Froh kehrt der Schiffer heim an den stillen Strom
Von fernen Inseln, wo er geerntet hat;
Wohl möcht auch ich zur Heimat wieder;
Aber was hab ich, wie Leid, geerntet?
Ihr holden Ufer, die ihr mich auferzogt,
Stillt ihr der Liebe Leiden? Ach! Gebt ihr mir,
Ihr Wälder meiner Kindheit, wann ich
Komme, die Ruhe noch Einmal wieder?
(Friedrich Hölderlein, "die Heimat")
Kapitel I
"Willst du wirklich nicht mit mir kommen?"
"Nein, mein Freund. Auch ich will meine Familie und mein Land wiedersehen.
Lass uns ein andermal wieder zusammentreffen."
Legolas und Gimli waren am Rand des Düsterwaldes angekommen.
Sie waren die weite Strecke gelaufen, weil sich Gimli geweigert hatte,
noch einmal auf ein Pferd zu sitzen. Nun standen sie vor der Grenze des Waldes und der Abschied nahte.
Sie sahen sich beide an, lange.
Es schien, als wollte niemand etwas sagen. Niemand den ersten Schritt tun,
zu dem Moment, den beide schon jetzt verabscheuten. Der Abschied.
Und dann passierte etwas, was beide nicht erwartet hatten.
Gimli schmunzelte und auch Legolas' Mundwinkel zuckten verdächtig und
schließlich fingen beide an lauthals loszulachen.
So standen sie da und lachten, bis Gimli schließlich seinen Freund ohne Worte
kurz in die Arme schloss und davon stapfte.
Legolas sah ihm eine Weile nach und lief dann in den Wald.
Er atmete die frische Luft ein, die ihm das Gefühl von Heimat gab.
Er schloss die Augen und lief weiter, sich seines Weges sicher und seine Zieles bewusst.
Er kannte die Gegend besser, als irgend etwas anderes.
Wie oft war er als kleiner Junge mit seinem Vater im Wald auf der Jagd gewesen
oder hatte mit seiner Mutter Kräuter gesammelt.
Später war er dann alleine losgezogen, einfach um Ruhe zu finden
oder war mit seinem Bruder und seinem besten Freund jagen gegangen.
Und jetzt, nach monatelanger Abwesenheit, war er wieder daheim.
Und als er die Augen öffnete und mit seinen schlanken Fingern über die Rinde der Bäume strich,
war er einfach nur glücklich.
Er zog sich seine dünnen Stiefel aus und lief barfuss weiter über das feuchte Gras,
ungeachtet der kleinen, spitzen Ästchen, die sich in seine Ferse bohrten.
In diesem Moment fühlte er sich wieder wie ein Kind, ganz frei und unbeschwert.
"Haltet ein, Fremder!" hörte er plötzlich eine fremde Stimme hinter sich.
Legolas drehte sich langsam um, die Hände bereit um nach einem Pfeil zu greifen.
Vor ihm stand ein Elb der Grenzwachen des Düsterwalds.
Sein Bogen war gespannt und Legolas zweifelte keine Sekunde daran, dass er auch schießen würde.
Schnell ließ Legolas seine Hand sinken.
"Bogen weg." zischte der noch sehr jung aussehende Elb. Legolas seufzte und ließ seinen Bogen fallen.
"Nun, was wollt Ihr hier?" fragte der Grenzwächter nun ein wenig entspannter.
Legolas blickte seinen Gegenüber genau an.
Sein langes, hellbraunes Haar hatte er zusammengebunden und er trug eine hellgrüne Uniform,
die mit einer Schnalle in der Form einer Buche oben zusammengehalten wurde.
Obwohl er offensichtlich in königlichem Dienst stand, schien er Legolas nicht zu erkennen.
"Ich bin zurückgekehrt." meinte dieser nun einfach.
"Ich halte seit über einem halben Jahr hier Wache und bin Euch noch nie begegnet.
Von welch langer Reise sollt Ihr zurückgekehrt sein?"
"Nun, das spricht für dich, dass du erst seit einem halben Jahr hier bist." meinte Legolas.
"Ich bin Legolas, Sohn des Thranduil, den du kennen solltest,
Prinz und Thronfolger des nördlichen Düsterwaldes."
Legolas schlug seinen Mantel zurück und auf seiner Brust konnte man das Wappen
des Könighauses gut erkennen.
Der Wächter ließ den Bogen sinken und ging auf die Knie.
"Verzeiht, Hoheit." meinte er leise. "Ich habe Euch nicht erkannt."
"Wie ist dein Name?"
"Omit, Hoheit."
Legolas nahm seinen Bogen in die Hand, als der junge Elb wieder sprach.
"Ihr müsst verzeihen, wisst Ihr, seit ihrem Tod, haben wir unsere Kontrolle verstärkt…
misstrauischer sind wir geworden."
Legolas blickte auf. "Steh auf. Seit welchem Tod?"
Omit blickte den Prinz erschrocken an. "Ich glaube nicht, dass ich…"
"Wer ist gestorben, Omit? Willst du, dass ich mich weiter deinetwegen entzürnen muss?"
"Nein, Hoheit, natürlich nicht…es ist nur…"
Legolas schwante nichts Gutes. Seine Gedanken formten sich zu furchtbare Dinge.
Es musste jemand sein, der ihm nahe stand. Jemand aus seiner Familie.
Sonst würde man nicht so ein Aufsehen machen…deshalb auch die hellgrüne Uniform.
Warum war es ihm nicht sofort aufgefallen? Hellgrün war die Trauerfarbe der Waldelben.
"Wer ist es?"
Legolas Stimme zitterte ein wenig, trotzdem war sie laut und streng.
Omit sah ihn nicht an und seine Stimme zitterte merklich, als er sprach.
"Fainelloth, Prinz, Eure verehrte Mutter."
weiter