Jahresbericht
2000 des Präsidenten
Mit Freude dürfen wir feststellen, dass die Quote der Erwerbslosigkeit weiterhin tief liegt im Vergleich zu jenen Jahren, in denen TAT ins Leben gerufen wurde. Trotz diesen erfreulichen Zahlen können wir keinen Rückgang unserer erwerbslosen BesucherInnen im Laden verzeichnen. Fachleute berichten, dass man heute zwar schneller eine Stelle findet, aber auch schneller wieder eine Stelle verliert. Die Anzahl jener Menschen, die für ein paar Monate einen Job haben und ihn danach wieder verlieren, nimmt zu. Vielleicht ist dies ein Grund dafür, dass die Anzahl unserer erwerbslosen Besucherlnnen defacto zunimmt.
Kaum in Zahlen zu messen, ist der Beitrag, den TAT für Dialog und den Austausch zwischen erwerbslosen und erwerbstätigen Menschen leistet. Von allem Anfang zählten wir diese Solidarität zu unseren zentralen Zielen. .
Einzelne erwerbslose Menschen würden sich ein TAT wünschen, in dem nur Erwerbslose verkehren, um unter sich zu sein und miteinander die Freizeit zu gestalten. Diese wichtigen Angebote werden bereits in der Stadt gemacht. Sie bergen jedoch auch die Gefahr der Ghettoisierung. Daher glauben wir, dass ein gemischtes Zielpublikum und die Fördermitglieder der Solidarität zwischen erwerbstätigen und erwerbslosen Menschen dem Bedarf unserer Region eher entspricht.
Zusammen mit der Job-Börse haben wir uns in Gottesdiensten in verschiedenen Pfarreien und Kirchgemeinden vorgestellt. In der Predigt zeigten wir auf, dass aus christlicher Sicht nicht die Arbeit, die Effizienz, das Wirtschaften sondern der Mensch im Zentrum zu stehen hat. All unser Handeln und Denken muss diesem einen Zentrum dienlich sein.
Der Vorstand hat sich intensiv mit dem Thema des Selbsthilfeprinzips beschäftigt. Bei der Gründung von TAT war dieses Prinzip ein zentraler Bestandteil der TAT - Philosophie. Inzwischen zeigte sich, dass dadurch Interessenkonflikte entstehen können, da Mitglieder des Vorstandes zugleich angestellte Mitarbeiterinnen im TAT sind. Wir sahen uns gezwungen, das Selbsthilfeprinzip aufzugeben und eine klare Trennung zwischen den Angestellten und dem Vorstand vorzunehmen. An dieser Stelle möchte ich all jenen danken, die mit viel Engagement die Selbsthilfeorganisation TAT ins Leben gerufen haben und heute schmerzlich den Abschied vom Selbsthilfeprinzip hinnehmen müssen. Meines Erachtens kann die Pionierphase auf dem Selbsthilfeprinzip aufbauen. Es muss jedoch in der Etablierungsphase wieder verabschiedet werden, da nur klare Strukturen und Gewaltentrennung zu einem langfristigen Erfolgführen können.
Mit dem Jahr 2001 beginnen wir das dritte Jahr von TAT an der Hauptstrasse in Binningen. Die verschiedenen Kirchgemeinden und Vereine, die TAT finanziell mittragen, haben uns eine finanzielle Unterstützung für die ersten drei Jahre zugesagt. Es gilt nun mit diesen Institutionen neu zu verhandeln, damit TAT auch in Zukunft auf finanziell gesichertem Boden stehen kann.
Wir hoffen, dass TAT im Jahr 2001 weiterhin für erwerbslose und erwerbstätige Menschen ein offenes Haus sein darf.
Fridolin Wyss-Bömelburg, Präsident