Wintersport im Emsland
Bei dem Wort "Wintersport" denken die meisten sicher an Schnee und Eis,
Schilaufen, Schlittschuhlaufen, evtl. Eisstockschiessen und Rodeln.
Das alles gibt es bei uns im Emsland nicht so oft, Schnee fällt meistens nur
wenig und bleibt nicht lange liegen, daher ist es mit dem Rodeln so eine Sache....Und zum Schilaufen fehlen außer dem Schnee auch noch die Berge!
Schlittschuhlaufen und neuerdings auch Eisstockschießen kann man zwar
fast in jedem Winter, aber was macht man in der Zeit, wenn weder Schnee
noch Eis zur Verfügung stehen und man trotzdem in geselliger Runde an der
frischen Luft sein will und außerdem noch das Gefühl haben möchte, sich
"sportlich" zu betätigen? Der Emsländer kennt darauf nur eine Antwort:
Kloatscheeten  -  Klootschießen
Die Regeln sind schnell erklärt:
Es werden Mannschaften in gleicher Kopfstärke gebildet.
Jeder Spieler der Mannschaft erhält eine Startnummer.
Die Mannschaften spielen gegeneinander.
Jede Mannschaft hat einen "Kloot" mit einer anderen Farbe.
Dieser Kloot wird über eine (möglichst ebene) Straße oder Weg getrieben.
In jeder Runde darf jeder einmal den Kloot schießen.
Der Kloot bleibt dort liegen, wo er von selbst zum Stillstand kommt.
Die Mannschaft, deren Kloot am weitesten zurück liegt, macht den nächsten "Schuss".
Sieger ist die Mannschaft, deren Kloot am weitesten vorne liegt, wenn alle Spieler einer Mannschaft "dran" waren.
Die Siegermannschaft erhält einen Punkt.
Dann kommt die nächste Runde und es geht wieder von vorn los.
Die Verlierermannschaft beginnt wieder.
Man spielt eine Runde nach aufsteigender Startnummer, die nächste nach
absteigender Startnummer. Das dient dem Zweck, dass jeder drankommt,
weil manche Runden bei guten "Schützen" und schwachen Gegnern
beendet sind, bevor jeder drankam.
Wie lange man spielt, kann man selbst entscheiden. Meistens geht man eine gewisse Strecke bis zu einem Ziel, etwa einem Gasthof. Oder man spielt nach Zeit oder
bis die Dunkelheit dem Klootschießen ein natürliches Ende bereitet.
Und so geht das Ganze dann in der Realität vonstatten:
alles wichtige Utensilien, die der Organisator besorgen sollte. Außerdem meistens noch folgende Dinge:
heiße Getränke (Tee, Kaffee, Glühwein)
Bier und Alkoholika nach Wunsch und Bedarf
Brötchen und/oder Kuchen
Mettwürstchen und/oder Käse
Becher zum Trinken
Startnummern
Kloots
falls vorhanden einen "Bollerwagen"
Block und Stift zum Punkte-Notieren
Käscher und Harke zum " Klootfischen"
Un nu geiht het loss mit de Billers van use Kloatscheeten.....
Erst wird alles im Bollerwagen verstaut und dann erstmal "Prost"!
Dann erfolgt das Auslosen der Mannschaftsaufstellung...
...hier lauert keiner rein, so hoch wie  der Hut gehalten wird!
Es kommt jeder dran!
Die Großen und auch die Kleinen!
Der Beginn unserer Strecke
Die richtige Handhaltung ist für den Erfolg auch wichtig !
....und dann aber mit "Schmackes"........
da wird doch wohl nicht geschummelt?.......
...den Punkt für die Mannschaft "gelb"
mach ich doch besonders gerne !
...da hat man sich doch eine Pause verdient !
...und weiter geht's !
"He, ihr von der gelben Mannschaft -
Wagt ja nicht weiter als bis hier zu werfen!"
"Also diese "gelben" sind heute aber auch zu stark.
Die lassen uns einfach keinen Punkt!
Sind schon wieder an uns vorbeigezogen !"
Also für die "Oranjes" sehe ich heute schwarz !
....wo ist denn bloß der Kloot geblieben?
für solche "Pannen" braucht man
dann dieses "Angel -Werkzeug"
...und jetzt kommt wieder die "gelbe Gefahr"......
Endlich! ... das Ziel für die große Verschnaufpause ist erreicht !
Nach diesem anstrengenden Match tut eine kleine Stärkung uns allen gut!
Einiges, was es sonst noch vom Klootschießen zu erklären gibt:
Die korrekte Bezeichnung für diesen "Sport" ist zwar Klootschießen,
aber es wird auch häufig vom Bosseln geredet, wenn man bei uns
klootschießt. Im Emsland versteht man unter Bosseln im allgemeinen
diese Art des geselligen "Sportes", während das eigentliche Bosseln in Ostfriesland mit Kugeln betrieben wird und das mit großer Ernsthaftigkeit
und sportlichem Ehrgeiz. Während hier bei uns doch mehr die Geselligkeit
und der Aufenthalt an der frischen Luft in netter Runde im Vordergrund steht. Aber auch bei uns in der Gegend gibt es durchaus einige, die das Bosseln als sportliche Disziplin mit Meisterschaften und allem Drum und Dran betreiben!
Die Kloots sind meistens aus Holz oder Kunststoff, und haben innen einen
Kern aus Messing. Das Gewicht beträgt um die 700 g, der Durchmesser so
cirka 9 cm und die Dicke ungefähr 4,5 cm. Sie werden verschiedenfarbig
gekennzeichnet, damit man sie auseinanderhalten kann.
Kommt ein Kloot, was leider sehr oft geschieht, von der Bahn ab, so
wird er an der Stelle wieder auf die Strasse gelegt, an der er in den Seitenraum oder Graben rollte. Es empfiehlt sich, einen oder mehrere "Ersatz"-Kloots im Gepäck zu haben, denn es ist schon häufig passiert,
dass man einen Kloot im Graben oder Gebüsch nicht mehr wiederfand!
Viele Gruppen machen sich auch einen Spaß und ziehen besondere Kleidung zu ihrem Treffen an, z.B. bedruckte T-Shirts oder wie in
unserem Falle extra weiße Handschuhe.
Damit es nicht zu eintönig wird, ermittelt man einen "Klootkönig" oder eine
"Klootkönigin" oder auch mehrere davon, je nachdem, wie einem zumute
ist und wieviel "Zielwasser" alle so intus haben.
Dazu braucht man vor allem eine mit Wasser gefüllte Flasche, wegen der
entstehenden Scherben vorsichtshalber in eine Plastiktüte gehüllt!
Die Flasche wird auf die Straße gestellt und nach beiden Seiten eine beliebig
lange Strecke (ca.5 - 10m ) markiert. Die beiden Mannschaften stehen sich gegenüber
und versuchen abwechselnd die Flasche so zu treffen, dass sie zerbricht. Derjenige,
dem das gelingt, ist "Klootkönig" und seine Mannschaft bekommt drei Extrapunkte.
....und auf die Flasche !
...jeder gibt sein bestes !
Hurra !!!    Getroffen !!!
Königin Angela I. vom Twist
der diesjährige Königsorden
Dieser begnadeten Beherrscherin des
gelben Kloots gelang sogar das Kunststück
in einem weiteren Durchgang einen zweiten
Königsorden zu erlangen, sozusagen eine
Doppelkönigin !
...da packte natürlich auch die Herren der Ehrgeiz !
...ätsch    -    daneben !
...aber dann hat es doch noch jemand geschafft !
Der frisch gekrönte König mit seiner Trophäe!
Seine Majestät Edgar I.
vom Füchten-Felde
Die Majestäten grüßen huldvoll das gemeine Bosselvolk !
Nach den Anstrengungen des Nachmittags kehrt man dann bei Beginn der Dunkelheit
(die ein weiteres Klootschießen unmöglich macht) in einem Gasthof ein und stärkt sich.
An und für sich mit einem deftigen Grünkohlessen, so will es jedenfalls die Tradition.
Es kann aber selbstverständlich auch irgendein anderes leckeres Gericht sein, wie es
bei uns aus verschiedenen Gründen auch gehandhabt wird. Obwohl das Emsland eigentlich
auch noch "Grünkohlland" ist, ist er auch hier leider  nicht jedermanns Geschmack. Trotzdem
ist er meiner Meinung nach wirklich ein richtig leckeres Winteressen , welches besonders
in Gesellschaft hervorragend mundet!
...eigentlich hätte ich ja König werden wollen.....
Guten Appetit
Damit ist die kleine Reportage über diesen emsländischen "Volkssport" beendet,
vielleicht breitet er sich ja hierdurch auch in anderen deutschen Landen aus - nur zu !!!
Kontaktadresse für evtl. Rückfragen
hier klicken
...wie gut, dass in diesem Graben kein Wasser ist.
Das gibt es nämlich auch, dass der Kloot versinkt,
wie man auf dem unteren Bild sehen kann!
zurück zur Auswahl....
hier findest du mein Gästebuch:
1