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Bike-Travel
4 Tage durch die Vogesen

Bei mir war mal wieder sturmfrei und bei eider der berüchtigten "Eltern nicht da Parties" kamen wir (Padde, Chrissi und ich) auf die tolle Idee, mit dem Bike in die Vogesen zu fahren. Gesagt - getan, nachdem wir alle nötige Ausrüstung zusammen hatten, düsten wir Ende Juli los.

Geplant war es, mit dem Zug von Saarlouis (das liegt im Saarland - für alle Nichtwissenden) nach Freiburg zu fahren. Unterwegs entschlossen wir uns dann doch, bis Müllheim durch zu fahren. Von dort aus gings per Fahrrad weiter Richtung Frankreich. Kurze Zeit später suchte mich der erste Anschlag des "Mein Reifen ist platt"-Gottes auf, den wir auf unserer Tour noch öfters zu sehen bekommen werden. Aber dieser erste Platten war schnell repariert.

Da wir keinen blassen Schimmer hatten, wo denn hier ein Zeltplatz sein sollte, fuhren wir bei Jungholtz irgendwo vom "Trampelpfad" ab, und verbrachten somit unsere ersten Nacht im Franzosenlande in einem typisch französischen Wald.

Nachdem wir uns am nächsten Morgen ausgiebig mit dem verbleibenden Waser aus unseren Trinkflaschen gewaschen hatten (zumindest mal oral), entschlossen wir uns möglischst schnell weiter zu fahren, da aus der Ferne Schüsse zu hören waren und wir, angesichts dessen, dass gerade Jagdsaison zu sein schien, nicht als Rollbraten enden wollten.Die weitere Strecke war schnell beschlossen - es wird Richtung Grand Ballon gehen. Zwischen uns und dem höchsten Berg der Vogesen lag also nur noch ein "klitzekleiner" Anstieg. Angesichts des geringen Kampfgewichts unserer Fahrräder mit Packtaschen ;-) schafften wir die nun folgenden 8km und 800hm mit dem lächerlichen Puls von 220 innerhalb weniger Stunden (etwa 2).

Oben gab es dann selbstverständlich auch keinen Campingplatz, aber dafür viele viele Kühe und einen Bauernhof. Einige nette Deutsche, die in der Hütte des Vogesenclubs, direkt bei dem Bauernhof urlaub machten, erlaubten uns aber, neben der Hütte zu zelten. Also nichts wie runter vom Fahrrad, das Zelt aufgebaut, und nach einigen ausgiebigen Biker-Spaghetti wieder rauf auf´s Bike, um sich mal die Gegend ein wenig anzugucken. Nach einigen Kilometern befanden wir uns unbewusst auf "Grand Ballon" Kurs. Als wir dies bemerkten kam dann die Idee - warum eigentlich nicht? Also - rauf auf das Große Belchen. Wir kurvten also an Stock und Stein vorbei, wobei ich meistens versuchte drüberzufahren und somit die "Ich hab nen Platten"-Rate und die "Aaaaargh! Ich hab mich abgelegt!"-Rate deutlich anhob. Kurze Zeit später befanden wir uns auf einer klassischen Französischen Skipiste, welche wir uns im Oma-Gang hinaufschleppten. Oben wieder an der Passstrasse angekommen, stellten wir fest, dass wir zur Tour de France ein wenig spät dran waren. Lediglich die Kritzeleien auf der Strasse erinnerten noch daran. Aber uns erwähnte keiner. Schade eigentlich!" ;-)

Der sich uns nun bietende Anblick veranlasste uns dazu, unsere Bikes abzustellen und die Paar Meter zum Gipfel per pedes zu bestreiten. Wer will schon über fußballgroße Steinchen fahren? Oben angekommen sahen wir, dass die Vogesen dann doch gebirgiger sind, als wir urspünglich angenommen hatten. Unser Plan, morgen zum Ballon d´Alsace weiterzufahren, geriet nun doch ins Wanken. Aber nun galt es sich wieder auf dem Weg zum Zeltplatz zu machen, da es bald dunkel werden würde.

Beim nun folgenden Schotter-Downhill holte ich mir gleich meinen nächsten Platten. Aber der war ja schnell repariert - dachte ich!! Es war nämlich dummerweise ein Snakebite, und somit musste ich, nachdem ich den Mantel wieder aufgezogen und aufgepumpt hatte, feststellen, dass noch ein Loch im Schlauch war. Also, noch mal von vorne. Nun gings weiter durch ein echt schönes Waldstück mit einigen Bachläufen und vielen Bäumen - wie das im Wald nun mal üblich ist. Padde rief plötzlich "Mach mal halt!" und ich nahm dies natürlich etwas zu wörtlich, zog voll an meinen Bremsen, geriet aus der Spur und prallte prompt gegen einen unvorschriftsmäßig herumliegenden Baumstamm. Das war dann doch zu viel für meinen Schlauch und dieser entschloss sich sogleich, Luft zu lassen. Aber im flicken war ich ja jetzt schon geübt. Also - Mantel runter, Schlauch reparieren, Mantel wieder drauf - oh GROOOOOSSE Freude - es war wieder ein Snakebite! Den Rest des Reifen-Wechselns erspare ich mir jetzt genauer zu dokumentieren!

Da wir schon Mittags erspäht hatten, dass unser Nachbar-Bauernhof auch Getränke und potentielle Bio-Nahrungsmittel verkauft, entschlossen wir uns nun, die geglückte bisherige Reise mit einem Fläschchen Wein frischem Flute (sprich: Flitt) und selbstgemachtem Bergkäse zu feiern. Zur allgemeinen Abwechslung gab es heute also mal keine Nudeln. Nachdem die erste Flasche ihre Innereien in unseren Magen entleert hatte, musste unbedingt noch eine zweite Flasche her. Der Wein war zwar schlecht, aber das interessierte uns nicht sonderlich. Nachdem wir dann die dritte Flasche gebeutelt hatten, machte sich die brachiale Wirkung des eingeflößten Methyls breit. Der Rest des Abends war dann doch noch recht witzig.

Dank der üppigen sanitären Einrichtungen unseres Nachtlagers, mussten wir nicht einmal auf fließend Wasser verzichten. Der an unserem Zelt vorbeirauschende Gebirgsbach war jedoch genauso warm wie breit. Deshalb war er ideal sazu geeignet, Getränke zu kühlen. Den Nachteil dieser Eigenschaft bemerkten wir dann Abends, als wir uns am Bach wuschen. Diverse Körperteile hätten sich angesichts der arktischen Wassertemperatur am liebsten ganz ins Körperinnere verzogen. Naja, aber lieber kalt und sauber als noch eine weitere Gasvergiftung im Zelt.

Am kommenden Morgen bedurften unsere Nahrungsvorräte einer Auffrischung, und so enschlossen wir uns dazu, wieder nach Jungholtz zu fahren, um einkaufen zu gehen. Unsere deutschen Nachbarn erklärten uns am Vortag noch einen anderen Weg, um nach Jungholtz zu kommen, den wir auch prompt ausprobierten. Eine gute Wahl - es war echt toll um 9 Uhr morgens über taufrische Wiesen zu schreddern, sich in einen Bach zu legen und anschließend feststellen zu müssen, dass es in ganz Jungholz (etwa so viel Einwohner wie ein mittelgroßer Kindergarten) keinen einzigen Markt gibt. Also fuhren wir weiter nach Soultz. Nach dem Einkauf pflanzten wir uns erst einmal in die nächstbeste Wiese um uns an unserem frischen Baguette (sprich: Bagett) zu laben.

Anschließend machten wir uns wieder an unseren Lieblingsaufstieg. Diesmal nicht ganz so mörderisch, da wir ohne Packtaschen unterwegs waren. Da unsere Trinkflaschen nicht mehr allzu voll waren, beschlossen Chrissi und ich diese an einem kristallklaren, Coladosen-bestückten Bach aufzufüllen. Auf halbem Weg wurde mir dann noch ganz schwarz vor Augen und ich musste mich erst einmal ein wenig hinlegen. Die anderen Beiden fuhren weiter. Nachdem meine Optik wieder hergestellt war, fuhr ich ebenfalls weiter und stieß schon bald auf Padde, der auf mich wartete. Wir fuhren beide weiter und schon wenige Millimeter später verteilte sich Paddes Schaltwerk auf der Straße. Dieser suchte seine Einzelteile wieder zusammen und machte sich an die Reparatur, während ich mich der örtlichen Wald-Kloake widmete.

Oben angekommen stopften wir einige Teigwaren in uns hinein und brachen zur nächsten Tagestour auf. Gleich am Anfang fanden wir einen schönen und schnellen Waldpfad, auf dem ich mich auch prompt ablegte. Aber nicht weiter schlimm, die Paar blutigen Knie gehen auch vorbei. Anschließend hatten wir ein besonderes Gespür für Wege, die in Sackgassen endeten, Orte, an denen es mehr Fliegen als Luft gab und Waldstücke, in denen man trotz Federgabel einen Wirbelsäulenschaden bekam, da diese anscheinend von hochausgroßen Traktoren heimgesucht wurden. Nachdem wir anschließend neben einigen Trinkflaschen auch noch die Orientierung verloren hatten, meinte Chrissi, er müsse zur Feier des Tages sein Mittagessen wieder ausspucken.

Nachdem uns ein Wanderer den Weg nach Jungholtz erklärt hatte, machten wir uns dorthin auf, schafften es allerdings mit dem wild um sich reihernden Chrissi nur noch bis zum Chatelle Sainte Anne (sprich: Schattell Sänt Anne), das kurz vor und einige Meter über Jungholtz lag. Bei der anschlißenden Krisensitzung beschlossen wir, dass Padde und ich zurück zum Zeltplatz fahren, um dort unsere Hütten-Nachbarn zu bitten, Chrissi per Auto abholen zu gehen. Padde fuhr anschließend mit unserem Nachbarn und ich mit meinem Fahrrad wieder hinunter zu Chrissi. Dann fuhren Padde und ich besagten Lieblingsberg wieder hoch. Zum dritten mal an diesem Tag.

Der Rest des Urlaubs ist recht schnell beschrieben: Wir rufen vom Bauernhof aus zu Hause an und bestellen das "Mir iss schlecht - ich will heim"-Taxi.
Nachts: Chrissi reihert, Ollo schließt sich ihm an.
Nächster Tag: Padde versucht noch einmal zu Hause anzurufen, da immer noch niemand da war, um uns abzuholen. Allerdings erfolglos. Nur Telefonzellen mit Kartentelefon und alle Verkaufsstellen geschlossen.
Naja, irgendwann Nachmittags kam dann ein Bekannter von uns mit seinem Vater vorbei, um uns abzuholen. Dummerweise passte unser ganzes Zeugs natürlich NICHT ins Auto. Also fuhr nur Padde mit und kam einige Stunden später mit seinem eigenen Auto zu unserer Rettung geeilt.

Fazit: Vogesen sind ein echt geniales Bike-Terrain - wenn man diverse Regeln beachtet!
  • Trinke nicht aus Bächen, egal, wie sauber sie aussehen