REVOLUTION TIMES HOMEPAGE

Angelic Upstarts

"Red till dead!"

Wer kennt und liebt sie nicht, die Angelic Upstarts. Die Upstarts (1977 in der Nähe von Sunderland gegründet) sind eine, wenn nicht die beeindruckendste und wichtigste Oi!/Punk Band auch heutiger Tage - und das seit Jahren. Nach langer Abstinenz (1992 kam das formelle Ende der Band) haben sie am 23.Mai 1998 einen Gig in Hamburg gespielt (ihren ersten seit langer Zeit auf dem Kontinent und in Deutschland). 1999 wurde ihr einziger Gig Deutschlands im Februar in Dresden angekündigt. Doch schon am 15.Mai folgte der Gig anläßlich des 10jährigen Jubilä-ums der Hamburger Antifa Jugendfront (AJF), bei dem auch 8.6 Crew, No Respect und Stage Bottles zum Tanze aufspielten und aus ihrer Gesinnung keinen Hehl machten. Es wurde ein gutes Konzert und ein gelungener Abend in Gegenwart vieler guter Freunde und Genossen. Aber zurück zu den Upstarts: Viele Bands covern Titel von ihnen, ob nun "Teenage Warning" von Klasse Kriminale, "Solidarity" von Oi! The Arrase oder "2 Million Voices" von verschiedenen Bands. Die musikalische Vielsei-tigkeit der Upstarts ist auch ihre Stärke, denn meiner Meinung nach sind fast alle ihrer Stücke gut gemacht (von Texten und Musik). Viele sind zu Hymnen der antifaschistischen und sozialisti-schen Skinheadbewegung. Es sei nur an "Solida-rity" erinnert, das immer wieder von Hunderten bei Konzerten mit geballter Faust mitgesungen wird. "2 Million Voices" wurde von uns am 15. Mai in "4 Million Voices...Can you hear 4 Million Voices" in Anspielung auf die deutsche Situation umgedichtet. Mensi und seine Band haben immer wieder durch entsprechende Titel gezeigt, wo sie stehen. So sei z.B. an "Red Till Dead" erinnert. Eindeutiger geht es nun wirklich nicht. Und Immer wieder spielten sie unter dem Banner des Antifaschismus, ob nun auf ihrer 1989er Deutschlandtour mit Cable Street Beat oder Gerüchten zufolge soll Mitte der 80iger Mensi in direktem Kontakt mit der SWP und der ANL gestanden haben, mit denen er viel diskutierte, aber deren Mitglied er nie wurde. Für AFA hat er einen TV-Beitrag moderiert. Bei AFA-Aktivitäten ist Mensi auch immer in der ersten Reihe mit dabei. Mensi soll nun auch bei Red Action dabei sein. Das Lied "Guns for the Afghan Rebels" ist neben "England" wohl das umstrittenste der Upstarts. Solch eine Band, die weit mehr ist als eine Gruppe, die Unterhaltungsmusik spielt und hin und wieder erzählt, daß sie Nazis nicht mag, ist es allemal wert befragt und mit einem Interview im Revolution Times für ihre gute Arbeit und politische Standfestigkeit gewürdigt zu werden. Also stellten wir Mensi einige Fragen, die er unserer Meinung nach - wenn auch manchmal recht kurz - sehr gut beantwortete. Bevor ihr das Ergebnis unseres Interviews genießen dürft, lassen wir Mensi mit einem Zitat, das sowohl in der TV-Dokumentation für Channel 5 als auch auf der "United Colours of Blaggers" enthalten ist, zu Wort kommen: "Fascism doesn' t start with concentration camps. That' s there it ends."

RT = Revolution Times, M = Mensi, Angelic Upstarts

RT: Vor eurem Gig in Hamburg am 23.5.1998 war es sehr ruhig um euch. Es gab keine Konzerte und auch keine neuen Veröffentlichungen von euch. Warum hattet ihr euch entschieden damals den Gig in Hamburg zu spielen?

M: Unglücklicherweise ist es sehr schwer den Elan einer Gruppe für zwei, drei Jahre aufrechtzuerhalten. Stell' dir vor, wie das bei 22 Jahren sein muß! Seit den Konzerten in Deutschland habe ich gefühlt, daß ich neue Songs brauche. Deshalb wird ein neues Album erscheinen.

RT: Es gab ja letztes Jahr Gerüchte, ihr würdet eine Tour durch Deutschland machen. Warum kam sie nicht zustande?

M: Wir wollten fünf Konzerte geben, aber einige in der Band haben nicht frei bekommen.

RT: Ich erinnere mich daran, daß du in einem Interview mit dem Berliner Zine "Reasons Why" in den 80ern erwähnt hast, daß du Diskussionen mit der Socialist Workers Party (SWP - von einigen auch "Student Wankers Party" in Anspielung auf den hohen Anteil an Studenten genannt) hattest. Was war das Ergebnis dieser Diskussionen? Warst du jemals Mitglied der SWP oder hast du jemals mit ihren Ideen sympathisiert?

M: Ich habe einige Konzerte für die Anti-Nazi League gespielt, die ja zur SWP gehören. Aber ich fand, daß ich mich ihnen nicht anschließen konnte aufgrund ihres Fehlers wie sie Probleme angehen. Die SWP in Großbritannien ist zu sehr von der Mittelklasse durchdrungen und sie lehnen die physische Konfrontation der Nazis durch uns ab. Als ich einmal bei einem von der SWP organisierten Treffen vor einem Nazi-Buchladen anwesend war, wurde ich gefragt, was meine Lösung für dieses Problem wäre. Ich antwortete, schleift sie (gemeint sind die Nazis - Oi! The Tipper) aus dem Laden heraus, haut die Scheiße aus ihnen heraus und schlagt den Laden in Stücke. Die SWP war entsetzt und man nannte mich einen hirnlosen Rowdy. Dies ist nur ein Grund für unsere Unterschiede.

RT: Uns sind Gerüchte zu Ohren gekommen, daß du an Aktionen von Red Action teilgenommen haben sollst. Stimmt das?

M: Ich habe an Aktionen von Red Action teilgenommen. Und gewöhnlich habe ich auch jede Minute davon geliebt, aber ich bin älter geworden, unterstütze aber trotzdem weiterhin voll und ganz ihre Aktionen.

RT: Mensi, du bist aktives Mitglied bei Anti-Fascist Action (AFA). Wie ist der Zustand der britischen antifaschistischen Bewegung? Was gibt es zu den Bombenanschlägen der verdammten Combat 18 in London zu sagen, die in zwei Wohnvierteln mit hohem Immigrantenanteil und in einer Schwulenbar hochgingen und bei denen drei Menschen umkamen?

M: Das ist eines meiner Hauptargumente in Bezug auf die SWP. Sie werden Probleme nicht beim Namen nennen und die Verantwortlichen nicht belangen. Es bringt nichts Parolen zu brüllen und Fahnen gegen Combat 18 zu schwingen, woran sie sich nur ergötzen. Sie müssen konfrontiert werden.

RT: Du hast eine Dokumentation über AFA im britischen TV doklumentiert. Wie kam dies zustande?

M: Dazu kam es, weil wir die einzige glaubwürdige Opposition gegen die Nazis zu jener Zeit waren.

RT: Erinnerst du Dich an das Konzert für Cable Street Beat in Lübeck am 10.09.1989? War es ein guter Gig?

M: Die Konzerte damals waren alle gut. Es ist so ein fantastisches Gefühl, wenn du und das Publikum die gleiche Einstellung haben.

RT: Stimmst du mit all den Texten und Aussagen deiner Lieder vom heutigen Standpunkt aus gesehen noch überein?

M: Einige meiner Ansichten und Texte stimmen mich heute unzufrieden, aber du mußt bedenken, daß ich manchmal ein Lied in zwanzig Minuten schreibe. Ich habe Statements gemacht während ich noch nicht alle Fakten kannte. In diesen Tagen bin ich nun um einiges vorsichtiger.

RT: Was waren deine Haltung zur Solidarnosc-Bewegung in Polen und zu den afghanischen Rebellen?

M: Zwei Hauptargumente: Lech Walesa hat ein Interview gegeben und hat gesagt, daß Margaret Thatcher eine seiner Helden sei. Ich könnte ihn durch den Fußboden schlagen. Und heute würde ich die Waffen den afghanischen Rebellen wegnehmen!

RT: Was ist die Bedeutung von Angelic Upstarts? Warum habt ihr damals gerade diesen Namen gewählt?

M: Es bedeutet Rebellen, aber schöne.

RT: Sind weitere Mitglieder der Band politisch aktiv?

M: Nein. Aber sie unterstützen mich und haben das auch seit vielen Jahren getan.

RT: Wie sind eure Beziehungen zu Bands wie The Oppressed oder Blaggers I.T.A., die ja auch AFA unterstützen?

M: Es verbindet mich viel mit antifaschistischen Bands, aber ich hatte stets einen besonderen Platz in meinem Herzen für die Blaggers.

RT: 1988 hattet ihr ja viel Ärger mit den braunen Säcken bei eurem Konzert im Astoria. Hattet ihr in der Vergangenheit mehr Ärger mit diesen Arschlöchern?

M: Die Band hat 1977 angefangen zu spielen. Den ersten Ärger gab es, wie ich mich erinnere, 1978 und seitdem bis heute.

RT: Wie wichtig ist die Geschichte von Großbritannien und der britischen Arbeiterklasse für dich und euch als Band?

M: Großbritannien ist das gleiche wie viele Länder, was ihr schändliches Verhalten gegenüber anderen Ländern und ihre eigenen Menschen betrifft, besonders die irischen. Die gefährlichste Kultur in der Welt ist meiner Meinung nach Amerika, gegen die Großbritannien nur ein Schoßhund ist.

RT: Siehst du Dich selbst als "street socialist" (Straßensozialist; im Gegensatz zu den Salon- oder Parlaments"sozialisten")? Und was sind deine Überzeugungen und Ideen?

M: Ja, aber meine Idee von Sozialismus ist sehr einfach: Gleichberechtigung, was die Ernährung, die Erziehung, die Gesundheitsversorgung, das Wohnen angeht, das Recht auf Arbeit und die Ausrottung der Nazis.

RT: Was denkst du über die sogenannten "Un-Politischen"?

M: Ich habe einige Sympathien, weil besonders wir in Großbritannien durch aufeinanderfolgende Labour-Regierungen verraten worden sind und wir nun politische Parteien ohne Unterschiede wie in Amerika haben. Das Geld ist ihr Gott, nichts anderes interessiert. Aber auf der anderen Seite gebrauchen viele das "Un-Politischsein", um ihre rechten Überzeu-gungen zu verhehlen.

RT: Was denkst du, sind die Hauptprobleme der heutigen Gesellschaft und warum? Was denkst du, können wir gegen die Faschisten tun?

M: Geld und Habgier sind die Hauptprobleme und die Politik der faschisten, aber wenn wir zusammenstehen, dann sind wir stark.

RT: Wußtest du, daß die deutsche Naziband Störkraft die Melodie von "Brighton Bomb" für einen ihrer Songs ("Mordbrenner, ihr gehört nicht zu uns")?

M: Das wußte ich bisher nicht, aber es zeigt nur wie pathetisch sie sind. Sie sind der Abschaum und der Müll der Erde.

RT:Wie ist die politische Situation z.Zt. in Großbritannien?

M: siehe Amerika

RT: Habt ihr irgendwelche Pläne für die Zukunft (neue Konzerte, Aktivitäten, Alben, etc.)?

M: Ja, ich arbeite an einem neuen Album und hoffe mehr antifaschistische Konzerte spielen zu können.

RT: Die "Message" eurer Texte und Musik?

M: Working Class Anti-Fascist Punk Rock + Roll

RT: Wir bitten um kurze Statements: a) Stage Bottles b) deutsches Bier c) internationaler Sozialismus d) Jugoslawien e) "Still from the heart" f) Patriotismus und Internationalismus g) IRA und Sinn Fein h) New Labour und Tory Blair

M: a) Stage Bottles sind exzellente Antinazis b) Superb. c) das endgültige Ziel d) NATO = (hier hat Mensi ein Zeichen gemalt, bei dessen Verwendung wir sofort eine Anzeige wegen "Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Kennzeichen" am Hals hätten. Alles klar? Für die Unwissenden unter Euch: ein Hakenkreuz) e) Scheiße! f) ein Ringen g) Irland den Iren und den Briten, die dort gern gesehen sind h) New Labour = der alte Scheiß. Tony Blair ist Margaret Thatcher

RT: Letzte Worte und Grüße?!

M: Macht Eure gute Arbeit weiter. Zusammen sind wir stark. Wir sehen uns. Liebe. Mensi

(aus Revolution Times # 11)

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