Diskussionssynthese - Krise des Kapitalismus II - Politischer Diskussionszirkel Rheinland

Politischer Diskussionszirkel Rheinland

Versuch einer Synthese zum politischen Diskussionszirkel vom 11.06.2005, wo es um die Frage ging:

Wie konnte der Kapitalismus des 19Jahrhundert Krisen überwinden?


Die Diskussionsfragestellung ist beim vorhergehenden Diskussionszirkel, bei dem die Fragestellung der wirklichen zugrundliegenden Zusammenhänge der Krisen und der Funktionsweise des Kapitalismus diskutiert wurde, festgelegt worden. Und zwar deshalb, weil die Teilnehmer der Auffassung waren, dass eine weitergehende Diskussion zum Verständnis der Krisen im Kapitalismus notwendig ist um zu verstehen, wie der Kapitalismus funktioniert; was die grundlegenden Wiedersprüche des Kapitalismus sind und warum der Kapitalismus bis heute überleben konnte. Durch diese Art des Verlaufs der Diskussionen ist die Frage der „Krise im Kapitalismus“ zum dritten Mal in Folge diskutiert worden, wobei das etwas weitergehende aber ungenügende Verständnis, das aus einer Diskussion resultierte dazu führte, die resultierende Fragestellung in der folgenden Diskussion weiter zu diskutieren.

Da in Bezug auf die Synthese zum letzten Diskussionszirkel Fragen dazu aufgekommen sind welche Art von Synthese am besten sei, haben wir versucht, Klarheit über die Frage der Form einer Synthese zu schaffen, wo der eigentliche Verlauf der Diskussion dargestellt wird.

Im wesentlichen ging es darum eine synthetische Zusammenfassung zu erstellen, die die wesentlichen Erkenntnisse der Diskussion wiedergibt.

Diese Position wurde erweitert, indem dargelegt wurde, wie wichtig die Darstellung über den Verlauf der Diskussion ist mit ihren unterschiedlichen Positionen, unterschiedlichen „Diskussionssträngen“ und dem Mitverfolgen der Übergänge (z.B. Bündelung anfänglich verschiedener Diskussionsansätze zu einer weiterführenden Fragestellung im Diskussionsverlauf).

Dies soll deutlich machen, dass die Form der Diskussion eine „proletarische“ Tradition hat, in der diskutiert wird, um gemeinsam etwas zu verstehen und nicht um sich mit bestimmten Positionen darzustellen.

Dazu bedarf es einer Methode, um die Diskussion fruchtbar zu machen, an deren Regeln sich die Teilnehmer halten sollten (einander ausreden lassen, die Diskussion unterstützen, sich unterscheidende Positionen weiterführend diskutieren um Klärung zu schaffen...).


Zu Beginn der Einleitung wurde aufgezeigt, dass die Fragestellung der Diskussion aus den Fragestellungen am Ende der letzten Diskussion resultiert sind, insbesondere aus der Frage „Wie konnte der Kapitalismus trotz der ganzen Krisen bis heute überleben“?

Um die Krisen des Kapitalismus zu verstehen, wurde die Frage gestellt: Was ist das Spezifische am Kapitalismus?

Ausbeutung und Mehrarbeit hat es schon in vorhergehenden Gesellschaftsformen gegeben. Doch die Mehrarbeit im Kapitalismus ist nicht wie früher für den Luxus der Herrschenden bestimmt, sondern für die Akkumulation. Die Produktion ist im Kapitalismus nur auf den Markt ausgerichtet. Die Auswirkung ist die Überproduktionskrise, (da der kauffähige Absatzmarkt ab einen bestimmten Punkt gesättigt ist).

Überproduktion war in den „vorkapitalistischen“ Gesellschaftsformen ein Glücksfall (z.B. erntereiche Jahre) für die Bedürfnisse der Menschen, (da nun auch die Bauern einen größeren Teil Ihrer Ernte behalten konnten und Teils von den Herrschenden große "gönnerhafte" Feste für das Volk gegeben wurden). Im Kapitalismus bedeutet Überproduktion, dass die für den Markt bestimmte Produktion nicht mehr realisierbar ist.

Warum hat der Kapitalismus ein so enormes Produktionspotential? Der Kapitalismus gründet nicht auf Einzelarbeit (von Handwerkern oder Bauern), sondern auf assoziierter Arbeit und dies ermöglichte eine enorme Produktivitätssteigerung. Und doch ist die spezifisch kapitalistische Produktionsweise begrenzt: Die über den Markt verbilligte Ware Arbeitskraft (aufgrund der Konkurrenz) begrenzt über den verminderten Konsum der Arbeiter den Markt und der Markt lässt eine Verteuerung der Ware Arbeitskraft nicht zu.

Warum hat also der Kapitalismus im 19. Jh. die Krisen immer wieder überwunden und warum hat er bis heute überlebt, obwohl der Kapitalismus die Krise der letzten Jahrzehnte nicht mehr zu überwinden in der Lage war?

Die Zusammenhänge der Krise und deren Überwindung sind zum tieferen Verständnis nachzulesen im Krisenkapitel des 3. Band des Kapitals von Karl Marx und als Synthese in „Anti-Dühring“ von Friedrich Engels und Karl Marx).


Hier ein Ansatz, eine Einführung für die Diskussion:

Die „Morgenröte“ der kapitalistischen Produktion beinhaltet den Austausch mit der nicht kapitalistischen Produktion („ursprüngliche Akkumulation“). Was bedeutete dies in der Geschichte des aufkommenden Kapitalismus? Bauern wurde das Ackerland geraubt und dieses z.B. in England zu Weideland Schafzucht) umfunktioniert, die Bauern wurden gezwungen, mittels dem Verkauf Ihrer Arbeitskraft in den Fabriken, zu überleben. Die kapitalistische Produktion wurde also mit Gewalt ausgedehnt. Dieser Zusammenhang ist im Referat und im Verlauf der späteren Diskussion noch mehrmals hervorgehoben worden. Diese gewaltsame Aufsaugung ausserkapitalistischer Bereiche sind nach Rosa Luxemburg nicht nur auf die Anfänge dieses Gesellschaftssystems beschränkt sondern permanent. Der Kapitalismus ist von Anbeginn auf Weltebene ausgerichtet und nicht erst auf Europa und dann später erst weltweit. Insbesondere gab es von Anbeginn einen Weltmarkt für Arbeitskräfte. Vor der marxistischen Ausarbeitung war es die allgemeine Auffassung (und sie ist noch heute oft anzutreffen), dass das kapitalistische Gesellschaftssystem auf Europa begrenzt war. Es kam nun die Frage auf, warum dieser Zusammenhang nicht schon eher erkannt wurde (in der späteren Diskussion wurde indirekt darauf eingegangen).


Diese allgemeine geschichtliche Einleitung in das Problem der kapitalistischen Krise ging über zur Anfangsphase des Kapitalismus, insbesondere im Hinblick auf den Übergang vom Sklavenhandel zur Lohnarbeit.

Ausgearbeitet wurde das Referat anhand eines Buches mit dem Titel „Von der Kolonialisierung Amerikas bis zu den Migrationen der Gegenwart“ von Lydia Potts (Junius Verlag, Erstauflage 1988). Hier können nur einige Aussagen des Referates wiedergegeben werden.

(Das vollständige Referat findet ihr auch auf dieser Homepage)

Es beschreibt z.B. die Zerstörung der Indianerkulturen und die Ausbeutung der Arbeitskraft der Indianer in den Silbermienen, häufig bis zum Tode der Arbeiter. Die Edelmetalle aus Amerika und später aus den Kolonien ermöglichten den Reichtum Europas (Spanien, Portugal... 16.- 17. J.H.). Um den Bedarf an Sklaven zu sichern, wurden später Sklaven aus Afrika transportiert (dabei starben aus Kostenkalkül ca. 1/3). Die Sklaven aus Afrika wurden verstärkt auf den Plantagen (Kaffee, Baumwolle für die englische Textilindustrie...) ausgebeutet. Der Sklavenhandel dehnte sich aus. Da auf den Sklavenhandel Steuern erhoben wurde, wurde der Versuch der "Sklavenzucht" verstärkt unternommen. Die durch Gewalt bewirkte Sklavenarbeit, der Sklaventransport und die Sklavenzucht beinhalteten auch die Abwehrversuche der Sklaven. In der ersten Hälfte des 19. J.H. benötigte die Industrie die Rohstoffe aus der Sklavenarbeit (der Sezessionskrieg und der Orientkrieg waren Ausdruck der Konkurrenz um die "Rohstoffquellen" (Produktionsorte mit Sklavenarbeit). Eine Verbesserung der Bodenkultivierung wurde auf Kosten der Sklaven erreicht. Immer größere Massen an Industriearbeitern mussten mit den Produkten der Sklavenarbeit ernährt werden.


In den folgenden Diskussionsbeiträgen wurde geäußert, dass das Referat gut war und die gewaltsame Ausbeutung der außerkapitalistischen Märkte und die damit verbundene Zerstörung der vorgefundenen Kulturen, die Ausbeutung und den Tod von vielen Millionen von Menschenleben, als Merkmal des kapitalistischen Gesellschaftssystems von Anbeginn gut und eindrucksvoll dargestellt hat.

Es wurde gesagt, wie es auch schon beim letzten Diskussionszirkel zur Sprache kam, dass die allgemeine Darstellung eines bösen, neben einem möglichen guten Kapitalismus eine ideologische Lüge ist und dass das Referat dies aufgezeigt hat.

Es wurde auch geäußert, dass insbesondere die Ideologie des Antifaschismus das Kalkül der kapitalistischen Produktionsweise ignoriert und die unmenschlichen Auswüchse als etwas außerhalb des normalen Geschehens im Kapitalismus sieht und diesem Unmenschlichen dem Namen "Faschismus" gibt.

Es wurde auf die "Einführung in die Nationalökonomie" von Rosa Luxemburg hingewiesen, in der die Behandlung der Sklaven, (z.B. 15 Millionen Tote Indios in den Bergwerken) als mitzuverfolgende Grundlage für den Werdegang des Kapitalismus zu erkennen ist (in der kapitalistischen Produktionsweise war die nutzbare Arbeitskraft der Sklaven aus den außerkapitalistischen Bereichen Mittel für die Akkumulation und wenn Menschenmassen nicht mehr vernutzt werden konnten waren sie wertlos). So wurden viele bis zum Tode ausgebeutet, wenn dies die kostengünstigste Möglichkeit war, so wie dies auch im Nationalsozialismus die Situation war. Dieser Zusammenhang ist systemimmanent und nicht eine Eigenschaft der Nazis wie uns der Antifaschismus glauben machen will.


In einem weiteren Redebeitrag wurde dargelegt, dass der "osteuropäische Traum" von einem guten Kapitalismus, so wie sich der Westen größtenteils vorstellt wurde, eine Lüge ist, da die kapitalistische Produktionsweise durch die Ausbeutung der Arbeitskraft funktioniert und dies bedingt eine ausgebeutete Arbeiterklasse und die Ausbeutung der außerkapitalistischen Gebiete.


Es kam zur Sprache, dass die Vorstellung, dass der Kapitalismus von Anfang an ein Weltsystem ist und dies seine Existenzbedingung ist, klärungsbedürftig ist, da im anderen Sinne der Kapitalismus erst ab dem ersten Weltkrieg weltweit ausgedehnt war.

Das Interesse zu verstehen, warum der Kapitalismus trotz Krisen bis heute überlebt war nicht auf einen Redebeitrag begrenzt. Da zu Beginn des ersten Weltkrieges die außerkapitalistischen Märkte gesättigt waren, aber andererseits auch heute noch außerkapitalistische Märkte existieren, sind die Wiedersprüche des Kapitalismus nicht so einfach zu verstehen.

Ein Versuch zur Klärung beizutragen war der Beitrag einiger Teilnehmer, indem erstens erneut die Feststellung Rosa Luxemburgs hervorgehoben wurde, dass der Kapitalismus bestrebt ist alle Teile der Welt in das kapitalistische System zu bringen, gleichzeitig aber nicht ohne außerkapitalistische Märkte als Quelle des Extraprofits überleben kann.

Wenn keine außerkapitalistischen Absatzmärkte mehr vorhanden sind entsteht eine neue Situation in der keine weitere Ausdehnung, Entwicklung mehr möglich ist.

Der Kapitalismus musste, damit die außerkapitalistischen Bereiche als kaufkräftige Märkte fungieren konnten, die außerkapitalistische Produktion zerstören und diese in die kapitalistische Produktion überführen (womit die neuen kapitalistischen Produktionsbereiche zu potentiellen Konkurrenten um Absatzmärkte wurden).


Eine anschließende Bemerkung: Aufgrund der weltweiten Konkurrenz fallen immer mehr Regionen heraus aus dem kapitalistischen Markt und so gibt es heute vermehrt wieder Subsistenzwirtschaft und mehr sklavenhalterähnliche Zustände überall auf der Welt. Einige Staaten können auf Kosten anderer die Krise in die Zukunft herausschieben (was aufgrund des Absatzmangels auch für die führenden Staaten eine enorme Verschuldung beinhaltet). In der zwingenden Konkurrenz wird die Ausbeutung immer größer und in vieler Hinsicht gibt es eine Rückentwicklung zu als überwunden geglaubten Ausbeutungs- und Lebensformen.


Es kam die Frage auf, ob nicht die Industrienationen den Krisen und dem Chaos der ärmsten Länder aus dem Weg gehen können bzw. dort Chaos und Rebellionen zu verhindern suchen.

Ein Teilnehmer erwiderte, dass die Industrienationen selber in Konkurrenz zueinander stehen und in den ärmsten Regionen oft unterschiedliche wiederstreitende strategische Interessen verfolgen.

Zudem meinte eine andere Teilnehmerin, dass die Krise nicht lokal, sondern weltweit ist, auch wenn die Unterschiede zwischen den ärmsten und den reichsten Ländern enorm sind.

Ein anderer Teilnehmer wies in diesem Zusammenhang auf folgenden Wiederspruch hin: einerseits gilt "wer mächtiger ist bestimmt", doch anderseits sind alle voneinander abhängig und dieser Wiederspruch bedeutet, dass um mehr produzieren zu können über Staatsintervention immer mehr Schulden gemacht werden müssen da der Absatzmarkt fehlt. Ein bekanntes Beispiel ist die Krise von 1929 (wobei damals zudem auch der Protektionismus eine Rolle gespielt hat).

Seitdem steckt der Kapitalismus in einer 80 Jahre andauernden Dauerkrise.

Warum wurden also im 19. J.h. Krisen überwunden? Warum heute nicht mehr?


Es gilt nun den Versuch zu machen, die Puzzleteile zusammenzufügen und die Zusammenhänge zu klären.

Ein erster Versuch in der Diskussionsrunde dies zu erreichen ging auf folgendes ein: Wie aus der Einleitung zu entnehmen ist, ist dem Kapitalismus sein Tot in die Wiege gelegt. Der Anfang gibt Auskunft über das Ende.

Im aufsteigenden Feudalismus wurde die Entwicklung durch eine Blockade von Handelsrouten nicht gehemmt, auch wenn dies die Vielfalt des Luxus der Landherren einschränkte. Die gehandelten Produkte aus dem Orient z.B. waren nicht existentiell. Anders im aufsteigendem Kapitalismus; hier wurde durch die Abtrennung von den Märkten die Existenzgrundlage angegriffen. Das Handelssystem des Kapitalismus ist sehr instabil und nicht in sich ruhend. Die antiken Reiche wie Persien und Römer haben wie Alexander der Grosse vorgefundene Kultursysteme nicht verändert, aber diese zu Abgaben gezwungen. Zu Beginn der kapitalistischen Expansion haben z.B. die Briten mit dem Bewässerungssystem die alte Kultur in Indien zerstört, um die Menschen zum Verkauf Ihrer Arbeitskraft und zum Kauf der britischen Waren zwingen zu können.

Der Kapitalismus hatte nach Rosa Luxemburg den Drang zum Weltsystem, da er für die Industrialisierung Rohstoffe und Grundlebensmittel benötigte (z.B. Baumwolle für die Textilindustrie). Dies geschah in Konkurrenz zu anderen Industrienationen, die Preise sanken und neue Märkte mussten sofort genutzt werden (Indien, Ägypten, USA mit afrikanischen Sklaven...).

Die Nationen streben nach Weltherrschaft um Rohstoffquellen sichern zu können.

Wie beim letzten Treffen gesagt wurde, beinhalten die Kosten für eine Arbeitskraft den Durchschnitt der Kosten der Arbeitskraft (eine Arbeitskraft aus dem Ausland kostet weniger als eine Arbeitskraft mit Anhang- Familie). Deshalb war es auch Kalkül, Menschen zu Tode arbeiten zu lassen.

Die gewaltsame Enteignung der Bauern ist bis heute weiterzuverfolgen. In den 3. Weltländern müssen Bauern, wenn Sie durch die Konkurrenz der für den Weltmarkt produzierenden Plantagenwirtschaft zu sehr verschuldet sind, in die Slums der Städte ziehen.

Um 1914 war die Hälfte der weltweiten Produktion kapitalistische Produktionsweise, die andere Hälfte außerkapitalistisch. Dies war ein Umschlagpunkt.

Ein weiteres Beispiel für die Zerstörung außerkapitalistischer Lebensbereiche in der Gegenwart sind die Kuliarbeiter. Asiatische Arbeitskräfte die in den USA z.B. zum Autobahnbau eingesetzt wurden. Durch die Kosten für die Immigration (Überfahrt...) waren Sie so verarmt, dass Sie Ihre Schulden niemals mehr zurückbezahlen konnten und ihr Leben lang mit ihrer Arbeitskraft abbezahlen mussten (Schuldenknechtschaft).

Eine weitere Anmerkung war, dass sich sklavenhalterähnliche Zustände auch z.B. im Mädchenhandel, der heute zunimmt, finden.

Es kam die Frage auf, warum dem Kapitalismus der Tod in die Wiege gelegt sei, und warum der erste Weltkrieg ausbrach als die kapitalistische Produktion die Hälfte der Weltproduktion ausmachte und nicht später. Dies sei nicht so selbstverständlich.

Der erste Weltkrieg ging von einer Aufteilung der Weltmärkte in Form der Kolonien aus und nach erneuter Sättigung der neu aufgeteilten bzw. behaupteten Märkte nach dem Krieg war der Weg zum zweiten Weltkrieg zwingend.

Mit erneuter Sättigung der Märkte gibt es immer weniger Möglichkeiten außerkapitalistischer Märkte.

Es entstehen sogenannte Spekulationsblasen, da immer weniger in die Produktion investiert werden kann.

Eine Teilnehmerin bemerkte, dass der Kapitalismus ein dynamisches System ist, das sich über die ganze Welt ausbreitet und dabei alles außer sich zerstört, so dass die außerkapitalistischen eingeschränkt werden. Dies ist der entscheidende Moment für die Krisen. Ein Anderer betonte, dass Krisen erstmals ab dem 18 J.h. sichtbar wurden. Dann wurde vermerkt, dass der kapitalistische Absatzmarkt im Verhältnis zur Produktivität zu Beginn des ersten Weltkrieges konkret gesättigt war.

Weitere Redebeiträge waren: Wenn Schrott als Produkt Absatz bei Außerirdischen finden könnte, wäre dem Kapitalismus geholfen. Ein ausreichender Absatzmarkt für den heutigen Produktivitätsstand des Kapitalismus müsste Welten beinhalten.

Es wurde noch einmal auf die in die Wiege gelegte "Krankheit" des Kapitalismus eingegangen und zwar das immer mehr produziert wird bis die Märkte fehlen.

Der Wiederspruch zwischen der erhöhten Produktivität und der privaten Aneignung (die von der Realisierung auf dem Markt abhängig ist) kann nur durch eine neue Gesellschaftsform gelöst werden in der für die Bedürfnisse der Menschen produziert wird, das heißt Kommunismus. Insofern ist die Produktivitätssteigerung durch den Kapitalismus fruchtbar.

90% des Weltmarktes entfallen auf die Industriestaaten, doch die Senkung des Lohns, der Renten, des Arbeitslosengeld usw. schränken den Markt weiter ein.

Der Teil, der notwendigerweise aus dem außerkapitalistischen Markt resultieren muss, um die Akkumulation zu ermöglichen, fällt zunehmend weg. Für die Akkumulation des Kapitals ist der Teil des außerkapitalistischen Absatzes der entscheidende Teil. Es wird weniger investiert...

Mit der konkurrenzbedingten Produktivitätssteigerung steigt die Geschwindigkeit der Sättigung der Märkte. Die extrakapitalistischen Märkte waren 1929 gesättigt und der Absatz war abhängig von den Kolonien, so dass die Kolonienmärkte abgeschottet wurden. Die Lehre aus diesem Protektionismus war die Öffnung der Märkte, Rettung der wichtigsten Industrieländer durch Weltbank, internationaler Währungsfond...(z.B. Asienkredit in den 90ern über 200 Mrd. Dollar, nicht aber für Afrika oder Argentinien).

Ergänzend dazu kam die Bemerkung, dass es im Kapitalismus bekannt ist, dass Teile des Weltmarktes aufgrund der hohen Konkurrenz wegfallen, dass aber die notwendige Geldsumme zu hoch wäre um die Schulden zu begleichen.

Es wurde noch einmal erwähnt wie wichtig das Begreifen der Bedeutung des Marktes ist (der Kapitalismus ist dynamisch, nicht starr).

Es ergab sich so die Frage: Warum denn viele Menschen, die das kapitalistische Gesellschaftssystem kritisieren und teils die von Marx verfassten ökonomischen Grundlangen gelesen haben, nur den tendenziellen Fall der Profitrate gelten lassen, nicht aber die Sättigung der Märkte und damit an einen erneuten Aufschwung der kapitalistischen Wirtschaftsdynamik glauben?

Sind wir heute aufgrund der wirtschaftlichen Konkurrenz in einer Überproduktionskrise oder nicht?

Es wurde des weiteren gefragt was Profit in Wirklichkeit bedeutet?

Welche Bedeutung haben dabei die außerkapitalistischen Märkte, welche Bedeutung hat der Lohn, und welche Bedeutung hat der Profit in diesem Zusammenhang?

Weitere Anmerkungen und Fragen: Der akkumulierbare Teil entstammt den außerkapitalistischen Märkten. Woher kommt der Profit heute wenn dieser erzielt wird? Wie viele Waren werden wirklich verkauft?

Ein Teilnehmer versuchte eine Antwort mit dem Beispiel vom spekulativen Warentausch zu geben: Wenn eine Ware für eine Millionen Euro gekauft wird, auf dem Markt (durch besondere Anpreisung), aber für 2 Millionen verkauft wird und diese Transaktionen den Preis bis auf z.B. 10 Millionen steigern (die Profitrate ist dabei gestiegen), fällt der Profit schlagartig weg, wenn die Ware nicht mehr zu einem höheren Preis bzw. gar nicht mehr verkauft wird (das bedeutet fiktives Kapital hinter dem keine wirkliche Produktion mehr steht).

Andererseits wird die Verwertungszeit und Intensität gesteigert (längere Arbeitszeiten, Arbeitsintensivierung...). Dadurch als wie durch die Spekulation ist das Problem des Absatzmarktes nicht gelöst. Im Unterschied zu den vorkapitalistischen Gesellschaftsformen ist die Mehrarbeit im Kapitalismus nicht für den Luxus bestimmt, sondern zur Realisierung auf dem Markt, durch den Verkauf der produzierten Ware. Die Position der Überhöhung der Bedeutung der Profitrate zeigt kein Verständnis für den Zusammenhang der Überproduktion.

Es wurde die Frage gestellt, ob der Kapitalismus von allein zugrunde geht und eine neue Gesellschaftsform, der Kommunismus ebenso von allein aufkommt, oder, ob dies dem aktiven Eingreifen der Arbeiterklasse bedarf. Bei einem Treffen in Berlin, an dem eine Teilnehmerin anwesend war, wurde diskutiert, dass die Überwindung der privaten Aneignung der Produktion wegweisend ist. Dieser Zusammenhang ist nur in der Überwindung des Kapitalismus verstehbar und diese Sichtweise ist abhängig vom Vertrauen in die Arbeiterklasse. Die Krise zwing die Arbeiterklasse zu handeln, wenn Sie nicht mit dem Zerfall untergehen will. In diesem Sinne arbeitet die Zeit für uns.

Es schloss sich die Frage an, wie denn die Profitrate mit dem Profit zusammenhängt und es wurde darauf nocheinmal die Bedeutung der Spekulation als Profitquelle hervorgehoben. Ohne Absatzmärkte werden Spekulationsblasen platzen.

Was uns in den Medien weis gemacht wird, ist z.B. "den Arbeitern geht es zu gut"; "Fehler", wie Lohnerhöhung, Krankengeld... wurden nicht gelöst sondern über Generationen aufgeschoben.

Im Gegensatz dazu ist es wichtig zu verstehen, um zu erklären und zu überzeugen, dass der Kapitalismus heute nicht mehr funktionieren kann und dass die gesellschaftliche Klasse der Arbeiter die Potenz inne hat eine zukünftige Gesellschaftsform, den Kommunismus zu errichten.


Zum Ende der Diskussion wurde entschieden, dass es gut wäre, wenn die Teilnehmer ein kurzes Resümee formulieren, um zu hören, wie die Diskussion bei den einzelnen Teilnehmern angekommen ist. Ein allgemeinere Stellungnahme war, das Treffen ermöglicht hat zu erkennen, dass die Wiedersprüche zu Beginn der kapitalistischen Produktionsweise Aufschluss darüber geben können in welcher Art von Krise der Kapitalismus sich heute bewegt. Im einzelnen können hier die Stellungnahmen nicht mehr wiedergegeben werden. Dies ist bedauerlich, da das Resümee der Teilnehmer ebenso einen wichtigen Teil des Diskussionsverlaufes wiedergeben kann.

Nach dem Resümee stand die Festlegung die Diskussionsfragestellung für das nächste Zirkeltreffen an.

Es wurden folgende Vorschläge geäußert:

Die Bedeutung des Antifaschismus für die Arbeiterklasse

Die Bedeutung des gesellschaftlichen Zerfallprozesses heute für die Arbeiterklasse und welche Bedeutung dabei dem Klassenstandpunkt zukommt.

Die Bedeutung der Spekulation für die Erzielung von Profit heute in Relation zur wirklichen Produktion und der Bedeutung der außerkapitalistischen Absatzmärkte.

Die Bedeutung der gesellschaftlichen Perspektiven "Sozialismus oder Barbarei"; die Abhängigkeit vom kollektiven Verhalten der Arbeiterklasse. Ist der Sozialismus oder die Barbarei unvermeidbar?

Die Teilnehmer haben sich darüber auseinandergesetzt und haben sich dafür entschieden, die Bedeutung der gesellschaftlichen Perspektiven "Sozialismus oder Barbarei" zu diskutieren, um deren theoretische wie praktische Bedeutung ein Stück weit besser zu verstehen.

Die Weiterbehandlung der Frage nach den Zusammenhängen der Krise heute wurde zurückgestellt, auch da die Fragen zum Verständnis der kapitalistischen Krise nun schon sehr ausführlich diskutiert worden sind.

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