Nie ohne einen Flügel: Die Pianistin und ihr treues Instrument Foto Privat
Musik
Die Pianistin Ingrid Groppe ist durch viele Schulen gegangen
Bürgstadt, Bronx, Berlin klingt vielleicht nach den Niederlassungen einer besonders kreativen Werbeagentur, aber nicht nach dem Lebensweg einer Pianistin. Und doch waren dies nur einige der Stationen, die Ingrid Groppe während ihrer Lehr- und Wanderjahre passierte. Nachdem sie schon als Siebenjährige in ihrer fränkischen Geburtsstadt ihr Talent bewiesen hat, besteht sie 1983 die Aufnahmeprüfung an der Akademie für Tonkunst in Darmstadt, ebendort macht sie fünf Jahre später ihr Examen als staatlich geprüfte Klavierlehrerin. Anderen würde dies genügen. Der jungen Pianistin, die inzwischen die ersten Meriten erworben und bei etlichen Klavier-Kursen ihr interpretatorisches Profil zu schärfen gesucht hat, hingegen nicht. An der Kölner Musikhochschule studiert sie zunächst bei Günter Ludwig, dann bei dem weithin bekannten und als streng verschrieenen Pavel Gililov. 1992 legt Ingrid Groppe die künstlerische Reifeprüfung ab, erhält ein Diplom und reist weiter durch deutsche Lande. Diesmal heißt das Ziel Berlin, die Hochschule für Musik „Hanns Eisler". Annerose Schmidt, nicht allein Professorin, sondern zudem ausübende Pianistin, bildet ihre neue Schülerin zur podiumstauglichen Künstlerin aus: Im Sommer 1995 beendet Ingrid Groppe ihr Studium mit dem Konzertexamen. Zwei Jahre später, die junge Frau ist nun Privatschülerin beim New |
Yorker Klavierpädagogen Jacob Leitner an der renommierten Juilliard School, spielt sie öffentlich in Manhattan und in der Bronx. Inzwischen ist Ingrid Groppe nach Deutschland zurückgekehrt, ihr Wohnort ist Berlin. Seit ihrer zweiten Ankunft hat sie hier, aber auch andernorts - unter anderem in Salzburg, Wittenberg, San Diego, Jerusalem - regelmäßig Konzerte mit diversen Orchestern und mit verschiedenen Werken (bevorzugt Beethoven und Brahms) und Soloabende gegeben. Sachlichkeit und Klarheit sind charakteristisch für ihr Spiel, das sich stets in den Dienst des Werks stellt, statt es durch eigene Ideen verbessern zu wollen. Am heutigen Montag gibt Ingrid Groppe ein Klavierrecital in der evangelischen Martin Luther Gemeinde in Neukölln mit einem mehr als anspruchsvollen Programm. Sie spielt das zweite Intermezzo aus op. 118 in A-Dur von Brahms, den Lisztschen Liebestraum Nr. 3, eine sehr frühe Etüde von Alexander Skrjabin (op. 2,1, cis-Moll), sowie die äußerst heikle C-Dur-Fantasie von Robert Schumann. Für den Schluß hat sich Ingrid Groppe ein typisches Zugabenstück ausgewählt, die ungemein schwierige Paganini-Etüde von Liszt mit dem poetischen Namen „La Campanella". Heute abend, 19 Uhr, Martin Luther Gemeinde, Fuldastraße 50, Neukölln. Einlaß ab 18 Uhr.
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