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Jazz Live Nr. 124/99

Ben Young: DIXONIA - A Bio-Discography of Bill Dixon

rezensiert von Robert Stubenrauch
erschienen in Jazz Live Nr 124/99

 

Im Sommer 1998 erschien bei Greenwood Press das Buch "Dixonia - A Bio-Discography of Bill Dixon" von Ben Young; es soll eine möglichst lückenlose Dokumentation des musikalischen Schaffens von Bill Dixon bieten. In chronologischer Folge werden alle musikalischen Äußerungen Dixons aufgeführt und teilweise detailliert kommentiert, häufig unter Zuhilfenahme von Originalzitaten Dixons, der an diesem Projekt stark mitgewirkt hat. Angeführt werden alle "musikalischen Ereignisse", soweit sie sicher dokumentiert sind, oder auch nur "sicher erinnert" werden. In erstere Kategorie fallen natürlich alle (wenigen) Aufnahmen, die auf Platten erschienen sind, sowie alle Aufnahmen (ob bei öffentlichen Konzerten mitgeschnitten, oder bei Proben mit Studenten), die Dixon selbst gemacht hat und die nun in seinem Archiv lagern. In die Kategorie der "erinnerten" Ereignisse gehören zeitlich nicht genau datierbare musikalische Zusammentreffen, die vor allem in den 60er-jahren oft Episodencharakter annehmen. Dazu zählen ein Erfahrungsaustausch auf der Straße mit Don Cherry in einer verregneten Nacht 1961, Trompetenstunden für Ornette Coleman im gleichen Jahr, oder ein kurzes Zusammenspiel mit Albert Ayler in Stockholm 1962, der Dixon für deine ersten Plattenaufnahmen gewinnen wollte - erfolglos! Nur beim Lesen dieser kurzen und oftmals unerwarteten Geschichten kommt manchmal so etwas wie Unterhaltungsgefühl auf - ansonsten herrscht eher "trockene" Atmosphäre vor.

Dixonia dokumentiert auch die Tätigkeit Dixons als Produzent und Lehrer und führt daher alle von ihm produzierten Platten und Konzerte auf (u.a. die der "October Revolution of Jazz" 1964) und gibt einen Überblick über die von ihm geleiteten Studienlehrgänge am Bennigton College. Insgesamt ist die Fülle an Information beachtlich und auch die offensichliche Akribie, mit der die Informationen zusammengetragen wurde. Der Wille des Autors, dem imposanten Werk Dixons dokumentarisch gerecht zu werden und es zu ordnen, kommt klar zum Ausdruck.

Obwohl vielfach mit Kommentaren von Dixon bereichert, ist dies alles freilich weniger für den Freund von Dixons Musik interessant als für den Wissenschafter, der aufbauend auf diesen Fakten Studien anstellen will (musik-theoretische? soziokulturelle?, diskographische?). All jenen, die einen Einblick in Dixons Kunst oder seine Gedankenwelt erhalten wollen, wird dieses Buch wenig weiterhelfen. Es ist gut, daß Dixons Werk Wertschätzung verliehen wird. Es ist fragwürdig, ob es damit getan ist, Fakten zu listen und den Meister selbst kommentieren zu lassen, da dieser Zugang weder kritischen Abstand noch gebührende Würdigung erlaubt. Autor Ben Young betont allerdings ausdrücklich, daß genau dieses nicht das Ziel von Dixonia war, sondern daß er mit diesem Werk die objektive Grundlage für darauf aufbauende Arbeiten Anderer legen will. Sei es!

Gesamtheitlich betrachtet fehlen in Dixonia wesentliche Aspekte von Dixons Schaffen, vor allem sein bildnerisches Werk, das gar keine Erwähnung findet. Ein Werkverzeichnis seiner Bilder und eine Liste der Ausstellungen und Galerien, in denen seine Werke zu sehen waren, wäre eine durchaus sinnvolle Ergänzung gewesen. Auch das eine oder andere Foto hätte dem dokumentarischen Wert dieser Publikation wohl keinen Abbruch getan. Und schließlich: Trotz des hohen Preises dieser "Bibliotheksausgabe" ist das Druckbild alles andere als befriedigend.


Ben Young: "Dixonia - A Bio-Discography of Bill Dixon"
Greenwood Press
ISBN 0-313-30275-8
418 Seiten, gebunden
erhältlich bei Amazon.com