3.Kapitel
Nibinkemewen aß mit einem unguten Gefühl. Sie überlegte die ganze Zeit, warum gerade sie ausgewählt wurde.
Es ergab einfach keinen Sinn. Die anderen Bediensteten waren in diese Arbeit hineingeboren,
ihre Eltern hatten schon das Gleiche getan....
vorallem gehörten sie zu den Besten Bediensteten dieses Schlosses.
Und da konnte sie guten Gewissens sagen, dass sie dazu nicht gehörte.
Trotzdem sollte sie nun vor den König treten.
Als sie sah wie die anderen alle aufstanden, beeilte sie sich ihren Teller wegzuräumen und wusch sich die Hände.
Dann machte sie sich auf den Weg zum Thronsaal. Sie musste erstmal die Treppen hinabsteigen,
da die Unterkünfte der Bediensteten ganz oben untergebracht waren.
Dann lief sie viele Gänge entlang, lief durch Hintertüren (durch die offiziellen durfte sie nur auf Befehl von Oben gehen)
und kam schließlich vor den Thronsaal, vor dem schon alle warteten.
Auch Zankio war anwesend. Sie war die letzte, obwohl sie sich so beeilt hatte.
Sie bemerkte, dass sich eine Haarsträhne aus ihrer Frisur gelöst hatte.
"Nicht jetzt", dachte sie verzweifelt und versuchte sie sich wieder hektisch hineinzustecken.
Doch damit machte sie nur noch mehr kaputt.
Xiretsa, eine ältere Elbe, sah ihr Verzweiflung und kam auf sie zu.
"Warte, ich helfe dir."
Mit ein paar schnellen Handbewegung hatte sie Nibinkemewens Frisur wieder gefestigt.
"Dankeschön..." konnte Nibinkemewen gerade noch sagen, als sich die Tür des großen Thronsaals öffnete und Howare sie hinein bat.
Nibinkemewen war erst einmal in diesem Saal gewesen, kurz nach ihrer Ankunft.
Hier hatte sie um Hilfe gebeten und sie auch bekommen.
Der Thronsaal war gewaltig und beeindruckend. Auf der einen Seite waren riesige Fenster,
durch die die warmen Sonnenstrahlen des mittags fielen.
Die großen, hellgrünen Vorhänge waren zur Seite gezogen und mit goldenen Kordeln festgemacht.
Auf der anderen Seite des Saals hangen große Bilder von früheren Schlachten der Elben des Düsterwaldes,
aber es hang auch ein Foto, welches den Düsterwald zeigte, in seiner schönsten Pracht.
Die Decke war in einem gelblichen Ton gestrichen und gläserne Mosaiksteine waren darauf befestigt.
Wenn jetzt die Sonne darauf strahlte, spiegelten sie alle Farben des Regenbogens wieder.
Der Boden war mit weichem saftgrünem Teppich ausgelegt.
Nibinkemewen hätte am liebsten ihre Schuhe ausgezogen und wäre barfuß über den Teppich gegangen.
In der Mitte des Saales stand ein großer Thron, ganz Gold und mit elbischen Buchstaben verziert,
und auf diesem Thron saß der König des Düsterwaldes, Thranduil.
Wieder wunderte sich Nibinkemewen wie wenig real er aussah.
Er hatte etwas edles und erhabenes, dass es schien, als käme er nicht von dieser Welt,
als wäre er etwas Mächtigeres, aus anderem Raum und Zeit.
Auf ein Zeichen des Königs trat Nibinkemewen mit den anderen Bediensteten näher zum König.
Sie verbeugten sich , indem sie das hintere Bein (dass das linke sein musste)
leicht einknickten und den Kopf beugten. Diese Haltung hielten sie bei, bis der König sprach:
"Erhebet euch. Ich habe wichtige Dinge mit euch zu besprechen, die keinen Aufschub dulden."
Nibinkemewen erhob sich langsam, ihren Kopf jedoch hielt sie gesenkt.
Sie durfte dem König nicht in die Augen schauen.
"Wie ihr wisst, kommt mein Sohn bald wieder.
Darum plane ich ein großes Willkommensfest, welches ich mit eurer Hilfe zu stande bringen will.
Ihr seid meine engsten Vertrauten und für die Ankunft meines Sohnes muss alles perfekt hergerichtet sein.
Zankio, ich verlange das beste Essen, das du je gemacht hast.
Ich erwarte viele Gäste, also mache genügend.
Ihr anderen werdet euch darum kümmern, dass es den Gästen hier gut geht.
Das Schloss muss glänzen wie sonst nie und die Gästezimmer müssen alle hergerichtet werden.
Legolas´Ankunft wird in drei Tagen erwartet, also beeilt euch.
Ihr habt die Aufsicht darüber, in eure Hände lege ich nun die Verantwortung.
Danke. Ihr dürft euch entfernen."
Wieder verbeugten sie sich und verließen rückwärts den Raum (Niemals dem König den Rücke zu wenden).
Auch Nibinkemewen wollte den Raum verlassen, als sie der König noch mal zurück rief.
"Nibinkemewen, könnt ich noch mal kurz mit dir reden."
"Aber natürlich, Eure Hoheit."
Sie trat wieder vor den Thron.
"Wie gefällt es dir hier, mein Kind?"
Nibinkemewen erschrak. So vertraulich hatte sie den König noch zu Niemandem reden hören.
"Es ist wirklich sehr schön hier. Ich fühle mich hier sehr wohl.
Ich bin Euch, Hoheit, zu tausendfachem Dank verpflichtet."
"Danket mir später. Ich habe getan, was das Beste für mich schien.
Ihr habt viel durchgemacht, ihr solltet es jetzt nicht noch schwerer bekommen."
"Danke, Hoheit. Ich bemühe mich sehr mit den Aufgaben, mit denen ihr mich vertraut,
doch glaube ich, dass ich manches noch nicht so gut mache. Doch will ich mich noch bessern."
"Ich muss sagen, du machst deine Sache auch jetzt schon sehr gut.
Ich habe unter meinen Dienern noch kein schlechtes Wort von dir gehört.
Und deshalb bitte ich dich, für eine besondere Aufgabe, die Verantwortung zu übernehmen.
Wie ich gehört habe, bist du seit deiner Ankunft mit dem Zimmer meines Sohnes vertraut."
"Ja, Hoheit."
"Gut, das soll auch nach seiner Ankunft so bleiben."
"Aber Hoheit, ich glaube nicht, dass ich dazu geeignet bin."
"Widerspreche mir nicht."
Nibinkemewen erschrak. Das hatte sie gar nicht bedacht.
"Verzeiht, Hoheit, ich habe nicht nachgedacht...."
Nibinkemewen zitterte. Was würde er jetzt wohl mit ihr machen?
Doch der König lächelte.
"Dir sei verziehen. Ich halte dich geeignet für diese Aufgabe und denke,
du wirst es auch schaffen. Doch bitte ich dich, deine Worte sorgfältiger zu wählen.
Wenn mein Sohn hier antrifft, soll alles perfekt sein.
Sein Zimmer liegt in deiner Obhut. Und auch danach sollst du allein für ihn dienen.
Rede mit Neiklot, es war früher seine Aufgabe, doch aufgrund seines Alters,
bat er mich jemand anderes zu suchen. Und das habe ich hiermit getan.
Du kannst dich entfernen."
"Danke, Hoheit."
Sie verbeugte sich und verließ rückwärts den Raum.
Der König lächelte zufrieden.
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