Die Lurchi-Hefte:

Heft 1 bis 52 von Heinz Schubel
Nach Lurchis Start in den Jahren 1937 bis 1939 folgte eine kriegsbedingte Zwangspause für den Salamanderjungen. Es dauerte über 10 Jahre, bis der Held aus seinem Dornröschenschlaf erwachte: Erst 1951 erschienen wieder Hefte von "Lurchis Abenteuer". Damit, und wenig später mit dem Einstieg von Heinz Schubel, begann eine Glanzzeit der Serie, die mehr als zwei Jahrzehnte andauern sollte - Lurchi wurde von der bloßen Werbefigur zum populären Helden mit universeller Bekanntheit. Hier wird die Entwicklung der Hefte und der Serie während dieser "klassischen Periode" beleuchtet.
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Lurchi-Seite
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Neubeginn - noch mit Sütterlin

Bei der Wiederbelebung der Serie orientierte man sich an dem Material, das aus den 30er Jahren vorlag: Es wurden zunächst die Hefte 1 bis 5 neu aufgelegt, die schon vor dem Krieg erschienen waren. Dabei handelte es sich aber nicht - wie lange angenommen - um einen Nachdruck der
Vorkriegshefte ! Vielmehr wurden die Geschichten nach den alten Vorbildern neu gezeichnet, vermutlich weil die alten Druckvorlagen nicht mehr vorhanden waren. Meist orientierte sich der neue Zeichner, dessen Name nicht bekannt ist, eng an der Vorlage; an vielen Details lassen sich aber durchaus Unterschiede zum Vorkriegs-Lurchi feststellen. Dass es sich bei dieser Neuzeichnung um den gleichen (ebenfalls unbekannten) Künstler wie in den 30er Jahren handelt, ist aufgrund stilistischer Unterschiede eher unwahrscheinlich. Im Laufe der Jahre 1951 und 1952 kamen die Nummern 1 bis 5 erneut zur Verteilung, bevor man sich an die Fortsetzung machte.

Die ersten beiden Nummern der Neuausgabe unterscheiden sich noch relativ wenig von der Vorkriegsauflage. Insbesondere wird hier auf Titel und Rückseite noch Sütterlin-Schrift benutzt, keine Schulschreibschrift! Lange nahm man an, dass jedes Heft mit Sütterlin-Titel ein Vorkriegsheft ist; inzwischen hat sich das als Irrtum erwiesen. Vor- und Nachkriegserstauflage der Hefte 1 und 2 sind sich also sehr ähnlich, aber die Unterscheidung ist einfach: Die Vorkriegshefte haben auf dem Titelbild im weißen Kasten hinter "das lustige Salamanderbuch" einen Punkt, Nachkriegshefte nicht. Außerdem steht in den 50er Jahren auf der Rückseite "Auch für Kinder jeden Alters" - vor dem Krieg hatte man verschiedene andere Formlierungen benutzt.

Erst ab Heft 3 der ersten Nachkriegsauflage wurde ausschließlich in lateinische Schreibschrift gesetzt, die den Heften auch weiterhin erhalten bleiben sollte. Betrachtet man den neuen Titelschriftzug, so war er noch stärker stilisiert als bei den späteren Heften: erkennbar besonders am offenen "L" und dem tief heruntergezogenen "A" im Titel "Lurchis Abenteuer". Im Untertitel waren die Ausgaben wie vor dem Krieg als "das lustige Salamanderbuch x. Teil" bezeichnet.

Ein Buch also, dessen einzelne Teile als Kapitel einer langen Geschichte um den Helden Lurchi zu sehen sind. Schaut man sich die Hefte an, ist das durchaus plausibel: Zu Beginn noch ganz Jüngling, bleibt Lurchi in den ersten beiden Heften vollständig in die traute Welt des Salamander-Heims eingebunden, bevor er in kleinen Schritten die weite Welt mit all ihren Möglichkeiten entdeckt. Ein Entwicklungsroman in Fortsetzungen, der sich bis zum Heft 5 doch kaum von der bürgerlichen Amphibienwelt lösen kann - erst danach sollte er wirklich in Schwung kommen.

Die heute allgemein verbreitete Schulschreibschrift war damals noch neu. Bei den Texten, die man den Kindern in den Lurchi-Heften zu lesen gab, wollte man keine Ungenauigkeiten riskieren: Die "Vereinigten Kunstanstalten Kaufbeuren" als Druckerei beschafften sich die offiziellen Schriftvorlagen vom Kultusministerium des Landes Banden-Württemberg. Die Wahl dieser Druckerei für die Lurchi-Hefte war unter anderem davon bestimmt gewesen, dass dort ein Schriftenmaler vorhanden war, der die Verse unter die Bilder setzen konnte. Das gelang so gut, dass der erste Lurchi-Sammelband später in manchen Grundschulen Baden-Württembergs als Ersatz für Schulfibeln verwendet wurde.

Die Geschichten in den ersten 4 Ausgaben wurden von dem neuen Zeichner vollständig den Vorkriegsheften nachempfunden. Sie bestehen also noch aus 3 Blättern, womit sie einen Umfang von 12 Seiten haben. Das Titelbild war immer gleich: ein Hut-schwenkender Lurchi, noch mit deutlich weniger Gelb in der Körperzeichnung als später, den Kopf leicht gesenkt. Ebenso zeigte die Rückseite, wie vor dem Krieg, immer das Salamander-Firmensymbol in gelb-schwarz. Darunter stand nun, wie erwähnt, der Text "Auch für Kinder jeden Alters"; auch dies ab Heft 3 in lateinischer Schreibschrift.
Bei der Neuauflage von Heft 5, der "Waldschule", entschloss man sich dann, den Unfang von 12 auf 8 Seiten zu reduzieren. Beim Nachzeichnen wurde also ein Teil des Vorkriegsheftes weggelassen, vier Seiten Schulerlebnisse entfielen. Den Umfang von 8 Seiten behielt man dann auch bei den neuen Heften ab Nr. 6 bei, die von 1952 an erschienen.

Neues Bild, neuer Stil


Die neuen Ausgaben ab der Nummer 6 hatten wiederum einen anderen Zeichner: Heinz Schubel. Warum der Wechsel? Möglicherweise war der erste Nachkriegszeichner zwar zum Abzeichnen der bestehenden Bilder geeignet, mit neuen Geschichten aber überfordert. Vermutlich hat sich der unbekannte Grafiker an einer eigenen, neuen Geschichte versucht, die aber nie veröffentlicht wurde: Im Salamander-Archiv lagerte lange eine Episode im Stil der 50er Jahre, in der Lurchi und Freunde auf Motorrollern einen Zauberer bekämpfen.

Mit Heinz Schubel hatte man einen Künstler gefunden, der sich bis dahin in unzähligen Jugendbuch-Illustrationen bewährt hatte und Lurchi zu ganz neuen Ufern führen sollte. Davon aber ahnte man bei Salamander bislang nichts, zumal man den Zeichner gar nicht kannte: man stand mit ihm nur auf dem Weg über die Druckerei der Hefte in Kontakt (mehr dazu im
Kapitel über Heinz Schubel).

Während die Innenzeichnungen nun von Schubel stammten, behielt man für das Titelbild der Hefte 6 und 7 noch die alte Gestaltung bei, mit dem Lurchi-Bild des ersten Nachkriegszeichners  - erst ab dem 8. Heft wurde es durch ein von Schubel neu geschaffenes ersetzt. Auf diesem wird Lurchis Oberhaut nun von größeren und helleren gelben Flecken geziert, besonders am Bauch. Vor allem aber trägt er nun den Kopf erhoben, das Maul leicht geöffnet: der etwas mürrische Blick des alten Titelbildes ist einem Lachen gewichen.

Die neue Figur strahlt mehr Freude und Selbstbewusstsein aus, wobei Schubel von einem naturgetreuen Salamander weiter abrückte zugunsten einer sympathischen, ansprechenden Figur. Auch die Geschichten wandeln sich rasch von den Natur-Motiven der ersten fünf Hefte, wo Lurchi vor allem mit Fressfeinden konfrontiert wurde, zu Abenteuern, wie sie einem vermenschlichten Helden angemessen sind. In einem ersten Schritt entdeckte Lurchi dabei die Welt der modernen Technik. Heinz Schubel besaß die Fähigkeit, technische Gegenstände in seinen Zeichnungen vereinfacht und doch überaus stimmig wiederzugeben - was er auch in vielen seiner Jugendbuchillustrationen bewies (siehe das
eigene Kapitel zu diesem Thema). In den Lurchi-Geschichten schlug sich das schnell nieder, indem verstärkt zeittypische Autos, Motorräder und ähnliches auftauchten.

Das neue "Einheitstitelbild" wurde benutzt bis zur Nummer 12, ab dem 13. Heft bekam jedes Abenteuer ein eigenes, auf die Geschichte abgestimmtes Umschlagbild. Die Hefte 2 bis 12 wurden in späteren Neuauflagen ebenfalls mit differenzierten Titelbildern versehen. Das Heft Nummer 1 hatte ab seiner zweiten Nachkriegsauflage den neuen Einheits-Lurchi als Titelbild (siehe Abbildung ganz oben).

Die Rückseite und ihr Zahlencode

Ab Heft 17 war auch das Aussehen der Heftrückseite nicht mehr konstant. Ab Heft 6 hatte man dort das gelb-schwarze Salamander-Symbol durch ein fröhlicheres in schwarz-gelb-rot ersetzt. Auf den Heften 17 bis 22 wurden dort nun drei "Lurchis Abenteuer" lesende Kinder in verschiedenen Situationen gezeigt (ebenfalls gezeichnet von Heinz Schubel), danach fanden auf der Rückseite kurze Werbetexte für Salamander-Kinderschuhe Platz.

Schon ab dem 11. Heft findet sich am Fuß der Rückseite eine Angabe, die das Einordnen der alten Hefte für Sammler wesentlich erleichtert: Auflage und Erscheinungsdatum des Heftes. Beim 11. Heft stand dort 23 3 55, das heißt 2.300.000 Hefte im März 1955. Die Angabe zur Auflage war also mit 100.000 malzunehmen - später stand auf den Heften z.B. 20.000, was nur noch mit 100 zu multiplizieren war, um die Auflagenhöhe zu bekommen. Anhand der Angabe von Auflage und Erscheinungsmonat lassen sich Erstauflagen und die verschiedenen Neuauflagen eindeutig unterscheiden. Der Zahlencode hielt sich bis zum letzten Heft 129 im Jahr 2000, bei den Lurchi-Pixis und den neuen Heften ab Nummer 130 ist er nicht mehr vorhanden.

Die Geschichten

Was in den Lurchi-Heften erzählt wird, deckt inhaltlich ein sehr breites Spektrum ab. Oft jonglierte der langjährige Texter Erwin Kühlewein mit den Erzählmustern des Kunstmärchens oder des Abenteuerromans, ließ aber auch ganz persönliche Vorlieben und Erfahrungen in die Geschichten einfließen. Märchenhaft-archaische Elemente mischen sich dabei mühelos mit modernen, sogar ganz aktuelle Einflüsse kommen zu ihrem Recht - so das Fieber um die "Hula-Hoop-Reifen" im Heft 20 (1959). Aktuell aufgegriffen werden auch Olympiaden, so im Heft 22 (1960) und 52 (1972).

Ohnehin finden sportliche Wettkämpfe auffallend häufig statt. Kein Wunder: Zum einen schafft die sportliche Konkurrenz eine Spannungssituation, die schon jüngste Leser leicht nachempfinden können; zum anderen bieten sich dabei reichlich Möglichkeiten, die Qualität von Lurchis Salamander-Schuhen herauszustellen, ohne sie allzu brutal gegen Personen oder Dinge einzusetzen. Gewaltsam konnte es beim Sport dennoch zugehen, wenn Lurchi etwa in Heft 10 beim Boxkampf gegen den offensichtlich überlegenen Hamster Hammerstampf seine Schuhe zu Boxhandschuhen umfunktioniert und den Gegner damit in einer rasant komponierten Bilderfolge KO schlägt.

Ein anderes wiederkehrendes Handlungsmotiv sind die Reisen in ferne Länder. Spanien war nur der Anfang, bald ging es nach Afrika, Australien, Indien, Japan,... In der Zeit von Schubel und Kühlewein wurden die Reisen oft über mehrere Hefte hinweg zu längeren Erzählsträngen verbunden, die sich bis zu kleinen Weltreisen auswachsen konnten. Daran sollte erst viel später der Zeichner Piiit Krisp anknüpfen, als er Lurchi anlässlich seines Jubiläums zum 100. Heft auf eine lange Reise schickte.

Als dritter Themenblock sind die märchenhaften Motive zu nennen. Hexen, Elfen und Elementargeister treten auf, insbesondere nachdem Schubel auch den Text der Hefte übernommen hatte, bilden aber doch in ihrer Weltentrücktheit nicht die Höhepunkte der Serie. Lurchi, äußerlich ein Salamander, für seine Leser aber längst zum vollständig menschlichen Idol geworden, war als Symathieträger am besten, wenn er sich mit den Gefahren und Schwierigkeiten der wirklichen Welt herumschlagen musste, die auch der Leser aus eigener Erfahrung kannte. Einen Höhepunkt des Lurchi-Realismus bilden sicher Heft 13 und 15, in denen die Truppe das Salamander-Werk besucht. Hier werden sie mit wirklich existierenden Personen konfrontiert, wie der Werksschwester Lina und dem damaligen Firmenchef Jakob Sigle jr.

Gerade realistische Geschichten boten Heinz Schubel auch immer wieder Gelegenheit, Technik in die Geschichten einzuflechten. Höhepunkt war dabei sicher der legendäre Science-Fiction-Block (Heft 24 bis 26) mit Lurchi zwischen Raketen, Robotern und Weltraummonstern. Bemerkenswert, wie die Produkte des schwäbischen Schuhherstellers selbst die Marsmenschen beeindrucken:

                           "Schuh und Strumpf von Salamander!"
                            Rufen alle miteinander.
                           "Pflegemittel nicht vergessen,
                            darauf sind wir ganz versessen!".

                           (Heft 24)

Ob zuhause oder in der Ferne, ob auf der Erde, im Weltraum oder im Märchenreich, eines durfte nie ausfallen: das Festmahl am Ende des Heftes. Lange vor "Asterix" führte schon Lurchi dieses Ritual ein, stets begleitet vom abschließenden Jubelspruch: "Salamander lebe hoch!" (Einzige Ausnahme: Heft 6)

Lurchi: ein Comic?

In den 50er Jahren herrschte zeitweise ein raues Klima in der Deutschen Kindermedienlandschaft: Comic-Hefte wurden angefeindet, verdammt und für alle nur möglichen Schäden der kindlichen Seele verantwortlich gemacht. Öffentliche Verbrennungen von "Schundheftchen" erinnerten fatal an die Bücherverbrennungen zwei Jahrzehnte zuvor. Neben den besonders umstrittenen Kriminal- und Abenteuercomics gerieten selbst harmlose Produkte wie "Fix und Foxi" ins Kreuzfeuer - doch ist kein Fall bekannt, dass gegen die Lurchi-Hefte gewettert worden wäre. Das dürfte weniger daran liegen, dass auch Eltern und Pädagogen die hohe Qualität der Hefte erkannt hätten; eher war es wohl die äußere Form, die "Lurchis Abenteuer" schützte.

Auf den ersten Blick lassen die Geschichten eher an klassische Bilderbücher denken als an Comics. Schubels Zeichenstil in den Lurchi-Heften (in Jugendbüchern zeigte er ja, dass er auch ganz andere stilistische Mittel beherrschte) ist eng dem verwandt, den etwa Fritz Baumgarten und noch früher die Wienerin Ida Bohatta in ihre naturmärchenhaften Bilderbüchern pflegten. Auch Integration von Text in die Bilder, etwa in Form von Sprechblasen, ist bei Lurchi die Ausnahme. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich aber, dass Schubel gekonnt mit den comic-spezifischen Gestaltungsmitteln gearbeitet hat: Geschwindigkeitslinien etwa oder "Sternchen" (als Zeichen für Schmerz oder Benommenheit) setzt er geschickt für seine dramatischen Effekte ein. Bedenkt man noch, dass auch berühmte Comics wie "Prinz Eisenherz" ohne die Text-Bild-Integration auskommen, so sind "Lurchis Abenteuer" schon wegen ihrer periodischen Erscheinungsweise und ihrer gestalterischen Präsentation eindeutig den Werbecomics zuzuordnen.
Weitere Entwicklung

Das Aussehen der Lurchi-Hefte sollte sich mit der Zeit weiter verändern. Einen kleinen Einschnitt markierte 1961 die Nummer 23. Nicht nur verschwanden die drei Lurchi-lesenden Kinder von der Heft-Rückseite, auch die Titelseite wurde umgestaltet. Der Kopftitel wurde nun nicht mehr in der oben beschriebenen stilisierten Form gedruckt, sondern in normaler Schul-Schreibschrift wie der Innenteil. Der Untertitel stand von nun an nicht mehr in einem weißen Feld, statt "das lustige Salamanderbuch x. Teil" lautete er nun "lustige Salamandergeschichten x. Folge". Vom Sinn her markiert diese Änderung eine neue Betrachtungsweise: nicht mehr Teile eines (irgendwann natürlicherweise abgeschlossenen) Buches waren die Geschichten, sondern ein Periodikum, dessen Erscheinen keine Grenzen gesetzt waren. Der Hintergrund dürfte nicht nur im großen Erfolg zu suchen sein, den "Lurchis Abenteuer" unter den Händen Heinz Schubels und Erwin Kühleweins inzwischen gefunden hatten, sondern auch im Erscheinen des ersten Lurchi-Sammelbandes im Dezember 1960: Nun gab es ein wirkliches "Lurchi-Buch", so dass die gleichartige Benennung der Hefte verwirrend erscheinen musste.

Das Aussehen der Titelseite blieb danach lange konstant. Nach einer vorübergehenden Verkleinerung des Titelschriftzuges bei den Heften 64, 65, 67 und 69 wurde dieser 1985 ab Heft 85 etwas verändert, bevor es zu zwei gründlichen Modernisierungen der Titelseite kam: 1989 mit Heft 101 und nochmals 1995 beim Zeichnerwechsel mit Heft 115. Nach Heft 129 wurde dann alles anders...

Schon ab Mitte der 50er Jahre stieg Lurchis Beliebtheit bei den Lesern rapide an, getragen gleichermaßen von den phantasievollen Geschichten und den lebendigen, atmosphärischen und detailgenauen Zeichnungen. Ab Ende 1963 (Heft 29) erreichte die Serie ihre Höchstauflage: 2,75 Millionen Exemplare jedes Lurchi-Abenteuers wurden verteilt. Die Reimform der Geschichten spielte für den Erfolg ganz sicher eine Rolle. Verse wie

                         
Hinauf! Hinauf! Die Erde flieht!
                           Kein Wunder, dass es mächtig zieht.

                           (Heft 12)

gewinnen ihre Komik aus der Nebeneinanderstellung des Grandiosen mit dem Alltäglichen. Erhabenes Heldentum wird hier durch die Nebeneinsicht zurückgeholt in die vertraute Welt des Lesers, was die Geschichte zugleich humoristisch verfremdet und persönlicher erlebbar macht.

Betrachtet man die äußeren Merkmale der Lurchi-Hefte, so ist noch die Schreibweise der Verse anzusprechen. Bis zum Heft 49 war der Anfang jeder Zeile groß geschrieben, wie es bei Lyrik üblich ist. Mit Heft 50 wurde auf die normale Groß- und Kleinschreibung umgestellt. Nachdrucke älterer Hefte behielten vorläufig noch ihre Schreibweise bei, erst bei den Neuauflagen ab August 1978 wurde sie jeweils dem neuen System angepasst.

Wandel und Ende

Von Bedeutung für die Lurchi-Hefte war eine Veränderung, die im Jahr 1964 eintrat: Erwin Kühlewein verließ die Firma Salamander. Er war bis dahin nicht nur Prokurist und Leiter der Werbeabteilung gewesen (mit dem schönen Titel eines "Titulardirektors"), sondern auch prägender Texter der Lurchi-Reihe. In der Erstauflage des Lurchi-Sammelbandes I war ihm fälschlich gleich die "Gestaltung" der Serie zugeschrieben worden (siehe das
Kapitel über die Sammelbände). Leider verstarb Kühlewein, bevor die Lurchi-Forschung, die etwa 1985 begann, seine wertvollen Kenntnisse aus der Frühzeit der Serie aufzeichnen konnte. Kühleweins Nachfolger als Lurchi-Verantwortlicher wurde Richard Pfitzer, der aber nicht selbst an den Texten arbeitete.

Ab Heft 31 also übernahm Schubel allein die Verantwortung für die Lurchi-Hefte, einschließlich der Geschichten. In der Atmosphäre der Lurchi-Erlebnisse macht sich dieser Wechsel durchaus bemerkbar. So herausragend Schubels Fähigkeiten als Zeichner und graphischer Erzähler sind, die von ihm selbst erdachten Geschichten gehören doch nicht zu den interessantesten der Reihe. Wer sich oder andere fragt, welche Hefte den stärksten Eindruck hinterlassen haben, wird regelmäßig auf die von Kühlewein getexteten Nummern 1 bis 29 stoßen.

Ab Ende der 60er Jahre dann änderte sich alles. Für die Firma Salamander, weil sie auf dem Markt die wachsende Konkurrenz durch ausländische Anbieter zu spüren bekam. Für die Lurchi-Serie, weil sich der Zeichner Heinz Schubel, prägende Kraft über zwei Jahrzehnte, aus gesundheitlichen Gründen von der Arbeit an Lurchi zurückziehen musste. Heft 52, das sich auf die Olympiade in München 1972 bezieht, war das letzte von ihm gezeichnete Heft.
Neuauflagen

Die Nachdrucke von Lurchi-Heften sind fast eine Wissenschaft für sich; Sammlern bieten sie jedenfalls ein breites Beschäftigungsfeld. Die Situation auf dem Sammlermarkt ist zweigeteilt: Zum einen sind die Hefte der frühen 50er Jahre als Erstauflagen schwer zu bekommen, so dass man sich gezwungen sehen mag, auf Neuauflagen auszuweichen. Andererseits wurden die Nachdrucke grundsätzlich in deutlich geringerer Stückzahl produziert als bei der Ersterscheinung, so dass bei späteren Heften die Erstauflagen oft leichter zu finden sind als bestimmte Nachdrucke. Das gezielte Sammeln verschiedener Auflagen ist vor allem dann interessant, wenn es beim Nachdruck zu Veränderungen an den Geschichten kam. Eine komplette Übersicht der Ersterscheinungen und Neuauflagen der einzelnen Hefte gibt die Tabelle von Auflagen und Wert der Hefte.

Das Heft Nummer 1 muss nach der Erstauflage (d.h. der ersten Nachkriegsauflage)  aus dem Jahr 1951 bereits 1954 erstmals neu aufgelegt worden sein. Diese Zweitauflage von Heft 1 hat wie die 3 Jahre ältere Version noch alle 12 Seiten der Geschichte, aber die Sütterlin-Schrift auf dem Umschlag ist nun verschwunden. Als Titelbild trägt diese Auflage schon den neuen, freundlicheren Lurchi, der bei der Erstauflage ab Heft 8 benutzt wurde (siehe Abbildung ganz oben). Dieses Bild bleibt dem Heft 1 dann auch in allen weiteren Auflagen erhalten.

Anschließend gab es auch von den Heften 2 bis 5 die ersten Neuauflagen, erschienen 1956 bis 1958. Diese unterscheiden sich jetzt wesentlich von den Erstausgaben: Die Geschichten wurden von Heinz Schubel komplett neu gezeichnet, nach dem Vorbild der alten Version. Dabei wurde der Umfang grundsätzlich auf 8 Seiten reduziert, wie es beim Heft 5 schon in der Erstauflage durch Kürzung geschehen war. Beim Heft 1 passierte das gleiche ab seiner dritten Auflage im Jahr 1961. Beim Nachzeichnen der Episoden wurde die Gelegenheit genutzt, auch die Handlung zu modernisieren und von Brutalitäten zu befreien. So wurde etwa in Heft 2 ein Kobold, der von Lurchi einen Tritt ins Gesicht bekam und dann von einem Fisch gefressen wurde, gänzlich gestrichen. In Heft 4 fiel Lurchis Eingreifen in eine Kriegshandlung weg, stattdessen durfte der Held nun eine Wüste mit Regen versorgen - der Zeitgeist hatte sich geändert. In der gleichen Folge wurde aus dem Propellerflugzeug, mit dem Lurchi einem angreifenden Geier den Kopf abtrennte, eine Düsenmaschine: der Vogel wird nur gerupft.

Dass Heinz Schubel die Serie mit Heft 6 übernahm und erst später die ersten fünf Nummern nachzeichnete, macht sich auch beim Zeichenstil deutlich bemerkbar. So zeigt etwa das Heft 5 (Waldschule) einen deutlich reiferen Strich als Heft 6 (Feuerwehr).

Die zunächst mit "Einheitstitelbildern" erschienenen Hefte 2 bis 12 bekamen bei den Neuauflagen, wie erwähnt, individuelle Titelgestaltungen. Dabei erfolgte das Erscheinen dieser und der weiteren Nachdrucke keineswegs chronologisch, sondern folgten eher dem Prinzip der größtmöglichen Konfusion. Einige Hefte wurden bis heute viermal neu aufgelegt, andere gar nicht. Die Auswahl erscheint größtenteils willkürlich - so wurde der besonders populäre Science-Fiction-Block (Hefte 24 bis 26) lange Zeit überhaupt nicht nachgedruckt, im Jahr 1982 kam dann, wenig sinnvoll, nur das letzte der drei Hefte neu heraus.

Die äußere Gestaltung der Nachdrucke wurde meist derjenigen der laufenden Serie zur jeweiligen Zeit angeglichen, etwa durch Veränderung des Titelbildes. Ausnahmen bilden nur das Heft 22 (die erste Olympia-Geschichte), das immer mit dem unveränderten Titelbild der Erstauflage vom Oktober 1960 nachgedruckt wurde (mit dem "Salamanderbuch"-Untertitel) sowie die 6. Auflage von Heft 1. Dieses heute gesuchte Heft wurde nicht, wie üblich, in den Salamandergeschäften verteilt, sondern nur in kleiner Auflage für Geschäftsfreunde produziert. Es handelt sich um eine fotografische Reproduktion von Heft 1 mit Sütterlin-Titel, die dem Original (abgesehen von der Art des Papiers) genau entspricht. Salamander glaubte damit das Vorkriegsheft von 1937 nachzudrucken und bezeichnete die Ausgabe auch so; tatsächlich aber nahm man das Abbild von der ersten Nachkriegsauflage von 1951 - die Unterschiede der Auflagen waren zu dieser Zeit noch unklar. Verteilt wurde das seltene Stück 1989 auf der Internationalen Schuhmesse in Düsseldorf, im Paket mit der damals gerade erschienenen Jubiläumsnummer 100.

Bis auf den gerade beschriebenen Sonderfall und die erste Neuauflage von Heft 1 (von 1954) tragen alle Nachdrucke ebenfalls Erscheinungsdatum und Auflagenhöhe. Diese liegt bei den Neuauflagen zwischen 50.000 und 500.000 Stück.

Lange Zeit wurden ausschließlich Hefte des Zeichners Heinz Schubel neu aufgelegt. Erst 1991 gab es erstmals Neuauflagen anderer Hefte, nämlich solcher von Piiit Krisp. Für eine genaue Übersicht siehe die erwähnte
Tabelle über Auflagen und Wert der Hefte.
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