telemach?
 
 
EIN SOLO FÜR ZWEI SCHAUSPIELER 

UND EINE SPIEGELKUGEL

 
   
   
   
   
AUS TEXTEN HOMERS 

FREI NACH DER BERNDEUTSCHEN ÜBERSETZUNG VON ALBERT MEYER

 
   
   
VON UND MIT ANDREAS STADLER  
   
   
   
BOLONIA/BERLIN IM JANUAR 2000  

Ó Andreas Stadler.Ebelingstraße 3.D-10249 Berlin.

Fon/Fax 030 4266044
 
 

Bühne und Personen
 
 

Ein weiter, nackter Bühnenraum.

Auf der gesamten Fläche des Bodens stehen dichtaneinandergedrängt grüne leere Bierflaschen, die sich zur Mitte hin ausdünnen.

In der hinteren Wand eine Tür. Das Piktogramm darauf symbolisiert eine Frau: Anscheinend der Zugang zur Toilette.

An einer der Seitenwände ein Rechteck aus Spiegel-Fliessen, evtl. auch Hohlspiegel im 70er-Jahre-Stil.

Andeutungsweise ein Club einer europäischen Grossstadt.

Mimimalistisches industrielles Design.

Im Zentrum ein Barhocker: der in der Höhe verstellbare Stahlfuss und das mit schwarzem Kunstleder bespannte Polster erinnert an ein Kraftgerät aus dem Sportstudio. Ueber dem Barhocker hängt eine drehbare SPIEGELKUGEL an der Decke.

Ein DJ-Pult, auf dem ein zwei Plattenspieler stehen. Ein Mikrophon liegt mittig am Boden.

Im Hintergrund sitzt mitten in den Flaschen, in sich gesunken, vom Publikum abgewandt, ein PENNER am Boden.

TELEMACH in trendigem Army-Look.


I. AKT T E L E M A C H



Bild 1 ANTINOOS

Laute elektronische Musik. Einlass der Zuschauer.

TELEMACH räumt eilig leere Flaschen in Kästen und stapelt diese – angesichts der Masse des Leerguts eine Sysiphosarbeit.

Plötzlich entdeckt er den übriggebliebenen PENNER.

TELEMACH über die Musik

He! Fyrabe!

Der PENNER rührt sich nicht.

TELEMACH

Wottsch hie übernachte? Fyrabe han ig gseit! – S'isch kene meh da zum Aabättle.

Der PENNER tut keinen Wank. TELEMACH arbeitet kopfschüttelnd weiter. Einige Kästen später erinnert er sich wieder an den PENNER.

TELEMACH

Bischt immer no da? - Itz längts aber. – Los, gang hei. Mach mer hie

kener Lämpe.

Noch immer keine Antwort. TELEMACH gibt auf und arbeitet weiter. Irgend einmal nervt ihn die Musik. Er schaltet sie über den Laptop aus. Absolute Stille. TELEMACH stützt sich erschöpft auf den Bierkasten, den er vorhin auf dem Barhocker abgestellt hatte.

TELEMACH

Aber äntlech chumen ou ig a d'Gränze vom Wäutmeer.

Er wirft einen Blick durch den Raum und über das Flaschen-Meer.

Sein Blick fällt auf den PENNER

TELEMACH

Eis zwöi zur Tür us, he Ätti, u zwar plötzlech. I ha scho gnue Erger.

Er geht zu ihm hin. Schüttelt ihn. Zum Publikum:

Dä pennt wien e Chlotz.

Er entdeckt eine Dose Bier in der Plastktüte, die neben dem PENNER liegt.

O no billigs Bier ineschmuggle. Das hei mer de gärn.

Er schaut ihn sich näher an. Dann zum Publikum:

So ne schittere Ätti u chummergschlagnige Bättler.

Er öffnet die Dose, prostet dem schlafenden PENNER zu.

Uf en tüüfe gsunde Schlaaf – Schlitzohr.

TELEMACH trinkt und geht dabei wieder zum Hocker. Er stellt den Kasten, der darauf steht, auf den Boden, setzt sich auf den Hocker und fängt an, sich einen Joint zu bauen.

TELEMACH

Heschten äntlech im Schiff de d'Wälle vom Wältmeer dürfahre, triffschten es nidersch Ufer im Wald vo dr Persephoneia. Gang dört a Land, bi de wüetigschte Wiirble vom grundlose Wältmeer: Glimpfegi Saarböim u Wyde, wo vorzytig d'Frucht vo sech stosse. – Chunnschte dörthäre so land u bring d'Schaf usem Schiffsbuuch. Louf de z'dürab zum Hades sym muechte, duschtere Wohnort, wo zur Leidschlucht d'Wasser vom Füürflammehitzfall absuuse, wo der Jammerbach fliesst, en Usfluss vom Angschtschtrom, wo über Felsblöck ewägg mit mächtigem Donner der Zsämefluss finde. Merk der! Vorsichtig nume schnaaggischt vorwärts, du Waghals. Grab dert es viereggigs Loch, voren Ell i dr Längi u ztromsig. Schütt en Opfertrank dry zum Dänkmal für all di Verstorbne: Hunggmilch zum erschten u Wy, e chüschtige Tropfe, zum zwöite, Wasser zum dritte, drzue überstreus mit gmahlniger Gärschte. Chnöilige bätt druf, versprich de schattehaft schittere Tote, chiemisch uf Ithaka zrugg, es rassigs, fählerfreis Guschti.

Der Joint ist fertig. Er zündet ihn an, zieht daran. Auf der Projektionsfläche hinter seinem Rücken tauchen zwei Augen auf und starren ihn an.

Hescht de bim Bätte di vile verehrete Gstorbne du gschweigget, pack de di Schaf u stich sen ab ob der duschtere Gruebe - fischter sprützt use das Bluet - und stoss sen i d'Töiffi. Lueg aber nid nache u dräj di uf d'Site. – Itz aber chöme uzähligi Seele vo längschthi Verstorbne: Type, no vil z'jung zum Stärbe, nume no Hut u Chnoche u übersäjt mit gruusige Fläcke: he, di kenne ni doch. Hei mir nid mal zsäme Sex gha? Wie heissisch scho wider? Die Frou mitäm blaue Streife ume Hals isch doch d'Annemarie. Werum hesch di usgrächnet i mim Chäller müesse ufhänke? U het sechs glohnt? Geit's der itz besser hie unge? Grossvati! Was luegsch de so gschamig? Hie interessiert's doch keni meh, dass der diner schöne Haar bim Bestrahle si usgheit. Oder öppe doch?

Urgrossvater, äntlech ler i di kenne. Du weisch scho, dass di vergäbe erschosse hesch: Dä Prozäss hesch de hingerhär doch no gwunne. Sorry Sile, di hani nid grad erkennt, dä Outoumfall het di ziemlech veränderet. Was luegeter my alli so aa? Was weiter vomer? Nenei a mis Bluet chömeter nid! Da chöiter no so lang hüüle u göisse. Itz isch guet. Fahret ab. I ha gnue gseh. Göht. Löht mi i Fride. Nei i chumme nid mit. I läbe noo.

Er fuchtelt mit den Armen, wehrt die Geister ab. Plötzlich kommt er zu sich.

Het's dr itz völlig usghänkt? So ne gschtörte Siech! Bringsch di freiwillig uf e Horror. Säuber tschuld, we de eines Tages blybsch hange. - Oder biny scho blybe hange u merk es nume nid?

TELEMACH drückt den Joint aus, und schaltet das Neon–Arbeitslicht an. Er fährt fort Flaschen einzusammeln.

TELEMACH

Ig, dr Suhn vom Odysseus! D'Götter hei mi bis itz wiene herrlechi Blueme la grate. D'Hoffnig han i scho gha, dass ig wurd wie di früechere Manne. Ha mi scho gseh gwüss a Gstalt und a Wuchs und a Geischt wi mi Vatter. Aber uf ds Mal glemmt a Gott myner herrleche Gabe u Sinne – oder ä stärbleche Möntsch.

zur Tür

Ja, Mueti, s'isch mer scho klar, dass nis hie im Huus ä richtige Maa fählt. Eine wie's dr Odysseus isch gsy. Wo dä Souschtau hie äntlech würd usmischte.

Aber wenn är würklech no läbt u gsung isch u munter, chönnt er doch lengschte scho zrugg sy. Vermuetlech het är aber überhoupt ke Luscht me uf Frou u Suhn. O Baby, Baby it's a wild world...

Blödsinn. Umechoo tuet no für gwüss dr Odysseus im hüürige Jahrlouf, denn, we ds letschte Mondviertel scheidet u ds neue sech chündet, jawole, denn chunnt er zrugg de, für Ornig z'schaffen u Rach z'näh. (244)

Er arbeitet weiter.

Nüütisch! Scho schryssen ihm hungregi Hüng u gfrääsigi Gejer d'Hut vo de Chnochen, u lang scho het wytwägg ne d'Seel ou im Stich glah – oder Roubfisch heinen abzoge u z'Fätze verrisse, lige im Flugsang ou neumewo all syner Chnoche u fule.

Weniger würd er mer fähle, hätt ihn der Tod öppen abgholt, z'Troja im Kampf inn u Chriegsgwüel u zsäme mit all sine Gspane. Oder am Chriegsänd deheim nach überstandnige Schlachte. Zsämethaft hätten ihm d'Grieche drufabe es Grabmahl errichtet. Ihm u sym Suhn hätt's uf däwäg no glängt zu Ruehm u zu Ehre. Itz hei ne d'Wättersturmgötter verwäjt u ne spurlos verblase.

Er arbeitet weiter.

Chiem er doch nume mir ume, my einzige Schutz hie u Schärme!

Er wendet sich endgültig wieder der Arbeit zu. Lange Pause.

Plötzlich zum Publikum, wie ein Fremdenführer.

Nei, gloubets, das isch ne: Odysseus' herrleche Prachtsbou! Liecht isch's, us all dene vilne Boute das Huus usezkenne: Saal chunnt uf Saal, u der Hof isch umgäh vo Firschten und Muure. Bschütze das mächtige Schloss, u ds Tor treit doppleti Flügel.

mit wachsendem Zorn

Sturmfescht schynt mer dä Bou, u der Zuegang chönnt niemer erzwinge. Aber es feschtlechs Ässe gwüss fyre vil Manne dört inne: Fettige Gschtank wäjt veruse – Telemach, niemer wi du het so mysi Gescht zue sech glade!

TELEMACH wendet sich an die herumstehenden leeren Flaschen, die von unten leicht beleuchtet werden. Er nimmt mehrere Anläufe zu einer Rede.

Loset, dihr Sühn vo hiesige gachtete Lüt–

Loset dihr Wärber um d'Muetter, dihr übersühnige Freier –

Dihr uverschämte, zuedringleche Freier vo mir arme plagete Mueter!

Manne vo Ithaka! Loset mer zue u vernäht, was i meine!

Eigeti Not wott i chlage! Grad dopplet het si mi troffe. Als alleri Erschts: My tapfere Vatter hani verlore! Eis eue Chönig u Fürscht u ne jedem e güetige Vatter! Schlimmer isch ds Zwöite! Mys Huus u mys Hei, die si am Verderbe! Oder het nech my Vatter ächt einisch mit Absicht ertöibt hie? Dass dihr mit Vorsatz mi quälet, verschletzet mis Erbguet? Tüet itz nid so: Di Sücht hie u all das truurige Trybe gseht me ringsume ja dütlech. Das isch itz dr Dank für sy Güeti!

Der PENNER ist aufgewacht und versucht aufzustehen.

TELEMACH zum PENNER

Blyb du ruhig hocke u laa dy vo dene Type nume nid la verarsche. S'isch geng no kes öffentlechs Huus hie, sondern das vo mir u mym Vatter.

Der PENNER bleibt sitzen.

TELEMACHwieder zu den Freiern

Dir Sühn us hiesige guete Familie umwärbet als Freier fräch mini herrlechi Mueter, gäb wie se sech wehrt und euch alli zsäme verwünscht. Dir chömmet grad ds Trotz itz tagtäglech zu ihre. Zehret da ugschämt ja bschtändig am Guet üüs u lääret nis d'Wychrüeg.

Ja, das passti nech scho, euch Plööterler, Höseler, Feige,

mittst dry i ds warme Bett vom mim starche, herrleche Vatter wetteter lige.

Dir verdammten Arschlöcher, dir säubschtverliebte Güggle,

schlööt nech hie Tag für Tag d'Nacht ume Gring. Bläjet nech uuf i öjne ermuloose Libli u churzgschornige Haar. Blybet haut doch chlyni Meitschi trotz öine müesam uufpumpete Muskle. Het mau eine äs Güfeli? Da chöiter nech no so lang la pierce und la tätowiere: wärdet drvoo doch kener richtigi Männer. Dir bildet nech doch nid öppe ni, dir imponieret äsoo dr Frou vom Odysseus? Dir lächerleche Miniaturusgabe vo Griechische Heude. Uu, wi böös dr chöit luege! Heit dr das deheim vorem Schpigu güebt? Dir sit sone truurigi Bande! Än ewige Chindergarte! Längwilet nech ds Tod. Schtöht nume blöd ume u glotzet bisnech dr Spöifer usem Muu louft oder machet hektischi Zuckige, aus wär o no ds Tanze ä Püetz. Chömet nech drby äuwä no sexy vor! Hä? U däm Läärlouf säget dir Fiire! Schtöht schtundelang vor dr Schissi Schlange für nech Ghirn-Wöschpulver dür d'Nase ds zieh. D'Kings ufem Häfi! U we dr zur abwächslig öppis weit gschpüre schletzeter ä Pille. Sit doch ehrlech: Heit doch d'Hoffnig längschte ufgäh, dass dr Mueter chöit inenäh. Drum tribeters itz i de dunkle Egge vo üsem Palascht wie d'Chüngle – ungerenang oder mit de Dienschtmägd. Abschprütze s'isch wurscht wie und wohäre isch eue einzige Läbensentwurf. Gauteti Buebe wo nie über ihri Schwanzschpitze hei usegluegt. Uf was wartet er eigentlech? Uf äne Chrieg? Ufene Chrankheit? Oder uf eine wonechs äntlech zeigt?

Er stellt eine einzelne umgefallene Flasche vor sich hin, zieht angewidert die Hand zurück, spricht sie an:

Nei, Antinoos! I cha nümm zsäme mit euch fiire u vogle. Bin i ou da no deheime, so bin i doch glych unger Frömde. Längts öppe nid, dass ig's als Chind scho ha müessen erläbe? Lang gnue het si duuret mini ewigi Chindheit. Aber itze, äntlech erwachse, erkenn i dä Souschtau woni sit Jahre drin huuse. Nenei, vo öine Schmicheleie lahni mi nümme la tüüsche. Ig houe itz ab u mach mi uf d'Suechi. Ha itz im Sinn nach Lakedämon z'fahre u zrugg über Pylos, überall nöchers z'vernäh vo mim längscht verschwundnige Vatter. U chumeni zrugg de leget nech warm aa!

Pause

TELEMACH nimmt die angesprochene Flasche in die Hand. Er verwandelt sich in den Freier Antinoos, der nun eine grosse Show abzieht

TELEMACH als Freier

Telemach überleit sech i allem Ärnscht üs z'ermorde. Entweder reicht er sech itze grad Hülf usem urchige Pylos, reiset villecht Lakedämon ou uuf i syr grüüslige Töibi, oder de fahrt er gäge das fruchtbare Piet vo Ephyra, presst sech us giftige Pflanze drufaben e gfährlechi Brüeji, mischt se deheim de mit Trank u mit Spyse, üs ds Läbe z'versieche.

Häbet ke Chummer. Wär weiss, öb nid churz na der Abfahrt vom Schiff de wyt vo deheim är exakt wie Odysseus jämmerlech zgrund geit. Allwäg tät er dür das üüs no grösseri Müej anerejse. Müessti mer sämtlechi Güeter drufabe verteile. Blooss ds Huus halt gäbe mer druf de syr Mueter – u däm, wo se schliesslig cha manne.

Was, Telemach, Morauaposchtu, verwägene Brüeli, was seischte? Brüet nid ständig verinne so böses, sig's Wort, sig es Tate. Was bruuchschte use uf ds gampfige Schiff über d'Wasserwüeschti ga z'fahre? Chumm wieder veryne zu üs itz u lahn is suufe u frässe, ganz wi i früechere Tage.

Telemach fängt nach und nach an, zu einer unhörbaren Musik zu tanzen. Die Techno-Musik vom Anfang schaltet sich ein. Er zündet den Joint-Stummel an und zieht daran. Der Discoscheinwerfer kreist wieder. Fade Out vom Arbeitslicht. Dann Black.
 

Bild 2 PENELOPE
 

Licht auf TELEMACH, der eine Frauenperrücke trägt. Er lehnt an der Klotür und hat eine Gitarre umgehängt. Er singt "Das Mädchen aus Piräus" und begleitet sich mit der Gitarre. Er flirtet dabei mit den Freier-Flaschen und dem Publikum, erst zurückhaltend, dann steigert er sich in obszöne Gesten.

Der PENNER singt beim Refrain leise mit.

TELEMACH

Ich bin ein Mädchen aus Piräus

Und liebe den Hafen, die Schiffe und das Meer.

Ich lieb das Lachen der Matrosen

Ich lieb jeden Kuss, der nach Salz schmeckt und nach Teer.

Wie alle Mädchen von Piräus,

So stehe ich Abend für Abend hier am Kai.

Und warte auf die Fremden Schiffe

Aus Honkong, aus Java, aus Chile und Shanghai.

Ein Schiff wird kommen

Und das bringt mir den einen,

Den ich so lieb wie keinen,

Und der mich glücklich macht.

Ein Schiff wird kommen

Und meinen Traum erfüllen

Und meine Sehnsucht stillen,

Die Sehnsucht mancher Nacht.

TELEMACH steigert sich in eine Wut. Er bricht im zweiten Refrain abrupt ab. Dann reisst er sich die Perrücke vom Kopf.

TELEMACH

My Mueter chlagi aa, di ergschti vo allne!

TELEMACH

Allne hie inn macht si Ouge u Hoffnig, stellt d'Hochzyt i Ussicht.

Schmychlet ä jedem, tuet ärnschthaft drglyche – u zieht de dr Schwanz ii.

zur Tür

Muetter wie hättsch mi gärn? Wie hättsch mi gärn, Muetter? Mau als Schosshund, mau als Wachhund, grad wies der i Chram passt? Mit dere Bande hie muesch scho sälber fertig wärde. S'sy dyni Freier nid mini. Die ganz Zyt geits nume um di um di um di um di! Cha o nüüt drfüür dass di di Typ für ä Chrieg het la hocke u sithär uf eigeti Fuscht Flitterwuche macht. Lah mi äntlech i Fride mit dym verchachlete Läbe! Was erwartisch eigentlech vomer? S'isch doch nid mys Bier, dass di kene me puderet het i de letschte zwänzg Jahr. Oder gisch heimlech Oudiänz? Du, itz mau ehrlech: machsch dene Bubis hie liisli Tür uuf, wenn i schlafe u nüüt merke? Itz wird mer langsam aues klar. Du Huere! Hesch dr Vatter la fahre?

Er zerschlägt eine Bierflasche am Boden, hält den zerbrochenen Flaschenhals als Waffe in der Hand und macht eine Bewegung auf die Tür zu

OK de zieh aber ou d'Konsequänze, Mueter: Lis dr eine vo dine feine Freier uus u fahr ab. U zwar plötzlech. I cha di nümme gseh, du verlogeni Soumohre. Hesch ghört! Verschwind u laa mi äntlech in Fride! Vo dir bechum i no Chräbs.

Sorry Mueti, es tuet mehr leid. I has nid so gmeint. I weiss nid was hüt mit mir los isch. Du weisch doch dass i di gärn haa. Wotsch mi hüürate? Nei im Ärnscht. Itz säg doch öppis. Mueti? Mueti? Säg öppis! Läbsch no. Itz het si sech umpracht. I ha se umpracht. I bi sone Tubu. My eigeti Mueter! Itz hets der völlig usghänkt.

Itz pschliess di nid i wiene beleidigti Diva nume wüeu eine im Publikum "buh" het grüeft. Buh! Buh! Buh! Mueti, lah my ine. Bitte. Du hesch es Härz us Schtey. Mach uuf u lah my ine. Mir hey doch nume no üüs. I bi dy Suhn, dy chly Telemach. Weisch no wie mers aube zfride hei zäme gha. Früecher. Zmittagässe uf dr sunnige Terrasse. Nume du und ig u d'Chatze wonis um d'Bei sy gschtriche.

I begryffe ja, dass de toube und enttüscht bisch, Mueti. Gäu us dym chlyne Liebling isch nid grad das worde, was du dir vorgschteut hesch? Ja Mueti, i ha d'Miuch obenabe ghä. Chasch mer vergäh? I bi o so scho gnue gschtraft. Bitte, bitte lah my ine. I möcht doch nume, dasst mi ufe Schoss nimmsch u my ganz fescht a dy trücksch. Wie aube. I weiss no genau wie dis Parfüm het schmöckt.

Er entdeckt eine übriggebliebene Scherbe auf dem Boden, hebt sie auf und hält sie ins Licht.

TELEMACH lässt die Scherbe fallen. Er legt sich auf den Boden und versucht zu schlafen.
 

Bild 3 ODYSSEUS
 
 

Lichtstimmung wie oben

TELEMACH versucht zu schlafen. Vergeblich. Er hat das Licht vergessen, macht es aus. Es ist jetzt fast dunkel. Er ändert mehrmals die Schlafposition, nimmt einen Schluck Bier aus einer Flasche, schiebt ein paar Flaschen zur Seite, die ihn stören. Er richtet sich auf.

TELEMACH

I bi niemer.

Er geht zur Spiegelsäule.

in den Spiegel

I bi niemer. Niemer säge mer d'Eltere. Niemer di ganzi Verwandtschaft, Niemer nenne mi säuber, u Niemer rüefe mer d'Fründe.

TELEMACH sieht über den Spiegel in seinem Rücken plötzlich eine Vision. Er dreht sich um.

Dört: Dr Odysseus, my Vatter. Är bricht füdleblutt us de Stude, Ganz wi ne Löi us de bärgige Hööchine, wüetig u toube, chunnt er derhär, z'Trutz Rägen u Sturm, u grüentschelig lüüchte d'Ougen im Chopf, wi ds Donnerwätter bricht er u fahrt er gäj ine Chuppele Schaf oder Chüe, uf di wildischte Hirsche.

Gruusig chunnt er mer vor. Versudlet vom schuumige Meerschlamm.

TELEMACH bringt sich in Sicherheit.
 

TELEMACH

Vatter?

Er holt den Odysseus-Mantel hinter dem Spiegel hervor, betastet ihn, riecht an ihm, hält ihn sich vor den Körper, schlüpft mit einem Arm in den Ärmel...

Die SPIEGELKUGEL wird von aussen angestrahlt und dreht sich.

Bild 4 ATHENE I
 
 

TELEMACH ist irritiert. Er versucht die SPIEGELKUGEL auszuschalten – ohne Erfolg. Plötzlich spricht die SPIEGELKUGEL durch einen kleinen blechernen Lautspreche zu ihm. Sie hat TELEMACHS Stimme.

SPIEGELKUGEL in deutlich altmodischem Dialekt

Bischt am Odysseus du währli sy eigete Junge? So groosse bischt du gwüss gwachse! Bisch ä hübsche, e mannhafte Pürschtel. Währli, dys Gsicht, dyner prächtigen Ouge, si glychen ihm völlig! Gseh ne no gnau vor mer stah, u gar mängiisch hei mern is troffe, churz vor der Abfahrt uf Troja samt vilnen griechische Helde.

TELEMACH nähert sich vorsichtig der sprechenden SPIEGELKUGEL, untersucht sie von unten.

SPIEGELKUGEL

Fyrischt es Fescht ächt, a Hochzyt? Was wott di Sippschaft, di Bande? Hescht du das nötig, das Prüel, das usöde Vertue u das Schletze? Öpper Vernünftigs, wo's gwahret, dä gälbet vor Wuet hie u Töibi, überchunnt gwüss en Aafall vo Erger da, gseht er das Trybe. Ungerziehscht di där Schand du vo sälber u füegscht di du willig?

TELEMACH

Wie söu i mi wehre? Si wäre mer wyt überläge. Gägen e settigi Mehrheit zieht on e Starche dr Chürzer!

SPIEGELKUGEL

Güetigi Götter! Ja, währli, es fählt dir dy Vatter Odysseus. Mit där ugschämte Bande wurd er hie gleitig no fertig. Chiem er doch itzen u stieng er ou nume dert vorne bir Türe, gschützt vo sym Hälm u sym Schild, i der Hand zwee gwichtegi Speere. Ja, we nume Odyss eso zmitts i di Freier würd trappe, bstuchne der Schnuuf de uf ds Mal, u di Hochzyt wäri versalze!

TELEMACH

Für ihn isch doch ds Heichoo lengschte verdüre!

SPIEGELKUGEL

Telemach, bis mer kei Schwechling u la mer der Chopf nid la hange!

TELEMACH

Tue nid derglyche! Hör uf mit Verstelle! Du weisch es ja lengschte: Dass i nid furtcha, kei Uswääg meh weiss, u d'Hoffnig am Särble. Lang scho het mi die Insel hie gfange. I weiss mer nümm z'hälfe.

SPIEGELKUGEL

Läbt ächt die adlegi Chraft vo dym Vatter ou dir i der Ader? Oder manglet's dir öppe ar Schlauheit vom allzyt gfeckten Odysseus?

TELEMACH

D'Mueter, die bhouptet's, i sigi sy Suhn – wär weiss, öb das wahr isch.

SPIEGELKUGEL

D'Buebeschueh si der z'chlyn itz. Du bischt itz erwachse! Ryss di zsäme u gryf du zumene houige Bieli, schlah der dermit es paar vo de chreftigschte Böime dert z'Bode. Zumene tüechtige Floss füeg se zsäme mit ysige Hääge. Ringsum erricht der es Gländer zur Fahrt über ds gfährlige Wältmeer. Gang de zäntumen uf d'Suechi vom längschtverschwundnige Vatter. Müglech isch es, dass neumewo eine no Neechers vernoh het. Vorderhand reis du uf Pylos u frag nachem göttliche Nestor. Nachhär geischt zum blondhaarige Fürscht Menelaos ds Lakedämon, isch es der sälb doch, wo zletscht us däm Chrieg heil isch zrügg cho.

Die SPIEGELKUGEL schaltet sich aus.

TELEMACH

Aber die Angere, die wei mer my Absicht, dir z'folge, dürquere, bsungerbar schlimm meine's da di stolze, dürtribnige Freier!
 

TELEMACH hört sich "Rockn'Roll Suicide" von Bowie an und raucht dazu eine Zigarette.
 
 

II. AKT T R I P


BILD 5 PYLOS
 

Ans Publikum, evtl. mit Fotos in der Hand.

Puuh! Isch mer dy Fahrt ewig läng vorchoo. I bi du also äntlech am Strand vo Pylos glandet, däre sageumwobene Heimat vom Nestor, em ehemalige Kampfgfäärte vo mim Vatter. I ha mys chlyne Floss a Land zoge u my ufe Wääg gmacht. Kes Lüftli het gwäiht. Ou d'Zyt, hani ds Gfüeu gha, sig schtah blybe. I bi dürne wüeschteänlechi Landschaft gwanderet, verbii a Felsformatione, wo usgseh hei wie verschteinereti Unghüür. Äs paar Dischtle u düürs Gschtrüpp. I bi froh gsi um jede Ziehbrunne, wo nid isch ustrochnet gsi. Über d'Wasserqualität hamer bi dere Affehitz kener Gedanke gmacht. Hie und da het ä Herde vo Guschti Stoub ufgwirblet: mageri, sehnigi Tier. D'Hirte woni nachem Nestor gfragt ha, hei mi misstrouisch gmuschteret und ufene dunschtigi Hüguchetti am Horizont düütet. D'Sunne isch scho töif am Himmu gschtange, wo sech vormer plötzlech ä breite Fluss het uuftaa. Sys bruune Wasser isch zäj und schnuergrad dür di plani Äbeni gflosse. Ersch itz isch mer die Schtilli ufgfalle, wo über dr Landschaft isch gläge. Wie imene schalldichte Ruum bini mer vorchoo. Kes Zwitschere, kes Plätschere. Ou dr Fährmaa wo sech itz mitemene länge Rueder vom angere Uufer abschtoose het für my cho abzhole het drby kes einzigs Grüsch gmacht. Woni uf dr andere Syte vom Fluss a Land by gschprunge, hani gmerkt, dass i äntlech am Fuess vo dere Hüguchetti by gschtange. Dr Wäg isch itz schtotzig dsdüruuf gange. D'Vegetation isch wie uusgwächslet gsi. I bi dürne Wauld cho mit Böim, woni no nie i mim Läbe gseh ha. Si hei dunkugrüeni, fleischigi Blätter gha, zum Teil so gross wie Sunneschirme. Drzwüsche isch än Art mutierts Schpringchrut mit settige Samechapsle gwachse, wo zum Platze voll si gsi. I ha wiene Häftlimacher ufpasst, a keni drvo aazchoo. Ab und zue het dür dä grüen Dschungel Wasser glitzeret.

D'Luuft isch warm gsy und füecht. No immer ke Ton. Uf einisch bin i a d'Waldgränze cho: Vor mir hei sech öppen äs halbs Dotze cheguförmigi Felse erhobe. Si si ungerschidlech hööch gsy und dürlöcheret wie risigi Termitehügu.

Plötzlich wirft er sich auf den Bauch, versteckt sich hinter

Flaschen.

TELEMACH mit unterdrückter Lautstärke

Vor mir ä Tschuppele halbblutti, dunkuhütigi Manne, öppe i mim Alter, aber ehnder jünger. Si si im Halbkreis umene uralte Maa umeghuuret, wo chli erhöht ufeme Schtei ghocket isch u sech drby ufeene verzierte Holzschtab abgstützt het. Sys Gsicht isch glichzitig bluetalt und urjung gsi. Das muess dr Nestor si, hani sofort dänkt. Aer söll ja schyns scho über drü Möntsche-Gschlächter regiert ha. Hingerenang. Und die sächs junge Männer, wo sech itz grad d'Hut mit chrideartigem Schtoub iiriibe u drby ziemlech grimmig dryluege, sy vermuetlech siner Sühn. Öb si sech ächt ufene Kampf vorbereite? Oder ufenes Opfer...?

TELEMACH stösst aus Versehen an eine Flasche, die umfällt.

Ou Scheisse, itz hei si mi gseh. Si chöme gredi hiehäre.

"Hallo, Hola, Hello – ig Telemachos. You?"

Grosse Begrüssung

"Echephron, Aretos , Perseus, Stratios, Thrasymedes – Telemachos"

Als letschts isch dr der sächst vo de Brüeder uf my zue choo: Peisistratos – äs Bild vomene Maa: Kes einzigs Häärli uf sym äbemässige Körper. I eim vo syne breite Naseflügu isch ä chlyne Ring us Elfebei gsteckt. Är het mer mit sym klare, schtolze Blick diräkt i ds Härz gluegt.

TELEMACH kann seine Augen nicht mehr von Peisistratos lassen und folgt ihm schlafwandlerisch.

TELEMACH

Är het my aaglächlet, fasch chly spöttisch, u het mi eifach ar Hand gno, und mer bedütet i söll doch näb sym Vatter, äm Nestor, Platz näh. Er hett mer sogar no es weichs Fäll als Sitzungerlag bracht, vermuetlech wüll är dänkt het, i chönn nid so lang huure. De het er ä Schale mit bluetige Innereie vor mi häre gstellt, was söll i itz ächt drmit? Aer chnöilet sech vormi häre, füllt ä Bächer mit ämene trüebe Saft, u git mer ne mit de Wort:

"Oiche onün, o xeine, poseida oni anakti, ugar kaidaitäs äntesate toiromolonte –"

I ha zwar nüüt verstande, aber mir isch alls klar gsi.

TELEMACH kniet mit offenem Mund vor seinem Gastgeber.

Er springt er in die Position von Nestor.

TELEMACH als Nestor

"Stranger, the first question I will ask you is: who are you and where do you come from? What is your city and who are your parents? For you certainly did not spring from a tree or a rock like the one in tales of long ago."

TELEMACH springt er in seine eigene vorherige Position zurück (offener Mund) und erwacht daraus.

TELEMACH als Telemach

"King Nestor, Son of Neleus, Husband of Eurydice, Clymene's eldest daughter, Father of six beautiful sons named Echephron, Aretos, Perseus, Stratios, Thrasymedes and last but not least Peisistratos -

O vulnerable lord, gerenian charioteer (alte Hängschtebändiger), majesty of Pylos, shephard of the people, great glory of the greeks -

I am searching through the length and breadth of the land for news of my nobel father, the long-suffering Odysseus, who, it is said, fouht by your side years ago at the war of Troja. So I have come here to plead with you in the hope that you will tell me the truth about my father's unhappy end. (33)

als Nestor

"Ah, my friend, what memories the name of Troja brings back!

Nine years we struggeled to bring them down. There our best men fell. And all the time there was not a man like the admirable Odysseus, who in every kind of strategy proved himself supreme – your father, if you really are his sun."

Pause. Dann fragt Nestor noch einmal nach

"Are you really his son and do you have his blood in your vains?"

als TELEMACH zum Publikum

Fragt er u rüeft "Polykaste!" nach syr wunderschöne Tochter. Em Peisistratos glycht si so extrem als wär's sini Zwillings-schwöschter.

als Nestor kurzer Befehl zu Polykaste, dann

She will make you feel good!

TELEMACH

D'Männer hei dräckig glachet. Nume dr Peisistratos isch ärnscht blybe. D'Polykaschte het my eifach bir Hand gnoo u my wäg zoge, i dä Wald ungerhalb vo de Felse, zwüsche de Böim mit de fleischige Blätter düre, verbii am Riese-Springchrut, zumene chlyne Wasserfall. Mitemene schüüche Lächle het si sech ihre Ländeschurz ufknöpft u mer bedütet, ig söu my doch o abzieh. Das hani mer nid zwöimal la säge. Sy het äs Schtück Seife hingeremne Schtei füreguslet u mir heinis beidi unger dä warm Wassefall gschteut, nis gägesitig iigseift und abgschpült, nis aagschprütz u glachet u alles witere chöiternech ja vorschteue.

Nenei, soo isch es nid ganz gsy.

TELEMACH zu Polykaste

"Stop, Polykaste, lovely sister of the beautiful Peisistratos. I would like to wash the dirt from my shoulders by my olwn."

Verständigungsprobleme

TELEMACH

Äntlech het sys verstande, het my elei glah, und isch's vermuetlech ihrem Vatter ga mälde.

Er zieht sich das Hemd aus und wäscht sich selber mit Resten aus den herumstehenden Bierflaschen

TELEMACH

Ä settigi Glägeheit hät sech my Vatter Odysseus bestimmt nie la entgaa.

In einem abrupten Anfall versucht er, sich die Haut vom Gesicht zu reiben. Schliesslich gibt er auf.

TELEMACH zum Publikum

'S isch scho fasch dunku gsy woni zu däm Platz vor de cheguförmige Felse by zrügg gange. Dr Nestor u syner Sühn sy no genauso dörtghocket wie vorhär u hei mi aagstaret. Woni bine ha wölle abghocke, si si aui wi uf Kommando ufgschtande, hei sech Bemerkige zuegworfe, woni nid verstande ha, u si i ihrne Höhline verschwunde.

TELEMACH hockt verlassen da. Er vergräbt sein Gesicht in den Händen. Plötzlich zum Publikum

Nenei, so isches nyd ganz gsi. Dr gschyd aut Nestor isch aus letschte ufgstange, het mer uf d'Schultere gchlopft, öppis vo "brave son of Odysseus" gmurmlet u mer aus Nachtlager eyni vo syne grümige Höhline zuegwise, mitemene grosse Bett us gspanneter Schtierehut ir Mitti. Churz nachdäm er mer mitemene dräckige Kichere "Good Night!" gwünscht het, isch dr Peisistratos inechoo u het sech näb my gleit, vo Nestors Sühne dehei dr einzig, wo ledig isch blybe.

TELEMACH bestimmt durch Licht, evtl. Kreide einen Opferplatz, holt ein Seil, evtl. auch Kabel oder Klebeband. Zieht sich ganz aus, legt eine Trommel-Platte auf und beginnt sich zu fesseln.

TELEMACH sich selbst fesselnd

Chunnt scho nes Guschti vom äbene Fäld wäg. Echephron wi Stratios füehres a de guldig umliirete Hörner häre: es breitstirnigs, jährigs, unzähmt und wild no, sy Aecke no keinisch ygspannet u zwunge. Da chunnt us syre Höhli itze veruse Aretos, treit imne bluemige Becki grad früsches Wasser zum Wäsche, ou no es Chörbli mit Gärschte. – E houigi Achs i de Häng steit Thrasymedes, der tapfer Chrieger, der Metzger vom Guschti. Perseus treit d'Schale für ds Bluet – u der Vatter vo all dene Burschte, Nestor, der Alt, wäscht d'Häng itz im Wasser, streut Gärschten u bättet lang zum Poseidon u verbrönnt druf als Erschts ds Chopfhaar vom Guschti ir Flamme. –

Aber wi si hei bättet, die heiligi Gärschte du gstreut hei, stellt sech du Nestors Junge, der tapfer Held Thrasymedes, ganz i d'Nechi vom Guschti u hout's, u das Bieli verschnydet alli Sehnen im Äcken u bricht ihm du d'Chraft. - Aber di Manne, si lüpfe der Rumpf vom Guschti grad obsi. Mannschaftsfüehrer Peisistratos sticht als Erschte das Opfer.

Die SPIEGELKUGEL leuchtet kurz auf und dreht sich. Kurz.

zu Peistratos, der neben ihm liegt

Du, Peisistratos, uuf und erwach itz u gang zu de Rosse, spann mer se gleitig a d'Deichsle, uf d'Reis muess Telemach itze! Fürscht Menelaos, der Blond, dert ir riesige Stadt Lakedämon isch itz mis Ziel; villicht weiss är meh vo mim Vatter.

Bhäb mi nid lenger z'rugg hie! Es juckt mi itz eifach z'verreise!

TELEMACH zum Publikum

Er het mi überhoupt nid chönne verstah.

Plötzlich starkes, blendend-weisses Licht von oben. TELEMACH dreht sich um.
 
 

Bild 6 LAKEDÄMON
 

Gleiche Lichtstimmung wie vorher.

TELEMACH mit dem Rücken zum Publikum

Wahnsinn! Es herrlechs Wunder erblick i, e Fülli nid z'zelle! S'bländet mer ringsum mit Lüüchtglanz i d'Ouge wie flädrigi Flamme. Zeus ufem hööchen Olympos wohnt besser chuum u nid schöner! Das isch itz also der Chönigspalascht vo der riesige Stadt Lakedämon!

Er dreht sich nach vorn.

S' blitzt wi di glänzegi Sunne u s'bländet wie ds lüüchtige Mondliecht,

wo me ou häreluegt im herrleche Prachtsbou vom Fürscht Menelaos.

Bronzebschlageni Hööchwänd strecke sech gredi us ohni Ändi.

Beidsytig, längs a de Wänd, vom Ygang bis z'hingerischt hinger

stöh guldegi Buebegstalte uf wunderschön gformte Sockle – grad wien en Allee – u trage zum Lüüchte brönnegi Fackle.

Telemach durchschreitet die Allee. Plötzlich bleibt er stehen.

flüsternd

Ä guldblächbeschlageni Türe versperrt di innerschti Wohnig: Pföschte mit silbrige Bschleg stöh uf ysebschlagniger Schwelle.

Silbrig schimmeret dr Rahme u guldig lüüchtet dr Türring. Beidsytig luure silbrigi Hüng, grösser als Möntsche, sölle si doch em herrleche Chünig sys Huus überwachen als unstärblechi Hüeter, ekeinisch alten u wüeschte.

TELEMACH "öffnet" die Tür mit einem knarrenden Geräusch. Er überschreitet die Schwelle. Das starke weisse Licht geht aus.

Ein Licht-Spot fällt auf ein Mikrophon, das vor ihm auf dem Boden liegt. Sonst ist es dunkel.

TELEMACH fragt in die Finsternis hinein

Artreuses Suhn, Menelaos, Herrscher vo Lakedämon?! –

Artreus' Nachfahr! O, Menelaos, du göttleche Füehrer?! –

Keine Antwort. TELEMACH wagt sich in den Licht-Spot hinein und ergreift das Mikro.

TELEMACH ins Mikro

Eis zwöi eis zwöi. Test Test Test. Isch da öpper? Hallo. Hallo. Menelaos? Isch da öpper? Menelaos!

Keine Antwort. Telemach fühlt sich unbeobachtet. Er wird immer mutiger

TELEMACH ins Mikro, die Ankündigung seines eigenen Auftritts

Irre ich, oder rede ich die Wahrheit? Doch treibt mich der Mut. Denn ich sage: Noch niemals habe ich irgendjemand, weder Mann noch Frau, so ähnlich gesehen – ein Staunen fasst mich ihn anzusehen – wie dieser da dem Sohn des grossherzigen Odysseus gleicht: Telemachos!

TELEMACH reisst spielerisch die Arme in die Höhe. Er wird aus der Finsternis von einem aufbrausenden Applaus unterstützt. Er legt das Mikro schnell wieder hin, verlässt den Lichtkegel. Nach und nach traut er sich wieder vor.

TELEMACH ins Mikro

Aber ich bitte dich lieber, verweil in meinem Palaste!

Von den Schätzen soviel ich in meinem Hause bewahre, geb ich Dir zum Geschenk das schönste und köstlichste Kleinod:

Geb dir einen Kelch von künstlicherhobener Arbeit, aus geglättetem Silber, gefasst mit goldenem Rande! Drei der mutigsten Rosse und einen prächtigen Wagen! Vier tadellose Jünglinge – kunstverständig und schön – kannst du dir auswähl'n!

TELEMACH lässt auf einmal das Mikro sinken und wendet sich ab.

TELEMACH

Z'Ithaka nütze mer Ross doch ekeinisch. Drum bhalt se du lieber.

Bsitzer bischte vo Flachland. D'Ross passe besser hie häre. Z'Ithaka manglet's a Matten, u Streckine fähle zum Uslouf.

Er nimmt eine Pille-Dose aus seiner Tasche, schmeisst sich eine Pille ein, spült mit Bier nach.

TELEMACH

Aber für Geisse isch d'Gägend wi gwünscht –

Dann wendet er sich wieder mit grosser Geste ans Publikum, präsentiert die eben benutzte Bierflasche.

TELEMACH

Ich weiss ein kummerstillendes, galleloses, vergessenbringendes Kraut für alle Übel! Wer dieses schluckt, vermischt mit Wein,

der lässt keine Träne mehr von den Augen fallen, auch nicht, wenn der Vater ihm gestorben wäre, auch nicht wenn der eigene Sohn dicht vor ihm hingemordet würde, und er es mit den Augen sähe!

an einen einzelnen Zuschauer gerichtet

Trou dy nume! Du chunnsch vo gweihte, gchrönte u göttleche Fürschte. Keinisch stammt da vo mingere Lüten e settegi Rasse!

Er giesst sich den Rest des Biers über den Kopf.

TELEMACH als empfange er Signale aus dem Universum.

Dr Odysseus, dä Held, dä nie verlägnig, my gwaglet Vatter – i gseh ne: Ufere Insle vertuet er sys Läbe mit Truure u Chlage, ganz elleini i der Grotte vo der mächtige Göttin Kalypso. Ständig het si ne zrugg, si zwängt ne dört z'blybe. D'Seel am Versärble, voll Chummer u Leid, mit verbrieggete Ouge.

Auf der Projektions-Fläche erscheint jetzt das fallende Maskengesicht TELEMACHS.

TELEMACH zum Publikum

Freudlos schnaagen ihm d'Tage: D'Kalyps isch ihm längschte verleidet. Ungärn verbringt er d'Necht i der grüümige Grotte näb ihre – oder besser gseit: unger ihre! Einsam lampet si Seel, dert wälzt er leidi Gedanke – Und am Tag luegt er strängs über z'Meer i di grüüslegi Wyti.

Er zieht sich entschlossen den Odysseus-Mantel über.

TELEMACH

I bi dr Odysseus. I bi my Vatter.

ins Mikro

Entschlossenheit hat mir Ares verliehen und vertilgende Kraft. Ich sprang zuerst von allen hervor und streckte jeglichen Feind in den Staub. Schlachtengetöss ist meine Freude beständig und blinkende Speer und gefiederte Pfeile.

Aufbrausender Applaus-Sound. Er grüsst die Massen.

TELEMACH wird still, sehr sentimental. Die Rollen Vater/Sohn wechselt er, indem er sich im Kreis immer wieder um 180 ° dreht. Ohne Mikro:

als Sohn

Vatter, i sälber bi dä, wo du ja sit langem druf plangischt, chere im zwänzigschte Jahr zrugg i ds Land vo mir herrliche Heimat. Hör du itz uuf mit dym Brieggen u gschweig du dy gwaltige Jammer. Alli Freier im Huus inn si Tod. I ha se dert grichtet.

als Vater

Bischt du also my Suhn Odysseus vo wythär itz heicho – gib mer es zueverlässigs Zeiche itz, won i cha gloube!

TELEMACH als Sohn

Ja, grad di Zylete Böim wil der namse im Rych vo der Hoschtet, wo du mir alli hesch gschänkt da. I ha se vo dir ja erchäret. Weischt no wi mängischt mir früecher dört zsäme dür Hoschtet si zoge?

Zwüsche de Stämmli verdüre. Du hesch mer se gnamset es jedes.

Hesch mer d'Sorten erklärt u no d'Art vo jedem gwüsst z'rüehme.

Dryzäh Böimli mit Bire u Öpfelböimli gwüss zähni, Fygeböim vierzig u füfzig Stöck bi de Räbe veräne. Hesch mer se all wölle schänke. Dür ds Jahr us het's ständig gä z'ärne.

Er setzt sich halb schwindlig auf den Barhocker.

TELEMACH zum Publikum ins Mikro

Stärbe söll ig ekeinisch, das hei die Ewige bschlosse. D'Götter trage mi speeter einisch a ds angere Wältänd, nach de seligen Inslen i ds Rych vom Held Radamanthys, won ig mi nienemeh stoosse, keis Leid, ekei Chummer mi störe, wo kei Näbel u Nacht, u wo Sturm u Wätter nid wüete, Chelti no Müedi mi plaget, u heiter –

Die SPIEGELKUGEL schaltet sich ein. Der Maschinenraum-Sound bricht ab. Auf der Projektionsfläche wieder live übertragen: TELEMACH auf dem Barhocker.
 
 

Bild 7 ATHENE II
 

Licht auf der Überwachungs-SPIEGELKUGEL. Die Live-Projektion läuft.

SPIEGELKUGEL

Bisch nid wäg däm häregfahre, für öppis z'vernäh vo dym Vatter?

TELEMACH mit unterdrückter Wut

Nie lahschte lugg. Du schynscht mer, bi Gott, us gschmidetem Yse.

Gnue bis zu Hals hani! Schänksch weder Schlaf no Rueh dyne

Möntsche! Werum hesch mers nid sälber gseit? Du weisch ja doch alles. Was ou jagscht mi über di gfährleche Wasser? Für mi z'fecke?

Die SPIEGELKUGEL antwortet nicht.TELEMACH springt auf und ergreift den Barhocker wie eine bizarre Waffe.

TELEMACH zur SPIEGELKUGEL

Itze aber häben ig gleitig der gspitzt Balke i d'Äsche. U der Chloben erglüjet, z'Trutz aller Grüeni u Früschi. Grüüslige, füürige Ate verspreitet itz ds gluetroten Ändi. Gäjlocht schryssen en use u stosse drufabe das Ändi töiff i das Gottesoug. I stemme vo obe dergäge, u chreftig dräije ig itz i ds Oug di glüeijegi Stange, dass sys Bluet um dä füürig Chlobe nume so brodlet. D'Wimpere brönnen u d'Braue vom hitzige, füürige Ate, sprätzlet der Ougöpfel, chrooset bis zu den innerschte Wurzle. Huu, wi ner bääget!

Er geht zur SPIEGELKUGEL stellt den Barhocker davor, steigt hinauf untersucht sie, sein Auge ganz nah an der Linse (alles auf der LIve-Projektion zu sehen). Er steigt wieder hinunter und nähert sich der SPIEGELKUGEL von hinten.

SPIEGELKUGEL panisch

Weli Wort, Telemach, sy dyr Zunge doch vori ertrunne! Glingt es doch liecht ame Gott, eine z'rette – u wärs i der Frömdi!

TELEMACH steigt hinter der SPIEGELKUGEL wieder hoch und reisst ihr

das Kabel aus der Buchse. Ein quiekendes Geräusch, wie eine Sau die geschlachtet wird. Bildstörung. Auf der Projektionsfläche Schneegeriesel. Das Geräusch einer quietschenden Schaukel bleibt.

SPIEGELKUGEL mit einer Kinderstimme

Widerli, liebs! Was geischt du hüt eso spät us der Höhli? Bischt vo allne der letscht. Süsch blybscht doch ekeinisch derhinger. Gäng, gäng bischt du voraa bim Weide uf Bluemen u Bletter. Springscht i länge Gümpe voruus a di gleitige Bechli–

TELEMACH immer noch auf dem Hocker, wie zu einem Kleinkind:

Du du du du – du fragsch nach mym ruehmgchränzte Name? Guet so, wil du mi fragsch, so wott der ne itz grad säge: I bi Odysseus, s'isch griechisch, heisst "Hasser". Zum ewige Himmel reckt my Ruef, bi bekannt zäntum dür mängerlei Tate. Ufem sunnenumlüüchtete Ithaka bin i deheime.

Ha's ou nid nötig, wi anger, mi nach den Ewige z'richte: Passt es mer nid, chöi di Götter si, wo si wei, u mer blaase!

Theater-Donner. Der Barhocker bricht unter seinen Füssen weg, er klammert sich im letzten Moment an das Bühnenportal.

Black.
 
 

Zwischen-Bild SCHIFFBRUCH
 

Licht auf TELEMACH, der oben am Portal hängt. Leichtes Licht von unten auf das Flaschen-Meer. Ansonsten ist es dunkel. Auch die Projektionsfläche ist schwarz.

TELEMACH zum Publikum

Troffe vom Blitzschlag! Es dräjt sech itz ds Schiff ringsum wi ne Zwirbel. Schwäflige Gschtank verpeschtet der Ate. Vom Schiff pfitze d'Gspane. Ähnlech de Möwe buttele si zum Spil vo de Wälle rings um das feischtere Schiff. So roubet ne Zeus jedi Heicheer.

Nume ihm einzig, allei, wo der Tod vorem Oug scho gseht gluure, schickt im letschte Momänt Gott Zeus vom feischtere Meerschiff

gwüss grad der riesig Mascht zwüsche d'Händ, fürem Tod no

z'entwütsche. Gleitig umarmet er ne itz u trybt dür gruusegi Wätter. Chummer frisst sech i ds Härz. Us der Bruscht ertrinnt ihm es

Stöhne: "Uglücksmöntsch woni by, was wartet mir ächt no alles? Söll i ächt dä Balke verlah und alles la fahre?" – Ändtlech ermüedet der Wätterluft vom ständige Blaase.

Ihm zum Leidwärch rodet sech aber scho wüetig der Südluft, jagt ihn zrugg i di gfährlechi Neechi vom ne grüüslige Felse: Druf grüenet e Boum voll Fygen u schattige Bletter. Drunger gurglet u schlückt d'Charybdis ds unheimleche Wasser: Täglech drümal speut si's – u drümal sürflet si's ache. Däm gruusige Unghüür trybt's ne itz zue mit gschlagnigem Härze.

Äbegrad woorgglet es d'Wälle vom salzige Wältmeer verache – är nid meh, är satzet am schattige Fygeboum ufe, packt ne, haltet sech fescht, wi ne Flädermuus chläbt amne Balke: Ungerfür nüt für z'verha und obefür nüt für z'erlänge – öffnet sech unger ihm der Trichter vom riesige Wirbel, u zäntum chrooset im Donner der Fels. Da zeigt sech der Bode vom Wältmeer: Feischterfarbige Sand – u gäj fahrt der Chlupf ihm i d'Chnoche.

Däwäg hanget är itz zwüsche Himmel u Ärde u wartet gspannet, bis der verschlücktnig Mascht wider chunnt. Är wartet verzwyflet. – Aber er chunnt doch ändtlech, dä Balke, wider obsi zum Vorschyn. Gleitig löst er d'Händ itz u Füess u plütschet aben i d'Mitti, gumpet grittlige druf u ruederet handtlig veruse.

TELEMACH

Aber zwee wyteri gruusegi Tag u zwo schuuregi Necht no peitschet ne d'Wälle desume, ständig ds Verderbe vor Ouge. – Wi aber ds rosige Früehliecht am dritte Morge du lüüchtet, leit sech äntlech der Sturm. Es zahmet ds Meer itz zäntume. Lüpft ne e Wälle hööchuf: Da erlickt er Land i der Nechi. Erscht rächt laht er nid lugg, dört ds Land mit Schwümme z'erlänge!

Win er so wyt ewägg isch, wi ne möntschlechi Stimm no ma grecke, ghört er der Donner vom Wälleschlag a de zaggige Flüehne, won er ds trochene Land erbrätschet mit riesige Wälle. Murbe süüfzget er uuf, u voll Chummer seit er im Stille: "Het mi nid vori erscht Zeus unerwartet Land no la luege? Scho han i gmeint, heig i d'Töiffine alli längschten im Rügge. Itze gsehn i ke Schlupf a ds Land vor däm salzige Unghüür: Spitzegi Felsen u Flüeh zäntum, am Ufer blooss gfährlegi Zagge! Töiff bis a Rand isch ds Meer u unger de Füess ekei Bode, won i chönnt waten u stah, für der Not und em Jammer z'ertrinne!"

Win er im Stille das alles no überleit u wärweiset, schlaht ihn plötzlech e gwaltegi Wälle a ds zaggigen Ufer. Scho umhalset er gleitig e Felse mit chreftigen Arme, chüchet u häbt sech am Zaggen u laht di Wälle verdüre. Wider für einisch ertrunne! – Aber bim Zrügg-Gah, da rysst si wüetig ihn wägg u schmeisst ne vo neuem usen i d'Töiffi. Wi bim Polyp, wo me us sym versteckte Gliger wägg-gwaltet, vor a de rüsselförmige Sugchöpf Chiseli chläbe, ganz so blybe Fätze vo Hut a de felsige Zagge zrugg vo Odysses chreftigen Arme. Ihn tunzet e Wälle.

Aber är toucht schliesslech uf us den ufersüchtige Wälle, häbt sech ussefür, schwümmt längs am felsigen Ufer, luegt uf weniger stotzegi Stelle, gäbig zu Lande. – Ändtlech erlängt er d'Mündig vomene ruehige Bachbett. Günschtig schynt ihm di Stell u frei vo Felsen u Lüften. Chraftlos sinkt er itz zsäme vom ständige Kampf mit de Wälle. Gschwullen isch d'Hut am ganze Lyb, u schwallwys louft ds Wasser, bachwys us Lippen u Nase. Atelos ligt er am Bode.

"Ach, i was fürne Gägend bin ig ächt wider higrate?"

TELEMACH fällt. Black.
 
 

III. AKT T E R R O R


Bild 8 FANAL
 

Licht wie am Anfang: Club-Atmosphäre. Müde kreist der Disco-Scheinwerfer. Auf der Projektionsfläche Schneegeriesel. Licht aus der Tür. Von da ganz leise das Nähmaschinengeräusch.

Der PENNER reglos in seiner Ecke.

TELEMACH liegt schlafend zwischen den herumstehenden Flaschen. Er erwacht und erkennt nach und nach den Ausgangs-punkt seines Trips wieder. Erfährt fort Flaschen einzusammeln. Plötzlich wirft er den Kasten in die Bierflaschen.

TELEMACH

I zile uf en Antinoos mit däm bittere Mordpfyl. Es preichtne i d'Gurgle.

Der Pfylspitz lueget zum feissen Äcke veruse. Es überschlaht ne hingertsi. Der Bächer purzlet us der Hang. E dicke Bluetstrahl us der Nase. Stupf vo de Füess. Der Tisch überflügt. Übere Boden y gschlifere d'Räschte. Bitze vo Brot. Brate. Vermueset. D'Freier wüeten ume im Saal.

TELEMACH zieht sich auf seinen Barhocker zurück. Er kauert sich darauf.

"Schwär erchlüpft und erschrocke, wyche si zrugg, grad wi d'Guschti,

wo vor der Bräme voll Angscht itze flieh und im Fäld umejage,

wenn's Früehlig wird u d'Tage geng wärmer."

HA. Verdammti Souhüng. Schlottere d'Chnöi? Ke Speer. Kes Schild. Chlupf i de Chnoche. Si fahre uf vo de Sässle. Heit gmeint, i chömi nümm ume. I ds Bett gschloffe. Frässseck. Mys Huus. My Frou. AUS. My Mueter. Frävel.

Das Nähmaschinengeräusch bricht ab. Stille.

TELEMACH

Lutuuf gröhlet da ds Muu u Grimasse schnyden itz Gsichter. Schiesst ne ds Wasser i d'Ouge, u troschtlos föh si a joule.

TELEMACH

I rupfe vor Achsle mys Schlachtschwärt. Mit schrecklechem Brüele.

Vo hinge. Zwüsche de Schulterbletter ine. Vore zur Bruscht wider use.

"I finge mir sötten is alli hie wappne."

Jede Schuss ä Freier. Hüfli mache.

Zoberscht bir Schwelle eine – verunge die Chuppele Freier. Di tapferschte, tüechtigschte Manne. Grüüslegi Arbeit. Inestecke umeschlah dürezieh und abelah.

Rejewys gheie sy alli uf d'Schnure. Si bysse der Bode.

D'Lanze. Us de Lyche. Usemürde. Inestopfe. U vo vore.

"Tue mi nid töde! I halte dy aa! Laa Güeti la walte!"

I stiche. I nagle. I rammen ihm der länglech Speer i Buuch.

Dür u dür jagen ihm ds Yse.

Der Suhn vom Damastor. Eurymachos. Peisander. Wie jungi Hüng a Bode prätsche. Zack. Gschliferig der Bode. Flutsch. Verstreuti Glider. Därm u Chnoche.

Ganz vergah u für gäng söllne der Gluscht. Straf muess sy. Umarmige im Verschleikte. Är. Ig? Schlah ne d'Gringe ab.

Peisistratos, my Härzbrueder.

Ugmüetlechs Brüele u ds Chrache vo troffnige Chöpfe.

Bluetig versudlet si d'Wäng. Äs tropfet Bluet vo de Balke.

Vo Bluetschtröm dampfet der Bode.

Krach. Splitter. Chreftige Griff. Zmittst grad i Äcke. Dä brüelt wi am Spiess.

Am Strubel use u schnäffle. D'Arme gspässig i Rügge verdräjt.

D'Nase u d'Ohre: Ab. Häng u Füess: Ab. Zackzack. I schryssen ihm dr Seckel us. Wuff. Für d'Hüng. Schlabber.

TELEMACH

"I wäsche mer druf miner Häng u putzen di schöngformte Sässle

u Tischli suber mit Wasser u glöchlete Schwämmli."

Neume no eine am Läbe?

Tryb se i d'Ängi. Prächtig ygrichtete Feschtsaal. Anenanderdrängt di Froue. Entwüsche cha keini. Si hüüle u göisse. Schlöht se zsäme. Der vernünftig Jüngling Telemach. Keini vo dene Wyber verdient der Tod mit em Schwärt hie. Alli die Lueder. Feischters Meerschiff. Es Gschleipf mit de Freier. I binde e Strick. Ou mini Mueter. Ägyptische Hanf. Höch höch höch ufe zur Tili. Fescht fescht fescht. Lätsch ume Hals. Amsel Drossel Fink und Star und die. Itz zable si no mit de Füess. Es Zytli. Lang nümme.

Wi d'Fisch. Brönnige Sand. Wasser. Itz lige. Neume no.

Eine?

Munine. Löie. Dunkli Schatte. Zotteligi Bruscht. D'Sunne am Himmel verlosche. Schwäflige Gschtank. Zäntume. Fischter.

Stille. TELEMACH kauert in sich gesunken auf dem Barhocker.

Der PENNER steht mühsam auf und geht leicht schwankend auf TELEMACH zu.

PENNER fast unhörbar

Wäge däm muesch du nid truurig sy

Wäge däm, wäge däm, wäge däm

Oh Susanna, wie isch doch z'Läbe schön –

TELEMACH schaut auf. Der PENNER steht vor ihm. Auge in Auge.

TELEMACH

Vatti –?

BLACK.
 

E N D E