Meine ganz persönlichen Highlights by Martin Gahler

 

Naturgemäß fallen die Highlights für einen Betreuer nicht zwingend mit jenen der Junx und Mädels zusammen, was vor allem daran liegt, dass sich einige Vorkommnisse, wie zum Beispiel ein paar der auf Bibis Homepage geschilderten nächtlichen Aktivitäten (brrrrr) oder die hinter den Betreuerrücken zeitweise über jene geäußerten „Komplimente“, der Kenntnis der Betreuer leider weitgehend entziehen. Wie schade! Ich spiele ohnehin mit dem Gedanken, irgendwann einmal einen als Kind verkleideten Betreuer in die Grestner Unterwelt zu schicken, der die Lieben ausspioniert und uns dann immer mit allen notwendigen Infos (Wann trifft man sich zu nächtlichen Ausflügen? Wer kauft wann wo Alkohol? etc.) versorgt, was bestimmt recht lustig, für den Spion allerdings manchmal auch ein wenig gefährlich wäre.

 

(Achtung, jetzt kommt was Anspruchsvolles! Notfalls überspringen!)

Noch spannender aber, als die Geschichten aus dem Mund eines unbeteiligten Dritten zu erfahren, würde mir die Chance erscheinen, etwas aus einer anderen Perspektive noch einmal oder neu zu erleben. Ansichten, von denen man lange fest überzeugt war, könnten sich dann schnell als falsch herausstellen.

 

Doch Schluss mit dem Gequatsche! Denn eigentlich möchte ich euch ja eine Auswahl jener Erlebnisse vorstellen, die für mich zu den ganz besonderen Highlights zählten und zur Entstehung jener Atmosphäre beitrugen, die Gresten meiner Ansicht nach so auszeichnet.

 

 

·        Die Frau Kartoffelfrau

·        Oberklodette und Coolman

·        Patricks impossible Missions

·        Pizza essen

·        Wanderung auf Irrwegen

·        Geschichten

·        Goganz am Morgen

·        Film drehen

·        Der heiße Stuhl

·        Pyjamaparty

·        Der bunte Abend

 


 

 

·        Die Frau Kartoffelfrau

 

Jedes Mal eine Begegnung der komödiantischen Art: Das Zusammentreffen von Robert und seiner Lieblingsküchendame, einem 18jährigen Mäderl, das sich sichtlich vor ihm fürchtete und diese Angst mit gekünstelter Autorität zu vertuschen versuchte.

„Hallo, Frau Kartoffelfrau!“ begrüßte er sie einmal freundlich -  und schon verlor sie die Fassung und attackierte ihn mit wüsten, teils unverständlichen Beschimpfungen.

„Sag bitte einfach nichts zu ihr, lass sie in Ruhe“, bat ich ihn, was er mir auch versprach. Er hielt sein Versprechen: beim nächsten Mittagessen sagte er nichts zu ihr. Dafür starrte er sie die ganze Zeit über an, mit dem Ergebnis, dass die psychisch labile Kartoffelfrau wieder einmal ausrastete und eine ziemlich lächerliche Figur abgab.

 

 

·        Oberklodette und Coolman

 

Als Rache für das überaus verbrecherische Benehmen der Allianz des Bösen (=H1) wurde sie einmal mitten in der Nacht von Coolman (ich) und Oberklodette (Sissi), die natürlich in Verkleidung und mit Fingerfarbe bewaffnet erschienen, heimgesucht. Das war sooo witzig: Sissi im Oberklodettendress und mit Sonnenbrille, dank der sie in der Dunkelheit natürlich nichts sah und ununterbrochen in irgendein Hindernis krachte; Ich mit Umhang und Zorro-Maske – eine Augenweide.

Unglücklicherweise wollte uns der Coup nicht ganz gelingen, denn im Augenblick unseres Angriffs bemerkten die meisten Opfer, dass sie mit Fingerfarben bemalt werden sollten, und reagierten entweder grantig („Ihr seids ja wie Kinder! Lassts mich schlafen!“) oder – viel lustiger – sie verbündeten sich mit uns. So war die Zahl unserer Gefolgsleute etwa auf acht angewachsen, als wir uns aufmachten, unser letztes Opfer zu überraschen: Christian. Aber auch der wachte natürlich prompt auf. Sofort knipste ich die Taschenlampe aus, versteckte mich in Manuels Bett, während Sissi ebenfalls irgendwo im Dunkeln kauerte. Ich kann mich noch genau an Christians verschlafene Worte erinnern: „Wer is das?“ „Na, wer?“ stellten sich unsere Anhängerschaft unwissend. „Wer liegt da in Manuels Bett?“ „Der Manuel“, beeilte sich die versammelte Mannschaft zu versichern, was Christian aber dann ganz offensichtlich doch nicht ganz glauben wollte und daher zur Strafe gleich mit Farbe bekleckert wurde.

Resultat: Alle wach, überall Farbe – eine Riesenhetz!

 

 

·        Patricks impossible Missions 

 

Niemand schaffte es, gegen bestimmte Verbote auffälliger zu verstoßen, als unser lieber Patrick. Da ich aber glaube, dass er es nicht gerne sähe, wenn ich diese Geschichten hier näher erläutern würde, belasse ich es bei den beiden Stichwörtern „Mission“ und „Kassa“ und verschweige die dahinter verborgenen Aktionen, die ich, im Nachhinein betrachtet, eher als originell denn als „schlimm“ empfinde.

 

·        Pizza essen

 

Die wilde Horde vom Haus 1 zu Gast in einem Restaurant – ein nicht ganz ungefährliches Unterfangen. Mir schwanten schon Schreckensvisionen von fliegenden Essensresten, sich laut gebärdenden Ungeheuern und schockierten Kellnern. Doch nichts von all dem passierte. Im Gegenteil, der Pizzaabend mit euch war einer der nettesten und entspannendsten, an den ich mich sehr gern erinnere.

 

·        Wanderung auf Irrwegen

 

Teil 1: Auf zum Goganz

 

Ich und meine große Klappe! Mit den Worten „Folgt mir, ich kenn den Weg!“ wollte ich die versammelte Mannschaft + Mario auf den Goganz hinauf führen. Das haben wir auch – welch großer Erfolg! - tatsächlich geschafft! Nur der Weg bergab erwies sich dann als ungleich schwieriger, denn der endete plötzlich im Nirgendwo. Zudem waren einige Wanderer bereits frohen Mutes vorangegangen und galten seither als verschollen. Die besten Voraussetzungen für einen gelungenen Spaziergang! Dass der Ausflug ins Unbekannte schließlich zu einem meiner lustigsten Gresten-Erlebnisse wurde, lag am Improvisationsvermögen der jungen Wanderer („Gehen wir da, da schaut’s gruselig aus!“, „Gut, dass ich etwas zum Essen mitgenommen hab‘. Wer weiß, wie lange wir da noch unterwegs sind.“) und an Marios Gelassenheit („Eine normale Wanderung ist eh fad!“).

Nach unserer Rückkehr ins Kinderdorf stellte sich heraus, dass die verschollen geglaubte Truppe im Zuge eines Zwischenstopps bei einem Bauernhof die Bekanntschaft eines furchterregenden „Mörderhundes“ gemacht (Gell, Lucky?) und ein „Eis“ konsumiert hatte.

 

Teil 2: Ganztagswandertag

 

Was dachte sich Gitti bloß dabei, als sie mir die undankbare Aufgabe des Bergführers bei unserem Schlussausflug überließ? Wahrscheinlich wollte sie einmal ein richtiges Abenteuer erleben, und diesem Wunsch vermochte ich, bei aller Bescheidenheit, durchaus Rechnung zu tragen.

Unsere Tour jedenfalls verlief recht harmlos, solange keine Kreuzung die Möglichkeit zum Abbiegen bot. Wie es der Teufel wollte, stießen wir aber dann doch irgendwann auf eine Weggabelung, die mich, der ich im Plan Lesen ungefähr so geübt bin wie Jenny in der Durchführung einer konsequenten Diät, vor die Wahl stellte. Ich entschied mich für den sympathischeren Pfad, der anfangs auch ganz sympathisch und unscheinbar wirkte, sich dann aber als immer steiler und schmaler entpuppte und schließlich – wie gemein – in eine dicht befahrene Straße mündete. Während unserer abenteuerlichen Auf- und Abstiege bekam ich via Walky Talky stets die neuesten Freundlichkeiten der lieben, an diesem Tag aber schwerst kranken und daher den Herausforderungen unserer anstrengenden Route nicht gewachsenen Gabi zu hören („Wenn ich es bis nach vorn schaffe, bringe ich dich um!“). Außerdem befand sich ein Gewitter im Anzug, das uns – in Ermangelung einer besseren Alternative: Die Straße war einfach zu gefährlich - zur sofortigen Umkehr und damit der nochmaligen Beschreitung des Horrorpfades nötigte, sehr zu Gabis Begeisterung.

Das Erstaunliche: Irgendwie war das alles sehr witzig (außer für Gabi). Vielleicht sollte ich auch beim nächsten Schlussausflug an der Spitze der Wandertruppe gehen. Wenn wir auch nicht am vorgesehenen Ziel ankommen; ein Abenteuer wird’s allemal.

 

 

·        Geschichten

 

Erinnert ihr euch noch an die Geschichte, in der ein neugieriger Junge die Abkürzung über den verfluchten Friedhof nimmt und dafür die Rechnung präsentiert bekommt? Oder an die mit dem eindeutig zweideutigen Erlebnis der Gina mit ihrem Giovanni? Die mit dem einsamen Haus mitten in der Einöde von Gresten? Oder an jene, in der ein Strafgefangener per Losentscheid trotz seiner List sein Todesurteil fällt?

 

Derartige Geschichten mit meist überraschendem Ende gehören für mich zu den Fixpunkten jedes Ferienlagers. Ich hoffe, sie haben euch ebenso gefallen wie mir!

 

  

·        Goganz am Morgen

 

Den Sonnenaufgang vom Goganz aus bewundern – das hört sich spannend, ist es sicher auch, sofern man dem Schauspiel ausgeschlafen und im Besitz all seiner geistigen Kräfte folgen kann. Doch wer bringt das schon zustande um fünf Uhr morgens?

Ich weiß noch, dass mich irgendjemand in aller Früh unsanft aus meinen Träumen  riss, dass ich anschließend schlaftrunken ins Bad taumelte und dabei von einem netten Kollegen photographiert wurde (Mario ist eindeutig der Spezialist für sogenannte Killerfotos!) und mich dann irgendwann in Isas Auto wiederfand, mit dem wir die Strecke zum Goganzgipfel zurücklegten.

Sonnenaufgang gab es für uns aufgrund des Wetters leider keinen zu sehen, und eiskalt war’s auch – und alles in allem trotzdem sehr nett!

 

 

·        Film drehen

 

Für mich jedes Mal ein Highlight: Die Produktion unseres eigenen Gresten-Films. Diesmal sollte sich alles um die Abenteuer des heldenhaften Hi-Man drehen, für den wir in Robert wohl unsere Idealbesetzung fanden; schon der erste Satz „Ich bin Plem-Plem, Prinz von Ballerina und Hüter der Geheimnisse von Schloss Gresten“ kam aus seinem Mund so überzeugend, dass selbst ein Robert de Niro vor Neid erblassen würde. Um seinem Namen gerecht zu werden, musste Hi-Man in seiner Rolle zwischendurch immer wieder penetrant kichern („Hi-hi!“), und das machte Robert mit einer solchen Begeisterung, dass er mich damit stets zum Lachen brachte.

Überhaupt gab es während der „Dreharbeiten“ genug zu lachen; etwa, als Angi und Isa beim Versuch der Eroberung von Schloss Gresten zwischen zwei parkenden Autos stecken blieben (Isa verstauchte sich bei dieser höchst gefährlichen Szene den Fuß und konnte sich daraufhin nur mehr fortbewegen, indem sie einen Sessel als Stütze vor sich her schob); oder als Robert und Lucky bei einer Kampfszene vergeblich versuchten, ernst zu bleiben, und schließlich in schallendes Gelächter ausbrachen. Auch Patricks sexy Outfit, seine Freude an der Zusammenarbeit mit Jenny („Lala“) und seine Geduld in der Szene, in der er vom sichtlich begeisterten Philipp mit Mineralwasser übergossen wird, außerdem noch Christians und Thomas‘ sichtliches Vergnügen an ihren Rollen als Bösewichte, Bibis oft geübter und jedesmal markerschütternder Schrei und natürlich Tommys überzeugende Darstellung von „Battle-Pingu“ zählen für mich zu den Höhepunkten der Filmproduktion.

Ebenfalls unvergesslich: Gabis sensationeller Auftritt als Ausdruckstänzerin „Weiße (?) Hildegard“!

 

 

·        Der heiße Stuhl

  

Das Konzept des Spiels ist einfach: Jeder Spielteilnehmer zieht ein Kärtchen mit einem Oberbegriff, der als Impuls für eine entweder wahrheitsgetreue oder erfundene Erzählung einer Begebenheit aus dem Leben des Spielteilnehmers dienen soll. Wer dran ist, setzt sich auf den „heißen Stuhl“ und beginnt zu erzählen. Richtig spannend wird’s natürlich erst dann, wenn so brisante und uuuurpeinliche Themen wie „Mein erster Kuss“ oder „Mein peinlichstes Erlebnis“ zur Sprache kommen.

Das Spiel war dank eures bemerkenswerten Einsatzes und natürlich eurer interessanten, teils nachdenklichen, teils amüsanten Beiträge ein voller Erfolg und verschaffte Mario und mir, die wir uns natürlich auch nicht vor dem heißen Stuhl drücken konnten, damals die Gelegenheit, euch ein wenig besser kennenzulernen.

 

 

·        Pyjamaparty

 

Zu den traditionellen Gimmicks einer Party zählen romantische Musik, dümmliche Spiele (wie Besentanz und Flaschendrehen) und natürlich eine gute Stimmung, für die nicht nur Jenny und ich dank unseres peinlichen Outfits (Becher als Partyhut) sorgten, sondern an der auch alle Partygäste engagiert mitwirkten. Vielen Dank also ans H8 für die Einladung zur ultratollen Houseparty!

 

 

·        Der bunte Abend

   

Eines vorweg: der ganze bunte Abend war eine Wucht und ließ bei mir eine ungeheure Schwermut angesichts der bevorstehenden Heimfahrt aufkommen. Es gab eine Vielzahl von beeindruckenden Beiträgen, die es allesamt verdienten, hier erwähnt zu werden. Ich hoffe, dass mir dennoch niemand böse ist, wenn ich mich jetzt auf die genauere Schilderung jener Showacts beschränke, bei denen die Junx aus Haus 1 mitwirkten und die aus diesem Grund einen ganz besonderen Stellenwert bei mir einnehmen.

Da waren einmal Robert und Lucky, die uns einen heißen Striptease präsentierten und damit für gehörige Gänsehaut bei den Mädels sorgten.

Wenig später folgte das von mir mit Spannung erwartete „lustige Betreuerraten“: Hier wurden dem Publikum durch gelungene Imitationen die Eigenarten meiner lieben Kollegen – ich wurde verschont – vor Augen geführt, und wer sich in der Darstellung wiedererkannte, durfte dafür auch noch eine für ihn maßgeschneiderte Strafe absolvieren.

So kamen die als beinharte Keppeltante persiflierte Sandra und Jenny, die vermeintliche „Abnehmerin“, etwa in den Genuss eines Schwedenbombenwettessens, das sie wohl nie vergessen werden, da sich im Inneren der Süßigkeiten nicht die erhoffte Creme, sondern grauslicher Senf befand. Besonders witzig erschien mir die plötzliche Veränderung ihres Gesichtsausdrucks in dem Augenblick, als sie die gemeine Täuschung bemerkten: zuerst freudige Erwartung, dann abgrundtiefer Ekel, dass sie einem leid taten.

Gekonnt auch die Darbietung von Patrick: Mit dem weißen Sturzhelm auf dem Kopf und in seinem wallenden Umhang wirkte er mit seiner Version des „Ausdruckstanzes“ fast so überzeugend wie Gabi, das Original, die uns anschließend mit einem schweinischen Witz beglückte.

Andreas liebevoller Umgang mir ihrer gewöhnungsbedürftigen Handtasche „Schnippi“ wurden ebenso unerbittlich durch den Kakao gezogen wie Susis Hang zu „extremen“ Wörtern, Johannes‘ Einführ... pardon: Einfühlungsvermögen oder Thomas‘ Vorliebe für pseudoerotische Tänze.

Den Abschluss bildete eine wirklich gelungene Dirty Dancing-Show, bei der die TänzerInnen sich derart professionell bewegten, dass man ohne Übertreibung behaupten hätte können, sie seien die lebendig gewordenen Hauptfiguren aus dem gleichnamigen Film.  

Fazit: Es war ein toller, spannender und auch ein wenig trauriger Abend.