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Tigerdämon Louis Royo Teil
1 Schliesslich
wanderten seine Lippen tiefer und umschlossen ihre Knospen, die augenblicklich
hart wurden. Irgendwo in Shoros Verstand blinkte eine grellrote Alarmlampe. Er
war nicht er selbst. Was er hier tat, war nicht seine Art. Normalerweise waren
Frauen ihm zu Willen. Frauen waren dazu da, ihn zu verwöhnen und nicht
umgekehrt. Diese geheimnisvolle Frau hatte ihn verzaubert, verhext, mit einem
Bann belegt. Aber er konnte und wollte sich nicht dagegen wehren. Wozu auch?
Jetzt zählte nur noch sie. Sein Wille war ausgeschaltet. Er bemerkte nicht, wie
Radha zufrieden lächelte. Ja, so war es gut. Er war ihrem Ruf gefolgt und ihr
erlegen. Ganz so, wie sie es haben wollte. Eine ganze Stadt! Sie würde mit ihm
gehen und die neue Herrscherin sein. Die Männer würden ihr zu Willen sein und
nur noch ihr, der mächtigen Radha, gehorchen. Wenn sie wüssten, wer sie war!
Sie wollte Männer besitzen, wollte mit ihnen spielen, wollte Macht über sie
haben. Jetzt war es soweit, endlich. Sie drückte den Mann, der sie so
ausdauernd liebkoste, ein Stück von sich weg und sah ihm in die Augen. "Du
wirst mir gehorchen, nicht wahr? Ich werde eure neue Herrscherin." Shoro
nickte benommen. "Natürlich. Wie du wünschst, Herrin." Er vergrub
sein Gesicht wieder zwischen ihren Brüsten. Sie schloss die Augen und genoss
das Gefühl seiner Lippen. Er stand in ihrem Bann, er war ihr Sklave. Sein Kopf
glitt tiefer und tiefer, bis seine Zunge die verborgene Stelle zwischen ihren
Beinen gefunden hatte. Sie krallte ihre Finger in sein Haar und bäumte sich
auf. Ja, so war es richtig! Aus ihrer Kehle drang ein rauhes Stöhnen, das allmählich
zu einem Knurren wurde. Aus ihren Händen wuchsen messerscharfe Krallen. Auch
ihr Gesicht veränderte sich und nahm die Züge einer Raubkatze an, die eines
Tigers. Shoro bemerkte von der ganzen Verwandlung noch nichts. Seine einzige
Bestimmung war im Moment, diese Frau zu befriedigen. Er bemerkte auch nicht, wie
ihre Krallen sein Hemd zerfetzten und seinen Rücken zerschrammten. Plötzlich
stiess sie ihn von sich. "Genug!" Ihre Stimme war nicht mehr
samtweich, sondern rauh, kehlig und... nicht mehr menschlich. Shoro wich
angstvoll zurück. "Was... wer... bist du?" Er war unfähig, klar zu
denken. Er wollte fliehen, aber seine Glieder gehorchten ihm nicht mehr. Er
konnte sich nicht gegen den Bann wehren, den Radha auf ihn gelegt hatte. Sie
stand triumphierend über ihm und blickte auf ihn hinab. "Du willst wissen,
wer ich bin, Mann? Nun, ich habe viele
Namen. Radha ist einer davon. Du kennst mich wohl eher als ‘Tochter des
Tigers’." Bei der Erwähnung dieses gefürchteten Namens zuckte Shoro wie
unter einem Peitschenhieb zusammen. Die ‘Tochter des Tigers’ war eine gefürchtete
und mächtige Dämonin. Spöttisch beugte sie sich zu ihm und flüsterte ihm ins
Ohr: "Ich bin süchtig nach Männern und Macht. Du hast einen Palast?
Nun... ab jetzt gehört er mir!" Taron
stürmte durch den Palast und brüllte unentwegt nach Shoro. "Du Hurensohn,
wo zum Teufel treibst du dich jetzt wieder herum?" Er riss die Tür zu den
Haremsgemächern auf. Die Frauen fuhren erschreckt von ihren Lagern auf und
starrten angstvoll auf Taron. "In welchen Betten hat Shoro heute Nacht
seine Kraft vergeudet? Ist er noch hier?" Mira, die Lieblingsfrau Shoros,
stand auf und baute sich vor Taron auf. "Unser Herrscher war nicht hier.
Und du verschwinde aus unseren Gemächern. Auch wenn du Shoros bester Freund und
sein Berater bist, hast du kein Recht, einfach hier hereinzuplatzen und die Mädchen
zu erschrecken!" Taron funkelte sie mit seinem einen verbliebenen Auge an.
"Und nur weil du Shoros Lieblingsfrau bist, hast du noch lange nicht das
Recht, so mit mir zu sprechen!" Er machte auf dem Absatz kehrt und stürmte
aus den Frauengemächern. Mira drehte sich kopfschüttelnd um. Sie war die älteste
und erfahrenste der Mädchen. Da sie Shoros Lieblingsfrau war, hatte sie auch
einige zusätzliche Rechte. Ausserdem war sie für die anderen Mädchen so etwas
wie eine Ersatzmutter, denn kaum eines war über zwanzig. Mit ihren fünfundzwanzig
Jahren fühlte sich Mira manchmal richtiggehend alt. "Wenn nun schon alle
wach sind, können wir genausogut aufstehen und mit unserem Tagesprogramm
beginnen. Also los, raus aus den Betten!" Die
meisten Frauen des Harems waren geraubt oder entführt worden. Auch Mira. Doch
sie hatte sich einigermassen in ihr Schicksal gefügt und es sich zur Aufgabe
gemacht, für die Mädchen zu sorgen. Ihr Tagesprogramm bestand hauptsächlich
aus Sport und Körperpflege. Shoro liebte schöne Körper und die Frauen mussten
alles dafür tun, um in Form zu bleiben. Ansonsten drohte ihnen der Kerker und
Prügel. Taron
stürmte weiter durch den Palast auf der Suche nach Shoro. Er beschloss,
nochmals in dessen Gemächern nachzusehen. Was er sah, als er die Türe öffnete,
liess ihn verblüfft stehen bleiben. Shoro sass auf seinem Bett und liess sich
das Frühstück schmecken. Neben ihm lag ausgestreckt ein Tiger und leckte sich
die mächtigen Pranken. Bei Tarons Eintreten sahen sowohl der Tiger als auch
Shoro auf. "Taron mein Freund, was führt dich zu mir?" Taron hatte
sich von seiner Verblüffung schnell erholt. "Wo zum Teufel warst du letzte
Nacht? Bei den Frauen hast du deine Kraft nicht vergeudet; bist du mal wieder
wie ein Irrer durch den Dschungel gerannt? Und seit wann hast du einen Tiger?
Ich dachte, du sammelst Frauen! Ausserdem," er verzog die Lippen, "was
haben wir anderen von einem Tiger? Mit den Frauen können wir uns wenigstens
vergnügen, aber ein Tiger? Was soll das?" Shoro lächelte sanft und
verzeihend, was sehr untypisch war. Denn normalerweise durfte niemand so mit ihm
sprechen, auch nicht sein bester Freund. "Taron, es wird sich viel ändern.
Ich habe meine Meisterin gefunden. Ich gehorche nur noch ihr. Und auch ihr
werdet ihr gehorchen, denn sie wird unsere neue Herrscherin." Mit zwei
Schritten war Taron bei Shoro und griff ihm demonstrativ an die Stirn. Der Tiger
hob den Kopf. "Du hast Fieber, eindeutig. Oder irgend etwas ist in dein
Gehirn eingedrungen und hat es zerfressen. Du bist unser Herrscher! Du willst
eine Meisterin haben? Du, der grosse Hengst, der die Frauen sammelt und den grössten
Harem der Welt hat, so dass auch deine Männer noch etwas davon haben? Du wirst
dir doch garantiert nichts von einer Frau sagen lassen, du doch nicht!"
"Ich glaube, da irrst du dich." erklang eine Stimme hinter Taron. Er
fuhr herum. Dort wo eben noch der Tiger gelegen hatte, räkelte sich eine Frau,
nur in ein durchscheinendes Laken gehüllt, und knabberte an Trauben. Ein ungläubiges
Ächzen war alles, was Taron hervorbrachte. Shoro legte den Kopf in den Schoss
der Frau. "Radha ist unsere neue Herrscherin. Du wirst alles tun, was sie
von dir verlangt." "Wo... wo ist der Tiger hin? Doch nicht etwa...
Nein Shoro, das ist doch nicht wahr! Du kannst unmöglich zulassen, dass
diese... diese Frau unsere Herrscherin
wird!" Radha stand mit einer ungemein eleganten Bewegung vom Bett auf und
trat auf Taron zu. Das Laken glitt von ihrem Körper. Sie streichelte sanft über
Tarons Wange, der den Blick nicht von ihr abwenden konnte. "Nicht
irgendeine Frau. Die ‘Tochter des Tigers’. Hast du etwa ein Problem
damit?" Taron schluckte. Ihre Augen waren hypnotisch. Er fühlte, wie sie
in seinen Geist eindrang und ihn fesselte. Gerade soviel, dass er sich nicht
wehren konnte, aber trotzdem jede Einzelheit glasklar mitbekam. Sie war die
Katze, die mit ihrer Beute spielte, die es liebte, das Opfer leiden zu sehen.
"Nein Herrin, natürlich nicht. Ich werde dein Sklave sein und tun, was du
befiehlst." Radha lächelte. "Ja, so ist es brav. Das ist genau das,
was ich will." 3 Radha
spazierte durch die Gänge des Palastes, um sich von ihrem neuen
Herrschaftsbereich ein Bild zu machen. Als sie die Haremsgemächer betrat, kam
ihr eine Idee. Ein kleines teuflisches Lächeln umspielte ihre Lippen. Sie
setzte sich auf einen Diwan und wartete. Es
dauerte nicht lange, und Shoros Frauen kehrten aus dem Garten zurück. Als Mira
die neue Frau sah, setzte sie sich neben sie. "Du bist neu hier? Wo hat
dich Shoro geraubt?" "Er hat mich nicht geraubt. Ich bin freiwillig
hier." Mira traute ihren Ohren kaum. "Wie bitte?" "Du hast
mich schon richtig verstanden. Und da gibt es noch etwas, das ihr wissen
solltet." Mittlerweile hatten sich alle Frauen um Mira und Radha
versammelt. "Ich bin keine gewöhnliche Haremsfrau. Und auch ihr werdet das
bald nicht mehr sein. Ich bin ab sofort Herrscherin dieses Palastes. Das heisst
aber nicht, dass ihr gehen könnt. Ich habe einfach eine andere Verwendung für
euch als Shoro. Ihr werdet diese Gemächer verlassen und woanders untergebracht.
Ab sofort seid ihr für den Unterhalt des Palastes verantwortlich. Und für das
leibliche Wohl aller Bewohner. Seht zu, dass ihr genug Vieh züchtet. Ich liebe
rohes Fleisch.“ Mit diesen Worten drehte sich Radha um und verliess den Raum.
Die Mädchen standen wie erstarrt. Schliesslich meldete sich Mira zu Wort.
„Nun gut, dann wollen wir unsere Sachen zusammenpacken und unsere neue Aufgabe
in Angriff nehmen. Schlimmer als unter Shoros Herrschaft kann es nicht werden.
Immerhin ist sie eine Frau.“ Mira sollte bald merken, wie sehr sie sich täuschte. Teil
2 1 Diese
Unruhe! Schon seit Tagen konnte sie sich auf nichts mehr konzentrieren. Sie
konnte nicht stillsitzen. Sie hielt es nirgendwo lange aus und irgendwie schien
sie auch Blackouts zu haben. Vor allem was die Nächte betraf. Sie erinnerte
sich nicht, was sie getan hatte oder wo sie gewesen war. Und dann war da dieser
Hunger. Sie konnte nicht sagen, was für ein Hunger es war, aber er war da und
wollte gestillt werden. Nur wie? Es
war Abend und Xenia tigerte nervös durch ihre Wohnung. Schliesslich öffnete
sie ihren Kleiderschrank. Sie wollte in die Stadt gehen, vielleicht fand sie
dort Zerstreuung. Sie nahm ein knallrotes Kleid aus dem Schrank. Doch plötzlich
begannen ihre Hände zu zittern. Diese Farbe! Sie konnte sie nicht ertragen! Sie
hätte am liebsten losgeschrien. Was war nur los mit ihr? Normalerweise war doch
Rot ihre Lieblingsfarbe! Einem
plötzlichen Impuls folgend schleuderte sie das Kleid in den hintersten Winkel
des Kleiderschrankes. Na gut, wenn nicht Rot, dann eben Schwarz. Sie hatte ihre
Wirkung als "Lady in black" noch nie verfehlt. Sie schlüpfte in das
lange schwarze Kleid mit dem gewagten seitlichen Schlitz. Dann frisierte und
schminkte sie sich sorgfältig. Eigentlich verstand sie sich selber nicht. Wozu
das alles? Sie machte doch sonst nie so einen Aufstand, wenn sie nur mal kurz in
die Stadt fuhr! Misstrauisch
betrachtete sie sich im Spiegel. Sie hatte das Gefühl, einer Fremden ins
Gesicht zu blicken. Irgendwie sah sie anders aus. Waren es ihre Augen? Sie
schienen etwas katzenhaftes zu haben. Und waren sie schon immer so grün
gewesen? Nein, bestimmt nicht. Xenias Augen hatten zwar einen leichten Grünstich
gehabt, aber sie waren nie smaragdgrün gewesen! Ausserdem sah sie viel besser.
Sie hatte schon immer gute Augen gehabt. Aber jetzt sah sie überdurchschnittlich
gut. Seltsam. Überhaupt schienen alle ihre Sinne schärfer geworden zu sein.
Und was war mit ihren Zähnen? Sie schienen länger und spitzer. Beinahe... Ja,
beinahe wie Reisszähne! Was ging hier bloss vor? Was geschah mit ihr? Plötzlich
wand sich Xenia unter rasenden Schmerzen. Ihr Kopf schien zu explodieren. Es
war, als ob sich jemand mit aller Gewalt hineinzwängen und Besitz von ihr
ergreifen wollte. Als sie sich schliesslich wieder aufrichtete, war sie nicht
mehr die Alte. Aus ihren Augen blitzte der Killerinstinkt eines Raubtieres. Xenia
verliess ihre Wohnung und fuhr in
Richtung Stadt. Sie hielt in einer Gegend, wo sie sich normalerweise niemals
alleine hingetraut hätte. Hier war das Revier der Prostituierten, Zuhälter und
anderen dunklen Gestalten. Sie stieg aus dem Wagen und zündete sich eine
Zigarette an. Dann stolzierte sie mit gekonnt sexy Hüftschwung die Strasse
hinunter und betrat die erste Bar auf der linken Seite. Als sie durch die Tür
trat, drehten sich wie auf Kommando alle Leute nach ihr um. Es waren
ausschliesslich Männer. Die meisten sahen ziemlich zwielicht und gefährlich
aus. Doch Xenia liess sich davon nicht beeindrucken. Sie durchquerte den Raum
und steuerte zielstrebig auf einen Mann zu, der allein an einem kleinen
Tischchen in einer Nische sass. Sie stellte den linken Fuss auf den freien Stuhl
neben ihm, so dass er freie Sicht auf ihr wohlgeformtes Bein hatte und fragte
mit samtweicher, beinahe schnurrender Stimme: "Na Süsser, ist dieser Platz
hier noch frei?" Der
Mann war jung, etwa Mitte zwanzig und ganz gutaussehend. Er starrte Xenia aus
grossen Augen an und nickte nur ungläubig. "Wahrscheinlich kann er sein Glück
nicht fassen. Na, der wird sich noch wundern!" dachte Xenia spöttisch. Sie
setzte sich und schlug die Beine übereinander, so dass der Rock wieder zur
Seite rutschte und ihr linkes Bein bis fast zur Hüfte Tom
und Xenia verliessen die Bar engumschlungen. Dem Paar folgten viele neidische
Blicke. Sie überquerten die Strasse und betraten ein schmuddeliges, kleines
Motel. Der Portier kassierte das Geld für eine Nacht, händigte ihnen den Schlüssel
aus und wandte sich dann wieder dem Fernseher zu. Im
zweiten Stock war ihr Zimmer. Kaum hatten sie es betreten, riss Xenia Tom das
Hemd vom Leib. Sie konnte es kaum erwarten. (Was zum Teufel war "ES"?)
Sie presste sich an ihn und er öffnete den Reissverschluss ihres Kleides, das
lautlos zu Boden glitt. Er stöhnte auf, als sich ihre Hände an den Knöpfen
seiner Jeans zu schaffen machten. "Du machst mich verrückt, Xenia!"
Sie sagte nichts, sondern liess nur ein leises Schnurren hören, bevor sie Tom
auf das Bett stiess und ihm Jeans samt Boxershorts auszog. Dann setzte sie sich
mit gespreizten Beinen auf ihn und begann ihn zu reiten. Er stöhnte und wand
sich unter ihr. Sie beugte sich zu ihm hinunter und leckte an seinem Hals. Ein
tiefes Knurren ertönte aus ihrer Kehle und in ihren Augen blitzte ein mörderischer
Funke. Sie richtete sich auf und ein sadistisches Lächeln umspielte ihre
Lippen, als sie sagte: "Sieh mich an!" Tom öffnete die Augen. Aus dem
Entzücken, das gerade noch darin gestanden hatte, wurde pures Entsetzen, als er
Xenia anblickte. Ihre grünen Augen glühten unheimlich im Dunkel des Zimmers
und die Gier nach Blut war unübersehbar. Ihre
Hände hatten sich in gefährliche Pranken verwandelt und aus ihrem Mund ragten
spitze Reisszähne. Xenia hatte sich in eine Bestie verwandelt, die halb Frau,
halb Tiger war. Sie war nicht etwa hässlich, ganz im Gegenteil. Sie war von
einer grausamen Schönheit. Das Letzte, was Tom zu sehen bekam, war Xenias
triumphierendes, abgrundtief böses Lächeln. Dann warf sie sich über ihn und
riss ihm die Kehle auf. 2 Kommissar
Ron Marten wachte voll angezogen in seinem Bett auf. Sein Kopf fühlte sich an,
als hätte ihn jemand sehr ausdauernd mit einem Vorschlaghammer bearbeitet. Die
Party gestern war wohl etwas zu rauschend gewesen. Andererseits war er allein
aufgewacht, folglich konnte es doch nicht so toll gewesen sein. Es dauerte eine
Weile, ehe er begriff, dass ihn das ausdauernde Klingeln seines Telephons
geweckt hatte. Stöhnend tastete er nach dem Hörer und meldete sich.
"Ja?" "Marten, wo
steckst du? Wir haben einen Mord!" Es war sein Partner Gerner. Er war ein
sehr fähiger Polizist, aber er konnte auch eine unglaubliche Nervensäge sein.
Ganz besonders wenn es sich um einen Mord handelte. Marten rieb sich die Augen.
"Was ist los? Schon wieder ein Mord?" "Marten, schwing endlich
deinen Arsch aus dem Bett und komm her!" Gerner ratterte die Adresse des
Tatortes runter und hängte auf. Marten torkelte ins Badezimmer und stellte sich
unter die eiskalte Dusche. Erst das kalte Wasser vermochte seine Lebengeister zu
wecken. Er beeilte sich, um an die von Gerner genannte Adresse zu fahren. "Es
ist genauso wie bei den beiden anderen Mordfällen. Das Opfer ist männlich,
jung und es sieht aus, als sei es von einem Raubtier zerfleischt worden."
Marten wandte den Blick von dem grausam zugerichteten Opfer auf den blutdurchtränkten
Laken. Dieser junge Mann war nun schon das dritte Opfer in einer mysteriösen
Mordserie. Drei tote Männer innerhalb einer Woche und vom Mörder fehlte jede
Spur. "Haben die Jungs von der Spurensicherung sonst noch etwas
herausgefunden?" "Ja, haben sie. Das Opfer hatte kurz vor seinem Tod
Geschlechtsverkehr." Marten sah auf. "Das ist ja etwas ganz Neues! Könnte
es sein, dass unser Mörder eine Frau ist?" Gerner nickte. "Das ist
sogar sehr wahrscheinlich. Sie haben nämlich noch das da gefunden." Er
hielt ein langes schwarzes Kleid hoch. "Das lag vor dem Bett. Wenn das tatsächlich
der Mörderin gehört, wie ist sie dann nach Hause gekommen? Etwa nackt?"
Marten zuckte die Schultern. Er konnte sich darauf auch keinen Reim machen.
"Und noch was. Kannst du mir mal verraten, wie eine Frau einen erwachsenen
Mann so zurichten konnte? Der Junge da
war ja nicht gerade ein Schwächling." Marten hob spöttisch eine
Augenbraue. "Du weisst nicht, wozu eine Frau fähig sein kann." Gerner
grinste. "Du sprichst wohl aus Erfahrung?" Martens Antwort bestand aus
einem abfälligen Schnauben. Er hatte keine Lust, Gerner sein Liebesleben auf
die Nase zu binden. Denn sonst wusste nachher das ganze Präsidium Bescheid.
"Los, fahren wir zurück. Vielleicht finden wir noch weitere Zusammenhänge,
wenn wir alle drei Mordfälle miteinander vergleichen." Gerner seufzte
ergeben und folgte Marten nach draussen zum Wagen. Xenia
erwachte auf dem Fussboden ihres Wohnzimmers. Ihr ganzer Körper schmerzte und
sie hatte einen schlechten Geschmack im Mund. Stöhnend richtete sie sich auf
und schleppte sich ins Badezimmer, um sich zu waschen. Erschrocken stellte sie
fest, dass sie nackt war. Von dem Kleid, das sie gestern getragen hatte, fehlte
jede Spur. Was war geschehen? Ihr fehlte jede Erinnerung an den vergangenen
Abend. Sie hob die Hand, um sich über das Gesicht zu streichen. Und erstarrte.
Sie war blutverschmiert. Als sie an sich herunterblickte, sah sie, dass ihr
ganzer Körper mit eingetrocknetem Blut bedeckt war. Xenia begann zu schreien. Marten
und Gerner sassen nun schon seit drei Stunden im Präsidium und studierten
wieder und wieder alle drei Mordfälle. Begonnen hatte alles Anfang der Woche.
Das erste Opfer war in einer Nebenstrasse mit aufgeschlitztem Bauch gefunden
worden. Kein Raubüberfall, denn die gut gefüllte Brieftasche war nicht angerührt
worden. Aber in den Augen des Mannes war ein unbeschreibliches Grauen gestanden.
Marten hatte noch nie einen Menschen gesehen, der auf solch qualvolle Weise
gestorben sein musste. Zwei
Tage später hatten sie das nächste Opfer aus dem Fluss gefischt. Dieser Mann
war mit Biss- und Kratzwunden übersät gewesen. Und auch in seinen
weitaufgerissenen Augen war jenes Grauen gestanden. Und nun war noch ein junger
Mann ums Leben gekommen. Offensichtlich hatte er Sex gehabt und danach war ihm
die Kehle zerfetzt worden. Aber wie? Und weshalb? Marten fand einfach keine
Antwort. Und Gerner ebensowenig. Allerdings waren sie beide der Meinung, dass es
ein und dieselbe Person gewesen war, die die drei Männer so zugerichtet hatte. Gerner
gähnte. "Du glaubst also auch, dass es eine Frau gewesen ist?" Marten
nickte. "Ich bin sogar überzeugt. Der Portier konnte sich
ja erinnern, dass der jungen Mann von einer aussergewöhnlich schönen
Frau in das Zimmer begleitet worden war. Aber er konnte sich nicht
erinnern, dass eine der beiden Personen das Motel wieder verlassen hatte."
"Tja, dazu war der arme Kerl wohl nicht mehr in der Lage. Ob er wohl guten
Sex gehabt hat?" Marten erwiderte trocken: "Und wenn es noch so gut
war, mit dem Leben bezahlen ist dann doch ein zu hoher Preis. Vor allem, wenn er
sein Leben auf diese Art und Weise lassen musste." Gerner stand auf.
"Und was machen wir jetzt? Warten, bis die Killerin wieder zuschlägt?"
"Nein. Wir beide ziehen jetzt durch die Nachtclubs und halten nach einer
aussergewöhnlich schönen Frau Ausschau. Genauer konnte sie der Portier ja
nicht beschreiben." "Na, so gefällt mir doch meine Arbeit!"
Marten runzelte die Stirn. Auch wenn er manchmal zuviel trank und wilde Parties
feierte, konnte er doch immer zwischen Vergnügen und Arbeit unterscheiden.
Gerner nicht. "Darf ich dich daran erinnern, dass wir im Dienst sind? Die
Sauftour holen wir ein andermal nach. Heute suchen wir eine psychopathische
Killerin, die Männer abschlachtet, klar?" 3 Xenia
hockte zusammengekauert und in ein grosses Badetuch gehüllt in einem Sessel.
Sie hatte mindestens eine Stunde lang heiss geduscht, aber sie fühlte sich noch
immer besudelt. Sie wusste nicht, was mit ihr geschah. Bisher hatte sie ein ganz
normales, ruhiges, beinahe langweiliges Leben geführt. Aber nun geschahen plötzlich
Dinge, die sie nicht verstand. Sie erinnerte sich nur noch daran, dass sie plötzlich
ganz furchtbare Schmerzen gehabt hatte. Dann muss sie ohnmächtig geworden sein.
Jedenfalls fehlte ihr jede Erinnerung an den Abend. Eigentlich hätte sie heute
Vorlesungen gehabt, aber sie fühlte sich so mies, dass sie geschwänzt hatte.
Das hatte sie bisher noch nie getan. Denn sie liebte ihr Studium über alles. Sie
hätte auch noch eine Verabredung mit Robert. Robert Beck war ihr Professor. Er
war noch sehr jung, sehr attraktiv und der heimliche Schwarm jeder Studentin. So
hatte auch Xenia nicht widerstehen können, als er sie vor zwei Wochen zum Essen
eingeladen hatte. Er wollte mit ihr über ein ganz spezielles Projekt sprechen.
Beck war sowas ähnliches wie der Abenteuerarchäologe
Indiana Jones. Mit dem einzigen Unterschied, dass er nie so haarsträubende
Abenteuer erlebte wie dieser. Becks Leidenschaft waren Mythen, Sagen und
Prophezeihungen. Er liebte es, sich in seiner Freizeit damit zu befassen. Vor
einiger Zeit hatte er eine Kiste mit geheimnisvollen Gegenständen aus einer
versunkenen Stadt erhalten und ausgerechnet sie, Xenia, darum gebeten, seine
Assistentin zu sein. Natürlich hatte sie mit Freuden zugesagt. So kam es, dass
sie beinahe ihre gesamte Freizeit mit Robert verbrachte. Sie liebte diese
Arbeit. Denn die diversen Gegenstände waren einfach einmalig und sehr wertvoll.
Ganz besonders hatte es ihr eine geschnitzte Jadestatuette angetan. Sie stellte
eine Frau dar -halb Mensch, halb Tiger- die als Königin einst grausam
geherrscht hatte. Laut der Sage war sie die Tochter eines mächtigen Dämons und
konnte sich deshalb in einen Tiger verwandeln. Xenia fühlte sich unerklärlich
stark zu dieser Figur hingezogen. Durch
die enge Zusammenarbeit waren sich Robert und Xenia sehr schnell nähergekommen.
Zwischen ihnen bestand eine extrem starke erotische Spannung. Und eines Nachts
war es geschehen. Die Atmosphäre zwischen ihnen war wie elektrisch aufgeladen
gewesen. Die Luft hatte förmlich
geknistert. Xenia wusste nicht mehr, wer die erste Bewegung auf den anderen
zugemacht hatte. Jedenfalls war sie plötzlich in Roberts Armen gelegen und wie
noch nie zuvor in ihrem Leben geküsst worden. Sie hatten beide so lange auf
diesen Augenblick gewartet, dass es ihnen nun nicht schnell genug gehen konnte.
Robert hatte sie hochgehoben und auf den Tisch gesetzt. Dann hatte er ihr mit
fahrigen Händen die Bluse geöffnet und sein Gesicht zwischen ihren Brüsten
vergraben. Ihre Hände hatten in seinen Haaren gewühlt, während er ihr auch
noch den BH ausgezogen und ihre Brüste mit Küssen bedeckt hatte. Wie im Fieber
hatte er ihren Namen geflüstert und sie hatte zur Antwort leise gestöhnt.
Seine Hände waren über ihren Körper und schliesslich unter ihren Rock
gewandert. Seine Finger waren ihren Beinen entlanggeglitten und hatten
schliesslich den Weg unter ihren Slip gefunden. Xenia hatte das Gefühl gehabt
zu explodieren. Mit Robert hatte sie definitiv den besten Sex in ihrem
bisherigen Leben gehabt. Als
sie wieder einigermassen klar denken konnte, war ihr Blick auf die Statuette der
Königin gefallen. Beinahe war es ihr so vorgekommen, als hätte die Jadefigur
Robert und sie die ganze Zeit über beobachtet. Was natürlich Unsinn war. Aber
als Xenia nun so zusammengekauert in ihrem Sessel sass, erinnerte sie sich
wieder daran. Damals hatte sie die Jadefigur nicht weiter beachtet, sie war viel
zu sehr mit Robert beschäftigt gewesen. Ob es vielleicht nicht doch möglich
war, dass der Tigerdämon etwas mit ihrem jetzigen Zustand zu tun hatte? Xenia
rechnete zurück. Ja, ihre Blackouts hatten erst begonnen, nachdem sie mit
Robert geschlafen hatte. In Gegenwart der Statuette. Hatte es etwas mit ihrem
Professor zu tun? Oder mit der Statuette? Beide Möglichkeiten waren absurd.
Aber sie musste trotzdem mit Beck darüber sprechen. Zehn
Minuten später stand Xenia vor der Haustür und starrte auf den leeren Platz,
wo eigentlich ihr Auto hätte stehen sollen. Auch das noch, jetzt war ihr Auto
gestohlen worden! Oder war das wieder so ein Blackout und sie wusste bloss nicht
mehr, wo sie es abgestellt hatte? Nun gut, sie würde sich später darum kümmern.
Jetzt musste sie zu Robert. Professor
Beck sass in seinem Arbeitszimmer an der Universität und übersetzte die
Inschrift auf einer Steintafel. Sie gehörte zu den Gegenständen, die er vor
einiger Zeit von einem Freund erhalten hatte. Es war schwieriger als er gedacht
hatte. Die Schrift war eindeutig Sanskrit, aber obwohl er damit normalerweise
keinerlei Probleme hatte, war es ihm beinahe unmöglich, die Schriftzeichen zu
entziffern. Immerhin hatte er bis jetzt herausgefunden, dass es sich um eine
Prophezeiung handeln musste. Seufzend lehnte er sich zurück und blickte auf die
Uhr. Xenia war noch immer nicht aufgetaucht. Wo sie wohl blieb? Sie war schon
nicht zu den Vorlesungen erschienen und das war ja nun mehr als ungewöhnlich für
sie. Allmählich begann sich Robert Sorgen zu machen. Er wollte gerade zum
Telephon greifen, als sich die Tür öffnete und Xenia hereintrat. Es war
unglaublich, Xenia hätte wahrscheinlich einen Kartoffelsack tragen können und
hätte noch immer jede Schönheitskönigin in den Schatten gestellt. Sie stürmte
geradewegs auf ihn zu und warf sich in seine Arme. Das war nun etwas ganz und
gar untypisches für diese Frau, denn normalerweise war sie absolut kühl und
nicht aus der Fassung zu bringen. Robert war erschrocken, denn was er in Xenias
Augen las, war eindeutig Panik. Er setzte sie behutsam auf einen Stuhl.
"Xenia! Was ist passiert? Du bist ja ganz aufgelöst!" Xenia holte
zitternd Luft. Auf dem Weg zur Uni hatten die Schmerzen wieder angefangen, dann
aber wieder nachgelassen. In ihrem Kopf pochte es noch immer."Robert, bitte
hilf mir! Ich weiss weder ein noch aus. Ich habe unerklärliche Schmerzen im
ganzen Körper und ich weiss nicht mehr, wo ich war und was ich getan
habe....." Beck legte ihr beruhigend die Hand auf die Schulter. "Ganz
ruhig. Seit wann hast du diese Schmerzen? Und was für eine Art Schmerz ist
es?" Xenias Stimme war nur noch ein Flüstern, als sie antwortete: "Es
sind Krämpfe und Kopfschmerzen. Und das, seit....naja, seit etwa zwei Wochen.
Robert, ich habe unerklärliche Blackouts. Glaubst du, ich könnte schizophren
sein?" Beck zögerte mit der Antwort. "Ich weiss nicht. Gab es in
deiner Verwandtschaft denn jemals einen Fall von Schizophrenie?"
"Nicht das ich wüsste." Ohne Vorwarnung krümmte sie sich und kippte
vom Stuhl. Erschrocken sprang Beck zu ihr. "Xenia! Um Himmelswillen, was
ist mit dir?" Die Schmerzen waren so heftig, dass Xenia nicht antworten
konnte. "Ich hole dir etwas Wasser, ja? Rühr dich nicht, ich bin gleich
wieder da." Aber Xenia hörte Roberts Stimme gar nicht. Denn in ihr
erwachte bereits wieder das Raubtier. Als sie sich aufrichtete, war sie nicht
mehr Xenia, sondern eine Bestie, die noch eine menschliche Gestalt hatte. Sie würde
nie mehr Xenia sein. Von diesem Moment an war sie Radha, wiedergeboren durch den
Willen des Schicksals, befreit aus ihrem jahrhundertealten Gefängnis. Ihr Blick
fiel auf die Statuette der Tigerfrau und ein zufriedenes Lächeln lag auf ihren
Lippen. "Ja", flüsterte sie, "ich bin wieder da. Und nichts und
niemand kann mich aufhalten." 4 Gerner
und Marten nahmen sich als erstes die Nachtclubs in dem Gebiet
vor, wo das letzte Opfer gefunden worden war. Und es schien, als hätten
sie Glück. Als sie den Barkeeper nach einer aussergewöhnlich schönen Frau
fragten, erinnerte sich dieser.
Aber er war misstrauisch. "Weshalb wollt ihr das wissen? Ihr seid doch
Bullen, nicht?" Marten nickte. "Ja. Aber vegiss mal kurz deinen
Abneigung gegen uns. Gestern war eine junge, aussergewöhnlich schöne Frau in
der Gegend. Wahrscheinlich hat sie irgendwo 'nen Mann aufgegabelt und ist dann
mit ihm abgezogen." "Und? Ist das verboten?" "Im Prinzip
nicht. Aber wenn wenig später ein junger Mann tot aufgefunden wird und der
Portier erinnert sich nur noch an eine wunderschöne Frau, dann wird die Sache
verdächtig. Findest du nicht auch?" Marten legte ein Bild des Toten auf
den Tresen. "Schau dir den Jungen genau an. War er hier?" Der
Barkeeper warf einen Blick auf das Bild des grausam zugerichteten Opfers.
"Wer tut denn so etwas?" Gerner seufzte genervt und Marten warf ihm
einen warnenden Blick zu. "Das versuchen wir ja herauszufinden. Also, war
er hier oder nicht?" "Ja, er war hier. Und er ist mit 'nem verdammt hübschen
Mädchen abgezogen. Die Jungs hier drin waren ganz schön eifersüchtig."
"Kannst du die Frau beschreiben?" "Klar, sowas Schönes vergisst
man nicht so schnell. Sie ist vielleicht so Anfang zwanzig, mittelgross, hat
schulterlanges schwarzes Haar und knallgrüne Augen. Ach ja, sie trug ein langes
schwarzes Kleid mit Schlitz. Und sie war verdammt gut gebaut. Da ging dir glatt
das Messer in der Hose auf!" "Danke, du hast uns
sehr geholfen." "Keine Ursache." Marten wollte sich schon
umdrehen und gehen, als ihn der
Barkeeper zurückhielt. "Falls es dich interessiert, ihr Auto steht da
draussen. Sie ist noch nicht wiedergekommen." Marten hob erstaunt eine
Augenbraue. "Die rote Klapperkiste da draussen gehört dem Mädchen?"
vergewisserte er sich. Der Barkeeper nickte. "Wenn ich es doch sage."
"Gerner, wir gehen. Es gibt viel zu tun." Als
Robert mit einem Glas Wasser zurückkam, räkelte sich Xenia leicht bekleidet
auf seinem Schreibtisch. Erstaunt blieb er stehen. "Xenia? Geht's dir
gut?" "Natürlich Liebling. Ich habe mich nie besser gefühlt."
Der Professor verstand die Welt nicht mehr. "Aber gerade noch vor drei
Minuten..." "Vergiss was vorher war. Komm schon her, ich will dich
jetzt." schnurrte Xenia verführerisch. Langsam ging er auf sie zu.
"Bist du sicher? Irgendwie bist du so... anders." "Ich weiss. Das
soll auch so sein." Ihre Augen begannen zu glühen. "Komm her, ich
brauche dich jetzt!" Als Robert keine Anstalten machte, sich zu bewegen,
stand sie auf und küsste ihn heftig. Als er nicht darauf reagierte, hob sie den
Kopf und schaute ihm in die Augen. "Was ist mit dir, magst du mich etwa
nicht mehr? Bin ich dir nicht schön genug?" "Nein, das ist es nicht.
Nur, vorhin warst du ganz aufgelöst und jetzt denkst du nur an das Eine. Das verstehe ich nicht
ganz." Xenia lächelte mit halb geschlossenen Augen. "Das braucht dich
nicht zu kümmern. Überlasse dich einfach mir." Sie küsste ihn wieder und
machte sich an seinem Hemd zu schaffen. Robert hielt ihre Hände fest.
"Xenia, lass das. Nachdem was du mir erzählt hast, könnte das wieder
einer deiner Anfälle sein." Abrupt liess Xenia von ihm ab und zog sich an.
"Wenn du nicht willst, dein Pech. Ich finde schon jemanden, der es mir
besorgt." Hoch erhobenen Hauptes stolzierte sie zur Tür. Bevor sie den
Raum verliess, drehte sie sich noch einmal um und sagte: "Ach übrigens, du
warst gar nicht so gut wie ich dir weismachte. Du bist sogar ganz
gewaltig unter dem Durchschnitt." Wie vor den Kopf geschlagen blieb Beck
stehen. Das war nicht die Xenia, die er kannte. Seine Xenia wurde nie vulgär.
Irgendetwas stimmte da nicht. Er musste herausfinden, was es war. Er schnappte
seine Jacke und rannte ihr hinterher. Xenia
war wie ein Wirbelwind aus dem Unigebäude gestürmt und im Handumdrehen in der
Dunkelheit verschwunden. Die Bestie in ihr trieb sie wieder in eine
heruntergekommene Gegend. Sie war den ganzen Weg gerannt, aber sie atmete noch
nicht einmal schneller. Obwohl sie heute nicht aufreizend gekleidet war, folgten
ihr viele Blicke. Eine Frau, die um diese Zeit in dieser Gegend herumspazierte,
war eben etwas Besonderes. Vor allem, wenn sie noch dazu so aussah wie Xenia.
Sie betrat eine Bar und wieder zog sie alle Blicke auf sich. Der Dämon in Xenia
sorgte dafür. Wie auch schon in der letzten Nacht suchte sie sich einen
gutaussehenden jungen Mann aus und verliess wenig später die Bar mit ihm. Er
wollte sie schon zu einem Stundenhotel führen, aber sie hielt ihn zurück.
"Lass es uns in einem dunklen Hinterhof machen. Das ist doch viel
aufregender, findest du nicht auch?" Der junge Mann grinste sie unverschämt
an. "Mit dir würde ich es sogar auf offener Strasse tun." Xenia schürzte
die Lippen. "Noch nicht. Dazu ist die Zeit noch nicht reif." Der Junge
verstand zwar nicht, was sie damit meinte, aber es kümmerte ihn auch herzlich
wenig. Sein Verstand hatte sich ausgeschaltet, wie das bei Männern in solchen
Situationen üblich war. Xenia bugsierte ihn in den nächsten Hinterhof und
presste ihn gegen die Hauswand. Ohne lange zu zögern zeriss sie sein T-shirt
und saugte an seinen Brustwarzen, während ihre Finger sich schon an den Knöpfen
seiner Hose zu schaffen machten. Der junge Mann stand in Flammen. Xenia glitt an
seinem Körper hoch und liess ihre Zunge in seinem Ohr spielen. Mit heiserer
Stimme flüsterte sie: "Glaub mir, den heutigen Abend wirst du nie
vergessen." In Gedanken fügte sie hinzu: "Wenn du ihn überlebst."
Endlich hatte sie seine Hose geöffnet und liess sich langsam auf die Knie
sinken. Der Mann über ihr stöhnte, als sie sein Glied gekonnt mit Zunge und
Lippen liebkoste. Ihre Hände strichen über seinen Oberkörper und
hinterliessen dünne Kratzspuren. Er bemerkte es nicht einmal. Sie wartete, bis
er kurz vor seinem Orgasmus war... und biss zu. Aus dem Lustschrei wurde ein
unmenschlicher, schriller Schmerzensschrei. Aus der Frau war wieder eine Bestie
geworden, für die es mit ihrem messerscharfen Gebiss ein leichtes war, den Mann
zu kastrieren. Nachdem sie ihre Beute verschlungen hatte, warf sie einen abschätzigen
Blick auf ihr Opfer. Vor den mit Grauen erfüllten Augen des Mannes verwandelte
sie sich in einen Tiger und verschwand mit geschmeidigen Sätzen in der
Dunkelheit. Obwohl
Professor Beck dicht hinter Xenia das Gebäude verlassen hatte, konnte er sie
nicht mehr finden. Sie war verschwunden. Ratlos fuhr er sich mit gespreizten
Fingern durch die Haare. Was ging hier vor sich? Langsam drehte er sich um und
ging zurück in sein Büro. Irgendetwas störte ihn an Xenia. Etwas war anders
an ihr gewesen... Ihre Augen! Sie hatten in einem unheimlichen Grün geleuchtet!
Das war doch nicht normal! Beck war ein sehr realistischer Mensch, der nicht an
Übersinnliches glaubte. Aber in diesem Falle... Er wollte auf jeden Fall mit
seinem Kollegen für Parapsychologie sprechen, vielleicht Gerner
und Marten waren wieder im Präsidium. Das verdächtige Fahrzeug wurde nun rund
um die Uhr bewacht und sie hatten den Computer mit der Autonummer gefüttert.
Aber es schien doch eine Fehlanzeige zu sein. Gerner seufzte. "Fassen wir
zusammen: Der Wagen gehört einer Xenia Sanders. Studentin an der hiesigen
Universität, keine Vorstrafen. Ihr Auto wurde nicht als gestohlen gemeldet. Und
wieder sitzen wir in einer Sackgasse." Marten zündete sich eine Zigarette
an. "Was machen wir jetzt? Warten, bis sie wieder zuschlägt? Sie mordet
nach keinem erkennbaren System. Das Einzige, was die Opfer gemeinsam haben, ist
dass sie männlich, jung und gutaussehend sind. Naja, der letzte Punkt ist
relativ." Er stiess den Rauch aus und sah ihm nach. Nachdenklich murmelte
er: "Xenia Sanders. Irgendwoher kenne ich diesen Namen." Er nahm einen
weiteren Zug. "Natürlich, Xenia!" Vor Aufregung verschluckte er sich
und bekam einen Hustenanfall. Gerner klopfte ihm auf den Rücken und bemerkte
trocken: "Man sollte nicht rauchen, wenn man es nicht kann. Kennst du diese
Xenia etwa?" Marten nickte. "Ja. Vor ein paar Monaten am Stadtfest
habe ich ein Mädchen namens Xenia kennengelernt. Wir trafen uns nur etwa drei-
bis viermal. So One-Night-Stand mässig, du verstehst?" Gerner grinste
vielsagend. Marten fuhr fort: "Sie war bildhübsch; schwarze Haare, grüne
Augen. Wir haben uns dann nicht mehr getroffen. Ich weiss nicht genau, warum.
Hat sich einfach so ergeben. Allerdings hatte ich nie den Eindruck, einer irren
Killerin gegenüberzustehen. Obwohl man das den Menschen nicht ansieht,
richtig?" Marten schüttelte ungläubig den Kopf. In diesem Augenblick
klingelte das Telephon. Marten meldete sich, lauschte einen Moment und hängte
wieder ein. "Sie hat wieder zugeschlagen. Los Gerner, gehen wir." Auf
der Fahrt zum Tatort frage Gerner: "Was ist diesmal passiert?"
"Sie haben ihn in einem Hinterhof gefunden. Anwohner haben Schreie gehört
und darauf die Polizei verständigt. Als die Jungs angekommen sind, hat er noch
gelebt. Aber nicht mehr lange. Er ist ihnen unter den Händen weg
verblutet." "Verblutet? Wie das?" "Nun, sie hat ihm den
Schwanz abgebissen." Gerner wurde bleich. Er sagte nichts mehr, was in dem
Moment auch nicht nötig war, denn sie waren am Tatort angekommen und Marten
sprang aus dem Wagen. Blaulicht zuckte und Polizisten eilten geschäftig hin und
her. Der Kommissar gesellte sich zum Polizeiarzt. "Nun Doc, haben sie schon
etwas herausgefunden?" "Marten, so langsam sollten sie wissen, dass
ich ihnen genaue Angaben erst nach der Obduktion des Opfers machen kann. Aber
ich würde schon sagen, dass es dieselbe Person war,
die schon die anderen Männer umgebracht hat." Er hob das
Leichentuch etwas an, so dass Marten darunter blicken konnte. "Sehen sie?
Er wurde eindeutig durch einen Biss kastriert. Das weisst darauf hin, dass der Täter
oder die Täterin eine sehr starke Kiefermuskulatur hat. Allerdings ist das bei
einem Menschen eher unwahrscheinlich, zumal der Biss sehr sauber ausgeführt
worden ist, vergleichbar mit einem Schnitt. Folglich müssen die Zähne
rasiermesserscharf sein und....." "Schon gut Doc, keine weiteren Ausführungen."
Marten war ziemlich blass um die Nasenspitze. "Noch etwas Kommissar. Fällt
ihnen nichts auf?" Marten schüttelte den Kopf. "Sollte?"
"Natürlich! Etwas fehlt doch, nicht wahr?" "Richtig! Wo ist sein
gutes Stück abgeblieben?" "Nun Kommissar Marten, das herauszufinden
ist wohl ihre Aufgabe." Gerner
hatte unterdessen die Zeugen befragt, allerdings war nichts brauchbares dabei
herausgekommen. Plötzlich drängelte sich eine schmutzige Gestalt zu Gerner
durch und zupfte ihn am Ärmel. "He tu, Polizist, ich hap was kesehn."
Leicht pikiert schaute Gerner in das vor Schmutz starrende Gesicht, das zu einem
alten Stadtstreicher gehörte. "Ach ja? Was denn?" "Ich lief halt
so rum und ta hap ich plötzlich wen schrein hörn und ta pin ich tann kleich
hinkelaufn und tann hap ich was kesehn ..." Gerner stoppte den Redefluss
des Alten und winkte Marten heran. "Scheint so, als hätten wir einen
Zeugen. Er will was gesehen haben." "Na dann schiess mal los."
Der Stadtstreicher räusperte sich gewichtig. "Also, ich lief ta so
rum....." Gerner unterbrach ihn. "Ja, das wissen wir bereits. Und was
hast du jetzt tatsächlich gesehen?" "ta war 'ne Frau, tie ist vor tem
da", er deutete auf die Gestalt unter dem Leichentuch, "hinkekniet und
hat was an seiner Hose kemacht und tann war sie plötzlich keine Frau mehr
sondern ein Tiger und hat kanz lange Zähne kehabt und kanz krosse Krallen
und..." "Sag mal, willst du uns verarschen? Das finde ich nicht
komisch und wenn du jetzt nicht sofort 'ne Fliege machst, dann..." Marten
stoppte Gerner mit einer knappen Handbewegung. "Lass ihn, ich will hören,
was er zu erzählen hat. Also, was war weiter?" Der Alte räusperte sich
wieder. "Ja, erst war sie 'ne Frau, tann war sie halb Tiger und tann war
sie kanz Tiger und ist tann da trüben mit 'nem Satz über die Mauer kesprungn
und verschwundn. Ja, so war's." "Und wie sah sie denn als Frau
aus?" "Sie hatte schwarze Haare und war schön." Marten
schmunzelte. "So,so. Vielen Dank, du hast uns sehr geholfen." Er
drehte sich um und ging mit Gerner zu seinem Wagen zurück. Gerner regte sich
ziemlich auf. "Klaubst tu tem Typen etwa? Ter war toch stockpesoffen und
schwachsinnig und..." "Und anscheinend ist seine Art zu sprechen
ansteckend." unterbrach ihn Marten. Dann schwieg er nachdenklich.
"Trotzdem. Er mag zwar etwas beschränkt sein, aber Kinder und
Schwachsinnige sagen immer die Wahrheit. Ausserdem vermissen wir etwas."
"Was denn?" Marten deutete auf die Leiche, die gerade abtransportiert
wurde. "Seinen Schwanz." Professor
Paul Rist war noch in seinem Büro beschäftigt, als Beck zu ihm kam. Rist war
ein älterer Herr mit schlohweissen Haaren und erstaunlich klaren, blauen Augen.
Er blickte auf, als Beck in sein Büro hereinstürzte. "Robert, was führt
dich zu mir? Komm, setz dich. Möchtest du einen Tee?" Beck setzte sich.
"Danke nein. Ich muss dringend mit dir sprechen. Es geht um eine meiner
Studentinnen, Xenia Sanders. Irgendetwas stimmt nicht mit ihr." Rist
schmunzelte. "Wenn sie krank sein sollte, bist du bei mir an der falschen
Adresse. Ich bin Professor für Parapsychologie, nicht Mediziner."
"Ich weiss. Aber ihr Verhalten ist weder medizinisch noch psychologisch zu
erklären. Ich denke, es könnte sein.... Ich meine, es hört sich verrückt an,
aber vielleicht...." Beck stockte. Rist sah ihn aufmunternd an. "Ja?
Sprich weiter." Beck holte tief Luft. "Nun ja, es wäre vielleicht möglich,
dass sie besessen ist." "Besessen? Wie kommst du auf die Idee?"
"Wir arbeiten zusammen an einer Lieferung, die ich erhalten habe. Seit
kurzem hat sie geistige Aussetzer. Sie weiss nicht mehr, was sie getan hat In
Mahlers Arbeitszimmer angekommen, betrachtete Rist jeden Gegenstand sehr
aufmerksam. Sein Gesicht verdüsterte sich zusehends. Beck lief nervös auf und
ab. Schliesslich hielt er es nicht mehr aus. "Und? Weisst du etwas?"
Rist räusperte sich. "Weisst du, woher diese ganzen Dinge sind?"
"Nicht genau. Mein Freund hat mir nur geschrieben, dass er eine versunkene
Stadt gefunden hätte mit Schätzen von unvorstellbarem Wert, eben diese
hier." Rist schüttelte ungläubig den Kopf. "Mein Gott Robert, du
bist doch Experte und weisst wirklich nicht, welche Stadt dein Freund entdeckt
hat?" "Paul bitte, spann mich doch nicht auf die Folter! Wenn ich es wüsste,
hätte ich dich wohl kaum um Rat gefragt." Professor Rist setzte sich.
"Hast du jemals etwas von Radha und ihrem sagenhaften Harem gehört?"
Beck lachte kurz auf. "Eine Frau und ein Harem? War sie etwa
lesbisch?" Rist seufzte. "Ich sehe, du hast tatsächlich noch nie von
ihr gehört. Na gut, ich werde dir ihre Geschichte erzählen." 5 Das
Bild war bizarr. Mitten in der Grossstadt schlich sich ein ausgewachsener Tiger
über Dächer und durch Hinterhöfe. Niemand sah die majestätische Raubkatze.
Sie suchte. Schliesslich hatte sie es gefunden und im Schutze der Dunkelheit
verwandelte sie sich in eine Frau. Xenia trat aus dem Schatten. Sie brauchte
ihren Wagen. Sie hatte eine Idee; eine kleine, schmutzige Phantasie. Sie wollte
Beck. Um jeden Preis. Sie stieg in ihr Auto und fuhr direkt zu Robert. Dass ihr
ein anderer Wagen folgte, bemerkte sie nicht. In
Becks Wohnung brannte Licht. Sehr gut, er war also noch wach. Als sie aus dem
Wagen stieg, begann es zu regnen. Ja, das passte. Das würde die Sache noch
etwas prickelnder machen. Sie blieb noch einen Moment im Regen stehen und
blickte zu dem erleuchteten Fenster hoch, ehe sie ihren
Schlüssel hervorkramte und die Eingangstür des Wohnblocks öffnete. Beck
lief in seiner Wohnung auf und ab und rauchte nervös eine Zigarette nach der
anderen. Die Geschichte, die ihm Rist erzählt hatte, war einfach unglaublich.
Nein, das konnte nicht sein. Wie hatte er sich nur dazu hinreissen lassen können,
Rist um Rat zu fragen? Und wie war er nur auf den hirnrissigen Gedanken
gekommen, dass Xenia besessen sein könnte? Absoluter Als
sie im Auto sassen, fragte er: "Wohin fahren wir eigentlich?"
"Auf den Sportplatz." "Wohin?" Xenia warf ihm einen
Seitenblick zu. "Du hast mich schon verstanden. Auf den Sportplatz."
"Und was willst du dort? Etwa joggen?" "Quatsch. Du wirst schon
sehen. Aber eines verspreche ich dir: Es wird dir gefallen." Mittlerweile
waren sie an ihrem Ziel angekommen. Aber Xenia fuhr nicht auf den Parkplatz,
sondern stellte das Auto mitten auf dem Fussballfeld ab. Robert musste lachen.
"Und jetzt?" "Steig aus." "Xenia, darf ich dich daran
erinnern, dass es regnet?" "Komm schon, so ein bisschen Regen wird
dich nicht umbringen. Steig aus!" Sie stieg aus und setzte sich auf die Kühlerhaube
des Wagens. Robert stellte sich vor sie hin und legte die Arme um ihre Taille.
"Und jetzt?" Xenia blickte aus halbgeschlossenen Augen zu ihm auf.
"Ich wollte es schon immer einmal bei Regen auf der Kühlerhaube meines
Autos machen." "Xenia, du bist verrückt. Aber ich liebe deine verrückten
Ideen." "Robert?" "Ja?" "Quatsch nicht so viel, küss
mich lieber!" "Dein Wunsch ist mit Befehl." Nach diesen Worten
gebrauchte er seinen Mund nicht mehr zum sprechen. Er wusste bessere Dinge damit
anzufangen. Was
das Paar nicht bemerkte, war der Wagen, der auf der Böschung stand. Er war
dunkel, nur ab und zu war das rote Glimmen einer Zigarette zu sehen. Gerner
starrte gebannt durch sein Nachtglas, während Marten ungerührt daneben sass
und rauchte. Gerner erstattete detaillierten und anschaulich formulierten
Bericht darüber, was er sah. "Und jetzt hat er ihr die Bluse geöffnet.
Eine weisse Bluse bei dem Regen! Oh Mann, da siehst du einfach alles und.... wow,
die trägt ja keinen BH! Jaaa, kommt schon, ich will auch was sehen. Oh, oh, oh
und jetzt schiebt er ihr den Rock hoch! Waaahnsinn, sie trägt ja auch kein Höschen!"
Ohne das Glas von den Augen zu nehmen fragte er Marten: "Du warst tatsächlich
mal mit dieser Mieze zusammen?" Marten
nuschelte etwas, das wohl eine Zustimmung war. Gerner war begeistert.
"Absoluter Wahnsinn, Mann. Die Kleine ist so heiss, dass der Regen auf
ihrer Haut glatt verdampft!" Unwillig
riss Marten Gerner das Fernglas aus der Hand. "Hast du dich jetzt genug
aufgegeilt? Das hier ist keine Peep-show, sondern die Beschattung einer
potentiellen Serienmörderin. Was die hier mit ihrem Freund tut, geht uns im
Grunde genommen absolut nichts an, solange sie ihn nicht zerfleischt. Also lass
das! Und übrigens, dass ich zufälligerweise mal eine kurze Weile mit ihr
zusammen war, spielt keine Rolle, klar?" Gerner war beleidigt. Aber wenn
Marten mal in Rage war, hielt man am Besten den Mund und wartete ab, bis er sich
wieder beruhigt hatte. Xenia
liess sich nach Strich und Faden verwöhnen. Robert wusste ganz genau wie er sie
wo berühren musste, damit sie total scharf wurde. Seine Hand zwischen ihren
Beinen machte sie beinahe wahnsinnig. Sie presste sich an ihn und zerriss sein
Hemd. Ihre Lippen suchten seinen Hals. Und wieder überkam sie der Blutdurst.
Ihre Zähne wurden zu Reisszähnen, und aus ihrem Stöhnen wurde ein Knurren.
Sie ritzte Roberts Hals und leckte das hervortretende Blut genüsslich auf. Sie
wollte mehr. Aber eine Stimme in ihrem Kopf flüsterte: "Kontrolle ist
alles! Lass dich nicht zum Blutrausch hinreissen! Ein paar Tropfen Blut und dann
lass ihn. Du brauchst ihn noch. Er ist dein Sklave!"
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