30.12.94
"ALEX, ES IST HALB SECHS!!!" SUSI SPRINGT AUS DEM BETT
ÜBER MIR. NUR EIN SCHERZ, DENKE ICH, EIN SCHLECHTER SCHERZ SO KURZ
VOR 4.
Ja, kurz vor vier, aber nicht in Wien, nicht einmal in
London ist es noch so früh am Morgen. In Windeseile sind wir also
aus den Betten und im Gewand. Alex schreit nach einem Taxi und prompt steht
3 min später eines vor unserem Haus. WENN ICH ETWAS IN DIE HAND NEHME,
FUNKTIONIERT DAS AUCH UND WENN ICH NACH EINEM TAXI RUFE, HAT DAS GEFÄLLIGST
ZU ERSCHEINEN - AUCH IN WIEN!! Es ist 5 Uhr 40 und unser Flugzeug hebt
erst in einer guten Stunde von der Rollbahn in Schwechat ab. Wir haben
also noch jede Menge Zeit!
Unser Taxifahrer hat Mitleid mit uns und rast mit 80
Sachen durch Wien und mit 120 über die Süd-Ost-Tangente.
15 min später sind wir am Flughafen, um ATS 400,-
ärmer und noch vor dem Flughafenbus am Ziel angekommen.
Wir sind zwar weder gewaschen noch gekämmt, unsere
Augen sind noch auf Halbmast, aber die wichtigsten Vitalfunktionen sind
am Laufen und um nebeneinander im Flugzeug zu sitzen, nehmen wir beim Check-in
sogar Sitzplätze in der Raucherzone in Kauf. Gemütlich suchen
wir uns unsere Plätze und finden sie neben einer etwas eigenartig
wirkenden Dame, wobei es mir zur Ehre gereicht, mich in die Mitte zwischen
Alex und diesem Wesen, das uns in Geduld erproben sollte, setzen zu dürfen.
WENN DER FENSTERPLATZ EBEN MIR ZUGETEILT WURDE, KANN ICH DA AUCH GAR NICHTS
MACHEN. Nun ja, wie wir da so sitzen und in Ruhe die Zeitungen durchblättern,
wird uns nach einigen vorbeigetragenen Mahlzeiten endlich auch unser Frühstück
serviert. Bei uns kommt das natürlich gut an, denn in unseren Mägen
ist noch gar nichts drin. Dieses Traumessen bestand aus Omletten gefüllt
mit Eiern und Schinken, Spargel in Bechamelsauce, Brötchen mit Butter
und Marmelade, Käse und Schinken, Kaffe, Orangensaft und zum Drüberstreuen
ein Obstsalat aus exotischen Früchten. Für uns ein Traum und
wir lassen keinen Krümel übrig. Kaffee wird nachbestellt und
somit müssen wir diese besondere Person neben uns endgültig aus
der Fassung gebracht haben. Sie legte Messer und Gabel zur Seite und zündete
sich eine Zigarette an, um vielleicht so unseren Appetit zu stoppen. Keine
Chance! Nicht mit uns.
KORREKTUR: SUSI HAT MEINEN SPARGEL GEGESSEN UND MEIN
GURKERL. WIE SOLLTE ES SONST SEIN! DIE OMLETTEN WAREN EIN GEDICHT - DIE
IDEE SCHAUE ICH MIR AB.
Gott sei Dank, ich freue mich schon heute auf die Einladung
zum Essen!
Langer Rede, kurzer Sinn, wir haben uns durch absolut
gar nichts vom Essen abhalten lassen und den Flug genossen.
In Gatwick gelandet, stellt sich uns kurz die Frage,
ob wir als EC oder NON EC Residents gelten, doch mit europäischem
Selbstbewußt- sein stolzieren wir mit unseren nur zur Hälfte
gefüllten Reisetaschen (wir sorgen schließlich vor) durch den
Ausgang mit den goldenen Sternen.
REISETASCHE IST GUT UND SCHÖN. SUSI`S TASCHE KAM
GLEICH AM ANFANG UND MEINE? ICH WARTETE UND WARTETE UND WARTETE ... IRGENDWANN
EINMAL LAG AUCH MEIN GRÜNES TÄSCHCHEN AUF DEM FÖRDERBAND.
DIE ARME, ARME ALEX!
Die Blicke, die sie mir bis zum Eintreffen ihres Ungetüms
zuwarf, waren herzerweichend.
ICH BIN JA SO ARM.
Mit dem Gatwick-Express geht es nach Victoria Station.
Der Minizug, der uns dorthin brachte, war ein witziges Wägelchen;
einsteigen mußte man zwischen 2 Sitzreihen und wer aussteigen will,
kann die Wagentüre nur von außen öffnen, was wiederum alleine
durch das geöffnete Fenster möglich ist. Irgend etwas muß
immer umständlich sein.
In Victoria Station verlangt es uns nach einer Travelcard
für U-Bahnen und Busse, ideal wäre 5 Tage. Nach stundenlangem
Anstellen beim richtigen Schalter sagt uns doch die nette Dame, Tageskarten
gibt es nur für 1 oder 7 Tage, wobei die Wochenkarte ein Foto benötigt.
Gut, mit uns Touristen kann man es ja machen, wir gehen
zum nächsten Fotoautomaten und lassen die Verbrecherfotos (IM WAHRSTEN
SINN DES WORTES) schießen. Nach neuerlichem Anstellen kriegen wir
von einer ebenfalls netten Dame unsere Travelcards und bewegen uns Richtung
Hotel. Die geeignete U-Haltestelle zu finden, gelingt uns noch sehr gut,
dann stehen wir vor einem Problem, welche Richtung gehen wir. Nun ja, was
sollen wir hier festhalten, wir haben mit dem Touristenglück sofort
die richtige Richtung eingeschlagen und sind erfreut über die saubere
Fassade des Ambassador Hotels.
Leider Gottes ist es noch vor Mittag und man kann erst
ab 14 Uhr einchecken, wir dürfen aber unsere Luggage hier stehen lassen.
Gut, somit machen wir uns auf zur ersten Erkundungstour.
Westminster Abbey, Big Ben und Parlament sind die ersten
Ziele. Von der Westminster Bridge aus gelingen die schönsten Fotos
von dem Bauwerk, also nichts wie hin. Weil wir schon drauf sind, schauen
wir uns auch gleich die andere Seite der Brücke an und dann hat Alex
einen Einfall. Sie besteht darauf, daß ich ihr folge und latscht
nun mit mir im Schlepptau durch die Straßen. Was soll das nur werden?
Sie sagt immer nur: "WAST SCHO, WO MA HINGENGAN?"
Woher soll ich das denn wissen, ich, die ich von London
nicht sehr viel kenne, gerade mal die Underground. Oh, well! Wir machen
uns also mit eigenartigen Straßen vertraut, der Wind pfeift uns um
die Ohren und in meinem Kopf macht sich ein Gedanke breit: "Ist es möglich,
daß mich Alex schon heute, an diesem 30. Dezember 1994 fertig machen
will? Wo wir doch an diesem Morgen schon so viel gemeinsam überstanden
haben?"
ICH, SUSI FERTIG MACHEN? NIE!!! JE FRÜHER ICH SIE
ABER ETWAS KLEINER MACHE, DESTO BESSER.
Ich lasse es aber dann doch relativ gefaßt auf
mich zukommen, egal, was sie noch alles vorhat!
Nachdem mich Alex rund um ein Krankenhaus geführt
hat, sagt sie schließlich: "DURCH DEN TUNNEL NOCH, DANN GLEICH LINKS
OBEN IST ES!"
Tja, also noch durch den Tunnel, wir sind wohlgemerkt
zu Fuß unterwegs! Doch wirklich, gleich links oben und wir sind da,
beim London Dungeon. Die Wartezeit beträgt immerhin einige Minuten,
denn die Schlange derjenigen, die in dieses Horrorbauwerk drängen,
steht schon auf der Straße.
Pflichtbewußt stellen wir uns also hinten an und
spielen ganz auf brave Touristen. In der Eingangshalle hängt das abschreckende
Überbleibsel eines nicht braven Touristen, doch uns sollte dieses
Schicksal erspart bleiben. Im Dungeon selbst ist es dann schön blutrünstig
und wir erhalten Denkanstöße für diverse Foltermethoden,
die wir zu Hause bei Gelegenheit sicher gern anwenden werden.
Nach dem Check-In in Hotel gelüstet uns nach kulinarischen
Erlebnissen und da bietet sich doch ein Pizzaland geradezu an.
Da wir keine Ahnung haben, wie groß die auf der
Karte stehenden Pizzen eigentlich sind, bestellen wir halt irgend etwas.
Das Miniding, das uns aber dann serviert wurde, ist den Namen Pizza nicht
wert. Oh well, dafür gab's cowlslaw und Kartoffel dazu. Man muß
einfach das schätzen, was man kriegt. SUSI WAR NATÜRLICH ÜBER
SO KLEINE PORTIONEN BESONDERS ERSCHÜTTERT.
Des Abends zieht es uns auf den Piccadilly Circus und
eigentlich hätten mich die World Records aus dem Guinessbook of Records
interessiert, aber die waren uns dann nach der Pizza doch zu teuer. Somit
suchen wir die unübersichtlichste Buchhandlung der Welt, auch Foyles
genannt. Die jedoch verweigert sich uns gänzlich, zeigt uns nur die
geschlossenen Türen, also wandern wir durch die Buchhandlung gegenüber;
uns ist schließlich alles recht, um unsere geschundenen Füße
rechtfertigen zu können. ZU DIESEM ZEITPUNKT WUßTEN WIR NOCH
NICHT, WIE KLEIN LONDON EIGENTLICH IST.
Wir schlafen hervorragend bei unserem kaputtem Zimmerfenster,
solche Kleinigkeiten versüßen doch einen Kurzurlaub.
31.12.94
Heute ist der letzte Tag des Jahres 94'. Die Sonne ist
uns hold und auch der kalte Wind läßt uns nicht im Stich. Ich,
als echter Tourist, möchte mir heute Buckingham Palace anschauen und
weil wir schon dabei sind, Changing Guards wäre auch nicht schlecht.
Alex läßt ja alles mit sich machen, am frühen
Vormittag streifen wir also schon durch St. James Park und Alex kriegt
wieder ihre Viecherfotos, diesmal Gänse und Erdhörnchen (EICHHÖRNCHEN
- DU BIOLOGISCHER BANAUSE). Direkt fotogen diese Tiere, sie setzen sich
in Position und schauen genau in die Linse des Fotoapparates, ob sie sogar
ein Lächeln aufgesetzt haben, muß erst festgestellt werden.
Nähere Untersuchungen folgen.
Nach Umkreisung des Buckingham Palace und Abstecher in
den Green Park sichern wir uns den besten Platz für die Beobachtung
des Gardewechsels. Wir warten also bei Eiseskälte, die Plätze
füllen sich langsam, aber sicher und es treffen nach ca. 1 Stunde
auch die ersten Polizisten, beritten und zu Fuß, ein, um die Menge
an Leuten im Zaum zu halten, Touristen sind das Letzte!
WAS SIND WIR?
Kein Kommentar. Nach ungefähr drei Stunden ist alles
vorbei und wir sind beinahe angefroren. Somit hetzen wir gen Underground
Station, um noch vor der Horde eine U zu erwischen.
MEIN KLEINER FINGER WAR LEICHT ERFROREN UND BLUTLEER.
Ja, auf seine Finger sollte man aufpassen.
Gegessen wird heute, zur Feier des Tages, mexikanisch,
im Taco Bell, wir kennen es ja schon von den USA. MHMMMMMMMMMMM!!!!!!!!!!!!!
Als wir schließlich wieder auf der Straße
stehen, beginnt es zu regnen. Somit ist klar, bei Regen auf nach Covent
Garden. Im überdachten Shopping-Center geht es uns wieder gut und
wir streifen durch die Geschäfte, ohne Geld auszugeben. Zum Abschluß
geht es noch nach Chinatown, wo wir schon so nahe an Soho sind. In Chinatown
finden wir einen Italiener, der einen französischen Namen trägt
("Chez ...").
Bevor wir uns aufmachen zum Genuß des Abends, sprich
dem Trafalgar Square, erwärmen wir uns mittels einer heißen
Dusche und ziehen uns die wärmsten Sachen an, die unsere Taschen in
sich bergen.
Um die abendlichen Orgien besser wegstecken zu können,
besuchten wir zum Abendessen KFC, denn ein Hendlburger ist nie schlecht.
Mit zwei Sektflaschen bewaffnet, geht es los mit der
U-Bahn Richtung Trafalgar Square. Im Fernsehen haben sie am frühen
Abend schon gewarnt und gebeten, Kleinkinder zu Hause zu lassen. Nichts
desto trotz machen wir uns auf den Weg. (ALSO EIGENTLICH UNVERANTWORTLICH
VON MIR, SUSI MITZUNEHMEN - ABER IRGENDWEN MUßTE ICH MIR JA ZUM SEKTFLASCHENSCHLEPPEN
MITNEHMEN)
Beim Eingang zum Trafalgar Square stehen Großaufgebote
an Polizisten und lassen die Leute erst nach Leibesvisitation durch die
Sperre. GESICHTSKONTROLLE WAR KEINE, DENN SONST WÄRE SUSI JA NICHT
DURCH GEKOMMEN! ICH ERINNERE AN EURODISNEY. Oh je, unser Sekt stellt ein
Hinderungsmittel dar. Alex hat die Idee; wir kaufen uns beim Burger King
etwas zu trinken und füllen unseren Sekt um. Gesagt, getan. Den Rest
des Colas kriegt der Mistkübel, aber unser Sekt war nun in einem gewöhnlichen
Becher mit Deckel und Strohhalm. Vielleicht dürfen wir jetzt durch?
Aber nein, sie schauen alles an und heute kommt kein alkoholisches Getränk
auf den TS. Somit stehen wir vor der Sperre, es ist 22 Uhr und süffeln
unseren Sekt mit Strohhalm. Auch angenehm, aber nicht empfehlenswert!
Zu guter Letzt war uns beiden schlecht genug, um den
restlichen Sekt wiederum dem Mülleimer zu schenken. MEIN BECHER WAR
FAST LEER!!!
Jetzt hält uns nichts mehr und nach kurzer Befragung
durch die Polizei sind wir drin, vorbei an berittener Polizei und den Bobbys
geht es gen Lord Nelson.
Die Leute drängen sich schon jetzt, 2 Stunden vor
Mitternacht. Und je später der Abend, desto mehr Gäste, am Höhepunkt
rangeln sich ca. 50 000 Wahnsinnige auf dem INNEREN Platz. Alex hält
mich krampfhaft fest und wir reden wieder mal nach vorne und hinten gleichzeitig,
schließlich steht die ganze Welt um uns herum.
Die Leute wanken alle, denn, wenn einer einen Schritt
nach rechts macht, müssen alle diesen Schritt nachvollziehen, sonst
stimmt das Dichteverhältnis innerhalb der Masse nicht mehr. Ab Mitternacht
fallen sich die Leute gegenseitig um den Hals und während man 3 Schritte
vorwärts geht, wird man von 4 Seiten geküßt und die Hände
werden geschüttelt. Happy New Year da und Happy New Year dort. Ein
Chaos, aber toll!
Wir beschließen nach Umkreisung des TS, uns Richtung
Themse aufzumachen. Im Strom der Touristen und Einheimischen stoßen
wir mit unseren mitgebrachten Kleeblättern an und somit hat auch unser
neues Jahr im Bund der EU begonnen.
Die Suche nach unserem Nachtbus gestaltet sich noch als
Problem, denn sogar die Polizei kennt sich in dieser, ihrer Stadt nicht
aus. Jeder schickt uns in eine andere Richtung. EIN BOBBY ZIEHT NACH UNSERER
FRAGE NACH DER LOWER REGENT STREET EINE KARTE MIT DEN WORTEN "I HAVE NO
IDEA WHERE WE ARE - BUT I THINK WE ARE HERE", UND DEUTET AUF EINEN PUNKT
AUF DER KARTE, AUS DER TASCHE. SEHR HILFREICH DAS GANZE. VOR ALLEM, WENN
DIE KARTE KOPIERT IST (ICH HABE SCHON AUF DER UNI BESSERE KOPIEN GESEHEN)
UND NUR EIN KLEINER AUSSCHNITT ZU SEHEN IST. EIN TROST WAR UNS NUR, DAß
ES ANDEREN AUCH NICHT VIEL BESSER GING. Somit irren wir stundenlang durch
ein hoffnungslos überfülltes London und brechen fast zusammen,
unsere Füße spielen einfach nicht mehr mit. Eigentlich suchten
wir nur die Lower Regent Street. Nach 50x (MINDESTENS) fragen haben wir
glücklich die Regent Street gefunden und freuen uns wie die Schneekönige.
Allerdings, was anscheinend keiner weiß, befindet sich die Lower
Regent Street nicht hier. Somit sind wir 3x auf Anweisung der Polizei die
Regent Street auf und ab gewandert,(I THINK YOU CAN CATCH A BUS SOMEWHERE
UP THERE!!) bis uns endlich der richtige Uniformierte über den Weg
lief und uns irgend etwas von einer Einbahnstraße erklärte.
Wir folgten seinen Wegangaben und tatsächlich, LRS ist bald gefunden.
Nur bis der Bus Richtung Gloucester Road abfährt, vergeht noch geraume
Zeit. Wir sind nicht müde, die Füße tun nicht weh. Zu guter
Letzt stopfen wir uns in den Bus Nr. N97 und hoffen, daß uns ein
netter, nicht allzu besoffener Mitpassagier die richtige Haltestelle sagt.
Und tatsächlich, weil wir ihnen gesagt haben, wie
die drei Tenöre aus Italien heißen, haben ein paar Mitfahrende
uns doch wirklich unsere Straße gesagt. Somit war auch dieser Abend
gerettet. UND DIE NICHT ALLZU BESOFFENEN MITFAHRER WINKEN SOGAR NOCH, ALS
SIE MIT DEM BUS DANN AN UNS VORBEI FAHREN.
1.1.95
Der Umstand, daß heute ein Feiertag ist, kann unseren
Terminplan auch nicht über den Haufen schmeißen. Wurde er doch
schließlich von 2 erprobten Weltreisenden (ok., vielleicht ist das
leicht übertrieben) WIESO?? erstellt.
Auf alle Fälle haben wir uns ja schon vorher eine
Liste mit den genauen Öffnungszeiten der Sehenswürdigkeiten während
der Weihnachts- und Neujahrsfeiertage besorgt. Dieses Wissen ist von großer
Bedeutung, denn heute z.B. stehen nicht viele Dinge auf unserer Liste,
eigentlich nur Mme Tousseaud's. Somit also früher aufstehen, sonst
heißt es stundenlang anstellen.
Wir stehen zwar auch, haben aber die Ehre, die relativ
kurze Wartezeit durch ein Schwätzchen mit den Niederösterreichern
hinter uns (horrible!). Gott sei Dank, es dauerte nicht lang und wir wurden
unser Geld los und waren drin, im Wachsfigurenkabinett. Wir haben natürlich
alle Fehler gesehen, Pavarotti ist nie im Leben so schlank, dort paßt
die Nase nicht, das Haar ist aber in Wirklichkeit schütterer, .....,
in solchen Dingen sind wir Meister. UND NATÜRLICH WOLLEN WIR KEIN
FOTO MIT ARNIE!!!!
Als wir auf der Straße wieder das Tageslicht erblicken,
steht unser nächster Termin fest, die Neujahrsparade um 12.30 Uhr.
Weil wir Paraden kennen, wird vorher nichts gegessen, sondern die noch
verbleibende Zeit genützt, den geeigneten Platz zu finden. Bis dann
endlich das Spektakel beginnt, sind Alex und ich erfroren. Keine Handschuhe
nützen mehr irgend etwas.
Die Parade selbst war ganz nett, aber wir sind Besseres
gewohnt. Nur bei den Oldtimern (Autos und Fahrrädern) ließen
wir uns von der Begeisterung der Menge anstecken. Nach ca. 1 Stunde wurde
es uns zuviel und wir flüchteten von Hunger getrieben ins nächste
Pizzaland.
Was nun folgt, haben wir vorher noch nicht erlebt!
Nichts Schlimmes ahnend, mit knurrenden Mägen und
leicht unter- kühlt, flüchten wir vor dem beginnenden Regen in
diese Futterhütte des italienischen Genusses. Wir sind ja jetzt schon
alte Hasen und haben die Plakate vor dem Eingang genauestens gelesen, daher
fackeln wir nicht lange und bestellen nur zwei Teller, um uns bei Pizza-
und Salatbuffet die Bäuche vollzuschlagen. Die verlangten Getränke
sind innerhalb von 10 min da (WAREN ES WIRKLICH NUR 10 MINUTEN?), aber
die leeren Teller lassen etwas länger auf sich warten. Nach ungefähr
20 min ist der große Augenblick gekommen, die Kellnerin wirft uns
im Vorbeigehen zwei runde Dinger, weitläufig auch Teller genannt,
auf den Tisch. Alex und ich beschließen, einzeln zum Buffet zu wandern,
denn unser hübsches Tischchen wollen wir nicht gänzlich alleine
stehen lassen.
Somit läßt mich Alex vor dem leeren Teller
sitzen und verschwindet in Richtung Menschenmasse vor den Pizzen. Ich beschäftige
mich mit dem Beobachten meiner Mitmenschen und verhungere fast, denn absolut
jeder hat etwas auf seinem Teller, nur ich bin bescheuert genug, hier auf
Alex zu warten. Sie kommt nicht! Als ich mich einmal umdrehe, um ihren
Standplatz zu orten, trifft mich beinahe der Schlag: Sie ist noch keinen
cm weitergekommen und warum nicht? Die Antwort auf diese essentielle Frage
erhalte ich kurz darauf. Die Pizzen am Buffet sind leider aufgrund des
Massenansturms aus- gegangen, der Pizzabäcker bemüht sich zwar,
alles so schnell wie möglich aufzufüllen, aber kaum gibt es zwei,
drei neue Bleche voll der köstlichen Spezialität, kann man damit
nur die ersten vier Leute in der Schlange zufrieden stellen. Schließlich
kann sich jeder soviel nehmen, wie er will. IMMER DANN WENN ICH DACHTE,
SO JETZT BIST DU DRAN, IST GARANTIERT ALLES AUSGEWESEN - NUDELN UND PIZZA.
JETZT WEIß ICH, WIE SICH SUSI ZU 99% IHRES LEBENS FÜHLT - HUNGRIG
UND NICHTS ZU ESSEN. DAS ERSTE MAL, DAß ICH WIRKLICH MIT IHR MITLEID
HATTE.
Irgendwie überleben wir dieses Anstellen um Nahrung
und Alex kommt mit einem gut bepacktem Teller zu mir zurück. Jetzt
schlägt meine große Stunde. Noch schnell ein "Guten Appetit"
zu Alex, die sich schon mit Genuß über ihr Menü beugt,
und ab zur Schlange vor dem Buffet. Alles geht gut, die Leute nehmen sich,
was sie wollen und trotzdem ist noch einiges auf den Pizzablechen. Noch
zwei, dann bin ich dran. Ich schaff es, ich schaff es! Nein, nicht jetzt
ausgehen! Tatsächlich, eine Person steht noch vor mir und auf den
Warmhaltenflächen ist gähnende Leere. Das ist doch wieder typisch
für mich. Knurrender Magen, Pizzageruch in der Nase und nichts zu
essen! Oh well, alles geht vorbei und so stolzierte nach geraumer Zeit
die Kellnerin, beladen mit mehreren verschieden belegten Teigböden,
an mir vorbei. Jetzt komme auch ich dran und kurz darauf lande ich mit
einem gutgefülltem Teller wieder auf meinem Sessel, nur um festzustellen,
daß Alex ihre erste Ladung bereits verdrückt hat. Während
also sie sich ihre zweite Portion holt, esse ich und umgekehrt.
Irgendwann treffen wir uns dann wieder einmal beide am
Tisch und lehnen uns zufrieden und gesättigt in unseren Stühlen
zurück.
ICH HABE MEINE TOMATEN BEKOMMEN!!!!
Nachdem man draußen nur mehr vereinzelt Regentropfen
vom Himmel segeln sieht, wagen wir uns wieder an die frische Luft und beschließen:
wir brauchen Bewegung!
Wir wandern also die Oxford Street hinauf und hinab und
schauen bei Foyles (DAS NATÜRLICH GANZ WOANDERS IST), der unübersichtlichste
Buchhandlung der Welt, rein. Wir sind wirklich überrascht, normalerweise
sind wir mit Superlativen immer vorsichtig, aber hier stimmt es. Alex und
ich haben uns auch tatsächlich gleich in den ersten 5 min zwischen
den Büchern verloren, keine einzige Locke von Alex (DANKE!?!?!?) habe
ich gesehen. Also mache ich mich auf die Suche nach ihr. Rechts abbiegen,
links abbiegen und noch durch diese Tür, Hilfe, wo bin ich da.
Plötzlich zieht ein Schild mit der Aufschrift "Medical
books" meine Aufmerksamkeit auf sich. Alex suche ich später weiter
(DANKE!?!?!?), jetzt schau ich erst mal, was sie Briten so in der Sparte
Physiotherapie zu schreiben pflegen. Als ich dann die Masse der Bücher
zu diesem Thema finde, gehe ich nur einmal durch die Reihen und sage mir
dann: "Du mußt Alex finden!"
Mit der Rolltreppe geht's bergauf und um die Kurve, nächste
Rolltreppe. Ich fahre hinauf, befinde mich gerade auf halber Höhe
in den ersten Stock, als von unten "SUSI!" ertönt.
Wir haben uns wieder und machen uns jetzt gemeinsam auf
den Weg zur Wirtschaftsabteilung (AUCH ICH MÖCHTE MICH SCHLIEßLICH
BILDEN. GANZ EGAL, WAS SUSI JETZT DENKEN, SAGEN ODER SCHREIBEN MAG), dann
zu den Malern und Musikern. Glücklich im vierten Stock angekommen,
geht's über die Stufen (WIR HABEN DEN LIFT GENOMMEN) wieder hinunter
und raus aus dem Laden. Wir fühlen uns leicht erschlagen von den vielen
Büchern.
Wir sind nicht mehr die Jüngsten, denn heute abend
liegen wir bereits um 17.56 Uhr nach einer wunderbaren heißen Dusche
im Bett und malträtieren unseren Fernseher. Wie zwei Großmütter!
Wir tanken Kraft für morgen, denn wir haben volles
Programm.
2.1.95
Dieser Tag schreit förmlich nach blinkendem, glänzendem
Schmuck, also nichts wie auf in den Tower. Während die Sonne auf unseren
Haarschopf scheint (ICH KONNTE MEINE SONNENBRILLE AUFSETZEN), versuchen
wir bei den Beefeaters einen guten Eindruck zu hinterlassen. Ob uns das
gelungen ist, ließ sich leider nicht mehr feststellen.
Wir haben den Tower durchlatscht, von oben bis unten,
wir haben die Raben kennengelernt und wissen jetzt sogar, wie die einzelnen
Tiere heißen. Wieder etwas für unsere Allgemeinbildung (SUSI'S!,
DENN MEINE IST JA VORHANDEN) getan.
Nach soviel Gehstrecke melden sich unsere Füße
und wir haben die Idee: Tower Hill Pageant, eine Reise durch 2000 Jahre
der Geschichte Londons. War lehrreich und fußschonend! Bei der Kasse
hat uns die Dame gleich die verhältnismäßig günstige
Doppelkarte für Tower Hill Pageant und die Tower Bridge verkauft,
also steht auch unser nächstes Ziel fest: Tower Bridge. Hier stapfen
wir durch beide Türme und bestaunen die Geschichte und Technik der
berühmten Brücke. UND MACHEN NATÜRLICH, GENAU WIE IM TOWER
HILL PAGEANT, EINE MENGE FOTOS.
Der Hunger treibt uns wieder ins Taco Bell, wenn es sich
schon so anbietet, muß man es doch annehmen.
An und für sich will die liebe Susi ja ein Foto
vom Lord Nelson, dieser gute Mann befindet sich aber auf seiner Säule
auf dem Trafalgar Square. Diesen Platz habe ich bisher nur bei Dunkelheit
gesehen und auch heute dämmert es schon seit einiger Zeit und somit
wieder kein Nelson für mich. Dafür gibt es die St. Pauls Cathedral.
Die Beleuchtung bei diesem Bauwerk ist einmalig. Fotografen gibt es in
der ganzen Stadt, so auch vor der Kirche. Ich renne also vor dem Bauwerk
auf und ab, um den besten Winkel zu erwischen, diesen Steinberg abzubilden.
Endlich habe ich es geschafft, doch da erregen ein paar menschliche Wesen
meine Aufmerksamkeit. Die liegen doch wirklich vor der Statue am Boden
und versuchen sie richtig vor die Linse zu bekommen. Tja, da hab ich nicht
lange gefackelt und diese ehrenwerte Dame aus Stein eben- falls auf Zelluloid
gebannt. Wer sie ist, weiß niemand! Dieser Umstand soll uns nicht
stören, denn wir fotografieren öfter Personen, die wir eigentlich
gar nicht kennen. HINAUF KONNTE MICH SUSI GOTT SEI DANK NICHT JAGEN, DA
DER HINTERE TEIL DER CATHEDRAL, GENAUSO WIE DER TURM, "LEIDER" GESPERRT
WAR. SUSI HÄTTE SICHER KEIN MITLEID GEHABT UND MICH HINAUF GEJAGT.
ICH KENNE SIE JA. EINFACH SKRUPELLOS DIESE FRAU. Dieser Tag war nicht minder
anstrengend, doch morgen folgt das große Einkaufen.
3.1.95
An diesem Tag will das mühsam erworbene, sorgsam
umgetauschte Geld ausgegeben werden. Nach einem sättigenden Frühstück
im Speisesaal, auch dort kennt man uns bereits. Während Alex bei ihren
höchstens 2 (1 1/2!!!) Brötchen in diesen 4 Tagen blieb, habe
ich mich stetig gesteigert. Schließlich erfordert so ein Sightseeing-Tag
auch Kräfte von mir und die hole ich mir mit dem Frühstück.
Damit sei allen bösen Gedanken meiner Reisebegleitung ein Riegel vorgeschoben.
HA, HA, HA, SUSI KENNT MAN JA, DA NÜTZEN AUCH SOLCHE AUSREDEN NICHTS.
Frisch gestärkt geht es auf zur Oxford Street, in
ein Geschäft nach dem anderen. Wir schauen und überlegen in Ruhe,
denn drauflos kaufen kann jeder.
Am frühen Nachmittag zieht es uns ins Hard Rock
Cafe. Wir sind ganz gemächlich hineinspaziert und haben einen Tisch
bekommen. Wir sind eben dessen würdig, denn diejenigen, die auch nur
15 min später hier essen wollten, mußten auf der Straße
warten, bis ein Tisch frei wurde. Ja, die Inselbewohner wissen eben, daß
man es sich mit uns nicht verscherzen darf.
Alex und ich hauen uns so richtig die Bäuche voll
mit Cheese Nachos und Burger, aber danach mußte uns die Kellnerin,
die uns immer mit "Hi girls, everything allright?" aufgemuntert hat und
somit zum Weiteressen anspornte, hinausrollen (IM WAHRSTEN SINN DES WORTES),
denn wir waren zum Bersten vollgefüllt. Natürlich verlangte es
uns nach einem T-Shirt mit dem Hard-Rock-Cafe-Emblem und daher geht's in
den Shop, um das Geld loszuwerden. WAS GAR NICHT SO EINFACH WAR, DENN IM
GESCHÄFT STAPELTEN SICH KILOWEISE MENSCHEN.
Zurück zur Oxford Street geht es teilweise zu Fuß,
vorbei am Hide Park, dann in ein Verkehrsmittel und der Rest des Weges
wird fahrend hinter uns gebracht. Jetzt geben wir fast alles aus, was wir
noch haben. Gegen Abend wandern wir vollbepackt durch die Straßen
gen Hotel. NATÜRLICH HABE ICH EIN GESCHÄFT GEFUNDEN, IN DEM ES
ALLES FÜR NUR 10 PFUND GAB, UND SELBST DA HABE ICH NOCH ETWAS FÜR
5 PFUND GEFUNDEN. SUSI WÄRE EINFACH AN DIESEM GESCHÄFT VORBEIGELATSCHT
- UND DANN HAT SIE ABER AUCH ZUGESCHLAGEN.
Während Alex dann unter der Dusche steht, mache
ich noch einen Abstecher in den Supermarkt, denn ich bilde mir ein, daß
ich matches, made in Great Britain, haben will. Das muß sein, denn
die endgültig letzte Zündholzfabrik in Großbritannien hat
Ende 1994 in Liverpool ihre Pforten geschlossen. Zurück komme ich
dann bepackt mit Tee, Servietten (Dschinni) und so manchem Kleinkram. Aber
Alex war mit allem einverstanden, zumindest ist mir nichts Gegenteiliges
bekannt. SUSI WAR SCHON IMMER GUT IM GELD AUSGEBEN UND KRIMSKRAMS KAUFEN.
Trotzdem hat sich meine liebe Alex über die Mitbringsel gefreut, wie
immer!
4.1.95
Der Wecker läutet diesmal wirklich, Alex hatte die
Oberaufsicht und ich somit einen Weckdienst, weil meine Öhrchen dieses
leise Tuten nicht wahrgenommen haben. Alex sagte nur "SUSI, STEH`AUF, ES
HOT SCHO GLEIT" und ich war aus dem Bett.
Diesmal verlassen wir den Ort des Geschehens gewaschen,
geschneuzt und gekämmt mit unseren Taschen, die sind diesmal wohlgefüllt,
in der Hand. Nach dem Auschecken wandern wir durch schlafende Straßen
zur Underground.
Ohne auch nur die geringsten Schwierigkeiten, direkt
langweilig, ging es zum Flughafen. Dort angekommen, haben wir nach dem
Einchecken erst einmal gefrühstückt. Da findet sich doch tatsächlich
immer noch Geld in unseren Taschen, also nichts wie in den Duty Free Shop.
Nach längerem Suchen finden landen wir in unserer Abteilung, wir ergattern
zwei Literflaschen Baileys. DAS WAR MEINE IDEE. ICH BIN ZUERST DAVOR STEHEN
GEBLIEBEN. Säufer kennt man eben daran, daß sie immer vor dem
Besten stehen bleiben, aber ich war ja auch sofort mit dieser Ausgabe unseres
Sauer verdienten Geldes einverstanden. NA EBEN, WER DA NICHT AUCH NOCH
EIN "KLEINER" SÄUFER IST. Ich nicht! DU SCHON!!!
Der Rückflug ist ganz nett, das Essen hat mich nicht
vom Hocker gehauen. Vielleicht deshalb, weil ich heute schon gefrühstückt
habe. Mit Zeitunglesen und Schreiben, Alex lernt sogar (ABER IMMER DOCH.
DAS KENNT MAN DOCH SCHON AUS DEM NORWEGEN URLAUB. ICH BIN JA SCHLIEßLICH
EIN FLEISSIGER, PFLICHTBEWUßTER STUDENT, AUCH WENN DA SUSI GANZ ANDERER
MEINUNG IST UND MIR WAHRSCHEINLICH GLEICH WIDERSTPRECHEN WIRD.) (widersprechen
ist gar kein Ausdruck, ich erhebe Einspruch vor dem höchsten aller
Gerichte, denn ich kenne dich ganze 365 Tage im Jahr und da können
mich ganze höchstens drei Tage im Urlaub wirklich nicht überzeugen)
(ERST EINMAL EINE AHNUNG VON ÖFFENTLICHEM RECHT HABEN, DAMIT MAN WEIß
WO, WIE UND WANN MAN EINSPRUCH EINLEGEN DARF. AUßERDEM MUß
MAN SICH JA AN DEN RICHTIGEN GERICHTSHOF WENDEN), ich bin stolz auf sie,
vergeht die Zeit und dann sind wir zu Mittag auch schon wieder in Wien.
An Eingang prangt ein neues EU-Pickerl, uns fällt
natürlich sofort auf, daß es kein Profi aufgeklebt hat, denn
überall finden sich Luftblasen, auch das Kleben will gelernt
sein! UND DA HABEN WIR ÖSIS LEIDER UNSERE PROBLEME. Beim Gepäck
ist meine Tasche wieder bei den ersten, während Alex' Täschchen
auf sich warten läßt.
Mit der S-Bahn tuckern wir nach Wien Nord, um das Chaos,
das seit vorigem Jahr dort herrscht, zu beseitigen. Aufbetten und ab- waschen
haben wir noch nicht verlernt und bald schon sind wir mit Morle, er wurde
gebührend begrüßt, auf dem Weg nach Linz. Alex hat mich
vor meiner Haustüre aus dem Auto geworfen, (war ich denn so furchtbar?).
KEIN KOMMENTAR!!!! Zum Glück war meine mich liebende Mutter heute
einmal zu Hause anzutreffen - eigene Gedanken sind erlaubt!