Kapitel VII
Alessa lag auf dem Bett und hatte die Augen geschlossen.
Es fühlte sich gut an,
es war so weich, dass sie sogar darin versank.
Es war lange her, dass sie in einem so weichen Bett geschlafen hatte. Viel zu lange.
All diese Geheimnisse machten sie müde.
Sie hatte nie mehr, als ein einfacher Mensch sein wollen,
hatte sich diese Gabe oder auch diesen Fluch nie erbeten,
hatte weder die Kräfte gewollt, noch alles andere, was damit zusammengehörte.
Sie atmete tief durch und musste unwillkürlich an Cain denken.
Er hatte nicht ein weiteres Wort zu ihr gesagt,
hatte ihr lediglich das Zimmer gezeigt
und hatte sie alleine gelassen.
Seufzend öffnete sie die Augen,
die Sonne schien durch das Fenster, zu hell...
Langsam stand sie auf und zog den feinen Stoff davor.
Wieder ein Hinweis darauf, dass dieser Cain nicht irgendwer war.
Nur die reichsten Leute konnten es sich leisten feinen Stoff vor ihre Fenster zu spannen.
Wieder und wieder drängte sich ihr die Frage auf, wer er war.
Aber vielleicht würde sie es ja schon bald herausfinden.
Ein leises Miauen schreckte sie aus ihren Gedanken.
Die Katze lag zusammengerollt auf der Decke und sah sie auffordernd an,
der Rabe hatte sich an der Lehne eines Stuhles, der im Raum stand, festgekrallt.
Es hatte sie nicht verwundert, dass die beiden vor dem Fenster hockten,
nachdem Cain den Raum verlassen hatte,
vielmehr verwunderte es sie jetzt die Katze auf der Decke zu sehen.
Zwar begleiteten die beiden sie Tag um Tag, Minute um Minute, Sekunde um Sekunde,
doch hatten sie nie, niemals, eine Geste von Zuneigung gebracht.
Vielmehr waren sie wie stumme Begleiter, die ein Auge auf sie hatten, aber auch nicht mehr.
Die Katze hatte sich nicht von ihr anfassen lassen, ebenso wie der Rabe.
Einmal hatte sie es bei der Katze versucht,
hatte es aber lediglich mit Kratzspuren gedankt bekommen.
Seitdem unterließ sie jeden weiteren Versuch,
eine Zeitlang hatte sie überlegt den Beiden einen Namen zu geben,
aber das wiederum hätte die Beziehung zu ihnen zu persönlich gestaltet;
seitdem blieb es einfach bei Katze und Rabe.
Müde legte sie sich wieder ins Bett,
beachtete die Katze nicht, wie diese sie jetzt auch nicht mehr beachtete.
Die Wärme und Weiche des Bettes umfing sie, schläferte sie ein
und schon nach wenigen Augenblicken waren ihr die Augen zugefallen.
Als sie die Augen wieder öffnete, durchbrach kein einziger Sonnenstrahl den Stoff vor dem Fenster.
Ausgeruht stand sie auf und schob ihn zur Seite.
Sie musste lange geschlafen haben, draußen war es dunkel.
Unsicher überlegte sie, ob sie es wohl wagen konnte hinab zu gehen und um etwas zu Trinken zu bitten.
Vielleicht würde Cain sich sonst wundern, wenn sie den ganzen Tag über nichts trank.
weiter