Salzburg (Sbg.)

Franziskanerkirche

Ehemalige Pfarrkirche Unsere Liebe Frau.

Dreischiffige dreijochige Pfeilerbasilika, ursprünglich mit nicht vortretendem Querhaus (?). Nach 1167; nach Planwechsel um 1200 bis vor 1223 fertiggestellt.


Ursprünglich befand sich anstelle des hoch- und spätmittelalterlichen Baus eine Tauf- und

Synodalkirche, die vielleicht schon vor dem Virgil-Dom entstanden ist. Um 1130 wird ein Kirchenbau den Petersfrauen zugewiesen und ab 1130 bis 1635 besaß die Kirche pfarrliche Rechte, welche dann der Salzburger Dom übernahm. 1167 wurde die Kirche durch einen Brand zerstört, der mit den Verwüstungen Salzburgs durch die Grafen von Plain im Auftrag Kaiser Barbarossas zusammenhing. 1208 wird die Kirche urkundlich erwähnt und 1223 erfolgt eine Weihe, welche auf einen Neubau schließen läßt. Vom hochmittelalterlichen Bau blieben das Langhaus und das Südportal erhalten. Der Ostabschluß wurde ab dem 1. Viertel des 15. Jahrhunderts durch den Hallenchor Hanns von Burghausen bzw. von Stephan Krumenauer ersetzt; Ende des 15. Jahrhunderts folgten die Wölbung und die Vollendung des Turmes. 1583 wurde die Kongregation der Petersfrauen aufgehoben, 1592 die Kirche von Erzbischof Wolf Dietrich den Franziskanern übergeben und ab dem 17. Jahrhundert barockisiert und erweitert.

Das dreischiffige basilikale Langhaus zeigt im Mittelschiff drei tiefrechteckige Joche, denen die doppelte Anzahl leicht querrechteckiger Seitenschiffjoche entspricht. Die darüberliegenden Emporen, welche die ursprüngliche Lichtführung beeinträchtigen, entstanden erst im 15. und 17. Jahrhundert. Den rechteckigen Langhauspfeilern sind Halbsäulen mit Kelchblockkapitellen vorgelegt, welche die spitzbogigen Arkaden tragen. Die halbrunden Vorlagen der Hochschiffwand sind mit Blattkapitellen instrumentiert. Die Seitenschiffe sind mit Kreuzgratgewölben zwischen Bandgurten, das Mittelschiff mit Bandrippengewölben ausgestattet. Die Orgelempore im Westjoch des Mittelschiffes stammt erst aus dem 19. Jahrhundert.

Während das im Kern romanische Westportal um 1700 stark vereinfacht wurde, zeigt das Südportal, welches im 15. Jahrhundert von der Turmvorhalle überbaut wurde, noch weitgehend den ursprünglichen romanischen Aufbau. Es mündet heute in den spätgotischen Hallenchor, führte jedoch im Hochmittelalter offensichtlich in ein Querhaus, welches ähnlich wie jenes am Dom von Gurk u. a. gleichfluchtig mit den Seitenschiffwänden abschloß.

Für die Errichtung der Seitenschiffmauern wurde Sandstein verwendet, der Binnenaufbau besteht hingegen aus Konglomerat (örtliche Nagelfluh). Allgemein kann in der Architektur Salzburgs an der Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert der Übergang vom feinkörnigem Sandstein zur groben Nagelfluh beobachtet werden. Abarbeitungen an Sandsteinkapitellen der Seitenschiffwand und daran unvermittelt angesetzte Kapitelle mit stark vereinfachten Kämpferplatten aus Konglomerat legen nahe, zwischen der Errichtung der Seitenschiffwände nach dem Brand von 1167 und dem Weiterbau bis 1223 (Schlußweihe), eine Bauzäsur mit Planwechsel anzunehmen. Bis 1208 dürfte der leider nicht erhaltene Chor fertiggestellt worden sein, sodaß ihn die Petersfrauen benützen konnten. Diese Zweiphasigkeit des spätromanischen Baus kann auch beim Südportal festgestellt werden. Da das Tympanon, welches von W. Messerer der ersten Bauphase am Südportal zugerechnet in die Zeit vor 1200 datiert wird, dürfte die Bauzäsur und der Planwechsel frühestens zu Beginn des 13. Jahrhunderts anzunehmen sein. Nach Ansicht W. Messerers sah die erste Planung rundbogige Arkaden bei allgemein niedrigerer Mittelschiffhöhe vor.


Literatur: Martin, Salzburg, 1964, 14. - W. Messerer, Portale, 1977, 113 - 127. - W. Messerer, Skulpturen, 1980, 338 - 352 und 362.


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