Diese Darstellung der Kunst der Imagomantie ist eine mehr oder weniger
getreue Adaption der gleichnamigen Zauberei aus dem Roman "Einer reitet
durch" von Stephan R.Donaldson für das Regelsystem Midgard.
Spielleiter können die Imagomantie als geheimes Forschungsfeld
einer Magiergilde oder eines Zirkels von Magiekundigen in ihre Kampagne
einführen und vielleicht sogar zum Thema eines Abenteuers machen.
Analog zur Herstellung von Amuletten, Runenstäben und Thaumagrammen
beschäftigt sich auch der Imagomant mit Zauberwerk: und zwar mit Spiegeln,
genauer gesagt mit deren Imagines, den Spiegelbildern. Die Spiegel, die
die Imagomantie verwendet, sind natürlich magische Spiegel, die außerdem
ein wesentlich dauerhafteres Zauberwerk als das bekannte der Thaumaturgen
sind. Generell hat jeder imagomantische Spiegel die Ausbrennwahrscheinlichkeit
1.
Die Imagomantie kennt zwei Grundfertigkeiten, mit denen jede Beschäftigung
mit dieser Kunst anfängt. Es handelt sich um das Handwerk der Herstellung
eines imagomantischen Spiegels, also insbesondere die Kenntnis der richtigen
Sandmischung und des Oxydationsmittels, mit dem das Glas verspiegelt wird.
Auch die Fabrikation eines ordentlichen Holzrahmens, der bei großen
Spiegeln z.B. ein Kippen oder Drehen der Oberfläche ermöglichen
muß, gehört dazu.
Beide Fertigkeiten sind Grundfähigkeiten für Thaumaturgen (und evtl. Beschwörer) und Standardfähigkeiten für Magier. Das Erlernen der ersten Fertigkeit kostet 2000 FP, das der zweiten nur noch 1000 FP, weil sich allein die Einzellheiten der Herstellungsmethode voneinander unterscheidet, nicht aber die grundsätzlichen Handgriffe. Ein Spielleiter, der die Imagomantie in seine Kampagne einführen möchte, behandelt sie am sinnvollsten als eine thaumaturgische Kunst ähnlich wie die Amulettmagie. Da die Benutzung der Spiegel aber an eine Form erweiterten Versetzens erinnert, und es außerdem möglich ist, im Spiegel Verbindung zu anderen Welten herzustellen, hat die Imagomantie eine große Nähe zur Magie der Beschwörer. Man sollte erwägen, ob man die Imagomantie nicht also zusätzlich als Beschwörungszauberei handhabt.Gekrümmte Spiegel herstellen
Ge31; wissen von der MagieFlache Spiegel herstellen
Ge31; Wissen von der Magie
Ein Imago muß man sich wie ein Fenster vorstellen. Der Spiegel
bildet nicht ab, sondern er stellt sozusagen einen Durchblick auf eine
selbst nicht präsente Szenerie her, sei es nun ein Raum, ein Stück
Straße, eine Landschaft oder eine Unterwasserszene. Das Imago verhält
sich wie der Blick eines Menschen, d.h. als ob ein Mensch das Bild
des Imagos in Natur vor sich sehen würde. Das Imago ist immer nur
ein Ausschnitt der Umgebung, weil der Betrachter es nur durch eine Perspektive
sieht.. Außerdem begrenzt die Größe des Spiegels das mögliche
Sichtbare. Ein Spiegel hat immer nur ein Imago, das in der Regel auch unveränderlich
ist. Allerdings kann der Imagomant das Imago für die Dauer seiner
Konzentration verschieben, indem er es horizontal und vertikal schwenkt.
Es kann auch bewegt werden, allerdings hat jeder Spiegel nur eine beschränkte
Reichweite. Diesen Vorgang kann man sich durch den Vergleich mit einem
Fotografen, der sein Bild im Sucher einstellt, verdeutlichen. Was für
ein Imago in einem neuen Spiegel erscheint, unterliegt Zufälligkeiten,
obwohl der Imagomant natürlich versuchen will, die Art des Imagos
zu beeinflussen.
Die Imagomantie befaßt sich nun im weiteren nicht nur mit dem
Herstellen von Imagines, die an und für sich bestenfalls als spionierende
Augen gebraucht werden können. Die Imagines werden häufiger als
Medium für Translationen benützt, d.h. Objekte oder Lebewesen
werden durch den Spiegel hergeholt oder in das Imago verrückt. Der
Imagomant kann auch sich selbst translatieren. Gekrümmte Spiegel haben
Imagines, die zur Translation zum Imagomanten hin fähig sind (HERBEWEGUNG).
Flache Spiegel dienen zur Versetzung in das Imago hinein (HINBEWEGUNG).
Die Translation eines Menschen durch flache Spiegel raubt diesem den Verstand.
Dieser Wahnsinn kann nur mittels Allheilung überwunden werden.
Prinzipiell kann alles, was sichtbar ist, translatiert werden, wobei
die Größe des Spiegels die Größe des Translationsobjekts
beschränkt. Ein kleiner Spiegel z.B. kann keinen Menschen oder eine
Truhe durchlassen. Generell gibt es die Faustregel, daß der Größe
des Objektes die Größe des Spiegels entsprechen sollte, um eine
reibungslose Translation zu gewährleisten. Aus diesem grund sind die
großen Spiegel die wertvollsten und wichtigsten, weil sich durch
sie fast alles, was üblicherweise gebraucht wird, translatieren läßt.
Der Ausgangs- bzw. Zielpunkt einer Translation liegt immer im Brennpunkt
des Imagos. Die Translation wird vom Imagomanten bewirkt, wozu er das benutzte
Imago deutlich sehen muß. Er muß zwar nicht unbedingt direkt
davorstehen, es aber auf jeden Fall überblicken können. Eine
Translation äußert sich nicht sichtbar, außer daß
ein Objekt plötzlich auftaucht oder verschwindet. Lebewesen empfinden
ihre Translation als einen kalten Hauch. Das dabei eintretende Gefühl
gleicht dem freien Fall aus großer Höhe. Für manche Außenstehende
kann sich eine Translation ebenfalls gefühlsmäßig ankündigen,
weil sie den Brennpunkt des Zielimagos kurz vorher spüren können
(Gefahr spüren +1). Dinge und Lebewesen in unmittelbarer Nähe
des Objekts, das gerade durch den Spiegel versetzt wird, sind einem starken
Sog ausgesetzt, der sie sogar in die Translation hineinziehen kann.
Wie gesagt beinhaltet das Herstellen eines Spiegels auch das Erscheinen eines Imagos, das der Imagomant normalerweise gezielt einstellen will. Dazu muß er das gewünschte Imago ganz klar vor seinem geistigen Auge haben, es also üblicherweise mindestens einmal gesehen haben. Ein bestimmtes Imago kann nur über einen Ortsbezug aufgerufen werden. Es ist z.B. nicht möglich, eine Person als Imago zu definieren, weil sie erstens kein Ort ist und zweitens überall sein könnte. Das Imago muß möglichst eng definiert werden. Ein ganzes Land z.B. kann nicht erscheinen. Je nachdem wie präzise die Vorstellung des Imagomanten von dem gewünschten Imago ist, werden Würfelmodifikationen auf den EW: Zaubern angewendet:
Die Modifikationen zeigen, daß die Beeinflussung eines Imagos trotzdem eher schwach ist. Nur der kritische Erfolg erzeugt sofort das Imago, daß präzise der Vorstellung des Imagomanten entspricht. Im Normalfall wird man sich mit Näherungserfolgen zufrieden geben müssen, denn auch der einfache Erfolg der Beeinflussung bringt leichte Abweichungen mit sich und zwar 1W6 x 1000 Meter minus (Gesamtergebnis des EW: Zaubern minus 19) x 100 Meter. Die Rechnung für einen Imagomanten, der 29 geschafft hat, könnte beispielsweise so aussehen: 4 x 1000 Meter - 10 x 100 Meter= 3000 Meter. Das Imago würde also den gewünschten Ort aus drei Kilometer Entfernung zeigen, sofern dieser aus so großer Distanz überhaupt zu sehen wäre, denn es könnten ja Berge dazwischenliegen. Sollte das Resultat 0 sein, hat der Imagomant sein Imago ebenfalls noch präzise erzeugt. Man beachte, daß die Entfernung nicht unbedingt den Abstand zu dem, was man zu sehen wünscht, bedeutet. Das Imago eines ganzen Schlosses kann der Betrachter z.B. ja nur aus mehreren hundert Metern Entferung sehen, nicht aber vom Schloßtor aus. Da der Spiegel die Position eines imaginären Betrachters einnimmt, wäre die Abweichung des Imagos im Zweifelsfall also die Abweichung vom Punkt des Beobachters aus.Vage Vorstellung (aufgrund Beschreibungen anderer z.B.) WM -10
Konkrete Vorstellung (aufgrund mehrerer Aufenthalte z.B.) WM -5
Exakte Vorstellung (aufgrund langwährender Aufenthalte z.B.) WM +0
Die Verschiebung eines Imagos wird am häufigsten angewandt, um
eine Abweichung vom gewünschten Bild auszugleichen. Der Imagomant
verschiebt den Brennpunkt des Imagos mittels seiner magischen Fähigkeiten.
Es ist zu beachten, daß jeder Spiegel nur ein Imago haben kann und
zwar immer das originale. Jedes Verschieben eines Imagos dauert nur solange,
wie die Konzentration des Imagomanten währt. Danach zeigt der Spiegel
wieder das ursprüngliche Imago. Zweitens muß beachtet werden,
daß jeder Spiegel für das Verschieben seines Imagos nur eine
begrenzte Reichweite zur Verfügung hat, die unter Umständen zu
klein ist, um eine Abweichung voll auszugleichen. Dem Imagomanten ist die
Reichweite eines Spiegels nicht bekannt, er kann sie nur durch Probieren
herausfinden. Die Reichweite des Spiegels wird mit W% x 100 (kleiner Spiegel
x10, mittelgroße x50) Meter bestimmt. Der Imagomant verschiebt das
Imago mit B24, wobei er es in alle Richtungen bewegen kann. Außerdem
sind Schwenks in horizontaler und vertikaler Richtung möglich. Eine
Drehung um volle 90 Grad dauert eine Runde. Das Verschieben des Imagos
wird mit einem EW: Zaubern durchgeführt, und alle sechs Runden wird
ein neuerlicher Wurf fällig. Pro 6 Runden Aufrechterhaltung der Konzentration
auf das verschobene Imago verliert der Imagomant 1 AP. Geht es dem Imagomanten
nur darum, den Brennpunkt eines ansonsten richtigen Imagos korrekt einzustellen,
so dauert das nur eine Runde. Es handelt sich allerdings auch um eine Verschiebung
in einen Rahmen von maximal 24 Metern, die aber ausnahmsweise keine Ausdauerpunkte
kostet.
Eine besondere Bemerkung muß zu verdunkelten Imagines gemacht
werden, also Imagines, die einen völlig lichtlosen Ort zeigen. Hier
gilt der Grundsatz: Der Brennpunkt eines Imagos, das man nicht sehen kann,
kann nicht verstellt werden. Der Grund besteht darin, daß man sich
nicht sicher sein kann, wohin man das Imago verschieben würde. Eine
Translation ins Dunkel kann tödliche Folgen haben. Das Dunkel könnte
ja der Schacht eines tiefen Lochs sein, oder der Imagomant hat den Brennpunkt
in den Erdboden verlagert.
Als Brennpunkt des Imagos gilt der unmittelbar im Vordergrund befindliche
Bereich des Bildes, also das, was man direkt vor sich sieht und sozusagen
"anfassen" könnte. Auf den Brennpunkt konzentrieren sich die Kräfte
der Translation. Nur was im Brennpunkt des Imagos erscheint bzw. dort beginnt,
kann hertranslatiert werden. Was in das Imago hineintranslatiert wird,
erscheint im Brennpunkt bzw. beginnt dort. Theoretisch kann alles translatiert
werden: Lebewesen, Objekte und "Stoffe". Stoffe sind Dinge, die zu komplex
sind, um als ein Objekt bezeichnet werden zu können, z.B. Regen, der
aus Tropfen besteht oder Wasser, Feuer, ein Erdbeben, ein Gewitter. Es
kann alles translatiert werden, was sichtbar ist und der Größe
des Speigels entspricht. Stoffe unterliegen dabei in der Regel keiner Beschränkung,
weil sie in keiner definierbaren Größe Vorkommen. Feuer ist
z.B. beliebig teilbar. Man kann zwar keinen ganzen See auf einmal translatieren,
aber es würde soviel Wasser durchströmen können, wie der
Spiegel durchlassen kann.
Zum Translatieren muß der Imagomant das Imago öffnen, indem
er sich 1 Sekunde lang darauf konzentriert. Er muß das Imago dazu
sehen und darf nicht weiter als 5 Meter entfernt sein. Ein EW: Zaubern
entscheidet darüber, ob das Imago geöffnet wurde. Kritische Fehler
oder kritischer Erfolg haben keine besonderen Auswirkungen. Das Imago kann
durch Konzentration offengehalten werden, und der Imagomant darf sich währenddessen
nur mit B1 bewegen und keine anderen Handlungen ausführen. Er darf
sich ebenfalls nicht weiter als 5 Meter entfernen, muß das Imago
aber nicht mehr unbedingt sehen. Pro Minute des Offenhaltens verbraucht
der Imagomant 1 AP und muß bei Störungen (Kampfgeräusch,
Abwehr) pro Runde einen PW: Intelligenz ausführen, auf den kumulierende
Würfelmodifikationen (+1, +2, +3, ...) angewendet werden. Bei Mißlingen
schließt sich das Imago augenblicklich, und eine gerade stattfindende
Translation wird abgebrochen.
Die Translation selbst setzt ein offenes Imago voraus. Das zu translatierende
Ziel muß gesehen werden und sich im Brennpunkt befinden bzw. maximal
1 Meter weit weg vor der Spiegelfläche sein. Der Imagomant führt
die Translation durch das Hervorrufen der Sogwirkung in Translationsrichtung
aus. Ein EW: Zaubern muß dazu gelingen, gegen den unwillige Lebewesen
einen WW: Resistenz gegen physikalische Zauber machen dürfen. Bei
großen Zielen (Oger, Pferd) gelten WM-2, bei sehr großen Zielen
(Elefant, Wagen, kleiner Steinschlag, alle "Stoffe") WM-5 und bei gigantischen
Zielen (Drache, Haus) WM-10. Eine Translation dauert 1 Sekunde und kann
beliebig viele Runden fortgesetzt werden. Die Translation kostet Ausdauerpunkte,
wobei der Verlust pro Ziel , nicht pro Objekt oder Wesen berechnet wird.
Das Ziel können ebenso drei Kisten sein, die zusammen immer noch als
großes Ziel zählen. Große Ziele kosten 2, sehr große
5 und gigantische Ziele 10 AP. Genausoviel kostet die Fortsetzung einer
Translation pro Runde. Eine Translation verbraucht immer mindestens 2 AP,
auch wenn das Ziel nicht einmal als groß bezeichnet werden kann.
Es kann sinnvoll sein, ein Ziel nicht auf einmal zu translatieren, sondern
es in einer mehrere Runden dauernden Operation als mehrere Ziele zu versetzen.
Die Translation von einer Gruppe aus 6 Menschen (sehr großes Ziel)
auf einmal, könnte zu Verletzungen führen, wenn sie am Zielpunkt
übereinanderpurzeln. Möglich ist dieser Vorgang jedenfalls, auch
wenn nicht alle 6 im Brennpunkt bzw. direkt vor dem Spiegel stehen können,
denn das Ziel insgesamt hat Verbindung zum Wirkungsbereich. Das Öffnen
eines Imagos und die Translation können gleichzeitig in einer Runde
durchgeführt werden, was zusammengenommen ebenfalls nur 1 Sekunde
ausmacht. Es müssen aber für beide Aktionen zwei EW: Zaubern
gemacht werden.
Beistehende, die sich während der Translation nahe bei dem Ziel
befinden, müssen einen Prüfwurf: Reaktionswert schaffen. Sonst
werden sie von dem Sog in die Translation hineingerissen (relativ leichte
Objekte werden automatisch erfaßt). Dies geschieht nicht, wenn ihre
Größe die Größe des Translationszieles übersteigt
(groß, sehr groß, gigantisch) bzw. der Spiegel ihrer Größe
nicht angemessen ist. Mehrere Beistehende oder nahe Dinge werden nicht
als ein Ziel, sondern als jeweils einzelne Ziele behandelt, die den Imagomanten
keine zusätzlichen AP rauben.
Die translatierenden Ziele durchqueren den Spiegel und werden wegen
des Sogs regelrecht am Zielpunkt herausgeschleudert. Je nach der Eigenbewegung
des translatierten Objekts kann diese Wirkung geschoßartig sein.
Ein ruhig stehender Mensch wird im Normalfall höchstens etwas schwankend
ankommen. Der Sog verstärkt aber jede Bewegung ungemein, so daß
ein gehender Mensch ohne weiteres 1-3 Meter weit weggetragen werden kann.
Mit PW: Reaktionswert kann dieser Kraft gegengesteuert werden. Laufende
oder sprintende Wesen werden generell um 20% ihrer Bewegungsweite weit
geschleudert und erhalten WM+30 auf ihren Prüfwurf. Natürlich
ist es möglich, seine Bewegung vor der Translation einfach nachher
fortzusetzen, wenn man von dem Versetzungsvorgang nicht überrascht
wird.
Auf die wahnsinnig machende Wirkung von flachen Spiegeln auf Menschen
wurde bereits hingewiesen. Dieser Effekt ist unausweichlich und kann höchstens
mittels geeigneter Magie verhindert werden. Der Wahnsinn beruht aber nicht
auf magischer Beeinflussung. Vielmehr scheint ein schädlicher Zusammenhang
zwischem flachem Glas und dem menschlichem Gehirn zu bestehen, das durch
die Translation verändert wird. Deshalb haben Zauber, die vor psychischer
Magie schützen, grundsätzlich keine aufhebende Wirkung.
Eine Translation, die zu früh abgebrochen wird, kann generell
nur für das gerade translatierte Wesen gefährlich sein, sofern
es noch körperliche Verbindung zu der Umgebung vor dem Spiegel oder
sozusagen jenseits des Spiegels hat. Es befindet sich gerade auf der Grenze
zwischen den Orten und wird von dem sich schließenden Imago wie ein
Messer glatt durchtrennt. Der Tod ist die sofortige Folge, immerhin ein
blitzartiges Ende. Ein gnädiger Spielleiter, der sich auf Diskussionen
seiner Spieler einläßt, ob nicht vielleicht auch nur ein Körperteil
betroffen ist, kann auch Tabelle S5 für kritischen Schaden verwenden.
Ein Ergebnis von 01-20 beläßt das Wesen in einem Stück,
fügt ihm aber Wunden von 2W6 schweren Schaden zu. 21-45 zerteilt in
zwei schöne Hälften, während Arm- und Beintreffer natürlich
zum sofortigen Verlust der Gliedmaße führen (Rüstung hilft
hier nicht). Alle Ergebnisse über 80 führen auch zum sofortigen
Tod. Objekte werden natürlich zerstört bzw. entzweigeteilt. Abgebrochene
Translationen treten in der Regel nur bei einer fortgesetzten translation
auf. Eine einfache Translation geschieht zu augenblicklich, um in Sekundenbruchteilen
schon wieder aufzuhören.
Andere Gefahrenquellen liegen in der Unvorsichtigkeit des Imagomanten.
Es wäre beispielsweise schlichtweg dumm, einen rennenden Löwen
herzutranslatieren, denn er würde dem Imagomanten direkt entgegenspringen
und ihn wahrscheinlich angreifen.
Spiegel mit unsichtbaren Fehlern, wie sie bei der Herstellung oder
durch unsachgemäßen Transport entstehen können, unterliegen
durch den Gebrauch einer Belastung, die früher oder später zur
Zerstörung des Glases führt. Jeder normale imagomantische Spiegel
besitzt ABW 1. Wenn er ausbrennt, trübt sich das Glas etwas
und das Imago erlischt, so daß der Spiegel nur noch als gewöhnlicher
Spiegel taugt. Fehlerhafte Spiegel zerscherben explosionsartig, wenn sie
ausbrennen. Die herumfliegenden Glasscherben fügen in einem Halbkreis
von einem (klein), drei (mittelgroß) oder fünf (groß)
Metern 1W6-1 schweren Schaden zu. Außerdem werden fortgesetzte Translationen
sofort unterbrochen, was für translatierte Lebewesen Gefahr für
Leib und Leben bedeutet. Selbst bei einfachen Translationen besteht eine
50% Chance, daß der Vorgang mittendrin aufhört. Die Ausbrennwahrscheinlichkeit
fehlerhafter Spiegel kumuliert nach jeder Anwendung um 1. Steigt sie so
über den Wert 10, kann der Fehler spätestens jetzt ohne Wahrnehmung
bei näherem Hinsehen bemerkt werden.
Zwei Probleme sind es, die für einen Imagomanten eine ärgerliche
Beschränkung bedeuten: die Nachteile der Flachspiegel für Menschen
und die kombinierte Benutzung zweier Imagines. Das erste verhindert es,
daß Menschen woanders hintranslatiert werden können. Das zweite
erfordert höchste Aufmerksamkeit. Für beide Probleme hat sich
ein- und dieselbe Lösung gefunden.
Es kann häufig nützlich sein, sein Objekt aus einem Imago
in ein anderes Imago zu versetzen. Was will ein Imagomant mit einem herbeitranslatierten
Drachen in seiner Stube, wenn nicht, das Untier zu einer feindlichen Armee
hineinzutranslatieren? Abgesehen, daß er einen gewaltigen Spiegel
dazu bräuchte, müßte er theoretisch zwei Translationen
nacheinander durchführen. Die erste befördert den Drachen her,
und die zweite schickt ihn durch das Imago eines Flachspiegels wieder weg.
Dazwischen aber muß der Imagomant das Imago des zweiten Spiegels
öffnen, was er immerhin erst in der nächsten Runde machen könnte.
Bis dahin kann der Drache längst angefangen haben, alles kurz und
klein zu trampeln. Man kann, um diese Verweilzeit des translatierten Objekts
zu verkürzen, auch die Imagines gleichzeitig kontrollieren, was besondere
Anforderungen an die Konzentration stellt. Dazu stellt man beide Spiegel
mit ihrer Oberfläche genau gegenüber, so daß der Imagomant
die Imagines sehen kann und er selbst von keinem Spiegel weiter als 5 Meter
steht. Der Imagomant öffnet nun zuerst ein Imago und aktiviert das
zweite dazu. Beides erfordert je einen EW: Zaubern (außerdem zwei
PW: Intelligenz pro Minute mit Verlust von zusammen 2 AP zum Offenhalten).
Wenn nun die Hertranslation ausgelöst wird kommt es darauf an, mit
der kürzestmöglichen Verzögerung sofort die Hintranslation
zu bewirken, so daß man praktisch gleichzeitig zwei Translationen
durchführt. Die Spiegel müssen möglichst nahe zusammenstehen,
damit gewährleistet ist, daß das Objekt während seines
Auftauchens zwischen den Spiegeln sofort in den Sogbereich des zweiten
Imagos gerät. Dies ist eher ein geringes Problem, da Translationen
ihre Objekte ja leicht über den Zielpunkt hinaustragen. Wichtiger
ist, daß das zweite Imago rechtzeitig bereit ist und beide Translationen
solange, wie erforderlich ist, aufrechterhalten werden. Diese Konzentration
kostet pro Runde 1 AP. Außerdem muß der Imagomant jede Runde
zwei PW: Intelligenz (kumulierende Würfelmodifikationen wie beim Offenhalten
von Imagines) schaffen. Mißlingt der erste, schließt sich das
Imago des gekrümmten Spiegels mit allen eventuellen Folgen für
Lebewesen. Mißlingt der zweite, ist der Translationsfluß unterbrochen,
sp daß gerade translatierte Objekte auf die undurchlässige Fläche
des flachen Spiegels prallen, was normalerweise diesen sofort zerstört.
Je nachdem ist der Imagomant natürlich selbst gefährdet, besonders
dann, wenn er feindlich gesonnene Wesen auf diese Weise befördern
wollte. Aber auch ein Steinschlag, der dem Imagomanten plötzlich in
den Schoß prasselt, ist sehr unangenehm.
Als Zusatzregel empfiehlt sich eine Ausnahme von der Faustregel, daß
die Größe des Spiegels und die Größe des translatierten
Objekts miteinander korrespondieren müssen. Bei einer wie eben beschriebenen
Translation besteht keinerlei Beschränkung für große Spiegel,
die sogar Objekte über ihr eigenes Ausmaß translatieren können.
Der Grund liegt darin, daß die zwei Imagines faktisch einander berühren.
Allerdings bedeutet das Mißlingen des PW: Intelligenz für den
gekrümmten Spiegel bei übergroßen Objekten auch dessen
Zerstörung.
Trotz der Vorteile der kombinierten Translation hält diese Methode
auch Gefahren bereit: ein Imagomant kann eines Spiegels verlustig gehen
oder weiterhin selbst Opfer hertranslatierter Objekte werden. In diesem
Punkt besitzen fortgeschrittene Imagomanten einen besonderen Trick, der
die Möglichkeiten dieser Zauberei erheblich erweitert. Es wird einfach
der flache Spiegel durch den gekrümmten Spiegel translatiert, so daß
er nun im Imago des gekrümmten Spiegels erscheint. Man wird feststellen,
daß eine Hintranslation durch gekrümmtes Glas in diesem Fall
möglich ist, aber leider wird der Flachspiegel dadurch zu Glasstaub
zermalmt. Der Trick besteht in einem speziellen Oxydationsmittel, mit dem
der flache Spiegel hergestellt wurde. Es verhindert seine Zerstörung
und macht die Translation durch einen gekrümmten Spiegel möglich.
Man kann davon ausgehen, daß dieses Oxydationsmittel ein gut gehütetes
Geheimnis einzelner Imagomanten ist, denn mit zwei so eingestellten Spiegeln
lassen sich zwei Translationen tatsächlich gleichzeitig ausführen.
Eine Kombination zweier gekrümmter bzw. zweier flacher Spiegel ist
unmöglich.
Der flache Spiegel wird also ins Imago des gekrümmten Spiegels
translatiert. Dann stellt man den Brennpunkt des gekrümmten Spiegels
so ein, daß der flache Spiegel exakt die Fläche des gekrümmten
einnimmt. Mit dieser Konstellation schafft der Imagomant eine vollkomene
Deckungsgleichheit der Imagines. Die Folge ist, daß er automatisch
mit einem EW: Zaubern beide Imagines öffnet. Ebenso bezieht sich ein
Translationsvorgang sofort auf beide Imagines, so daß auch hier nur
ein EW: Zaubern erforderlich ist. Ansonsten sind dieselben PW: Intelligenz
wie bei der kombinierten Translation erforderlich. Der Vorteil dieser Methode
besteht darin, daß der Imagomant durch die translatierten Objekte
keiner Gefährdung mehr ausgesetzt ist. Außerdem hebt sich die
negative Wirkung von Flachglas auf den menschlichen Geist völlig auf.
Die gleichzeitige Translation kann in zwei grundsätzlichen Variationen
durchgeführt werden, je nachdem, ob der Imagomant von seiner Seite
aus Translationen bewerkstelligen will oder nicht. Der flache Spiegel kann
so in das Imago des gekrümmten Spiegels gestellt werden, daß
seine verspiegelte Oberfläche sichtbar ist. In dieser Einstellung
kann die gleichzeitige Translation nur in das Imago des Flachglases erfolgen,
also eine Hinbewegung ist möglich, ohne daß Menschen davon in
Wahnsinn verfallen. Zum anderen kann die Hinterseite des Flachspiegels
das Imago des gekrümmten Glases einnehmen. Dann nimmt das Imago des
Flachglases praktisch die Position des Brennpunktes des gekrümmten
Spiegels ein, und alles was normalerweise durch diesen hertranslatiert
würde, wird automatisch in den flachen Spiegel versetzt. Diese zweite
Variante ist in die Ausführung schwieriger als die erstbeschriebene,
weil der Imagomant ja nur die Rückseite des Flachspiegels sieht, nicht
aber das Translationsobjekt. Das heißt zwangsläufig, daß
die translatierten Objekte sich in einer Bewegung auf den Flachspiegel
hin befinden müssen, wo sie von dem geöffneten Imago quasi aufgefangen
werden. Nur dann braucht der Imagomant sie nicht zu sehen. In bestimmten
Fällen kann das gefährlich sein. Ein Steinschlag, der mit dieser
Methode translatiert wird, bleibt unsichtbar, und der Imagomant muß
den Translationsvorgang solange aufrechterhalten, bis er ganz sicher ist,
daß kein einziger Stein mehr auf den Flachspiegel zurollt. Schließt
er dessen Imago nämlich zu schnell (bzw. verliert er seine Konzentration
darüber), würde der Steinschlag den Spiegel zerschmettern und,
wie normal, durch das Imago des gekrümmten Spiegels fliegen
und dem Imagomanten entgegenfallen. Das vorzeitige Schließen des
gekrümmten Spiegels (oder beider Spiegel zugleich) hätte nicht
diese Katastrophe zur Folge, würde auf jeden Fall aber auch die Zerstörung
des Flachglases nach sich ziehen, weil dieses nur durch ersteren beeinflußt
werden kann.
Die Imagomantie ist auf der Spielwelt eine noch junge Zauberkunst, deren
erste Möglichkeiten gerade erst erforscht worden sind. Es sieht soe
aus, als gebe es bei den Imagomanten verschiedene Anlagen, die im Zaubertalent
des einzelnen begründet sind und die sie befähigen, spezielle
Effekte zu bewerkstelligen. Vielleicht enthüllen sich sogar in Zukunft
noch andere imagomantische Fähigkeiten, wenn der Kreis der Imagomanten
wächst. Für Spielzwecke kann mit einem Wurf auf der Tabelle "Imagomantische
Talente" eine solche festgestellt werden. Dabei werden Boni in Abhängigkeit
vom Zaubertalent angerechnet. Bei Wunsch können auch Nicht-Imagomanten
(einbegriffen Nicht-Zauberer) ein imagomantisches Talent besitzen, wobei
sie nur die Alternativen Flachglasresistenz oder Translation
merken mit den entsprechenden Wahrscheinlichkeiten erwürfeln können.
Normalerweise geschehen Translationen blitzartig und überraschend,
so daß nur Personen mit Gefahren spüren +1 überhaupt
eine Chance haben, einen Mordanschlag mittels Imagomantie dank eines vagen
Gefühls der Bedrohung zu überleben. Translation merken
befähig hingegen automatisch zur deutlichen Wahrnehmung einer sich
ankündigenden Translation. In einem Umkreis von maximal 30 Metern
wird der Brennpunkt eines offenen Imagos, also der Zielpunkt der Translation,
gespürt, wobei nicht die genaue Entfernung, aber die Richtung festgestellt
werden kann. Das offene Imaggo kann nur gespürt werden, wenn es eine
Sogwirkung ausübt, was bereits mindestens Sekundenbruchteile vor der
eigentlichen Translation geschieht. In der Regel genügt dies, daß
der Gewarnte seine Gefährten alarmieren kann, so daß sie nur
überrascht, nicht aber wehrlos sind. Translation merken teilt
sich durch dasselbe Gefühl mit, das translatierte Wesen empfinden,
nur daß das erhöhte Gespür mit einem unangenehmen Schmerz
im Unterleib einhergeht, der den Betroffenen immer 1 AP kostet. Diese Empfindlichkeit
bezieht sich auch auf die Translation, die man selbst erfährt.
Flachglasresistenz schützt vor dem negativen Einfluß
der Translation durch flache Spiegel.
Imagines gekrümmter bzw. flacher Spiegel beeinflussen erlaubt
es, das Imago jedes beliebigen Glases über das herkömmliche Verschieben
hinaus zu manipulieren. Im Normalfall kann der Imagomant nur ein Imago
eines neuen Spiegels ein einziges Mal beeinflussen. Das Talent ermöglicht
es ihm, Imagines auch nachträglich beliebig oft zu verändern.
Dieser Vorgang gleicht dem Einstellen eines neuen Imagos und wird, wie
weiter oben beschrieben, mit einem EW: Zaubern plus den anzuwendenden Würfelmodifikationen
durchgeführt. Die Veränderung dauert 10 Sekunden und hält
nur solange an, wie der Imagomant sich auf das Imago konzentriert. Ansonsten
verhält es sich wie ein normales Imago mit dem Unterschied, daß
es sofort verschwindet, wenn die Konzentration des Imagomanten aufhört
(Abbruch der Translation mit Gefahr für translatierte Wesen). Danach
zeigt der Spiegel wieder sein altes Imago. Es sei besonders darauf hingewiesen,
daß ein Imagomant, der sich selbst durch das veränderte Imago
eines Flachspiegels translatiert, die Kontrolle über dasselbe verliert
und somit keine Möglichkeit mehr zur Rückkehr hat, was prinzipiell
mit dem Talent Umgekehrte Translation möglich wäre. Es
müßten andere Imagomanten dann, die ebenfalls sein Talent besitzen,
das Imago eines gekrümmten Spiegels beeinflussen, was selten mit dem
absolut gleichen Resultat ausgeht, und ihn hertranslatieren.
Mit Umgekehrter Translation ist eine bemerkenswerte Begabung
bezeichnet. Sie meint, daß der Imagomant eine geistige Verbindung
zu Imagines herstellen kann, die er nicht sieht und die weit entfernt von
ihm existieren. Das Vorhandensein ein solchen Möglichkeit hat die
Frage aufgeworfen, ob Imagines eine Eigenexistenz unabhängig von Spiegeln
besitzen, die vielleicht nur ein Hilfsmittel, aber keine Notwendigkeit
für ihre Erschaffung sind. Bislang aber hat noch kein Imagomant es
geschafft, ein Imago außerhalb eines Spiegels zu erstellen, was diese
These beweisen würde. Befindet sich ein Imagomant mit diesem Talent
an einem Ort, der im Imago eines Spiegels zu sehen ist (d.h. der Imagomant
ist im Imago sichtbar), so wird er sich dieser Tatsache gefühlsmäßig
mittels eines erfolgreichen PW +10: Zaubertalent, der verdeckt gewürfelt
wird, bewußt. Mit einem zweiten PW: Zaubertalent kann er den Brennpunkt
des entfernten Imagos orten. Der Imagomant muß sich exakt auf diesen
Brennpunkt stellen und kann nun das dazugehörige Imago öffnen
und auch zu seiner eigenen Translation aktivieren. Das Öffnen dauert
allerdings in diesem Fall 1 Minute; die EW: Zaubern für Öffnen
und Translatieren werden mit WM-2 durchgeführt. Umgekehrte Translation
nützt ausdrücklich nur dazu, sich selbst zu translatieren. Das
bedingt zwangsläufig, daß man mit diesem Talent nur Imagines
gekrümmter Spiegel der Fernbeeinflussung unterwerfen kann. Anstatt
daß die Hertranslation von einem Imagomanten vor dem Spiegel vorgenommen
wird, versetzt man sich also selbst vom Brennpunkt aus. Nicht der Translationsfluß
läuft umgekehrt, sondern die Wirkungspole des Prozesses werden vertauscht.
Natürlich kann der Imagomant außer seiner Person auch noch andere
Objekte oder Wesen, die Kontakt zu ihm (dem Brennpunkt) haben, in die Translation
miteinbeziehen. Umgekehrte Translation läßt auch Imagines
flacher Spiegel spüren, ohne daß daraus ein Nutzen gezogen werden
kann. Andererseits bietet das Talent damit einen umfassenderen Schutz als
Translation merken, weil es bereits das Vorhandensein nicht geöffneter
Imagines anzeigen kann.
Die Imagomantie wird als eine noch junge Kunst auf der Spielwelt angesehen,
so daß Spielerfiguren sie nur aufgrund besonderer Umstände lernen
können. Im Regelfall ist das Erlernen des Umgangs mit Imagines gekoppelt
an eine "Lehrzeit", in der der Proband die elementaren Fertigkeiten der
Spiegelherstellung einübt. Im Prinzip genügt es aber, Wissen
von der Magie zu beherrschen und eine allgemeine Einführung aus kundigem
Mund erhalten zu haben. Bereits dann kann ein Thaumaturg oder Beschwörer
Translationen bewerkstelligen. Allerdings spielt der Besitz eines sorgfältig
zusammengestellten Fundus aus Spiegeln für jeden Imagomanten eine
wichtige Rolle, denn an der Quantität und Qualität seiner Werkzeuge
messen sich selbstverständlich die Möglichkeiten des Imagomanten.Das
mutwillige Zerbrechen eines Spiegels stellt für Imagomanten eine schändliche
Barbarei dar. Man bedenke, daß jedes Imago im Grunde ein Unikat ist.
Die Imagomantie stellt, darüber sollte der Spielleiter sich vor
einer Adaption an seine Spielwelt im klaren sein, eine sehr mächtige
Form der Magie dar. Insbesondere im Vergleich mit Midgard würde eine
imagomantische Praxis auf breitgefächerter Basis eine Renaissance
der Zeit der Seemeister gleichen, die mittels ihrer beschwörerischen
Elementarmagie ganze Länder verändern konnten. Dies ist mit Imagomantie
ohne weiteres auch möglich. In Donaldsons Roman terrorisiert eine
kleine Gruppe Imagomanten mit Hilfe von herbeitranslatierten Monstern,
Meuchelmördern und Lavaströmen ein ganzes Königreich. Für
Midgard kann angenommen werden, daß mächtigen Personen, die
von der Imagomantie wissen, sehr bewußt ist, daß mit ihr eine
neue und gefährliche Magie existiert, die an die Seemeister-Ära
in einem machtpolitischen Sinn durchaus anknüpfen könnte. Am
ehesten bieten sich Chryseia oder die Küstenstaaten an, um hier die
Keimzelle der Imagomantie zu installieren. Es wäre reizvoll diese
Grundkonstellation zum Gegenstand eines Abenteuers zu machen. Gerüchte
und Spione könnten die Kunde von einer neuartigen Zauberei verbreitet
haben, die mit rätselhaften Anschlägen auf oder Entführungen
von hochgestellten Persönlichkeiten (durchgeführt durch Translation)
in Verbindung gebracht wird. Die Spielerfiguren erhalten den Auftrag, diesen
Vorfällen nachzugehen, die Hintermänner zu ermitteln und das
Nest der Imagomanten auszukundschaften. Selbst nach einer Zerschlagung
des Zirkels würde die Imagomantie sicherlich weiterleben. Die Atombombe
ist schließlich auch allgemein geächtet, aber jeder Staat will
natürlich die Mittel besitzen, eine zu bauen. Die flüchtigen
Imagomanten werden wohl rechtzeitig Spiegelverstecke angelegt haben und
ihre Forschungsanstrengungen baldigst darauf richten, Wege zu finden, imagomantische
Spiegel als normale Spiegel zu tarnen.
Wenn Spielerfiguren Berührung mit Imagomantie haben und diese
erlernen wollen, sollte der Spielleiter ihnen auf jeden Fall die Möglichkeit
der fortgeschrittenen Imagomantie verschweigen. Es liegt im Interesse ihrer
Lehrer, sich diesen Wissenvorsprung als Machtfaktor zu erhalten. Aus dem
Versuch, sich dieses Geheimwissen zu verschaffen, kann natürlich auch
ein Abenteuer entstehen.