ZBORLU A NOSTRU – 1/2001
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Presseerklärung *
Griechenland leugnet
europäische Sprachenvielfalt: Urteil gegen aromunischen Nationalitätenvertreter
scharf kritisiert*
Als Leugnung der europäischen
Sprachenvielfalt und als Anschlag auf die europäische Charta der Regional- und
Minderheitensprachen hat die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) am
Donnerstag die Verurteilung des aromunischen Nationalitätenrechtlers Sotiris
Bletsas durch ein griechisches Gericht bezeichnet. Bletsas war Ende vergangener
Woche wegen "Verbreitung von Falschinformationen" nach Artikel 191
des griechischen Strafgesetzbuches zu 15 Monaten Haft und einer Geldstrafe von
rund 3.000 Mark verurteilt worden. Er hatte bei einem Festival der Aromunen im
Juli 1995 Material des an die Europäische Union (EU) angegliederten Büros für
Minderheiten-sprachen verteilt. In dieser Publikation waren
Minderheitensprachen Griechen-lands aufgelistet: Das mit dem Rumänischen
verwandte Aromunisch, das dem Albanischen ähnelnde Arvanitisch, die dem
Bulgarischen nahestehenden Sprachen Mazedonisch und Pomakisch sowie Türkisch.
Nach Experten-schätzungen sprechen noch rund 100.000 der in Zentralgriechenland
ansässigen Aromunen aktiv ihre Sprache. Nur noch passiv des Aromunischen
mächtig sind bis zu 300.000 Angehörige dieser Minderheit.
"Die EU hat 2001 zum
Jahr der europäischen Minderheitensprachen erklärt. Es stünde Griechenland gut
zu Gesicht, jetzt endlich die europäische Sprachencharta zu unterzeichnen und
die Rechte der Minderheiten im eigenen Land zu schützen", forderte der
GfbV-Generalsekretär Tilman Zülch. "Erst dann kann Athen glaubwürdiger die
andauernde Verfolgung der griechischen Minderheit in Istanbul und auf den
Inseln Imbros und Tenedos, die völkerrechtswidrige Besetzung Nordzyperns durch
türkische Truppen sowie die Vertreibung von etwa 180.000 griechischsprachigen
Zyprern kritisieren." Mit seiner restriktiven Minderheitenpolitik bilde
Griechenland gemeinsam mit Frankreich das Schlusslicht in der EU.
Griechenland erkennt nur eine
religiöse Minderheit und deren Sprache an: die türkischsprachigen thrakischen
Muslime. Alle anderen Minderheiten werden bis heute diskriminiert. Die
Einschüchterung von Minderheitenangehörigen durch lokale Politiker, Lehrer und
sogar Priester gehe so weit, dass Themen wie regionale Sprachen, Kulturen und
Identität weitgehend tabuisiert werden.
February 08, 2001
* © 2001 Gesellschaft
für bedrohte Völker