KAIRO
Eine Weltstadt



Kairo - eine Weltstadt



1. Kairo als Hauptstadt
1.1. Die Geschichte Kairos

Die ältesten Beweise von Besiedlung durch Menschen auf dem Stadtgebiet von Kairo sind 7000 Jahre alt. Die frühe Besiedlung lässt sich erklären mit den Vorzügen, die der Nil bringt. Im Ägyptischen Hinterland findet man nur Wüste, doch am Nil ist das Land fruchtbar. Die Zeit ließ hier viele Zivilisationen hinter sich. Die ägyptisch-pharaonische Zivilisation, die ägyptisch-griechische, ägyptisch-römische und heute die ägyptisch-arabisch-islamische Zivilisation. Nicht die älteste, doch die kulturell bedeutenste Stadt auf Kairoer Gebiet war ON, die eine Menge von Glaubenslehren, Sagen und Kulturen hervorbrachte, wo Astronomie, Medizin und Baukunst blühten. Hier entstand auch der Sonnenglaube: die Sonnenscheibe „Ra" verleibte sich „Atum" ein und wurde zur stärksten Gottheit. Gott Atum war der Ursprung des Lebens, aller Götter und Menschen, gewesen. Bekannt ist die Stadt unter ihrem griechischen Namen Heliopolis.
Gegründet wurde die Stadt Kairo 969 nördlich der seit 641 bestehenden arabischen Stadt Fustat.
Kern des heutigen Kairo ist der im 12. Jahrhundert aus einem Militärlager hervorgegangene Stadtteil Misr Al Qâhira. 1261-1517 war Kairo Sitz der Abbasidenkalifen, bis die Stadt dann von den Osmanen erobert wurde.
Mit dem „Aufstand zu Cairo" erfuhr Napoleon hier den erbittertsten Widerstand der Bevölkerung während seiner Ägyptenexpedition.
Die moderne Stadtentwicklung begann im 19. Jahrhundert und im 20. Jahrhundert wuchs die Stadt mit den Vorstädten auf dem linken Nilufer zusammen. In den 80er und 90er Jahren des 20. Jahrhunderts war das ökonomische Wachstum der Stadt zwischenzeitlich so ungebremst, dass die Gründung von Bauunternehmen, Hotels und derartigen Gewerben in Kairo gesetzlich unterbunden werden musste.

1.2. Ägypten:
1.2.1. Landesnatur

Nur das schmale Band der Stromoase längs des Nil, das Nildelta, die Senke von Al Faiyum südwestlich von Kairo sowie kleine Oasengebiete sind landwirtschaftlich nutzbar, im Übrigen ist das Land ein Teil der Libyschen Wüste, also der Sahara, die in Ägypten 75% der Fläche des ganzen Landes einnimmt und die überwiegend den Charakter eines kahlen Tafellands hat, das von Sanddünen durchzogen und von kristallinen Felsgipfeln überragt wird. Östlich des Nil fällt die Arabische Wüste (bis 2187 m hoch) zum Roten Meer in steiler, über 1000 m hoher Stufe ab. Die höchsten Erhebungen von Ägypten (Jabal Katrinah 2637 m) finden sich auf der ebenfalls wüstenhaften Sinaihalbinsel. Das Klima ist subtropisch-trocken mit heißen Sommern und milden Wintern. Nur im Norden wird das Land vom Mittelmeerklima beeinflusst. Hier lassen die geringen Niederschläge Trocken- und Dornbuschsavannen gedeihen.


1.2.2. Bevölkerung

Die überwiegend islamische Bevölkerung (es gibt eine Minderheit koptischer Christen) ist sehr stark gemischt, vor allem arabisierte Fellachen und arabische Beduinen, daneben Berber, Türken, Nubier und Schwarzafrikaner, ferner Gruppen von Griechen sowie Italiener, Zyprer und Malteser. - Die Analphabetenrate liegt trotz allgemeiner Schulpflicht bei 45%.


1.3. Geschichte Ägyptens


1.3.1. Altertum

In der Jungsteinzeit bezeugen die Kulturen von Merimde, Faiyum und Omari in Unterägypten eine sesshafte Bevölkerung. Der oberägyptische Raum zeigt die einander folgenden Kulturen von Tasa und Negade I und II. Nach Kämpfen im Norden schloss die Einigung beider Landesteile die vorgeschichtliche Zeit ab (Reichseiniger nach der Überlieferung Menes, 1. Dynastie). Dieser Staatsbildungsprozess ermöglichte zusammen mit der Schrift- und Kalenderentwicklung den Aufbau einer Verwaltungshierarchie. Zunächst regierten die Könige (für die sich das hebräische Lehnwort Pharao eingebürgert hat) von wechselnden Pfalzen aus das Land. Nach Unruhen und Konsolidierungsanstrengungen in der Thinitenzeit kam es in der 3. Dynastie zu einem kulturellen Höhepunkt unter Djoser (um 2650 v. Chr.). Es entstand ein straff gelenkter Zentralstaat (Altes Reich) mit fester Residenz in Memphis. Unter der 4. Dynastie (um 2570-2470 v. Chr.) wurden die großen Pyramiden von Gizeh und Dahschur durch Snofru, Cheops, Chephren und Mykerinos errichtet. Die Könige der 5. Dynastie (um 2470-2320 v. Chr.) erbauten Kultstätten für den Sonnengot Re. In der 6. Dynastie (um 2320-2155 v. Chr.) begann ein Zerfall der Regierungsgewalt (Zusammenbruch des Alten Reichs). Die 1. Zwischenzeit war von sozialen Umbrüchen gekennzeichnet.

König Mentu-hotep II. aus dem oberägyptischen Theben (11. Dynastie) einigte erneut das Reich (Mittleres Reich, um 1994-1650 v. Chr.). Die Pharaonen der 12. Dynastie (1994-1781 v. Chr.), die wieder in der Nähe von Memphis residierten (besonders Sesostris I. und Sesostris III., Amenemhet III.), führten das Reich zu neuer Blüte. In der Zeit der 13. und 14. Dynastie (um 1781-1650 v. Chr.) gelangten die asiatischen Hyksos zur Macht (15./16. Dynastie, um 1650-1550 v. Chr.).
Sie wurden durch die thebanischen Könige Kamose und Amasis I. vertrieben. Letzterer leitete die Zeit des Neuen Reichs ein (18.-20. Dynastie, um 1550-1062 v. Chr.). Ägypten wurde durch die Eroberung Syriens und Nubiens (besonders durch Thutmosis III., 1490-1437 v. Chr.) Großmacht mit der Hauptstadt Theben. Der religiöse Erneuerungsversuch des Amenophis IV. (Echnaton, um 1364-1346 v. Chr.) misslang; die asiatischen Besitzungen fielen an die Hethiter. Sethos I. (um 1304-1290 v. Chr.) wehrte den Angriff der libyschen und ägäischen Völker ab.Ramses II. (1290-1224 v. Chr.) erkämpfte Frieden mit den Hethitern. Ramses III. (um 1194-1163 v. Chr.) wehrte den Angriff der libyschen und ägäischen Völker ab. Unter Ramses IV.- XI. verfiel das Reich endgültig. In Ober-Ägypten regierten die Hohenpriester des Amun von Theben aus fast selbständig, als im Norden die schwache 21. Dynastie (um 1080-945 v. Chr.) folgte.

Mit Schoschenk I. gewannen libysche Söldner (22. Dynastie um 945-720 v. Chr.) den Thron. Ägypten zerfiel erneut in Teilstaaten (23.-24. Dynastie), bis es von nubischen Königen von Kusch erobert wurde (25. Dynastie, um 712-655 v. Chr.). Psammetich I. (26. Dynastie, 664-525 v. Chr.) vertrieb die Nubier aus Oberägypten. Unter Psammetich III. (525-504 v. Chr.) gewann Ägypten noch einmal seine Unabhängigkeit.

Auf die 2. persische Eroberung folgte bald die Alexanders des Großen (332/331 v. Chr.). In den Kämpfen der Diadochen gewann Ptolemaios Ägypten; Hauptstadt des Reichs der Ptolemäer (304-30 v. Chr.) wurde das neu gegründete Alexandria. 51 v. Chr. griff Cäsar zugunsten der ägyptischen Königin Kleopatra in die Reichswirren ein und unterstellte Ägypten dem römischen Senat. Nach dem Sieg des Augustus über Antonius und Kleopatra wurde Ägypten 30 v. Chr. römische Provinz. 395 n. Chr. fiel es an Byzanz (395-641).


1.3.2. Mittelalter

Nach der Eroberung durch die moslemischen Araber 640/41 gehörte Ägypten zum Islamischen Reich. Nach der Dynastie der Tuluniden (868-905) folgte 935-969 die Dynastie der Ichschididen und der schiitischen Fatimiden. 1171 führte die von Saladin begründete Dynastie der Ajjubiden Ägypten zu neuer Macht und kultureller Blüte. Wirtschaftlich erstarkte Ägypten unter den Mamluken-Sultanen (1250-1517) anfänglich weiterhin, bald aber schwächten es innerdynastische Kämpfe so, dass es 1517 dem Angriff der Türken erlag.

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Jan Romberg