Hauptcharas: Ebony, Zoot, Puni, Spike

Copyright: Alle hier verwendeten Characktere gehören Cloud 9 bis auf Puni und Power und Chaos. Die Benutzung dieser Namen sind nicht mit finanzieller Interesse verbunden!

Ebony- the queen of Locos


Die Zusammenfassung von Ne Loco Story

Prolog:
Zoot war grade dabei mit den beiden Zwillingen um das Essen zu kämpfen als Spike mit Puni im Schlepptau den Raum betreten. Bedrohlich bauen sich die beiden vor Zoot auf, dieser nimmt zuerst keine Notiz von ihnen. Spike räuspert sich einmal kurz um Zoots Aufmerksamkeit zu erregen. Doch dieser rührt sich noch immer nicht. "Zoot!!" ruft Puni nach einer weile etwas säuerlich. "Was wollt ihr?" fragt Zoot ohne aufzusehen. "Diese beiden Zwillinge ausgehändigt!" Augenblicklich dreht Zoot sich zu den beiden um und starrt sie an. "Sagt seid ihr doof?? Meint ihr nicht das Ebony euch den Kopf abbreißen wird wenn sie euch mit den beiden sieht. Und ich verspreche euch, sie wird grausamer sein als ich!" "Ja aber die haben unsere Zimmer verwüstet!" Wirft Spike flehend ein. Zoot zuckt kurz mit den Schultern und wendet sich wieder der Babynahrung zu mit dem er versucht die Zwillinge zu füttern. "Ist nicht mein Problem, dann räumt ihr es halt wieder auf. So steht ihr mir wenigstens nicht im Weg rum!" Puni tippt Spike kurz an und deutet zur Tür, Spike nickt und die beiden verschwinden langsam.
*******
Ebony sitzt gelangweilt in Zoots Büro und entwirft ein paar Pläne. Sie ist froh das sie und Zoot mal die Arbeit getauscht haben. Jetzt muss er sich um Power und Chaos (die Zwillinge) kümmern. Zwillinge sind in Ebonys Leben nie geplant gewesen, aber manche Sachen kann man sich eben nicht aussuchen. Trotz allem ist sie sehr froh über die beiden. Die hielten die Locos wenigstens etwas auf Trab. Ein Klopfen an der Tür reißt sie aus ihren Gedanken. "Wer stört?" fragt sie reichlich genervt. Spike und Puni treten ein. "Die Zwillinge," beginnt Puni. "Was haben sie jetzt schon wieder angestellt?" Ebony weiß sofort was los ist, es ist ja sonst ihre Aufgabe sich um die beiden zu kümmern. "Sie haben unsre Zimmer verwüstet!" jammer Spike "Dann räumt sie wieder auf!" antwortet Ebony geistesabwesend Spike wirft Puni einen vielsagenden Blick zu. Das gleiche haben sie eben doch schon mal bei Zoot gehört. Haben die beiden sich etwa abgesprochen? So kämen die beiden auf jedenfall nie zu ihrem Diel. Spike muss sich etwas anderes überlegen. "Sag mal ebony, hast du eigentlich viel zu tun?" fragt Spike nicht ohne einen Hintergedanken. "Genug!" antwortet sie kurz angebunden. "Naja kannst du vielleicht uns irgendwann mal erzählen wie es dazu kam das du Zwillinge bekamst" Ebony wirft Spike einen unverständlichen blick zu. "Ich..ich meine. Wir kennen ja alle die Geschichte wie du zu den Locos kamst. Aber nur zum Teil. Ich würde es gerne mal von dir hören!" "Das ist doch schwachsinn. Und jetzt lasst mich in Ruhe arbeiten!"
*******
Abends als Ebony grade die Zwillinge baden geht versuchen Spike und Puni es erneut. Diesmal bei Zoot. Sie sind sich sicher das die Geschichte mal recht spannend sein würde. Und immer waren die Locos ja auch nicht dabei. Das heißt es ist eigentlich unvollständig. Und wenn einer Ebony überreden kann. Dann Zoot! "Zoot, du bist doch sehr an dem wohlergehen deiner Zwillinge interessiert, oder?" versucht Puni es. "Kann schon sein. Warum?" "Naja ich finde es wäre wichtig für die beiden wenn sie die Vorgeschichte ihrer Eltern kennen. Ich meine wenn dir und Ebony etwas zustößt, dann müssen die beiden doch irgendwie wissen wer sie sind und was ihre bestimmung ist!" grinst Spike etwas verlegen. Zoot überdenkt das soeben gesagte kurz. Es ist nicht dumm was die beiden sagen. "Und wie soll das gehen?" fragt er etwas misstrauig. "Ebony könnte doch alles zusammen fassen was sie von sich weiß und was sich hier zugetragen hat." "Wieso sollte sie das tun?" "Für das wohlergehen eurer Kinder!" wirft Puni schnell ein. "Das ist durchaus denkbar. Ich werde mal mit ihr reden!" stimmt Zoot den beiden zu. Das wäre geschafft, auf Zoot wird Ebony immer hören, fast immer. Und genau wie die beiden es sich gedacht hatten tut sie auch diesmal was Zoot von ihr verlangt. Da sie am Tag nicht ganz soviel zu tun hat nimmt sie sich die Zeit um ihr Leben auf ein paar Blätter Papier zu fassen.
Ende des Prologs

1. Kapitel

Der Anfang

Zuerst einmal will ich klarstellen das das hier nicht meine Idee war, sondern ich mal wieder zu etwas überredet wurde was mir eigentlich widerstrebt. Natürlich habe ich Spike und Puni schon längst durchschaut. Vonwegen für die Kinder das beste, die beiden haben in letzter Zeit echt nichts besseres zu tun als Geschichten zu lesen!

"Ich hoffe du unternimmst mal was dagegen, alter Loco!"

Wie dem auch sei. Vielleicht bin ich heute so wie ich bin weil ich in einer Familie lebte in der die jüngste nicht richtig ernst genommen wurde. Und die jüngste war leider bis zum Ausbruch des Virus ich.
Meine Mutter hatte nichts besseres zu tun als zu putzen und das den ganzen Tag. Es durfte kein Staubkrümmel irgendwo zu sehen sein. Obwohl ja Mütter die Gabe haben, dreck da zu sehen wo gar keiner ist.
Mein Vater war jedenfalls ständig auf Geschäftsreise was ich damals gar nicht verstand, aber heutzutage wird mir klar das er wohl ne andre hatte mit der er auf die "angebliche" Geschäftsreise fuhr. Aber vielleicht hatte meine Mutter das uns gegenüber ja nur vorgelogen und stattdessen lebten sie schon längst getrennt, wer weiß?
In jedem Fall kam er auch ab und zu für nicht lange Zeit mal nach Hause. Ich weiß das ich mich ihm gegenüber immer ziemlich grob verhalten habe, aus dem ganz einfachen Grund weil er uns ständig alleine ließ. Irgendwann entwickelte sich das zu einem tiefen Hass ihm gegenüber. Meine Schwestern sahen das anders, sie hatten ihn geliebt weil er uns immer Geschenke mitgebracht hatte. Entweder waren die beiden verdammt doof oder ich war die einzige mit Verstand und das in so jungen jahren. Na ja es läuft wohl alles aufs gleiche hinaus.
Als ich zwölf wurde zogen wir um aufgrund Mutters plötzlicher Erkrankung. Keiner der Ärzte konnte feststellen was sie hatte, aber es ging ihr ziemlich schlecht und sie meinte sie bräuchte ein anderes Umfeld um weiterleben zu können. Wenn ihr mich fragt das war purer Liebeskummer. Anscheinend konnte sie doch nicht damit leben den Vater nur zu teilen. Wie mir auffiel kam er nur noch sehr selten vorbei, worüber ich nicht grade traurig war. Meine Mutter nahm mich oft in den Arm und sagte mir das ich mit allem Recht hatte. Aber womit ich Recht hatte sagte sie mir nicht. Meine Schwestern wussten natürlich beide bescheid, sie waren ja auch älter als ich und durften es beide erfahren. Nur ich ging wie immer leer aus. Aus diesem Grund sollte sich auch keiner darüber wundern das ich meine Schwestern erpresste und ihnen fallen stellte wo es nur ging. Ich denke die beiden hatten es ziemlich schwer mit meiner sturheit. Obwohl sie mir doch nur die Wahrheit erzählen sollten, dann hätte ich sofort mit allem aufgehört.
Aber so kam es nicht und ich bekam weiterhin eine Ohrfeige nach der anderen, für die Sachen an denen sie eigentlich selbst schuld waren. Auf jedenfall zogen wir in ein kleineres Städtchen als das in dem wir vorher gewohnt hatten. Ich kam in eine Schule voller Spießer, die sich alle daran hielten Schuluniformen zu tragen. aber wie ihr euch wohl denken könnt: Ich gehöre nicht dazu. Ich trug die Schuluniformnur für besondere Anlässe. Die Lehrer warnten mich ein paar mal ich solle sie anziehen aber nach diesen vergeblichen Versuchen hatten sie sich bald daran gewöhnt.
Ich hatte eigentlich mehr mit meiner Familie zu tun als mich um Hausaufgaben und Prüfungen zu kümmern. Ich bekam ziemlich schlechte Noten, aber das interessierte bei mir keinen. Meine Mutter unterschrieb einen blauen Brief nach dem anderen ohne wirklich zu lesen was darin stand. Mein Vater hatte sie wirklich zerstört.
Meine Schwestern prallten ständig vor mir mit ihren guten Noten, was ja auch kein wunder war, sie hatten auch nichts besseres zu tun als zu lernen. Ich hingegen musste mir ständig ein paar neue Pläne ausdenken und versuchen sie nicht allzu gefährlich zu gestalten.
Als ich etwa 14 war hörte ich vorerst damit auf. Sie hielten mich zwar immer noch für zu jung aber das würde anhalten bis ich heiraten würde. Mit 14 kam ich in unserer Stadt wieder auf eine andere Schule weil meine alte Schule mich zu behalten sich nicht mehr leisten konnte. Schließlich war es eine noble Mädchen Schule und so etwas wie mich konnten sie wirklich nicht gebrauchen. Und so kam ich auf eine normale gemischte Schule, natürlich wieder mit Schuluniformen aber auch da machte ich den Lehrern schnell klar das ich so was nicht trug. Ausnahmsweise hielt sich hier keiner von mir fern. Die Mädchen wollten sich mit mir streiten und die Jungs liefen mir hinterher. Außer Martin. Ich konnte mir nie erklären woran das lag. Entweder war er zu schüchtern oder an einer anderen interessiert. Wahrscheinlich von beidem etwas. Doch ich freundete mich ziemlich schnell mit ihm an. Auch wenn er nicht alles verstand was ich tat.
Martin war ein ziemlich vernünftiger Junge, der alles tat was man ihm auftrug. Er hatte nichts für rauferreien übrig und ging meistens einem Streit aus dem Weg. Ich denke das er so war lag daran das er genau wie ich das Nesthäkchen in der Familie war. Mit dem Unterschied, dass seine Mutter sich um ihn kümmerte und ich recht schnell auf eigenen Beinen stand. Als ich ihn einmal besuchen kam lernte ich seine Familie kennen und mir wurde augenblicklich klar wie schön es sein musste so eine fürsorgliche Mutter zu haben und doch schien es Martin irgendwie peinlich zu sein. Er wollte hoch hinaus und so beliebt sein wie sein Bruder aber dazu fehlte ihm einfach etwas. Ich selbst war auch jemand der vielen die hinter seinem Bruder her waren, das schien ihn ziemlich zu schockieren, als er uns eines Morgens gemeinsam auf dem Sofa im Wohnzimmer vorfand. Er war danach einige Zeit sauer, aber das legte sich schnell wieder.
"Wieso muss alles so sein wie es ist?" fragte er mich eines Tages.
"Naja wenn es nicht so wäre, würde es uns trotzdem nicht gefallen" kam es mir ziemlich schnell über die Lippen, da ich inzwichen gelernt hatte mit meinem Leben zufrieden zu sein. So ging die Zeit vor dem Virus dahin. Martin hatte es geschafft sich etwas mit Trudy zu "vergnügen", und ich war noch immer mit Bray beschäftigt.

"Ich schreibe es absichtlich so da das hier immer noch etwas zu früh meinen Kindern in die Hände fallen könnte. Aber ich denke ihr wisst was gemeint ist"

Nach einiger Zeit merkte ich das mit Martin und Trudy etwas nicht stimmte. Sie waren sich offensichtlich nicht mehr einig.
"Ich weiß nicht was mit ihr los ist. Sie redet nicht mit mir!" jammerte Martin nach einiger Zeit. Ich war eigentlich der Meinung das ihr gemeinsames Techtel Mechtel nichts mit einer Beziehung zu tun hatte, aber so direkt wollte ich ihm das nun auch nicht sagen.
"Vielleicht weiß sie nicht ob sie dir vertrauen kann, oder so" ich wusste wirklich nicht was ich ihm sagen sollte. Schließlich war es doch offensichtlich das Trudy sehr viel mit meinem Bray rumging. Bray erklärte mir das sie etwas unglücklich sei, aber das ich mir keine Sorgen machen musste, da er nicht viel für Trudy übrig hatte. Er gehörte also nach wie vor mir.

"Ich weiß, alter Loco. Solche Geschichten hörst du nicht gerne..."

Diese ganzen Beziehungsgeschichten ließen mich meine ganzen Probleme zu Hause vergessen und etwas spät viel mir ein das ich meine Schwestern wohl etwas vernachlässigt hatte. Denn sie hatten sich daran gewöhnt die Treppe runter zu gehen ohne irgendwie auszurutchen. Das konnte ja wohl nicht sein! Schließlich kam ich dann aber doch nicht dazu. Es verbreitete sich das Gerücht, das ein Virus in Umlauf wäre der alle Erwachsenen tötete, ich hielt das für kompletten Unsinn. Martin allerdings machte das ziemlich Nervös. Er ging allen aus dem Weg und hatte nie Zeit um etwas zu unternehmen. Ich sagte ihm er solle sich nicht soviele Gedanken über diesen Schwachsinn machen, aber er schüttelte nur den Kopf und ging. Bray wusste auch nicht was sein Bruder den ganzen Tag trieb und Trudy ging es nun so richtig schlecht. Sie kam nicht mehr an Martin ran obwohl sie ihm wohl etwas wichtiges mitteilen wollte. Das Verwirrte sie natürlich noch mehr und so hing sie sich weiter an meinen Bray an. Mir war das inzwichen schon egal. Mir war so gut wie alles egal. Trudy hatte mich nie interessiert und Bray war auch nicht der Renner. Wenn sie ihn habén wollte, sollte sie ihn bekommen.
Die tage vergingen weiterhin und die Gerüchte über diesen Virus liefen nun auch in den Nachrichten. Ich wusste noch immer nicht was ich darüber denken sollte. Meinen Schwestern machte das auch nichts, Siva meinte : "Wenn es das gibt, kommt es sicherlich nicht hier her" Ich glaubte ihr.
Wie ich später erkannte stimmte das nicht, der Virus kam näher und Java Siva und ich führten eine kleine Unterhaltung was wir jetzt tun sollten.
"Ich weiß nicht, es gibt bestimmt noch Orte an denen der Virus nicht ist" meinte Siva nachdenklich. Java sah sie an.
"Dann kommt er noch und auf dem Weg dorthin würde er unsre Mum schon kriegen!" Wieder mal trat ein Schweigen ein. Ich dachte darüber nach wie unsere Mutter wohl davon verschont bleiben könnte, aber es viel mir nichts richtiges ein.
"Oder wir isolieren sie einfach!" versuchte Siva es noch mal. Java schüttelte wieder den Kopf. "Wir würden den Virus übertragen, das hat keinen Sinn. Außerdem wo willst du sie überhaupt isolieren?" meinte Java
"Im Keller dachte ich!"
"Du kannst deine Mutter nicht in den Keller sperren. Es ist dunkel und kalt und außerdem: Wie lange sollte sie darin warten? Bis alle tot sind? Bis es nur noch Kinder gibt die den Virus in sich schleppen?"
Siva schüttelte den Kopf. Das wollte sie nicht. Es gab also nur noch eine Lösung. Ich stand auf und beide sahen mich an.
"Egal was ihr tun wollt. Sie wird sowieso sterben, ob an dem Virus oder an dem Liebeskummer. Es ist nur Zeitverschwendung. Sie trägt den Virus wahrscheinlich schon in sich!" Mit diesen Worten verließ ich das Zimmer.
Siva und Java hatten mir recht komisch hinter her geschaut, aber das war mir egal. Ich ging einfach raus. Ich wollte mit der Familie nichts mehr zu tun haben. Die Ideen der beiden waren absolut schwachsinnig. So etwas würde ich nicht unterstützen! Ich wusste nicht wohin ich gehen sollte, die meisten hatten genug mit sich selbst zu tun, nur ich hatte bereits begriffen das nun jeder auf sich allein gestellt war. Wie in Trance trugen mich meine Füße zu Bray und Martin. "Oh ...hallo" begrüsste mich Bray mit einem schwachen Lächeln. Er trat beiseite und ließ mich reinkommen. "Waren sie schon da?" fragte ich verwirrt. Bray nickte. Er wusste wen ich mit "sie" meinte. Seine Eltern wurden also schon abtransportiert und es würde nicht lange dauern bis auch die Leute kamen um uns ins Camp zu stecken. Als würde das etwas bringen. Bray und ich hatten vorher schon ausgemacht das die Leute uns nicht bekamen. Und Martin bekamen sie auch nicht, hatte Bray von anfang an gesagt. Martin und Bray hatten zur Zeit eine kleine Meinungsverschiedenheit. Soweit ich mitbekam ging es um Trudy. Aber was genau war wusste ich nicht. Martin wollte aufjedenfall nicht war haben das sein Bruder recht hatte. Er schien gegen Bray schon eine Art hass zu entwickeln und ließ sich rein gar nichts mehr sagen. Naja ich mischte mich da nicht ein, das sollten sie schon untereinander klären.

"Habt ihr das eigentlich je geklärt, Loco König?"

Ich erzählte Bray alles über meine schwestern und was sie mit meiner Mutter vor hatten.
"Sie sind verzweifelt" schloss Bray "Wie so viele hier. Du wirst es nicht glauben aber die meisten hier sind verzweifelt und auf was für ideen sie kommen ist schon verrückt!"
Ich nickte nur stumm. Ich hatte den Verlust meiner Mutter wohl besser verkraftet als Bray den Verlust von seinen Eltern. Ihm gelang es teilweise seine Trauer etwas zu verbergen. Aber nicht so gut wie mir. Mir ging es ziemlich blendend, ich schätze das lag daran das meine Mutter mir ziemlich lange nur ein Klotz am Bein war. Es tat gut endlich frei zu sein.
"Wie geht es Martin?" fragte ich Bray plötzlich.
Bray zuckte mit den Schultern.
"Nicht so gut... Er ist ziemlich aggressiv geworden und hat sich schon seit einer ewigkeit in seinem Zimmer eingeschlossen. Naja ich schätze er liest ein Buch. Erst die Sache mit Trudy und dann der Virus. Das ist zuviel für ihn"
Da konnte ich Bray nur zustimmen. Martin tat mir eigentlich leid und ich dachte ich könnte verstehen was in ihm vorging. Aber das konnte keiner. Es fand eine Veränderung in ihm statt, die nur er bemerkte und gegen die er sich nicht währen konnte.
Nicht einmal Bray hatte das gemerkt.
Bray zuckte ratlos mit den schultern. "Hast du Hunger?" fragte er dann. Daran hatte ich den ganzen Tag noch gar keinen Gedanken verschwendet. Erst jetzt viel mir auf das mein Magen ziemlich leer war.
"Frag nicht wie" grinste ich. Bray nickte mir stumm zu und begann etwas zu essen zu machen. Ich setzte mich aufs Sofa und schaltete den Fernseher ein. Auf den meisten Kanälen war nichts zu sehen nur noch auf einem in dem stündlich News kamen vom Virus. Die Modaratoren zeigten immer wieder ausschnitte von Jugendlichen die sich gegenseitig verprügelten, Supermärkte plünderten oder einfach nur schweigen in sich zusammen gekauert in einer Ecke saßen. Ich wusste das auch dieser Kanal bald nicht mehr sein würde. Die wenigen Modaratoren die es noch gab hatten sich nun zu einem Kanal zusammen gerafft um die Jugendlichen zurecht zu weisen. Das funktionierte nicht gerade gut. Die meisten hatten besseres zu tun als Fernsehn zu schauen.

Bei diesem Bericht legt Ebony nachdenklich den Stift nieder. Das alles erinnert sie an die Zeit vor dem Virus. Als alles noch okay war und sie nie daran gedacht hätte, dass etwas ihr leben so rapiede ändern könnte. Ebony schüttelt den Kopf. Es war damals alles so bequem und umstandslos. Man hatte sich nie Gedanken um etwas machen müssen was wirklich von bedeutung war. Heute ist sie dafür verantwortlich das ein Haufen Leute ihr ohne Kommentar folgen. Aber das alles ist vorbei...

Bray kam mit dem Essen in der Hand zu mir hinüber und reichte mir einen Teller. Die anderen zwei Teller stellte er auf den Wohnzimmertisch.
Ich hörte wie er die Treppe hochlief und nach Martin rief. Die beiden hatten schon wieder eine Meinungsverschiedenheit doch das war mir egal. Ein paar Minuten kam Bray kopfschüttelnd wieder. "Der brütet wieder irgendeinen Blödsinn aus" meinte er und setzte sich neben mich und fing an zu essen. Kurz darauf kam auch Martin zu uns.
Schlecht gelaunt schnappte er sich was zu essen und setzte sich auf den Sessel.
Keiner sagte ein Wort. Alle sahen sich die Berichte aus dem Camp im Fernsehen an. Sie riefen immer wieder aus das es für die Jugendlichen das beste sei und sie dort das Überleben lernen würden. Ein paar der Jugendlichen die dort waren wurden ebenfalls ausgefragt. Unter anderem ein Junge etwa in Brays Alter mit langen schwarzen Haaren, erzählte wie schön es auf dem Camp wäre. Für mich klang das nicht sehr überzeugend. Der Junge sah sehr erschöpft und unglücklich aus. Aber es konnte mir egal sein.
Martin starrte ausdruckslos auf den Fernseher.
"Eins steht fest, mich kriegen sie da nicht rein!!" rief er wütend. Bray nickte daraufhin und murmelte etwas wie "Meine Meinung!"
Ich sagte dazu nichts. Es war mir egal was die letzten Erwachsenen noch mit mir vorhatten, ich würde eh nicht auf sie hören. Das war schon immer meine Art gewesen, mir machte keiner Vorschriften. Ich hatte meine eigenen Regeln.

>Unter anderem Diäten einhalten< Anm. von Zoot

2. Kapitel

Folgen des Virus

Martin verzog das Gesicht und stellte seinen leeren Teller auf den Tisch. "Der blödsinn da, als ob das was bringen würde!" schimpfte Martin.
Ich sah ihn erschrocken an. Man sah in selten schimpfen, normalerweise behielt Martin seine Meinung für sich. Irgendetwas ging in ihm vor.
"Hast du irgendwas?" fragte ich ihn verwirrt. Langsam löste er seinen Blick vom Bildschirm und sah mich kalt an. Er strahlte eine dermaßene Kälte aus, dass ich tatsächlich schon eine Gänsehaut bekam. Nicht nur das... er machte mir Angst. Ich hatte nicht einmal vor dem Virus Angst und plötzlich bekam ich bei Martin, dem kleinen schüchternem Jungen, Angst. "Bist du ... krank?" fragte ich leise.
Martins Blick wurde mittlerweile schon glasig. Langsam stand er auf, dabei ließ er mich nicht aus den Augen.
"Du spinnst doch! Meinst du nur weil du so gut aussiehst, könntest du dir erlauben über das Leben anderer zu bestimmen?! Hast du eigentlich einen Knall?! Von dir nehme ich keine Befehle an, hast du gehört?!" schrie er mich an. Das verstand ich alles nicht.
"Martin..." meinte ich kopfschüttelnd "Ich hab doch nur gefragt ob es..."
"Halt die Klappe!!!" unterbrach er mich lauter als man es von ihm gewohnt war.
Nun versuchte es auch Bray, der langsam aus seiner erstarrung erwacht erwacht war.
"Martin es reicht jetzt!" sagte Bray ruhig und legte ihm die Hand auf die Schulter.
"Fass mich nicht an!" rief Martin sofort und schüttelte wild Brays hand von seiner Schulter. Er warf mir noch einen kurzen deutungslosen Blick zu und ging in sein Zimmer.
Schweigend setzte sich Bray wieder neben mich. Traurig schüttelte er den Kopf.
"Wie ich gesagt habe, er wird immer agressiever. Ich dachte das, wenn der Virus unsere Eltern schon nahm, würden wenigstens er und ich noch zusammen halten. Martin macht dabei wohl nicht mit..." Ich sah das Bray tränen in den Augen hatte, beruhigend legte ich ihm meine Hand auf die Schulter und strich sie ihm über den Rücken.
"Ebony..." flüsterte er " Ich mache mir solche Sorgen um ihn..." Bray brach ab und warf sein Gesicht in meinen Schoß. Das überaschte mich und ich wusste gar nicht was ich mit Bray tun sollte. Soviel sentimentalität hätte ich ihm nicht zugetraut.
Nachdenklich strich ich Bray über den Kopf. "Er wird schon keine Dummheiten machen..." flüsterte ich "Wenn er den Schmerz erst mal verarbeitet hat, dann ist er wieder ganz der alte" Ich wusste selbst nicht was ich da redete und vorallem wusste ich noch nicht mal ob ich meinen Worten glauben konnte.
"Martin war immer so ein vernünftiger Junge" wimmerte Bray "Er hat nie lauthals seine Meinunge gesagt wenn ihm was nicht gepasst hat. Irgendwie wusste niemand so recht was in ihm vorging...naja außer meine mutter."
"Deswegen wird er wohl so depremiert sein... er hat wohl ziemlich an eurer Mutter gehangen oder?"
Ich bekam von Bray nicht mehr als ein Nicken zur Antwort. Nach einiger Zeit setzte Bray sich wieder aufrecht hin. Ich sah ihn besorgt an.
"Ich weiß nicht was wir noch mit Martin tun sollen. Ich komme einfach nicht an ihn ran... er hat irgendwie ein falsches Bild von mir" seufzte Bray.
"Ja ja... heul du dich nur aus. Du hast es nötig Bruderherz!" Ohne das wir es bemerkt hatten war Martin die Treppe runter gekommen und hatte sich hinter uns gestellt.
Ich hatte keine Ahnung wie lange er schon da gestanden hatte. Er hatte ein fieses lächeln drauf mit dem er seinen Bruder anstarrte. Und noch etwas war anders in seinem Gesicht, ich hatte es zuerst nicht bemerkt doch dann viel es mir plötzlich auf. Sein Blick war kalt und trüb... er hatte weiße Kontaktlinsen drin. Es sah merkwürdig aus. Irgendwie wirkte er brutal. Und dann hatte er noch diese Lederhose an, die ich noch nie an ihm gesehen hatte. Sie war knallrot und sie passte überhaupt nicht zu seinem damaligen Charackter. Er hatte wohl vor immer so zu bleiben. Anscheinend hatte er Spaß am böse sein gefunden. Ich konnte ihn ja teilweise verstehen aber er würde sich noch wundern, denn so leicht kam er davon nicht mehr weg. "Was starrst du mich so an?!" giftete Martin. Das er mich meinte merkte ich erst später als ich meinen Blick wieder auf seine Augen richtete die nun mich kühl anstarrten. Mir lief ein eiskalter Schauer den Rücken runter.
"Ist das verboten?!" antwortete ich patzig. Das war der Anstoß für meinen und Martins langanhaltenden Krieg. Ich ließ mich nicht blöd anmachen und das wusste er. Gerade weil er es wusste forderte er mich heraus. Ich hatte keine Ahnung auf was ich mich da eingelassen hatte.
"Du hast keine Ahnung mit wem du dich da anlegst" meinte Martin und legte ein fieses Grinsen auf. In dem Fall hatte er vollkommen Recht, Ahnung hatte ich wirklich nicht. Ich seufzte.
"Martin, jetzt reg dich doch mal ab!" meinte ich beschwichtigend. Ich hatte keine Lust mich jetzt zu streiten und besonders wollte ich mich nicht mit ihm streiten. "Für dich immer noch Zoot!" verbesserte er mich sofort. Ich verdrehte die Augen und warf einen hilfesuchenden Blick zu Bray, doch der stand dermaßen unter Schock, dass er nicht in der Lage war mir zu helfen.
"Zoot?! Was soll das denn nun wieder?" Mit meinen Antworten machte ich Martin immer wütender ohne das überhaupt zu bemerken, aber das war mir sowieso egal. "Stell keine blöden Fragen. Ich bin nicht Martin. Martin steht in meinem Unbewusstsein, er ist ein Träumer. Zoot ist sein wahres Ich. Er brauchte nur einige Zeit um sich auf seinen Auftritt vorzubereiten. Martin ist TOT. Es gibt ihn nicht mehr. Zoot ist REAL!"
Für einen kurzen Moment hatte er mich sprachlos gemacht. Dieser Kerl hatte es wirklich ernst gemeint. Ich hielt ihn für ganz schön verrückt. Aber ich fand meine Sprache bald wieder und hatte schon wieder eine patzige Antwort parat. "Gut, wenn du Zoot bist, dann möchte ich ab heute Loretta genannt werden!" grinste ich sarkastich. Martin riss verdutzt die Augen weit auf.
"Loretta?! Was soll das? Willst du mich etwa verarschen?" rief er wütend.
Ich schüttelte den Kopf. "Du darfst Zoot sein, dann möchte ich Loretta sein. Ist doch gar nicht so schwer!" ehe ich mich versah hatte ich mir schon wieder eine Ohrfeige eingefangen.
"Du hast sie nicht mehr alle!" schrie er mich an und rannte in sein Zimmer.
Ich beruhigte mich wieder etwas und setzte mich in eine bequemere Lage.
"Fragt sich wer hier verrückt ist..." schmollte ich und rieb mir meine schmerzende Wange.

"Mach das nie wieder, alter Loco!!!"

Bray erwachte nun auch wieder aus seiner Starre "Ich weiß nicht was ich noch tun soll" seufzte er.
Ich dachte kurz nach. Es war mir eigentlich relativ egal ob er noch mal der alte wird, ich musste zugeben das mir der neue ganz gut gefiel. Aber es ging mir mehr darum was in Martin vorging. Was ihn dazu bewegt hatte.
"Ich aber!" sagte ich nach einiger Zeit. Bray sah mich erwatungsvoll an, aber ich beachtete ihn gar nicht sondern ging einfach hinauf in Martins Zimmer.

Gähnend reibt sich Ebony die schmerzenden Hände, es ist schon spät Abends aber sie findet einfach nicht die Ruhe die sie braucht um ins Bett zu gehen. Sie überlegt wie sie wohl das nächste Erlebnis schildern soll. Ein Klopfen an ihrer Zimmertür verhindert ihre Gedanken. "Wer stört?" ruft sie genervt. "Dein überalles geliebter Loco!" grinst Zoot schleimig. Ebony verdreht die Augen als Zoot einfach ins Zimmer maschiert und sich mit einem Tablett neben sie stellt. "Ich hab dir was zu essen gebracht, damit du mir auch nicht verhungerst, es ist nämlich schon spät!" immer weiter grinsend stellt Zoot das Tablett vor sie. "Soll ich dir das Brötchen noch schmieren oder..." "Danke Zoot..., das reicht jetzt..." "soll ich dir einen Kaffee machen oder möchtest du doch lieber ne Cola... aber wenn du einen Tee willst ist das natürlich kein Problem...." so geht es die ganze Zeit weiter. Zoot redet sich immer tiefer und Ebony wird solangsam immer gereizter. Schließlich hält sie es nicht mehr aus. "VERDAMMT NOCH MAL, WAS SOLL DAS?!" donnert sie. Zoot schluckt erschrocken. " Du hast sie nicht mehr alle. Du laberst mich hier voll, dabei will ich doch nicht mehr als meine Ruhe!" Wütend schüttelt Ebony ihren Kopf. Da fällt ihr es plötzlich wie schuppen von den augen. Natürlich, sie hatte mit Zoot noch eine Rechnung offen. Deshalb machte er so einen Blödsinn. Er wollte sich rausreden. "Hmmm... sag mal Zoot, war da heute nicht noch etwas was ich tun wollte?" fragt sie forschend und im ruhigen tonfall an ihn gewandt. Schnell schüttelt Zoot den kopf. "Nicht das ich wüsste... ich fragte mich nur ob du nicht langsam ins Bett kommen willst" Ebony steht von ihrem stuhl auf und stellt sich vor Zoot. "Du meinst, ich wollte dir wirklich keine mehr reinwürgen weil du so unverantwortlich warst und dein eigenes Fleisch und Blut Spike anvertraut hast. Und das einfach nur weil du keine Lust hast auf sie aufzupassen. ICH WOLLTE DIR ALSO WIRKLICH NICHTS ANTUN?! DU SPINNST DOCH!!!!" Ebony hat sich nun immer lauter geschrien und bei jedem Satz merkt sie wie Zoot angsterfüllt zusammen zuckt. Ein Zimmer unten drunter liegt Spike in seinem Bett und lauscht dem Gespräch von Ebony. Nun bekommt Zoot auch endlich mal sein Fett weg. Seit Ebony Mutter ist, weiß jeder das mit ihr nicht mehr so leicht zu spaßen ist.

Ich klopft zaghaft an Martins Zimmertür. "Wer stört?" ertöhnte Martins Stimme. Ich öffnete die Tür und ging rein ohne etwas zu erwiedern.
"Du?" fragte er und verzog das Gesicht.
"Ja ich!" mit diesen Worten setzte ich mich neben ihn aufs bett. Still schweigend sah er mich an.
"Erzähl!" forderte ich ihn auf. Er warf mir einen skeptischen Blick zu. Ich war mir sicher das er wusste was ich hören wollte, aber er stellte sich dumm.
"Was soll ich dir erzählen?!" fragte er ungewohnt ruhig. Anscheinend hatte er sich etwas abgeregt, oder er wusste einfach nicht wie man sich als böser in solch einer Situation verhält. Ich verrollte die Augen und seufzte gelangweilt. Er versuchte tatsächlich sich dumm zu stellen, aber ich würde ihn schon noch zum reden bekommen.
"Ich möchte gerne wissen warum du dich jetzt aufeinmal so zum schlechten veränderst!" lächelte ich freundlich. Er schnitt mir eine Grimasse und stand auf. Martin ging kurz im Zimmer herum und schaute aus dem Fenster.
"Ganz einfach," meinte er "sieh dir die Kids doch an. Als Martin würde ich in dieser neuen Welt nicht überleben." Er drehte sich um und grinste. Ich schüttelte den Kopf. Ich hatte genau bemerkt das er mich anlog.
"Das ist es nicht. Du könntest auch anders überleben. Dich stört etwas!"
Martin war nun etwas überumpelt von meinen Worten. Ich hatte Recht behalten, es gab etwas was ihn viel mehr stöhrte als alles was passiert war. Nicht der Tod seiner Eltern, und auch nicht die plötzliche umstellung von der Hightech welt ins Mittelalter. Er lächelte nur noch. Er gab keine Antwort sondern lächelte mich an. Erst freundlich und dann wurde das lächeln immer fieser. Als würde er mich auslachen.
"Du brauchst gar nicht so lauernd zu fragen, du weißt ganz genau was los ist!" donnerte er los.
"Was meinst du denn? Ich weiß nicht was hier abgeht!" rief ich verwirrt.
"Stell dich doch nicht blöder als du ohnehin schon bist! Ich hab dir einen Brief geschrieben vor einer Woche. Ich weiß das er angekommen ist und DU hast nicht geantwortet!!"
Ich war geschockt von seinem harten Ton. Ich wusste nicht was eigentlich los war. Was für einen Brief? Vor einer Woche hatte ich nichts bekommen. Das wusste ich ganz genau.
"Ich weiß nichts von einem Brief... wirklich nicht!" stotterte ich immer noch verwirrt.
"Ach komm... ich hab ihn doch deiner Schwester gegeben weil du nicht daheim warst. Sie hat gesagt das sie ihn dir gegeben hat!" seine Stimme wurde wieder ruhiger und so langsam wurde mir alles klar.
"Hör mal," schloss ich "Wenn du ihn meiner Schwester gegeben hast, ist es klar das ich ihn nicht bekommen habe. Der Brief kam wohl nicht weiter als in den Müll."
Das traf ihn hart. In diesem Brief stand anscheinend etwas wichtiges drin. Ich begann meine Schwestern zu hassen... es war typisch für sie alles vor mir zu verstecken. Und ich wusste genau das ich nichts aus ihnen heraus bekommen würde. So wie immer. Martin antwortete mir nicht. Also stand ich auf.
"Dann sag mir was drin stand!" forderte ich von ihm. Er verneinte. "Das ist nicht mehr wichtig... es ist besser so das du ihn nicht gelesen hast" redete er ruhig "Das ist vergangenheit" Nun verstand ich nichts mehr. Eben war es ihm doch noch so wichtig. Und jetzt?
"Aber..." setzte ich an als Martin mich unterbrach. "Geh jetzt!" meinte er und drehte sich wieder zum Fenster. Er nahm keine Notiz mehr von mir, also blieb mir keine andere wahl als zu gehen.

3. Kapitel

Die Liebe

Ebony schreibt und schreibt, sie ist dermaßen in ihre Lebensgeschichte vertieft, dass sie nicht bemerkt wie Zoot sich ins Zimmer schleicht, sich neben sie setzt und die ersten Teile ihrer Story durchliest.
Zoot ist begeistert von Ebonys Schreibstil. Normalerweise liest er nicht aber diese Story fasziniert ihn, wahrscheinlich weil auch er eine Rolle dort spielt. Die ganzen Anspielungen die er zwischen den Texten immer wieder bemerkt nimmt er ihr nicht sonderlich übel. Aber etwas sagt ihm das sie was verschwiegen hat. Es fehlt was. Nachdenklich betrachtet er sie beim schreiben, sie hat ihn wohl noch immer nicht bemerkt. Zoot sieht sie gerne so konzentriert, ihre grünen Augen haben dann so ein entschlossenes Flimmern. Einerseits macht es ihm Angst aber andererseits wirkt es eine gewisse Erotik auf ihn aus.
"Ich bin wohl doch etwas sadistich veranlagt...." murmelt er gedankenversunken. Erschrocken sieht Ebony zu ihm auf, Zoot wird erst jetzt bewusst das er seine Gedanken laut ausgesprochen hat. "Was bist du?!" fragt sie verwirrt. Zoot schluckt hörbar und greift thema ablenkend ihre Story.
"Ist egal.... ähm... sag mal mir kommt es so vor als würde etwas fehlen hier drin..."
Mit einer gespielten Verwirrung, die Zoot ganz genau erkannt hat, schüttelt Ebony den Kopf.
"Fehlt nichts!" flüstert sie bestimmt und wendet sich wieder ihrem Schrieb zu. Zoot nickt als würde er ihr glauben schenken. Er steht auf und stehlt sich hinter sie, um sie so, liebevoll von hinten zu umarmen. Ebony sieht lächelnd wieder von ihrem Blatt auf. "Sind Power und Chaos schon im Bett?" Nickend drückt Zoot ihr einen Kuss auf die Wange.
"Du hast die Stelle ausgelassen als du Spin kennenlerntest... vielleicht kannst du dich dran erinnern." haucht er ihr liebevoll ins Ohr. Wütend springt Ebony auf, das war genau das was Zoot nicht wollte. Wild umhertigernt schreitet sie durchs Zimmer, während Zoot versucht sie zu beruhigen.
"Beruhige dich doch Ebony...." versucht Zoot es zum dritten mal. "Ich will mich aber nicht beruhigen!!" faucht sie zurück. "Du weißt ganz genau das ich nichts mehr davon hören will! Er gehört nicht mehr zu meinem Leben, ist das klar?!"
Zoot zieht eine Grimasse. Ratlos lässt er sich in Ebonys Sessel fallen und sieht sich im Zimmer um. Seit Ebony das in ihr Büro umgewandelt hat, ist das Zimmer viel geräumiger geworden. Aufe dem Boden lag ein Läufer, die Wand hing voller angefangener Schreibstücke und auf dem Schreibtisch standen Bilder von ihm und Power und Chaos. Währe er nicht in einer so misslichen Lage würde er lächeln.
"Ebony" seufzt er "du kannst nicht einfach deine Lebensgeschichte ändern nur weil du nicht willst das diese Person in deinem Leben eine Rolle spielt"
Verärgert sieht Ebony aus dem Fenster. Draußern ist schlechtes Wetter, es regnet und stürmt. Ebony ist dieses Wetter am liebsten. Sie mag kühle Luft und weiß genau das die meisten Besucher bei solchem Wetter nicht vorbeikommen. So hat sie ihre Ruhe.
"Ich werde mal sehen" flüstert sie " Ich füge das an der passenden Stelle noch hinein...okay" Traurig dreht sie sich zu Zoot um und sieht ihn an. Dieser nickt lächelnd. Er streckt seinen Arm aus und streicht ihr sanft über die Wange. "Es ist spät" meint er "kommst du bald ins Bett?"
Ebony gibt nur ein Nicken von sich obwohl sie noch gar nicht weiß wie lange sie noch schreiben würde.

Martin hatte mich wirklich neugierig auf diesen Brief gemacht. Ich wollte natürlich nicht seinen Rat befolgen und ihn als unwichtig gelten lassen. Als ich runter zu Bray kam sah er mich mit traurigem Blick an. "Was habt ihr geredet?" fragte er mich. Ich schüttelte langsam den Kopf und setzte mich neben ihn. Ich erzählte Bray was ich rausbekommen hatte und was nicht. Als ich geendet hatte war Bray ratloser als vorher. "Ein Brief?" überlegte er "mmhh an sowas kann ich mich gar nicht erinnern..." Ich nickte. "Du hast wohl auch nichts mitbekommen!"
Er überlegte noch ein paar Sekunden und stand dann auf. "Tja dann auf zu deinen schwestern wir werden diesen Brief schon aus ihnen rausprügeln!"
Ich sah das erste grinsen seit einiger Zeit auf seinem Gesicht. Mir war es eigentlich nicht Recht das Bray mit kam, aber ich konnte ihn schlecht abwimmeln schließlich ging es hier um seinen Bruder. Vielleicht konnte er mir auch helfen irgendwie helfen den Brief meinen Schwestern abzuluchsen. Falls sie ihn überhaupt noch haben sollten. Draußen auf den Straßen war die Hölle los. Auf den Straßen standen überall kaputte und aufgeknackte Autos herum, wo man hin sah lag Müll und alle Läden die es hier mal gab waren verwüstet. Es sah aus als hätte ein Tornado hier gewütet. Ich war überascht das die meisten Wohnhäuser noch einigermaßen gut aussahen. In ihrer Panik hatten die Kids wohl nur nach essen gesucht und den rest stehen gelassen. An meinem Haus angekommen war noch alles beim alten. Meine Schwestern hatten ihr heim bestens verteidigt. Ich wühlte den Schlüssel aus meiner Jackentasche und schloss die Tür auf. Java kam mir sofort mit einem Baseballschläger bewaffnet entgegen.
"Hey ganz ruhig!" rief ich erschrocken und schloss die Tür hinter Bray.
"Ach du bists" meinte sie gelangweilt und wollte wieder zurück in die Küche gehen.
"Hey wart mal!" hielt ich sie auf "Wo ist der Brief?"
Java drehte sich zu mir um und sah mich verständnislos an. Sie warf einen Blick zu Bray, doch dieser bemerkte ihren Blick garnicht da er mit dem betrachten der Bilder an der Wand beschäftigt war. "Was fürn Brief?"
"Der von Martin, der eigentlich an MICH adressiert war!" ich war mir sicher das sie den scharfen unterton meiner Stimme bemerkt hatte, doch sie tat so als wär ihr das egal. Mit verdrehten Augen verschränkte Java die Arme und seufzte. "Ach der" murrte sie "Frag Siva, die hatte ihn zuletzt. Sie ist oben"
Mit diesen Worten ließ sie mich stehen und ging in die Küche. Bray sah mich mit einem fragendem Blick an, der wahrscheinlich bedeuten sollte ob wir immer so miteinander umgingen. Ich hatte keine Lust ihm alles zu erklären deshalb wante ich mich an die Treppe und brüllte laut "SIVAAAA!" hoch.
Sofort kam Java angerant und fuhr mich wütend an. "Wenn du was von ihr willst dann geh gefälligst hoch zu ihr und schrei hier nicht wie eine bekloppte rum!!"
Doch das musste ich gar nicht denn in diesem Moment kam Siva von oben angeschlurft.
"Was willst du?" fragte sie mich genervt.
"Den Brief von Martin an MICH!" ihr entging der scharfe unterton garantiert nicht denn sie wusste sofort was ich meinte, schlurfte zurück in ihr Zimmer und gab ihn mir schließlich. "Die Firma dankt" meinte ich mit einem fiesen Grinsen. Bray und ich verzogen uns zum lesen wieder nach draußen. Die zerstörte Stadt war allemal besser als die dicke Luft die im Haus herschte. Bray ging es wohl genauso denn er seufzte hörbar als wir uns auf die Eingangstreppe setzten. Gespannt packte ich den Brief aus und begann zu lesen:

"Ebony,

ich weiß ich könnte dir vieles besser in einem Gespräch erklären, aber dazu fehlt mir der Mut. Du bist die Person die mich besser verstehen wird als alle anderen, du machst keinen Unterschied bei Personen die cool und uncool sind. Für mich warst du lange Zeit ein Rätsel, das faszinierte mich von anfang an.
Ich weiß nicht sehr viel über dich aber ich weiß das du auf vieles eine passende Antwort hast. Deshalb habe ich mich an dich gewandt.
Ich weiß wir stehen uns nicht grade ziemlich nahe, aber immerhin näher als Bray und ich uns stehen. In letzter Zeit spüre ich immer häufiger das in mir etwas vorgeht was nie zuvor dagewesen ist. Ich kann es nicht beschreiben, aber irgendwas in mir ist verloren gegangen.
Keiner weiß wie es in mir drin aussieht. Keiner kennt mich wirklich. Alle sehen in mir nur den schüchternen Jungen der wie in Irrer Trudy hinter her rennt. Aber das bin ich nicht. Ich liebe Trudy nicht. Ich verstecke mich nur hinter ihr da mit niemand mir ansieht das ich eigentlich homosexuel bin. Ich hoffe das schockt dich nicht. Meine Mum weiß es. Sie wusste es schon immer. Aber jetzt sehe ich wie sie immer kranker und schwächer wird.
Ich habe mehr Kontakt zu ihr als Bray. Ich weiß wofür sie insgeheimen arbeitet. Sie arbeitet gegen einen Virus. Einen Virus der alle Erwachsenen anfällt. Ich musst ihr versprechen das ich Dad und Bray nichts erzähle. Aber ich weiß nicht was ich tun soll. Ihr geht es immer schlechter, ich weiß nicht was sie hat. Keiner weiß es.
Ich kann nicht mehr mit ihr reden. Dabei spüre ich grade das ich mich in dich verliebt habe..."
An dieser Stelle brach ich ab und las den Satz noch dreimal um sicher zu gehen das ich mich nicht verlesen hatte. Auch Bray konnte nicht glauben was da stand, er hatte sich über meine Schulter gebäugt um die Stelle ebenfalls zu lesen.
"Meine Güte.... erst sagt er, erwäre schwul und jetzt das" keuchte Bray. Ich zuckte nur fassungslos mit der Schulter. "Es geht noch weiter.." meinte ich langsam und las weiter. "Ich weiß das du sowas nicht hören willst aber ich musste es dir sagen, da ich mir erst jetzt sicher bin das es wirklich so ist. Ich spüre das ich dringend Hilfe brauche, ich weiß nicht was ich tun soll wenn meine Mum stirbt.
Bitte sag Bray nichts von diesem Brief und antworte mir bitte. Liebe grüße

Martin" Bray schüttelte den Kopf. "Bist du sicher das der Brief nicht gefaket ist?" Ich gab ihm den Brief und zeigte ihm die Unterschrift. Er nickte. "Er ist echt...das erklärt so einiges..."

Nachdem wir den Brief noch dreimal gelesen hatten um sicher zu gehen, dass wir nichts überlesen hatten, gingen wir zurück zu Bray. Ich legte mich dort aufs Sofa um zu schlafen. Es war schon recht spät gewesen. Ich fühlte ein starkes verlangen in mir das nach Schlaf rief, aber trotzdem konnte ich nicht einschlafen. Bray hatte sich in sein Zimmer verzogen und schlief dort und Martin war schon am schlafen als wir zurück kamen. Martins Brief ließ mir in dieser Nacht keine Ruhe. Es war nicht die Tatsache, das er geschrieben hat das er schwul war, sondern die Tatsache das er mich liebte, die mich nicht schlafen ließ. Liebe.... für mich war Liebe nur ein Traum, eine Idee und nicht mehr. Ich hatte in meinem Leben nur einmal richtig geliebt. Aber ich wollte es so schnell wie möglich vergessen. Er hieß Spin und ich kannte ihn bevor ich hier her gezogen war. In meiner alten Klasse war er ziemlich beliebt, ich glaube so ziemlich jedes Mädchen war hinter ihm her, so auch ich. Als ich mit ihm zusammen kam, war es wie Feuerwerk das ständig in mir explodierte wenn ich mich mit ihm traf. Wie es kommen musste wurde ich von ihm schwanger, er wollte mir erst nicht glauben, da ich noch so jung war. Aber er musste es mit der Zeit. Er hatte mir gesagt das seine Liebe ewig wär, er würde mir beistehen wenn ich das Kind bekam. Spin hatte mit mir zusammen einen Namen ausgesucht, Till sollte es heißen. Doch mit jedem Tag merkte ich wie er immer mehr Abstand von mir nahm. Ich war im siebten Monat als mir klar wurde, dass er mir nicht beistehen würde. Natürlich war er immer noch für mich da und ich liebte ihn noch immer, aber mir ging nicht aus dem Kopf das er bereits eine andere hatte während ich mich mit Schmerzen herum plagen musste. Als es soweit war, konnte ich ihn nicht erreichen. Es war eine Fehlgeburt. Bis heute glaube ich noch, das meine Trauer der Grund an der Fehlgeburt war. Mein Herz zerriss. Ich schwor mir nie wieder wirklich zu lieben. Ich wollte kalt sein, grausam. So grausam wie Spin zu mir war. Bevor ich ihn wiedersehen konnte zogen wir um. Ich fand das es für mich das beste gewesen war. Heimlich schrieb ich ihm Briefe, aber eine Antwort bekam ich nie. Das war Liebe gewesen und das wollte ich nie wieder haben. Dieser Schmerz fraß mich regelrecht auf. Bray war nur eine Schwärmerei von mir gewesen. Niemand den ich unbedingt haben musste. Es reizte mich nur das alle etwas von ihm wollten, also nahm ich ihn mir. Aber mit Liebe hatte das nichts zu tun. Und jetzt aufeinmal der Brief von Martin brachte mich zum nachdenken. Ich hatte die Sache mit Spin schon völlig vergessen un plötzlich kam alles wieder in mir hoch. Mir kamen Zweifel. Tat ich Bray damit nicht weh? Wusste er das? Ich kam mir mit einem Mal so elend vor. Ich wollte nichts mehr machen. Ich versuchte mit aller Gewalt diese Zweifel zu verdrängen, aber tief in mir drin saßen sie noch. Am morgen wurde ich von einem Lärm in der Küche geweckt. Erschrocken setzte ich mich auf und rieb mir gähnend die Augen, es war noch dunkel draußen. Ich fragte mich wer so früh schon auf sein mochte. Bray ganz bestimmt nicht. Ich kannte ihn gut und wusste das er vor Mittags nicht so leicht aufstehen würde. Also konnte es meiner meinung nach nur Martin sein... oder auch irgendein Einbrecher. Mein Gefühl sagte mir das der immer noch anhaltende Lärm nicht von Martin kam. Mit Sicherheit schlief er noch tief und fest. Entschlossen stand ich vom Sofa auf und nahm mir eine Vase in die Hand. Vorsichtig und mit klopfendem Herzen schlich ich mich zur Küche. Ich konnte schemenhafte Umrisse der Wände und Tische erkennen und somit vermeiden, gegen einen Gegenstand zu rennen. Vor der Küche blieb ich stehen. Dort war tatsächlich jemand. Ich konnte nicht erkennen wer, aber ich sah die Umrisse einer Person. Sie war groß und ziemlich muskulös, wie es aussah, aber beim näheren hinschauen sah ich das es doch nur seine Jacke war, die ich für Muskeln hielt.
"Wer ist da?!" fragte ich so drohend wie es meine zitternde Stimme zu ließ. Die Person zuckte zusammen und ließ etwas fallen. Mit einem lautem klirren zerbrach es auf dem Boden. Die Person hatte sich anscheinend am Kühlschrank zu schaffen gemacht, denn dieser stand offen.
"Ich hab dich was gefragt!" versuchte ich es nocheinmal und diesmal etwas mutiger. Ich hörte jemanden die Treppe runter kommen und atmete erleichtert auf. Nu stand ich hoffentlich nicht mehr so allein da. Die Gestalt am Kühlschrank jedenfalls, bewegte sich nicht. Sie stand einfach nur da und sagte kein Wort. Das Licht ging an und für einen kurzen Moment war ich geblendet. Jemand riss mir die Vase aus der Hand.
"Was willst du mit unserer Vase, Ebony?" hörte ich eine Stimme und konnte nun deutlicher erkennen das es Martin war. Seine Frage machte mich skeptich und ich warf einen Blick zu meinem vermeindlichen Einbrecher. Er hatte blonde kurze Haare, ein etwas rundliches Gesicht und sah genauso ratlos aus wie ich in diesem Moment. Ich hatte diese Person noch nie zuvor gesehen und Martin fragte mich tatsächlich was ich mit der Vase vor hatte?!
"Kannst du ihn denn nicht sehen?" flüsterte ich zu Martin. Er jedoch zuckte nur mit den Schultern und schaute zu der fremden Person.
"Sehr witzig Ebony! Das ist Spike, er wohnt bei uns!" antwortete er kühl. Ich kam mir verdammt blöd vor, aber nicht weil ich diesen Spike nicht kannte, sondern weil Martin mich so dämlich dahin stellte. Woher sollte ich auch verdammt noch mal wissen, das er hier jetzt wohnt?! Ich verdrehte die Augen und verließ den Raum. Ich war noch immer müde und daher legte ich mich zurück aufs Sofa. Die Begegnung mit Martin war nicht ganz so verlaufen, wie ich sie mir erhofft hatte. Eigentlich hatte ich gedacht ich könnte einfach mal mich normal mit ihm unterhalten, doch das schien wohl unmöglich. Ich musste alleine mit ihm reden und ihn bei guter Laune antreffen. Es dauerte nicht lange und ich war wieder eingeschlafen. Meine Träume waren zu verwirrt um sie deuten zu können. In letzter Zeit schien ziemlich vieles in meinem Leben verwirrt zu sein. Bray weckte mich wenige Stunden später wieder. Ich rieb mir die Augen und sah ihn an. Er musste schon lange wach sein, denn in seinen Augen lag keine Spur von Müdigkeit.
"Morgen..." murmelte ich verschlafen und streckte mich. Er saß neben mir und grinste mich nur an. Dann nickte er rüber zur Küche und sagte "Frühstück". Als wir beim Frühstück saßen fiel mir auf das wir alleine waren. "Wo ist Martin?" krümelte ich. Bray schmierte sich gerade seine zweite hälfte des Brötchens und zuckte mit den Schultern.
"Keine Ahnung, die hatten irgendeinen Plan. Sind wohl in der Stadt was erledigen!"
Mit "die" hatte Bray wohl Spike mit eingeschlossen. Ich nickte nur.

4. Kapitel

Geschwisterliebe

Ebony lehnt sich im Stuhl zurück. Der Rücken tut ihr weh vom schreiben. Sie ist heute recht früh aufgestanden, da Power und Chaos ihr keine Ruhe gelassen hatten. Zoot hat mal wieder keinen Finger gerührt, er würde wahrscheinlich jetzt noch schlafen. Spike und seine Mannschaft sind schon lange auf. Wenigstens ist jemand da der dann auf die Kinder aufpassen kann, Spike weiß ja was ihm droht wenn er seine aufsichtspflicht verletzt. Es klopft zaghaft an der Tür und Zoot tritt ein.
"Du bist ja schon wach"sagt er überrascht. Ebony rollt genervt mit den Augen. Das war wirklich sehr lustig...
"Nein, ich schlafe noch!"
"Gut" fährt Zoot fort als hätte er ihre Antwort nicht gehört. "Dann kannst du deinen Kids ja mal futter machen, du weißt ja das ich damit meine Probleme habe" Ebony glaubt ihm das nicht so ganz, steht aber trotzdem auf um zu tun was Zoot verlangt.
"Naja... meinst du nicht das zwei Kinder nicht etwas viel sind für dich?" fragt er zaghaft hinter ihr her gehend. Ebony zuckt mit den Schultern.
"Nicht unbedingt, nur zwei Kinder und EIN Mann sind zuviel für mich!" meint sie geistesabwesend. Zoot bleibt erschrocken stehen. Immer das selbe. Er darf ständig ihre schlechte Laune ausbaden.
"Naja, was mich nicht umhaut, macht mich nur noch stärker!" ruft Ebony ihm achselzuckend zu.

Mir war nicht danach rauszugehen, so wie Martin, ich wollte einfach nur meine Ruhe haben. Ich war so in der Art wie meine Mum. Möglichst entspannd und launig. Meine Mum hatte immer gesagt: "Es war so, es ist so und es wird auch immer so sein!" Sie hatte alles hingenommen, außer die Trennung von Dad. Das hatte sie nicht verschmerzt und im Grunde war sie eher durch die Trennung gestorben als durch den Virus. Mein Dad war ein netter Mensch gewesen, allerdings war er anders als Mum. Im Gegensatz zu ihr hatte er nicht alles akzeptiert, er wollte immer den Grund wissen. Einmal hatte er mich gefragt: "Glaubst du das die Sonne morgen früh aufgeht?" Ich hatte rasch mit "natürlich" geantwortet, zu rasch. "Warum?" fragte er mich. "Nun ja, das tut sie doch jeden Morgen!" "Aber wieso?". Er machte mich mit seinen warums ganz verwirrt und ich wusste bald auf die einfachsten Fragen keine Antwort, weil ich wusste das die Dinge die so leicht zu erklären schienen, einfach nicht richtig beantwortet waren. Warum sehen wir im Dunkeln keine Farben? Warum ändert sich die Farbe des Laubs im Herbst? Wo kommen die Berge her? Und so ging es weiter und weiter. Ich merkte bald das ich niemals wie er werden wollte, also hielt ich mich an meine Mum und fragte nicht nach dem Warum sondern nahm die Dinge hin wie sie waren. Als ich in diesem Moment über meine Familie nachdachte, wurde ich tatsächlich ein wenig traurig. Als der Virus Ausbrach hatte ich es hingenommen und keine Zeit mit Trauern verbracht, obwohl ich meine Eltern dennoch vermisste. Aber es hatte keinen Sinn jetzt über sowas nachzudenken. Es gab besseres was man tun konnte, zum Beispiel einen neuen Essensvorrat besorgen. Als ich mich dafür vorbereitet hatte und grade aus dem Haus gehen wollte kam just in dem Moment Martin mit Spike im Schlepptau herein.
Mein Herz blieb vor Schreck stehn und er starrte mich mit einem kalten blick an, der seit neustem zu seinem Outfit gehörte.
"Deiner Schwester geht es nicht gut. Sie liegt vor eurer Haustür!" sagte er, als sei dies selbstverständlich.
"Was?!" rief ich geschockt "Welche? Siva oder Java?" Plötzlich war ich sehr aufgeregt, ich wollte wissen wer es war und was mit ihr war.
"Was weiß ich! Irgendeine!"schrie er mich an und rauschte an mir vorbei. Spike ging ihm hinterher und warf mir im vorbeigehen einen entschuldigenden Blick zu. Ich verschwendete nun keine Zeit mehr mit Martin sondern rannte direckt los. Ich wusste nicht was passiert war es hatte wer weiß wie schlimm sein können. Und plözlich merkte ich das all der Jahrelange hass auf meine Schwestern verloren war. Ich rannte und rannte, der Wind peitschte mir ins Gesicht und ich bekam Tränen in die Augen. Mir kam es wie eine Ewigkeit vor bis ich das Haus erreichte und als ich da war, sah ich sie schon daliegen. Es war Java. Ich kniete mich sofort zu ihr runter und hob ihren Kopf hoch, sie lebte noch, aber jeder konnte sehen das es ihr nicht gut ging. Vorsichtig gab ich ihr immer wieder leichte schläge auf die wange um zu aufzuwecken.
"Java!" flüsterte ich um keine anderen anzulocken "Hörst du mich?!"
Sie bewegte sich nicht, aber ich fühlte deutlich ihren rasenden Puls. Sie lag wohl noch nicht lange dort. Ich konnte mir einfach nicht denken was sie hatte und ich musste sie dringend von der Haustür weg bekommen.
Vorsichtig und schnell sah ich mich um ob auch niemand kam, dann schloss ich die Haustüre auf und rief nach Siva. Ich wartet und schrie immer lauter nach ihr, ich konnte Java ja schließlich nicht alleine dort lassen. Ich wartete und wartete, aber niemand kam. Seltsam dachte ich, das war sonst gar nicht ihre Art einfach zu verschwinden. Aber es half alles nichts, ich musste Java ins Haus schleifen. Ich packte sie unter den Armen und zerrte sie ins Wohnzimmer bis hin zum Sofa. Ich legte sie so vorsichtig wie möglich dort drauf. Ich konnte mir nicht erklären warumich das alles für sie tat, als ich dabei war sie zuzudecken kam mir wieder in Gedanken wie schlecht wir uns immer verstanden hatten, aber trotz allem war sie meine Schwestern. Irgendwie musste ich zugeben das ich sie nicht, wie ich immer geglaubt hatte, hasste sondern sie doch ziemlich gern hatte.
Ich erschrack, Java gab ein erschöpftes stöhnen von sich und drehte langsam ihren Kopf. Ich hoffte das sie aufwachte aber sie schlief sofort wieder weiter. Mit dem Gedanken das ich momentan nichts für Java tun konnte streifte ich durchs Haus auf der Suche nach Siva. Ich suchte in allen Zimmern nach ihr, aber sie war nicht da. In ihrem zimmer sah es nach einer überstürzten Flucht oder Abreise aus ebenso wie in Javas Zimmer. Aber Java hatte neben sich keinen Koffer oder sonst etwas gehabt. Ich konnte mir nicht erklären was vorgefallen war, also musste ich warten bis Java aufwachte. Falls sie dies überhaupt noch einmal tun würde. Sie sah nicht sehr gut aus und ihr Puls raste inzwichen nicht mehr so.
Ich fluchte, wieso hatte sie Bray nicht mit genommen? Und im ganzen verdammten Haus gab es keine Medikamente! Wieder riss Java mich aus meinen Überlegungen, sie stöhnte kurz und öffnete dann langsam und erschöpft die Augen.
"Java" rief ich und stürzte sofort zu ihr "Was ist passiert und wo ist Siva?"
"Siva..." seufzte sie schwer. Sie sprach sehr leise und so hatte ich mühe sie zu verstehen, also beugte ich mich näher über sie.
"Sie haben sie mitgenommen, sie wollte mit..." Java brach ab und atmete schwer ein.
Ich verstand sie nicht, wen hatte sie gemeint? Irgendwie machte das alles keinen Sinn für mich. Ich musste rausfinden was passiert war, nur so konnte ich ihr helfen. Und ich wollte ihr helfen. Zwar hatte ich mich nie gut mit ihr verstanden, aber sie war immerhin meine Schwester und auf irgendeine Art liebte ich sie.
"Java, von wem redest du? Und was ist passiert?" fragte ich sie behutsam und schnell, ich wollte nicht das sie wieder einschlief, denn dann würde es noch schwieriger werden herauszufinden was passiert war.
"Sie haben mich niedergeschossen....Ich wollte nicht mit ihnen gehen.... Siva wollte mit, sie hat nicht auf mich gehört" Wieder brach Java ab. Niedergeschossen? Ich war entsetzt. Ich hatte mich auf jeden Fall nicht verhört. Java hatte niedergeschossen gesagt... aber ich konnte an ihrem ganzen körper keine Schusswunde entdecken. Fantasiertes sie etwa?
"Hör mir zu Ebony" sprach sie weiter und wieder hielt ich fast den Atem an um sie zu verstehen " Sie sind böse. Verstehst du? Sehr böse. Du musst Siva da rausholen. Sie hat keine Ahnung. Bitte Ebony, rette deine Schwester"
Ich sollte also Siva retten, na prima. So weit war ich schon mal gekommen aber noch immer hatte ich keine Ahnung von wem sie eigentlich redete und was für eine Schussverletzung sie hatte. Wollte sie mich etwa veralbern. Wenn das alles mal wieder so ein billiger Scherz von Java und Siva war würde ich in meinem ganzen Leben nicht mehr mit ihnen reden.
"Java, sag mir bitte von wem du redest!" versuchte ich es erneut, doch sie reagierte nicht. Sie hatte die Augen geschlossen und atmete immer noch schwer. Ich hatte die Hoffnung bereits aufgegeben als sie ihre Augen öffnete und wieder anfing zu sprechen.
"Die Technos Ebony. Versprich mir das du sie daraus holst..." "Halt, halt, halt!" unterbrach ich sie schließlich und nahm ihre kalte Hand in die meine " Hör zu, ich werde dich gesund pflegen und dann werden wir gemeinsam Siva daraus holen, okay?"
Ich merkte wie sie ihren Kopf schwach schüttelte, so gut es ihr Zustand erlaubte.
"Nein..." Java brachte fast nur noch ein Krächzen hervor "Stell dich nicht so dumm, Ebony. Ich werde nicht mehr gesund...Versprich es mir, bitte" Ich schluckte, ihre Worte waren hart. Ich werde bis heute nicht verstehen wie sie so leichtfähig über ihren Tod sprechen konnte. Mich traf es wie ein harter Schlag ins Gesicht der mich beinahe vom Sofa warf. Sie hatte Recht gehabt, ich war dumm. Ich wusste wie schlecht es ihr ging und habe mir selbst etwas vorgemacht. Dann war ich auch selbst dran Schuld das es mich jetzt so traf. "Ich verspreche es dir" flüsterte ich und rang mich zu einem schwachen Lächeln. Sie drückte ebenfalls lächelnd meine Hand und schloss die Augen. Ich spürte wie mir eine Träne die Wange hinunterlief, aber ich hatte nicht mehr die Kraft dazu sie wegzuwichen. "Meine schwester..."flüsterte Java und ich hob ihren Kopf hoch und legte sie in meine Arme. " Ich bin so unendlich müde...so schwach und schlapp. Hätte ich ein Kleid das so schlaff wäre wie ich gerade... ich würde es zerschneiden und in den Müll werfen" Jeder Atemzug kostete sie unmengen von Kraft. Es brach mir das Herz sie so da liegen zu sehen und nichts tun zu können.
"Dann, dann schlaf ganz tief" sagte ich und war überascht wieviel Kraft ich noch hervorbringen konnte. Ich legte sie zurück auf ihr Kissen und streichelte ihre Wange. "Schlaf so lange du willst."
Java nahm sich meinen Rat zu Herzen und schlief ein. Sie fiel in einen langen und ewig tiefen Schlaf. Ich wusste das sie nie wieder aufwachen würde und ich schwor mir, die Technos mir vorzuknöpfen. Ich hielt es nicht mehr aus und warf mich weinend auf meine tote Schwester...

"ZOOOOOOOOOOOOOOOT!!!!!" hört man eine schrille weibliche Stimme durchs Hotel schreien. Die Stimme klingt ziemlich gereizt und etwas genervt. Und sie gehört zu keinem anderem als zu Ebony. "Verdammt, wo steckt der Kerl schon wieder!...ZOOOOT!!!" Schnellen Schrittes eilt sie durch das Hotel auf der Suche nach dem Vater ihrer beiden Kinder. Doch nirgens auch nur eine Andeutung von ihm, mal abgesehen von dem offenem Marmeladenglas auf dem Tisch, welches logischerweise leer ist. Es ist nicht zu fassen wieviel Sauerei ein einziger Mann anrichten konnte und natürlich bleibt das Sauber machen wieder an Ebony hängen. So kann das nicht weitergehen.
"Er kann ja gerne die Arbeit anderen überlassen, aber nicht MIR!!!" Ebony tritt ins Wohnzimmer und entdeckt Zoot sofort auf dem Sofa liegend mit einem weiteren Marmeladenglas in der Hand. Die Zwillinge sitzen neben ihm auf dem Boden und spielen mit ihren Bauklötzen. Zoot hat Ebony nicht bemerkt, da er voll und ganz in ein Comik vertieft ist. Manchmal benahm er sich für sein Alter EXTREM kindisch... aber war es nicht das was Ebony immer so an ihm liebte? Wie auch immer, ein Vater sollte seiner Vorbildfunktion schließlich nachkommen und das geht nicht wenn er ständig Marmelade isst und Comiks liest! "Sag mal hast du keinen Funken Anstand???!!" schreit Ebony ihn sofort an. Zoot sieht erschrocken zu ihr hoch während sein Marmeladenmesser noch immer in seinem Mund weilt.
"Waschn losch?" fragt er mit seinem typischen hundeblick, der zeigte, dass er ganz genau wusste was er verbrochen hatte und sich trotzdem noch irgendwie raushauen wollte.
"Du weißt ganz genau was los ist" braust Ebony sofort auf, geht im Slalom an den Zwillingen vorbei und reißt Zoot das Messer aus dem Mund. "Du sollst nicht aus den Marmeladengläsern essen, das ist los!!" Wütend schmeißt sie das Messer auf den Tisch und reißt ihm als nächstes das Marmeladenglas aus der Hand.
"Aber ich hab Hunger..." wirft Zoot flehend ein. Aber Ebony kennt in dieser Hinsicht kein Pardon. Einzig und allein der Zwillinge wegen fährt sie mit gedämpfter Stimmer fort.
"Wenn du Hunger hast" beginnt sie und ihre Augen funkeln bedrohlich "Dann mach dir gefälligst was zu Essen, aber hör auf aus den Marmeladengläsern zu essen.... außerdem wirst du fett wie ein Otter!" Motzig betrachtet Zoot seinen Bauch, der zwar nicht mehr ganz so abgemagert wirkt, aber dennoch noch ziemlich dünn ist. Also fett ist mal ganz stark übertrieben...
"Ist doch gar nicht wahr... " murmelt er mehr zu sich selbst als zu Ebony, ein paar Pfunde mehr auf den Rippen könnten ihm wohl kaum schaden. Ebony schüttelt immer noch wütend den kopf, steht auf und greift nach dem Marmeladenglas um es in die Küche zu bringen.
"Sag, Ebony" hält Zoot sie auf "Bist du nur deswegen gekommen?" Das diese Frage ein fehler war hätte Zoot sich auch denken können, schließlich kam Ebony nie nur wegen einer Sache die er verbrochen hatte.
"Nein. Eigentlich nicht. Ich kam auch wegen der Wäsche die du achtlos im Schlafzimmer rumliegen lässt und ganz nebenbei auch wegen dem Werkzeug das in allen Ecken rumliegt und natürlich auch noch wegen dem verstopften Abfluss der Dusche, weil du einfach nicht sauber machen kannst und...."
"Ist ja gut ist ja gut!" Zoot verzieht das Gesicht und Ebony sieht ihn abschätzend an. "Früher hat dich das nie interessiert, süße" Genervt lässt Ebony einen Seufzer hören.
"Früher, mein Rumpelstilzchen, hatten wir auch noch keine Kinder!"mit einem gekünstelten süßlichen Lächeln hebt sie Power und Chaos neben Zoot aufs Sofa. Diese fangen sofort an zu giggeln.
"Oder bereust du es schon Kinder zu haben?" Hastig schüttelt Zoot den Kopf.
"Niemals... ich kann mir ein Leben ohne die beiden gar nicht mehr vorstellen!" Zumindest entsprach das der Wahrheit und er hoffte das Ebony nun nichts mehr zum rum mekeln hatte.
"Oh" lächelt sie "das trifft sich gut, dann kannst du ja mit ihnen Spazieren gehen" Sie gab ihm einen flüchtigen Kuss auf die Wange und machte sich aus dem Wohnzimmer.
"Ich und mein großes Maul..." sagt er verdrießlich zu Power und Chaos. Zoot mit einem Kinderwagen spielt das nette Kindermädchen, er würde sich zum Gespött der ganzen Stadt machen. Aber da musste er durch. Ärgerlich nahm er die Zwillinge auf den Arme wobei sie sofort anfingen mit seinen Dreadlocks zu spielen und machte sich auf den Weg ins Kinderzimmer um sie anzuziehen.

Ich weiß nicht wie lange ich so bei meiner toten Schwester gelegen hatte, vielleicht eine Nacht lang oder auch zwei, ich habe keine Ahnung aber es schien wie eine Ewigkeit für mich. Ich hatte vor längerer Zeit schon zum Teil wahrgenommen, das jemand an der Haustür klopfte und um Einlass schrie. Ich hatte keine Ahnung wer das sein konnte und ich wollte auch nicht wissen wer es war. Mir war alles egal, nichts schien für mich gut zu laufen. Seit Java gestorben war hatte ich nichts mehr gegessen oder getrunken und ich verspürte auch keinen Hunger. Zum Teil lag es auch daran dass ich wusste das sie keine Nahrung mehr benötigte, ich hatte mir gedacht wenn sie es nicht braucht dann brauche ich als ihre Schwester es auch nicht. Ein wichtiger Teil meines Lebens, den ich vorher nicht wahr genommen hatte war einfach so gestorben, hatte mich einfach alleine gelassen. Sie war fort, nur noch eine Hülle Ihrer selbst war zurückgeblieben. Sonst hatte ich nichts mehr von ihr. Ich fühlte mich soweit von ihr weg... "EBONYYY!!! Mach die Tür auf!!" brüllte jemand an der Haustür, ich identifizierte diese Stimme als eine männliche die mir bekannt war. Vielleicht war es Bray... Vielleicht mein Vater....

"Seht ihr nun das ich langsam durchdrehte?!"

Ich wollte aufstehen um die Tür aufzumachen, aber ich fand keine Kraft dazu und im nächsten Moment hatte ich auch schon wieder vergessen dass jemand an der Tür war. "Komm schon Ebony..." Eine mitfühlende Stimme war es. Der Tod? Kam der Tod um mich zu Java zu bringen... oder war es nur ein Traum? "Ach verdammt" ertönte eine etwas aggressivere Stimme "Ich renn jetzt einfach die Tür ein..." Ich hörte wie diese Person anlauf nahm jedoch von der sanften Stimme aufgehalten wurde. Für einen Moment hatte ich neue Hoffnung. Jemand wollte für mich die Tür einrennen, es gab jemanden der mich brauchte... "Martin, das kannst du nicht machen! Du willst doch nicht das Haus beschädigen, da könnte ja jeder kommen und sich holen was er braucht!" "Nenn mich nicht so..." zichte der zynische "Außerdem tut es früher oder später sowieso jeder!" "Du weißt das unsere Meinungen da um Längen auseinander gehen, also lass es endlich!" "Ach halt die Klappe, Bruderherz. Tritt endlich zur Seite, ich hab keine Lust mehr" Einen kurzen Moment später ertönte ein lautes Krachen und ich hörte Schritte auf mich im Wohnzimmer zukommen. Ich wünschte mir sie würden wieder gehen, ich wollte nicht so gesehen werden. Ich hatte mich im Griff, dachte ich mir, und ich würde mich schon nach einiger Zeit wieder aufrappeln. Wieso machten sie also so ein Geschiss daraus? Aber heute muss ich wohl eingestehen, das es schlimmer aussah als es wahr, aber vielleicht auch umgekehrt. "Ebony!?" riefen beide entsetzt aus. Bray lief sofort auf mich zu und überprüfte den Stand der Dinge, während Zoot Abseits stand und sich die Nase zuhielt. "Ein Engel?" flüsterte ich als Bray sich über mich beugte und mich von Java zog. "So ähnlich" lächelte er. Ich wusste nicht was er eigentlich tat, aber ich glaube er hatte die Balkontür geöffnet und Java zusammen mit Zoots Hilfe rausgetragen. Mir wurde eine Decke umgelegt und mich auf einen Sessel plaziert. "Man man..." keuchte Zoot als sie wieder reinkamen "Dieser Gestank ist unerträglich. Wie hast du das nur ausgehalten?!" Im nachhinein wurde mir erst klar das er die Frage an mich gestellt hatte, aber ich war mit meinen Gedanken woanders. Kaum etwas nahm ich wahr. "Sie muss schon vor fünf Tagen gestorben sein, schätze ich" flüsterte Bray wahrscheinlich damit ich nichts mitbekam. Aber ich hatte ihn gehört. "So riecht sie auch..." stöhnte Zoot und fächerte sich mit der Hand Luft zu. "Sei gefälligst etwas mitfühlender, Martin!" Sie standen nun direckt vor mir und untersuchten mich nach eventuellen Wunden oder sonstigen Anhaltspunkten. Ich ließ alles mit mir machen nur um endlich hier weg zu kommen. "Wer ist Martin?" flüsterte ich und sah die beiden an. Sie kamen mir vor wie Fremde. Leute die ich nie zuvor gesehen hatte. An ihren Gesichtern erkannte ich, dass sie mit solch schwerwiegenden Folgen nicht gerechnet hatten. "Das frag ich mich auch!" meinte Zoot sarkastich mehr zu Bray als zu mir. Bray beachtete ihn gar nicht. Er flüsterte mir beruhigende Worte zu die ich heute nicht mehr weiß, da ich in einem halbkoma verfiel. Nichts was die beiden Taten bekam ich wirklich mit. Bray hatte mir vergeblich erklärt das sie mich mit einem Polizeiwagen in ein Hotel bringen würden. Mir kam das ziemlich komisch vor. Ich hielt sie in der zeit für polizisten und konnte mir einfach nicht erklären was ich verbrochen hatte und warum die Polizei mich in ein Hotel brachte. Ich merkte wie ich auf eine Rückbank gelegt wurde, eine Sirene ertönte und ich einschlief.

Während ich aß sah Zoot mir dabei zu und schien über irgendetwas nachzudenken. Irgendwie war mir unwohl dabei wie er mich ansah und durch mich hindurch zu sehen schien. Ich wollte zum einen wissen was er gerade dachte aber zum andern wollte ich es auch wieder nicht. Meine Innere Stimme sagte mir das er über etwas nachdachte was ich nicht hören wollte. Ich beschloss nicht weiter darüber zu grübeln und meine ganze Aufmerksamkeit dem Essen vor mir zu widmen. Das Tablett enthielt einen Orangensaft, ein Müsli und zwei belegte Brote. Ich hatte nicht viel Hunger und so ließ ich die Hälfte davon von Zoot zurückbringen. Er hatte gar nicht bemerkt wie wenig ich gegessen hatte, sondern es ziemlich verträumt einfach mitgenommen. Als er verschwunden war betrat Bray das Zimmer. Er wollte mit Sicherheit mit mir reden, dachte ich mir, aber ich wollte nicht. In mir war nur noch das Bedürfniss zu schlafen und nichts mehr zu tun. Das konnte ich ihm aber nicht einfach so sagen, schließlich hatte er sich auch so gut um mich gekümmert und da wollte ich nicht unhöflich sein.
"Hallo Ebony, na gehts die besser?" begrüßte er mich und setzte sich an den Rand des Bettes.
"Sicher" meinte ich knapp.
"Ich meine... es tut mir leid wenn ich jetzt einfach so mit der Tür ins Haus falle, aber ich würde gerne wissen ob du den Tod von Java nicht einfach nur verdrängst..." Bray wirkte leicht nervös, aber ich konnte nichts mít seinem Satz anfangen. Ich hatte den Tod von ihr komplett verdrängt, ich schien um genau zu sein, gar nicht mehr zu wissen das sie gestorben war. Es war eine Art Blackout den ich hatte, diese Scenen waren einfach gelöscht. Leicht irritiert blickte ich ihn an.
"Was meinst du?"
"Nun ja, ich glaube das du einfach nicht mehr drüber nachdenkst und es halt verdrängt hast... ich meine irgendwann wird es dann wieder..."
"Java ist tot?!" krächzte ich. Meine Gedanken überdrehten sich und mein Puls raste. Bray konnte nichts sagen, ich hatte ihm die Sprache verschlagen und so starrte er mich nur entsetzt an. ich glaube in dem Moment hätte er sich wohl am liebsten die Zunge abgebissen, denn er sah wie ich langsam wütend wurde.
"Hör mir mal zu " meine stimme wurde lauter "Du findest das wohl komisch mich so zu verarschen, aber ich kann dir sagen das ich das gar nicht lustig finde! Das ist ja mal en toller Witz, so niveaulos habe ich dich gar nicht eingeschätzt!!" Ich war wirklich kurz davor ihm eine saftige Ohrfeige zu verpassen. Brays Gesicht hatte einen gewuälten ausdruck angenommen.
"Ebony... du solltest..." Diesmal hatte nicht ich ihn, sondern Zoot ihn unterbrochen. Er kam just in dem Moment ins Zimmer gestürzt und schaute mich und Bray abwechselnd an. Er sah meine Wut und Brays Verzweiflung.
"Was ist hier los?" fragte er scharf. Seine Worte waren an Bray gerichtet aber ich antwortete statt seiner. "Er wollte mir Weis machen das meine Schwester tot wäre, dabei weiß ich ganz genau das es ihr gut geht. Er glaubt wohl er würde so Eindruck schinden."
Zoot sah mich mit dem gleichen entsetzten wie vorher Bray an. Doch er versuchte nicht mich vom Gegenteil zu überzeugen. Sein Gehirn hatte erstaunlich schnell geschaltet und er kam zu dem Entschluss das Spiel mit zu spielen.
"Bray?! Wie kommst du denn auf so einen Quatsch!" In Brays Augen blitzte es kurz wütend auf, doch er sagte nichts.
"Mach dir keine Gedanken, Ebony. Ich hab sie eben noch gesehen, ich schätze mal Bray hat sich da in was verrant!"
"Sicher..." meinte ich trocken als er Bray mit sich aus dem Zimmer zog.


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