Stufenportal mit drei Rücksprüngen, polygonalen und runden Säulchen, breitem Türsturz und figuriertem Tympanon. Nach 1167 und vor 1200.
Das Stufenportal mit halbrunden Archivolten, skulptiertem Türsturz und Tympanon dürfte ursprünglich in das nach 1167 begonnene Querhaus geführt haben und wird seit dem 15. Jahrhundert von der Eingangshalle des spätgotischen Südturmes überbaut. Durch die Verwendung unterschiedlicher Marmore sind Gewände und Archivolten in Streifen rhythmisch akzentuiert. Die Gewände entwickeln sich über einem einmal abgetreppten und glatt durchlaufenden Sockel in drei Stufen. Der durchlaufende Sockel gehört jedoch nicht zum hochmittelalterlichen Konzept, sondern entstand erst im 15. Jahrhundert durch Abarbeitung eines im Grundriß gestuften Sockels wie aus einem original belassenen und deshalb überstehenden alten Sockelrest an der rechten Außenkante des Portals abzulesen ist. In die Rücksprünge sind rhythmisch abwechselnd zwei polygonale und eine runde Säule eingestellt. Die Pfostenkanten sind gekehlt, laufen unten in einer Volute aus, während sich die Kehle oben bis in den Kapitellkörper fortsetzt; am rechten Gewände sogar bis in die Deckplatten der Kapitellzone. Die attisch profilierten Säulenbasen setzen sich als Sockelband über die Pfosten fort und folgten ursprünglich dem Schaftquerschnitt. Die Wulstkanten der Pfostensockel wurden im 15. Jahrhundert abgearbeitet. Die Säulenbasen werden in der Kehle und im oberen Wulst durch ein Köpfchen dekoriert. Weitere kleine Köpfe schmücken im oberen Drittel des Gewändes die Pfostenkehlungen. Die Türpfosten, welche den rankenverzierten Sturz tragen, erhielten im 15. Jahrhundert zusätzliche reich profilierte Konsolen. Unskulptierte Leerstellen an den Ecken des Türsturzes zeigen jedoch, daß hier ein Profilstück in Art eines Kämpfers oder eines Kapitells an den Türsturz anlief.
Die Kapitellzone der Gewände ist unterschiedlich gestaltet. Links verbinden sich zweireihige Blättchenkapitelle zu einer weitgehend einheitlichen Fläche, welche nur an der Außenecke durch eine Figurengruppe akzentuiert wird. Die Deckplatte läuft bis vor die innerste polygonale Säule unverkröpft durch. Das anschließende Kapitell mit langstieligen Blattknospen jedoch weist Merkmale der gleichartig gestalteten Kapitelle des rechten Gewändes auf. Hier sind die Kapitellkörper stärker voneinander emanzipiert und verschmelzen erst in der unteren Knospenreihe. Die Deckplatten sind nun gestuft und übernehmen bei den Pfosten die Kantenkehlungen. Die rundbogigen Archivolten entsprechen im Profil dem Gewändequerschnitt. Sie sind daher optisch dem rechten Gewände stärker verbunden, während der linke gerade durchlaufende Kämpferblock eine strukturelle Zäsur bildet.
Das Tympanon mit thronendem Christus und zwei flankierenden Heiligen erreicht nur die Breite der lichten Portalweite, sodaß wegen der unterschiedlichen Radien Tympanon und Archivolten durch eine sichelförmige Wandfläche getrennt werden. Die differierenden Strukturmerkmale der Gewändeseiten - vor allem in der Kämpferzone - und die optischen Unzulänglichkeiten an Sturz (Leerstellen) und Tympanon (exzentrische Sichelfläche) lassen auf eine Zweiphasigkeit der Portalanlage schließen. W. Messerer unterscheidet zwischen einem älteren Konzept, zu dem im wesentlichen das linke Gewände mit Sturz und Tympanon gehören, während das rechte Gewände und die Archivolten der jüngeren Phase zuzurechnen sind, bei der außerdem die Breite der Portalöffnung vergrößert wurde. Zwei heute über dem Portal angebrachte Reliefplatten mit überkreuztem Löwenpaar und Vögeln hält er für Teile des verloren gegangenen rechten Gewändes. Terminus ante quem für die jüngere Phase ist das überlieferte Weihedatum von 1223.
Literatur: siehe Kat. Nr. R. K. 28 - Messerer, Portale, 1977, 113 - 127. - Messerer, Skulpturen, 1980, 338 - 352, 362, 365f.
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studiolo 19.06.99 21:39