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Der Stein von Rosette besteht aus einem tischgroßen Stück Basalt, einem Vulkangestein mit Superlativen: Basalt ist der verbreitetste magmatische Gesteinstyp und gilt als der witterungsbeständigste Naturstein überhaupt. An seinem Lagerort unterscheidet man einige unterschiedliche Basalte, so die Riftbasalte aus Spaltessystemen der mittelozeanischen Rücken, die große Teile der ozeanischen Kruste einnehmen. Die Alkalibasalte der ozeanischen Inseln befinden sich innerhalb der ozeanischen Platten und besitzen eine breite Streuung verschiedener chemischer Gewichtungen oder Tendenzen. Kontinentale Plateaubasalte treten als mächtige Plattenergüsse innerhalb stabiler Kontinentalregionen auf und sind im Vergleich zu den Riftbasalten reich an Kalium und sogenannten inkompatiblen Spurenelementen wie Barium, Strontium und Thorium. Die Inselbogenbasalte werden nach low-K-tholeiit-Typ und kalk-alkalinen Basalttyp unterschieden. Natürlich ist für uns der kontinentale Basalt der interessanteste, da eine Gewinnung von ozeanischem Basalt gerade im Altertum recht unwahrscheinlich ist. Die Basaltvorkommen in Sibirien, Nord- und Südamerika, Island, Schweden und Deutschland können wegen zu großer Entfernung wohl auch ausgeschlossen werden. Auch die mächtigen Ergüsse in den Drakensbergen in Südafrika und in Indien erscheinen irrelevant. Daher ist es wohl unverkennbar, dass nur die Basalte aus dem syrisch-ostafrikanischen Grabenbruchsystem infrage kommen, also die Gebiete der heutigen Staaten Äthiopien und Kenia in Afrika und Israel, Jordanien und Syrien in Kleinasien. Auch in Ägypten fand man Basalt. So im für seine Halbedelsteine berühmten Wadi Hammanad, doch ist über den Abbau in damaliger Zeit nichts bekannt. Anders bei den Basaltvorkommen in Assuan, die seit der Zeit von Fajjum gefördert wurden. Man weis, dass daraus bereits im alten Reich die Fußböden von Totentempeln hergestellt und in der vierten und fünften Dynastie auch die Sarkophage der Pharaonen daraus gefertigt wurden. Dieses bedeutet, dass hier tatsächlich Basaltblöcke in ausreichender Größe gefunden wurden. Dennoch sollte man die benachbarten Gebiete nicht außer Acht lassen, denn Ägypten trieb schließlich viel Handel mit Rohstoffen, in erster Linie sind Gold, Türkis und andere Prunkstoffe importiert worden. Die antike Namensgebung des Basaltes nach einem Gebiet in Syrien (Ra s al Basit), weist eindeutig darauf hin, dass damals in Syrien schon Basalt gefördert worden ist. Aus Israel, einem Nachbarland, wird noch heute der Tiberias, ein fleckiger Basalt, exportiert. Israel und Syrien sind nicht nur näher als Kenia, mit diesen Gebieten ist der Kontakt bewiesen. Zu ptolemäischer Zeit herrschten dort die Seleukider, mit deren Königshaus ein Verwandtschaftsverhältnis bestand. Leider findet sich in der Literatur kein Hinweis darauf, ob der Stein aus Tiberiasbasalt besteht, was den Import aus den Seleukidergebieten endgültig beweisen würde. Vorläufig sagt die Tatsache, dass der Stein im selben Jahr angefertigt wurde, in dem die Hochzeit von Ptolemaios V Epiphanes und einer Tochter von Antiochos III stattfand, wohl genug aus. Doch bei der Recherche nach dem Ursprung des Steins von Rosette tritt noch ein Problem auf: Infolge der säuligen Absonderung im Anstehenden lassen sich von Basalt keine großen Blöcke gewinnen, denn bei einem umfangreicheren Magmaaufstieg bleiben in Schlotnähe mächtige basaltische Massen stehen, die unter einer Decke aus Lockermaterial nur langsam von außen nach innen erstarren kann. Dabei treten Schrumpfungsrisse auf, die zu säuligen Strukturen in den vulkanischen Gesteinsmassen führen. Somit lassen sich lediglich aus poröser Basaltlava, an der Oberfläche eines Lavastroms entstanden und daher wenig klüftig, Quader fast beliebiger Größe herauslösen. Diese Lava ist ein von vielen Gasblasen durchsetztes Basaltgestein und daher sehr porös, dieses sieht man dem Stein von Rosette auch durchaus an, allerdings nur auf den Bildern, die vom Britischen Museum selbst herausgegeben werden. Da Basalt ansonsten sehr witterungsbeständig ist, kann seine abgenutzte Oberfläche nur auf diese Porösität zurückzuführen sein. Letztlich ist Assuan als Herkunftsort sehr wahrscheinlich, da es zum Herschaftsgebiet Ägyptens gehörte und der Transport durch den Nil erleichtert wird. Die kleinere Entfernung und die geführte Argumentation sprechen für einen Nubischen Import. Diese Beweisführung beruht zwar auf Indizien, doch nur mit einer Gesteinsprobe wäre eine genauere Herkunftsbestimmung möglich. Doch selbst diese ist fragwürdig: Alle dunklen Vulkangesteine sehen ähnlich aus und sind häufig auch mit Hilfe von Dünnschliffen nicht immer zu identifizieren. Anmerkung: Der Begriff Tiberias ist ein Handelsname und keine Bezeichnung der Mineralienkunde. |