Wogans Auftrag

8) Tauh'Eff I

Bernd
Bardón sieht seine Freunde an und meint: "Nun denn, auf zum Hafenmeister. Wollen doch mal sehen, ob wir nicht herausfinden können, wann Horvath vor hat wieder abzureisen." Sie gehen an den Anlegestellen entlang bis sie am obersten Ende des Hafens, es ist das nördliche Ende, auf ein großes Haus stoßen, welches einige Lager angeschlossen hat, in denen ein reges Treiben herrscht. Sie betreten das Haus und treffen direkt auf einen dienstbeflissen aussehenden jungen Mann, der sie geringschätzig mustert. "Name des Schiffes?" raunzt er die Freunde an und sieht dabei in eine Liste.

Abraxa
Abraxa blickt den arbeitseifrigen Mann erstaunt an. "Ich steuer kein Schiff, hab' auch kein's." Einen Moment verharrt der Mann, bis er dann von seiner Liste aufschaut und sein Gegenüber verdutzt beäugt. "Was wollt ihr dann, alte Frau? Sprecht schnell, wenn ihr eingetragen werden wollt, schweigt aber und verschwindet, wenn ihr mir nur die Zeit zu stehlen gedenkt." "Wir suchen den Hafenmeister." Nun ist der Mann vollständig verwirrt, den solch eine Frage hat ihm wohl noch niemand gestellt. "Hört mir zu. Dies hier ist ein Hafen," er deutet mit seiner Hand in einem Bogen um sich herum, "Hier wird gearbeitet. Damit alles reibungslos läuft, geht jeder seiner Pflicht nach. Und da kommt ihr daher, stellt unnötige Fragen und haltet den ganzen Betrieb auf. Seht die Schlange hinter euch? Die Händler warten, wollen abladen, damit ihre Ware nicht verkommt. Sie wollen in die Stadt, auf den Markt und ihre Waren feil bieten, um sie in Goldstücke zu wandeln. Und euch fällt nichts anderes ein, hierher zu kommen, mir unsinnige Fragen zu stellen und mich von der Arbeit abzuhalten? Zeit ist schließlich Gold, und jede vergeudete Minute kostet unnötig."
Die Zornesröte steigt dem Mann ins Gesicht, denn er scheint wirklich wütend zu sein. Doch Abraxa versteht nicht ganz, womit sie diesen Mann so in Rage gebracht hat. "Also seht zu, dass ihr hier verschwindet. Habe ich mich nicht klar genug ausgedrückt?" Jetzt ist die Stimme des Mannes einige Meter weiter noch zu vernehmen. "Wo ist der Hafenmeister?" fragt Abraxa abermals und wartet auf eine Antwort. Dem Mann bleibt förmlich die Spucke weg, denn er schnappt hastig nach Luft, um seine Worte der alten Frau entgegen zu brüllen. "Der arbeitet! So wie es jeder vernünftige Mensch macht! Und ihr werdet ihn nicht aufhalten! Also verschwindet endlich!"
Der Schreiber hat sich über den Tisch gebeugt und sein Gesicht ist nicht mehr allzu weit von dem der Hexe entfernt. Abraxa tritt einen Schritt zurück. "Ihr braucht nicht schreien. Ich verstehe noch gut. Würdet ihr uns eine Antwort geben, wären wir längst fort. Es gibt keinen Grund, der uns länger hier halten würde, als die Frage. Nun, wo ist er?"
Der Mann hat damit gerechnet Abraxa und die Freunde mit seiner Rede vertrieben zu haben, doch als er bemerkt, als sie immer noch da sind und auch noch die Frechheit besitzen ihm Widerworte zu geben, rastet er fast aus. Mit einer fahrigen Bewegung schreckt er hoch, schiebt den Stuhl dabei um und macht Anstalten um den Tisch herum zu treten. Bardón versteift sich sofort, denn er vermutet eine handfeste Auseinandersetzung mit dem Mann. Doch dann tritt eine edel gekleidete Gestalt an die Gruppe heran.
"Gibt es ein Problem?" fragt sie. Als der Mann der Gestalt gewahr wird, entspannt er sich sofort und stottert ein wenig herum.
"Nein, nicht... alles in Ordnung. Sie wurden gesucht. Von diesen Personen." Der Hafenmeister wendet sich der Gruppe zu und schaut sie fragend an.
"Merkwürdige Art den Hafenmeister zu rufen habt ihr," bemerkt Abraxa und sieht wieder die Zornesröte in das Gesicht des Mannes steigen.
Bardón wendet sich während dessen dem Hafenmeister zu, der mit der Gruppe ein wenig zur Seite tritt.

Bernd
Der Abenteurer begrüßt den Hafenmeister mit den entschuldigenden Worten: "Seid gegrüßt, mein Name ist Bardón. Und entschuldigt den Aufwand, aber unser Anliegen ist besonderer Natur. Wir sind eben erst mit der Jarvina aus Brööd gekommen. Aber kurz vorher ist ein anderes Schiff eingelaufen - Tepellin soweit ich weiß - mit einem Freund, den wir in Brööd verpasst haben. Nun wollen wir wissen, wo das Schiff angelegt hat und wann es wieder ausläuft. Wir wollen unseren Freund nämlich überraschen." Der Hafenmeister schaut einen nach dem anderen in der Gruppe an und meint dann: "Nun denn, es ist schade dass ich euch enttäuschen muss, aber ich kann euch nicht die gewünschte Information geben." Die Freunde schauen den Hafenmeister fragend an und so fügt er noch hinzu: "Nicht dass ich es nicht wollte, so geheim sind die Informationen nicht. Aber seht, dort, die Tepellin läuft gerade wieder aus und somit erübrigt sich eure Überraschung wohl." Bardón, Gabrok, Abraxa und Alkermes drehen sich beim Fingerzeig des Hafenmeisters um und sehen schockiert und ratlos dem auslaufenden Schiff nach, welches in der Tat die Tepellin ist. Bardón bedankt sich beim Hafenmeister und winkt seine Begleiter zum Gehen. Da sie noch etwas Zeit haben, bis sie sich mit den andern Treffen müssen, setzen sie sich etwas abseits auf einen Haufen Taue und sehen sich ratlos an. Gabrok sagt noch zu Bardón: "Schade, und was nun?" "Die Frage ist doch nun, ist Horvath dort an Bord oder nicht!" merkt Alkermes an. Bardón sieht den Zauberer an und meint nachdenklich: "Kann ich mir nicht vorstellen, denn er muss doch erst hier etwas erledigen. Das, was Wogan zu erledigen hat - was zum Teufel auch immer er zu erledigen hat! Ich kann mir nicht vorstellen, dass dies in einer Stunde, die Horvath hier am Pier gelegen haben sollte, schon geschafft hat." Der adelige Abenteurer grübelt kurz und sagt dann: "Wir müssen wohl noch mal zum Hafenmeister zurück und herausfinden, ob ein anderes Schiff als Transportmittel für Wogan oder Horvath geplant ist." Gabrok zupft seinen Freund am Ärmel und meint: "Ääh, brauchen wir nicht, ich habe einen Blick auf die Liste werfen können, die der Helfer des Hafenmeisters unvorsichtiger Weise in meine Richtung gehalten hat, während er sich mit Abraxa gestritten hat. Es sind zur Zeit acht Schiffe im Hafen, die Jarvina wird morgen früh in Richtung Neander auslaufen; dann sind da noch zwei Schiffe die morgen Abend auslaufen wollen, eins nach Tojo Hata und eins nach Brööd; vier Schiffe werden erst Ende nächster Woche den Hafen verlassen, davon drei nach Brööd und eines nach Smöhre - und der Rest liegt hier zur Reparatur mit keinem Auslauftermin. Außerdem ist für morgen noch geplant, dass ein Schiff aus Smöhre anlegt, welches Tauh'Eff regulär jede Woche anläuft. Dieses Schiff sticht aber erst nach zwei Tagen hier wieder in See und fährt wieder zurück nach Smöhre." Bardón und seine Freunde sehen den kleinen Zaubererlehrling erstaunt an. "Hey, sehr gut gemacht!" klopft Bardón seinen Begleiter auf die Schulter, wobei Gabrok verlegen errötet. "Nur was fangen wir jetzt mit diesen Informationen an?"

Abraxa
"Glaubt ihr Wogan fährt mit dem Schiff weiter? So lasst uns ihn abpassen, sollten eine Wache aufstellen, die ausfahrenden Schiffe beobachten." Abraxa schweigt eine Minute. "Sonst wird es schwer. Haben bis morgen früh Zeit uns mit den anderen zu besprechen. Ein Zimmer im Hafen wäre nicht das Schlechteste."
Begeisterung ist bei Gabrok und Alkermes, sowie bei Bardón nicht zu erkennen. Die Vorstellung, ein Zimmer in den Spelunken des Hafens zu mieten lässt den Abenteurern einen Schauer über den Rücken laufen. Allein das Gesindel, welches es auf Hab und Gold reicherer Mitbürger abgesehen hat, ist Grund genug diesen Plan nicht in die Tat umzusetzen. Ganz zu schweigen von dem Ungeziefer, welches sich in den Betten der Hafenzimmer breit gemacht hat. Um Wogan jedoch nicht noch einmal zu verpassen, wird auch diese Möglichkeit in Betracht gezogen. Wo sollen sie sonst noch die Nadel im Heuhaufen finden?

Bernd
Bardón überlegt kurz und räuspert sich dann, um die Aufmerksamkeit der anderen zu bekommen. "Recht hast du, auch wenn es nicht genehm ist. Wir müssen die anderen finden und uns mit ihnen besprechen. Vielleicht haben sie auch etwas herausgefunden, was uns weiter hilft. Dennoch wäre es gut, wenn wir die verbleibenden Zeit zur Suche einer strategisch interessanten Unterkunft nutzen würden." Er lässt seinen Blick an dem Kaigemäuer entlang schweifen und versucht aus der Ferne die einzelnen Gebäude und Gasthöfe ausfindig zu machen. Als er ein interessantes Gasthaus gefunden hat, winkt er den anderen und schreitet voran.
Das Gasthaus, welches er ansteuert, liegt ein wenig erhöht zu den anderen, aber mit gutem Blick auf die nahen Anlegestellen. Man kann deutlich die Pier sehen, auf der die Waren zwischengelagert oder abgestellt werden und keine Bewegung dort ist von den oberen Fenstern zu übersehen. Die Freunde betreten den Schankraum, der - wie soll es auch anders zur Nachmittagsstunde sein - recht leer ist. Zwei Männer, die nicht wie Seeleute aussehen und Einwohner zu sein scheinen, sitzen in einer Ecke an einem Tisch. Die Wirtin ist hinter der Theke beschäftigt und aus der Küche hört man geschäftiges Rumpeln und Scheppern. Die Abenteurer treten an die Theke und äußern ihren Wunsch nach Zimmern für sieben Personen. "Am besten die Zimmer, die zur Hafenseite weisen. Wir möchten unsere Ladung im Auge behalten..." lügt Bardón. Die Wirtin sieht ihn kurz an, zuckt mit den Schultern und sagt: "Sind alle frei. Müsst aber zwei Räume nehmen. Sind alle nur mit vier Betten." Man einigt sich untereinander, dass es wohl machbar ist und zahlt den Preis im Voraus. Nach einem ausgiebigen Mahl machen sie sich auf zum vereinbarten Treffpunkt. Und kurze Zeit darauf treffen auch schon die Anderen ein.

Bernd (Kissmett)
Kissmett schaut sich kurz um und peilt mit seinem erfahrenem Blick die Lage. Auf Anhieb sieht er vier Gasthöfe und Wirtshäuser. Zwei sind geschlossen, die anderen beiden liegen auf gegenüberliegenden Seiten des Hafens. Er winkt seinen Begleitern ihm zu folgen. An dem ersten Wirtshaus angekommen schätzt Kissmett anhand der Außenfassade den Laden und die Chancen für ein kleinen Zusatzerwerb ein. Aber dann erinnert er sich seines Auftrages und betritt hinter Atlan und Shimor den Schankraum. Man orientiert sich in Richtung Theke und bestellt sofort Krüge voll mit Bier. Der Hunger lässt auch nicht lange auf sich warten und so folgt auch gleich ein üppiges Mahl. Alle sehen sich verstohlen um, beobachten die Gäste, horchen auf Gesprächsfetzen, aber dabei kommt nichts Interessantes heraus. Kissmett macht noch einen verzweifelten Versuch beim Wirt, aber auch hier ist kein Erfolg zu verbuchen. So meint Kissmett: "Es ist besser wir ziehen weiter. Gutes Essen hin und gutes Bier her, aber wir brauchen die Nachrichten von Wogan oder Horvath. Also, ab in den nächsten Schankraum zur nächsten Theke." Die beiden anderen nicken zustimmend und so macht man sich auf den Weg zum andern Ende des Hafens. 'Zur Bierschank' steht in großen Buchstaben auf dem Holzschild vor der Tür. Auch hier wieder der abschätzende Blick Kissmetts über die Außenfassade. Mit einem Schulterzucken betritt er das Haus, gefolgt von Altan und Shimor. Der Wirtsraum ist voller als der vorige und es ist auch lauter. Hier sind die Matrosen Zuhause, und die kennen in ihrer Freiwache nur eins: Bier, Weiber und Glücksspiel. Entsprechend schnell finden die Freunde nach etlichen Krügen Bier heraus, dass auch hier nichts zu holen ist. So macht man sich weiter auf den Weg. Kissmett, wirtshauserfahren wie er ist, hatte noch herausfinden können, dass es zum Marktplatz hin zwei weitere Wirtshäuser gibt, vor denen sie aber gewarnt wurden. Kissmett führt seine beiden Begleiter in eine der Gassen, die vom Hafenkai weg zum Marktplatz hin führen. Kurz darauf erreichen sie eine der beiden Spelunken, vor denen sie gewarnt worden sind. Beinahe wären sie vorbei gelaufen und nur der Zufall ließ Kissmett den Lärm, der aus dem Haus kommt, als Wirtshauslärm deuten. In der Tat sieht das Haus, vor dem sie nun stehen nicht gerade einladend aus. Die Fassade ist recht herunter gekommen; das Schild, auf dem der Name steht, kaum noch zu lesen und die Tür schließt auch nicht mehr richtig. Interessanterweise hat Kissmett aber hierbei ein gutes Gefühl im Bauch, etwas, was ihn nie getrogen hat.

Antje
Shimor sieht zwar schon etwas mitgenommen aus, aber seine Augen leuchten trotzdem auf, als Kissmett mit dem Hinweis, dass es hier besonders exotischen Wein geben sollte, auf eine kleine Hafenspelunke weist. Als sie das Innere der Spelunke betreten, schlägt ihnen der Geruch von köstlichem Gebratenen, würzigem Wein und anderen unbekannten Genüssen entgegen. Shimor atmet tief ein und brummt: „Hmmm, ja, hier kann man es eine gewisse Zeit aushalten. Die Leute, die sich hier herumtreiben, scheinen ziemlich buntgemischt zu sein. Bestimmt wird der eine oder andere hier etwas wissen, was uns helfen kann.... Hmmm... mir läuft ja das Wasser im Mund zusammen... Bei allen Zwergengöttern, was will dieser Schnösel denn hier?“
Trotz des köstlichen Essens und des leckeren Weines, der hier angeboten wird, macht die Gaststube nicht gerade den Eindruck, als wenn sie der bevorzugte Aufenthaltsort der reichen Einwohner von Tauh’Eff wäre. Daher sehen seine beiden Freunde mit ebensolchem Erstaunen auf den in ziemlich kostbare Gewänder gekleideten Mann, der ein silberblitzendes Schwert an seiner Seite trägt. Shimor runzelt plötzlich die Stirn, als er es sich näher ansieht. Irgendwo hat er es schon einmal gesehen... Sekunden später steht jedoch schon wieder ein anderer Ausdruck auf seinem Gesicht, als er ausruft: "Naanuuu, wer ist denn das...?“ Shimor richtet seinen Blick auf die Menschenmenge, die sich vor der Theke versammelt hat.
„Wenn ihr mich mal einen Augenblick entschuldigen wollt. Mir scheint, da hinten ist jemand, der mir nicht ganz unbekannt ist...“
Trotz der vorgerückten Stunde und der nicht unbeträchtlichen Menge an Wein, die Shimor bereits in den beiden Spelunken zuvor voller Wohlbehagen genossen hat, macht er sich zielsicher in Richtung Theke auf, wo er bald von der Menschenmenge verschluckt wird.
Seine beiden Freunde staunen nicht schlecht, als sich wenige Augenblicke später die schlanke Gestalt einer Frau aus der Menschenmenge löst und direkt auf sie zugeht. Denn auch ihnen ist der Anblick dieser Frau nicht unbekannt. Schon einmal vor ein paar Tagen hatten sie sie auf der Waldlichtung gesehen, als die Vogeldiebe Rara in ihren Fängen hatten und nur durch den Anblick dieser schönen amazonenhaften Gestalt in die Flucht geschlagen wurden. Sie lächelte Kissmett und Alkermes herzlich an und wirft ihnen ihr bezauberndstes Lächeln zu.
„Seid gegrüßt, ich hoffe, ihr werdet eine alte Freundin von Shimor willkommen heißen? Der alte Trunkenbold hat sich dort hinten hinter seinen Weinkrügen versteckt. Aber er hat mir von eurer Suche erzählt. Ich glaube, wir hatten schon einmal das Vergnügen, und ich hoffe, ihr verzeiht mir, dass ich mich euch erst jetzt vorstelle. Ein paar Geheimnisse sollte jede Frau haben dürfen und deshalb bitte ich euch zu glauben, dass ich meine Gründe habe, euch nicht alles über mich zu erzählen. Soviel sollt ihr dennoch wissen: Mein Name ist Silvermoon und ich bin in einer geheimen Mission unterwegs und ich glaube ich werde euch hier vielleicht sogar helfen können. Seht ihr diesen Mann dort?“ Sie weist auf den reichgekleideten Mann, der bereits Shimor aufgefallen war.
„Wie ich erfahren habe, seid ihr auf der Suche nach Wogan und Horvath. Ich weiß, dass Horvath sehr stolz auf einige seiner Krieger ist, da sie Waffen besitzen, die von einem besonderen Schmiedevolk angefertigt wurden. Manche sagen sogar, dass magische Kräfte in ihrem Schmiedefeuer gefangen sein sollen, die sie so in ihre Waffen einschmelzen. Ich weiß es selbst, da ich einmal mit Shimor gegen einen von ihnen kämpfen musste, und ihm nur unter Einsatz von eigener Zauberkunst entgegentreten konnte. Selbst da bin ich nicht ganz unbeschadet davongekommen.“ Sie lächelt die beiden Männer erneut an. „Ich schätze, ihr hättet nichts dagegen, wenn ich mein Wams etwas aufknöpfen würde, um euch meine Narben zu zeigen? Immerhin würdet ihr dann überzeugt sein, dass auch Frauen im Kampf ihren Mann stehen können. Aber ich lasse es lieber.“
Nach den protestierenden scherzhaften Bemerkungen der beiden Männer fährt sie fort: „Shimor meinte zu mir, den edelsteinbesetzten Griff und die Runen in der Schwertklinge, welche das Schwert dieser Krieger kennzeichnen, bei dem Mann dort erkannt zu haben. Das hat ihn umso mehr verwundert, da er überhaupt nicht nach einem Söldner aussieht. Ich glaube ich werde ihn mir mal aus der Nähe ansehen. Shimor sagte mir auch, dass es mir mit meinem Aussehen bestimmt eher als ihm gelingen würde, mich ihm zu nähern, der alte Schmeichler.“
Mit geschmeidigen Schritten gleitet Silvermoon zwischen den Bänken hindurch und nimmt ganz in der Nähe des reichen Mannes Platz, der sich gerade ein opulentes Mahl hat munden lassen und jetzt seine Augen suchend herumschweifen lässt, als wenn er auf der Suche nach etwas Unterhaltung wäre. Als sie sich sicher ist, dass er sie gesehen hat, nimmt sie ein Kartenspiel heraus und beginnt sich ebenfalls umzublicken. Die ersten Blickkontakte sind noch etwas schüchtern und zögerlich aber bald wird sie durch eine Kopfbewegung unmissverständlich dazu eingeladen, an seinem Tisch Platz zu nehmen. Es gelingt Silvermoon ziemlich schnell, ihn zu einem Kartenspiel zu überreden, nur über den Preis müssen sie sich noch einig werden.
„Ich schlage vor, der Gewinner jeder Partie darf einen Wunsch äußern,“ sagt der Mann mit seinem charmantesten Lächeln, während er Silvermoon tief in die Augen schaut und dann seinen Blick tiefer zu dem prallen Brüsten schweifen lässt, die sich sehr deutlich unter dem ledernen Wams abzeichnen, das Silvermoon trägt.
Sie geht auf das Spielchen ein, obwohl etwas klingende Münzen sicherlich auch nicht zu verachten wären, aber da sie ihn außerdem keineswegs unattraktiv findet, hofft sie, auf diese Weise etwas über das Schwert herauszufinden.
Seltsam nur, dass Silvermoon schon in der ersten Partie vier Asse in ihrem Blatt hat.
„Ich habe schon die ganze Zeit einen Blick auf Euer schönes Schwert geworfen. Könnt ihr mir sagen, woher ihr es habt?“
Der Mann macht einige ausweichende Bemerkungen, aber Silvermoon besteht darauf, dass er es ihr erzählt, da sie ja nun diese Partie gewonnen hat. „Nun gut, also ich habe es gestern von einem Mann hier auf dem Markt gekauft, der mir eine merkwürdige Geschichte darüber erzählt hat. Angeblich hat er es von einem Mann, der einmal zu einer Söldnertruppe eines Mannes namens Horvath gehört hat. Er soll sich unsterblich in eine Frau verliebt haben, die ihn niemals als Soldaten akzeptiert hätte, so dass er sein Schwert verkaufen musste und Horvaths Dienste verlassen hat. Romantische Geschichte, nicht wahr?“
Silvermoon lächelte ihn an und sagte, dann geradeheraus: „Ja, in der Tat, eine sehr romantische Geschichte, aber ich habe den Eindruck, als wenn da noch etwas wäre...“
Der andere Mann druckst etwas herum: „Nun ja, er hat außerdem gesagt, dass irgendwelche magischen Eigenschaften in diesem Schwert seien, aber, das ist natürlich vollkommener Unsinn, oder glaubt Ihr etwa an Magie?“
'Mehr, als du denkst...' denkt Silvermoon bei sich. Laut sagt sie: „Darf ich es vielleicht einmal anfassen? Vorsichtig reicht der Mann ihr das Schwert herüber.
„Es ist wunderschön, nicht wahr? Kunstvoll geschmiedet... und seht euch nur diese Verzierungen an...“
Ein Lichtstrahl von der Kerze neben ihnen fällt auf die blitzende Schwertklinge und plötzlich sieht Silvermoon wie einen Schatten Bilder über die glänzende Oberfläche huschen. Sie sieht eine Gruppe Söldner, die sich in einer Talsenke versammelt haben.
Einige von ihnen tragen Schwerter wie dieses, das jetzt vor ihr liegt. Aha, also sind die Söldner nicht mehr in Tauh’Eff... Aber wo sind sie ... ? Plötzlich tönt es wie ein Donnerschlag in ihrem Kopf und sie meint, Horvaths Stimme zu hören, die aus dem Edelstein kommt und direkt in ihrem Kopf dröhnt.
„Verfluchter Abtrünniger! Wie kannst du es wagen, unsere Truppe wegen einem Weib so im Stich zu lassen! Aber wir werden schon noch mit dir fertig werden, nachdem meine Krieger hier unsere Mission erledigt haben. In drei Tagen werden meine Soldaten aus dem Süden wieder hier zu mir nach Tauh’Eff zurückgekehrt sein.“
Silvermoon zuckt zusammen als wenn sie wirklich geschlagen worden wäre. „Oje, ich glaube Ihr solltet besser das Schwert nicht zu lange in Eurem Besitz lassen. Es könnte für Euch ziemlich gefährlich sein.“
„Wieso denn das? Sagt nicht, dass Ihr irgendeine Magie in ihm gespürt habt, dann werde ich nämlich sehr laut anfangen zu lachen.“
'Dir wird das Lachen bestimmt ziemlich bald vergehen...' denkt sich Silvermoon. Dann sagt sie: „Ich schlage noch ein Spiel vor: Wenn ich gewinne, gehört mir das Schwert und wenn Ihr gewinnt dann...“ Sie lächelt ihn vielsagend an und beugt sich so nahe zu ihm herunter, dass er den Geruch ihrer weichen duftenden Haut einatmet. Dann legt sie ihm eine Hand auf den Schenkel und rückt noch etwas näher an ihn heran.
Damit hat sie geschickt jeden weiteren Einwand abgewandt, den sie gerade auf seinem Gesicht entdeckt hat. 'Bei allen Göttern, er ist zwar ziemlich attraktiv, aber wohl auch ziemlich eingebildet, aber was tut man nicht alles...' seufzt die Amazone.
Wie merkwürdig, schon wieder hat Silvermoon vier Asse...! Zähneknirschend muss er ihr den Einsatz überlassen.
„Bei niemandem sonst hätte ich dieses Schwert eingesetzt, verflucht diese Weiber...“ brummt der Mann, nachdem ihm Silvermoon ein Küsschen auf die Wange gegeben und sich dann wieder in Richtung des Tisches aufgemacht hat, an dem die beiden anderen Abenteurer gespannt darauf warten, was sie zu berichten hat.

Bernd (Kissmett)
Kissmett steht kaum das Silvermoon weg ist wieder auf und entschuldigt sich mit den Worten: "Ich muss mal den Lokus aufsuchen." Sein Weg führt ihn nach draußen zu einem kleinem Häuschen mit einem eindeutigen Zeichen auf der Tür. Kaum sitzt er, hört er, wie jemand aus den Wirtsraum kommt. Gleich darauf hört er eine Stimme: "Sind wir alleine? Hast du nachgesehen?" "Ja! Nun mach nicht so viel Wind" antwortet die unverkennbare Stimme eines Matrosen. "Was ist mit euch? Kommt ihr nun wieder mit oder was hat er vor?" Die erste Stimme sagt darauf: "Nun, er ist wohl alleine raus in Richtung Norden der Insel. Dort hat er was zu erledigen. Horvath meint, das könnte ein wenig Zeit in Anspruch nehmen und wir sollen hier auf ihn warten. Auch sollen wir unsere Augen und Ohren offen halten, wenn jemand nach ihm fragt. Sicher ist sicher, hat er gesagt." Bei dem Namen 'Horvath' zuckt Kissmett zusammen. Horrido! Wenn das nicht ein Zufall ist! Beinahe vergisst er, dass er auf einem 'Stillen Örtchen' ist, und so beißt er sich auf die Faust, um sich nicht zu verraten. Die beiden Stimmen draußen vor dem Lokus unterhalten sich noch eine Weile über belangloses Zeug und gehen dann geräuschvoll wieder ins Haus. Schnell erledigt Kissmett sein ursprüngliches Vorhaben und eilt zu seinen Freunden zurück. Die sind aber nirgends zu sehen.

Atlan
Atlan schaut Silvermoon und Kissmett verwundert nach und beschließt danach sich selbst umzuhören. Atlans Weg führt zuerst zu den hinteren Tischen, an denen ein paar schmutzige Gestalten sitzen und lauthals über ihre eigenen flachen Bemerkungen lachen, während sie eine Runde nach der anderen bestellen. Atlan setzt sich dazu und grüßt freundlich, worauf der Tisch verstummt und ihn alle anstarren "Was willst du hier? .... Wer bist du? .. Hau bloß wieder ab!" raunen ihm die Gestalten entgegen, worauf Atlan lächelt und freundlich erwidert: "Keine Sorge, ich möchte euch nur einen ausgeben." Die Gesichter werden etwas freundlicher und als Atlan bei der knapp bekleideten Bedienung eine Runde für den ganzen Tisch bestellt fangen langsam wieder die üblichen Gespräche an. Drei Runden und eine Menge sinnlosen Geredes später wird es zum ersten Mal interessant. "Habt ihr das auch gehört, Freunde? Das eine Schiff, was heute angekommen ist, soll wichtige Gäste gehabt haben" sagt ein alter Mann. "Wichtige Gäste?" fragt Atlan leicht interessiert. "Welche sollten das denn sein?"
Der alte Mann lehnt sich lächelnd zurück und antwortet: "Habt ihr nicht gesehen, dass der Stadthalter persönlich einen kleine Gruppe in Empfang genommen hat? Keiner kennt ihre Namen, doch wenn der Stadthalter sie vom Hafen abholt müssen sie wichtig sein." Der Mann greift zufrieden nach seinem Glas, als er merkt, wie ihn die anderen unwissend angucken. Atlan freut sich, dass es endlich eine kleine Spur von Horvath gibt und hakt sofort nach.
"Wichtige Leute, sagt ihr ... " Er macht eine kleine Pause. "Passiert denn irgendwas Wichtiges in den nächsten Tagen, ein Fest oder sowas?" Der Alte guckt ihn verwirrt an und sagt: "Nein, nein. Im Gegenteil, nach nur ein paar Stunden Aufenthalt ist eine kleine Gruppe in Richtung Westen zu den Berge gefahren. Mein Vetter hat ihren Wagen bepackt! Wisst ihr, er ist am Hofe des Stadthalters angestellt. Er meinte aber, dass es nur ein kurzer Ausflug sei. Morgen werden sie wieder zurück erwartet." Atlan bestellt dem Alten noch ein Bier und trinkt mit ihm. "Ein kurzer Ausflug in die Berge also, nun ja - wem's gefällt. Aber ein Tag ist selbst für einen Besuch bei Freunden kurz." Atlan lächelt den Alten an als hätte er einen schlechten Scherz gemacht. Der Alte überlegt kurz und meint dann: "Viel verwunderlicher ist, dass sie danach gleich wieder Auslaufen wollen. Nicht mal eine Nachtruhe im gemütlichen Bett des Hotels wollen sie sich gönnen ... wenn unsereins nur eine solche Auswahl hätte. Nun ja, aber wo ich gerade davon rede, ich werde mich auf meinen Weg nach Hause machen." Mit den Worten erhebt sich der Alte wankend und verschwindet torkelnd in der Menge. Die meisten der anderen liegen auch schon mit den Köpfen auf den Tischen, so dass Atlan auch aufsteht und seine Freunde sucht.
Kurze Zeit später trifft er alle wieder an der Theke und jeder erzählt sofort seine Neuigkeiten, worauf man beschließt zu gehen.

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