es wahrscheinlich aber nicht im Sinne der
Konstrukteure, daß diese Triebwagen zum Beispiel für die lange Fahrt von
Mariazell nach St. Pölten eingesetzt werden sollten - zumal die
Fahrgastzahl auf dieser Strecke stark schwanken und sich dabei ein
Triebwagen rasch als zu klein erweisen kann. Aber dies ist eine Frage
der sinnvollen Verwendung und nicht eine der Konstruktion. Zum Teil wird
die Kritik am 5090 hin und wieder etwas unsachlich, so wie es auch bei
der Baureihe 4090 bisweilen der Fall ist. Vergleichbare Triebwagen
anderer Bahnbetreiber werden da nicht so oft so hart ins Gericht
genommen. Wird bei den ÖBB ein anderer Maßstab angesetzt?
Sicher ist, daß ohne diese Triebwagen, die es freilich schon früher
geben hätte sollen, das Streckensterben viel weiter fortgeschritten
wäre. Leider kann die Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h aber nur selten
ausgenutzt werden, was zum Beispiel an zahlreichen unbeschrankten
Bahnübergängen liegt.