Korrespondenz
Dezember 2005
Betreff: Geschlechterverhältnis
Einige Gedankensammlungen
zum Thema:
Geschlechterverhältnis im Kapitalismus und im Kommunismus
Kapitalismus |
KommunismusMarx: "Der Kommunismus ist kein Zustand, Ideal, sondern wirkliche Bewegung, welche den jetzigen Zustand aufhebt";. Marx, Karl, MEW 3, S. 35: |
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Klassengesellschaft Ökonomische Basis der Verkehrsform: Warenproduktion, Tauschverhältnis = gesellschaftliches Verhältnis der Warenproduzenten, Tausch: Arbeitskraft gegen Kapital, Ware gegen Geld, Gesellschaftliche Produktion, private Aneignung |
Keine Klassen Gesellschaftliche Produktion, gesellschaftliche Aneignung |
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Lebensform:
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Kapitalismus |
Kommunismus 2 |
| Ungleiche Berufschancen. Mädchen / Frauen benachteiligt | Gleiche Chancen |
Sexualität:
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| Konkurrenz und Besitzdenken und –verhalten | Wertschätzung, keine Konkurrenz, Zusammensein auf freiwilliger Grundlage, |
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Kapitalismus |
Kommunismus 3 |
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Kapitalismus |
Kommunismus 4 |
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Kapitalismus |
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Kapitalismus |
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Kapitalismus |
Kommunismus 7 |
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Anbei noch
einige gesammelte Gedanken zum Thema
Zum Thema: Wie gestaltet sich das Geschlechtsverhältnis im Kapitalismus und in wieweit wird es sich im Kommunismus verändern.... (Zirkel)
Als ich von diesem Thema las, fand ich es sehr ansprechend und interessant aber auch sehr breit angelegt.
Ich habe mir dann überlegt, wie begegnet mir heute im Kapitalismus das Geschlechterverhältnis als historisch gewachsenes Verhältnis? Dieses Verhältnis ist Ausdruck der bestehenden und historisch gewachsenen Klassenverhältnisses und nicht genetisch oder „gottgewollt“/natürlich vorgegeben. Dieses Klassenverhältnis muss weltweit von Grund auf revolutionär durch den internationalen, autonomen Kampf der Arbeiterklasse zerschlagen werden.
Die Dimension der Endlichkeit und der Barbarei dieses verfaulenden, kapitalistischen Systems, in dem keine grundlegende Frage wie die des Geschlechterverhältnisses, von Krieg und Frieden, des Hungers, des Nationalismus, der Ökonomie und der Ökologie, der Unterdrückung und Vertreibung gelöst werden kann, aber auch die Perspektive einer neuen, klassenlosen Gesellschaft sind gigantisch.
Wir werden dieses Ziel der klassenlosen Gesellschaft nur erreichen können, indem wir einen prinzipienfesten Kampf gegen jedwede Spaltung führen.
Als Revolutionäre lassen wir uns weder national, noch branchen-, noch geschlechtsbezogen trennen. Es ist ein gemeinsamer Kampf, der uns eint und jung und alt, Männer und Frauen, Arbeitslose und in Arbeit Stehende, .... und weltweit zusammenschließt.
Es geht um nichts Geringeres als um das Überleben der Menschheit. Ein-Punktbewegungen wie z.Bsp. die Frauenbewegung, die Anti- AKW- oder Antiglobalisierungsbewegung führen in die Sackgasse; wollen sie uns doch letztendlich weismachen, es gäbe eine Lösung innerhalb dieses kapitalistischen Systems und der Kampf der Frauen gegen das Patriarchat beispielsweise sei wichtiger als der Kampf für eine kommunistische Gesellschaft. Dies soll keineswegs leugnen, dass es in dieser Gesellschaft nicht eine besondere Unterdrückung im Sinne einer systematischen Benachteiligung auf mehreren Ebenen (politisch, ökonomisch und sozial) von Frauen durch die Männer gibt. Gleichzeitig sind die Männer als Männer und Arbeiter unterdrückt und sie leiden auch als Männer unter der bestehenden Rollenverteilung und Rollenfixierung. Dies soll die besondere Unterdrückung der Frauen und Männer durch die Männer in keiner Weise rechtfertigen. Gemeinsam ist beiden Geschlechtern, dass sie weltweit in einem Gesellschaftssystem leben, das durch den Widerspruch von Lohnarbeit und Kapital, durch Ausbeutung und Unterdrückung jeder Art geprägt ist. Ein nicht friedlich zu lösender Klassen- und nicht Geschlechter-Widerspruch, den es im gemeinsamen internationalen Kampf des Proletariats gegen seine und ihre Unterdrücker zu überwinden gilt und zwar auf allen Ebenen unter Bezugnahme auf die historischen Erfahrungen der Klasse.
Ich habe mich bei der Gegenüberstellung der Darstellung des Geschlechterverhältnisses im Kapitalismus und im Kommunismus vor allem auf die Beziehungsebene des Geschlechterverhältnisses bezogen. Die ökonomische und politische Basis des jeweiligen Gesellschaftssystems sehe ich als grundlegend an, wobei ich die Dialektik durchaus betonen möchte.
Die Basis (Ökonomie, gesellschaftliche Produktion, - private Aneignung) bestimmt, aber nicht mechanisch den Überbau (Staat, Ideen, Werte, Gesetze, Moral, Ethik, Handlungskon-zepte, Austausch, Verhalten, .....) sondern der Überbau nimmt Einfluss auf die Ökonomie, Produktion.....
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Die Darstellungen und Gedankensammlungen erheben natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit, und beinhalten auch keine wertende Gewichtung. Sie erheben keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit, gehen über die erlebte, untersuchte und vielfach beschriebene subjektive Erfahrung Einzelner aber sehr wohl hinaus. (Vieles wissen wir nicht, alles ist vorstellbar...)
Sie sind objektiver und sehr häufig auch subjektiv erlebter Niederschlag dessen, was diese Klassengesellschaft mit ihren Unterdrückungsinstrumentarien, Institutionen mit oder aus uns in den gelebten, mehr oder eher weniger lebendigen Beziehungen macht. Dies lässt sich im Rahmen dieser Gesellschaft nicht grundlegend ändern. Es gibt auch für die Frage der Geschlechterbeziehungen keine „Insellösung“ im Kapitalismus, es sind keine grundlegenden Reformen in der Phase der Dekadenz des kapitalistischen Systems möglich.
Was heißt das für die Situation und unseren Kampf hier und heute?
Auch wenn dieses System nur noch mehr Elend, Krise, Krieg, Verrohung, Spaltung und Resignation für uns bereithält und eine grundlegende Veränderung auch in unseren (Geschlechter-)beziehungen aufgrund der ökonomischen und politischen Machtverhältnisse verunmöglicht, so gilt es, ihrer verrotteten und abtötenden Moral unsere Moral, Ethik und unser kollektives, revolutionäres und proletarisches gegen die Spaltung gerichtetes Bewusstsein in jeder, -also auch der gelebten Geschlechterbeziehung soweit und tiefgreifend wie möglich gegenüberzustellen. Ein Bewusstsein, das von der Notwendigkeit des kollektiven, reflektierten und kämpferischen Austausches, der – internationalen – Solidarität, der Wertschätzung und Achtung der eigenen Person, der Klasse und des Gegenübers ausgeht.
Ein Bewusstsein, in dem auch heute schon Platz ist für Echtheit, Offenheit, Wärme, Liebe, Freundschaft, Lust, Kreativität, und der Sorge füreinander und die kommenden Generationen des Menschengeschlechtes.
Den Blick darauf zu haben, auch wenn die Umsetzung hier und heute noch so schwierig erscheinen mag, ist ein besonderes Anliegen und Indiz unserer Ernst- und Glaubhaftigkeit sowie unserer Begeisterungsfähigkeit.
Was die Rubrik Geschlechterverhältnis im „Kommunismus“ angeht, so liegt die Gestaltung dessen, was das Geschlechterverhältnis im Kommunismus angeht, in den Händen, Köpfen und Herzen der heutigen und nachfolgenden Generationen kämpfender ProletarierInnen.
Deutlich ist, dass es im Gegensatz zu den Revolutionen der Vergangenheit nicht um die Durchsetzung partikularer Minoritäten-Interessen geht sondern um eine generalisierte, umfassende und vollständige Revolution. Dies ist möglich aufgrund einer (technologischen) Entwicklung der Produktionsmittel, die – ohne durchaus auch die mannigfachen negativen und teilweise katastrophalen Auswirkungen zu negieren -, so aber doch die quantitative Voraussetzung für eine Welt ohne materielle Not, ohne Ausbeutung, Konkurrenz, Plackerei und Klassenherrschaft geschaffen hat.
Diese Welt muss durch den bewussten Akt des bewaffneten, autonomen Kampfes der internationalen Arbeiterklasse gegen die Interessen des Kapitals, die mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mittel ihr Terrain verteidigen wird, erkämpft werden oder wir verrecken alle jämmerlich; sei es im atomaren Krieg, im ökologischen SuperGau, oder in der Verelendung, der Barbarei.
Das gegenwärtige System, das in allen Bereichen und auf allen Ebenen an seine historische Grenze stößt, hält die Wahl für uns bereit: Kampf für die klassenlose Gesellschaft oder der Untergang, die Barbarei.
Die Vorbedingungen (höchst entwickelte Technologie, Überproduktion, das internationale Proletariat, eine revolutionäre Theorie, historische, internationale Erfahrungen mit der Organisations/Parteifrage aus der wir lernen werden [IR 26, November 2000 zum Parteiaufbau]..) wie gesagt, die Vorbedingungen für die klassenlose Gesellschaft sind da, die Möglichkeit selber schafft aber noch keine Realisierung.
Dies wird ein langwieriger, blutiger Kampf sein, geht es doch nicht um eine abstrakte Freiheit [vom Reich des Zwanges ins Reich der Freiheit, Engels], sondern um eine konkrete Freiheit: frei vom täglichen Kampf mit den lebenswichtigen Notwendigkeiten. Es geht nicht um das Überleben, sondern um die positive Entscheidung für das Leben und die Umwelt, mit – und füreinander und damit auch um das Geschlechterverhältnis, um die Fragen der Formen, der Ausgestaltung dieser Formen des Zusammenlebens und / oder der Negation sowie der Inhalte auf allen Ebenen des alltäglichen Lebens. Dieser Frage der Gestaltung unseres konkreten Alltags wird eine entscheidende Bedeutung zukommen. Es wird darauf ankommen, inwieweit wir uns selbst mit der Revolution mit identifizieren können, das Selbst muss im Prozess wahrnehmbar sein und bleiben. Selbsttätigkeit, Selbständigkeit, Selbstbewusstsein, Selbstemanzipation werden entscheidende Gradmesser sein, an denen sich der Erfolg messen wird.
Wie schreibt M.Bookchin:„Die Macht des Menschen über den Menschen kann nur zerstört werden durch den Prozess, in dessen Verlauf der Mensch Macht über sein eigenes Leben erlangt und in dessen Verlauf er sich nicht nur selber „entdeckt“, sondern in dessen Verlauf er, was wesentlicher ist, seine Selbstheit in all ihren gesellschaftlichen Dimensionen formuliert“. Bookchin, Murray: Die Formen der Freiheit, Telgte 1977 S.29.
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Zur Bedeutung der Fragestellung des Geschlechterverhältnisses
„Das unmittelbare, natürliche, notwendige Verhältnis des Menschen zum Menschen ist das Verhältnis des Mannes zum Weibe. (...) Aus dem Charakter dieses Verhältnisses folgt, inwieweit der Mensch als Gattungswesen, als Mensch sich geworden ist und erfasst hat. (...)
In ihm zeigt sich also, inwieweit das natürliche Verhalten des Menschen menschlich oder inwieweit das das menschliche Wesen ihm zum natürlichen Wesen, inwieweit seine menschliche Natur ihm zur Natur geworden ist. Marx/Engels Gesamtausgabe, Ökonomisch-Philosophische Manuskripte S.113
Einige weiterführende Bemerkungen:
In den Pariser Manuskripten schreibt Marx, es gelte im Hinblick auf die Errichtung einer neuen Gesellschaft den Widerspruch zwischen der Ehe (Form des exklusiven Privateigentums) und der Prostitution (Frau= gemeinschaftliches und gemeines Privateigentum) aufzuheben. Kursbuch 35 S.131,
Es wird gesagt
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Sexuelle Unterwelt (Bordell...): stehe für käufliche Liebe
= Sex ( Mann= hart, aggressiv) Der/Die Prostituierte bekommt für
ihre Rolle das Geld des Mannes/der Frau und die Verweigerung des
Orgasmus. Die Bestätigung seiner Männlichkeit ist
gleichzeitig die vollständige Verleugnung seiner Männlichkeit,
wenn er sich darauf reduziert.
Bürgerliche Dauerbeziehung (Ehe) Liebe = Zärtlichkeit,
Geborgenheit, Sicherheit
( Frau = verletzt, weich, verständnisvoll, zärtlich) Ebensolche Reduzierung.
Ist nicht beides ein verqueres und völlig entfremdetes Verständnis?
Gilt es nicht, sich des Widerspruch in dem Männer/Frauen zugeschriebenen Rollenverhalten bewusst zu werden und für seine Aufhebung zu kämpfen?...!
Natürlich können/sollen wir nicht auf kommunistische Zeiten warten, sondern müssen diese Frage auch heute schon anpacken. Klar können wir die Entfremdung im Kapitalismus nicht aufheben, aber wir können sie bewusst thematisieren, reflektieren und solidarische Beziehungen miteinander aufbauen. Immer im Bewusstsein seiner gesamtgesellschaftlichen Einbettung des kapitalistischen Systems aber auch im Aufbruch, im Ringen „alt gegen neu“ für eine revolutionäre Veränderung, für eine neue kommunistische Gesellschaft.
Frausein im Kapitalismus heißt 5 grundsätzlichen Verhältnissen „ausgeliefert“ zu sein:
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Der gesellschaftlichen Arbeit
Der Hausarbeit
Den Kindern
Der Familie
Der Sexualität
Familie als Reproduktionsfaktor im Kapitalismus, um wieder fit zu werden für den täglichen Job...Familie als systemstabilisierende Einrichtung.
Was ist mit der „Institution Familie“ im Kommunismus, wo die Menschen auf Freiwilligkeit basierende Beziehungen eingehen? Sind die Bedürfnisse klar?
Was ist eine Beziehung?
Kursbuch 35 S.13.: Beziehung = bewusster Prozess, in dem die Hemmungen überwunden und Möglichkeiten und Potentiale erarbeitet werden.(„Arbeit“ im nicht entfremdeten Begriff.)
Jede Ideologie trägt den Stempel des Klassenkampfes.
Liebe ist in Wirklichkeit nichts
- von der Klassenwirklichkeit Abgetrenntess
- Magisches oder Unerklärliches, Schhiicksalhaftes,
- magnetisch Anziehendes, vom Himmel Gefaalllenes
Eine „revolutionäre Liebe“ (die Idee davon...) hat etwas zu tun mit
- gemeinsamer reflektierter und angeeigneetter Vergangenheit, Praxisbewältigung,
- bewusstem, solidarischem Bezug in Achtuunng aufeinander
- gemeinsamem Kampfeswillen,
- gesellschaftlichem Klassenbezug ....>
Marx, Deutsche Ideologie: Die Aneignung einer Totalität von Produktivkräften ist schon deshalb die Entwicklung einer Totalität von Fähigkeiten in den Individuen selbst.
Aber die Entwicklung der entsprechenden Bedürfnisse, Beziehungen, Prozesse ist Arbeit, will bewusst gemacht werden.
(Spannend, Arbeit einmal als nicht entfremdete Arbeit zu betrachten.)
Dialektik von Sein und Bewusstsein
2faches radikales Brechen notwendig. Es reicht nicht die Ökonomie zu verändern , sondern das alte Denken und Empfinden muss sich auch in den Köpfen und Herzen der Menschen verändern. Es gibt keinen Automatismus. Es steht nicht: verändertes Sein = verändertes Bewusstsein, sondern es wird ein bewusster Kampf um die Veränderung in den Köpfen, Herzen ... stattfinden.
Die neue kommunistische Gesellschaft entsteht nicht aus dem Neuen, sondern aus dem alten, der alten Gesellschaft, ihrer Ideologie... Deshalb gibt es den Kampf zwischen dem Alten, der Tradition und dem nach vorne gerichteten Bewusstsein.
Emanzipation der Frau
Voraussetzungen:
-
Integration in den Produktionsprozess
Erkenntnis, dass die herrschende Familienstruktur durch die
jeweils gültige, herrschende Produktionsweise bestimmt ist.
Mit der Umwälzung der
kapitalistischen Produktionsweise ist die sozialökonomische Grundlage für die
patriarchalische Herrschaft des Mannes über die Frau entzogen.
Organisierung innerhalb der organisierten Arbeiterklasse, in ihren
Organisationen...
Dann erst ist die Emanzipation der Frau in der neuen Gesellschaft sozial, geistig, politisch ...möglich und sie kann ein „natürliches“, gleichberechtigtes Verhältnis zum Mann entfalten und verwirklichen.
„Für die Arbeiterklasse bedarf es zur Erfüllung ihrer Mission nicht einer Dienerin des Mannes, nicht eines unpersönlichen Hausgeschöpfes, das mit passiven weiblichen Tugenden ausgestattet ist, sondern einer gegen Sklaverei jeder Art sich aufrichtenden, rebellierenden Persönlichkeit, eines aktiven, bewussten, gleichberechtigten Mitglieds der Gemeinschaft, der Klasse“. A.Kollontai, Die neue Moral und die Arbeiterklasse,S.48f.
Was ist mit der sexuellen Emanzipation?
Was ist mit einer proletarischen Geschlechtsmoral?
Die Frage danach darf nicht einfach unter der Kategorie „Überbau“ abgetan werden, nach dem Motto, es gäbe dafür keinen Platz, bevor nicht die gesamte ökonomische Basis geändert ist. So schematisch geschehen die Prozesse nicht. In Wirklichkeit ist es so, dass jede Ideologie (Ideologie = System an Klasseninteressen gebundener Anschauungen) sich bereits im Kampf bildet und Einfluss nimmt, und nicht erst nach Abschluss einer Etappe pol./ökonomischer Umwälzung.
Folglich ist die Schaffung einer proletarischen Ethik, proletarischer Kultur und Sexualmoral ebenso wichtig wie die Eroberung der politischen Macht und die Veränderung der ökonomischen Verhältnisse. Kollontai, Alexandra: Die neue Moral und die Arbeiterklasse S.138f . Diese von A. Kollontai aufgeworfene Fragestellung wurde u.a. in der russischen Revolution sträflich vernachlässigt.
Siehe hierzu auch die Dialektik von Ökonomie und Alltagsleben
(Trotzki: zu Fragen des Alltagslebens) Trotzki hat völlig zurecht die Bedeutung der Alltagsfragen hervorgehoben.
Zur Bedeutung der tiefverwurzelten psychischen und zwischenmenschlichen Strukturen und Beziehungen. (Siehe hierzu auch Reich: Die sexuelle Revolution, Fft 1972, S.183)
Sexualität, Sensibilität und Emotionalität sind materielle Gewalt. Nicht nur Reflex der jeweiligen ökonomischen Bedingungen sondern sie beeinflussen selber die ökonomischen Verhältnisse und müssen in den revolutionären Prozess und in den Aufbau einer neuen, kommunistischen Gesellschaft von Anfang an mit einbezogen werden.
(A.Tröger, in seinem Nachwort zu A. Kollontai: Die Situation der Frau in der gesellschaftlichen Entwicklung , Fft, 1975, S 261 f)
Ansonsten wird die Revolution scheitern, nicht nur, wie Trotzki 1936 meinte, an der wirtschaftlichen und kulturellen Rückständigkeit, sondern auch daran, dass die sexualpolitische Dimension nicht berücksichtigt wurde.
Trotzki: „40 Millionen sowjetischer Familien blieben (nach der Revolution) Brutstätten einer mittelalterlichen Daseinsweise weiblicher Knechtschaft und Hysterie, täglicher Erniedrigung der Kinder und des weiblichen und kindlichen Aberglaubens. (Trotzki, die gescheiterte Revolution, Fft. 1968, S.14)
Soweit erst einmal einige Gedankenstücke, die vielleicht die Diskussion ein wenig anregen können. Über Eure Rückmeldung würde ich mich freuen.
Ich wünsche Euch eine spannende und lebendige Diskussion
Viele Grüße
Mischa
Verwendete, mir hilfreiche und eventuell weiterführende Literatur:
Duhm, Dieter: Warenstruktur und zerstörte Zwischenmenschlichkeit, Frankfurt 1975
Duhm, Dieter: Der Mensch ist anders, Lampertheim 1976
Richter, Horst E.: Engagierte Analysen, Reinbeck 1978
Fromm, Erich: Haben und Sein, München 1979
Klaus, G. und Buhr, M.: Philosophisches Wörterbuch Bd 1 + 2, Westberlin 1985
De Beauvoir, Simone: Das andere Geschlecht, Hamburg 1988
Bebel, August: Die Frau und der Sozialismus, Stuttgart 1921
Marx, Karl: Die Frühschriften, Stuttgart 1971
Marx, Karl: Manifest der kommunistischen Partei, Berlin 1979
Marx, Karl: Ökonomisch-philosophische Manuskripte, AW , Berlin 1988
Engels, Friedrich: Der Ursprung der Familie...Berlin 1977
Zetkin, Clara: Zur Theorie und Taktik der kommunistischen Bewegung, Leipzig 1974,
hier: Zur Frauenfrage
Trotzki, Leo: Die verratene Revolution, Frankfurt 1968
Trotzki, Leo: Ihre Moral und unsere, Flugschrift 8, Berlin 1967
Trotzki, Leo: Zu Fragen des Alltagslebens, Dortmund 1977
Trotzki, Leo: Literatur und Revolution, Wien 1924
Lukacs, Georg: Geschichte und Klassenbewusstsein, Neuwied 1968.
Kollontai, Alexandra: die neue Moral und die Arbeiterklasse, Münster 1977
Kollontai, Alexandra: die Situation der Frau in der gesellschaftlichen Entwicklung, Fft 1977
IKS Broschüre: Kommunismus
Bookchin, Murray: Die Formen der Freiheit, Telgte 1977
Reich, Wilhelm: Die Entdeckung des Orgons, Fft 1976
Reich, Wilhelm: Die sexuelle Revolution, Fft 1975
Bölke, Gundula: Die Wandlung der Frauenemanzipationsbewegung, Göttingen 1975
Kuntze, Peter: China, Revolution in der Seele, Fft 1977
Broyelle, Claudie: Die Hälfte des Himmels, Berlin 1973
Meulenbelt, Anja: Feminismus und Sozialismus, Hamburg 1980
Kursbuch 35, Berlin 1974
Kursbuch 47, Augsburg 1977
O`Neill, Nena und George: Die offene Ehe, Bern 1977.
Belli, Gioconda: diverse Romane und Gedichtbände
....Einige der oben genannten Bücher sind im Buchhandel vergriffen, aber über Büchereien, übers Internet ebay, oder über Bücherantiquariate (beispielsweise booklooker.de u.a.) teilweise recht günstig zu bekommen.