Kapitel I
Kalt, es war kalt. Zu kalt, für seinen Geschmack.
Das Feuer war erloschen, wie lange hatte er geschlafen?
Durchs Fenster sah er, wie die Sonne langsam aufging.
Er hatte die ganze Nacht lang geschlafen,
bald würde die Journalistin hier sein.
Jack stand auf und ging in die Küche.
Die Kälte kroch durch seine Gelenke, als wäre sie ein Teil seines Körpers.
Kurz entschlossen entzündete er einige Kerzen, die überall im Haus zu finden waren.
Zwar spendeten sie einzeln so gut wie keine Wärme, aber dafür Energie.
Gierig sog er die Energie aller Flammen auf, bis keine einzige Kerze mehr brannte.
So war es besser.
Dann machte er sich daran Kaffee zuzubereiten.
Obwohl er sich eine andere Villa hätte leisten können, war er in diesem Haus geblieben.
Im Haus seiner Eltern, in seiner Akademie, in dem Haus, in dem alles angefangen hatte und vielleicht auch eines Tages enden würde.
Es klingelte an der Eingangstür.
Sie war da, es konnte beginnen.
Er hatte sich nicht lange mit Höflichkeitsgeplänkel aufgehalten, sondern sie gleich in die Bibliothek gebracht, sein Lieblingsraum.
Zuvor hatte er sich allerdings noch köstlich amüsiert.
Als er ihr geöffnet hatte, stand Angst auf ihrem Gesicht geschrieben. Er hatte sie lesen können wie ein Buch und es hatte ihn erfreut.
Er freute sich an anderer Leute Angst, wie ein Kind an einem Bonbon.
Nun breitete sie fachmännisch alle nötigen Utensilien aus.
Ein Diktiergerät, mehrere Kassetten, einen Block und einen Stift.
"Ich habe mich über Sie informiert Mr.Finn.
Sie haben lange Zeit in diesem Haus bedürftige Kinder aufgenommen..."
"Nein, habe ich nicht. Aber dazu kommen wir später.
Das alles fing viel früher an. Viel früher und irgendwann einmal wird es enden. Es fing alles an mit Shiri...
Als ich sie das erste Mal sah, dachte ich in meinem Magen ein Feuerwerk explodieren zu hören und zu fühlen.
Sie war wunderschön.
Haare, schwarz wie die Nacht.
Augen, blau wie der weite Ozean.
Ich weiß nicht mehr wie wir zusammenkamen, aber ausschlaggebend ist, dass wir es schließlich kamen.
Ich war so glücklich mit ihr, wähnte mich schon am Ende meiner Ziele, verlobte mich sogar mit ihr.
Als sie zusagte, war ich sprachlos vor Glück.
Der erste Mensch, den ich liebte, der mich akzeptierte, so wie ich war... genau diesen Menschen würde ich bald heiraten,
das dachte ich zumindest damals.
Wir gingen spazieren an diesem Abend,
es war dunkel, doch mir kam es so vor, als würde unser Glück durch unsere Augen strahlen und uns so den Weg leuchten.
Wir achteten nur auf uns und so bemerkten wir zu spät, dass wir uns verlaufen hatten.
Und da stand es, zu diesem Zeitpunkt wusste ich es noch nicht zu beschreiben, erst später wusste ich, dass es ein sogenannter Kalasche gewesen war, der da mein Leben zerstört hatte."
"Ein Kalasche?"
"Warten Sie ab. Alles nach der Reihe.
Jedenfalls stand dann plötzlich dieses... Ding, so habe ich es wohl damals genannt, vor uns.
Es war in der Dunkelheit kaum zu erkennen, aber dass es nicht von dieser Welt sein konnte...
Das spürte ich sofort. Es war wie ein Monster, das aus einem der unzähligen Horrorfilme entsprungen war.
Auch die Farbe war nicht erkennbar, aber um vorneweg zu greifen, es war dunkelgrün.
Auch Shiri hatte es gesehen und war geschockt stehengeblieben, ebenso wie ich.
Wir wussten nicht, was wir tun sollten, ob wir überhaupt reagieren sollten.
Es schien so unwirklich.
Aber das Ungeheuer nahm uns die Entscheidung ab.
Es griff uns in vollem Lauf an und da spürte ich ein vertrautes Kribbeln in meiner Hand, ohne zu wissen woher es kam.
Es war einfach da und aus meiner Hand bildete sich eine Energiekugel, die im Inneren zuckte und der kleine Blitze innewohnten. Pure Energie.
Das war das erste Mal, dass ich so eine Kugel hervorbrachte, aber es sollte noch lange nicht das letzte Mal sein.
Ich nehme heute noch an, dass es sich aus Angst um Shiri bildete.
Das Ding kam immer näher, Shiri schrie und ich schleuderte die Kugel in Richtung Monster.
Ich weiß nicht, was ich damals erwartet hatte, aber ich verfehlte den Kalaschen. Doch glücklicherweise musste ich es eingeschüchtert haben.
Vielleicht sah es für den Kalaschen aus, als beherrschte ich die Energie. Für mich war es nur ein Glückstreffer gewesen.
Als ich mich zu Shiri drehte, war sie nicht mehr da.
Auf dem Boden hingegen fand ich ein kleines Häufchen Asche, der vom Wind in die weite Welt hinausgetragen wurde.
Damals hatte ich noch keine Ahnung, dass ich mit Handbewegungen die Richtung der Energie beeinflussen konnte,
was ich aber sehr wohl wusste war, dass ich Shiri umgebracht hatte.
Ich hatte meine eigene Freundin, meine Verlobte umgebracht.
Die Schuldgefühle drohten mich umzubringen, doch irgendwie musste ich es in meine Wohnung geschafft haben.
Wie genau, das weiß ich bis heute nicht und auch, was ich danach gemacht habe, weiß ich nicht.
Aber irgendwann muss ich schlafen gegangen sein.
Am nächsten Morgen weckte mich das Klingeln an der Tür.
Im ersten Moment erschien mir alles so normal und ich dachte mit keinem Wort an Shiri, den Kalaschen oder die Energiekugel.
Stattdessen öffnete ich die Tür."
Wieder wurde er von der Journalistin, Keira Stone, erinnerte er sich, unterbrochen.
"Entschuldigen Sie bitte, wenn ich Sie unterbreche. Aber Sie wurden nie wegen Mordes verhaftet. Sie haben nicht einmal eine Vorstrafe..."
"Warten Sie ab, nicht so schnell. Sie sind zu ungeduldig, das ist eine schlechte Eigenschaft, vor allem für Journalisten."
Keira lächelte.
"Ich weiß, aber immerhin habe ich Sie noch nicht für verrückt erklärt, wie einige meiner Kollegen es bereits getan hätten."
"Wie meinen Sie das?"
"Nun ja. Kalaschen, pure Energie, die aus Ihrer Hand kommt."
"Ah, ich verstehe. Sie glauben mir nicht. Dann passen Sie mal genau auf."
Jack lächelte kalt.
Es war ein Lächeln, wie aus seinen besten Zeiten.
Dann hob er die Hand und innerhalb kürzester Zeit hatte sich eine Energiekugel gebildet, die sich um sich selbst drehte, wenn Jack es so wollte oder durch den Raum flog, wenn er entsprechende Bewegungen machte.
Das Gesicht der Journalistin schien wie festgefroren.
"Das ist unmöglich", flüsterte sie.
"Nichts ist unmöglich", gab er zurück.
Er ließ die Kugel wieder auf seiner Hand landen,
Keira streckte eine Hand danach aus.
"Nicht", warnte Jack.
"Die Konzentration der Energie würde sie umbringen, hinzu kommt, dass es negative Energie ist."
Jack sah der Journalistin an, dass sie Tausende von Fragen hatte, aber sie war schlau genug sie nicht zu stellen, sondern zu warten.
"Erzählen Sie weiter", forderte sie auf.
"Wer stand vor der Tür?"
weiter