Göttliches Selbst, Karma und "Ich"
copyright @ Durga, 2004 Den Göttlichen Funken, das Göttliche Selbst gibt es, einfach ausgedrückt, zweimal. Einmal gibt es es als Ganzes, Eines, Unteilbares Göttliches. Und ein zweites Mal gibt es ihn als Zersplittertes. In dieser zweiten Form existiert er in Grashalmen, Mülleimern, Menschen, Tieren, Hauswänden, Betonritzen, verfaulten Baumstämmen, Traumsequenzen, Sehnsüchten, Kinderbildern – die Aufzählung hier könnte unendlich weiter gehen. Es gibt nichts, was ich sehe, fühle, mir vorstellen oder auch nicht vorstellen kann, in dem der Göttliche Funke nicht existiert. Es existiert auch noch in dem, was wir – je nach Erziehung und Religion – „Böse“ zu nennen gelernt haben.
Dieser Text beschäftigt sich ausschliesslich mit der zweiten Form des Göttliches Selbst, des „Zersplitterten“.Das Göttliche Selbst will nach Hause, zurück zu sich selber, so, wie es eine jede Energie will. Diesen Weg zurück, nach Hause, ist der Weg, den wir „Karma“ nennen.
Karma ist der Weg des vereinzelten Göttlichen Selbsts zurück in das Ganze, Eine, Unteilbare. So hat jeder Grashalm, jedes Tier, jeder Mensch, jeder Traum, jede Sehnsucht sein Karma oder ist Teil eines solchen.
Jeder von uns, so er Wiedergeburt für möglich hält, denkt: “Ich habe mein Karma“, und geht davon aus, dass Karma eine individuelle, eine persönliche Geschichte ist/hat. Das ist auch richtig. Daran ist nichts falsch, ausser: wir sind, waren und werden sein von jeher in einem Netz, einem Geflecht. Mein persönliches Karma, in dieser Zeit, in der ich heute lebe, kann ich z. B. unmöglicht trennen von den Menschen, die mir nahe stehen (egal ob in schöner, guter, oder in unheilvoll erscheinenden Weise), von der Art und Weise, in der heutzutage mit Natur und Tier umgegangen wird, von den Kriegen, von denen ich weiss (und von denen, von denen ich nicht weiss) – und in einem solchen Geflecht war mein Göttliches Selbst immer, seit es zum ersten Mal beschlossen hat, sich zu inkarnieren. In einem Geflecht ähnlicher Art ist jeder Grashalm, jeder Stein, jeder Regenbogen. So ist es also eine Einschränkung und kann zu vollkommen verkehrten Schlussfolgerungen führen, wenn ich mein persönliches Schicksal, dass ich erleide, nur auf mich bezogen sehe und vor allem deute.
Dennoch werde ich in diesem Text, mit aller Vorsicht, genau das tun: von persönlichen individualistischen Standpunkt ausgehen und das Netz, die Auswirkungen des Netzes auf mich, auf das individuelle Schicksal, weitgehend ausser Acht lassen. Zu einem anderen Zeitpunkt werde ich darauf zurückkommen.
Ich sprach davon, dass das Göttliche Selbst zurück nach Hause, zum Ganzen will und strebt. Nun, eine jede Energie tut das, ohne Ausnahme. Wenn ich Gedanken, Wünsche, Sehnsüchte, Bedürfnisse, Taten, Worte in diese Welt setze, werden sie wirkungsvoll ihre Kreise ziehen nach dem Wunsch, den ich hineingelegt habe und schliesslich wieder zu mir zurückkehren – in diesem oder irgendeinem anderen Leben (es muss nicht das darauf folgende sein). Diese von mir in die Welt gesetzte Energie kehrt zu mir zurück, weil sie meine Energiesignatur trägt und zu dieser „heim“ will. So wird mir also zurückgegeben, was ich in die Welt setze, nicht zuallererst nach dem Prinzip der Vergeltung, obwohl es dieses auch gibt, sondern zuallererst nach dem Prinzip, dass zu mir zurückkommt, was zu mir gehört. Und was zu mir gehört, bestimme ich selber, in weiten Teilen meines Lebens: in diesem, der vorigen und der nachfolgenden. Aber nicht nur ich bestimme, was zu mir gehört, sondern auch die Hüter des Karmas. Sie beobachten, was ich in die Welt setze, sie verfolgen welche Kreise es zieht, welche Wirkung es auf Tier, Mensch und Umwelt hat und bewerten dieses. Und sie beobachten mich, meine Wünsche, mein Werden, mein Streben. Und in einen Leben, in dem mir dies für meine persönliche Entwicklung förderlich ist, oder ich kräftig genug bin um es zu verkraften, kehrt eine meiner eigenen, von mir ausgesandten Energien zurück zu mir um mich zu lehren, zu schulen, von mir sozusagen neu „programmiert“ zu werden, falls dies notwendig sein sollte, oder als Chance, die ich mir erworben habe und die jetzt hilfreich und nützlich ist für die Zeit in der ich lebe, die Menschen, mit denen ich zu tun habe und für das in mir wohnende Göttliche Selbst. |