Ein Dreifacher Auftakt mit Herbert

Grönemeyer startete in Riesa den letzten Teil seiner Konzerttournee durch Deutschland

Je näher der Konzertbeginn rückt, desto enger wird es am Mittwochabend auf den Straßen ins sächsische Riesa. Teilweise in Kolonne fahren die Herbert-Grönemeyer-Fans aus Elsterwerda, Falkenberg, Plessa oder auch Finsterwalde, um in der nach Angaben der Veranstalter restlos ausverkauften Sachsen-Arena mit rund 12 000 Gleichgesinnten aus Südbrandenburg und Sachsen einen dreifachen Auftakt zu erleben.

Der deutsche Rocksänger startet in Riesa den letzten Teil seiner mehrfach unterbrochenen Tournee zu seinem bislang letzten Album „Bleibt alles anders“. Die Stadt an der Elbe ist die einzige ostdeutsche in Grönemeyers aktuellem Tourneeplan.

Zudem geht von der neuen Halle selbst eine Premiere aus. Zum ersten Mal findet dort ein Rockkonzert in dieser Größenordnung statt.

Das dritte Novum liefert wiederum der Rockstar. Als letzten Titel singt er zum ersten Mal das Lied „Heimat“ live. Das Stück gibt es bislang nur als Zugabe auf einer Maxi-CD-Auskopplung.

„Insgesamt sehr schön“, urteilt die 24-jährige Anne Kern am Ende des rund zweistündigen Konzerts. „Am Anfang aber war es ein bisschen trübe. Die Leute sind erst spät aufgetaut.“ Das lag, so glaubt Anne, „sicher daran, dass Herbert zuerst die neuen Lieder brachte“. Natürlich dürfen „Männer“, „Alkohol“ oder „Flugzeuge im Bauch“ nicht fehlen. Auch Grönemeyers unnachahmliche Mimik und Gestik sind unverändert. Er braucht die Bühne für sich, wechselt seinen Platz zwischen Keyboard („Halt mich“) und Laufsteg in die Zuschauerreihen („Selbstmitleid“). Die Arme hält er selten still.

Blumen fliegen nach oben auf die Bühne. Kerzen und Feuerzeuge brennen. Bei „Vollmond“ leuchtet gar ein Mond-Lampion inmitten der Massen auf.

Doch Grönemeyer gelingt es erst sehr spät, den Funken überspringen zu lassen, das Publikum mitzureißen. Herbert Grönemeyer, durch den frühen Tod von Ehefrau und Bruder von schweren Schicksalsschlägen getroffen, kann in Riesa längst nicht mehr mit der Energie, der Unbekümmertheit aufwarten, die er noch zu Beginn seiner Tournee im Frühjahr 1998 an den Tag gelegt hatte. „Erst nach einer Stunde kam Feeling auf, spürte man Emotionen“, meint Ines Kisters (31).

Und nicht nur sie hat in den hinteren Reihen arge Probleme, etwas von dem zu erblicken, was sich vorn auf der Bühne abspielt. „Ohne Videowand fehlt was“, so der allgemeine Tenor. Dafür können sich die Erbauer der Sachsen-Arena in Sachen Akustik ein Bienchen eintragen.