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Geschichten 4

Die Katzen-Etikette (von
Alfred Brehm)
Die Katze, das unbekannte
Wesen (von Alfred Brehm)
Die Katz (von Kurt
Tucholsky)

Die Katzen-Etikette
Alfred Brehm (1829-1884)
Ein
Herr besaß einmal eine Katze, die gewohnt war, nie etwas
vom Tisch zu nehmen. Da kam ein neuer Hund ins Haus, der
gern naschte und zu diesem Zweck auf Stühle und Tisch
sprang. Die Katze sah ihm einige Male mit griesgrämiger
Miene zu, dann setzte sie sich in die Nähe des Tisches
und war, als der Hund wieder auf den Tisch sprang, schon
oben auf dem Tisch und gab dem Näscher eine tüchtige
Maulschelle.
Eine andere Katze war durch Schläge und Drohungen dahin
gebracht worden, die Stubenvögel, deren Käfige im
Fenster standen, in Ruhe zu lassen. Eines ihrer Jungen,
das bei ihr blieb, zeigte bald Gelüste nach den Vögeln.
Es sprang auf den Stuhl, von da ins Fenster und wollte
eben einen Braten aus dem Käfig holen, als es von einer
menschlichen Hand gepackt, durch einige Klapse eines
Besseren belehrt und auf den Boden gesetzt wurde. Die
Alte hat den Versuch zum Bösen und die Abstrafung mit
angesehen, war bei dem Notgeschrei herbeigeeilt und
leckte jetzt ihrem Kindchen mitleidig die Hiebe ab.
Dasselbe geschah noch zweimal; doch das Kätzchen wollte
seine Begierde nicht zügeln und fuhr fort, auf dem Wege
der Sünde zu wandeln. Aber nun ließ es die Alte nicht
mehr aus dem Auge, sondern sprang jedesmal, wenn das
Kleine zum Fenster wollte, auf den Stuhl und verabfolgte
dem Zudringlichen ganz gehörige Ohrfeigen. Das Kleine
ersann nun einen andern Weg, kroch auf ein Pult, das nahe
am Fenster stand, und wollte von dort aus auf die Vögel
los. Die Alte aber war mit einem Sprung schon oben, und
wieder setzte es Ohrfeigen, und zwar von einer Güte,
daß von nun an jeder Raubzug unterblieb.
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Erzählungen - Die
Katze, das unbekannte Wesen
Alfred Brehm
Zuerst
will ich von der Mutterliebe der Katze gegenüber fremden
Kindern erzählen. Eines Tages fand ich ein kleines
miauendes Kätzchen mitten im Feld. Hungrig war es,
furchtsam und müde, dabei sehr scheu und wild. Ich fing
es mit Hilfe meines Dachshundes, der mir das Tierchen
stellte, brachte es nach Hause und pflegte es nach
Kräften. Miezchen gedieh vorzüglich, spielte bald eine
Rolle im Haus und begann, noch nicht einmal halbwüchsig,
die Jagd auf Mäuse und Ratten, von denen es damals in
meinem Haus wimmelte. Hiermit gewann es unsere Zuneigung.
Wir Kinder ärgerten es wenigstens kaum und nahmen es
abends regelmäßig mit ins Bett. Weder Falschheit zeigte
es noch Tücke, ließ sich gut erziehen und wurde
schließlich dahin gebracht, daß es weder naschte noch
unseren Stubenvögeln zu Leibe rückte, obwohl sein
Jägertalent mit der Zeit immer mehr zunahm. Im nächsten
Jahr warf die nun erwachsene Katze zum erstenmal Junge.
Wir nahmen ihr diese bis auf zwei gestreifte, sogenannte
Zyper, ab, die sie mit der größten Hingabe pflegte. Da
brachte man uns drei noch blinde Eichhörnchen, die von
uns großgezogen werden sollten. Trotz aller Sorge und
Pflege starben sehr bald zwei davon, und wir mußten
fürchten, auch das dritte zu verlieren. In dieser Not
kam uns der Gedanke, der hilflosen Waise die säugende
Mutter zu geben. Die Katze war das, und sie erfüllte das
in sie gesetzte Vertrauen ganz. Mit Zärtlichkeit nahm
sie das fremde Kind unter ihre eigenen auf, leckte,
wärmte und nährte es aufs beste und behandelte es von
Anfang an mit wahrhaft mütterlicher Hingebung. Das
sonderbare Kleeblatt gedieh ausgezeichnet. Die Kätzchen
wurden entwöhnt und weggegeben; das Eichhörnchen aber
blieb bei seiner Pflegemutter. Nunmehr schien diese das
reizende Geschöpf mit dreifacher Liebe zu betrachten. Es
war unmöglich ein innigeres Verhältnis denkbar. Die
Mutter rief nach Katzenart, Hörnchen antwortete mit
Knurren, und beide verstanden einander.
Das hübscheste Schauspiel gewährten sie, wenn die Katze
das Pflegekind spazierenführte. Leicht und anmutig
schritt die Mutter voran, schwerfällig humpelte das
Eichhörnchen hintendrein. Jeden Augenblick sah sich Miez
nach dem Kleinen um; blieb es zurück, so rief sie es
durch Miauen heran, schien es müde, so blieb sie geraume
Zeit mit ihm stehen. Nun sollte das Eichhörnchen
unterrichtet werden. Die Sache ging auffallend leicht,
wenn die Mutter eine natürliche Begabung ihres
Pflegekindes erproben und ausbilden wollte, schwer, wenn
sie diesem alle Kunststücke des Katzengeschlechtes
beizubringen versuchte. Mit wahrhaft komischer
Überrschung bemerkte die Lehrerin, daß ihr Zögling der
Anleitung zum Klettern und der notwendigen Warnungen
dabei gar nicht bedurfte, sondern von selbst schon diese
Kunst ausgezeichnet beherrschte. Mit Verwunderung mußte
sie dagegen erfahren, daß alle geschickt auf die
Erregung der Fanglust gerichteten Schwanzbewegungen auf
den Zögling gar keinen Eindruck machten.
Als die Katze ihr Pflegekind zum erstenmal über einen
hohen und schmalen Steg nach dem jenseitigen Ufer unseres
Dorfbaches führte, schritt sie mit größter Vorsicht
und unter fortwährendem Zurufen voran; das Eichhörnchen
war aber eher am anderen Ufer als seine Führerin und
wurde deshalb von dieser sehr geliebkost. Später kam es
oft vor, daß bei den Spaziergängen der nach und nach
kühner werdende Pflegling in den Bäumen von Krone zu
Krone dahinlief, während die Mutter am Boden dahinging.
Bisweilen kletterte sie ihm auch wohl bewunderungsvoll
nach, setzte sich still auf einen Ast und beobachtete mit
Mutterlust und einiger Angst die kühnen Sprünge des
bald auf den Bäumen heimischen Zöglings. Dieser
gehorchte seiner Pflegerin musterhaft. Sie tat ihm
ebensoviel zu Willen wie alle Katzen ihren Kindern,
brauchte aber, wenn sie Gehorsam verlangte, nur ein
einziges Mal zu rufen, um des gewünschten Erfolges
sicher zu sein. Ein Oberförster erzählt auch von einem
Hasen, der von einer Katze großgezogen wurde.
Mit dem Menschen lebt eine Katze immer in treuer
Freundschaft, sobald sie von ihm ordentlich behandelt
wird. Normalerweise bringt sie ihm nicht so viel
Anhänglichkeit entgegen wie der Hund; wo man ihr aber
dieselbe Sorgfalt und Liebe entgegenbringt wie diesem,
wird auch ihre Anhänglichkeit an den Herrn nicht
gegenüber der eines Hundes zurückstehen. Ein Hund, der
sich selbst überlassen bleibt, ist ein pöbelhaftes
Vieh. Ich habe das hundertfach in Ägypten gesehen, wo
sich niemand der halbwild herumlaufenden Köter annimmt.
Sie werden flegelhaft, tückisch, mißtrauisch und scheu.
Die Katzen unseres Hauses sind von jeher sehr
freundschaftlich von uns behandelt worden und bewiesen
uns immer wieder ihre große Zuneigung und
Anhänglichkeit. Zum Entsetzen der Frauen unseres Hauses
tragen sie regelmäßig ihre frisch erlegte Beute uns vor
Augen und verzehren sie erst, wenn sie für ihre
Tüchtigkeit und Geschicklichkeit gelobt wurden.
Als Junge kannte ich zwei Katzen, die nicht nur gegen
Bekannte, sondern auch gegen Fremde sehr artig waren.
Hatten wir Kinder sie liebkost, so begleiteten sie uns
abends nach Hause. Wir hatten zwar eine halbe Stunde weit
zu gehen, doch schien ihnen der Weg nicht zu lang zu
sein; nie eher als vor unserem Haus nahmen sie von uns
Abschied.
Mein Freund Schach teilte mir einmal folgende Geschichte
mit: "Als ich noch im väterlichen Haus weilte,
hatte ich ein inniges Freunschaftsverhältnis mit unserer
alten Hauskatze, einem prachtvollen Zyper. Riese, so
hatten wir Kinder sie ihrer ansehnlichen Körpergröße
wegen genannt, fühlte sich in hohem Grad zu mir
hingezogen. Sie war meine Nachbarin bei Tisch wie meine
Schlafgenossin, und selbst in gereiztem Zustand, wenn sie
heftig mit dem Schwanze hin und her peitschte, vermochte
sie niemand leichter zu beruhigen als ich. Nie ging ich
in den Wald, ohne daß sie mich begleitete. In meiner
Abwesenheit schien sie sich zu langweilen, und war ich zu
lange ihrer Gesellschaft entzogen, so ging sie allein in
den Wald, wohl in der Hoffnung, mich dort zu treffen.
Gewöhnlich erwartete sie meine Ankunft und kehrte dann
mit mir zusammen nach Hause zurück. Dabei war sie sehr
neugierig, und alles fesselte ihre Aufmerksamkeit. Bog
ich heimlich auf einen Seitenweg ein, so war sie meist
binnen kurzem auf meiner Fährte und nahm, nachdem sie
mich sorgfältig berochen und geleckt hatte, ruhig neben
mir Platz, bis ich mich zum Weitergehen anschickte.
Als ich im Jahre 1834 auf ein zwei Stunden von meiner
Heimat entferntes Privatseminar zog, war Riese auch dahin
mein Begleiter und weilte hier während meiner ganzen
Studienzeit, dreieinhalb Jahre lang. Hier machte ich eine
höchst anziehende Beobachtung. Riese war Mutter geworden
und pflegte zwei reizende Kinderchen. Da widerfuhr ihr
das Unglück, eingefangen und von den noch unbehilflichen
Kleinen getrennt zu werden. Ich konnte die Kätzchen
unmöglich umkommen lassen und sann auf Rettung. In der
Nachbarschaft hatte ebenfalls eine Katze geworfen, war
aber ihrer Jungen beraubt worden. Sie wurde als
Pflegemutter gewonnen. Bereitwillig unterzog sie sich der
Pflege der Stiefkinder, säugte, leckte und reinigte sie
aufs beste. Eines schönen Tages aber kam die
rechtmäßige Mutter zurück. Riese war der
Gefangenschaft entflohen und schnurstracks heimgeeilt.
Ich brachte sie zur Pflegerin ihrer Kinder. Erfreut
schnurrend und rufend eilte sie herbei und legte sich
neben diese und ihre Kinder ins Körbchen, um auch
ihrerseits die Pflichten der Mutter zu übernehmen. Von
nun an wurden die Kätzchen von beiden Müttern gesäugt,
gepflegt und erzogen. Bald war die eine, bald die andere
bei den Kleinen, bei Gefahr aber vereinigten sich beide
zu wütender Gegenwehr. Ein Fleischerhund, der in
Begleitung seines Herrn arglos auf den Hof gekommen war,
in dem sich gerade beide Katzen mit ihrer Schar
tummelten, wurde von den besorgten Müttern mit solcher
Wut angefallen, daß er fast das Augenlicht eingebüßt
hätte und schleunigst das Weite suchte.
Nach meiner Studienzeit zog ich mit Riese in die Heimat
zurück. Später habe ich das treffliche Tier allerdings
aus den Augen verloren, da wir uns auf immer trennen
mußten. In meinem jetzigen Wohnort hatte ich Gelegenheit
zu ähnlichen Beobachtungen. Ich zog mir eine Katze, die
nicht allein eine wahre Schönheit, sondern auch ein
Muster an Reinlichkeit und gutem Benehmen war. Die ganze
Nachbarschaft liebte das Tier und schenkte ihm oft Milch.
Oft begleitete es mich in den Wald und saß dann
stundenlang, weit von der Wohnung entfernt, witternd und
spähend am Rande des Weges, den ich zurückkommen
mußte. Um Mitternacht heimkehrend, vernahm ich dann
mitten im Wald ihre Stimme, und mit einem einzigen Satz
saß sie auf meiner Schulter. Nicht ein einziges Mal war
es nötig, die Katze zu strafen. Es hätte wohl auch
seinen Zweck verfehlt, denn das Tier erwies sich schon
gegen jedes harte Wort empfindlich und mied nach einem
solchen sogleich meine Wohnung.
Diese Katze übernahm gern die Pflege anderer Tiere.
Einmal zog sie einen ganzen Wurf junger Füchse auf und
trug den Welpen, als sie feste Nahrung annehmen konnten,
fleißig Ratten und Mäuse zu. Eines an diesem Tier ist
bis heute unerklärlich geblieben. Sie hatte in ihren
letzten Jahren ein junges Kätzchen zur Welt gebracht,
das sie anfangs zärtlich liebte und mit dem sie manche
Stunde verspielte. Plötzlich aber verwandelte sich diese
Liebe in unauslöschlichen Haß. So sehr sich auch die
Tochter bemühte, die Zuneigung der Mutter zu erhalten,
stets knurrte und drohte sie. Zuletzt wurde die junge
Katze der eigenen Mutter förmlich zum Abscheu. Es wurde
so schlimm, daß ich die Alte - von dem Kätzchen wollte
ich mich nicht trennen - zu einer Nachbarsfamilie in
Pflege gab. Sie blieb dort bis zu ihrem Tode und besuchte
mich täglich. Ich hatte sie vierzehn Jahre lang."
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Die Katz
Kurt Tucholsky
Neulich
saß ich vor dem kleinen Theaterchen Ambassadeurs in den
Champs Elysées, unter grünen Bäumen. Um meine Bank
strich mehrere Male eine große, gut genährte Katze,
grau mit schwarzen Flecken. Wir kamen so ins Gespräch -
sie fragte mich, wieviel Uhr es sei -, und da stellte
sich heraus, daß sie aus Insterburg stammte. Nun kenne
ich Insterburg sehr genau - ich habe da seinerzeit
gedient -, und wir waren gleich im richtigen Fahrwasser.
Sie kannte erstaunlich viele Leute, und wir hatten auch
gemeinsame Bekannte: eine Verwandte von ihr war bei
meinem Feldwebel Lemke Katze gewesen, sie wußte gut
Bescheid. Meine Stammkneipe kannte sie und das Theater
und die Kaserne und alle möglichen Orte. Ja, es war
sogar möglich, daß wir uns einmal gesehen hatten, im
Schützenhaus zu Palmnicken, aber da hatte ich natürlich
nicht so darauf geachtet. Wie es ihr denn so in Paris
gefiele, fragte ich sie.
"Näi, hier jefällts mir nicht!" sagte sie.
"Ich wäiß nich, die Leite sinn ja soweit janz natt
- aber, wissen Se, mit die Verfläijung, das is doch
nichts. Ja. 's jibbt ja Fläisch un so - aber Fischkeppe
- wissen Se - son richtichen Kopp von nem Zanderchen oder
Hachtchen - das hätt ich doch jar zu jern mal jajassen.
Aber: Pustekuchen!" Das fand ich auch sehr
bedauerlich.
"Gott, man erlebt ja allerhand hiä", sagte die
Katze. "Da haben se mich näilich einem alten
Madamche ins Bett jestochen, wissen Se, die konnt keine
Katzen läiden. Erbarmung! hat se jebrillt. Ei, seht
doch! seht doch! hat se immer jerufen - das heißt, ick
denk mä das so - denn sie hat ja franzeesch jebrillt.
Dabei hab ich se nuscht jetan! Und se hat all immer
jemacht: 'Pusch! Pusch! Willste da raus!' - Aber ich bin
ruhig liegen jeblieben, wissen Se - und da hat se mit all
ihre Koddern aufn Pianino jeschlafen - ja. Und am friehen
Morjen hat se mehr denn ein Tellerche Schmant
hinjehalten, das hab ich auch jenomm, und denn bin ich
los. Es war ne janz nette Frau soweit. Se war all janz
bedammelt von den Unjlik." Aha. Und diese große
Schramme da über dem Auge? was wäre denn dies?
"I", sagte die Katze, "da hat mir neulich
son Kater anjesprochen - aber ich wollt nich - wissen Se,
ich wer mer doch mit die franzeeschen Kater nich abjehm!
De Frau in Insterburch hat auch immer jesacht, mehr als
dräimal im Jahr soll ne ordentliche Katz nich - na, und
meine Portion war all voll. Ja - ich wollt eben nicht. Da
hat mir doch das Biest anjesprungen! Was sagen Se -! Ich
hab 'n aber ordentlich äine jelangt - sobald jeht der an
käine ostpräische Katz mehr ran, der Lorbas!"
"Kinder haben Sie also auch?" fragte ich.
"Ja", sagte sie. "Es sinn alles orntliche
Katzen jeworn - bis auf äine. Die streicht da aufn
Monmartä rum bei die Franzosen -, und wenn mal 'n
Tanzvergniejen is, denn macht se sich an die Fremden ran.
Näilich dacht ich: I, dacht ich, wirst mal hinjehn,
sehn, was se da macht. Wissen Se - ich hab mir rein die
Augen ausn Kopp jeschämt - lauter halbnackte Marjellen -
und meine Tochter immer dabäi! Sone Krät -! Ich sach:
'Was machst du denn hier?' sach ich. Se sagt: 'Ah -
Mama!' und dann redt se doch franzeesch mit mir! mit die
äijene Mutter -! Ich sach... 'Schabber nich so
dammlich!' sach ich und jeb ihr eins mit de Pfot. Da
haben se uns rausjeschmissen ausm Lokal, alle bäide -
und draußen auf de Straß wollt ich mer nich mit se
hinstellen. Und - rietz! war se denn auch jläich wech.
Ach, wissen Se, heutzutach, mit die Kindä ...!" ja,
konnte ich nur zustimmen. Na - und sonst? Paris und so?
"Manchmal", sagte die Katz, "krie ich doch
mächtig Heimweh. Kenn Se Keenichsbarch? Das is ne Stadt
- wissen Se - da kann Paris jahnich mit! Da war ich mal
auf Besuch - man is ja in de Welt rumjekomm, Gott sei
Dank - und da war ich bei de Frau Schulz. Kenn Sie die?
Die Mutter von Lottchen Schulz, die immer so brillt? De
Tochter hat jetzt jehäirat." Halt! Lottchen Schulz
kannte ich. Diese etwas bejahrte, schielende und hinkende
Dame hatte geheiratet? Ich äußerte Bedenken.
"Och", sagte die Katze, "sehn Se mal: Nu
hat se doch das lahme Bein, und ordentlich gucken kann se
auch nicht mehr - was soll Se -!" Dagegen war nichts
einzuwenden - Heirat schien in solchem Fall das beste.
"Ja, da war ich auf Besuch", fuhr die Katze
fort, "ach, wenn ich daran noch denk! Inne Ofeneck
saßen die bäiden Jungens Schulz und schlabberten ein
Tulpchen Biä nachn andern, de Frau Schulz trank Kaffee,
und ich kriecht ab un zu 'n Stickche Spack - aber, wissen
Se, son richtchen, ostpräißschen Kernspack - nich wie
hier! Ja. Nur äin Malhör is mich in Keenigsbarch
passiert: ich bin da in den Hiehnerstall jejangen und hab
da jefriehstickt, und nachher hab ich es all jemerkt:
alle die kläinen Kaichel, die hatten dem Pips! Dräi
Tach war mir janz iebel!"
Eine feine Dame ging vorüber und sagte zu ihrer
Begleiterin: "Vouz savez, il n'y a que des
étrangers à Paris!" Die Katze sagte:
"Wissen Se, hier mit die Katzen, da versteh ich mir
janich! Se sind auch so janz anders als bäi uns - manche
sind direkt kindisch - wissen Se ...! Na, denn wer ich
man bißchen jehn, auf Mäise ...!"
Und lief seitwärts, in die Büsche. Ich wollte noch
etwas fragen, sie nach ihrer Adresse fragen -, aber sie
war schon weg. Und ich stand noch lange vor dem Busch
und, ohne daran zu denken, daß es ja eine Katze war,
rief ich: "Landsmann! Landsmann!" - Aber es
antwortete keiner. Wir haben uns nicht mehr
wiedergesehen.
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