Korrespondenz
Juni 2008
Betreff: Antwort und Anmerkungen zur Synthese 280608
„Lohnarbeit, Entfremdung, Verelendung – wie können wir Arbeiter damit umgehen?“
Bemerkung: Die Antwort und die Anmerkungen des Genossen sind in kursiv.
Ich habe die Synthese, die ich prima fand, noch einmal für mich zusammengestellt und einige Anmerkungen dazu aufgeschrieben.
Obwohl das o.g. Thema ein sehr wichtiges Thema ist, wurde es trotzdem sehr selten in der Arbeiterbewegung diskutiert.
Eine Genossin stellte noch mal sehr eindrücklich ihre Schwierigkeiten bei der Arbeit mit nicht selten Todkranken dar, die Verschlechterung der Arbeitsbedingungen, die deswegen immer schlechtere Versorgung der Patienten, dass alle vom/von der einzelnen KrankenpflegerIn unternommenen Initiativen versanden oder torpediert werden, dass der Zustand der Patienten, die kommen, immer schlechter ist und sie deswegen zusätzlicher Pflege bedürften.
Eine besondere Belastung ist auch, mit dem Tod zu tun zu haben, der zum Leben dazu gehört. Es bedrückt zu sehen, wie das Leben künstlich lange erhalten wird, nur deswegen, weil bestimmte Behandlungsmaßnahmen, viele Punkte bei der Abrechnung mit den Krankenkassen einbringen.
Der finanzielle Aspekt ist aber nicht der einzige Grund, Menschen so lange künstlich am Leben zu halten, selbst wenn man weiß, dass sie nicht mehr zu retten sind. In der bürgerlichen, vor allem der westlichen Gesellschaft der letzten 100 Jahre, sowie in der bürgerlichen Medizin herrscht eine sehr eigenartige Auffassung vom Tod. Der Tod wird als Niederlage gesehen gegen die man sich stemmen muss, und das spielt mit eine Rolle dabei, Kranke lange künstlich am Leben zu halten. Der Tod ist eine existenzielle Sache im menschlichen Leben und im revolutionären Geschehen muss die Arbeiterklasse ein anderes Verhältnis zum Leben wie zum Tod gewinnen.
Für die wissenschaftlichen Mitarbeiter in der medizinischen Forschung drängt sich immer mehr die Erkenntnis von der sozialen Bedingtheit der Krankheiten und von der finanziellen und politischen Notwendigkeit einer Vorsorgemedizin auf. Aber im Kapitalismus sind diese Erkenntnisse nicht bzw. nur sehr begrenzt in die Praxis umzusetzen und die Universität als kapitalistische Institution ist nicht gerade förderlich, den Charakter der bürgerlichen Gesellschaft zu erforschen, zu entlarven und anzuprangern.
Präventiv, also vorsorglich zu intervenieren, stellt sich auch in der sozialen Arbeit als immer sinnvoller dar. Knackpunkt ist, wie auch im medizinischen Bereich, die Tatsache, dass dafür keine/zu wenig Gelder und Personal und Räumlichkeiten freigegeben werden und wenn, dann erst nach massivem Druck von unten. Ein gelungenes Beispiel kommt aus den Niederlanden: Dort hat es nach langem Ringen eine Initiative von über 50jährigen Witwen gegeben, die gemeinsam mit einer Sozialarbeiterin 14tägig zusammen gekommen sind und ihre Schwierigkeiten des Umgangs mit dem Tod ihrer Männer besprochen haben. Dieses Erleben, nicht allein mit diesen Sorgen, Nöten und Ängsten zu sein, sich austauschen und gegenseitig helfen zu können war eine tolle Erfahrung und hat sicher einigen Frauen den Weg in die Verzweiflung, in die Drogen, zum Arzt oder zum Psychiater erspart.
Ein Zirkelteilnehmer sagte, dass wir alle immer mehr mit dem Elend konfrontiert sind und wir diesem Elend unmittelbar und erst einmal hilflos gegenüberstehen.
„…mir scheint es manchmal, dass das Bewusstsein über den Grad der Barbarei und der Krise, in der das System steckt, die Situation noch verschlimmert. Es scheint noch eine zusätzliche Belastung zu sein, sich noch Gedanken über das gesellschaftliche System im Ganzen zu machen, als ob ich nicht schon genug Probleme hätte…“.
Ich kann diese Ermüdungs- und Erschöpfungstendenzen sehr gut nachvollziehen. Es lastet auf den Schultern der heute noch sehr geringen revolutionären Kräfte eine ungeheure Verantwortung. Es gehört eine ungeheure Energie und Zuversicht dazu, die Dinge realistisch so zu sehen wie sie sind: zusammenhängend in Bewegung und im historischen Prozess. Wenn wir diesen Zusammenhang nicht sehen, verzetteln wir uns, zerreiben unsere Kräfte im Teilkampf, in der Resignation oder im Selbstmitleid und jedweder Spaltung.
Wir müssen lernen uns selber als Teil des Ganzen zu begreifen. Eine solche Herangehensweise und Haltung, die tausendfach eingeübt werden muss, weil wir täglich anders funktionieren (sollen), kann Mehreres verhindern:
eine Sichtweise, die heißt, ich bin schuld an der ganzen Barbarei und
ich bin alleine jemand, dem es so geht.
das Absaufen in der eigenen Ichgefangenheit durch den sogenannten Hubschrauberblick. Ich trete neben mich und schaue dann . Ich bin nicht allmächtig, und Allmachtsphantasien haben auch noch niemanden weitergebracht. Ich kann nur begrenzt helfen, der Kapitalismus aber bringt Millionenfaches Elend, ….
dass wir vergessen, dass wir als Teil der Klasse eine Menge an Waffen in der Geschichte geschmiedet haben, derer wir uns wieder erinnern müssen: Das Bewusstsein und die Erkenntnis von der Möglichkeit und der Notwendigkeit des internationalen Austausches und des Zusammenkommens.Ein solcher Ansatz als Teil der Klasse mit viel Geduld und Spucke und Humor, kann in meinem Erleben durchaus auch entlastend sein.
Die Barbarei, wovon Rosa Luxemburg gesprochen hat, geschieht vor unseren Augen. Sie wird immer schlimmer. Wir müssen uns gegen sie und den Abbau des Sozialstaates, von dem auch die sozialen Berufe zunehmend betroffen sind, wehren und ihr unseren Kampf für den Kommunismus entgegensetzen.
Wenn man die Vereinzelung sieht, die Zerstörung der Solidarität, dass die Geschichte der Arbeiterklasse bei den Meisten aus dem Gedächtnis gestrichen ist, kann man schon verzweifeln. Wir kämpfen schon so lange, und trotzdem scheint es, als ob sich nichts bewegt. Wir dürfen nicht die Geduld verlieren, gesellschaftliche Veränderungen dauern sehr lange; und der Kapitalismus ist noch eine sehr junge Gesellschaft.
Aber in dem Maße, wie man bewusst handelt und Einsicht in die Zusammenhänge und Notwendigkeiten hat, ertrinkt man nicht mehr in Selbst/Mitleid. Es gibt keine andere Möglichkeit, als zusammen zu kommen und zusammen zu kämpfen, stark zu werden und eine immer bewusstere Perspektive aus dem Elend zu entwickeln. Oft überwiegt das Gefühl: In meinen Beruf kann ich das Elend manchmal nicht mit ansehen, ich will meine Menschlichkeit nicht verlieren. Das Elend ist grundsätzlich nur zu besiegen durch den bewussten, kollektiven und internationalen Massenkampf der Arbeiterklasse.
Es ist gut sich jeden Tag Gedanken über die Gesellschaft zu machen, die über den Rahmen der gegenwärtigen Gesellschaft hinausgehen, sich zu fragen, wer bin ich? Im Kopf zu haben, dass ich der Arbeiterklasse angehöre und welche Ziele diese Klasse hat.
„Kampf gegen die Arbeit“ Es wird heute vielfach der Kampf gegen die Arbeit propagiert, so u.a. von Robert Kurz: möglichst wenig arbeiten, möglichst viel Geld vom Staat abkassieren, und wenn man arbeitet, möglichst viel Sabotage betreiben, und möglichst oft krankfeiern.
Die Sabotage bringt letztendlich nicht viel, häufig schadet sie . Es tut mal ganz gut, Macht zu erfahren, dass man die Produktion, den Versand…die Computer und Maschinen, Kommunikations- Energie- oder Verwaltungsströme etwas lahm legen kann, aber das mutwillige, alleinige Zerstören von Produktionsmitteln/Sachen ist nie Sache der Arbeiterklasse gewesen. Die Zeit der bewusstlosen Maschinenstürmerei ist vorbei und das ist gut so. Sie war Ausdruck einer bestimmten „Reife“ und Erkenntnis in der Klasse. Die bewussten Teile der Arbeiterklasse haben ein anderes Ziel: Die Zerschlagung der alten Gesellschaft und den Aufbau der kommunistischen Gesellschaft. Hierzu müssen sie „Sand im Getriebe des Kapitalismus und seiner Logik sein“, sich zusammentun, diskutieren, austauschen und gemeinsam politisch aktiv werden. Wenn sie streiken und den Arbeitsplatz verlassen, um mit anderen ArbeiterInnen zusammenzukommen, ist dies eine viel größere und nach vorne gerichtete Intervention.
Was das Krankfeiern angeht. Mensch sollte schon gerade heute, wo wir durch verschärfte Arbeitshetze und immer weniger Personal, immer schwierigere Lebens- und Arbeitsbedingungen deutlich angeschlagener sind auf seine Gesundheit achten. Das heißt, wenn es ihm nicht gut geht, den Arzt aufsuchen, gegebenenfalls krankfeiern, in Kur gehen, wenn möglich Stunden reduzieren, bewusst und reflektiert im Gespräch mit den KollegInnen sein….
Gleichzeitig muss er sich aber darüber im Klaren sein - ohne dass ihn dafür eine Verantwortung trifft, denn diese Zustände liegen in der Logik des kapitalistischen Systems -, dass dies nur auf die Knochen der anderen geht. Es wird niemand mehr eingestellt und letztendlich müssen die KollegInnen die Arbeit machen, oder sie bleibt liegen, notfalls werden eben die Patienten/Klienten/Kunden weniger oder unzureichend versorgt.
Diesen Zusammenhang müssen wir deutlich machen: „Gute“ Arbeit ist nur machbar, wenn es auch den Arbeitern gut geht, ausreichend Personal vorhanden ist und in einer menschengerechten Arbeitswelt diese Arbeit verrichtet werden kann.
Wenn man den Weg des „Kampfes gegen die Arbeit“ geht, wie Kurz ihn propagiert, gerät man schnell in die Marginalisierung und Isolation.
Welche Einstellung haben Marxisten zur Lohnarbeit? Im 19. Jahrhundert, als die Sozialdemokratie noch die Partei der Arbeiter war, waren die sozialdemokratischen Arbeiter die intelligentesten, gebildetsten, verantwortungsvollsten und natürlich aufmüpfigsten. Ihre Einstellung zur Arbeit: Wir verhalten uns so, als ob wir schon die Besitzer wären, weil wir ja bald den Laden selbst schmeißen.
Das Problem ist, dass wir natürlich vieles viel besser wissen und einschätzen können als unsere Chefs, aber sie lassen uns nicht ran, lassen uns nicht machen. Weder die großen Dinge, noch wirklich das Tagesgeschäft. Sie kleben, ohne oft wirklich Ahnung vom (Tages)Geschäft zu haben, an der Macht, die notwendig ist, damit dieses System funktioniert. Etwas Anderes ist für sie undenkbar.
Eine Richtschnur nicht nur für die Arbeit im sozialen Bereich könnte sein:
Sich nicht von der Arbeit auffressen lassen, dabei nicht kaputt gehen und die Patienten, die Schüler, die Klienten so gut es geht versorgen.
Es tauchte die Frage auf, ist es gut, z.B. die Eltern in die Sozialarbeit oder die Hausaufgabenbetreuung in Schulen oder Wohngruppen mit einzuziehen oder die Anverwandten bei der Pflege und Betreuung von unheilbar Kranken. [gute Sache, so fühlen sich zumindest diejenigen, die mithelfen wollen, nicht ausgegrenzt, abgeschoben oder entmündigt].
Aber nimmt man dadurch nicht Arbeitsplätze weg wie bei den 1 Euro - Jobs oder bei ehrenamtlicher Tätigkeit auch?
Das Kapital ist natürlich an der Verbilligung der Arbeitskraft interessiert und ist bemüht, die Menschlichkeit der Leute für ihre Zwecke zu missbrauchen und zu pervertieren! Das Kapital ist gezwungen, den Wohlfahrtsstaat zu demontieren, dessen Zweck u.a. darin bestand, die proletarische Solidarität unnötig zu machen und die Proletarier darauf zu lenken, der ‚Vater’ Staat macht es bei Arbeitslosigkeit oder Krankheit schon so, dass jeder einzeln dem Staat gegenüber da steht.
Die Demontage des Wohlfahrtstaates zwingt die Arbeiter, sich wieder auf einen ihrer Wesenszüge zu besinnen: auf die proletarische Solidarität.
Dies bedeutet, die kapitalistische Logik und Sichtweise zu verlassen und uns deutlich zu machen, dass es neben dem Kapitalinteresse, billige oder ehrenamtliche Kräfte einzusetzen, und damit Geld zu sparen, noch eine andere Sichtweise gibt. Ausgangspunkt muss sein, dass die Klienten so gut wie möglich versorgt und behandelt werden, gleichzeitig müssen wir uns aber auch gegen ein Einbahnstraßen - Expertendenken zur Wehr setzen. Ich weiß, dass das heute, wo massiv Kräfte abgebaut werden eine Gratwanderung ist, Familienangehörige, Rentner, die ganz häufig ein tolles Wissen und große Menschen- und Lebenserfahrung haben – was für eine Ressource liegt da brach und krebst vor sich hin…- oder sogenannte „Nichtfachkräfte“ einzusetzen.
Ich wollte nur auf den anderen Blickwinkel hingewiesen haben.
Es gibt z.B. in den Niederlanden hervorragende Sozialarbeiter/Streetworker im Helfergeflecht, die früher Bäcker oder Metzger waren.
Ein weiterer Gesichtspunkt ist, dass es sehr gut ist, wenn die Familiennetzwerke auch Verantwortung übernehmen und aktiv im Hilfeprozess mit Kinder/Jugendlichen und jungen Erwachsenen oder anderen Tätigkeiten eingebunden sind. In Neuseeland/Australien und z.B. in den Niederlanden gibt es sehr gut funktionierende Familiengruppenkonferenzen - in Ansätzen auch in Deutschland -, in denen die Familien, die ein Problem haben, moderiert/begleitet ihre Probleme selber lösen und alle familiären Ressourcen aktivieren. (Hilfe zur Selbsthilfe).
Natürlich steckt im bürgerlichen Apparat (Jugendamt/Behörden) die Verpflichtung und der Versuch dahinter, Gelder und Personal zu sparen, indem man keine Träger der Hilfelandschaft nimmt. Aber es gibt eben auch den guten Punkt dabei, dass die Familien wieder Vertrauen in die eigene Kraft entwickeln, sich aufeinander stützen, zu einander Vertrauen aufbauen… und nicht marionettenmäßig von den Ämtern gelenkt werden.
Zur proletarischen Art, mit der Arbeit umzugehen:
- Klassenbewußte Arbeiter
nehmen aufeinander Rücksicht und gehen einander zur Hand;
machen die Arbeit gut, das nützt zwar auch den Kapitalisten, aber im Endeffekt bringt das vor allem uns weiter.
trainieren jetzt schon für die Zukunft. Die Leute, die den Kampf gegen die Arbeit führen, und schlechte Arbeit machen, schaden zwar den Kapitalisten, aber noch mehr sich selber als revolutionärem Subjekt.
tragen Verantwortung, gestehen Fehler ein,
interessieren sich für Zusammenhänge;
sind kameradschaftlich und (selbst)/kritisch,
stärken einander, sehen die Stärken und die Schwächen von Kollegen, bauen auf den Stärken auf.
kritisieren solidarisch und sachlich, machen nicht die Person nieder,
erkennen Prioritäten, setzen in Zusammenhang
diskutieren fachlich mit den Kollegen sind aber nicht korporatistisch befangen;
wissen, dass Bildung notwendig ist und tun etwas dafür, interessieren sich für Geschichte und Zusammenhänge.
Trotz allem Anecken und Bremsen von oben und oft leider auch häufig von den Kollegen, muss man an seinen Prinzipien festhalten, weil sie sich auf die Dauer als große Kraft erweisen werden, bzw es in der Vergangenheit getan haben.
Das oben Beschriebene wird erst eine wirkliche Kraft, wenn man sich bewusst ist, dass man damit ein Prinzip vertritt, das der gegenwärtigen Gesellschaft der Konkurrenz, des Chaos, des Profitstrebens ganz entgegengesetzt ist. Man handelt mit der Perspektive, eine neue menschliche Perspektive zu erkämpfen. Hierzu muss man sein proletarisches Verhalten im Alltag mit dem verbinden, was heute weltweit an Kämpfen, Haltungen und Herangehensweisen des Proletariats, unter kritischem Einbezug der historischen Erfahrung, vorhanden ist.
In den Arbeitern steckt eine große Potenz, ein riesiges Wissen und ein Meer an geschichtlichen und kulturellen Erfahrungen. Sie können alles, dürfen aber nichts. Das Kapital braucht eine gebildete Arbeiterklasse, das erhöht die Produktivität und damit den Profit und gleichzeitig braucht sie clevere Arbeiter, die die Verdummung, Spaltung und Unterdrückung der Klasse vorantreiben. Aber sie kann nicht verhindern, dass einer, der ein Physikbuch oder die Bibel lesen kann, auch das Kommunistische Manifest liest, sich mit seinen KollegInnen zusammensetzt und sich laut Gedanken macht und diese in Taten umsetzt.
*** Es tauchte die Frage auf, ob man nur in ganz bestimmten sozialen
Berufen ein „guter“ Arbeiter sein kann?
Es wurde geantwortet, dass es in der deutschen Revolution gerade auch die hochqualifizierten Arbeiter in der Kriegsindustrie waren, die vorne an in der Revolution standen. Die Arbeiter der Kriegsindustrie diskutierten in den Fabriken, wie man diese modernste Technik zum Nutzen der Menschen einsetzen könnte. Auch ein Schaffner kann gute Arbeit leisten. Er kommt zwar nicht an seiner Kontrollfunktion vorbei – auch dabei hat er einen gewissen Spielraum -, aber sonst kann er den Reisenden äußerst behilflich sein und manche von ihnen verbreiten sogar eine freundliche Stimmung.
Geht das überhaupt zusammen „guter“ Arbeiter sein und Kommunist sein?
Was ist am Arbeiter gut? Der Kapitalist stellt Regeln auf, die Arbeiter dürfen nicht aufmucken. Wenn ein Arbeiter das alles erfüllt, was der Kapitalist verlangt, ist er kein Kommunist mehr. Wir müssen darüber noch genauer und tiefer diskutieren.
Es ist gerade die Lohnarbeit in ihrem widersprüchlichen Charakter: einerseits kollektiv und weltweit vergesellschaftet Gebrauchswerte für die Menschen herzustellen, ebenso abstrakten Reichtum für die Kapitalisten und damit die Macht, die zum Untergang der Menschheit führt. Sie beinhaltet aber auch die Potenz, die Sprengkraft, die Notwendigkeit und Möglichkeit, die Warenwirtschaft und die Profitwirtschaft zu überwinden. Dies gerade deshalb, weil die Arbeiter am eigenen Leib erfahren, was es heißt, zur Ware herabgewürdigt zu sein, den Gesetzen des Marktes zu unterliegen und gleichzeitig als kollektiver, weltweit vergesellschafteter Produzent eine Perspektive entwickeln zu können.
Das Ziel des proletarischen Kampfes ist die Aufhebung der Lohnarbeit und die Wieder- und Neugewinnung der menschlichen Würde. Wie können wir die menschliche Würde wiedergewinnen, wenn wir nicht schon jetzt täglich im Kleinen versuchen, unsere Würde zu behaupten, und uns zu wehren? Im größerem, umfassenderen Maße erobert das Proletariat seine Würde erst im Laufe der kollektiven Massenkämpfe zurück.
*** Die Frage wurde gestellt, ob nicht auch reiche Leute ihr Geld zum Wohl der Menschheit verwenden können?
Diese Fragestellung ermöglichte es, den Unterschied zwischen der bürgerlichen und der proletarischen Solidarität zu beleuchten. Wenn die Reichen spenden, stellen sie dabei das kapitalistische System nicht in Frage, sondern wollen nur die Auswüchse da und dort mildern. Es verhindert nicht, dass gleichzeitig im Ganzen das Elend immer mehr zunimmt. Die bürgerliche Solidarität arbeitet mit Schuldgefühlen. Sie machen die Menschen schwach, und lassen die Köpfe sinken. Bei der bürgerlichen Solidarität wird die Hilfe den Armen als Almosen zu Teil. Proletarische Solidarität ist dagegen eine gegenseitige Sache, ist ein Teil der kollektiven Selbstbefreiung.
***Als weitere Frage wurde aufgeworfen, ob Selbstverwaltung etwas Nützliches ist oder nicht?
Es wurde aber nicht darüber diskutiert. Das wäre eine Fragestellung für das nächste Treffen. Noch ein Thema wäre die nicht beantwortete Frage, ob das Recht auf Arbeit ein Grundrecht ist.
Soweit ich das aus der Synthese ablesen konnte, war dies eine sehr lebendige und spannende Diskussion an einer sehr wichtigen Frage, die sicher noch strukturierter und vertieft weitergehen wird.
machts gut!
Kommentar eines Lesers des Kommentars
Denke, dass man auf diese Weise ein Diskussionsforum im Internet aufbauen könnte. War sehr angetan von dem Kommentar.