Stufenportal mit drei Rücksprüngen, polygonalen und runden Säulchen, breitem Türsturz und figuriertem Tympanon. Tympanon vor 1167, Portalarchitektur nach 1200 bis vor 1244.
Das rundbogige Stufenportal aus unterschiedlich gefärbtem Marmor bildet das innere Hauptportal von St. Peter. Die Marmorplatten der Portalstirnwand setzen sich hinter der jüngeren Vorhalle, an welche im Süden die Heiligen-Geist-Kapelle (1244 geweiht) anschließt, fort. Die Gewände gliedern sich in eine glatt durchlaufende attisch-romanisch profilierte Sockelzone, drei Pfostenpaare mit unten zur vollen Werkform auslaufenden Kehlungen und in die Rücksprünge eingestellte Säulchen, wobei das vorderste Säulchenpaar polygonal ausgeführt ist. Die Kapitellzone zeigt links zweireihige Knospenkapitelle, rechts zweireihige geriffelte und überhängende Blätter. Die "Schiffskehlen" der Gewändepfosten setzen sich in den Halsringen und Deckplatten der Kapitelle fort. Die Portalöffnung wurde ursprünglich nur von einem breiten Sturz mit Rankenornament überspannt, erst in der Neuzeit, spätestens im 18. Jahrhundert (Lünettengitter von 1766), wurde das Portal durch eine im Korbbogen geschlossene Türrahmung eingeengt. Das halbkreisförmige Tympanon zeigt Christus flankiert von Petrus und Paulus. Die Basisbreite des Bogenfeldes ist wesentlich geringer als die ursprüngliche Portalöffnung, sodaß eine unprofilierte Blende zwischen Tympanon und Archivolten vermitteln muß. Die Archivolten setzen im Prinzip die Gewändestruktur fort.
Der Portaltypus weist im Strukturellen Gemeinsamkeiten mit dem Südportal der Franziskanerkirche in Salzburg und dem Hauptportal der Stiftskirche St. Zeno in Reichenhall auf, die es erlauben von einem "Salzburger Portaltypus" zu sprechen. Auffallend ist die für Portale der Frühromanik übliche, im 12. und 13. Jahrhundert hingegen meist nurmehr bei Nebenportalen angewandte Praxis, das Tympanon "auf den Sturz" zu stellen - es also in seiner Basis nicht bis in den Konsolen- oder Pfostenbereich auszudehnen. Die daher notwendige überleitende Blende zwischen Tympanon und Archivolten übernimmt so die Funktion eines Entlastungsbogens.
Die Instrumentierung einerseits mit Knospenkapitellen, andererseits mit Blätterkapitellen hat ihre Entsprechung am Südportal der Franziskanerkirche, wo sie zwei zeitlich aufeinanderfolgende Planungen verrät, die nach 1167 und vor 1200 zu datieren sind. Nach W. Messerer scheinen die beiden zeitlich verschiedenen Stufen der Gewändeornamentik der Franziskanerkirche für die fortschrittlichere Gestaltung der unterschiedlichen Kapitellzonen am Hauptportal von St. Peter ausschlaggebend gewesen zu sein. Daraus ergibt sich für die Genese des Hauptportales von St. Peter, daß die Wiederverwendung des älteren Tympanons (nach W. Messerer vor 1167) in einem breiter angelegten Portalbau (nach 1200 und vor 1244) eine relativ altertümliche Konzeption im Bereich des Bogenfeldes bedingte.
Literatur: Tietze, St. Peter, 1913. - Messerer, Portale, 1978, 108 - 112 - Messerer, Skulpturen, 1981, 332 - 338. - Fuhrmann, Balderichbau, 1982, 601 - 626. - Dehio, Salzburg, 1986, 534f.
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studiolo 19.06.99 21:39