Zusammenfassung der Diskussion vom Treffen des Zirkels Rheinland im August 05
zum Thema Sozialismus oder Barbarei
Was die Einleitung geleistet hat.
Die Einleitung hat die Diskussion der letzten Treffen gut zusammengefasst. Sie hat gezeigt, wie sich aus der Diskussion der letzten Treffen, die Fragestellung für das heutige Treffen ergeben hat, nämlich ist die von Rosa Luxemburg formulierte Alternative 'Sozialismus oder Barbarei' die einzige Alternative. Die Einleitung beantwortete die Frage mit einem klaren Ja und machte sehr deutlich, warum das so ist.
Unvermeidlichkeit des Sozialismus
In der alten Sozialdemokratie herrschte allgemein die Auffassung, dass der Sozialismus unvermeidlich sei. Diese Auffassung vertrat auch und vor allem Kautsky, der führende Theoretiker der 2. Internationalen. Er stützte sich dabei auf den 1. Band des Kapitals, in dem davon gesprochen wird, dass der Kapitalismus zu immer größerer Kapitalkonzentration, zum Verschwinden der Zwischenschichten und zur Verelendung der Arbeiterklasse tendiert und dass letzteres zu ihrer Radikalisierung führe. Rosa Luxemburg widersprach dieser Auffassung von der Unvermeidlichkeit des Sozialismus und stellte dem gegenüber die Auffassung von der Alternative 'Barbarei oder Sozialismus'. Sie begründete ihre Position damit, dass sie die Unvermeidlichkeit imperialistischer Kriege nachwies. Diese Kriege zerstören die Produktivkräfte in großem Maße, so dass die Gefahr besteht, dass sie in so großem Maße vernichtet werden, dass die Bedingungen für den Sozialismus nicht mehr gegeben sind. Der Sozialismus ist nur möglich als Gesellschaft mit hoch entwickelten Produktivkräften, die so viel Güter herstellen können, dass die Bedürfnisse aller Menschen befriedigt werden können.
Selbstzerstörung von Gesellschaften
Der Kapitalismus führt in die Barbarei, wenn das Proletariat ihn nicht abschafft. Es wäre nicht das erste Mal, dass sich eine Gesellschaft selbst zu Grunde richtet. So mächtige Hochkulturen in Südamerika, die sich durch ständige Kriege so schwächten, dass der Konquistador Pizzarro ihnen mit einer Handvoll Leuten den Todesstoß geben konnte.
Auch wenn die Blutrache nicht abgeschafft worden wäre, wie sie in primitiven Gesellschaften herrschte, hätte das zu ihrer Selbstzerstörung geführt. Es wurde gesagt, dass die Blutrache für die Menschenhorde, so wie sie sich erst vor kurzem aus dem Tierreich entwickelt hatte, eine Notwendigkeit war, um angesichts der allmächtigen feindlichen Umwelt überleben zu können. Die Tötung von Tieren oder auch fremden Menschen, war ein instinktive Sache. Die Blutrache stärkte den Zusammenhalt des Clans, des Stammes, weil der ganze Clan zusammenhielt und sich blutig rächte für die einem seiner Mitglieder zugefügte Verletzung.
Der Kapitalismus ist ein unkontrollierbares System
Der Kapitalismus ist ein System, dessen Gesetze sich hinter dem Rücken der Akteure vollziehen. Deshalb ist dieses System unkontrollierbar, wird nicht von den Menschen beherrscht. Und weil die Produktivkräfte so entwickelt sind, wirkt sich die Unkontrollierbarkeit verheerend aus. "Die Not ist groß, die Geister, die ich rief, werd ich nun nicht los." Die Triebfeder der kapitalistischen Wirtschaft ist der Zwang zur Akkumulation, der Zwang aus Geld mehr Geld zu machen. Und dieses Gesetz setzt sich durch die Konkurrenz durch. Es ist ein Wesensmerkmal des Kapitalismus ist, eine Konkurrenzgesellschaft zu sein.
Der Kapitalismus ist ein Konkurrenzsystem
Diese Tatsachen birgt tödliche Gefahren, beinhaltet die Einstellung "Nach mir die Sintflut" und führt dazu, dass sich der Kapitalismus den Ast absägt, auf dem er sitzt, indem er die Naturgrundlagen zerstört, und sich damit der natürlichen Produktionsbedingungen beraubt, indem die mächtigen Länder die schwächeren Länder wirtschaftlich ruinieren, wodurch sie Käufer für ihre überschüssigen Waren verlieren, indem Arbeiter entlassen werden, womit der Kapitalismus sich der einzigen Quelle des Mehrwert beraubt und die Kaufkraft schwächt Der Kapitalismus hat im mörderischen Konkurrenzkampf ein Waffenarsenal angehäuft, mit dem die Menschheit mehrfach vernichtet werden könnte. Ja manche Forscher meinen, es könnte die ganze Erde damit in die Luft gesprengt werden.
Auch wenn kein Kapitalist die Welt zerstören wollte, treibt die Konkurrenz unaufhaltsam trotzdem dazu, dass die Welt an den Abgrund treibt, dass die Bourgeoisie die Welt ins Verderben führt, zusammen mit sich selbst. Jetzt im Einstein-Jahr ist geäußert worden, dass der glühende Pazifist Einstein sein Wissen der imperialistischen USA-Bourgeoisie zum Bau einer Atombombe zur Verfügung gestellt hat, weil er irrtümlich glaubte, das imperialistische Deutschland wäre kurz davor, eine Atombombe zu besitzen. Die USA sollten im Notfall, wenn Deutschland wirklich über Atomwaffen verfügen sollte, auch Atomwaffen haben, um sie gegen Deutschland einsetzen zu können. Weil die Welt eine Konkurrenzgesellschaft ist, ließen sich Einstein und anderer Wissenschaftler verleiten, sich auf eine Seite der Konkurrenz zu stellen. Und trotz seiner Friedensliebe trug Einstein dazu bei, dass die demokratischen USA auf Hiroshima und Nagasaki Atombomben aufwerfen konnten. Und diese taten das bestimmt nicht zum Wohl der Menschheit, sondern um mögliche spätere Konkurrenten abzuschrecken und einzuschüchtern. Der andere imperialistische Block, der Ost-block verfügte bald danach ebenfalls über Atombomben. Mindesten zweimal stand die Welt am Rande eines Atomkrieges während der Kubakrise und während des Koreakrieges. Das Schicksal der Menschheit hing an einem seidenen Faden.
Der Kapitalismus ist ein sehr dynamisches System
Er kann nicht auf einem bestimmten Stand stehen bleiben. Seine unlösbaren Widersprüche treiben ihn immer weiter und verschärfen sich immer mehr. Und das führt entweder in einer endlosen, sich immer schneller drehenden und immer steiler werdenden Spirale nach unten oder das Proletariat setzt dem sein eigenes Projekt gegenüber.
Diskussion über aktuelle Themen
Es gehört zu einem Bestandteil der Zirkeltreffen über die Aktualität zu sprechen. Wir sind davon berührt und wollen die Ereignisse vom Standpunkt der Arbeiterklasse aus verstehen lernen.
-
Streik im Flughafen London-Heathrow: Wir kamen zu der Auffassung, dass der Streik von Heathrow sehr bedeutsam war und einen echten Arbeiterkampf darstellte; dass er den Kapitalisten einen Strich durch die Rechnung machte, indem er die nationale Einheit sprengte, die nach den kürzlichen Terroranschlägen in London von der Bourgeoisie bis zum Erbrechen propagiert wurde. Die Medien betonten, dass sich England und London nicht dem Terror beugen würden, die Bevölkerung weiter die U-Bahnen und die anderen öffentlichen Verkehrsmittel benutzen würde (Den Arbeitern blieb gar nichts Anderes übrig als die U-Bahn zu benutzen, wenn sie zur Arbeit kommen wollten.), dass alles seinen gewohnten Lauf nimmt und dann steht plötzlich, vielleicht das wichtigste Verkehrszentrum Englands, der Flughafen Europas still. Der Streik setzte ein Zeichen der Arbeitersolidarität für die entlassenen Cateringarbeiter, weil die anderen Arbeiter begriffen, dass der Kampf der Cateringarbeiter und ihr täglicher Kampf gegen die Angriffe der Kapitalisten derselbe Kampf ist. Der Streik war ein Zeichen für die Einheit der Arbeiterklasse. Pakistanis, Sikhs, Mohammedanerinnen mit Kopftüchern, Leute mit Turbanen, Inder und stinknormale Weiße aus England standen zusammen gegen die ganzen Versuche der Bourgeoisie gerade nach den Terroranschlägen die Arbeiterklasse zu spalten. Wir sahen diesen Streik in Zusammenhang mit dem Streik bei Mercedes voriges Jahr, wo sich vor allem die Bremer Mercedesarbeiter dagegen verwahrten gegen die Arbeiter von Sindelfingen ausgespielt zu werden, weil sie erkannten, dass wie sie heute erpresst und geködert werden sollen für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze gegen die Sindelfinger aufzutreten, sie später ihre Arbeitsplätze verlieren können, wenn sich Mercedes entschließt, ihr Werk in die Tschechei zu verlegen, weil die Arbeiter dort noch mehr ausgebeutet werden.
Der katholische Weltjugendtag: ist ein riesiges Spektakel (Er fand während unseres Treffens statt). Die Menschen sollen dazu gebracht werden, auf den starken Mann zu vertrauen, auf den Allmächtigen über uns, statt auf unsere eigenen Kräfte als Arbeiter und auf unsere geistige Waffe, den Marxismus.
Ein Zirkelteilnehmer berichtete, dass in einer Diskussion auf der Straße ein Teilnehmer des Weltjugendtages dagegen protestierte, als man ihm vorwarf; er würde die Rettung nur von oben erwarten, anstatt selbst etwas zu tun. Im Laufe der Diskussion behauptete er dann, alle Menschen seien von Natur aus schlecht und nur die Gnade Gottes könne die Menschen retten. Der Gläubige hat also selbst bestätigt, dass der Vorwurf stimmte.
Im Gegensatz zu vor 30, 40 Jahren, als es verpönt war unter Jugendlichen, sich öffentlich zum Glauben zu bekennen, greifen heute viele Jugendliche vor allem in der Dritten Welt wieder zum Rettungsanker oder besser Strohhalm Religion. Gut, dass ein Teil der Jugendlichen dieses Spektakel nur als Event und Vergnügen nahm.
Diskussion über die Gefahren des zunehmenden Zerfalls der Gesellschaft für die Arbeiterklasse
Es besteht die Gefahr der Verlumpung von Teilen der Arbeiterklasse. Es wächst eine ziemlich große Schicht vor allem in der Dritten Weh heran, aber eben auch in den Industriestaaten, die nicht zur Arbeiterklasse gehört, aber auch nicht zum traditionellen Kleinbürgertum, sondern eine neue Schicht besonderer Art darstellt, die von Kleinkriminalität lebt oder in den Drogen-, Waffenhandel eingespannt ist, die eine Schattenwirtschaft betreibt. Es ist die Aufgabe der Revolutionäre zu erkennen, welche Gefahr der Zerfall für das Proletariat bedeutet, das Auseinanderbrechen der zwischenmenschlichen, sozialen Beziehungen, die Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung, das Gefühl der Sinnlosigkeit, der Nihilismus. Die Revolutionäre müssen betonen, wie wichtig angesichts dieser Gefahr die Solidarität ist, eine proletarische Gesinnung, Vertrauen in die Menschheit und der gemeinsame Abwehrkampf.