Bischofshofen (Sbg.)

ehemaliges Kloster Maximilianszelle, jetzt Pfarrkirche hl. Maximilian.

Flachnischenbau mit Querhaus; frühmittelalterlich, 8. - 9. Jahrhundert.


Aus den Schilderungen der wundersamen Ereignisse um die Gründung der Maximilianszelle im Pongau in den ältesten Salzburger Güterverzeichnissen, den "Notitia Arnonis" (788 - 790) und den "Breves Notitiae" (nach 798), reiste der hl. Rupert nach Pongau, um dort eine Kirche und ein Kloster zu errichten. Die Weihe erfolgte 711/712 im Beisein Herzog Theodos. Um 720 zerstörten die Slawen das Kloster. Bis zum Sturz Tassilos III. im Jahre 788 war die Maximilianszelle Eigentum der Albina-Sippe, dann bewirkte Erzbischof Arno (785 - 821) bei Karl dem Großen die Rückstellung des Klosters an das Bistum Salzburg. 820 wurde das Kloster erneut durch die Slawen zerstört, jedoch im Jahr darauf neu geweiht.

Im 12. Jahrhundert errichtete Erzbischof Konrad I. (1106 - 1147) in Bischofshofen ein Augustiner-Chorherrenstift. Ob es sich dabei um eine Regulierung des frühmittelalterlichen Missionsklosters handelte, bleibt allerdings ungeklärt, da bei den archäologischen Sondierungen (1953) keine baulichen Reste des Klosters aus dem 8. Jahrhundert gefunden werden konnten. Zwischen 1209 und 1403 wurde das Kloster aufgelöst; die Maximilianskirche ist seither Pfarrkirche. Ab 1216 war die Kirche bis 1807 im Besitz des Bistums Chiemsee.

An die gotische, dreischiffige, dreijochige Staffelkirche schließen ein im Kern romanisches Querhaus und ein zweijochiger Polygonchor des 14. Jahrhunderts an. Die Grabungen im Querhausbereich erbrachten einen Flachnischenbau mit fünf Nischen und ein älteres Querhaus. Vor der Nischenwand befand sich eine Stufe und vor den Wandpfeilern, zwischen den Nischen eine weitere Stufe als Basis für gekuppelte Wandvorlagen mit Stuckdekor (?). Möglicherweise lag unter der Hauptnische ein Tiefraum (eine Kapelle des hl. Rupert oder eine Krypta?).

Die Datierung der nicht vollständig erfaßten Nischenkirche schwankt zwischen dem 8. und dem 11. Jahrhundert. Nach Juraschek spricht der gerade Abschluß der durch enge Nischen ausgehöhlten Ostwand für die Frühdatierung, vergleicht man damit etwa die Ostwand von St. Benedikt in Mals (Südtirol), oder die Saalkirche von S. Maria di Aurona in Mailand (vor 740), bei der außen gerade geschlossene Rechtecknischen eine Mittelapsis begleiten. Nach K. Czerwenka wäre der Nischenbau mit dem Weihedatum von 821 in Verbindung zu bringen.

 


Literatur: Schaffran, Bischofshofen, 1954, 32f. - Juraschek, Bischofshofen, Bericht, 1956. - Juraschek, Bischofshofen, 1956, 6 - 13. - Janotta, Bischofshofen, 1977, 73 - 88. - Dopsch, Bischofshofen, 1984, 61 - 64. - Apfelthaler, Bischofshofen, 1984, 153 - 164. - Czerwenka, Architektur, 1992, 93 - 96.


Register


© studiolo 19.06.99 21:39