"Je ne suis pas marxiste!"
![[Das Kapital]](daskapital2.jpg)
Ein Kapitel aus Dikigoros' Webseite
Daß Anhänger einer politischen Idee sich nach demjenigen benennen oder benannt werden, der sie sich (mutmaßlich) ausgedacht hat, ist ganz natürlich: Darwinisten, Marxisten, Leninisten, Trotzkisten, Stalinisten, Maoisten... (Warum schränkt Dikigoros das durch "mutmaßlich" ein? Weil da oft das gleiche gilt wie für die Religions-Stifter: Was die Christen aus der Lehre des Jusos, pardon des Jesus Christus gemacht haben, die Buddhisten aus der Buddhas, die Mohammedaner aus der Muhamads usw. entspricht in etwa dem, was die Darwinisten aus der Lehre Darwins gemacht haben - aber das hatten wir ja schon im vorigen Kapital, pardon Kapitel - oder die Marxisten aus der Lehre von Karl Marx.) Aber daß die Gegner einer Lehre ihren Schimpfnamen nach dem Hauptwerk ihres Verfassers erhalten haben, dürfte ziemlich einmalig sein in der Ideengeschichte. Oder könntet Ihr Euch vorstellen, liebe Leser, daß die Gegner Darwins "Spezialisten" (bzw., nach dem deutschen Titel, "Artisten") genannt würden, die Gegner der Sklaven-Abolition "Tomisten", die Gegner Nietzsches "Willisten", die Gegner Rousseaus "Socialisten"? Ganz im Gegenteil - berufen sich heute doch gerade die Sozialisten vielfach auf Rousseaus "Contract social"! Dennoch beschimpfen die Marxisten ihre Gegner bis heute als "Kapitalisten" - und glaubt bitte nicht, daß dieser Ausdruck viel älter sei das Buch mit dem Titel "Das Kapital". Gewiß, man bezeichnet heute - im Anschluß an Marx - die Fugger und Welser (und andere Großkaufleute der frühen Neuzeit) als "Früh-Kapitalisten" - und das waren sie ja auch, denn sie setzten Kapital (und Kredit) ein, um Handel zu treiben. Doch Marx verstand "Kapital" und "Kapitalismus" in einem viel weiteren Sinne, und er konzentrierte sich vor allem auf die industrielle Produktion. Marx? Nun, Dikigoros hat schon an anderer Stelle geschrieben wen er für die (Mit-)Autoren von "Das Kapital" hält: der erste Band - der Mitte der 70er Jahre erschien - mag noch weitgehend von ihm selber stammen (obwohl er seit 1873 geistig mehr oder weniger weg getreten war; nach seinem "Nervenzusammenbruch" - hinter dem böse Zungen schlicht eine Säuferleber vermuten - dämmerte er jedenfalls die letzten zehn Jahre seines Lebens nur noch vor sich hin - aus jener Zeit, als er in deutschen und böhmischen Heilbädern kurte, stammt auch der Satz in der Titelzeile, denn "Marxisten" waren dort seit Bismarcks "Socialistengesetz" nicht gern gesehen); aber der zweite Band - der Mitte der 80er Jahre erschien - stammt von seinem Freund Friedrich Engels, und der dritte Band - der Mitte der 90er Jahre erschien - von seiner Tochter Eleanor ("Tussy"). Das fände Dikigoros an sich nicht weiter schlimm, da es ihm hier ja nicht um Autoren geht, sondern um bestimmte Bücher, zumal wenn sie nach den Notizen von Marx und in seinem Sinne geschrieben wurden. Doch leider waren Engels und Tussy nach dem dritten Band mit ihrem Latein, genauer gesagt mit ihrem Russisch am Ende, und deshalb blieb "Das Kapital" letztlich ein Fragment, denn gerade als es spannend zu werden verspricht, beim Verhältnis der "Klassen" - Grundeigentümer, Kapitaleigner und Lohnarbeiter (das "Humankapital", wie man heute sagt) - zueinander, bricht das Manuskript ab. Marx wollte dieses Thema anhand der Verhältnisse im Tsarenreich darstellen und hatte zu diesem Zweck Russisch gelernt; sein Freund und seine Tochter waren dafür zu faul (oder zu dumm :-), und so wurde halt nichts daraus, und das von Marx zusammen getragene Quellenmaterial blieb ungenutzt liegen - leider. Den vierten Band aber schrieb in den Jahren 1896-99 ein russischer Bewunderer Marxens, ein gewisser Wladímir Iljitsch Uljanów, unter dem Titel "Die Entwicklung des Kapitalismus in Rußland". Später, als er schon allgemein unter dem Namen "Lenin" bekannt war, benutzte er diese Lehre zur Begründung und Rechtfertigung seiner politischen Aktionen.
Dikigoros hat in der Einleitung zu dieser "Reise durch die Vergangenheit" geschrieben, daß "Das Kapital" ein schwierig zu lesendes und zu verstehendes wirtschafts-wissenschaftliches Werk sei. Aber der Wirtschaftskreislauf ist halt schwierig zu verstehen und darzustellen; vielleicht hat Marx - der sein Werk eigentlich "Kritik der politischen Ökonomie" nennen wollte - ihn sogar einfacher und besser beschrieben als andere vor ihm. Kein Zweifel, die damals - wie heute - herrschenden Theorien der Volkswirtschaft sind weitgehend fehlerhaft und unbrauchbar, ja widersinnig. Da wird der "Wohlstand" einer Volkwirtschaft am "Bruttosozialprodukt" oder am "Bruttoinlandsprodukt" gemessen, und er ist nach diesen Kriterien dann am höchsten, wenn durch Kriege, Naturkatastrofen o.ä. möglichst viele Zerstörungen angerichtet wurden, die es wieder zu beseitigen gilt. Oder ein ganz banales Beispiel aus dem Alltag: Ein Verkehrsunfall mit Blechschaden steigert das "Bruttosozialprodukt", weil ja die Reparatur-Werkstatt daran verdient; und einer mit Totalschaden steigert es noch mehr, weil ja dann die Autofirma gleich ein ganzes neues Auto (nicht nur ein paar Ersatzteile) verkaufen kann. Mit anderen Worten: Nicht auf die Produktion, sondern auf den Verbrauch kommt es nach dieser Theorie an; denn von einer unverkäuflichen Produktion "auf Halde" kann sich ja niemand etwas kaufen; Hauptsache, es wird ordentlich was verplempert, das ersetzt werden muß, dann "brummt der Motor" - deshalb ist ja auch das Allheilmittel, das die heutigen Gurus gegen die Wirtschaftskrise unisono empfehlen: "Die Verbraucher müssen mehr konsumieren!" (Als ob "die Verbraucher" nicht zugleich die Arbeiter und Arbeitslosen wären, denen es just dafür an genügend Einkommen fehlte :-) Noch ein Beispiel gefällig? Bitte sehr: Eine Erkrankung steigert das "Bruttosozialprodukt", weil ja die Ärzte und Apotheker daran verdienen; und eine schwere Erkrankung mit Aufenthalt im Krankenhaus steigert es noch mehr, weil ja dann auch die Betreiber des letzteren mit verdienen - und das nicht zu knapp. (Dagegen würde eine gesunde Lebensweise nichts zum "Bruttosozialprodukt" beitragen - im Gegenteil: Die Produzenten von Spirituosen, Tabakwaren und kalorienreichem Junk-food würden vermutlich Umsatzeinbußen und Arbeitsplatzverluste beklagen.) Aber steigert das tatsächlich den "Reichtum" einer Gesellschaft? Wohl kaum. (Und doch gelten diejenigen Gesellschaften als "arm", wo die Kinder - durch deren Noch-vorhanden-sein sie sich zumeist auszeichnen - zu Fuß zur Schule gehen - womöglich gar barfuß und nicht alle für 13 Jahre - und die Erwachsenen mit dem Fahrrad zur Arbeit - und zum nächsten Briefkasten - fahren statt mit dem Auto, wo die Menschen noch von Angesicht zu Angesicht mit einander sprechen müssen, weil nicht jeder ein Handy hat, wo sie noch selber singen und musizieren müssen, weil sich nicht jeder eine Stereoanlage leisten kann, wo man wegen frischen Wassers umständlich zum Brunnen oder gar bis zum nächsten Bach laufen muß, statt einfach nur den Wasserhahn aufzudrehen, damit es gut gechlort aus dem Bleirohr kommt, und wo Produkte aus dem eigenen Garten oder vom Bauernhof nebenan auf den Mittagstisch kommen, ohne zuvor den Umweg über die Konservenfabrik, die Tiefkühltruhe und/oder die Mikrowelle genommen zu haben, wo es nach Kuhmist stinkt statt nach Abgasen und Chemikalien duftet, wo man noch ärmlich zuhause, im Kreise der Familie, sterben muß statt first class im Einbettzimmer eines schicken Alters- oder Pflegeheims.) Soll Euch Dikigoros sein persönliches Credo verraten? Eine reiche Gesellschaft ist die, in der die Ärzte und Apotheker, die Rechtsanwälte und Steuerberater, die Banker und Anlageberater arm sind!
Aber das ist ja nicht die einzige Ungereimtheit unserer "Wirtschafts-Wissenschaften". Als Dikigoros vor langer Zeit seine Pflichtvorlesung in dieser Disziplin besuchte, die Juristen damals absolvieren mußten, lernte er, daß es verschiedene "Wirtschafts-Sektoren" zu unterscheiden gelte: der "primäre" sei die Land- und Forstwirtschaft, der "sekundäre" Bergbau, Gewerbe und Industrie, der "tertiäre" die "Dienstleistungen". (An dieser Lehre hat sich bis heute nichts verändert, außer daß man jetzt "terziär" schreibt :-) Das ist alles Haarspalterei, liebe Leser, denn letztlich läuft jeder dieser "Sektoren" gleichermaßen auf eine "Dienstleistung" hinaus, nämlich den Einsatz (und die "Ausbeutung" - ein Ausdruck, der ebenso neutral zu verstehen ist wie die "Ausbeutung" eines Bergwerks) der Arbeitskraft, sei es zum Abbau von Erzen oder Kohle, zum Fällen und Zersägen von Bäumen, zum Säen und Ernten von Getreide und anderen Feldfrüchten, zum Herstellen und Bedienen eines Werkzeugs oder einer Maschine usw.; das hat Marx schon richtig erkannt.
Aber welche Theorie setzt Marx nun dagegen? Ganz einfach: Der Kapitalgeber (Fabrikant, Eigentümer der Produktionsmittel) läßt den Arbeiter Rohstoffe verarbeiten, die er zuvor für einen bestimmten Betrag erworben hat. Durch die Bearbeitung wird das Produkt mehr wert als der Ausgangsstoff und kann zu einem höheren Preis verkauft werden. Dieser Verkaufspreis abzüglich des Einkaufspreises und der Lohnkosten stellt den "Mehrwert" dar, den Profit, um den der Arbeiter "ausgebeutet" und der Kapitalist bereichert wird. So einfach? Oder doch zu einfach? Nein, Marx verfeinert diese These natürlich noch: Ihm ist durchaus klar, daß ja noch die Kosten für die Kapitalaufnahme bzw. -vorhaltung hinzu kommen, ferner für die Distribution, vor allem den Transport von der Fabrik zum Verkaufsort usw. Das stört ihn auch gar nicht weiter, solange der Profit in neue Arbeitsplätze investiert wird. (Kommt Euch diese Diskussion modern vor, liebe Kinder des 20. Jahrhunderts? Das sollte sie auch!) Das ist nun aber, wie Marx feststellt, durchaus nicht der Fall. Vielmehr investieren die Kapitalisten ihre Gewinne statt in eine Vermehrung der Arbeitsplätze in - Maschinen. Und diese Maschinen nehmen nun ganz im Gegenteil den Arbeitern ihre Arbeitsplätze weg. - Wirklich? Entstehen nicht für den Wegfall der primitiven Arbeit, die genauso gut - oder besser - von einer Maschine verrichtet werden kann, neue, anspruchsvollere - und besser bezahlte - Arbeitsplätze etwa im Maschinenbau? Ja, schon, meint Marx, aber nicht annähernd so viele, wie zuvor weg gefallen sind: Selbst wenn eine Maschine soviel kostet wie das Jahresgehalt von 50 Arbeitern (die Zahl stammt von Marx, nicht von Dikigoros), die dafür entlassen werden, so hält die Maschine doch länger, sagen wir 12 Jahre; und selbst wenn der Ingenieur, der sie gebaut hat, dreimal soviel verdient wie der entlassene Arbeiter zuvor, so spart der Kapitalist, auf 12 Jahre gesehen, doch drei Viertel der Lohnkosten ein, oder umgekehrt: Statt 50 ungelernter Arbeiter, die entlassen werden, braucht man nur vier Maschinenbau-Ingenieure zu bezahlen.
Ist diese Entwicklung zwangsläufig? So sah es Marx, aber wir heutigen sind natürlich klüger: Maschinen müssen ja nicht nur von Menschen konstruiert werden, sondern auch bedient, überwacht, gewartet, repariert - je nachdem wie kompliziert, anfällig usw. sie sind. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts sehen wir zumindest teilweise eine gegenläufige Entwicklung: Da gewisse Produktions-Maschinen (und ihre "Software") immer komplizierter geworden sind - und ihre Bedienung durch hoch qualifizierte Spezialisten immer teurer -, kehren manche Kapitalisten wieder dazu zurück, die Produktion durch Billiglohnkräfte erledigen zu lassen statt durch Maschinen, und zwar - die "Globalisierung" machts möglich - vorzugsweise in Ländern der so genannten "Dritten Welt". (Welch ein Glück, daß nach dem Zweiten Weltkrieg all die unnützen, kostspieligen Kolonien in die Unabhängigkeit ent-lassen und damit sich selbst, d.h. ihren unfähigen, korrupten eigenen Herrschern über-lassen - sprich ausgeliefert - wurden, die sie in Armut hielten, daß die Holländer den Krieg um Indonesien, die National-Chinesen den um ihr Festland, die Franzosen den um Indochina und die Amerikaner den um Vietnam verloren haben! Nicht auszudenken, wenn es dort heute funktionierende kapitalistische Wirtschaftssysteme mit Arbeitslöhnen etwa wie in Japan gäbe - wo sollten die Holländer, Franzosen und Amerikaner dann noch billig produzieren?) Nicht wahr, Autoteile von so ein paar blöden Kulis am Fließband "assemblieren" zu lassen, kommt viel billiger, als das durch teure, computer-gesteuerte Roboter machen zu lassen. Wenn die ausfallen, müssen die erst lange und kostspielig repariert werden; wenn ein Kuli ausfällt, wirft man ihn einfach hinaus und nimmt den nächsten, der schon am Werkstor wartet, basta. (Die Arbeitsbedingungen in einigen Ländern der "Dritten Welt" sind heute schlimmer als Mitte des 19. Jahrhunderts die von Marx beschriebenen in Europa.) Die Transportkosten zu den Verbraucher-Märkten? Ebenfalls nur Peanuts, denn auch die Schiffe, auf denen die Ware transportiert wird, sind von Billiglohnkräften gebaut worden; die Besatzungen bestehen aus irgendwelchen ungelernten Fijis, und wenn die Pötte absaufen, sind sie gut versichert. Wenn sie nicht absaufen, werden sie im Ankunftshafen - ganz legal - von Billiglohnkräften aus Osteuropa gelöscht, die auch nicht viel mehr kosten als die Kulis aus Süd-, Ost- oder Südostasien. Nein, Dikigoros schreibt bewußt nicht Lohn-"Sklaven", denn Sklaven kämen teurer - aber das hatten wir ja schon im Kapitel über "Onkel Toms Hütte". Habt Ihr Euch eigentlich schon mal Gedanken gemacht, liebe Leser, wie brennend aktuell Marx bzw. "Das Kapital" heute wieder ist, gerade jetzt, da seine Lehren "endgültig gescheitert" zu sein scheinen?
Aber fragen wir, was da gescheitert ist und wie es dazu kommen konnte. Was versteht Ihr, liebe jüngere und ältere Leser, unter "Marxismus"? "Die Diktatur des Proletariats"? Ja, das klingt schlecht, viel schlechter als etwa "Die Demokratie des Proletariats"; aber das sollte Euch nicht darüber hinweg täuschen, daß beides nur Fiktionen sind. Herrschaft kann in der Praxis immer nur die von wenigen über viele sein, sei es von einem Königshaus, einer Adels- oder einer Partei-Clique, die sich als "Élite [Auserählte, Gewählte]" fühlen - wie immer diese "Wahlen" zustande kommen mögen. Aber die Frage ist doch nicht, wie diese Herrschaft zustande kommt, sondern wie weit sie reicht bzw. nach Ansicht von Marx & Co. reichen sollte. Als brave Demokraten assoziieren wir den "real existierenden Sozialismus" - der sich ja auf Marxens Lehren berief - politisches Unterdrückungs-System, mangelnde Freiheit, kein Wahlrecht, willkürliche Justiz, Polizeistaat, Kriege, kurzum "Totalitarismus". Aber der letztere Begriff ist als Abgrenzungs-Kriterium ziemlich ungeeignet, denn die ach-so-liberalen "Demokratien" waren bei Licht besehen nicht weniger totalitär, haben nicht weniger Kriege (einschließlich Bürger- und Kolonialkriege) geführt als die "totalitären" (kommunistischen, fascistischen, national-sozialistischen) Regime; ihre Kriegs- und vor allem ihre Nachkriegs-Verbrechen waren sogar oft noch schlimmer. Nein, entscheidend dafür, daß sie sich am Ende durchsetzten, waren nicht politische, sondern ökonomische Gründe: Ihre Wirtschaft, insbesondere ihre Rüstungs-Wirtschaft war effizienter. Nicht wahr, es nutzte den Deutschen nichts, daß sie die besten Soldaten, Kanonen, Flugzeuge und Panzer hatten (für die es am Ende keine Munition und keinen Treibstoff mehr gab) - die Amerikaner produzierten einfach (oder zehnfach, oder hundertfach :-) mehr Kanonen, Flugzeuge und Panzer. Und es half den Sowjets nicht, daß sie den ersten Sputnik ins All schossen, den ersten Menschen in den Weltraum und die erste unbemannte Rakete zum Mond - die USA produzierten einfach mehr Waffensysteme, Kanonen und Butter - und vieles andere mehr, wonach die Menschen im Kommunismus gierten, denn der Mensch lebt nicht vom Brot allein, er will auch Kuchen, Westreisen, Westautos und viele andere schöne, wenngleich unnütze Dinge haben.
Exkurs. An diesem Widerspruch, an diesem Auseinanderklaffen von "vernünftigem" Denken und unvernünftigem Konsumverhalten ist der Kommunismus letztlich gescheitert; und das zeigt, daß seine Verwirklicher "Das Kapital" nicht mit der gebotenen Sorgfalt gelesen haben: Marx schreibt klipp und klar, daß der "Verkaufswert" einer Ware nicht an seinem objektiven Nutzen (ihrem "Gebrauchswert") gemessen wird, sondern an der Arbeitszeit, die dafür aufgewendet wird. (Eine Ware ist "vergegenständlichte menschliche Arbeit".) Wohl wahr: was kann es, "objektiv" gesehen, einem Moskowiter nutzen, zu MacDonalds zu gehen, um dort für einen Wochenlohn einen aus den USA importierten doppelten Cheeseburger mit fettigen Pommes, reichlich Ketchup und Mayo, einen großen Pappbecher voll zuckeriger Cola, ebensolchen Milchshake und eine lauwarme Apfeltasche zu verzehren? Mit einem Teller Borschtsch, ein paar Piroggen und einem Glas Kwas aus heimischer Produktion für ein paar Cent hätte er seiner Gesundheit und seinem Geldbeutel viel weniger geschadet - aber darauf nimmt besagter Moskowiter nun mal keine Rücksicht. Das gleiche gilt für Kleidung, Behausung, Fortbewegungsmittel usw. - und natürlich nicht nur in Moskau. Na klar, volkswirtschaftlich gesehen ist es "unvernünftig", ständig im Ausland Urlaub zu machen und dort Jahr für Jahr Milliarden an Devisen zu verplempern - als ob man sich an der heimischen Küste oder im heimischen Gebirge nicht ebenso gut erholen ("seine Arbeitskraft regenerieren") könnte! Drohte 1989 in der DDR irgend jemand zu verhungern? Natürlich nicht, trotz Bananenmangels. (In Rußland oder der Ukraïne schon eher - aber der Zusammenbruch des Sozialismus hat die Lage der Hungernden dort nicht verbessert, sondern oft noch verschlimmert.) Aber die Ossis wollten nicht mehr ständig an der bulgarischen Schwarzmeerküste urlauben oder an der Ostsee, sondern endlich mal am Ballermann auf Mallorca, mit Bananenshake und Bacardi! Und des Verbrauchers Willen ist sein Himmelreich - auch im "Arbeiter- und Bauern-Paradies". Exkurs Ende.
Was hat der "real-existierende Sozialiamus", der sich auf Marx beruft und auf die Pariser "Commune" von 1871 (erst mit der wurde die Bezeichnung "Kommunismus" allgemein bekannt - bis dahin kannte kaum jemand das "Kommunistische Manifest" oder seine[n] Verfasser -; auch die russischen Bolschewisten sollten sie ausdrücklich zu ihrem politischen Vorbild erklären), nun falsch gemacht? War es wirklich nur ein Mißverständnis, das durch sorgfältige Lektüre von "Das Kapital" hätte vermieden werden können? Nein, liebe Leser, so einfach ist es nicht, denn auch Marx war auf einem Auge blind - wie so viele Wirtschafts- und Gesellschafts-Theoretiker vor und nach ihm. Vermißt Ihr eigentlich nichts in seiner Aufzählung der "Klassen"? Grundeigentümer, Kapitalisten, Arbeiter? Da Dikigoros Asien schon erwähnt hat, will er hier kurz auf zwei große alte Kulturen eingehen, die in jüngster Zeit wirtschaftlich ziemlich auf den Hund gekommen sind, auch ohne Kommunismus (er meint also nicht Rot-China, darüber schreibt er an anderer Stelle), nämlich - Indien und Japan. Ja, erst in jüngster Zeit; aber die Ursachen liegen viel tiefer. Beide Länder hatten - und haben z.T. noch heute - ein Kastensystem. Nein, so etwas muß man nicht generell ablehnen, schon gar nicht, weil es einzelnen Individuen keinen Aufstieg über die Kastengrenzen hinaus ermöglicht. Aber so ein System kann insgesamt fehlerhaft sein, und Dikigoros meint, daß dies in beiden Länder der Fall war und ist. Schaut Euch doch bitte die Rangordnung einmal an und fragt Euch, wozu ihre Mitglieder im einzelnen gut sind (volkswirtschaftlich gesehen): Ganz oben die Priester, die zu den Göttern um Sonnenschein und Regen zur rechten Zeit am rechten Ort im rechten Umfang beten. Gewiß, ohne das geht es nicht, sonst gäbe es keine Ernten und nichts zu essen. An zweiter Stelle kommen die Krieger - gehen wir mal wohlwollend davon aus, daß die nicht in erster Linie dazu da sind, um fremde Äcker und Fabriken zu zerstören oder deren Erzeugnisse zu rauben, sondern um die eigenen vor eben diesem Schicksal zu bewahren - also zur Abschreckung; auch das mag notwendig sein. Ganz bestimmt notwendig ist die Kaste der Bauern, zu denen auch die Handwerker gehören (denn irgendwer muß ja auch den Pflug, das Joch für den Ochsen, die Mistgabel usw. herstellen); und wiewohl es traditionell natürlich keine "Fabriken" im heutigen Sinne gibt, würde man doch auch die Menschen, die dort arbeiten, zu der letzteren Kategorie zählen. Nein, nicht zur letzten - die kommt jetzt erst. Es sind - die Händler. (Nein, nicht die Inhaber von Tante-Emma-Läden, die ihren selber-produzierten Krempel, sei es Getreide, seien es Mistgabeln, vor Ort verkaufen, die zählen noch mit zur letzteren Kategorie), sondern diejenigen, die Produkte von anderen aufkaufen und an wieder andere verkaufen - natürlich mit Gewinn. Das ist ja nun wirklich die niedrigste Kategorie Menschen - oder? Als Dikigoros klein war, beschrieb ihm sein Vater - ein braver Beamter mit geringem Einkommen - den Wirtschaftskreislauf anhand des Sprichworts "Die dümmsten Bauern haben die größten Kartoffeln" mit den Worten: "Aber das hilft ihnen gar nichts; denn den Gewinn aus den Kartoffeln macht nicht der Bauer, der sich tagaus, tagein auf dem Feld abplackert, um sie zu ernten, sondern der Koofmich, der am Telefon einen Zentnersack Kartoffeln für 5.- Mark in A aufkauft und für 10.- Mark nach B weiter verkauft, und davon gleich ein paar tausend." Daß das unmoralisch war, leuchtete dem kleinen Niko damals ohne weiteres ein.
Bei den alten Indern und Japanern wäre das nicht möglich gewesen, da galten diese Händler wie gesagt als unterste Kategorie, wurden schlecht bezahlt und auch sonst behandelt wie der letzte Dreck. Und bei Marx? Da gab es diese "Klasse" gar nicht! Wozu auch? Hauptsache, die Produktion wird gut geplant und ausgeführt - "operativ", wie der Ossi sagte. Plansoll erfüllt. Aber wie konnte es dann dazu kommen, daß in einigen Ländern des Ostblocks am Ende Hunger herrschte, dazu noch in solchen, wo die Bodenschätze am reichsten und die Böden am fruchtbarsten waren? Tja, seht Ihr, liebe Leser, was Dikigoros da oben in einem Exkurs über die "Unvernunft" der Konsumenten geschrieben hat, war nur die halbe Wahrheit. Sie trifft auf Fälle zu, in denen zuviel Arbeit in eigentlich überflüssige Luxus-Artikel gesteckt wird, um die Nomenklatura, "die da oben", zu erfreuen, und darob nicht genug zu essen und anzuziehen für die anderen, "die da unten", bleibt. Aber so war es ja gar nicht in der Ex-Sowjet-Union: Da gab es vielmehr Produkte im Überfluß, trotz der paar Schmarotzer an der Staats- und Parteispitze, die es auch in den besten Familien und Staaten gibt. Aber die besten Ernten verfaulten Jahr für Jahr auf den Feldern; die besten Maschinen und andere Industrie-Erzeugnisse verrosteten und verrotteten in irgendwelchen Lagern (einige der besten Arbeiter - der Stirn und der Faust - übrigens auch); kurz, es war nur selten etwas zur rechten Zeit am rechten Ort, wo es seinen maximalen "Gebrauchswert" hätte entfalten können. Dikigoros hat bereits an anderer Stelle geschrieben, wie wert- und verdienstvoll die - ständig unterschätzte und mies gemachte - Arbeit der Distributoren ist, d.h. derjenigen, die wissen, wo gerade ein Zentnersack Kartoffeln nutzlos herum steht (und zu verfaulen droht, weshalb er nicht einmal 5.- DM wert ist), wo er gerade gebraucht wird (vielleicht um Menschen vor dem Hungertod zu retten, weshalb er viel mehr als 10.- DM wert ist), und wie man ihn rechtzeitig dorthin bekommt. Diese Organisationsleistung des "Zwischenhändlers" ist ihr Geld allemal wert, auch wenn er sich dabei weder die Hände schmutzig noch den Rücken krumm macht, sondern "nur" am Telefon sitzt, Zigaretten raucht und Bier trinkt - übrigens "objektiv" gesehen eine weit ungesündere und "stressigere" Tätigkeit als die des Bauern (der sich auf dem Felde an der frischen Luft bewegt), die schon deshalb einen "Aufschlag" verdient. Seht Ihr, das haben Marx und die, die sich auf ihn beriefen, nie verstanden, und weil sie diese "Klasse" vernachlässigt, ja schlicht übersehen haben, waren sie letztlich zum Scheitern verurteilt. (Insofern ist das Zitat in der dritten und vierten Zeile der Überschrift - das Dikigoros nur deshalb dorthin gesetzt hat, um etwaige Schmalspur-Marxisten zu ärgern, die sich auf diese Seite verirrt haben könnten - schlicht falsch. Richtig müßte es heißen: "Kapitalismus ist die erfolgreiche Verteilung von Gütern, die Wohlstand erzeugt; Marxismus ist die mangelhafte Verteilung von Gütern, die Armut erzeugt." Aber das klingt nicht so schön griffig und wäre einigen Vereinfachern wohl auch zu kompliziert.)
Aber fragen wir doch noch einmal anders herum: Muß "Kapitalismus" eigentlich notwendigerweise schlecht sein? Ist das, was wir heute sehen, wirklich eine Krise des Kapitalismus? Muß er wirklich zur "Ausbeutung" des Fabrikarbeiters führen, ohne ihn objektiv reicher zu machen? Pardon, liebe Marxisten, es gibt doch genügend Gegenbeispiele. Wie Henry Ford, das Musterbeispiel eines Privatunternehmers und "Manchester-Kapitalisten", autoritär bis auf die Knochen, zu allem Überfluß auch noch ein Freund der Deutschen und ein Feind der Juden (weshalb seine Bücher heute auch vergessen sind). Ja aber - er tat auch etwas für seine Arbeiter. Die von ihm gezahlten Löhne waren mehr als doppelt so hoch wie die im Landesdurchschnitt der USA gezahlten; und er tat auch noch etwas, um den Konsum anzukurbeln - im wahrsten Sinne des Wortes, denn die damaligen Autos hatten noch keinen automatischen Anlasser, sondern mußten vor dem Start angekurbelt werden; und Ford sorgte dafür, daß sich seine Arbeiter alle ein Auto leisten konnten, zu günstigen Konditionen, auf Pump, zum Abstottern. Und die böse, böse Fließband-Arbeit? "Entfremdete" die den Arbeiter nicht von seinem Produkt? Welch ein Blödsinn: Er sah doch, wie vor seinen Augen ein Auto zusammen wuchs, und am Ende konnte er selber eines seiner Produkte kaufen! Nein, Henry Ford hätte seine Produktion nicht nach Mexiko verlegt, weil die Löhne dort nur ein Bruchteil betrugen - das sollten sich die heutigen Ford-Manager mal hinter die Ohren schreiben! Ach, Ihr meint heute, im Zeitalter der "Mitbestimmung", ginge es dem Fabrikarbeiter doch wohl besser als zu Zeiten Fords? Aber diese "Mitbestimmung" ist doch einen Dreck wert, liebe Leser, jedenfalls für die Arbeiter: Im Aufsichtsrat sitzen ja nicht ihre Vertreter, sondern irgendwelche Partei- und Gewerkschafts-Bonzen, die nur darauf achten, sich selber die Taschen zu füllen, statt dem "demokratischen" Vorstand auf die Finger zu schauen, um die Interessen der Arbeiter - und Aktionäre - zu wahren. Überhaupt sind die kleinen Aktionäre - die Geldgeber, die "Kapitalisten" - doch heutzutage die ärmsten Schweine und beinahe rechtlos: sie dürfen nur ihr Geld hergeben, und die Wahrscheinlichkeit, mit einer Aktie Gewinn zu machen, sind heuer verschwindend gering, denn zuerst füllen sich wie gesagt die Manager und "Aufsichtsräte" die Taschen, und wenn dann noch etwas Gewinn übrig bleibt, wird der nicht etwa ausgeschüttet (denn dann bekäme ja womöglich der Fiskus etwas davon ab), sondern "re-investiert" - aber nicht im Inland, sondern im Billiglohn-Ausland; und wenn es schief geht, wird der Verlust halt zuhause von der Steuer abgesetzt, und auf dem restlichen Schaden bleiben die Aktionäre sitzen, voilà.
Exkurs. Aber was wäre die Alternative? Im Inland investieren, indem man ausländische Arbeitskräfte herein holt? So machte man es früher - aber die vielen "Gastarbeiter", die nachher gar keine waren, sondern doch auf Dauer blieben, waren am Ende weder den linken Gewerkschaften recht - denn sie verdarben die Löhne - noch den Rechten, denn die fühlten sich "überfremdet" - und beide hatten ja nicht ganz Unrecht; das Experiment ist überall gescheitert, nicht nur in Deutschland, sondern auch in Holland, Frankreich und England, wo die massenhafte Zuwanderung aus fremden Kulturen gleichermaßen das Wirtschafts- und Sozialgefüge ruiniert hat. Und von den Folgen des Imports von Negersklaven aus Afrika nach Amerika - die Marx im Kapitel "Maschinerie" geißelt - braucht Dikigoros an dieser Stelle ja nichts mehr zu schreiben. (Außerdem kann auch das wirtschaftlich ziemlich in die Hose gehen - fragt mal die Aktionäre von Borussia Dortmund :-) Aber so wären wenigstens die Produktionsmittel in eigener Hand geblieben. Was heuer fast unbemerkt vor sich geht, ist eine ungeheure Selbstenteignung der Industrieländer, die ihr Kapital, ihre Produktionsstätten und ihr Know-how in die "Dritte Welt" exportieren; betriebswirtschaftlich mag das für einige kurzsichtige Kapitalisten einen Sinn machen; volkswirtschaftlich gesehen ist es glatter Wahnsinn. Was Dikigoros vorschlägt? Nein, kein direktes Verbot von Investitionen im Ausland, sondern nur eine kleine Änderung der Steuergesetze: Man dürfte die Verluste aus solchen "Investitionen" nicht mehr im Inland von der Steuer absetzen; und die Gewinne müßte man, ohne jedes "Doppelbesteuerungs-Abkommen" voll im Inland versteuern (heute ist es genau umgekehrt) - verlaßt Euch drauf, der Spuk wäre auf einen Schlag vorbei. Und hätte die DDR Reisen ins kapitalistische Ausland nicht verboten, sondern einfach nur die Devisen-Subventionierung dafür gestrichen, hätten die Ossis erkannt, wie wenig ihr Aluchip - und ihre Arbeitskraft - gefragt waren, und es wäre auch ohne Berliner Mauer - die man getrost hätte abreißen können - nie zum politischen Zusammenbruch des SED-Regimes und in seiner Folge des gesamten Ostblocks gekommen. Exkurs Ende.
Doch auch das ist nur die halbe Wahrheit. Was ist denn nun das Schlimme am Marxismus, wenn Dikigoros ihn in politischer Hinsicht derart relativiert hat? Nun, es ist die "Vergesellschaftung der Produktionsmittel" - und die geht nun mal eindeutig auf Marx zurück. (Der "Totalitarismus" wäre auch ohne ihn entstanden.) Wie weit ist so etwas sinnvoll, mit anderen Worten: Wieviel von der Wirtschaft sollte der Staat in der Hand haben, um ein gedeihliches Zusammenleben aller Bürger zu gewährleisten? Militär und Polizei natürlich, Straßen- und Eisenbahnbau, Post- und Telekommunikation - und das alles hatte der Staat auch schon längst vor Marx in der Hand. Aber macht es dann nicht auch Sinn, die Waffen-Produktion für das Militär gleich mit vom Staat lenken zu lassen? Und dann auch die Schwerindustrie insgesamt, von der die Waffenschmieden ja abhängig sind? Und wie ist das mit Schulen und Universitäten? Wasser und Energie? Rundfunk, Fernsehen und Medien? Und Versorgung der Bevölkerung mit den Grundnahrungsmitteln? Jeder muß doch ausreichend zu essen und zu trinken haben - oder? Hm... Wenn wir diese Liste mal durchgehen - bleibt dann eigentlich noch etwas, das nicht von Staats wegen "bewirtschaftet" werden müßte? Und was spricht eigentlich dagegen, wenn die Volkswirtschaft von oben geplant wird, wenn diese "Planwirtschaft" nur gut geplant wird? Nichts, liebe Leser, gar nichts, aber die Betonung liegt nun mal auf dem Wenn. Ist es denkbar, daß Staatsdiener (ob Ihr sie nun "Beamte" nennt oder sonstwie), die ihr Gehalt monatlich ausgezahlt bekommen unabhängig von der erbrachten Leistung ebenso gut planen wie jemand, der das Ergebnis dieser seiner Planungen im eigenen Geldbeutel verspürt? Der Kolchos-Bauer macht um 17 Uhr Feierabend (wenn man ihn läßt - aber sonst haben wir "Zwangsarbeit"), egal ob die Ernte auf den Feldern verkommt oder nicht; und auch der Bauer, der zwar pro forma sein eigener Herr ist, aber durch Quoten und festgelegte Ablieferungspreise reglementiert ist, wird, wenn letztere nicht seinen "kapitalistischen" Vorstellungen entsprechen, sich kein Bein ausreißen, um eine besonders gute Ernte einzufahren. Das liegt in der Natur der Sache, pardon des Menschen, und daran wird der Idealismus einiger weniger nichts ändern. Und wenn Staatsdiener eine niedrigere Grundbesoldung erhielten, mit der sie auf Leistungsprämien angewiesen würden? Dann würden diese Leistungen eben auf dem Papier getürkt, wie früher in der DDR (und heute zunehmend in der BRDDR, deren Staatsmedien seit einiger Zeit nur noch positive Meldungen über die Wirtschaft senden, obwohl es mit der in Wahrheit immer weiter bergab geht), und was der Beamte dann noch braucht, holt er sich durch Korruption - so wie der Bauer auf dem Schwarzmarkt. Nein, das ist kein boshaftes Fantasieprodukt, das Dikigoros' Hirn entsprungen wäre, sondern eine ganz sachliche Beschreibung der Wirtschaft im zusammen gebrochenen Ostblock. Aber - ist es bei uns so viel anders? Auch in der BRDDR beträgt die so genannte "Staatsquote", d.h. der Teil der Volkswirtschaft, den sich die Regierung unter den Nagel gerissen hat, längst mehr als 50%. Wir haben inzwischen einen schleichenden Sozialismus eingeführt, d.h. ein Wirtschafts-System, in dem der Staat die - direkte oder indirekte - Kontrolle über die Schlüssel-Industrien und Schlüssel-Dienstleistungen übernommen hat. Und in den so genannten "Privatunternehmen" schickt er seine Parteibonzen in die Aufsichtsräte, und z.T. auch in die Vorstände. Viele jener Unternehmen wären ohne staatliche Subventionen gar nicht mehr überlebensfähig, so daß es auf Verluste kaum noch ankommt - zumal etwaige Gewinne eh weg gesteuert würden. (Deshalb zahlen "die Unternehmen" überwiegend keine direkten Steuern mehr - sie zahlen sie aber indirekt durch zu hohe Steuern und Sozialabgaben bei ihren Arbeitern, die sie ja mit finanzieren; auch da liegt die "Staatsquote" inzwischen bei über 50%!) Tendenz steigend; und da die weißen Negerhäuptlinge, Nabobs und Kanaken-Sultane nicht weniger unfähig sind als die asiatischen, wird es im Westen bald nicht mehr viel anders aussehen als im Osten. Der Marxismus wird nach 1989 ein zweites Mal untergehen, und zwar - wie die Sonne - im Westen.

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