Tschechien
Ein tschechisches Wirtschaftswunder

Am wenigsten wirken diese Fehler ver mutlich im wirtschaftlichen Bereich. Denn die Wirtschaft folgt, auch wenn das dem manchmal überheblichen Anspruch parteipolitischer Funktionäre in der gesamten Welt immer wieder einmal nicht deutlich genug vor Augen steht, in unserem Gesellschaftsmodell in betonter Unabhängigkeit ihren eigenen Wegen, und man könnte glauben, daß es die für die ganze Gesellschaft maßgeblichen Wege sind.

Das ist für die tschechische Republik heute nicht anders als für die Bundesrepublik, wo in den 50iger Jahren die demokratische Neuordnung so knapp auf dem Fuße des Wirtschaftswunders folgte, daß man nicht leicht sagen kann, wer jeweils den ersten Schritt tat. Die tschechische Wirt schalt von heute ist national, aber auch europäisch und global verflochten. Die weltweite Entwicklung wird sich noch steigern, wenn demnächst die Privatisie rung der Großindustrie zum Abschluß kommt. In diesem Prozeß gibt es auch am wenigsten Ressentiments oder Verständigungsprobleme im Management.

Die tschechische Wirtschaft ist effizient, sie hat in gewissen Bereichen Anschluß an den Weltmarkt, sie verkauft Autos und Porzellan, Textilien und Maschinen, sogar mit einer gewissen überlegenheit auf grund ihres niedrigen Kostengefüges. Ein Drittel ihrer Investitionen, der größte Anteil, kommt aus Deutschland, die Arbeits Ipsigkeit liegt bei 3%, in den Zentren des Tourismus, vornehmlich in der Hauptstadt Prag, mangelt es an Arbeitskräften.

Es herrscht hier nicht nur Vollbeschäftigung, sondern eine Attraktion für Arbeitskräfte aus Polen und der Ukraine. Es geht vor nehmlich um Beseitigung der Schäden des Sozialismus an der Bausubstanz, und eben die erzwingt in Prag der Massentourismus, also der am raschesten bis nach unten vorgedrungene Beschäftigungs zweig. Der nährt seine Leute, vom Hotelier bis zum Bauarbeiter.