Korrespondenz -

Politischer Diskussionszirkel Rheinland

Korrespondenz

Juni 2005

Beitrag: Überlegungen zur Krise auf Grundlage der Diskussion im April



Synthese der Diskussion des Zirkeltreffens vom 16 Ist die Krise unüberwindbar? (Dekadenz Teil II)Ist die Krise unüberwindbar? (Dekadenz Teil II)

Vorbemerkung:

Ursprünglich war dieser Text als Synthese der im April 2005 stattgefundenen Diskussion gedacht. Doch dieser Text ist tatsächlich keine Synthese, sondern etwas anderes geworden. Er stellt nicht so sehr den Verlauf der Diskussion dar, sondern ist vielmehr eine persönliche Weiterentwicklung der Gedanken zu dem Thema "Krise" durch die Anregungen aus der Diskussion. Er ist sehr interessant und daher stellen wir ihn nun unter die Rebrik "Korrespondenz".

Die Teilnehmer des Zirkels hatten sich auf das heutige Treffen vorbereitet, in dem sie Texte von Karl Marx zur politischen Ökonomie, unter anderem ‚Lohn, Preis und Profit’ gelesen haben, um klare Begriffe zu bekommen und damit ein gutes Handwerkzeug, um die Wirklichkeit, was vor unseren Augen vor sich geht, analysieren und verstehen zu können. Wir wollen keine nebulöse Vorstellung von der Welt; unsere Vorstellung von der Welt soll nicht auf subjektiven Vorstellungen beruhen. Wir wollen keine, wie oft üblich, schwammige Begriffe oder Schlagwörter verwenden.


Fragen, die wir in der Diskussion klären wollten, waren unter anderem: Was ist der Unterschied zwischen der Produktion für den Konsum und der Produktion um der Akkumulation willen? Woher kommt die Arbeitslosigkeit? Warum kann der Kapitalist, wenn er genug Profit gemacht hat, sich nicht einfach zur Ruhe setzen und sein Geld verprassen? Dumme Fragen gibt es überhaupt nicht, im Gegenteil ist dies ist ein wichtiger Teil der Diskussion, weil die Fragen ja aus dem Drang, die Welt zu verstehen, entspringen.


Krisen hat es schon immer im Kapitalismus gegeben, aber die Krise des 20. Jahrhunderts unterscheidet sich wesentlich von den Krisen des 19. Jahrhunderts. In den Krisen des 19. Jahrhunderts, die sich im Rhythmus von 10 Jahren wiederholten, wurde ein Teil der Produktivkräfte vernichtet (Stilllegung von Fabriken, Arbeitslosigkeit, Verrottung von Produkten). Die Krise wirkte wie eine Reinigung. Man könnte sie deswegen als Wachstumskrisen bezeichnen. Sie wurden aber vor allem dadurch gelöst, dass neue Märkte dazu kamen. Indem die Krise durch die Eroberung neuer Märkte gelöst wurde, wurden immer mehr Gebiete der Welt in die kapitalistische Produktionsweise einbezogen, und damit beraubte sich der Kapitalismus immer mehr der Möglichkeit, die Krise durch die Eroberung neuer Märkte zu lösen. Man hat nach der Krise auf einer neuen und höheren Stufe wieder angefangen. Es konnten sich auch im 19. Jahrhundert viele Nationen gleichzeitig entwickeln, wie z.B. England, Frankreich, Russland. Dies änderte sich an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Der 1. Weltkrieg war ein Ausdruck dieser Änderung. Er war ein Krieg um die Neuaufteilung der Welt. Die Staaten, die zu kurz gekommen waren, versuchten Kolonien zu bekommen, ihren Anteil an der Beute. Seitdem gibt es keine Möglichkeit meh,r durch neue Märkte die Krisen zu überwinden. Es gilt, wie im Referat erwähnt, exportieren oder untergehen, friss oder stirb, was der eine gewinnt, verliert der andere. Nach dem 1. Weltkrieg erfolgte eine Aufbauphase von 10 Jahren, danach eine neue Krise, die in den 2. Weltkrieg mündete. Nach dem 2. Weltkrieg erfolgte in einem Teil der Welt wieder eine Aufbauphase bis 1967. Seitdem gibt es eine permanente Krise, die nicht mehr gelöst werden kann. p


Was ist die Antriebskraft der kapitalistischen Produktion? Es ist der Profit. Woher kommt der Profit? Aus dem Gebrauchswert der Ware Arbeitskraft, nämlich mehr Wert zu schaffen als sie kostet. Der Mehrwert, den die Arbeiter geschaffen haben, steckt nun in den von ihnen produzierten Waren. Der Kapitalist muss die Waren zuerst verkaufen, um den Mehrwert, den Profit, zu realisieren. Dazu muss genügend zahlungskräftige Nachfrage, der entsprechende Markt vorhanden sein. Und gerade daran mangelt es immer mehr. Die Sättigung der Märkte ist die eigentliche Erklärung für die Krise. Was ist die Profitrate? Die Profitrate ist das Verhältnis des eingesetzten Kapitals zum Gewinn. Wenn ein Kapitalist z.B. 1 Million Euro Kapital einsetzt, um die Bedingungen für die Produktion zu schaffen, vor allem auch Arbeitskräfte zu kaufen und die produzierten Waren zu einem Gesamtpreis zum 1,1 Million Euro verkauft, so beträgt die Profitrate 10%. Im Kapitalismus wird ausschließlich für den Markt produziert, d. h. es werden Sachen hergestellt, um sie zu verkaufen und nicht für den eigenen Konsum. Um die mit der Entwicklung der Produktivität und der Massenproduktion immer größer werdenden Massen an Waren aufnehmen zu können, braucht es immer neue Märkte, muss der Markt sich ausdehnen. Die Kapitalisten können zwar die Produktion fast bis ins Unendliche ausdehnen, nicht aber die Märkte.


Wenn wir über die Krise diskutieren, gehen wir aus vom Wesentlichen, von der Ausbeutung. Erst, wenn der Mensch mehr schaffen kann, als er selbst zum Leben braucht, kann es Ausbeutung geben. Der Kapitalismus ist eine Ausbeutergesellschaft. Der Kapitalist lebt auf Kosten der Ausgebeuteten. Um Kapitalist zu bleiben, muss er konkurrenzfähig gegenüber den anderen Kapitalisten sein. Und er kann nur konkurrenzfähig sein, wenn er dauernd seine Produktionskosten senkt oder anders gesagt, seine Produktivität erhöht. Dieser Zwang zur Erhöhung der Produktivität ist das revolutionäre des Kapitalismus. Der Kapitalismus hat Produktivkräfte so weit entwickelt, dass zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit der Mangel überwunden werden könnte und die Bedürfnisse der ganzen Menschheit befriedigt werden könnten. Die Überzeugung des Marxismus, dass der Kapitalismus überwunden werden muss, beruht nicht auf einer moralischen Verurteilung, sondern auf einer Analyse des Kapitalismus. Der Kapitalismus war gegenüber dem Feudalismus eine fortschrittliche Sache. Der Fortschritt des Kapitalismus besteht in der gewaltigen Entwicklung der Produktivkräfte, was es überhaupt erst ermöglicht, die kommunistische Gesellschaft zu errichten, und darin, dass er die Arbeiterklasse hervorgebracht hat, das Subjekt, das durch seine Revolution den Weg zum Kommunismus ebnet. Wie hat der Kapitalist die Produktivität erhöht? Am Ausgang des Mittelalters in Flandern lieferten durch Handel zu Reichtum gekommene Kaufleute selbstständigen Webern die Wolle, die sie en gros in England einkauften. Die fertigen Produkte, das Wolltuch, kauften sie den Webern wieder ab. Sie setzten also ihr Geldvermögen dazu ein, aus der Webearbeit anderer, eine Einkommensquelle für sich zu machen. Später brachte er die Weber in einer Werkstatt zusammen, und ließ sie arbeitsteilig produzieren, und damit billiger. Das war die Stufe der Manufaktur. Er hat seine Produktivität durch die Arbeitsteilung erhöht und konnte noch kostengünstiger produzieren durch den Einsatz von Maschinen. Durch die so gewonnene Wohlfeilheit seiner Waren war der Kapitalist allen anderen Produzenten haushoch überlegen und konnte deshalb auch chinesische Mauern überwinden und die ganze Welt der kapitalistischen Produktionsweise unterwerfen, so dass seit Anfang des 20. Jahrhundert der Kapitalismus ein Weltsystem ist mit weltweiter Arbeitsteilung. Diese Arbeitsteilung drückt sich u. a. darin aus, dass das Computerprogramm der Tagesproduktion z.B. von Siemens in München in der Nacht davor in einem Land programmiert wird, in dem es während es in München Nacht ist, helllichter Tag ist.

Warum muss er die Produktivität erhöhen? In den vorkapitalistischen Gesellschaften war das Ziel der Produktion, dass die herrschende Klasse von der Arbeit der Ausgebeuteten gut leben und sich Luxus leisten konnte. Dieser Zweck der Produktion besteht weiterhin im Kapitalismus. Aber was hinzukommt, ist, dass der Kapitalist bei Strafe seines Untergangs gezwungen ist, einen Teil des Profits wieder in die Produktion zu investieren, und damit unentwegt sein Kapital zu akkumulieren. Auch im Feudalismus konnte der Gewinn zur Verbesserung der Produktion angelegt werden, musste aber nicht. Der Kapitalismus ist ausschließlich Produktion für den Markt. Der Kapitalist lässt Sachen herstellen, um durch ihren Verkauf mehr Geld zu bekommen, als er eingesetzt hat. Der Kapitalist produziert also, um aus Geld mehr Geld zu machen. Die treibende Kraft ist der Profit und nicht mehr die Bedürfnisse der Menschen wie in der Stammesgesellschaft. In der Stammesgesellschaft haben die Stammesgenossen gemeinsam überlegt, was sie brauchen und dann planvoll das produziert, was sie brauchen. Es zählt nicht mehr allein der Konsum, der Luxus der Herrschenden wie in den anderen vorkapitalistischen Gesellschaften. Die Bedürfnisse der Menschen zählen im Kapitalismus nur soweit, als die produzierten Waren auch verkauft werden müssen, und sie können nur verkauft werden, wenn sie einem Bedürfnis entsprechen. Was das für ein Bedürfnis ist, ist gleichgültig, ob es das Bedürfnis von Staaten nach Waffen ist oder irgendein anderes Bedürfnis. Die Produktion geschieht in weltweiter Arbeitsteilung, aber die Triebkraft der Produktion ist der Profit der einzelnen Unternehmer, und die Machtstellung der einzelnen kapitalistischen Staaten. Die Produktion ist also gesellschaftlich, d. h. die produzierten Waren sind ein Produkt von weltweiter Zusammenarbeit, von Tausenden, von Hunderttausenden Arbeitern. Das gilt für gleichgültig welchen Gegenstand wir in der Hand haben. Die produzierten Waren gehören aber dann einem bestimmten Unternehmen. Der Einsatz von immer teurer werdenden Maschinen lohnt sich nur bei Massenfabrikation. Es wird immer schwieriger die immer größer werdende Masse von Produkten auch zu verkaufen, wenn die Leute immer ärmer werden, weil die Löhne gekürzt und die Arbeitslosigkeit zunimmt. Es kommt zu einer Überproduktionskrise. In der Überproduktionskrise zeigt sich die Rebellion der Produktivkräfte gegen die Fesseln der Produktionsverhältnisse. Die einzige Lösung aus der Krise ist die Aufhebung der Ausbeutung und des Privateigentums.


Auf die Frage der jungen Teilnehmerin, warum ein Kapitalist, wenn er genug Profit gemacht hat, sich nicht einfach zur Ruhe setzen und sein Geld verpassen kann, wurde geantwortet. Ein einzelner Kapitalist kann sich gar wohl aus der Produktion zurückziehen und das geschieht auch immer öfter. Die Kapitalisten überlassen die Produktion bezahlten Managern. Das ist ein Zeichen, dass sie nutzlos geworden sind und nur noch, wie Marx sagt, Kuponschneider sind, d. h. von den Dividenden leben. Die Kapitalistenklasse als ganzes kann das aber ganz und gar nicht. Wenn wir den erbarmungslosen Konkurrenzkampf in der Autoindustrie z.B. betrachten, sehen wir, dass jeder Konzern immer mehr investieren muss, um seine Produktivität zu erhöhen und damit kostengünstiger zu produzieren und konkurrenzfähig zu bleiben. So kosten heute neue Automobilwerke Milliarden, ein Arbeitsplatz eine halbe Million. Autos zu produzieren in jeder beliebigen Anzahl ist leicht, aber sie auf dem hart umkämpften Markt zu verkaufen, das ist schwer; sodass die Verkaufs- und Werbeabteilungen der Firmen immer mehr aufblähen gegenüber der eigentlichen Produktion. Wenn ein Konzern das nicht mitmacht, fällt er raus, bleibt auf der Strecke, macht Bankrott. Das ganze investierte riesige Kapital wird wertlos. Es gibt keinen Stillstand im Kapitalismus. Im Kapitalismus geht es darum aus Geld mehr Geld zu machen und das ist maßlos.

Auch ein Kapitalist braucht einen Lebenssinn und den findet er nicht unbedingt in einem Playboyleben, in einem Schmarotzerdasein. Die Playboys und Schmarotzer bleiben weiterhin Angehörige der Bourgeoisie und leben vom Reichtum, den die Arbeiterklasse schafft. Wenn die Arbeiterklasse die Ausbeutung abschafft, ist es vorbei mit ihrem Schlaraffenland. Sein Sinn ist Kapitalist zu sein, sich als Arbeitgeber als Unternehmer zu fühlen, an der Macht seiner Klasse teilzuhaben.

Eine zweite Frage der jungen Teilnehmerin war: Woher kommt die Arbeitslosigkeit? Antwort: Der Kapitalismus muss, um konkurrenzfähig zu sein und zu bleiben, dauernd seine Produktionskosten senken. Und das macht er dadurch, dass er schnellere und bessere Maschinen aufstellt, wenn das für ihn kostengünstiger ist, als Löhne zu zahlen. Die überflüssigen Arbeiter werden entlassen. Zudem verschärft er die Arbeitshetze, verlängert die Arbeitszeit und drückt die Löhne. In der Krise machen immer mehr Firmen Bankrott und die Arbeiter fliegen auf die Straße. Durch die zunehmende Arbeitslosigkeit und die Lohnsenkungen hat die Arbeiterklasse immer weniger Geld zur Verfügung und kann immer weniger kaufen. Das führt dazu, dass die Unternehmer auf ihren Waren sitzen bleiben, was die Krise weiter verschärft. Es ist eine Spirale, die immer weiter nach unten führt.


Die Linken und die Gewerkschaften machen den Vorschlag, die Löhne zu erhöhen, dann wäre wieder genug Kaufkraft da und die Wirtschaft würde wieder florieren. Sie sagen, die Kapitalisten machen so viel Profit wie nie. Der Staat bräuchte doch nur den Kapitalisten etwas wegnehmen und den Armen geben und alles wäre wieder in Ordnung. Warum ist das nicht möglich? Weil die Arbeitskraft zur Ware geworden ist. Der Wert der Ware Arbeitskraft wird bestimmt durch die zur Herstellung dieser Ware gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit. Das ist ein Gesetz im Kapitalismus, das sogenannte Wertgesetz, das hinter dem Rücken der Beteiligten wirkt und nicht abgeschafft werden kann. Die Arbeitskraft des Arbeiters wird von den Kapitalisten nur gekauft, um sie möglichst ausbeuten zu können. Wenn der Kapitalist seine Arbeitskraft nicht kauft, weil der Kauf ihm keinem Profit verspricht, dann ist der Arbeiter arbeitslos und kann gucken, wo er bleibt. Es ist seiner Lebens- und Produktionsmittel beraubt, und ist sich selbst überlassen. Durch die Lohnarbeit wird für den Arbeiter seine Arbeit auch immer entfremdeter, er kann sich immer weniger mit seiner Arbeit identifizieren, er arbeitet nur noch um zu leben. Was die Ware Arbeitskraft für die Kapitalisten so interessant macht, ist, dass sie mehr schaffen kann als sie kostet. Dadurch gibt es zu viel Produktion im Verhältnis zur Nachfrage. Die Tatsache der Ausbeutung und die Tatsache, dass die Arbeitskraft zur Ware geworden ist, wird zur Schranke für den Kapitalismus. Es ist der Wahnsinn der kapitalistischen Gesellschaft, dass der Grund für die Krise darin liegt, dass zu viel produziert, dass die Kapitalisten auf ihren Waren sitzen bleiben. Das ist unvorstellbar für vorkapitalistische Gesellschaften. In der Sklaverei besteht kein wirtschaftlicher Zwang, die Produktivität zu erhöhen, ja sogar ein geringes Interesse daran. Es reichte, um die Macht der Ausbeuter zu steigern, dass sie mit Hilfe von Aufsehern und Soldaten, die sie mit dem aus den Sklaven herausgepressten Mehrwert bezahlten, die Sklaven länger und härter arbeiten ließen und Jagd auf zusätzliche Sklaven machten. Erde und Arbeitskräfte werden ausgelaugt, so dass die Produktion immer geringer wird. Es herrscht Unterproduktion, Mangel. Die Krise zeigte sich in Landverödung, Entvölkerung und Hunger. Falls es gute Ernten gab, fette Jahre waren, veranstalteten die Sklavenhalter, aber auch die Feudalherren Feste, um den Überschuss zu verbrauchen, der nicht gespeichert werden konnte. In diesen Festen sahen sich die Herrschenden bestätigt als Gönner des Volkes. Neben der Veranstaltung von Festen konnten die Herrschenden die überschüssigen Lebensmittel noch dazu verwenden, Sklaven und Leibeigene zu ernähren, die sie Bewässerungsanlagen, Aquädukte oder Repräsentationsbauten anlegen ließen. In der Feudalgesellschaft gab es bei guten Ernten die Forderung, die Fronarbeit zu verringern. Die Bauer sagten: Was wir dir abgeben, kannst du gar nicht alles aufbrauchen. Wir werden weniger arbeiten. Überproduktion rief also in den vorkapitalistischen Gesellschaften keine Krisen hervor, sondern waren selbstverständlicherweise ein Segen. Die Armut der Ausgebeuteten ist so alt wie die Klassengesellschaften, aber Armut deswegen, weil zu viel produziert wird, gibt es erst seit dem Kapitalismus.

Kann der Kapitalist auch so wie in den vorkapitalistischen Gesellschaften mit der Überproduktion umgehen? Also weniger arbeiten lassen, die Arbeitszeit kürzen, das Überschüssige gratis verteilen, das Überschüssige dazu zu benutzen, um die Arbeiter zu versorgen, die nicht direkt produktive Arbeit machen, aber notwendige z. B. Maßnahmen zur Verbesserung der Umwelt ausführen. Die Fragen gestellt, ist schon die Antwort. Im Kapitalismus nimmt die Arbeitshetze nimmt zu, wird die Arbeitszeit verlängert, werden die Umweltauflagen verwässert, wird kein Schritt getan, um die Erwärmung der Erde aufzuhalten, mit katastrophalen Folgen, werden nicht zu verkaufende Lebensmittel mit viel Geld vernichtet. werden Produktivkräfte zerstört: Fabriken liegen still und verfallen. Es entstehen ausgedehnte Industriebrachlandschaften. Teile der wichtigsten Produktivkraft, der Arbeitskraft, werden zum Nichtstun verurteilt. Gelder für den Umweltschutz, für Theater und Krankenhäuser sind Teil des Profits und werden in Krisenzeiten noch mehr für die Re-investition gebraucht. Die Armut der Ausgebeuteten ist die Grenze für die Aufnahmefähigkeit der produzierten Güter. Die Höhe des Profits hängt vom Ausbeutungsgrad der Arbeiter ab. Und die Jagd nach einem möglichst hohen Profit ist die ganze Antriebskraft im Kapitalismus. Die Überproduktion ist nur im Kapitalismus eine Krise und gleichzeitig der Wahnsinn des Kapitalismus.

Zum Schluss wurde die Frage aufgeworfen, spielt die Ideologie im Kapitalismus heute noch eine große Rolle. In der vorkapitalistischen Gesellschaft konnte die herrschende Klasse durch das Verteilen des Überschusses als Wohltäter erscheinen. Als die Bourgeoisie an die Macht kam, war sie eine revolutionäre Klasse mit neuen Ideen. Mitten in der Dekadenz und in der Krise des 21. Jahnhunderts ist es der Bourgeoisie aber immer schwieriger geworden, dieses System ideologisch zu rechtfertigen. Man könnte meinen, die Ideologie spielt keine große Rolle mehr. Wenn man aber die Medien betrachtet, sieht man, dass für die Bourgeoisie die Ideologie sehr wichtig ist. Gerade in der letzten Zeit konnten wir miterleben, wie die Ereignisse, wie der Tod des Papstes, der Tod eines Fürsten und die Hochzeit des zukünftigen Königs von England, groß und medienwirksam inszeniert wurden. Natürlich ist dies für die Bourgeoisie ein willkommener Anlass von den wirklichen Problemen des Kapitalismus abzulenken, aber es wäre eine Unterschätzung, dies nur als bloße Inszenierung zu sehen. Die Bourgeoisie kann nicht nut das Blaue vom Himmel herunter lügen. Sie muss ansetzten an Vorstellungen, die das Leben im Kapitalismus hervorbringt. Die Leute sind durchaus auf der Suche nach einem Sinn für ihr Leben. Die kapitalistische Ideologie bietet ihnen die Religion als Sinn des Lebens an. Leider fehlt noch die kommunistische Perspektive.

Anschließend wurde dann über das Thema für den nächsten Zirkel beratschlagt und man einigte, dass wir darüber diskutieren wollen: Wie konnte der Kapitalismus im 19. Jahrhundert die Krise immer wieder überwinden? Zur Vorbereitung für dieses Thema ist Literatur zu empfehlen: von Rosa Luxemburg: „Sozialreform oder die Revolution“ und „Einführung in die Nationalökonomie“ und von Friedrich Engels: „Von der Utopie zur Wissenschaft“.


01.05.05

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