Tschechien
Die Versöhnung fällt noch schwer

Davon sind noch die Ereignisse der letzten Jahre geprägt. Während es offene Gespräche über Unrecht und Vertreibung gab, über versuchten Genozid und Heimatverlust zwischen Deutschen und Polen, gibt es vergleichbare offene Gespräche zwischen den Vertriebenen und den jetzigen Bürgern in den böhmischen Ländern nur in kleinen Zirkeln, sind offene Begegnungen eher unpopulär, ist die generelle Meinungsbildung noch weit entfernt von wechselweisen Schuldbekenntnissen, von Verständigung oder gar, um ein anspruchvolles und leicht mißbrauchtes Wort zu benützen, von Versöhnung.

Das Ganze wurde nach 1990 sogar noch schlimmer, als Väclav Havels Versöhnungsangebot, aufgenommen aus einer schon seit Jahren geführten Debatte unter tschechischen Dissidenten über das Unrecht an den Deutschen, zwar auf offene Ohren, nein offene Arme beim deutschen Bundespräsidenten stieß, aber auf trotziges Schweigen bei der Sudetendeutschen Landsmannschaft.

Die Verhärtung der Szene steigerte sich dabei in den letz ten Jahren bis zur Ablehnung jener deutsch-tschechischen Deklaration von 1997 nach langen Verhandlungen. Diese Deklaration, über deren einzelne Formulierungen man nicht mäkeln sollte, hat ein Zeichen gesetzt. Dieses Zeichen heißt freilich zugleich, für beide Seiten, jetzt auch noch die Unverständigen zu gewinnen, um sie in die jeweilige nationale Gesinnungsgemeinschaft mit einer allgemein anerkannten Rückschau einzubinden; damit Deutsche wie Tschechen gemein sam ohne stille Ressentiments zu einer neuen Nachbarschaft finden.