I N T E R R A I L

6.8.-29.8.1993                                                                                                                                         back      index      next

6.8.93
Nach einem mehr oder weniger erfolgreichen Arbeitstag geht es los ins Ungewisse.
Karin wird von mir am HbH Linz erwartet und nach einer wortreichen Verabschiedung von meiner mich liebenden Mutter wird der Orientexpress unser Heim für eine Nacht. Diese Nacht hatte auch ihre Reize, angefangen mit Burli (echtes Linzer Muttersöhnchen), über das erste Ruinieren meines Rucksackes bis zum Erkennen von Alex am Salzburger Bahnhof. Petra hat sie mir zwar nicht mit Schleifchen verschnürt, aber sie war noch mehr oder weniger unbeschadet, wenn man von dem Sonnenbrand (echt italienisch und mind. 17.Grades) absieht. Aber sie redet wie aufgezogen und somit sind Folgeschäden auszuschließen. Für die schlimmsten Befürchtungen werde ich ihr Wesen für die Nachwelt in Erinnerung behalten.
Seit dieser Nacht wissen wir auch, daß es im Orient-Express Abteile für 8 Personen gibt und wir haben uns in einem solchen zur Ruhe gebettet, oder wenigstens so getan.

7.8.93
Ankunft Paris Est ungefähr 9.30 Uhr, zwar munter, doch von ausgeschlafen kann keine Rede sein. Bei der Metrostation trifft uns der erste Schlag an diesem Morgen: Wir haben keine Francs in Münzen und von diesen Idioten in den Geschäften kann oder will uns niemand wechseln.
Dank unserer unschätzbaren Intelligenz wird auch dieses Problem gelöst. (Am Schalter werden auch Scheine genommen). Endlich Metrotickets in Händen, muß noch ein Hindernis genommen werden: diese engen Durchgänge zu den Zügen. Unter Einsatz unseres Lebens (wenn die Türen zugehen, sind sie zu) wurden wir Herren bzw. Frauen der Lage.
Der nächste Schock folgte kurz darauf:
1. Hat die Jugendherberge unsere Buchung auch wirklich ernstgenommen, 
2. Falls ja, wieviel Personen werden uns in unserem Zimmer erwarten.

Nach einem Blick auf die Reservierungsliste nickte die Dame hinter der Rezeption, drückte uns die notwendigen Dinge in die Hand und schickte uns damit bereits in den Himmel. Von uns natürlich wörtlich genommen flogen wir in den 6. Stock, wo mit zitternden Fingern der Schlüssel ins Schloß gesteckt wurde und dann.........,
oh Gott,....ein Dreibettzimmer für Karin, Alex und mich.
Erschlagen krochen wir schon am frühen Abend (sprich 3 Uhr) ins Bett, aber Alex mußte vorher noch ihre hausfraulichen Ambitionen entfalten und Wäsche bzw. sich selbst waschen und trocknen.
EINE WOCHE ROM IST GAR NICHT SO LEICHT ABZUSCHRUBBEN!!!!!!
Die Frage ist wovon!!!!
Doch dann konnte nichts mehr unseren erholsamen Schlaf aufhalten. Selbst die türenknallenden Monster auf dem Gang konnten nicht gegen diese Übermacht ankommen.
 
 

8.8.93
Eurodisney ruft. Ohne Wecker erheben wir uns freiwillig um 6.45 Uhr. Nach dem Nahrungfassen, sprich Frühstücken, geht es in Shorts durch das morgentlich frische Paris. Touristen wollen schließlich als solche erkannt werden.
Voll Elan schwimmen wir mit im Strom der Disneyfreunde. Erst gegen Abend machen sich Fußbeschwerden bemerkbar.
Selbst eine Stunde Wartezeit kann uns nicht davon abhalten, die Probe aufs Exempel zu machen und unsere Nervenstärke mit Hilfe der Achterbahn (neu!!!) auszukundschaften. Was macht man aber bei einer Stunde dumm herumstehen? Man liest, was man vor die Augen kriegt. In meinem Fall: "Les philosophies des arts chez Balzac" Zugegeben, sonst nicht mein Gebiet, aber man nimmt, was man kriegt. Dumm war nur, daß der Besitzer des Buches umblätterte, wenn es anfing, interessant zu werden. Dafür war sein Begleiter freundlich und hat uns immer wieder verständnisvoll zugelächelt. Unser Egoismus hat unseren Enthusiasmus besiegt und somit fuhren wir bei Beginn der Electrical Parade in die JH zurück (leere Metro hatte Vorrang gegenüber mißgestimmter Karin). Sie wurde jedoch von Alex (man kennt ihre Versprechen bereits) mit der morgigen Vorstellung vertröstet.

9.8.93
Schon beim Frühstück erkennt man den armen Touristen. Selbstverständlich schlagen wir zu, obwohl wir sonst, in heimatlichen Gefilden wenig bis gar nichts zu uns nehmen. SUSI UND KARIN SCHLAGEN ZU - JE 5 BROTE. Für den ersten Halbtag gesättigt, geht es auf zur Metrostation.
Unterwegs erregt ein grün verkleideter Staßenkehrer meine Aufmerksamkeit, und aus einem freundlichen "Guten Morgen, wie geht's" machen Alex und Karin ein Volksbegehren über die Benimmregeln Fremden gegenüber.
DAß SUSI IMMER MIT WILDFREMDEN REDET, WEIß MAN BEREITS AUS VORHERGEGANGENEN URLAUBEN. VORSICHT IST ALSO ANGEBRACHT, DAS ZUR VERTEIDIGUNG MEINER UND KARINS WENIGKEIT.
Disney wird zur Kraftprobe, bis Karin alleine loszieht und Alex und ich uns in der Nähe des Klos (! für Alex und außerdem Treffpunkt 2 Stunden später) niederlassen.
Da die Sonne zeitweise unerhört grell scheint und die Susi keine Sonnenbrille mehr, oder noch nicht, besitzt, schließt sie die Augen und wäre beinahe eingeschlafen, bis ein Schrei von Alex ertönt: "SUSI, SCHLAF NET SO AUFFÄLLIG!" Wobei ich betonen möchte, ich schloß nur die Augen. Doch laut Alex, weitere Meinungen werden nicht eingeholt, schauten einige Mitmenschen leicht brüskiert drein.
1. ICH BENÜTZE IN DIESEM URLAUB, GANZ GEGEN MEINE SONSTIGE GEWOHN-
   HEIT, OFT DAS KLO, DOCH DIESMAL WAR ES DIE NÄHE ZUM RESTAURANT
   - SPRICH FUTTERQUELLE FÜR SUSI - VERFRESSEN WIE IMMER.
2. MIR WAR ES ZWAR EGAL, OB SUSI SCHLIEF ODER NICHT, ABER AN
   DIESEM TAG HATTE SIE SICH  (UND DAMIT MICH) SCHON SO OFT LÄ-
   CHERLICH GEMACHT, DASS ES EINFACH REICHTE.
Es reichte jedoch noch lange nicht, denn Alex und Karin (vielleicht auch ich) wollten unbedingt noch Canoes fahren. Jeder, der uns in dieser halben Stunde gehört oder auch nur gesehen hat, wird uns in Erinnerung behalten, in schlechter.
Ganz gegen unsere Gewohnheit waren wir eine Stunde vor Beginn der Parade an einem guten, dem besten Platz an der Main Street.
 

1. ein bißchen überdacht, 
2. gegenüber dem Cafe,
3. vor dem Eissalon,
4. direkt an der Straße.
Das Wetter wird immer kühler und somit versorgen wir uns mit Cafe. Bis Alex und ich mit 3 Cafes wieder auf der Bildfläche erscheinen, verging geraume Zeit, denn während Alex sich mit Zucker und Milch für den restlichen Urlaub eindeckte, amüsierte ich mich mit den Angestellten, die Probleme beim Kassawechseln hatten. Ich hätte dem Kellner liebend gerne vorgerechnet, wieviel 3 Cafes kosten, aber er wollte sich nicht helfen lassen.
Mit dem heißen Getränk postierten wir uns dann auf unserem Platz, doch nur bis mich der Eisguster packte. Dann schnappte ich mir die Karin als Träger und ließ die Alex allein. Sie sollte nur still sitzen und unseren Platz freihalten. Ich gebe ja zu, daß es etwas länger dauerte, denn die Schokoladesauce und das Schlagobers gingen aus, doch als wir mit dem Eis beladen zurückkamen, stürmte Alex im Laufschritt von dannen. Daß sie beabsichtigte, den schönen Garry zu rammen, gestand sie uns erst im nachhinein.
Gegen Abend soll man die Attraktionen benutzen, also bei Beginn der Dämmerung nichts wie auf zum Thunder Mountain. Voll der Freude über den nur noch kurzen Weg bis zum Ereignis, ließen wir uns auch von Tony nicht erschüttern, der eigentlich den Weg kürzen wollte, uns jedoch nicht aufhalten konnte. Denn wir sind stärker.
SUSI HAT NATÜRLICH WOHLWEISLICH PHANTOM MANOR UNTERSCHLAGEN. WAS SUSI WIEDER GEMACHT HAT, WEISS ICH NICHT. BLÖDSINN WAHRSCHEINLICH, JEDENFALLS SAß DER EINE TYP NEBEN SUSI IM WAGEN - GANZ PLÖTZLICH. WIR HABEN UNS WIEDER EINMAL LÄCHERLICH GEMACHT. WIE IMMER WEGEN SUSI!!!!
Jeder kennt Alex`s Meinung über mich bereits zur Genüge. (Meine Verteidigung!!!!) Keine Electrical Parade, saukalt!

10.8.93
Kaum will man alles der Reihe nach erledigen, kommt man in Zeitdruck. Wenn natürlich die Mehrheit der Hostelbewohner kurz vor 9 Uhr frühstücken will, kommt es zu Problemen. Der Entschluß, ohne Frühstück das Land zu verlassen, liegt nahe.
Doch welch Unglück, ein Stromausfall verzögert unser Auschecken noch um weiteren Minuten. Zu Fuß geht es in den 6. Stock und vollbepackt wieder hinunter, unten angekommen, schaltete sich der Strom wieder ein. Doch auch dieses Wunder hält uns nicht in Frank- reich. Ab zum Gare du Nord und in den Zug nach Brüssel.
Dort angekommen, gelangen wir über Umwege zur JH und als wir nach dem Einchecken noch einkaufen gehen, wird es bereits 15 Uhr. Somit erhalten wir um 15.30 Uhr das wohlverdiente Brunchdinner, bei den uns unsere Zimmergenossinnen für Freßsüchtige gehalten haben dürften.
Das Bett ruft wieder und wir gehorchen prompt.

11.8.93
Das Frühstück läßt nicht zu wünschen übrig. Alex verabreicht mir sogar noch ein halbes Brot von ihr und stempelt mich somit vor der gesamten JH zum Vielfraß ab. Aber man gewöhnt sich daran, sich in absolut jeder Situation lächerlich zu machen.
Also nichts wie ab in die Brüsseler Innenstadt. Diese hat aber außer dem Grand Place wirklich nichts zu bieten. Wie alle Touristen wollen auch wir das Manneken Pis gesehen haben, also los. Beinahe wären wir daran vorbeigerannt, das Männchen ist nichts anderes, als ein unscheinbarer Zwerg. Schnell ein Foto und weg.

Auf dem Weg zurück zum G.P. kommen wir bei einem, was war das eigentlich, Denkmal vorbei, das von jedem Vorbeighehenden gestreichelt wurde. Zuerst standen wir da und schauten diesem Schauspiel zu. Leider warteten wir etwas zu lange, denn die nächste italienische Reisegruppe näherte sich mit Riesenschritten. Natürlich mußten auch wir dieses Ungetüm streicheln, sonst hätten wir sicherlich nicht schlafen können. Was wir aber damit eigentlich getan haben, werden wir erst in heimatlichen Gefilden beim Studium eines Belgienreiseführers erfahren. 
Nächster Entschluß: Spaziergang durch Europa. Metro bis Endstation und rein in den Bruparck. Mini-Europe war nicht zu verachten, aber die Touristen hätten nicht sein müssen. Dafür war es interessant, Fotos ohne Touristen zu schießen.
Nach diesem weitgereisten Abenteuer gab es Pizza; Alex, die diese begnadete Idee vorbrachte, mußte lange warten, bis sie etwas zwischen die Zähne bekam. Nach einem zufriedenstellendem Mahl wollten wir ins Kino, doch der Preis belehrte uns eines besseren.
Zurück in den Stadtkern, diesmal suchten wir ein Klo. Das zu besichtigende Rathaus war geschlossen und auch andere Museen hatten zu. Bis Alex den Weg zum Biermuseum einschlug, um diesem Tag des sich-lächerlich-machens die Krone aufzusetzen. Bei der Frage nach dem Klo verneinte der Kellner, worauf Alex erschüttert fragte, ob es diese Örtlichkeit irgendwo in Brüssel (oder war es Belgien?) anzutreffen gibt. Dem Kellner schien diese Frage ein Lächeln zu entlocken, zumindestens verzog er den Mund.
 
Zurück in der JH wollte Alex ihre Eltern anrufen, was sich zu einem Problem gestaltete, nicht jedoch, daß wir kein Kleingeld hatten, noch daß niemand erreichbar gewesen wäre. Nein, der Störfaktor war in Gestalt eines Amerikaners über eine Stunde am Telefon. Ein kleiner Hinweis auf Alex's Gemütszustand erübrigt sich!!! Im Endeffekt erreichte sie ihre Tante und alles war o.k.
Nach Briefmarkenkauf kannte uns endgültig die gesamte JH. Wir haben unser Ziel erreicht!!!!
JEDER WEIß, DAß ICH AMIS EIGENTLICH MAG UND ICH EIN GUTES VERHÄLTNIS ZU IHNEN HAB. ABER DER WAR DAS LETZTE VOM LETZTEN. DA MUß MAN JA AUS DER HAUT FAHREN. 1 1/2 STUNDEN ÜBERSEEGESPRÄCH VON EINER TELEFONZELLE, DAS IST MEHR, ALS ICH MIT MEINER TELEFONITIS VERTRAGEN KANN.
PS: ICH HÄUTE MICH NOCH IMMER!!!!!!!
Daß sich Alex häutet, weiß jetzt jeder, aber wie fühlt sich jemand, der am Boden liegt, sich kreativ am Tagebuch zu betätigen und gleich daneben schneit es Hautfetzen? Toll!!!
SUSI HAT ABER ANGEFANGEN AN MIR ZU ZIEHEN, ALSO IST SIE SELBST SCHULD!
Nur weil ich begonnen habe, an ihr herumzuziehen und damit ihre Pein zu erleichtern, heißt das noch lange nicht, daß sie jeden Blödsinn nachmachen muß.
DA TUT MAN EINMAL ETWAS, WAS SUSI TUT UND DANN DIESE VORWÜRFE.

12.8.93
Die Fahrt von Brüssel nach Amsterdam verlief aufgrund eines süßen, bitzelnden Kleinkindes sehr abwechslungsreich. Doch mit Walkman- hören und schreiben verging die Zeit. In Amsterdam ein Schließfach zu ergattern ist die Probe aufs Exempel, denn nur nach Geldwechsel und Rennerei gibt es als Belohnung ein Kästchen, das dann auch noch 20 Schillinge kostet.
Aber was tut man nicht alles, wir blechen das geforderte Geld und sind unsere Riesenrucksäcke für einige Zeit los.
Nun geht es ab nach Amsterdam City, aber ... oh, Graus, .. es regnet! Wir marschieren trotzdem und werden (wider Erwarten) durch und durch naß. Jedes Kaufhaus machen wir unsicher, nur um wenigstens ein bißchen nachzutrocknen, was bei den gußartigen Regenschauern eher zwecklos ist. Irgendwann hörte es dann auf zu schütten und wir machten uns auf die Suche nach einem Supermarkt, um noch etwaige Gelüste zu stillen.
SUSI`S GELÜSTE!  Ha, Ha!
In Amsterdam solch einen Ort zu finden, erfordert Geduld und Ausdauer, aber wir haben es geschafft. Der Laden war zwar kleiner als alles bisher Gesehene, doch das Notwendigste war zu finden.
Beim Zurückgehen streiften wir den Red-Light-District und inspizierten die "ehrenwerten Damen" (unauffällig natürlich, wie immer!!!).
Im Bahnhof ließen wir uns, wie alle Interrailer, in der Halle nieder und begannen in den sauer erkämpften Büchern zu schmökern. 1 1/2 h vor Abfahrt unseres Zuges Richtung Kopenhagen erfroren wir fast am Bahnhof, nur Alex' rettendem Eingriff ist es zu verdanken, daß wir noch unter den Lebenden sind. Sie versorgte uns mit heißem Kaffee und noch warmen Croissants. Ein Gedicht!
Unser Abteil mußten wir im Endeffekt mit 3 Leuten teilen, 2 Engländern, bei denen der Mund extra erschlagen werden muß, und einer Perserin, in den Niederlanden ansässig, bei der es einige Zeit dauerte, bis sie auftaute und zu reden anfing. Bis nach Mitternacht quatschten wir und spielten Schach und Dame. Als wir schlafen wollten, war es heiß und unbequem, somit war an viel Schlaf nicht zu denken.
UND MIR FÄLLT DAZU NIX MEHR EIN.

13.8.93
Kopenhagen CS: Unser erstes Ziel heißt Interrail-Center, wo Dusche und Frühstück auf uns warten. 10 min laufendes Wasser (gute Kondition!) + Frühstück mit Filterkaffee. Die Welt hat uns wieder! 
Als wir die Hauptstadt Dänemarks unsicher machen, beschließen wir einstimmig: Kopenhagen ist traumhaft, nur eines stört, die Preise!
Unser Stundenspaziergang durch die Stadt wird mit einem herrlichen Kaffee belohnt. Nach Kartenkauf und Mitnahme von Lebensmittel (ein Supermarkt findet sich hier wesentlich leichter als im wenig entfernten Holland) geht es zurück ins hochgelobte Interrail-Center. Der eher vertrödelte Nachmittag endet einer Spielhölle gleich. Wir spielen Karten, bis uns die Hände rauchen, doch Gott sei Dank müssen wir noch vor diesem Großereignis aufbrechen.

14.8.93
Dieses Mal werden wir auf der Fahrt nach Amsterdam (wird noch öfter unser Ziel sein) von 2 Italienern "beschützt".
Das Wetter versöhnt uns bei diesem Besuch in der niederländischen Hauptstadt mit dem Häusermeer aus windschiefen Wänden. Natürlich machen wir einen ausgedehnten Spaziergang (Suche nach Supermarkt, deshalb noch ausgedehnter!) durch die Stadt, bis wir vor lauter Brücken nicht mehr wissen, wo wir eigentlich sind. Doch wir finden zurück und bleiben bei einem großen Brunnen sitzen, um die erworbenen Karten zu schreiben. Natürlich haben wir wieder einmal das Richtige für unseren guten, alten Dominik gefunden.
Die letzten Stunden bis zur Abfahrt unseres nächsten Zuges verbringen wir inmitten der verrücktesten Menschen.

Von drogenrauchenden Jugendlichen (ÖSIS!) bis zu betrunkenen Sängern, von halbnackten Nicht-Europäern bis zu korrektangezogenen Schlipsträgern, vom Kleinkind bis zum Großvater, alles war auf dem Platz vor dem Bahnhof in Amsterdam vertreten.
In unserem Zug nach Paris wollten wir alleine ein Abteil genießen und waren auch auf dem besten Weg dorthin, bis uns eine Dame mit zweimaligem "S'il vous plait" aus unserem vermeintlichen Schlaf holte und uns somit zwang, ihr Platz zu machen. Danach gesellten sich noch Japaner zu uns, ohne zu fragen, ob die Plätze noch frei wären. Daraufhin waren wir leicht verstimmt, doch im Endeffekt haben wir den Abend gut über die Bühne gebracht (MÜDE ÜBER DIE BÜHNE GEBRACHT)

15.8.93
Antwerpen steht auf dem Programm, die Kulturhauptstadt Europas des Jahres 93. Eigentlich hatte ich nur eine Woche zuvor ein Plakat diesbezüglich laut vorgelesen, worauf die gute Alex die Gelegenheit beim Schopf packt, mich hinschleift und noch dazu die Bedingung stellt, nicht vor dem 15. dieses Monats anzukommen (des- halb die oftmaligen Besuche der Lasterstadt Amsterdam, nur um etwaigen Nachreden einen Riegel vorzuschieben).
Am späten Vormittag treffen wir nach einer Nacht in einem Raucherabteil mit drogenpaffenden Jugendlichen (der gute Schaffner hat 2 ihrer Joints zertreten!!!) in dieser wunderschönen Stadt an. Um rechtzeitig zur nächsten Abfahrt unseres Zuges wieder am Bahnhof zu sein, ging es im Laufschritt zu unserer ersten Priorität, dem Rubensmarkt! Nur um dann keine verkleideten Menschen vorzufinden. Auf deutsch: kein Rubensmarkt. Also nichts wie zu den Schiffen für die Eurosail '93 und uns im Strom der Touristen mitdrängen lassen. Dem anschließenden strowl through the city folgte eine Pizza im Pizza Hut. Und dann geht es ab Richtung Amsterdam. Aber diesmal nur um den Holland-Italien Express Richtung Mailand zu erwischen. Die Nacht war einigermaßen erfrischend, denn wir waren zu viert in einem Abteil mit ausziehbaren Sitzen und hatten Sitzreservierungen, also keine Hast. Andererseits war der Zug eindeutig in italienischer Hand und wir entwickelten eine absolute Antipathie zu diesem Volk von quasselnden Nichtssagern.
ES FÄLLT MIR SCHWER ES ZUZUGEBEN, ABER SUSI HAT RECHT. ITALIENER WOHIN MAN SCHAUT. LANGSAM, ABER SICHER, HAB ICH DIE NASE VOLL VON UNSEREN SÜDLICHEN NACHBARN. WENN ICH NOCH MAL MEIN ZUGABTEIL MIT ITALIENERN TEILEN MUß, BIN ICH REIF FÜR'S WAGNER. ALS OB ES NICHT SCHON REICHT, DAß SUSI AUF MEINEN NERVEN RUMTRAMPELT!!!
Ohne jeden Zweifel, werde ich total mißverstanden. Ich trample nicht, ich versuche zu schreiten, auf Alex's Nerven nur die Balance zu halten, ist schon schwierig genug, somit ist trampeln von vornherein ausgeschlossen. 
GUT SIE SCHREITET UND DARAN, DAß SUSI SCHWIERIGKEITEN HAT, DIE BALANCE ZU HALTEN, SIEHT MAN, DAß MEINE NERVEN SCHON SEHR DÜNN UND STRAPAZIERT SIND. AHHHHH!!!
Ich schließe mit diesen Worten die Debatte über Nervenkrankheiten, es möge damit auch der Tag beendet sein, denn noch schlimmere folgen!
 
 
 

16.8.93
Ein Tag wie kein anderer!
Einerseits war er außergewöhnlich, weil wir den ganzen Tag mit Zügen durch halb Europa gegondelt sind, andererseits war er nicht nur deshalb mehr als anstrengend. Bis Ventimiglia verlief alles noch nach Plan, auch das Umsteigen in Mailand bereitete keine Probleme und der Erwerb von 3l Wasser trug eher noch zum Heben unserer Stimmung bei.
Ab der Grenze jedoch hat uns unser Glück verlassen, nicht nur, daß der Zug, der eigentlich bis Marseille fahren sollte, schon in Cannes Endstation hatte, sondern dieser Zug war ein Gefährt, ein Vehikel, das den Namen Zug zu Unrecht trägt (Nach diesem Urlaub kann uns sicherlich nichts mehr erschüttern! Komm. d. Red.)
Trotz der widrigen Umstände haben wir das Beste daraus gemacht und versucht, uns an der Landschaft zu ergötzen. Wenn man an maisons vorbeifährt, vor denen so mir nichts dir nichts ein Rolls Royce und ein Porsche parken, beginnt man nachzudenken, wieviele Leute auf dieser Welt etwas zuviel von dem Tauschobjekt money besitzen.
Dennoch haben wir den Anblick der Cote d'Azur genossen und in Cannes schließlich einen Anschlußzug nach Marseille gekriegt. Am Bahnhof Marseille hat Alex schließlich, nachdem ich wie eine Verrückte zu jedem Geschäft gerannt bin, um Kleingeld zu organisieren, die JH in Carcasonne angerufen, aber nur um sich eine Absage einzuhandeln. Der danach abgehaltene Kriegsrat beschloß die Fahrt sofort nach La Rochelle auszudehnen. Dazu wird noch ein Telefonanruf notwendig und der bringt die Nachricht, daß man telefonisch nicht bestellen kann, aber es wären noch Zimmer frei.
Das war unser Stichwort, den Zug an den Atlantik zu nehmen. In dieser Nacht büßen wir alle jemals begangenen Sünden und deren sind es viele! Unser Horror wurde wahr, wir mußten die Nacht
               * in einem Großraumwaggon
               * im Raucherabteil
               * bei offenen Fenstern
               * im Sitzen
verbringen. Als ob nicht einer dieser Punkte Bestrafung genug gewesen wäre. Was haben wir bloß verbrochen? Wie ich Alex kenne, wird sie mir jetzt schonungslos alle meine Vergehen aufzählen, aber I'll survive!!
ALSO, ICH ENTSINNE MICH NICHT, DAß ICH JEMALS ETWAS SCHWERES VERBROCHEN HABE. ICH HABE JETZT ABER EINDEUTIG ETWAS GUT, WEIL ICH SUSI'S VIELE SÜNDEN MITGEBÜßT HABE. IRGEND JEMAND SOLLTE EINMAL DAS WORT URLAUB FÜR MICH DEFINIEREN UND DAS SOLL NICHT SUSI SEIN, DENN IHRE AUFFASSUNG VON URLAUB IST ETWAS WEIRD. SIE HAT ES GESCHAFFT, MICH IN EINER WOCHE FIX UND FERTIG ZU MACHEN. ICH FRAGE MICH, WAS JETZT NOCH KOMMT?
Hoffentlich ist sich Petra bewußt, daß ich es geschafft habe, schade, daß wir nicht gewettet haben. Doch ohne ihre Vorarbeit hätte es bestimmt länger gedauert. Also, nochmal danke, Petra.
Was jetzt noch kommt, kann ich auch nicht sagen, aber da Alex gestern abend von sich gegeben hat, daß sie in einigen Jahren Cluburlaub mit Animateuren bevorzugen wird, wird sich schon noch einiges zutragen. Genaueres kann und will ich noch nicht sagen.
UND WENN ICH AM LETZTEN ZAHNFLEISCH KRIECHE, GANZ UNTERKRIEGEN LASSE ICH MICH WEDER VON SUSI NOCH PETRA. SOLLTE ICH MAL VORÜBER- GEHEND FIX UND FERTIG SEIN, KEINE ANGST, IM NU BIN ICH WIEDER DA UND SCHLAGE ZURÜCK. UND UM AUF DEN CLUBURLAUB ZU SPRECHEN ZU KOMMEN, ICH SAGE NUR MALLORCA, UND DAS MIT 20!!! NAJA, MIT 21 STEHT MAN ÜBER DEM.

17.8.93
Ich finde es unmöglich, jedwegen Kommentars enthoben zu werden; eigentlich könnte ich noch so einiges zum Thema Urlaub sagen, aber ich will Alex nicht weiter aufregen, mit 21 braucht man seine Ruhe, während ich Abwechslung suche und diese kann man schließlich auch auf Mallorca finden.
Aber um im Kontext weiter zu gehen: wie wir heute früh aus der dreckigen Wäsche geschaut haben, dürfte jedem Mitmenschen leibhaftig vor Augen stehen. Im Endeffekt standen wir aber vor dem Bahnhof La Rochelle und beschäftigten uns mit dem Touristen-Informations-Computer, der auch wirklich brauchbare Informationen ausspuckte. Der Bus brachte uns zur JH, wo wir nun bis 12.30 Uhr nicht erfahren können, ob wir ein Zimmer kriegen, oder nicht.
Zur Zeit bin ich hungrig, müde und will duschen; nichts von alledem trägt zur Anhebung meiner Stimmung bei. Ich neige eher dazu, in Apathie zu verfallen, was zum Wohle meiner Mitmenschen eher nicht passieren sollte. Um 12.30 Uhr starten wir wie vom Blitz getroffen Richtung Rezeption. Die Schlange wird länger und die Gurke am Schalter wird langsamer. Als wir uns dieser Person mit dem Zimmerplan nähern, wird unsere Aufmerksamkeit von zwei Nichtfranzösinnen geweckt, die von der entgegengesetzen Richtung auf uns am Schalter zustürmen. Wir setzen uns mit aller Kraft zur Wehr, aber diese beiden Individuen erhalten Hilfe von einer Französin (Alter undefinierbar, laut Alex 126 Jahre). Vor unserer Nase wurde uns somit das letzte 2-Bett-Zimmer weggeschnappt. Meine liebe Alex wurde somit für eine Nacht laut Plan von mir getrennt. Nach Erkundung der JH und Wäsche waschen, natürlich auch uns selbst, reden wir mit Deutschen, die auch gerade Wäsche zum Reinigen haben.
Der Abend kommt früh und wir wollen eigentlich schlafen, ich mache es mir auf Alex' Bett gemütlich, aber bevor ich einschlafe, versuche ich, in mein Bett zu kommen. Wohlgemerkt, ich versuche es, der Lärm von meinem Zimmer übertönt jedoch alles und so ziehe ich mich zu Alex zurück, wo mir eine Engländerin glatt ihr Bett zum Einschlafen anbietet. Es gibt doch noch nette Menschen auf dieser Welt.
TJA, LANGSAM ABER SICHER FINDE ICH AMERIKANER AUF URLAUB IN EUROPA ZUM ABGEWÖHNEN. SCHRECKLICH!!! FRANZOSEN SETZE ICH BALD MIT ITALIENERN GLEICH. ZUR JH: DIE ANGESTELLTEN SIND VOLL BELÄMMERT. DAS LETZTE VOM LETZTEN. ALSO IM MOMENT KANN ICH DIE JH NOCH NICHT WEITEREMPFEHLEN. WENIGSTENS DIE LEUTE IN MEINEM ZIMMER SIND NETT UND SUSI HÄNGT DAUERND BEI MIR RUM. NICHT MAL ICH KANN DAS SUSI ANTTUN, DAß ICH SIE ZU DEN LEUTEN IN IHR ZIMMER RÜBERJAGE. ICH DENKE, DAS SAGT ALLES!

18.8.93
Ich bin im selben Bett aufgewacht, in dem ich eingeschlafen bin. Auf meine Frage, warum mich niemand geweckt habe, antwortete die Bettbesitzerin nur, "no problem!" Somit war dieses Hindernis aus dem Weg geräumt.
Nach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg in die Stadt. Diese entwickelt sich zu einer hübschen französischen Kleinstadt, die natürlich ohne die Touristenscharen einen besonderen Reiz hätte. STIMMT! Am Markt kauften wir Obst und im Supermarkt Taschentücher für Alex (wie im Irlandurlaub auch Schnupfen) HA,HA! und Wasser. In einer Boulangerie erwerben wir Baguette und wollen jetzt eigentlich nur noch sitzen und essen. Einen schattigen Platz finden wir letztendlich bei den Türmen. 
Wir müssen tatsächlich hungrig ausgesehen haben, denn ein Franzose hat uns seine Honigmelone angeboten. Was machen wir nur für einen Eindruck? Das Größte, ach, es war nicht nur das Größte, nur die erste Schweinerei des Nachmittags, die Taube war schuld, sie hinterließ bei Alex ihre Exkremente. Alex ließ nur noch ein lautes "Scheiße" ertönen und begann wie verrückt an sich herumzuputzen. Es muß erwähnt werden, daß es einen Unterschied gibt zwischen österreichischen und südwestfranzösischen Tauben, ausländische Vögel lassen ihre Hinterlassenschaft zu Tonnen auf einen herunter, während austrian doves das Ganze dezent zu verrichten verstehen. Außerdem kennen franz. Tauben den Unterschied Mensch-Auto nicht. The French people sollten ihre Tiere besser erziehen.
Die 2.Schweinerei war die Tatsache, daß wir gefragt werden, ob wir nicht Schwedinnen wären. Als wir verneinten, meinten die fragenden Holländer: "Dänen?" Danach klärten wir die Herren der Schöpfung über die Umstände unserer Herkunft auf. Endlich kommen wir zurück in die JH und wollen unsere Schlüssel zu Zimmer Nr. 1003. Schweinerei die 3., man hat uns ohne ein Wort zu sagen in meinem Ex-Zimmer untergebracht. Alex und ich sind voll der Freude. Von Anfang an war unsere Stimmung auf dem Nullpunkt. Die Sympathien, die wir unseren Zimmergenossinnen entgegen brachten, bewegten sich in den unteren Minusbereichen.
Um etwaigen Konfrontationen aus dem Weg zu gehen, wusch Alex nur schnell ihre beschmutzten Kleidungsstücke, hängte sie über die Brüstung beim Fenster und wir machten uns auf in den Hof.
Nach 20 min wurde plötzlich Alex' Zeug ins Zimmer geholt und das- selbe verdunkelt. Alex raste wie von der Tarantel gestochen ins Innere und wurde über diverse Sicherheitseinrichtungen (geschlossene Jalousien - keine Chance für Diebe) aufgeklärt.
Nach vergeblichen Bemühungen ein anderes Zimmer zu ergattern, waren wir am Verzweifeln. Doch wir halten durch. Schließlich beschließt Alex, der gute Geist, gemein zu werden. Also stören wir ein Pärchen in unserem Zimmer beim Tète-á-tète, oder verhindern das Ganze von vornherein und vergraulen alle aus dem Zimmer. Erster Sieg für uns!
NORMALERWEISE BIN ICH JA NICHT GEMEIN, ABER BESONDERE SITUATIONEN VERLANGEN BESONDERE TATEN. DER HIEF AN DER REZEPTION WAR DAS ABSOLUT LETZTE. ICH MEINE, DER SOLL DOCH FROH SEIN, WENN ZWEI FREIWILLIG EIN ZIMMER RÄUMEN, ABER NEIN. IDIOTEN GIBT ES EBEN ÜBERALL. DIE GANZE ORGANISATION DER JUGENDHERBERGE LÄßT SEHR ZU WÜNSCHEN ÜBRIG. WIR HABEN UNS HEUTE SCHON UNSERE JH-AUSWEISE GEHOLT, WEIL MAN VOR 8 UHR NICHT AUSCHECKEN KANN. NICHT MAL 5-10 MIN VORHER ERSCHEINEN DIE. ES IST EINFACH DAS ALLERLETZTE.
AUF JEDEN FALL WAREN WIR KLUG GENUG, SCHON AM VORABEND AUSZUCHECKEN.
ZUR TAUBE: ICH SITZE NUR FRIEDLICH RUM UND DANN KOMMT DAS BLÖDE VIEH UND .... AHHH! NAJA, DIESES PEINLICHE THEMA MÖCHTE ICH NICHT MEHR ERWÄHNEN, NUR DAS FRL. SCHÖN, DAS ALLES SEHR LUSTIG FAND.
NACHSATZ: LA ROCHELLE ODER ZUMINDEST DIE JH IST EINE DEUTSCHE KOLONIE.

19.8.93
Zufällig wachte ich um kurz nach 7 Uhr auf, denn unser Wecker, dachte ich zuerst, hat uns verlassen, aber es hat nur keiner die richtige Uhrzeit eingestellt. Naja, wir haben es überlebt und waren sogar noch beim Frühstück, bevor die Gesellen ihre Pforten öffneten. Beim Essen trifft man Leute und so wird sich natürlich auch am Bahnhof zusammengewartet bzw. fertiggefrühstückt.
Was sich anwesende Franzosen über diese dummen Interrailer gedacht haben, möchte ich gar nicht wissen!
In Bordeaux ist wieder Warten angesagt, die Wartezeit wird noch verlängert durch diverse Blasen, die entleert werden möchten, doch aufgrund von gebührenpflichtigen Klos auf die nächste Zugfahrt warten müssen.
In Irún angekommen trifft uns fast der Schlag, wir müssen Sitzplätze reservieren. Gut, wir reservieren also 2 Sitzplätze nach Vigo.
Noch ein Wort zu den Deutschen: Diese von uns zeitweise sehr geachteten Nachbarn, zB wenn es um die DM-Schilling Beziehung geht, sind, sobald sie ihr Heimatland als Interrailer verlassen, so bescheuert, sich keine Landeswährung der zu durchfahrenden Länder mitzunehmen.
Wir freuten uns auf Holländer, Belgier, Engländer usw. als Reisebekanntschaften. Aber wen trifft man statt dessen: den Hans aus Salzburg, ein Revoluzersöhnchen, das in 2 Jahren heiraten will. Es gibt noch größere Idioten auf der Welt, als wir dachten.
UND DIESER IDIOT MUß AUSGERECHNET ÖSTERREICHER SEIN. JEDENFALLS HAT UNS UNSER LANDSMANN EINGE WERTVOLLE STUNDEN SCHLAF GEKOSTET, WAS SICH BEI SUSI WIE IMMER BESONDERS AUSGEWIRKT HAT. ICH MUßTE DANN WIE IMMER VERSUCHEN, MIT IHR FERTIG ZU WERDEN. WIE SCHWER DAS IST, WEIß MAN JA.
Kein Kommentar!

20.8.93
Unsere pünktliche Ankunft in Vigo war sicherlich ein Irrtum der "portugiesischen" Eisenbahn. Demzufolge dehnte sich unsere Wartezeit an der spanisch-portugiesischen Grenze ins Unendliche. Alex schlief mehr oder weniger schlecht als recht sitzend auf ihren Rucksack gelehnt.
Die Fahrt Vigo-Porto wird nach ersten Ansichten fälschlicherweise als drittklassig eingestuft, doch was danach kam, stellte alles bisher Dagewesene in den Schatten. Eine Einstufung in Klassen ist unmöglich und muß hoffentlich nicht mehr wiederholt werden.
In Porto mußten wir rennen, um noch den Anschlußzug nach Coimbra zu erreichen, einziges Problem, der Anschlußzug verläßt den Bahnhof eine halbe Stunde vor der planmäßigen Abfahrt. Es scheint, daß die Portugiesen ihre legendären Verspätungen durch verfrühte Abfahrten zu pünktlichen Ankünften umwandeln wollen.
Plötzlich überfiel uns eine Horde Uniformierter, auf den ersten Blick würden wir sagen Soldaten, doch dann vielleicht Fallschirmspringer. Auf alle Fälle gehören sie zusammen und über- fallen uns mit einem Wortschwall. Wir antworten so gut es geht, nur wenn 5 Personen gleichzeitig mit einem sprechen, wird es schwer, der Konversation noch geistig Folge zu leisten. Alex erteilte mir danach die Rüge, daß ich zu nett gelächelt hätte, als ob ich das könnte. Auf jeden Fall, ich bin und bleibe unschuldig.
NUN GUT, DARÜBER LÄßT SICH STREITEN!
Ich streite ungern!!! Aber weiter im Kontext:
Diese Horde Wilder amüsierte sich jedenfalls ganz gut, während wir dieser Begegnung absolut nichts Positives abgewinnen konnten. Nicht einmal eine ungefähre Ankunftszeit in Coimbra, geschweige denn, wieviele Haltestellen es noch wären. Laut unserer Fahrpläne sind es 2 Stationen in 3 Stunden. Daran, daß wir wenigstens alle 4 min. stehenblieben, jeder Misthaufen wird hier als Haltestelle gehandhabt, kann man die Gewißheit der Fahrpläne dieses Landes feststellen. Im Endeffekt kamen wir mit einer immensen Verspätung an, wobei ich nur dadurch, daß ich bei der offenen Türe gesessen
bin (die Waggontüre war offen), die Haltestellennamen lesen konnte und wir nach nochmaligen Fragen (die Leute müssen uns für blöd erklärt haben) endlich die Richtigkeit unserer Entdeckung bestätigt bekommen haben. Auf alle Fälle, Coimbra haben wir erreicht.
Wir gehen oder, besser, fallen sofort in die Information am Bahnhof und erfahren zu unserer Erleichterung, daß der nächste Zug nach Figuera da Foz in absehbarer Zeit noch heute von diesem Bahnhof abfährt.
Nach einer erschöpfenden Zugfahrt, der nächste Schreck: Keine Busse zum Parque de campismo. In unserer Resignation darüber, daß die Bahnhofsinformation geschlossen hat (es war erst 21 Uhr) und über das englische Unwissen der hier ansässigen Portug. machte uns nichts mehr etwas aus und wir redeten den nächsten Menschen mit unserem Campingführer in der Hand an und erfuhren nur, daß um diese Uhrzeit keine Busse mehr fahren. Letztendlich gerieten wir an jemand, der uns in wenigen Minuten ein Taxi zum Campingplatz (campismo municipal, nicht der Strand) um 800 Escudos (sprich 65 Schilling) verschaffte. Wir nahmen dankbar an und bekamen sogar am Campingplatz noch einen Platz für unser Zelt.
Während Alex unser Zelt aufbaut, gehe ich einkaufen. Der gute Baumeister hat jedoch an diesem Abend nichts mehr zu sich genommen, sondern fiel erschlagen ins Bett. Ich natürlich konnte nicht widerstehen und  genoß noch 4 Scheiben Weißbrot.
TJA, AN DEM GANZEN KANN MAN SEHEN, DAß SICH SUSI'S MAGEN, UND DAMIT SIE SELBST, SICH DURCH NICHTS ERSCHÜTTERN LÄßT.
PS: EIGENTLICH GANZ GUT, DAß WIR WEGEN MEINES SCHNUPFENS TASCHENTÜCHER IN L.R. EINGEKAUFT HABEN, DENN MITTLERWEILE IST ES AUCH SUSI'S SCHNUPFEN. WIE MAN SIEHT, GROßZÜGIG WIE ICH BIN, TEILE ICH ALLES: SELBST HUSTEN UND SCHNUPFEN.
Doch auch Husten , Schnupfen und Heiserkeit (wobei letzteres  nur um des Sprichworts Willen erwähnt sei) können mich nicht von einem Urlaub mit Alex abhalten.

21.8.93
Der Tag begann mit Regen, Regen, Regen. Nachdem ich mich aufgerafft habe und Tokens für heiße Duschen geholt habe, entschließen wir uns, doch noch das Zelt abzubauen und auf einen unserer Wunschcampingplätze am Strand zu ziehen. Gesagt, getan. Das Zelt wird geteilt verpackt (naß - trocken) und wir marschieren nach dem Auschecken Richtung Bushaltestelle. Doch, wo ist die. Irgendwie finden wir ein Haltestellenhütterl, oder wenigstens etwas, das so aussah wie etwas Derartiges.
Und so warten wir eine 3/4 Stunde auf ein Ungetüm, das sich Bus nennt. Irgendwann hält auf der anderen Straßenseite ein solches Gefährt an und der Fahrer fragt uns, ob wir nach Figueira da Foz wollen. Erleichtert stürmen wir, so gut es geht, den Bus und landen bald darauf am Bahnhof, wo wir nicht einmal 15 Stunden zuvor angekommen sind. Diesmal ist die Informationsdame zugegen und teilt uns mit, daß unser Bus zum Campingplatz auf der anderen Straßenseite stehenbleibt.
Nichts wie los Richtung Haltestelle. Auch hier warten wir Ewigkeiten; endlich ein Bus in Sicht, ha, er bleibt nicht stehen. Gut, dann der nächste. Da ist er! Rucksack geschultert und ... da- neben, auch der übersieht uns.
 
 
 

Plötzlich drückt uns ein junger Mann 2 Einladungen in einen Night- Club in die Hand und verwickelt uns auf englisch in ein Gespräch. Dann endlich hält ein Bus und, oh Freude, der fährt auch in Richtung Gala. Unser englisch-sprechender Barkeeper bittet den Busfahrer, uns bei der richtigen Haltestelle aus dem Bus zu befördern und begibt sich dann Richtung Arbeit. Der Buschauffeur tat, wie ihm geheißen und wir laufen den Schildern zum Campingplatz nach, eine halbe Stunde. Nur um dann festzustellen, daß wir auf wiederum einem anderen Campingplatz gelandet sind. Doch, da er sich gleich am Strand befindet und wir vom Marsch ermüdet sind, nehmen wir an und finden sogar einen Platz für unser Zelt. Wir bauen auf und ... essen erst mal etwas, worüber wir uns noch lustig machen werden.
Der tägliche Schock läßt nicht lange auf sich warten. Wir wollten nur einkaufen, wie sich das für Interrailer gehört, ein paar Dosen für die Campingplatztage, doch das Geschäft ist, wie auch die Sprache, hier unterentwickelt und wir stellen mit Mühe den Speiseplan für die nächsten Tage zusammen.
Unser nächstes Ziel heißt nun aber endgültig Strand. Die Wellen sind großartig, das Wasser erfrischend und die Sonne wärmt. Als clevere Strandgänger legen wir uns nicht direkt ans Wasser (FLUT), doch je weiter die Zeit voranschreitet, desto mehr sucht das Wasser unsere Nähe. Wir wandern also in die Dünen und immer weiter, bis wir den Sonnentag aufgrund beginnenden Sonnenbrandes abbrechen.
Natürlich will man nach einem Bad im Atlantik das Salz wieder von der Haut bekommen und so duscht man. Richtig, man duscht, nicht wir, weil wir uns weigern, mehr als 5 min in der Schlange zu stehen. Logischer Schluß daraus: wir warten essend vor unserem Zelt bis wir endlich gegen 21 Uhr, ohne zu warten, direkt unter das wunderbare, salzlose Naß kommen. Von den ungewohnten Anstrengungen des Tages erschöpft, genießen wir ein traumhaftes Bett im Zelt.
ICH WEIß, ICH HABE DIE EINMALIGE GELEGENHEIT, SUSI LIEGEN ZU LASSEN, UM VON DER FLUT HINWEGGERAFFT ZU WERDEN, VORBEIZIEHEN LASSEN, ABER ANDERERSEITS, OHNE MEINE PERSÖNLICHE LÄSTWANZE FÜR MEINEN URLAUB, KÖNNTE ES AUF DEM WEITEREN TRIP LANGWEILIG WERDEN. TJA, UND NUN ZUM CAMPINGPLATZ: WAS SICH DA GESCHÄFT NENNT, IST UNTER JEDER KRITIK!

22.8.93
Annahme: Zelt, Isomatte, Schlafsack; Personen, die süß schlummern und nichts Böses denken. Doch dann: tropf, tropf. Ein Schrei; Scheiße! So ungefähr könnte man die Situation an diesem Sonntagmorgen im Monat August darstellen.
Aber uns kann nichts mehr erschüttern, wir sind sogar so praktisch veranlagt, daß wir Regenpausen zum Kaffeekochen nutzen. Doch noch während wir unser  mageres Mittagessen (Nudeln mit Ketchup, wobei das Ketchup noch aus Euro-Disney stammte) zu uns nahmen, machte sich die Sonne daran, aus ihrem Wolkenbett herauszukommen. Somit nichts wie an den Strand.
UND DER WAR HEUTE BESONDERS DRECKIG. AUCH EINE WEITERE CHANCE, DIE WELT VON SUSI ZU BEFREIERN, HABE  ICH VORBEIZIEHEN LASSEN. NAJA, WAS SOLL'S. NICHT NUR ICH, SONDERN AUCH SUSI HAT AN DIESEM NACHMITTAG DIE SONNE EIN WENIG ZU SEHR ANGEBETET - UNSER BEIDER SONNENBRAND HAT SICH AUSGEBREITET. ZU DIESEM ZEITPUNKT HABEN WIR SCHON GEAHNT, DAß WIR FÜR DIESEN FAULEN NACHMITTAG BÜßEN MÜSSEN, SPRICH: RÜCKEN AUF DER ISOMATTE.
Es hat sich bei uns eingebürgert, zuerst unser Abendessen zu uns zu nehmen und erst dann den Weg zu den Duschen einzuschlagen. Bei dem Gedanken, daß heute Sonntag ist und darum etwas Besonderes auf dem Tisch, sprich Isomatte, stehen sollte, nehmen wir unsere Kochkünste zusammen und brauen Nudeln mit Ei. Sehr üppig, wie überhaupt alles in diesem Land am Rande Europas.
ES IST INMITTEN DER ZIVILISATION SCHON FAST UNMÖGLICH, SUSI'S MAGEN ZU FÜLLEN, DOCH HIER AM RANDE BZW. AUßERHALB JEGLICHER ZIVILISATION IST DIESES SCHIER UNMÖGLICH. JEDER, DES SUSI KENNT, WEIß, WELCHE QUALEN ICH DESHALB DURCH SIE ERLEIDEN MUß.
DIE PORTUGIESEN HABEN SICH AUßERDEM ALS NICHT SEHR FREUNDLICHES VOLK ERWIESEN. NUR GANZ SELTEN LÄCHELT JEMAND ZURÜCK, EBEN GANZ ANDERS.

23.8.93
Als beim Aufstehen, oder besser Munterwerden, noch keine Sonne schien, waren wir noch nicht beunruhigt und genossen ein langes Frühstück. Der anschließende Strandgang war kurz, aber ertrag-
reich. Während Alex auf unsere Sachen aufpaßte und mich peinlicherweise vor die Linse meines Fotoapparates bekam, machte ich mich auf, Muscheln zu suchen. Meine Beute kann SICH SEHENLASSEN.
Das schlechte Wetter hat uns jedoch endgültig vom Strand vertrieben und wir weigerten uns, auch noch einmal dorthin zurück- zukehren. Statt dessen vergnügten wir uns in unserer Spielhölle  mit "Hektolitern" Tee.
UND ICH, ALEX, HABE SUSI BEIM ROMME BESIEGT.
Doch ich habe gern verloren, als auf einmal unsere Nachbarn zu lächeln begannen. Sogar Grüße wurden herübergemurmelt. Nach diesem erquickenden Nachmittag folgte eine noch erquickendere Dusche. Ich
habe übrigens Alex` Lieblingswörter bzw. -phrasen entdeckt:
    * Es ist scho (Uhrzeit), um di Uhrzeit kaun ma fo mia goa nix
      erwortn. (Die Uhrzeit wird zwar mit der Armbanduhr überein-
      stimmen, in der Tageszeit jedoch beliebig variieren)
    * Scho?
SUSI'S LIEBLINGSPHRASEN:
    * I KRIAG AN AUNFOI!
    * KINDER!!!!!!
Vor dem Einschlafen "tanzte" Alex noch zur Musik des portugiesischen Radios, während ich mich mit Rainhard Fendrich in den Schlaf wiegte. SCHLAF WIEGTE - HA! SUSI LAG AUF KEINEN FALL RUHIG DA. SIE "ROCKTE" FAST NOCH SCHLIMMER ALS ICH. WAS HEIßT FAST, ES WAR SCHLIMMER, UND DAZU MUßTE SIE AUCH NOCH SINGEN. UNSRE ARMEN NACHBARN!
Ich muß noch erwähnen, daß auf Grund unseres verschiedenartigen Gesangs keiner mehr über unsere Zeltschnüre fiel. Für irgend etwas muß Gesang ja gut sein. Uns hält er wenigstens ungebetene Gäste vom Leib.

24.8.93
ENDLICH HABE ICH ES GESCHAFFT! DURCH HARTE KLEINARBEIT HABE ICH SUSI'S ERSTES GRAUES HAAR VERSCHULDET. OB SIE MIR DAS JE VERZEIHEN WIRD? NAJA, AUCH EGAL, WENN UNSERE GEMEINSAMEN URLAUBE AN SUSI'S
(GRAUER) HAARFARBE SCHULD SIND, IST SIE BALD EIN SILBERFUCHS! HA!
 
 

Frühmorgens um 7 Uhr hebt uns der Wecker aus dem Schlaf, worauf ich mir noch ein paar Minütchen Ruhe gönnen wollte, von Alex jedoch mit einem unzufriedenen "steh auf, sunst schoff mas net!"
aus dem Zelt geworfen wurde. Noch vor Sonnenaufgang saßen wir auf unserer Isomatte vor dem Zelt und genossen unser drastisch rationiertes Frühstück. Punkt 9 Uhr stehen wir an der Bushalte- stelle, oder besser dort, wo wir die Bushaltestelle vermuten konnten. Doch im Endeffekt hat uns eine Frau angesprochen und mit viel Phantasie konnten wir erraten, daß sich die von uns gesuchte Haltestelle 5 m weiter nördlich befand.
Natürlich waren wir Stunden vor Abfahrt unseres Zuges am Bahnhof Figueira da Foz. Am Bahnsteig saßen wir auf unseren Rucksäcken und froren um die Wette. Nachdem uns auch die Süßigkeiten, die Alex am Bahnhofskiosk ergatterte, nicht aufwärmten, beschlossen wir, die letzte Stunde im Gebäude zu verbringen. So fertig und am Ende dürften wir nicht ausgesehen haben, denn Alex wurde von 3 Kindern angetatscht und angestarrt. Worauf sie ganz interessiert bei meiner Kritzelei zuschaute und dauernd mit mir redete.
Diesmal verlief die Zugfahrt ereignislos. Aber in Coimbra ergatterten wir endlich unseren ersehnten Stadtplan von Figueira da Foz. Unsere Vorräte haben wir beim Frühstück verzehrt und somit saßen wir jetzt ohne Essen in Coimbra. Doch der Gedanke an die Hauptstadt Portugals, und somit vielleicht ein Fast Food Restaurant, hält uns aufrecht. In Lissabon trifft uns dann fast der Schlag, denn in dieser Stadt gibt es nichts für uns, oder jedenfalls nichts für unsere Geldtasche. Nach 2 Käse-Schinken-Weckerl und 4 Eis ist unser Hunger zwar nicht gestillt, aber das Knurren war wenigsten beseitigt. In der Information haben wir erfahren, daß wir einen Schlafwagen reservieren mußten, wenn wir mit diesem Zug nach Madrid wollten. Somit hatten wir auch für diese Nacht ein Bett. Zum Schlafen jedenfalls kamen wir nicht sehr viel, denn Alex konnte es nicht lassen, als sie auch nur ein Wort mit österreichischem Dialekt hörte, zu fragen, woher die "Besitzer dieser Sprache" kämen. Antwort: "Aus Wels!" Ahhhh!
Bis 1 Uhr morgens standen diese Menschen bei uns im Abteil, während unsere vier Mitbewohner allesamt in ihren Betten schliefen. Somit fiel unser Schlaf trotz vorhandener Betten, die sogar relativ bequem waren, recht dürftig aus.

25.8.93
Unsere Ankunft war entgegen aller Erwartungen pünktlich. Gott sei Dank haben wir noch gefragt, ob wir Zuschlag zahlen müssen, denn ohne Reservierung wäre nichts gegangen, somit blättern wir furchtbar viel Geld für einen Sitzplatz im Intercity  Madrid - Hendaye hin und versuchen dann vergeblich, einen Burger beim Burger Express zu bekommen. Die Tante von dem Laden hat uns mit einem Wortschwall in spanisch überfallen, von dem wir eigentlich nur verstanden, daß es noch nichts gibt.
Doch wir ergattern dann noch jeder einen "Hamburgesos completos" und ein 7up. So ausgerüstet, machten wir uns auf, unseren Zug bzw. Sitzplatz zu finden. Als wir endlich fahren, trauen wir uns nicht, unsere Hamburger auszupacken, weil es uns unangenehm war, da uns Leute gegenübersitzen. Der Hunger war jedoch stärker und somit packten wir unsere mittlerweile kalten Fleisch-Brot-Gemüseklumpen aus.
 
 

Nachdem wir die Bekanntschaft einer Dame aus Orange-County in California gemacht, jede Kassette doppelt gehört haben und schon fast am Einschlafen waren, werden wir von hinten auf deutsch (man bedenke, wo wir uns befinden!) angesprochen. Der gute Daniel unterhält uns dann mehr schlecht als recht, bis wir endlich in Hendaye ankommen. Natürlich brauche ich Futter und so mache ich mich in einem französischen Grenzort (sprich in einem zivilisierten Land) auf die Suche nach einem Supermarkt zur Essensbeschaffung. Während meine Suche von Erfolg gekrönt war, machte Alex nur Blödsinn. Sie sprach (laut eigener Aussage) nur mit einem armen Menschen, der deutsch sprach. Einziges Problem dabei war, daß uns dieser gute Carlos (armer Mensch bei dem Namen) nun nicht mehr von der Seite wich.
Hendaye war auch in Bezug auf ein Telefongespräch mit Andi nicht als erfolgreich zu bezeichnen. Unsere letzte Hoffnung, sie noch vor unserer Einreise in die Schweiz zu erreichen, ist in Toulouse, wo wir 20 min Aufenthalt haben. Während ich schon den Schlaf der Gerechten schlafe, jumped Alex aus dem Zug, rast zur Telefonzelle und wählt Andis Nummer (ob es jedoch auch wirklich ihre Nummer war, kann ich nicht bezeugen, lasse mich aber gerne überzeugen (nettes Wortspiel)).

26.8.93
In Genf geht es weiter wie am Vortag: Andi anrufen, Essen kaufen, Andi anrufen, essen, Andi anrufen,.... Aber alle unsere Bemühungen sind zum Scheitern verurteilt (wie wir später erfahren sollten). Nicht sehr motiviert, entschlossen wir uns aber trotzdem, den Zug nach Lausanne zu nehmen. Daß der Zug auch weiter nach Vevey fährt, haben wir weder als gutes noch als schlechtes Zeichen gewertet, sondern uns darüber gefreut, nicht noch einmal umsteigen zu müssen. Dem Himmel sei Dank, Alex findet in einer ihrer vielen Taschen ein gut gehütetes Zettelchen, das den Schlüssel zum der Situation angepaßten Paradies darstellt. Auf ihm verbirgt sich die Adresse, zu der wir uns nun zu Fuß bewegen dürfen, müssen, wollen. Selbstverständlich ist um diese Zeit, es ist früher Nachmittag, kein "hart" arbeitender Mensch zu Hause auffindbar und somit laden wir unser gesamtes Hab und Gut vor Andis Wohnungstür ab. Um die Zeit des Wartens zu verkürzen, gehen wir, wie immer, Essen kaufen, welches dann sofort am nahen Genfer See verspeist wird. Alex hat auch in diesem Urlaub ihre Viecher, ich sage nur Entenfotos, wohin das Auge reicht. Für Lesestoff langt unser knapp bemessenes Budget nicht aus und so greife ich in den nächstbesten Mülleimer, nun kann ich auch dieses Vergnügen auf meiner Liste als erledigt betrachten, und fische eine englische Zeitschrift heraus. Dieselbe wird von Alex und mir vor Andis Wohnungstür mindestens 5x von vorne bis hinten durchgelesen und auswendig gelernt. Ein Nachbar erzählt uns dann, daß das junge Fräulein (er meinte wohl Andi) sicher gegen 17 Uhr zurück wäre, worauf wir beschlossen, uns die nähere Umgebung anzuschauen.
Ganz gegen unsere Gewohnheit gingen wir nicht etwa essen, nein, wir marschierten Richtung Schloß und vergnügten uns im Spielemuseum mit teilweise unverständlichen Spielen (die Beschreibungen waren meist in französisch gehalten und somit für uns unfähige Koppauer-Absolventen nicht nachvollziehbar).
Als wir zum dritten Mal vor Andis Türe standen, fehlte das vertraute Bild unserer Rucksäcke, die sich traurig und der langen Reise müde vor der braunen Türe aufbauen wie Zerberus persönlich.

Unser logischer Schluß: entweder gibt es in diesem Haus Irre, die sich die Arbeit machen, unseren Schmutz zu entfernen oder Andi ist jetzt da!
Tatsächlich sie ist es! Nach großem Hallo und kurzer Reisedokumentation fällt der Entschluß, den heutigen Tag mit einem Fläschchen Wein am See zu beenden. Gesagt, getan!

27.8.93
Minuspunkt des Tages: Gregor kommt an. Um ihm nicht gleich zu begegnen, machen Alex und ich uns auf und ziehen durch die Stadt, einerseits wollen wir telefonieren, andererseits latschen wir durch ein Kaufhaus und betrachten die dort ausgestellten Viecher, es waren Spinnen und anderes Kriechtier, von dem ich die Namen besser gar nicht weiß!
Zum Mittagessen treffen wir uns mit Andi, Pierre und Gregor im Placette.
Der Abend wird wieder lustig: Alex und ich brauchen natürlich, wie in jedem Urlaub, unsere Ravioli mit Gemüse und so machen wir uns zu viert auf, um unten am See zu kochen. Daß es dabei zu regnen begann, störte uns wenig. Die Fotoapparate waren im Dauereinsatz und bei einem waghalsigen Manöver erwischte Alex die Welle oder war es umgekehrt, auf alle Fälle war Alex naß, was ebenfalls auf Polaroid festgehalten wurde. Heute abend fallen wir total erschlagen in die Betten.

28.8.93
Nach einem traumhaften Frühstück geht es auf zur Weinkost. Für den Tag gestärkt, machen wir uns auf den Weg nach Lausanne, um dort kulturell (Kathedrale) und wirtschaftlich (einkaufen) zuzuschlagen.
Wieder in Vevey gibt es Spaghetti und Chips und Schokolade ... für mich, die anderen haben schon früher aufgehört!
Natürlich konnte sich Gregor nicht zurückhalten und blöd gemeldet, war ja auch nicht anders zu erwarten.
Der Abend vergeht mit MTV und Wein sehr rasch.

29.8.93
Zeitig aufstehen und packen heißt heute die Devise. Den heutigen Schock verursache doch tatsächlich ich, Susanne Schön aus Linz, und ich bedaure es aus ganzem Herzen, auch mein Magen sagt mir deutlich, was er von meinem Nichtdenken hält. Um es klar zu machen, ich habe das Essen vergessen.
Auf der Zugfahrt war diesmal nichts Interessantes zu vermerken, vielleicht doch, in der BRD mußten wir Zuschlag zahlen, ausgerechnet wir, die armen Interrailer müssen zahlen und dann hat der Zug auch noch in München 5 min Verspätung. Aber im Endeffekt sind wir noch heil in Linz angekommen und so ging wieder ein unvergeßliches Erlebnis zu Ende (Literaturhinweis: Philosophiebuch).
 

Index    Next
 


This page hosted by GeoCities Get your own Free Home Page