Kleine Pfeilkunde
Übergeben wir das Wort an Dilga von Finkenfurt, eine fast legendäre Pfeilmacherin.
"Über Pfeile soll ich dir was erzählen. Hm. Weil du ein Buch schreiben willst. Hm, über Pfeile. Soso. Komische Idee. Aber du hast mich zum Trinken eingeladen. also werde ich dir den Gefallen tun (He, Wirt, noch so einen Doppelten!). Fangen wir mal ganz von vorne an. Pfeil und Bogen ist eine Sache, die selbst bei den wildesten Völkern verbreitet ist.
Geh hoch in den Norden, wo es so kalt ist, daß dir Eiszapfen an der Nase wachsen, und schau nach, mit welchen Waffen sie auf Jagd gehen. Oder fahr in den Süden.in die Regenwälder, wo die Bäume so hoch sind, daß die Wolken in ihren Ästen hängenbleiben. Was glaubst du. was die wilden Menschenfresser benutzen, die dort im undurchdringlichen Dschungel hausen, um die überall blutrünstigen Riesenkatzen zu jagen.Überall findest du diese Mutter aller Fernkampfwaffen.
Natürlich sind die Dinger, mit denen diese Primitivlinge um sich schießen, nicht im mindesten mit dem zu vergleichen, was ich in meiner Werkstatt anfertige. Die einfachste Form eines Pfeils ist einfach ein vorne angespitzter Holzstab, an dem hinten ein paar Federn angebracht sind. Die Federn sind allerdings wichtig, weil dein Pfeil sonst nicht geradeaus fliegt; das wissen sogar die Hirnlosesten aller Goblins. Und auch der perfekt gezielte Pfeil ist kein großer Schrecken, wenn er mit der Breitseite auftrifft, wenn du verstehst, was ich meine. Genau genommen sind Federn aber noch nicht genug, um die Flugbahn eines Pfeils wirklich zu stabilisieren. Dazu fehlt ihm ein Gewicht an der Spitze, das dem Pfeile sozusagen voranfliegt und den Rest hinter sich herzieht. Nur durch ein ideales Zusammenspiel aus Gewicht vorne und Federn hinten kannst du erreichen, daß der Pfeil nicht ins Trudeln kommt mal ganz abgesehen vom Schwerpunkt, aber das würde jetzt zu weit führen.
Deswegen ist diese Urform des Pfeils von der ich eben gesprochen habe auch wirklich nur bei den ganz einfachen Völkern zu finden. Oder in Notfällen, wenn du zum Beispiel auf der Stelle ganz dringend neue Pfeile brauchst, aber entweder keine Zeit oder kein Material hast, um eine anständige Spitze anzubringen. Solche improvisierten Pfeile erreichen nur die Hälfte der Reichweite eines herkömmlichen Pfeils (alle Entfernungsklassen halbiert ) und erzeugen auch geringeren Schaden, da ihre Spitze vergleichsweise weich ist.
Da liegt übrigens der wichtigste Unterschied zwischen den Pfeilen:
in Form und Material der Spitze. Natürlich gibt es auch unterschiedlich
lange Pfeile, aber das ist in erster Linie eine Frage des Bogens, mit dem
der Pfeil verschossen werden soll. Probier mal, einen Langbogenpfeile mit
einem Kurzbogen zu schießen, dann wirst du merken, was ich meine:
Selbst wenn du den Bogen bis zum äußersten spannst wird die
Spitze noch ein gutes Stück über den Bogen hinausragen. Und umgekehrt
kannst du einen Langbogen nicht wirklich so weit spannen, wie es an sich
möglich wäre, wenn der Pfeil einfach zu kurz ist.
Spieltip:
Damit will ich nicht sagen, daß man so nicht schießen kann aber es ist einfach nicht ideal. Wer Langbogenpfeile mit einem Kurzbogen verschießen will, muß geringfügige Abzüge bei der Probe akzeptieren. Umgekehrt haben Kurzbogenpfeile für einen Langbogen zur Folge, daß der Schuß regeltechnisch in Reichweite und Schaden wie der Schuß von einem Kurzbogen behandelt wird.
Du machst dir keine Vorstellung, wie viele unterschiedliche Formen von Pfeilen es gibt. Jede hat ihren eigenen Sinn und Zweck. Obwohl: Bei manchen kann man sich durchaus streiten, wie sinnvoll sie sind. Ein Reisender hat mir einmal einen Pfeil von barbarischen Orks aus den einsamen Steppen gezeigt, der eine ungleichmäßig gezackte Spitze hatte. Frag mich nicht. warum sie so was machen. Ist zwar richtig, daß so eine Spitze böse Wunden reißen kann, aber gut schießen kannst du mit so was nicht. Na ja, manchmal glaube ich, daß sie einfach gefährlich wirken wollen. Es heißt ja auch, daß sie grinsende Totenschädel auf ihre Rüstung malen und sogar gezackte Schwerter benutzen.
Zurück zu den Pfeilspitzen. Die einfachste und üblichste Form ist die einer Mandel, rund und länglich, manchmal auch rautenförmig, das kommt auf das verwendete Material an. Es gibt Völker, die selber nicht in der Lage sind, Metall zu schürfen, wie zum Beispiel die Menschenfresser in den Dschungeln, von denen ich eben schon gesprochen habe. Die nehmen dann entweder einen scharfen Steinsplitter Feuerstein oder Obsidian oder so was, manchmalauch ein Stück zurechtgeschnitzten Knochen. Zivilisiertere Völker benutzen lieber anständiges Metall. Das ist härter, schärfer, stabiler.
Pfeile mit solchen mandelförmigen Spitzen sind für die Jagd gedacht. Im Gegensatz dazu stehen die Kriegspfeile, die mit Widerhaken ausgestattet sind. Natürlich gibt es auch Leute, die Jagdpfeile mit Widerhaken benutzen oder mit Jagdpfeilen in den Krieg ziehen. Aber ich halte das für Blödsinn. Ein Jagdpfeil ist nicht dazu da, widerliche Wunden zu reißen, sondern er soll das Opfer sauber töten und danach wieder zu benutzen sein. Ohne Widerhaken kannst du den Pfeil aus dem Tier (oder aus dem Baum oder Erdreich, wenn du daneben geschossen hast) problemlos wieder herausziehen. Kein vernünftiger Jäger wird auf die Idee kommen, sich mit solchen Mengen von Pfeilen zu beladen, daß er jeden nur ein einziges Mal benutzt.
So billig sind gute Pfeile schließlich auch nicht. Im Krieg sieht es da schon anders aus. Das Wiederverwerten von benutzten Pfeilen ist da nicht so wichtig, es hat sowieso kaum Jemand die Zeit, sie einzusammeln. Aber wenn du dein Opfer schon nicht getötet hast, dann sollte es den Pfeil immerhin im Fleisch stecken haben. Einen mit Widerhaken versehener Pfeil herauszuziehen ist eine verdammt unangenehme Angelegenheit. Oft reißt du damit eine Wunde, die noch mal genauso schlimm ist wie die, die der Pfeiltreffer verursacht hat. Ja. ich kenne Fälle, in denen sich Leute einen feststeckenden Pfeil durch den Arm oder das Bein durchgerammt haben, weil das weniger schlimm war, als ihn herauszuziehen Und wenn man den Pfeil steckenläßt dann schmerzt und behindert er einen bei. jeder Bewegung. Eigentlich sollte man solche Pfeile überhaupt nur von einem Heiler entfernen lassen.
Die Gefahr von Verletzungen durch das Herausziehen ist einfach zu groß, außerdem kann die Spitze abbrechen und bleibt dann irgendwo in deinem Körper stecken Und dann geht der Ärger erst so richtig los. Umgekehrt finden es die wenigsten Leute sonderlich appetittanregend, wenn ihr frischerlegter Hasenbraten leider beim Entfernen des Pfeils zu Gulasch zerrissen worden ist, und ein mehrere Finger durchmessendes Loch im neuen Pelzmantel ,,Hier habe ich den Pfeil aus dem toten Bären gepopelt!" gilt auch kaum als sonderlich schmückend. Deswegen halte ich die Trennung von Jagd und Kriegspfeilen auf jeden Fall für sinnvoll (He, Wirt, kannst du noch mal die Luft aus meinem Becher lassen? Ja Ja, mein Freund hier bezahlt.).
Spieltip:
Der Einfachheit halber sollte der Schaden, der durch einen Kriegspfeil erzeugt wird, ein wenig über dem eines Jagdpfeiles liegen, um dem Entfernen eines steckenden Pfeils statistisch Rechnung zu tragen. Wer Freude am Details hat, kaum natürlich auch genaue Regeln einführen:
Wenn der Schaden den ein Opfer durch einen Kriegspfeil erleidet, über einer bestimmten Schwelle liegt, steckt das Geschoß im Fleisch. Eine rabiate Entfernung (Spieler ohne geeignete heilkundige oder medizinische Fertigkeiten) erzeugt noch einmal heftigen Schaden. Verbleibt der Pfeil hingegen in der Wunde, so muß das Opfer Abzüge auf alle Bewegungsaktionen (speziell natürlich im Kampf) hinnehmen.
Ich habe im Lauf der Zeit die unterschiedlichsten Formen von Pfeilen mit Widerhaken gesehen: einfache V-Form, doppelte V-Form, mit und ohne gewellte Spitze und wissen die Götter was noch (Bei allen Göttern, das ist doch kein Doppelter! Ne, ne, der zählt nicht. Bringe mir gleich noch mal einen.).
Die Menschen entwickeln eine erstaunliche Phantasie, wenn es darum geht, anderen Pein zu bereiten. Aber an sich sind die Unterschiede zwischen diesen Spitzen zu vernachlässigen. Wichtiger ist da schon die Verarbeitung. Dir ist vermutlich bekannt, daß die Schmiede unterschiedliche Methoden haben, ihre Metalle zu härten oder flexibler zu machen. Na ja, flexibel brauchen Pfeilspitzen nicht zu sein, aber hart. Wenn du zu einem guten Pfeilmacher gehst, kannst du nach Pfeilen mit speziell gehärteter Spitze fragen. Die sind zwar nicht billig, aber mitunter sehr wirkungsvoll, denn sie können selbst massive Rüstungen oder Schilde durchschlagen. Schon manch ein gut gerüsteter Ritter hat geglaubt. daß die Pfeile ihm nicht viel anhaben könnten. Bis plötzlich so ein Projektil quer durch den Schild mitten in seine gepanzerte Brust gefahren ist
Spieltip:
Solche Pfeile sind nur dort erhältlich, wo gute Schmiede ansässig sind. In der Regel in größeren Städten, bei Zwergen und ihr Preis beträgt das Zwei- bis Dreifache eines normalen Pfeils, der erzeugte Schaden entspricht dem herkömmlichen, allerdings zählt Schutz durch Rüstungen nur zur Hälfte.
Ein anderer Gedanke liegt dem sogenannten Kettenbrecher zugrunde. Sie werden von Leuten eingesetzt, deren Gegner immer Kettenrüstungen tragen. Die Stabilität solcher Rüstungen liegt einfach in der Masse der einzelnen Kettenglieder, aus denen sich die Rüstung zusammensetzt. Ein Pfeil, der eine möglichst kleine Spitze hat, der trifft im Idealfall nur auf einem einzelnen solchen Ring und kann ihn deswegen problemlos durchdringen, während schon ein herkömmlicher Kriegspfeil viel zu breit dafür ist. Die Verwundungen, die ein solcher Pfeil schlägt, sind wie bei einem Jagdpfeil, dafür durchschlägt er aber gerade Kettenrüstungen als seien sie gar nicht da.
Spieltip:
Schaden wie Jagdpfeile. oder etwas darunter. Rüstungen schützen allerdings nicht voll (Abzüge auf den Schutz von rund einem Drittel ) und Kettenrüstungen sogar nur zu einem Viertel.
Ein ganz anderer Ansatz, aber ein ähnlicher Gedanke steht hinter den Pfeilen mit stumpfer Spitze Jetzt grinse nicht so, ich weiß. daß solche gelehrten Leute wie du den Ausdruck komisch finden: stumpfe Spitze. Aber kannst du mir vielleicht einen besseren sagen. Also meinetwegen. wenn's denn sein muß: Kannst du dich wenigstens mit dem Namen stumpfe Pfeile anfreunden? Na prächtig (Ach, übrigens ... es scheint heute ganz schön heiß zu sein, mein Doppelter ist schon wieder verdunstet.). Zurück zu den stumpfen Pfeilen. Manchmal gibt es Gründe, den Gegner keine offensichtliche Wunde zuzufügen Zum Beispiel, weil man ihn nur betäuben oder aufhalten will. Schwer gerüstete Leute können durch massiven Beschuß von stumpfen Pfeilen aus dem Gleichgewicht gebracht werden und, daß diese Leute, sobald sie erst mal flachliegen, etwa so gefährlich sind wie ein auf den Rücken gefallener Maikäfer, ist hinlänglich bekannt. Da muß sich dann nur noch einer die Mühe machen und einen Dolch durch irgendeine Lücke in der Rüstung schieben. Aber auch von anderen Möglichkeiten habe ich schon gehört, zum Beispiel die Geschichte von den Strauchdieben, die auf der Straße nach Westen berittenen Passanten auflauern, um deren Pferde dann mit ein paar gut gezielten stumpfen Pfeilen zum Durchgehen zu bringen. Entweder der Reiter bekommt das Tier wieder unter Kontrolle, was die feigen Räuber dann zumeist als Zeichen dafür nehmen, daß der Reiter keine sehr leichte Beute wäre, und die Finger von ihm lassen, oder er wird abgeworfen. Und bevor er dann dazu kommt, sich den geprellten Steiß zu reiben sind die Straßendiebe aus dem Gebüsch gesprungen und haben ihn überwältigt. Und das geflohene Pferd können sie dann auch noch in aller Ruhe wieder einfangen. Aber laß es dir gesagt sein, mein Junge: Besonders scharfschützentauglich sind solche Pfeile nicht. Einfach zu schwer an der Spitze .... an der Stumpfe? Na ja, halt vorne, du weißt schon. Und die Dosierung ist auch nicht ganz einfach, die Dinger sind zwar stumpf, aber bei kurzen Entfernungen ist der Aufprall sehr hart, bei weiten Entfernungen eher schwach, und bei der nahen Distanz habe ich schon erlebt, daß ein stumpfer Pfeil verdammt häßliche Knochenbrüche hinterläßt.
Spieltip:
Regeltechnisch schwierig umzusetzen, solange nicht prinzipiell zwischen dem Angriff mit stumpfen und mit spitzen Waffen unterschieden wird. Für spezielle Effekte wie Aus-dem-Gleichgewicht-Bringen oder Betäuben sollte der Spielleiter ein wenig improvisieren.
Die Reichweite von stumpfen Pfeilen ist geringer als die von herkömmlichen, der Schaden liegt ab mittlerer Distanz ebenfalls etwas niedriger. Übrigens sind solche stumpfen Pfeile nur begrenzt mit heutigen Gummigeschossen zu vergleichen, da sie beim Aufprall stark deformieren und dadurch eine große Aufschlagfläche entwickeln. Stumpfe Pfeilspitzen sind keineswegs weich, sondern durchaus aus Metall oder wenigstens hartem Holz.
Irgendwelche kranken Hirne haben irgendwann mal eine besonders miese Sache entwickelt: Pfeile, um Körperteile abzutrennen. Anstelle der Spitze haben sie eine breite Schneide, entweder rund oder gerade. Zum Glück haben sich die Dinger nie durchsetzen können. Sind einfach nicht sinnvoll einzusetzen. Erstens fliegen sie über längere Strecken ziemlich beschränkt, zweitens kannst du es dir an deinen zehn zarten Fingerchen abzählen: Die Schneiden können einfach nicht so breit sein. daß du mit ihnen größere Körperteile als eine Hand oder einem Fuß abtrennen könntest, also nichts da von wegen mit einem Pfeil köpfen oder so ein Quatsch;: außerdem kannst du jeden Körperteil wesentlich leichter unbrauchbar schießen, wenn du ihn mit einem gewöhnlichen Pfeil durchbohrst. Und das Argument, daß eine solche Verwundung heilbar sei, ein abgetrenntes Glied aber nicht, habe ich bisher nur aus besonders blutrünstigem Munde gehört.
Was sagst du? Gegen Untote ? Hm, ja, mag sein. Da habe ich mir noch keine Gedanken gemacht, mit solchem Kroppzeug hatte ich es bisher den Göttern sei Dank noch nicht zu tun. Aber du hast schon recht. Angeblich kann man mit normalen Pfeilen gegen die dreisten Untoten nicht viel ausrichten Aber da wäre ein stumpfer Pfeil vermutlich noch wirkungsvoller als ein Sehnenschneider. Auf jeden Fall : Der Schuß muß perfekt sitzen, und der Pfeil darf sich auch nicht drehen, sonst ist die Wirkung im Eimer. Also wenn du auf mich hörst: Vergiß es einfach (Apropos vergessen: Hat der Wirt eigentlich meinen Schnaps vergessen? Der Becher ist immer noch leer. Was meinst du ? Jetzt nicht ... schon wieder'?)
Spieltip:
Wir schließen uns Dilgas Meinung an: Vergeßt es einfach. Die Wirkung ist schwer zu ermitteln und wir halten es mit dem Grundsatz: Was die Spielerfiguren benutzen, mit dem werden sie auch selbst konfrontiert und welcher Held, welche Heldin will schon eines Tages mit einer Hand weniger leben? Wer es denn gar nicht lassen kann: Schaden und Reichweite sind reduziert, die Wirkung von Rüstung ist verstärkt. und nur eine angesagte Attacke mit heftigem Erschwerniszuschlag hat die gewünschten Auswirkungen. Außerdem sind solche Pfeile teuer und ob ihres zweifelhaften Rufes nur selten erhältlich.
Ganz ähnlich wie die Sehnenschneider sehen übrigens die sogenannten Seilschneider aus. Auch sie haben eine Schneide an der Spitze ... äh, eine Schneide anstelle der Spitze, und die ist meistens halbmondförmig. Damit sind wir jetzt endgültig bei den sogenannten Trickwaffen angelangt.
Das sind Waffen. die nicht dazu gedacht sind, direkt auf den Feind abgeschossen zu werden. Seilschneider zum Beispiel sind, wie der Name schon sagt, dafür vorgesehen, daß du mit einem guten Schuß ein Tau kappst. Vielleicht fragst du dich jetzt, wozu das gut sein soll. Dazu kann ich dir folgende Geschichte erzählen: Ich fahre ja nicht gerne mit Schiffen irgendwohin, aber manchmal läßt es sich halt nicht vermeiden. So war das auch vor einigen Jahren Wir waren nicht mehr weit von unserem Zielhafen, als der Ausguck plötzlich meldete, daß uns ein Piratenschiff verfolgte. Was soll ich sagen, es gab ein kurzes Wettrennen, aber wir hatten keine Chance gegen das kleine und wendige Piratenschiff. Bald konnten wir dem Pack ins Auge sehen, und es war nur noch eine Frage von Augenblicken, bis sie auf Enternähe herangekommen sein würden. Bei uns war eine Gruppe von Elfen an Bord, verschlossene Gesellen, die eigentlich keiner besonders mochte. Die stellten sich nun an den Bordrand und spannten ihre Bögen. Bis heute habe ich noch das höhnische Gelächter der Piraten im Ohr, die sich hinter ihren Schilden verbargen und sich sehr sicher fühlten. Und genauso gut erinnere ich mich an die überraschten Gesichter der Schurken, als plötzlich ihre halbe Takelage runterkam und sie alle zudeckte. Ein halbes Dutzend gezielter Schüsse hat in der Tat das gesamte Schiff lahmgelegt. Bis sich das Pack aus dem Gewirr von Seilen und Segelbahnen befreit hatte, waren wir längst außer Reichweite, und ich will gar nicht wissen, wie lange sie gebraucht haben, um ihren kleinen Segler wieder flottzubekommen. Tja, diese Elfen mögen ein komisches Volk sein, aber an dem Tag waren sie mir richtig sympathisch. Ich trinke auf ihre Gesundheit! (Börp! Oh, tschuldigung.)
Spieltip:
Auch diese Pfeile sind selten zu bekommen und haben mindestens den vierfachen Preis normaler Pfeile. Schon allein die Befiederung muß sehr genau gearbeitet sein, damit der Pfeil sich nicht während des Fluges dreht, und die Schneide muß wirklich scharf sein, um ein Seil mehr als nur anzuritzen. Solche Qualitätsarbeit hat bekanntlich ihren Preis.
Auch in diesem Fall muß ein hoher Aufschlag auf die Schußprobe hingenommen werden, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Je nach Dicke des jeweiligen Seils kann der Spielleiter auch mehrere gelungene Treffer verlangen, bevor das Seil durchtrennt ist, allerdings kann ein angeritztes Seil auch beginnen, sich aufzudrillen, um mit einer gewissen Verzögerung doch noch zu reißen. Bei Seilen, die nicht unter Spannung stehen, ist ein Durchschießen natürlich schier unmöglich.
Viel bekannter als der Seilschneider ist freilich der gute alte Brandpfeil (Zum Thema Brand fällt mir ein: Die Luft ist hier so trocken. Wenn ich nicht heiser werden soll von dem ganzen Gerede, dann brauche ich noch ein bißchen, na, du weißt schon.). Also: Die Idee, in einem gegnerischen Lager Feuer zu legen, ist bestimmt schon uralt. Das kann zum Beispiel der Ablenkung dienen: Lege irgendwo Feuer, und alles wird hinrennen, währenddessen kannst du woanders unbemerkt tun, was du willst, ohne daß sich ein Schwein drum kümmert. Das Problem beim Feuerlegen im Feindesgebiet ist meistens ganz einfach das, daß die wenigsten Gegner den Brandstifter freiwillig an ihre Sachen lassen, damit er dort sein Feuerchen entfachen kann.
Da ist es nicht allzu abwegig, das Feuer auf anderem Wege an seinen Bestimmungsort zu transportieren: am besten als Luftfracht. Gerade bei Belagerungen ist so was eine sehr feine Sache. Übrigens auch nicht nur für die Belagerer, denn wenn da gerade so ein großer Belagerungsturm auf deine Festungsmauer zu rollt, ist es gar keine dumme Idee, ihn abzufackeln, bevor er angekommen ist. Leider wissen das inzwischen auch die Konstrukteure von solchen Geräten, weswegen sie die dann meistens mit nassen Säcken oder Fellen behängen. Die einfachste Möglichkeit wäre natürlich, einfach den Pfeil anzuzünden. Aber das ist eine ziemlich bescheuerte Idee. Erstens würde das brennende Holz durch den Wind einfach ausgeblasen und käme allerhöchstens glühend im Ziel an, zweitens möchte ich dich gerne mal sehen, wie du dich anstellst, wenn du versuchst. einen lichterloh brennenden Pfeil abzuschießen. Etwas geschickter ist es schon, ein mit Öl oder anderen brennbaren Materialien getränktes Tuch an der Pfeilspitze zu befestigen, das erst kurz vor dem Schuß angezündet wird.
Damit hast du zumindest den Bereich, der in Flammen steht, begrenzt und läufst nicht ganz so schnell Gefahr, dir die Finger zu verbrennen. Ganz unproblematisch ist aber auch diese Variante nicht, denn es wird dir kaum gelingen, das Tuch wirklich gut an dem Pfeil zu befestigen. Erstens darf dir die Befestigung nicht zu früh abfackeln, so daß das Tuch schon unterwegs dem Halt verliert und irgendwo ganz anders landet als der Pfeil, zweitens mußt du es möglichst gleichmäßig anbringen, da jede Veränderung der Ausgewogenheit und des Schwerpunktes die Flugbahn eines Pfeiles einigermaßen unberechenbar macht. Und da du meistens eben nicht direkt neben der Stelle stehst, die du anzünden willst, muß der Pfeil halt doch einigermaßen in die Richtung fliegen, die du willst. Schon allein der Moment, in dem der Pfeil von der Sehne schnellt, ist eine Situation, die nur eine wirklich gründliche Befestigung übersteht. Aber, wie ich dir schon gesagt habe: Wenn es um Vernichtung und Zerstörung geht, ist der Mensch immer sehr einfallsreich. Deswegen gibt es spezielle Brandpfeile, die wirklich nur dafür da sind. Hinter der Spitze, die gerade lang genug ist, um in Holz oder Leder steckenzubleiben, aber kaum eine tödliche Verwundung verursachen kann, ist der Pfeil in eine Art rundes Körbchen aus Metall aufgespaltet, in dem der getränkte Stoff oder auch Zunder einigermaßen sicher und ausgewogen untergebracht werden kann. Diese speziellen Brandpfeile sind zwar wesentlich günstiger zu handhaben als die improvisierten Brandsätze, aber es läßt sich nicht vermeiden, daß sie in Reichweite und Zielgenauigkeit unter der eines guten Jagd oder Kriegspfeiles liegen.
Spieltip:
Es ist nicht besonders leicht, mit improvisierten Brandpfeilen umzugehen, besonders die Wahrscheinlichkeit eines "Unfalls" ist recht hoch. Die Reichweite solcher Projektile ist gegenüber anderen Pfeilen reduziert und die Flugbahn sehr schwer vorauszubestimmen, sprich: deutliche Erschwernisse auf die Probe, bei deren Mißlingen der Pfeil irgendwo in einiger Entfernung seines Bestimmungsortes aufkommt. Was er dort anrichtet ist wie üblich, Entscheidung des Spielleiters.
Die speziell angefertigten Brandpfeile sind wiederum nicht gerade billig und außer in Kriegssituationen kaum auf legalem Wege zu bekommen. Dafür ist die Wahrscheinlichkeit, daß es bei der Handhabung zu Unfällen kommt, deutlich geringer, ebenso die Zuschläge auf die Schußprobe.
Wenden wir uns mal einer ganz anderen Sache zu: den Singenden Pfeilen. Wenn die Spitze (jawohl, diesmal ist es wirklich eine Spitze!) auf ganz bestimmte Art geformt wird, meistens sind es Löcher in dieser Spitze, dann beginnt der Pfeil im Flug Geräusche von sich zu geben. Im einfachsten Fall ist das ein Pfeifen, aber es gibt auch allerlei andere Varianten. Von einem tiefen Brummen bis zu mehrstimmigen Klängen habe ich schon die verrücktesten Sachen gehört, ein paar davon fertige ich sogar selber.
Zu besonderer Kunstfertigkeit sollen es hier die Elfen gebracht haben. Angeblich gibt es sogar irgendwo eine Sippe, in der viel Zeit darauf verwendet wird, immer neue und immer wunderbarere Singende Pfeile anzufertigen. Andererseits kann es auch ziemlich schauerlich sein, wenn du jederzeit mit dem Angriff einer feindlichen Armee rechnest und plötzlich über dir in der Luft ein unheimliches Heulen ertönt. als flöge da ein ganzes Dämonenheer umher. Da hat nicht nur das Hasenherz schnell die Hosen voll.
Spieltip:
Da solche Pfeile eigentlich nicht dazu gedacht sind, auf Personen geschossen zu werden, ist ein Angabe von Werten eigentlich überflüssig Vielmehr bietet ihr Einsatz Gelegenheit für allerlei gutes Rollenspiel. In der Regel sind solche Pfeile nur im wirklich "gut sortierten Fachhandel '' erhältlich.
Ach ja, da fällt mir noch so ' ne Idee ein, mit der manche Leute auf mich zukommen: Botschaftspfeile. An sich ja auch nicht dumm, der Gedanke. aber wie sich die Leute solche Dinger im einzelnen vorstellen, da kriege ich manchmal den Mund nicht mehr zu. Am besten noch dieser Schnösel, der von mir wollte, daß ich ihm einen hohlen Pfeil mache, in den er dann ein zusammengerolltes Dokument hineinstecken kann. Ein zusammengerolltes Dokument, stell dir das mal vor! Nimm mal, nur versuchsweise, ein Stück Pergament, es muß gar nicht sehr groß sein, und roll es zusammen. Selbst mit geschickten Fingern wirst du niemals eine wirklich dünne Rolle daraus bekommen. Und nun stell dir einen Pfeil vor, der dick genug ist, damit so eine Rolle da hinein paßt. Das wird so ein richtiger Knüppel. Und noch dazu ein sehr leichter Knüppel, weil er ja hohl ist. Und was, glaubst du, passiert, wenn du versuchst, einen leichten Knüppel mit einem Bogen zu verschießen? Siehst du! (Ähm, ich will ja nicht unbescheiden sein, aber spendierst du mir noch 'ne Kleinigkeit? Ah, ich wußte doch, daß wir uns verstehen! )
Noch besser ist die Idee, einfach an einen herkömmlichen Pfeil ein Stück Schnur zu knoten, an dem dann das Pergament dranhängt. Sieht sehr lustig aus, wenn du so ein Ding abschießt. In etwa der Hälfte der Fälle zerreißt es das Pergament schon beim Abschießen, manchmal löst es sich auch erst während des Fluges. Und selbst wenn es das alles aushält, dann ist es immer noch ein Glücksspiel, wo der Pfeil ankommt. Schließlich sollen solche Botschaften ja weiter als nur ein paar Schritt weit fliegen. Gut, du kannst auch ein Schriftstück direkt um den Pfeilschaft wickeln. Das ist schon etwas vielversprechender, aber trotzdem muß auch das sehr gründlich gemacht werden. damit es hält. Andererseits brauchst du keinen speziellen Pfeil, so was kannst du mit Jedem machen. Wirklich genial ist nur die Variante, die ich von einem Steppenreitervolk irgendwo im Osten gehört habe. Die schreiben ihre Botschaften direkt auf den Pfeil. Entweder, indem sie Runen in den Schaft schnitzen, oder aber, wenn's schnell gehen soll, dann nehmen sie vorgefertigte, zum Beispiel solche mit verschiedenfarbigen Federn. Also eine rote und zwei weiße Federn heißt dann etwa "In einer Stunde ist Feierabend !" und drei blaue Federn "War wieder eine verdammt lange Nacht gestern!" Solche Codes müssen natürlich irgendwie verabredet sein, dafür können sie von Uneingeweihten auch nicht entschlüsselt werden. Übrigens heißt es, daß sogar manche einfachen Kriegspfeile versteckte Botschaften enthalten. Ein alter Waldläufer, der oft in orkverseuchtem Gebiet unterwegs gewesen ist, hat mir mal gesagt, er könne an jedem Orkpfeil erkennen, zu welchem Stamm der Schütze gehört und welchen Rang er hat. Er behauptet sogar, er könne an dem Pfeil ablesen, ob er für einen richtigen Kriegszug angefertigt wurden ist oder ob er sozusagen "Alltagsware" ist. Keine Ahnung, ob das stimmt. Aber wäre schon interessant, das rauszufinden. War aber auch 'ne komische Gestalt, dieser Waldläufer.
Spieltip:
Wenn die hohlen Pfeile nicht durchschlagende Verbesserungen erfahren, ist von ihrer Verwendung abzuraten. Ihre Flugeigenschaften sind einfach zu schlecht. Um ein Pergament sicher um einen Pfeilschaft zu wickeln, sind entsprechende Geschicklichkeits oder Fingerfertigkeits-Proben durchaus angebracht, bei deren Mißlingen sich das Dokument während des Fluges ganz oder stückchenweise ablöst. Reichweite und Zielgenauigkeit eines auf diese Weise belasteten Pfeils sinken je nach Größe und Gewicht des Dokuments und der Befestigung ein wenig oder deutlich.
Die Frage nach der Befestigung sollte sich der Schütze genau überlegen, da Gewichtsminderung und Gleichmäßigkeit sehr wichtig sind, solche nützlichen Sachen wie Tesafilm in den meisten Fantasy Welten aber schwer zu beschaffen sind. Ob Orks oder andere Stämme ihre Pfeile wirklich in Indianermanie markieren, bleibt der Entscheidung des Spielleiters überlassen.
Bin Ja gar nicht zum Trinken gekommen vor lauter Erzählen. Bist schon ein gewitztes Bürschchen: Läßt mich die ganze Zeit reden und läßt mir gar keine Zeit, auch mal `nen Schluck zu nehmen, damit du nachher nicht so viel bezahlen mußt. Aber ich will ja nicht so sein. Bist schon ein netter Kerl. Trotzdem würde ich den Rest der Sitzung gern auf morgen vertagen. Da kann ich dir dann was über magische Pfeile erzählen. Einverstanden?
Regelvorschläge für Midgard
IMPROVISIERTE PFEILE
Entfernungsklassen: halbiert: Bogen 0-15/16 -50/51- 90;
Langbogen 0-15/16- 60/61- l00
Schaden: Jeweils WM-2
Preis und Erhältlichkeit: zu vernachlässigen
JAGDPFEILE / KRIEGSPFEILE
Entfernungsklassen: wie angegeben
Schaden: Erste Möglichkeit: Kriegspfeile gelten als
Standardpfeile für sie gelten dementsprechend die in den Regelwerken
angegebenen Werte. Der Schaden von Jagdpfeilen ist überall um WM-1
reduziert. Zweite Möglichkeit: Alle herkömmlichen Werte gelten
für Jagd- und für Kriegspfeile. Wenn ein Kriegspfeil jedoch einen
schweren Treffer und mindestens 4 Punkte Schadem erzeugt (also nach Abzug
des Rüstungsschutzes), steckt er in der Wunde und erzeugt ab sofort
pro Stunde, die er dort verbleibt, einen weiteren Punkt schweren Schaden.
Zusätzlich gelten folgende Abzüge (und zwar pro feststeckenden
Pfeil!): Ge: -10, HGW -10, KAW -10, WM -1 auf alle Fertigkeiten, die mit
Bewegung zu tun haben. besonders natürlich auf die Erfolgsboni der
Waffen und auf Abwehr. Die Entfernung eines Pfeils kostet bei einem gelungenen
Einsatz der Fertigkeit "Erste Hilfe" oder durch einen Arzt 1W6
AP (dieser Vorgang dauert eine Spielrunde), bei Mißlingen der Probe
oder gewalttätiger Entfernung 1W6 AP und LP Auch dies gilt für
jeden Pfeil einzeln.
Besonderheiten: wenn verschossene Jagdpfeile aus einem Opfer
entfernt werden sollen, zerbrechen sie bei einer 20 auf W20; Kriegspfeile
hingegen bei einer 6 auf W6.
Kosten: wie angegeben
Erhältlichkeit: Jagdpfeile überall, Kriegspfeile
sind bei den Elfen eher unüblich
GEHÄRTETE PFEILE
Entfernungsklassen: wie angegeben
Schaden: wie angegeben, wobei der Rüstungsschutz des
Opfers halbiert (aufgerundet) wird
Kosten: das Dreifache eines herkömmlichen Pfeils
Erhältlichkeit: nur bei guten Pfeilmachern, also in
der Regel in größeren Städten
KETTENBRECHER
Entfernungsklassen: wie angegeben
Schaden: WM-1 gegenüber Jagdpfeilen wobei normaler Rüstungsschutz
nur um 1 reduziert angerechnet wird (diese beiden Faktoren gleichen sich
in der Regel gegenseitig aus, so daß Kettenbrecher im Normalfall
wie Jagdpfeile zu behandeln sind). Der Rüstungsschutz von Kettenrüstung
wird allerdings auf einen Punkt reduziert (dies gilt nur für tatsächliche
Kettenrüstung, nicht für andere Rüstungen, die RK wie KR
haben).
Erhältlichkeit: Gehört nicht zum normalen Repertoire
eines einfachen Waffenhändlers, aber jeder halbwegs erfahrene Pfeilmacher
kann Kettenbrecher auf Bestellung anfertigen. Dann liegt der Preis etwa
beim Dreifachen eines Standardpfeiles. Gute Pfeilmacher haben solche Pfeile
allerdings vorrätig, in diesem Fall liegt der Preis nur geringfügig
über dem eines anderen Pfeils.
STUMPFE PFEILE
Entfernungsklassen: Bogen 0- 30/3-50/5-100; Langbogen
0-30/31- 60/61- 120
Schaden: mittlere Entfernung WM-1, weite Entfernung WM-3
Preis und Erhältlichkeit: wie Kettenbrecher, allerdings
sind diese Pfeile auch bei den Elfen durchaus bekannt
SEHNEN- UND SEILSCHNEIDER
Entfernungsklassen: wie angegeben, allerdings ist jeder
Erfolgswurf grundsätzlich um WM-2 erschwert
Schaden: wie angegeben, allerdings zählt jeglicher Rüstungsschutz
doppelt. Wann ein Körperteil auf diese Weise unbrauchbar geschossen
wird, bleibt im Einzelfall Spielleiterentscheidung. Notwendig ist grundsätzlich
ein gezielter Schuß auf ein sehr kleines Ziel (1 bis 3 cm, also erforderliches
Ergebnis in beiden Fällen 30), wozu noch die oben genannte WM -2 kommt
(um zu entscheiden, ob die Schneide im richtigen Winkel steht, wenn sie
aufkommt). Der Schaden des Pfeiles muß auf jeden Fall die Rüstung
des Zielobjektes durchdringen, und je nach Höhe dieses schweren Treffers
kann der Spielleiter dann die Auswirkungen festlegen. Der Schaden, der
auf diese Weise an einem Seil angerichtet wird, sollte das Dreifache eines
normalen Pfeils betragen.
Erhältlichkeit: Unter dem Namen "Seilschneider"
sind sie etwa so gut zu bekommen wie die Kettenbrecher, allerdings noch
was teurer. Wer ausdrücklich nach "Sehnenschneidern" verlangt,
wird in halbwegs gesetzestreuen Gegenden recht bald Bekanntschaft mit den
örtlichen Ordnungshütern machen.
IMPROVISIERTE BRANDPFEILE
Entfernungsklassen: wie bei improvisierten Pfeilen
Schaden: zunächst wie bei dem Pfeil, an dem der Brandsatz
befestigt ist. Allerdings kann durch Feuer Folgeschaden entstehen, wenn
der Pfeil nicht sofort entfernt oder gelöscht wird.
Besonderheiten: Zum sinnvollen Befestigen eines getränkten
Lappens an dem Pfeil ist zunächst eine PW: Geschicklichkeit (oder
evtl. EW: Seilkunde) erforderlich, die der Spielleiter verdeckt ermitteln
kann. Pro angebrochenen 5 Punkten (bei Seilkunde pro Punkt), um den diese
Probe fehlschlägt, wird die Schußprobe um WM-1 erschwert, da
der Pfeil seine Ausgewogenheit verliert. Vor dem Schießen selbst
entscheidet eine PW: Sb, ob der Schütze sich durch den brennenden
Pfeil irritieren läßt. Auch hier erschweren jeweils 5 Punkte
Fehlschlag den EW: Angriff um WM-1 .
Erhältlichkeit: entfällt
BRANDPFEILE
Entfernungsklassen: wie normale Pfeile, allerdings sind
die Erfolgswürfe für mittlere Entfernungen um WM-2 erschwert
und für weite um WM-6.
Schaden: um einen Punkt geringer als bei Jagdpfeilen, Folgeschaden
durch Feuer
Besonderheiten: keine PW: Geschicklichkeit beim Entzünden,
für den PW: SB gilt WM -25.
Erhältlichkeit: Brandpfeile gelten allgemein als illegal
und sind daher nicht so ohne weiteres zu bekommen (außer im Kriegsfall).
Um einen guten Pfeilmacher dazu zu bewegen, solche Pfeile herzustellen,
bzw. einen zu finden, der sie verkauft, sind EW: Gassenwissen fällig.
Der Preis liegt je nach Umständen bei dem Drei- bis Zehnfachen eines
normalen Pfeils.
SINGENDE PFEILE
Entfernungsklassen: wie angegeben
Schaden: Unterschiedlich. Manche können den gleichen
Schaden erzeugen wie normale Pfeile, andere ein oder zwei Punkte weniger.
Preis und Erhältlichkeit: nur bei guten Pfeilmachern
erhältlich (evtl. auf Bestellung), der Preis kann je nach Art des
Pfeils zwischen dem Doppelten eines herkömmlichen Pfeils (einfaches
Pfeifen) und dem Zehnfachen oder mehr liegen (komplexe Klänge, die
mit abnehmender Geschwindigkeit variieren). Bei den Elfen sind solche Pfeile
sehr bekannt und verbreitet, oft jedoch als reine Spielzeuge, die annähernd
keinen Schaden erzeugen.
PFEILE MIT BOTSCHAFT
Diese Pfeile können genauso wie die improvisierten Brandpfeile behandelt werden, nur der PW: Sb entfällt.
Magische Pfeile
"Komm rein setz dich, faß' nichts an und mach nichts kaputt. Ah, wie ich sehe, hast du mir was mitgebracht. Wie aufmerksam ihr jungen Leute doch seid. Hast halt doch gemerkt, daß ich vom Reden immer so schnell durstig werde. Du erlaubst, daß ich mir schon mal einschenke. Willst du auch etwas? Nein? Hast du eigentlich recht, Trinken verdirbt nur den Charakter.
Aber zum Thema. Du mußt wissen, daß es eine besondere Ehre ist, daß ich dich hierher eingeladen habe. Eigentlich zeige ich meine Schätze nur ausgewählten Gästen. Und ohne mich loben zu wollen, kann ich dir versichern, daß ich hier die beste Sammlung an magischen Pfeilen im ganzen Land habe. Im Laufe der Jahre habe ich so manches Prachtstück erworben, und zu jedem dieser Pfeile könnte ich eine ganze Geschichte erzählen.
Aber ich will dich ja nicht langweilen, also beschränke ich mich auf das nötigste. (Prost!)
Fangen wir mal mit der einfachsten Variante an. Hier vorne, dieses bunte Sammelsurium, das sind magische Pfeile, die keine wirklich bemerkenswerte Wirkung haben. Sie treffen halt einfach etwas besser und verursachen etwas heftigere Wunden als ihre nichtmagischen Gegenstücke. Es gibt sie wirklich in den unterschiedlichsten Varianten.
Manche sehen genauso aus wie normale Pfeile, andere tragen irgendwelche Runen oder Schnitzereien. Aber eigentlich sind sie nicht weiter interessant, denn es gehört kein bißchen Phantasie dazu, sie herzustellen. So was kann der dümmste Hinterhofmagier machen, naja, jedenfalls wenn er sich auf die Verzauberung von Gegenständen versteht, angeblich kann das ja nicht jeder Zauberer.
Es gibt die Dinger mit verschiedener Macht, wenn ich das mal so bezeichnen darf. Der kleine hier mit der roten Befiederung, der fliegt ein bißchen weiter und genauer als andere Pfeile, während der mit den vielen Schnitzereien dort hinten selbst von einem Stümper aus fünfhundert Schritt ins Schwarze befördert werden kann und dann sogar noch die Zielscheibe und die dahinterliegende Wand durchschlägt.
Spieltip:
Wer kennt sie nicht, die allgegenwärtigen +1 Pfeile, die in fast jeder Spielwelt zu finden sind. Und wo es sie nicht gibt, da hat bestimmt der eine oder andere Spielleiter sie erfunden.
Ihr einziger Effekt ist die Verbesserung der Werte, sei es, daß die Angriffprobe erleichtert wird, sei es, daß der erzeugten Schaden steigt oder die Reichweite, eventuell auch gleich mehrere der genannten Kategorien. Um wieviel die Werte steigen bleibt eine Spielleiterentscheidung. Von +1 (bzw.+5 im W% - System) bis zu dem allesvernichtenden +20 (+100) ist alles denkbar. Und wenn es denn unbedingt sein muß, dann auch noch darüber hinaus.
Eine bescheidenere Variante ist der Pfeil, der gar keine Werterhöhungen bringt, aber dennoch als verzaubert gilt, mit dem Effekt, daß er gegen Wesen benutzt werden kann, die nur mit magischen Waffen bekämpft werden können.
Aber wenn du mich fragst, solche Dinger sind einfach nur langweilig. Übrigens gibt es nicht nur verzauberte Pfeile, sondern auch von Göttern gesegnete. Schau dir zum Beispiel mal dieses Exemplar an. Schwarzer Schaft, schwarze Spitze, schwarze Federn. Und da, direkt hinter der Spitze, da ist das Symbol des Todesgottes in den Schaft eingebrannt. Ich habe es natürlich nie ausprobiert, aber der Priester, der ihn mir gegeben hat, meinte, dieser Pfeil fliegt nicht nur besser, sondern er wirkt besonders heftig gegen alle Freveleien wider dem Totengott.
Also gegen Untote und sowas. Offengestanden will ich auch gar nicht ausprobieren, ob der Pfeil wirklich so wirkt. Ich will solchem widernatürlichen Zeug nämlich gar nicht begegnen. (Darauf einen Schluck.)
Spieltip:
Viele gesegnete Pfeile wirken genauso wie die magischen. Andere haben auch besondere Auswirkungen, die von der jeweiligen Gottheit abhängt, die diesen Pfeil gesegnet hat. Pfeile eines Todesgottes zum Beispiel wirken besonders vernichtend gegen Untote (wobei zu bedenken ist, daß der Einsatz von Pfeilen gegen Skelette in der Regel nicht sehr vielversprechend ist ...), andere wirken gegen alle widernatürlichen Wesen oder gegen andere Verkörperungen, die dem Prinzip der Gottheit entgegenstehen. Wer in seinem Spiel die Gesinnungen einsetzt, dem eröffnen sich hier weite Felder: Wie wäre es zum Beispiel mit dem Pfeil, der besonders verheerend auf chaotisch gute Charaktere wirkt, rechtschaffen neutrale aber überhaupt nicht tangiert ..
So, kommen wir langsam mal zu dem wirklich interessanten Pfeilen. Nehmen wir zum Beispiel mal diese hier. Es hat mich fast ein Jahrzehnt gekostet, diese vier Pfeile zusammenzustellen. Obwohl sie von völlig unterschiedlichen Leuten gefertigt wurden, gehören sie doch zusammen. Sie sehen merkwürdig aus, nicht wahr? Das liegt einfach daran, daß in jeden von ihnen ein Element eingebunden worden ist.
Nimm zum Beispiel das blaue Exemplar in die Hand erstaunlich leicht, wie du merkst. Die Elementaristin, die ihn mir verkauft hat, nannte ihn Windläufer und sagte, in ihn sei ein Stückchen magische Luft hineingezaubert worden. Schade, daß ich sie damals nicht gefragt habe, wie sowas funktioniert.
Vielleicht mit Hilfe eines Luft-Elementars. Oder vielleicht hat sie sogar so einen winzig kleinen Elementargeist da hineingesperrt. Wer weiß? Jedenfalls fliegt dieser Pfeil doppelt so weit wie jeder andere, und obwohl er so leicht ist, kann noch so starker Wind ihn nicht von seiner Bahn ablenken.
Der andere, der daneben liegt, das ist der Wasserpfeil, wie du unschwer an seiner grünblauen Farbe und der schillernden Perlmuttspitze sehen kannst. Wozu der so genau ist, weiß ich nicht, es ist auch wirklich der einzige in der Art, den ich jemals gesehen habe. Angeblich kann er aber genauso gut durch Wasser gleiten wie durch Luft und welche andere Waffe kann das schon? Abschießen muß man ihn allerdings über Wasser, denn keine Bogensehne funktioniert unter Wasser.
Jetzt nimm aber mal den hier in die Hand. Da staunst du, was? Ein Pfeil, der so schwer ist, als sei er aus schierem Stein. Und deswegen nenne ich ihn auch den Hämmerer. Das Ding ist fast nicht abzuschießen, nur mit einem sehr starken Bogen bekommst du ihn überhaupt in die Luft. Aber da, wo er hintrifft, da wächst kein Gras mehr. Das unscheinbare Ding entwickelt die Gewalt eines Lanzenreiters in vollem Galopp. Da bleibt kein Auge trocken ... (Trocken? Wo war doch gleich mein Becher? Ah, danke.)
Als letzten von den vier möchte ich dir den Feuertänzer zeigen. Schau ihn dir ruhig genauer an. Es sieht so aus, als würden sich die roten und gelben Farben auf seinem Schaft bewegen, und wenn du etwas länger hinsiehst, dann hast du das Gefühl, in züngelnde Flammen zu blicken. Das ist ein Prachtstück in meiner Sammlung, nur leider kann man ihn nur ein einziges Mal verwenden. Sobald er die Sehne des Bogens verläßt, beginnt er immer heißer zu werden und schließlich zu brennen, und wenn er weit genug fliegt, dann wirkt er wie ein glühender Blitz, der über den Himmel zieht. Besonders nachts ist das ein sehr beeindruckendes Beispiel, das kann ich dir aus eigener Erfahrung sagen. Und wenn er dann irgendwo aufkommt, ist er so heiß, das jedes brennbare Material in seiner Nähe sofort Feuer fängt. Wehe dem, der von so einem Pfeil getroffen wird und ihn sich nicht schnell genug aus dem Fleisch ziehen kann, er wird bei lebendigem Leibe geröstet.
Spieltip:
Wie in der Einleitung gesagt, sind dies nur Vorschläge. Natürlich können ihre Auswirkungen auch völlig anders ausfallen, bis hin zu dem Wasserpfeil, an dessen Aufschlagort eine Quelle entsteht, oder dem Erdpfeil, der ein getroffenes Wesen versteinert. In Hintergrundwelten, in denen es mehr als die üblichen vier Elemente gibt, sind natürlich auch noch ganz andere Elementarpfeile denkbar; etwa der aventurische Eispfeil, der dem Opfer Körperwärme bis zum Erfrierungstod entzieht.
Dies hier ist einer meiner ganz speziellen Lieblinge. Ich nenne ihn den Sänger. Bekommen haben ich ihn von einem Waldläufer, der ihn seinerseits von irgendeinem einsamen Elfenstamm haben will. Vorstellen könnte ich mir das ja, denn eigentlich ist der Sänger wirklich nicht mehr als ein Kunstwerk und an und für sich halte ich nicht viel von Dingen, die einfach nur schön sind, ohne irgendeinen praktischen Nutzen zu haben. Aber bei dem Sänger muß ich da wirklich eine Ausnahme machen. Bei unserem letzten Zusammentreffen habe ich dir von den Singenden Pfeilen erzählt durch die besondere Form ihrer Spitze erzeugen sie im Flug Pfeif - oder Brummgeräusche.
Dieser Sänger hier ist sozusagen eine Weiterentwicklung der Singenden Pfeile: Wenn er durch die Luft fliegt, erzeugt seine Magie einen Klang von unvergleichlicher Schönheit: Es klingt, als würde eine Fee singen. (Seufz!) Oh, ich sage dir, ich habe diesen Pfeil erst zweimal gehört, aber ich sah welterfahrene Krieger, die auf einmal Tränen in den Augen hatten ... (Reichst nur mir noch mal die Flasche rüber?)
Genau umgekehrt verhält es sich mit diesem Ding hier: der Schreier. Anstelle einer Spitze trägt er einen kleinen, aus Knochen geschnitzten Totenkopf. Und wenn du ihn abschießt , dann beginnt dieser Kopf so göttererbärmlich zu wimmern und zu jaulen, daß sogar ausgewachsene Trolle Reißaus nehmen, als hätten sie einen leibhaftigen Dämonen gesehen.
Spieltip:
Auch im Bereich der klingenden Pfeile läßt sich allerlei machen. Neben den oben genannten Varianten (mit Liebes- oder Angstzaubern verstärkt) kann auch ein Pfeil, der während seines Fluges mit lauter Stimme eine Botschaft verkündet, für Überraschung sorgen.
So, das war es eigentlich an Interessantem in diesem Regal. Wenn du mir gerade noch mal nachschenkst, dann können wir uns den Pfeilen dort drüben zuwenden.
Auf den ersten Blick mögen die drei Exemplare im unteren Bord ganz ähnlich aussehen, aber sie haben dennoch völlig unterschiedliche Wirkung. Zunächst dieser hier, der Efeupfeil. Er sieht fast so aus, als sei er genauso gewachsen, wie du ihn hier siehst. Vielleicht ist er das sogar, ich weiß es nicht. Der Schaft besteht einfach aus einem Zweig einer Kletterranke , und anstelle der Federn befinden sich Blätter. Wenn dieser Pfeil irgendwo in eine Wand oder so etwas geschossen wird, beginnt er sofort mit unglaublicher Geschwindigkeit zu wachsen. Aus dem Ast entspringen Wurzeln, die sich in jedem Felsspalt und jeder Mauerritze festkrallen, und seine Ranken überziehen ganze Mauern und Gebäude schneller als man es sich vorstellen kann. Nach kürzester Zeit wird aus diesem kleinen, unscheinbaren Pfeil ein großes Geflecht aus Schlingranken, an denen ein erwachsener Mensch problemlos in die Höhe klettern kann. Leider hält die Wirkung nicht sehr lange, schon nach wenigen Minuten fällt die ganze Pracht wieder in sich zusammen und hinterläßt nur einen Haufen Staub und Erde.
Den hier hat mir ein alter Druide gegeben, den ich eher zufällig
in den tiefen Wäldern der nördlichen Tundra getroffen habe. Der
Druiden nannte ihn den Zauberbaum. Er ist aus einem jungen Pappeltrieb
gefertigt obwohl es angeblich auch ähnliche Exemplare aus Weide, Buche
und sogar Eiche geben soll. Sobald dieser Pfeil irgendwo auf fruchtbarem
Boden aufkommt, beginnt er sich in der Tat in einen richtigen Baum zu verwandeln
und ebenso schnell zu wachsen wie der Efeupfeil, allerdings ohne wenig
später wieder zu zerfallen. So wäre es möglich, mitten auf
dem belebtesten Marktplatz in Windeseile eine ausgewachsene Pappel entstehen
zu lassen.
Und es ist ja bekannt, daß die Wurzeln wachsender Bäume jedes
Mauerwerk und dergleichen einfach zersprengen können.
Zugegeben, dieser dritte Pfeil ist anders. Blutdorn wird er genannt,
doch dieser schauerliche Name reicht ebensowenig wie sein merkwürdiges
Aussehen, um auszudrücken, welch fürchterliche Magie in ihm wohnt.
Am liebsten würde ich ihn gar nicht erwähnen, denn er ist die
Ausgeburt einer kranken Phantasie, doch um der Vollständigkeit genüge
zu tun, will ich auch ihn beschreiben. Wie du siehst, ist er aus dem Stamm
eines sehr gerade gewachsenen Rosenbäumchens gefertigt, und zwar so,
daß alle seine Dornen erhalten geblieben sind. Außer an einer
Seite natürlich, denn sonst könnte man ihn ja gar nicht abschießen.
Selbst die Pfeilspitze hat die Form eines Rosendorns, und sie hat gemeine
Widerhaken. Wie der Kletterpfeil und der Zauberbaum wächst auch der
Blutdorn, sobald er sein Ziel erreicht hat, jedoch nicht auf fruchtbarem
Boden oder in Mauerritzen, sondern in lebendem Fleisch. Wenn ein Wesen
durch diesen Pfeil verwundet wird, beginnt er sofort, in diese Wunde hineinzuwachsen
und sich mit seinem dornigen Holz in das Fleisch seines Opfers zu graben.
Gelingt es nicht, ihn in den ersten Augenblicken aus der Wunde zu ziehen
und selbst das ist schon reichlich schmerzhaft , dann werden die von ihm
erzeugten Schmerzen bald unerträglich , und nur noch mächtige
Heilmagie kann dann vor dem sicheren Tode retten. (Ach nein, danke,
ich mag gerade nichts trinken ...)
Spieltip:
Druidische oder dunkelelfische (Blutelfen-) Magie ermöglicht hier so manche Variante. Welchen Effekt der geschickte Einsatz einer größeren Zahl von Zauberbäumen haben kann, mag man im Asterix-Band "Die Trabantenstadt" nachlesen, auch wenn Miraculix nicht mit Pfeilen, sondern mit einfachen Eicheln gearbeitet hat ...
Was haben wir denn hier? Einen Affenschwanz, wie die Leute im Süden
ihn nennen. Eine ungemein praktische Sache: Wie du siehst, besteht der
Schaft aus Stahl mit einem Ring am hinteren Ende, an dem ein Seil befestigt
werden kann. Die Spitze besteht aus einem verzauberten Stück Stein,
der die Eigenschaft hat, sich tief in steinerne Wände oder Decken
zu bohren und mit dem dortigen Stein förmlich zu verwachsen. Zugegeben,
es ist sehr schwer, diesen Pfeil gezielt abzuschießen, und er hat
auch nur eine sehr geringe Reichweite, vor allem, wenn er mit einem Seil
belastet ist. Es ist kaum möglich, ihn weiter als acht oder neun Manneslängen
zu schießen, denn sein Gewicht und das des Seils, das an ihm hängt,
ist viel höher als bei anderen Pfeilen.
Steckt der Pfeil jedoch erst einmal im Fels, dann sitzt er so fest, wie
es nur irgend möglich ist, und an dem Seil läßt sich problemlos
hinaufklettern.
Diese beiden Pfeile hier drüben stammen aus der gleichen Werkstatt, und selbst ich kann sie nur an der Farbe der Befiederung unterscheiden. Sie heißen Berserker und Traumtänzer und so verhalten sie sich auch. Oder eigentlich nicht sie, sondern derjenige, der von ihnen getroffen wird. Ein Opfer des Berserkers verfällt in einen unbändigen Kampfesrausch, und es wird jeden in seiner Umgebung mit unerbittlicher Wirkung angreifen, bis er vor Erschöpfung die Besinnung verliert. Beim Traumtänzer verhält es sich umgekehrt: Das Opfer stellt sofort jegliche Kampfhandlung ein, legt die Waffen beiseite und selbst seinen verhaßtesten Feind nur noch freundlich anlächeln.
Spieltip:
Dies sind nur zwei Beispiele für eigentlich beliebige Zauber, die in einem Pfeil gespeichert werden können. Genauso gut könnte es auch ein Schlafzauber, eine Versteinerung oder irgend etwas anderes sein. Besonders interessant wird es natürlich, wenn der verzauberte Pfeil ein Blasrohrprojektil ist, das kaum gespürt und vor allen Dingen auch später kaum entdeckt wird.
Dieser Pfeil heißt Späher eine weitere Erfindung der Elfen aus dem Norden, und dabei durchaus sehr nützlich. Wie du siehst, sind auf beiden Seiten seiner breiten Spitze Augen eingraviert. Wenn du diesen Pfeil abschießen willst, mußt du dir die Augen verbinden und in dem Moment, in dem du schießt, das Wort "Sehen" aussprechen. Dann kannst du durch die Augen des Pfeils sehen. Es ist sehr schwer, irgend etwas zu erkennen, so lange der Pfeil fliegt, aber mit etwas Übung ist sogar das möglich.
Wenn er irgendwo aufkommt und sich nicht so tief einbohrt, daß die Augen verdeckt sind, kannst du aus seiner Perspektive so lange alles beobachten, was in der Nähe des Pfeiles vorgeht, bis du deine Augenbinde abziehst. Ich muß zugeben, daß ich schon mehrere Späher verschossen habe, allein um des merkwürdigen Erlebnisses willen. Leider funktioniert jeder nur ein einziges Mal.
Spieltip:
Die Augen könnten auch in der Farbgebung der Befiederung versteckt sein oder in den Schaft eingraviert. Wenn der Benutzer des Spähers es nicht zu leicht haben soll, dann kann der Spielleiter festlegen, daß eine gelungene Probe auf Willenskraft, Selbstbeherrschung oder verg1eichbarem nötig ist, um wieder zu dem eigenen Blickfeld zurückzugelangen.
Und wenn der Pfeil auf irgendeine Weise zerstört wird, solange der Zauber noch aktiv ist, verliert der Benutzer für 2W20 Tage sein Augen1icht.
Oh, ja, dies ist ein weiteres sehr unangenehmes Exemplar: die Kobra. Ich habe es von einem etwas dubios aussehenden Händler aus dem fernen Süden, und ich weiß auch gar nicht genau, ob der Pfeil wirklich so wirkt, wie dieser Mann es mir beschrieben hat, aber ich möchte es gar nicht ausprobieren. Ja, er ist vollständig aus Knochen gearbeitet, keine Ahnung, welchem gewaltigen Tier sie gehört haben, und die Spitze ist wie ein kleiner Schlangenkopf geschnitzt. Wenn das stimmt, was der Südländer erzählt hat, dann muß man beim Abschießen das Wort "Kobra" aussprechen, damit sich der Pfeil im Moment des Auftreffens in eine sehr aggressive Giftschlange verwandelt.
So, jetzt kennst du alle meine Schätze. Ich will gar nicht bestreiten, daß es noch viele andere geben kann. Und wenn du irgendwann mal ein ganz neues Exemplar entdecken solltest, dann denk an mich, abgemacht?
Der Kasten da oben? Der auf dem obersten Regal? Äh, du meinst den mit den vielen magischen Symbolen? Ähm, nun ja, also ... eigentlich ... nun gut, du hast es nicht anders gewollt. (Aber gib mir vorher noch mal den Krug rüber.) In diesem Kasten befinden sich Freipfeile. Das klingt einigermaßen harmlos, aber laß dich nicht täuschen: Diese Pfeile hat ein Dämon angefertigt. Warte, laß mich ihn öffnen. Sie sehen ganz friedlich aus, diese schwarzen Dinger, wie sie da auf dem roten Samt liegen. Frage mich nicht, wie ich sie bekommen habe. Aber laß dir versichert sein, daß der frühere Besitzer in irgendwelchen Höllen schmort. Ein Magier, mit dem ich flüchtig bekannt bin, hat mir erzählt, daß manche üblen Zauberer solche Pfeile von Dämonen kaufen.(Puh, kann es sein, daß es gerade ein wenig kälter geworden ist? Ach, reich mir noch mal den Krug ....)
Das Geheimnis dieser Pfeile liegt darin, daß sie immer treffen.
Du mußt beim Schießen nur den Namen des Opfers nennen, dann
fliegt der Freipfeil selbst um Hindernisse und über weite Strecken
hinweg und trifft sein Opfer zumeist tödlich. Der Haken an der Sache
ist nur, daß der siebte Pfeil ein Ziel nach Wahl des Dämonen
trifft, und das ist eigentlich immer ein guter Freund des Schützen
manchmal sogar der Schütze selbst.
Man sollte meinen, daß das alles kein Problem ist, man könne
ja einfach sechs Pfeile verschießen und den siebten liegen lassen.
Aber weißt du, welcher von diesen Pfeilen der siebte ist? Man kann
sie nicht unterscheiden, und wenn du Pech hast, dann ist es schon der erste,
den du verschießt.
Spieltip:
Dies ist nur eine Variante der Freipfeile. In der Regel werden sie sowieso nur von Nichtspieler-Charakteren eingesetzt, und ihre genauen Auswirkungen bleiben damit immer dem Spielleiter überlassen. Sollte sich doch einmal ein Spielercharakter finden, der einen derartigen Handel mit einem Dämon schließen will, so mögen die Einzelheiten im Spiel ausgehandelt werden. Aber es sollte immer klar sein, daß mit einem Dämon nicht gut feilschen ist ...
Wir erinnern noch einmal daran, daß es sich bei den folgenden Regeln um Vorschläge handelt und nicht um offizielle Regelergänzungen. Wer keine Lust auf neue Regeln hat, kann die folgenden Seiten ja einfach überblättern und diesen Artikel als reine Anregung sehen, um mal wieder ein paar neue Elemente in das eine oder andere Abenteuer einzubringen.
Regelvorschläge für Midgard
MAGISCHE UND GESEGNETE PFEILE
Besonderheiten: Je nach Wunsch des Meisters gar keine
bis deutliche Erleichterungen beim EW: Angriff und erhöhter Schaden.
Diese Pfeile wirken gegen Dämonen und andere Kreaturen, die nur von
magischen Waffen verletzt werden können. Von Boron geweihte Pfeile
vernichten untote Wesenheiten (oder bewirken bei ihnen zumindest ein Mehrfaches
an Schaden), Praiospfeile sind besonders wirkungsvoll gegen alle magischen
Kreaturen und alles, was Praios zuwider ist.
Erhältlichkeit: Magische Pfeile überall, während
viele höhere Priester gegen entsprechende Spenden bereit sind, Pfeile
zu weihen. Diese sind dann allerdings nicht mit verbesserten Werten ausgestattet,
aber sie wirken gegen oben genannte Wesenheiten. Wirklich starke geweihte
Pfeile werden nur an besonders zuverlässige und ehrenhafte Gläubige
weitergegeben.
WINDLÄUFER
Besonderheiten: Die Reichweite des Pfeils ist verdoppelt,
wobei die so gewonnene Entfernung als Fernbereich zählt.
Erhältlichkeit: Selten, eigentlich nur bei al'quadimischen
Beschwörern mit dem Schwerpunkt Elementarmagie zu erhalten.
WASSERPFEIL (auch EFFERDS-PFEIL)
Besonderheiten: Die Reichweite und Genauigkeit des Pfeils
wird nicht dadurch eingeschränkt, wenn er ins Wasser geschossen wird.
Erhält1ichkeit: wie Windläufer
HÄMMERER (auch INGERIMMS-PFEIL)
Besonderheiten: Die Entfernungsklassen sinken auf etwa
ein Siebtel ihres Ursprungswertes. Wenn der Pfeil allerdings trifft, erzeugt
er Schaden wie durch den Sturmangriff eines Lanzenreiters.
Erhältlichkeit: wie Windläufer.
FEUERTÄNZER
Besonderheiten: Jeder brennbare Gegenstand im Umkreis
von einem Schritt von dem Pfeil beginnt bei 1-10 aufW20 zu brennen. Steckt
der Pfeil sogar selbst in einem brennbaren Gegenstand, dann fängt
dieser auf jeden Fall Feuer. Ist eine Person von einem Feuertänzer
getroffen und hat dadurch LP verloren, dann verliert sie in jeder folgenden
Kampfrunde einen LP, bis der Pfeil entfernt wird.
Erhältlichkeit: wie Windläufer.
Jeder brennbare Gegenstand in bis zu einem Meter Abstand zu dem Feuertänzer gerät mit 50-prozentiger Chance in Brand; steckt der Pfeil gar in etwas brennbarem, dann fängt dieses Material auf jeden Fall Feuer.
SÄNGER, SCHREIER, BERSERKER & TRAUMTÄNZER
Besonderheiten: Ein fähiger Thaumaturg kann fast
jeder Zauberspruch an einen Pfeil binden, wobei der Auslöser entweder
das Abschießen oder aber das Auftreffen sein kann. Im Fall von Sänger
und Schreier wären das wohl mehr oder weniger modifizierte Varianten
des Verwirren, des Namenlosen Grauen und des Heiligen Zorns. Für den
Traumtänzer wäre eine stark modifizierte Form des Anziehen-Spruches
notwendig, was ihn zu einem sehr seltenen Pfeil macht. Ein Feuerball der
so an einen Pfeil gebunden wird, kann auf diese Weise ein vielfaches der
normalen Reichweite und Geschwindigkeit erreichen. Die Wirkung dürfte
für manch einen Überraschungseffekt gut sein.
Erhältlichkeit: Recht verbreitet (abgesehen von dem
Traumtänzer, siehe oben), in den Wirkungen allerdings sehr unterschiedlich.
Ein Spieler-Thaumaturg kann sich auch selbst an der Herstellung solcher
Pfeile versuchen.
EFEUPFEIL & ZAUBERBAUM
Erhältlichkeit: In der Tat handelt es sich hier um druidische Magie, obwohl sie selbst unter den Druiden nur wenig verbreitet ist. Andererseits soll es einige Hexen und sogar vereinzelte Waldelfen geben, die in der Lage sind, solche Pfeile herzustellen.
BLUTDORN
Besonderheiten: Es ist nicht überliefert, wer diese Pfeile
zuerst entwickelt hat, erste Berichte über sie entstammen den Magierkriegen.
Zur Zeit kennen nur noch einige Druiden das Ritual, um Blutdorne herzustellen,
aber es könnte sein, daß sich in absehbarer Zeit sehr viele
Leute für derartige Waffen interessieren. Wenn der Pfeil einem Opfer
Schweren Schaden zufügt, beginnt er sofort zu wachsen, wodurch das
Opfer in jeder folgenden Kampfunde jeweils einen weiteren LP und AP kostet.
Eine Entfernung des Blutdorns kostet in den ersten drei KR einen LP und
lW6AP, später lW6 LP und 3W6AP.
Erhältlichkeit: Zur Zeit fast gar nicht, das könnte
sich aber bald ändern.
AFFENSCHWANZ
Besonderheiten: Eine uralte zwergische Erfindung, wenngleich
die Variante mit dem Flaschenzug anstelle des Ringes sich nie durchsetzen
konnte. Die Entfernungsbereiche sind halbiert. Der Schaden gegen normale
Ziele ist innerhalb dieser Reichweite wie der eines normalen Pfeils, während
Affenschwänze in jeden Stein unweigerlich eindringen , ohne daß
Schaden ermittelt werden müßte.
Erhältlichkeit: Zumeist bei zwergischen Schmieden, die
irgendwie mit Thaumaturgen zusammenarbeiten. Vereinzelt haben aber auch
menschliche Magier diese Technik übernommen.
SPÄHER
Besonderheiten: Ein eher legendäres Artefakt, das
nur den Firn - und Waldelfen bekannt ist. Dem Schützen muß ein
PW: Sb gelingen, damit er durch die intensiven Eindrücke des fliegenden
Pfeils nicht die Besinnung und lW6AP verliert.
Erhältlichkeit: extrem selten, nur bei Wald oder Firnelfen
KOBRA
Besonderheiten: In was für eine Schlange sich dieser
Pfeil verwandelt, hängt von seinem Hersteller ab oder liegt im Ermessen
des Spielleiters. Auf jeden Fall handelt es sich um ein sehr aggressives
Exemplar, das nach seiner Verwandlung sofort in den Kampf übergeht.
Erhältlichkeit: Entwickelt wurde dieser Pfeil von Schamanen
der Waldmenschen, inzwischen erfreut er sich aber auch in anderen Ländern
wachsender Beliebtheit.
FREIPFEILE
Besonderheiten: Es handelt sich um einen Pakt mit einem
Dämon. Diese Pfeile treffen immer, selbst wenn sie dafür Hindernisse
umfliegen müssen oder das Ziel sich in einer Entfernung befindet,
die bis zu dreimal höher als die eigentliche Reichweite des Bogens
ist. Das Opfer erleidet durch den Pfeil immer einen Kritischen Treffer,
unabhängig von seiner Rüstung, wenn nicht irgendwelche Götter
dies verhindern.
Allerdings muß der Schütze bei jedem Schuß auswürfeln,
ob er nicht den siebten Pfeil erwischt hat. Dies geschieht über W%
- Würfe: Der erste Pfeil ist es mit 14% Wahrscheinlichkeit, der zweite
mit 16, der dritte mit 20, der vierte mit 25, der fünfte mit 33 und
der sechste mit 50 Prozent. Sollte der Schütze das Glück haben,
daß auch der sechste Pfeil nicht der verfluchte ist, kann er den
siebten gut aufbewahren, anstatt ihn zu verwenden. Doch leider will es
der Zufall zumeist, daß irgend jemand einmal mit dem Pfeil herumspielt
und dieser dann völlig unerwartet doch noch sein Ziel findet. Der
siebte Pfeil wirkt genauso wie die anderen sechs, nur sucht er sich sein
Ziel selbst. Er wählt dazu immer eine Person, die dem Schützen
sehr nahe steht, oder, wenn keine derartige Person in erreichbarer Nähe
ist, den Schützen selbst. Dämonenpaktierer können eventuell
sogar von ihrem Mentor einzelne Freipfeile bekommen, ohne das Risiko eines
siebten Pfeils einzugehen.
Erhält1ichkeit: Nur bei einem Dämon persönlich
...
(Quelle: Abschrift eines Artikels von Christian Günther & Florian Schauen, Wunderwelten #32, S. 21 ff.)