Prolog
Dunkelheit umhüllte den Wald, als wolle sie diesen nie wieder aus ihren Klauen lassen.
Kein Lebenszeichen war zu sehen, geschweige denn zu hören;
nur ein einzelner, schwarzer Rabe saß auf einem Ast.
Stolz das Haupt erhoben, als wolle er seine Umgebung verhöhnen.
Die schwarzen Augen suchten die Gegend ab, auf der Suche nach seiner Beute.
Kein Laut war zu hören und so schloß der Rabe die Augen und bediente sich seiner weiterreichenden Fähigkeiten.
Spürte er zunächst nur eine enttäuschende Leere, so fand er bald, was er gesucht hatte.
Eine schwache Präsenz... von Angst zerfressen...
Triumphierend stieß der schwarze Rabe ein Krächzen aus, erhob sich imposant in die Höhe und ließ sich von dem Wind treiben.
Leicht, wie eine Feder tauchte er unter den Ästen ab und ließ sich schließlich auf einem nieder.
In seinen Augen funkelte die Vorfreude, als er den Kopf hinabneigte und sein baldiges Opfer betrachtete.
Ein kleines Mädchen hockte zusammengekauert am Stamm des Baumes.
Ihr Atem ging stoßweise, als wäre sie stundenlang gehetzt, verfolgt worden;
die Kleidung von Dornen zerfetzt,
Tränen liefen unentwegt über ihr Gesicht...
Hätte der Raben grinsen können, er hätte es zweifelsohne getan;
so aber beugte er sich mit einem weiteren Krächzen vor,
bevor er im Sturzflug zu dem Mädchen flog und zu ihren Füßen landete.
Der Blick in ihre panischen Augen, ließ das schwarze Wesen für einen Augenblick zögern,
bevor es dann aber ein weiteres Krächzen ausstieß und sich vor den Augen des Mädchens in eine junge Frau verwandelte.
Wie in Zeitlupe wurden aus den schwarzen Flügeln Arme,
der Schnabel verschwand vollständig und an dessen Stelle kam ein hübsches, wenn auch kaltes und gefühlloses Gesicht zum Vorschein.
Als die Verwandlung abgeschlossen war, hatte das kleine Mädchen kaum mehr eine Sekunde Zeit, um die junge Frau verwirrt anzustarren;
dann war die Frau schon vorgeschnellt, ihre spitzen Zähne gruben sich in den Hals des Mädchens und begannen das Elixier des Lebens aus ihr zu saugen.
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