Bildergeschichte... ...falt- und bastelanleitung...
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Es war einmal... Im September 2004, als die Idee reifte eine MZ ES 250/1 aufzubauen. Da wir leider keine komplette restaurierungsbedürftige ES mehr hatten und das ganze natürlich so günstig wie überhaupt möglich gestaltet werden sollte, suchten wir in unseren Garagen nach verwertbaren Teilen. Dies scheint auf den ersten Blick immer recht einfach zu seien. Da glaubt man ein komplettes Motorrad für die Restauration zu haben, weil in der einen Garage ein Rahmen mit Motor, Schwingen und Rädern, in einer anderen zwei Schutzbleche, ein Tank, eine Sitzbank und eine Lampe rumliegt. Auf den ersten Blick sind also alle Teile da, die man braucht, meint man. Also, frisch ans Werk und ab in die Garagen die Teile zusammensuchen. Und da steht er auch schon, der Rahmen. Nachdem die Teile aus den Garagen herausbefördert wurden, kommt der ein oder andere Mangel ans Tageslicht. Als die Teile vor einer Woche vor dem geistigen Auge aus der Garage befördert wurden, waren es doch definitiv mehr und alle waren in einem wesentlich besseren Zustand. Wieso sind die Blechteile alle auf einmal so stark verrostet und verbeult? Warum sind vom Zylinder so viele Kühlrippen abgebrochen? Wie kommt es, dass die Räder, die im Rahmen stecken, gar nicht original sind? Und wo sind die ganzen Kleinteile? Ok, kein Problem was nicht gelöst werden kann. Wir haben uns halt letzte Woche beim Träumen ein wenig zu weit aus dem Fenster gelehnt. Halb so schlimm, schließlich ist ja niemand rausgefallen. Die veranschlagte Stunde für das Zusammensuchen der Teile hat sich eben ein wenig in die Länge gezogen. Später wird sich zeigen, das dieses Satzgerüst "Die veranschlagte Zeit......" so gut wie in jeden Abschnitt dieser Geschichte passt. Doch nun wieder zur eigentlichen Restauration. Sämtliche Blechteile sind wohl im Zustand nicht die besten, doch vollständig an der Zahl sind sie jetzt. Am hinteren Schutzblech und am umklappbaren Endstück müssen Schweißarbeiten durchgeführt werden, da hier kleine Risse im Blech vorhanden sind. Nun runter mit dem Rost und der Farbe, mal sehen was nach dem Sandstrahlen so zum Vorschein kommt. In einigen Fällen erschrickt man sich regelrecht über die ganzen Beulen die nach dem Sandstrahlen zu Tage kommen, so dass man meinen könnte, die Sandstrahler haben in der Mittagspause mit dem schönen Tank aus langer Weile Fußball gespielt. Ich will auch nicht behaupten, dass sowas noch kein Sandstrahler gemacht hat, aber in den meisten Fällen wurden die Blechteile schon mal gespachtelt. Der Spachtel wird natürlich beim Stahlen mit entfernt, und bringt die ganzen alten Wunden wieder zum Vorschein. Leider gibt es keine Fotos von den noch nicht gestrahlten Teilen. Die Teile waren recht stark verbeult aber nirgendwo durchgerostet. Nach dem Sandstrahlen ist es wichtig, die Teile so schnell wie möglich mit Rostschutz zu versehen, da das blanke Metall sonst wieder mit Rosten beginnt. Vorher werden die Bleche noch gerichtet und ausgebeult. Wenn der Rostschutz gut durchgetrocknet ist können alle Teile angeschliffen und gespachtelt werden. Jetzt heißt es |
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die nächsten Stunden: Spachteln - Schleifen, Spachteln - Schleifen, Spachteln - Schleifen und so weiter. (Hier würde der oben genannte Satz wieder einwandfrei reinpassen) Erst wird mit groben 80'er Papier der Spachtel in Form gebracht (Man hat auch schon Leute beobachtet, die eine Raspel verwendet haben, um den Spachtel in Form zu bringen). Ob die geschliffene Stelle gut genug ausgebessert ist, bekommt man durch Fühlen heraus, d.h. man streicht mit der Hand über die gespachtelte Stelle. Hier klärt sich vielleicht für so manchen, der schon mal in eine Lackiererwerkstatt ge- sehen hat, die Frage: Haben Lackierer eine Panne, oder warum sitzen die alle da und streicheln Autos oder Motorräder? |
| Und warum haben die alle einen runden, 10 cm großen, weißen Fleck am Hosenstall? Fragen über Fragen. Fühlt man keine Beulen mehr, kann alles noch mal fein mit 120'er Papier verschliffen werden, damit die tiefen Kratzer vom 80'er Papier verschwinden. Die Dreckarbeit ist, falls man alles ordentlich gemacht hat, ab hier vorbei, denn jetzt kann mit fillern begonnen werden. Vorher werden die Teile natürlich ordentlich gereinigt. Erst mit Wasser, um den ganzen Staub zu entfernen. Danach ist ein gründliches Abtrocknen der Teile notwendig. Am besten werden alle Ritzen und schlecht erreichbaren Stellen mit der Luftdruckpistole trocken geblasen. Die eventuell vorhandenen Fettspuren oder Fingerabdrücke werden mit Silikonentferner gesäubert. | |
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Die Teile können nach dem Ablüften des Silikonentferners gefillert
werden. Filler wird im Gegensatz zum Lack recht dick aufgetragen (was
ja alle gerne tun), denn er soll nun die kleinen Unebenheiten ausgleichen.
Zwei-Komponenten-Filler trocknet bei normalen Temperaturen sehr schnell.
Falls jetzt plötzlich wieder Beulen zum Vorschein kommen, beginnt
das Spiel von vorn. Anderenfalls kann nun damit begonnen werden, die Teile
fein zu verschleifen. Je nach Filleroberfläche empfiehlt sich hier
Nassschleifpapier mit 600'er oder 800'er Körnung. Wichtig ist eine
richtig glatte Oberfläche, alle Unebenheiten, Poren oder Schleifriefen
die nach dem Nassschleifen noch zu sehen oder fühlen sind, werden
höchst wahrscheinlich nach dem Lackieren auch noch zu sehen seien.
Da alle Beulen gut verspachtelt wurden und die Oberflächen gut glatt
geworden sind, kann nun mit dem Lackieren begonnen werden. Vorher werden
die Teile wie vorm Fillern wieder gereinigt. Dann wird über alle
Teile mit schwarzen Zwei-Komponenten- Einschichtlack drübergehustet.
(Langsam müssen ja mal ein paar Fachbegriffe genannt werden). Weil
jedoch der Tank, die Schutzbleche und die Seitendeckel goldene Zierlinien
bekommen sollen, ist die Lackierung leider noch nicht ganz abgeschlossen.
Zierlinien kann man entweder kleben, abkleben und lackieren, rollen oder
pinseln. Letzteres können nur noch sehr wenige. Darum haben wir uns
für die geklebten Zierlinien entschieden. Zuerst müssen diese
Teile nochmals fein angeschliffen werden. Dies ist mit größter
Vorsicht zu tun, denn wenn man durchschleift hat man wieder Arbeit geschaffen
(Leider unbezahlte) Wenn alle Teile gleichmäßig matt sind können
die goldenen Zierlinien aufgeklebt werden, dies erfordert ein wenig Übung
und eine ruhige Hand (Also Abends mal ausnahmsweise keinen Bierkasten
hinter die Binde kippen. Der einen Abend klingt schwer, aber man schafft das), sonst bekommt man keine gleichmäßigen Rundungen. Und schließlich müssen die Zierlinien auf der rechten Seite denen auf der Linken schon ein wenig ähnlich sehen. Wenn alle Linien korrekt platziert sind, wird Klarlack drüber gelegt und fertig sind die Blechteile. |
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So weit, so gut. Das sieht ja schon richtig gut aus. Nur dummerweise besteht so ein Motorrad aus ein bißchen mehr wie nur Lackteile. Zum Beispiel wäre da noch die Sitzbank. Meistens werden ja bei der /1 die beliebten Einzelsitze verbaut, so dass diese im guten Zustand recht teuer geworden sind. Aber unsere Beispiel-ES soll eine Sitzbank bekommen, da man diese nur selten sieht. Leider ist die vorhandene Sitzbank in einem sehr zu bedauernden Zustand. Einige der Federn sind hoffnungslos dem Zahn der Zeit erlegen. Also, alle Federn raus und in alten Stühlen, Betten oder Matratzen nach brauchbaren Ersatz suchen. In der Zwischenzeit kann der Rahmen der Sitzbank entrostet und mit neuer Farbe versehen werden. (ich weiß, wenn man schlau gewesen wäre hätte man das am Anfang mit zum Strahlen gegeben ... Ich lasse mir im Verlauf der Geschichte noch eine passende Ausrede einfallen!) Die Farbe vom Rahmen ist also trocken und Federn haben sich auch ange-funden. (Es ist übrigens schon lange nicht mehr September 2004). Zusammengebaut sieht sie wieder richtig schön aus. Die verzinkten Federn heben sich schön vom schwarzen Rahmen ab. Das dumme ist, dass man dies nicht sehen wird, weil der Sitzbankbezug das Ganze verdeckt. Und da hätten wir auch schon das Nächste, was fehlt und zugleich das nächste Problem. Das Nähen eines neuen Sitzbankbezug ist ganz gut realisierbar, wenn ein alter Sitzbankbezug als Vorlage zur Verfügung steht. Bei diesen werden dann die Nähte aufgetrennt, die Einzelteile dienen dann als Schnittmuster für die neuen Lederzuschnitte. Das ganze schnell zusammen- genäht, fertig.... Es gab natürlich keinen alten Sitzbankbezug. Auf der alten Sitzbank war nur noch ein schlecht passender Überbezug. Also hieß es Schablonen selbst anzufertigen. Fünf Teile braucht die Sitzbank, zwei Seitenteile, ein Vorder- und Hinterteil und den Deckel natürlich. Eine recht mühselige Angelegenheit, denn schließlich soll der Deckel später genau in der Mitte sitzen und Falten soll der Bezug ja auch nicht werfen. Nach viel Probieren waren dann endlich brauchbare Schnittmuster fertig. Zuvor wurde die Sitzbank aus günstigen Material vorgenäht, um das Endresultat zu prüfen. Hier sieht man dann gut, ob der Bezug genau paßt, falls nicht kann man die Schnittmuster noch ein wenig variieren. Dann kam das Synthetische Leder unter die Maschine. In die offenen Enden der Sitzbank wurden zur Verstärkung noch dünne Plastikstreifen eingenäht, damit die Be-festigungslöcher später nicht ausreißen. Vor dem Aufziehen musste der Bezug noch mit Schaumstoffmatten ausgepolstert werden. Dann kam das Aufziehen und vernieten. Das Resultat kann sich sehen lassen, jedoch steht es natürlich in keinem Verhältnis zum Aufwand. Sieht schon relativ komplett und schön aus, die ES 250/1. Jedoch ist noch nicht einmal die Hälfte der Arbeit getan. (Foto ca. August 2005). |
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Da die bestellten Reifen endlich eingetroffen sind, können nun endlich die Räder montiert werden. An dieser Stelle muss jedoch erwähnt werden, dass die Felgen schon ein Menge Arbeit verschluckt haben. Das Aluminium der Felgen und Naben war stark korrodiert. Die Speichen so stark verrostet, das ein Lösen durch Lockerschrauben teilweise nicht mehr möglich war. Hier musste der Winkelschleifer zeigen was er kann. Logisch das auch neue Speichen bestellt werden mussten. Der Preis für eine plus Nippel liegt bei ca. einem Euro, je nachdem ob sie aus Edelstahl oder verchromt sind. Macht 72 Euro für beide Räder. |
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Da die Naben aus Guß sind und nicht glänzen müssen, konnten sie äußerlich durch eine Bohrmaschine mit Drahtbürstenaufsatz bearbeitet werden. Danach wurden sie gereinigt und bekamen neue Radlager, da die alten teilweise schon festgerostet waren. Bei den Felgen war das optische Ausbessern schon schwieriger. Zuerst wurde jedoch geprüft, ob die Felgen einen Schlag bzw. Beule hatten. Beider vorderen Felgen sind wir diesbezüglich auch fündig geworden. Nach dem Richten der Felge, wurden tiefe Kratzer (die höchst wahrscheinlich von früheren brutalen Reifenwechseln herrühren) mit Sandpapier geglättet. Dann wurde die ganze Felge mit feinem Nassschleifpapier geschliffen und anschließend mit einer Poliermaschine und Politurwachs auf Hochglanz gebracht. Jetzt werden alle Speichen im richtigen Muster eingefädelt, und handfest verschraubt. Nun wird das Rad in den Zentrierbock eingespannt. Wie auf dem Foto zu sehen gibt es eine seitliche verstellbaren und einen in der Höhe verstellbaren Abstandshalter. (Befinden sich an der Felgenunterseite) Mit Hilfe dieser Abstandshalter und mit gezieltem Lösen bzw. Festziehen der Speichen kann das Rad nun zentriert werden. Wenn das Rad gerade läuft und kein Höhen- bzw. Seitenschlag mehr vorhanden ist, muss noch geprüft werden ob alle Speichen gleichmäßig fest sind. Jetzt werden noch neue Felgenbänder aufgelegt, damit die Speichennippel später den Schlauch nicht beschädigen. Die Reifenwulste werden vor der Montage am besten mit "Reifenschmatze" eingepinselt. Das erleichtert zum einen die Montage und zum anderen wird sichergestellt, dass der Reifen nach dem Luftaufpumpen ordnungsgemäß ins Felgenbett rutscht. Nun sind die Räder einbaufertig. Fehlen nur noch die Bremsankerplatten. Gereinigt werden sie nach dem selben Schema wie die Felgen. Alte Bremsbelege werden gegen neue getauscht, alles auf Leichtgängigkeit überprüft und die Beweglichen teile geschmiert. Dabei ist darauf zu achten, das kein Schmiermittel auf die Bremsbeläge bzw. in die Trommel gelangt. (Für alle Gromotoriker: die Schmierung erfolgt dosiert). |
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| Vor dem Einbau der Räder und Bremsankerplatten sind die Bowdenzüge auf Leichtgängigkeit zu überprüfen. Weiterhin ist es wichtig das weder die Seele noch die Hülle beschädigt ist. Im Zweifelfall sind die Züge durch neue zu ersetzen. Der Profi kann sich seine Züge auch selbst zusammenlöten, jedoch sollte man dies nur bei ausreichender Erfahrung machen. Nicht's wäre schlimmer, als ein reißender Bowdenzug in einer Gefahrensituation. | |
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