Korrespondenz -

Politischer Diskussionszirkel Rheinland

Korrespondenz

Oktober 2005

Betreff:



Beitrag von Peter: Zur Frage des Übergangs des Mutterrechts zum Vaterrecht


Da die Arbeiterklasse heute weltweit immer mehr nicht abzusehende Einschnitte hinnehmen muss und die Menschen eine gesellschaftlich handelnde Kraft sind,die Widersprüche angehen und langfristig lösen können, muss die Frage nach der Veränderung des gesellschaftlich-geschichtlichen Geschlechterverhältnisses in diesem Bezug beantwortet werden.

Für die Herausbildung dieses gesellschaftlichen Geschlechterverhältnisses waren in der Evolution des Menschen qualitative Sprünge in aufeinander folgenden Entwicklungsepochen bedingend (so wie dies Marx für die Gesellschaftsentwicklung beschrieben hat).

Es gibt eine Selbstorganisation von Materie und eine Organisierungsform, die bestehen bleibt, wenn sie so organisiert ist, dass sie in Wechselwirkung mit der Umwelt bestehen bleibt. Dies führt über Notwendigkeit und Zufall zu einem zunehmenden Organisationsgrad der Materie. Auf einer gewissen Ebene des Organisationsgrades, der lebendigen Materie, geschieht dies über Mutation und Selektion (Darwin). Ein bedeutender qualitativer Sprung in der Evolution war die Entwicklung der Sexualität, was bewirkte, dass eine enorme Ausbreitung an besonders veränderlichen und deshalb an die Umwelt anpassungsfähigen Organisationsformen aufkam.Durch diese Selbstorganisation von lebendiger Materie konnten weitere besonders bedeutsame qualitative Sprünge in der Evolution erreicht werden; die Entwicklung der Wirbeltiere mit besonderer Bedeutung für die weitere Entwicklung der Sinnesorgane und des Nervensystems und darauf gründend die Herausbildung der Säugetiere. Die Entwicklung der Säugetiere ermöglichte eine der Umwelt entsprechende komplexere Beziehung von Mutter und Säugling. Die drei genannten in komplexer Weise aufeinander wechselwirkenden qualitativen Veränderungen, die im Verlauf der Evolution aufeinander folgten, bedingten die Evolution der Primaten und damit der enormen Entwicklung von Sinnesorganen, des Nervensystems und der Motorik (Gesichtssinn, Greifhand...) in Bezug auf die Anpassung auf das Leben in höheren Ebenen des Waldes.

Mit einem Klimawandel vor ca. 7 Millionen Jahren mussten Populationen der gemeinsamen Vorfahren von Mensch und Menschenaffen sich an das Lichterwerden des Waldes anpassen um zu überleben, was mit der Entwicklung des aufrechten Ganges einherging. Damit hatte sich der Mensch von der Entwicklung der Vorfahren der Schimpansen abgetrennt. Um in der sich verändernden Umwelt zu überleben, mussten die frühen Menschen mit allen Sinnen und Verhaltensweisen eine starke Beziehung zur Horde herausbilden, um den Gefahren durch Raubtiere, Wasser und Nahrungsknappheit, usw. zu widerstehen. Der aufrechte Gang ermöglichte dabei den Transport von Nahrung und ersten sehr einfachen Werkzeugen und zudem die schnelle Flucht auf Bäume, so wie die Jagd auf Tiere, die zu erbeuten waren. Es war notwendig, dass viele Nachkommen gezeugt werden konnten und diese zu überlebensfähigen Hordenmitgliedern heranwuchsen. So bestand in verschiedenen Bereichen, die damit zusammenhängen, ein starker Selektionsdruck. Der „Menstruationszyklus“, die Gebärmutterverhältnisse (Embryogenese) der Frau und die sinnliche Beziehung zum Säugling haben sich an diese Notwendigkeit angepasst. Über diesen Selektionsdruck wurden verschiedene Merkmale bei Frauen und Männern in je besonderer Weise auch durch die sog. sexuelle Auslese selektiert (Darwin). In komplexer Weise auf der Ebene der körperlichen Merkmale und des Verhaltens (Auswahl des „Sexualpartners“ durch die Frauen).

Über einige Millionen Jahre verlief die Evolution des Menschen allmählich, aber die für einen qualitativen Sprung notwendigen Veränderungen bildeten sich heraus.

Mit den vor ca. 2,5 Millionen Jahren aufkommenden Kälteeinbrüchen (Kaltzeiten) wurde es für die Menschenhorden schwer zu überleben. Sie mussten sich den veränderten Umweltbedingungen anpassen. Die gewohnte Nahrung war immer schwerer zu finden, die Pflanzenfresserherden wanderten immer weiter herum, um Weideland zu finden, mit Ihnen die Fleischfresser und notwendigerweise auch die Menschenhorden (oft entlang von Flussläufen). In dieser Epoche setzte eine enorme Gehirnentwicklung des Menschen ein, die es nie zuvor gegeben hatte. Dieser quantitative Sprung, der auf der Ebene der Gehirnentwicklung zu erkennen ist, ist Ausdruck großer Veränderungen in der Umwelt und damit in den Menschenhorden. Das was sich schon herausgebildet hatte, war nun Bedingung für den weiteren Verlauf der Evolution. Die Evolution des Großhirns der Säugetiere sich ursprünglich gründend auf einem weniger spezialisierten „sinnesverarbeitenden“ Teil des Gehirns, dem Riechhirn (Gesichtssinn und Gehör sind. Dieser Teil des Gehirns (abgewandeltes Riechhirn) vermittelt qualitativ zwischen dem enorm anwachsenden Assoziationskortex (komplexe Erfahrungsinhalte) und vielen anderen notwendigen Strukturen des Gehirns (funktionell mit dem Wahrnehmen, Fühlen, Denken, Sprechen, Handeln und Lernen verbunden).

Ohne diese qualitative Einbindung aller wichtigen Hirnstrukturen wäre eine ausschließlich größenmäßige Entwicklung der Hirnrinde schnell an ihr Ende gekommen, weil die Spezies, in der sich diese Entwicklung vollzog, ausgestorben wäre. Das Gehirn des Menschen unterscheidet sich genetisch am meisten in der Riechhirnanlage vom Schimpansen, nicht so in der Hirnrinde. Viele Entwicklungsmerkmale müssen zusammenkommen, um diese neue, für das Überleben der Menschenhorden, Qualität in der Gehirnorganisation zu ermöglichen. Die vorhergehende Evolution hat dies hervorgebracht. In der veränderten Umweltsituation musste die Hordenstruktur komplexer werden (Werkzeuggebrauch, Planen, „Vorausschauen“, Denken, Sprache, Mimik, Begreifen von Verhaltensausdrücken, komplexe Sinneswahrnehmung und Verarbeitung, Lernen, ...). Es hat also einen großen Selektionsdruck auf die Lernfähigkeit, Sprachfähigkeit, Denkfähigkeit (Austausch mit den Hordenmitgliedern der Umwelt gegenüber) gegeben. Die Beziehung zu den Säuglingen, Kindern wurde notwendigerweise komplexer (die Entwicklung des Gehirns steht mit diesen qualitativen Anforderungen im Zusammenhang) und Frauen hatten in der Horde eine besondere Bedeutung, da in dieser Epoche sich die Arbeitsteilung zwischen Frauen und Männern allmählich notwendigerweise verstärkte, da sich Männer notwendigerweise stärker auf die Jagd von Großwild spezialisierten. Solange Menschenhorden zusammen wanderten und nicht sesshaft waren, bewirkte diese aufkommende Arbeitsteilung noch keine matriarchalische Gesellschaftsform, erst mit dem Vorfinden günstiger Lebensbedingungen, die ein vorübergehendes „Sesshaftwerden“ ermöglichten (vor ca. 200- 100 Tausend Jahren), konnte sich allmählich eine matriarchalische Gesellschaftsform herausbilden, da die gesellschaftlichen Produktivkräfte stärker in den Händen der Frauen konzentriert waren (auf tradierte Erfahrung gründendes Sammeln von verschiedenen Pflanzen, Jagd nach Kleintieren, Kindererziehung, entsprechender Teil der Werkzeug und Kleidungsproduktion).

Vor ca. 30- 20 Tausend Jahren mit zunehmenden Phasen der „Sesshaftigkeit“ hat sich diese Tendenz weiter herausgebildet und Frauen wurden wohl sehr verehrt, insbesondere da die Geburt ihnen allein zukam. Das Bestreben Zusammenhänge zu verstehen war der Entwicklung der Produktivkräfte entsprechend über die teils geschlechtspezifische Weitergabe über Generationen mystisch durchwoben. Die Vorratshaltung und Vorformen der Domestikation (Tierhaltung) im gesellschaftlichen Bereich der Frauen, stärkten das nun herausgebildete Matriarchat. Das gesellschaftliche Geschlechterverhältnis wurde ein Kräfteverhältnis um Einflussnahme auf die Gesellschaft. In diesem Zusammenhang hat sich bekannterweise vor ca. 5- 2 Tausend Jahren eine patriarchalische Gesellschaftsform begonnen herauszubilden. Mit Entwicklung der gesellschaftlichen Produktivkräfte konnten die ersten Klassengesellschaften in dieser Übergangsperiode aufkommen, was Macht und Besitzanspruch innerhalb der aufkommenden herrschenden Klassen erhöhte.

Im Kapitalismus sind die Produktivkräfte so weit entwickelt worden, dass weder Matriarchat, Patriarchat und Klassengesellschaft zukunftweisend sind, sondern mit der gemeinsamen Erkämpfung der kommunistischen Gesellschaftsform durch die Arbeiterklasse, die Befreiung des Geschlechterverhältnisses für und in einer Gesellschaft, in der es um die Bedürfnisse der Menschen geht und somit alle Tabus unsinnig werden und sich zeigen wird, welche besonderen Aufgaben im Kollektiv Frauen oder Männern zufallen, im ständigen regen Austausch und Lernprozess. Da die herrschende Klasse heute, da Zerfallserscheinungen allgemeiner werden, ein allgemeineres Bewusstsein der herrschenden Klasse darüber entwickelt, müssen wir uns auf die zunehmenden ideologischen Angriffe, die die Arbeiterklasse spalten, individualisieren und lähmen sollen, vorbereiten und dem die Stärke der Arbeiterklasse, das sich entwickelnde Kollektiv entgegensetzen. Die ideologische Spaltung von Frauen und Männern wird eine bedeutende Rolle bei den ideologischen Angriffen der herrschenden Klasse einnehmen. Wir brauchen diese gesellschaftliche Spaltung nicht, die uns daran hindert zusammenzukommen und unser gemeinsames Klassenbewusstsein für die zukünftigen Anforderungen zu entwickeln. Wir haben heute viel zu diskutieren, voneinander und miteinander zu lernen und diese Tendenz muss sich ausdehnen, damit in kämpferischen Situationen kollektiv die richtigen Entscheidungen getroffen werden können.

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