Diskussionssynthese - Übergang vom Mutterrecht zum Vaterrecht

Politischer Diskussionszirkel Rheinland

Discussionssynthese zum Treffen im Oktober 2005

über den Übergang vom Mutterrecht zum Vaterrecht


Zur Einleitung

Die Einleitung wurde sehr begrüßt, weil sie weit in die Geschichte zurückgeht, weil sie gut erklärt, was Mutter- und Vaterrecht ist, und weil sie die Gründe aufzeigte, warum es Mutterrecht gab, warum das Vaterrecht aufkam. Sie hat auch die Abfolge der einzelnen Familienformen sehr verständlich gemacht.


Diskussion

Die erste biologisch bedingte Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern (das Kindergebären und –säugen ist Sache der Frau) führte nicht zu einem Herrschaftsverhältnis zwischen ihnen. Die biologisch bedingte Arbeitsteilung führte dazu, dass die Frau für den Hausbereich zuständig war und der Mann für den Bereich außerhalb des Hauses. Wenn der Hausbereich für die Versorgung der Menschen der wichtigere Teil der Wirtschaft ist, dann ist in solchen Gesellschaften die Frau sehr angesehen. Aber dieses hohe Ansehen der Frau führte nicht zu einer Erniedrigung des Mannes. Die hohe Stellung der Frauen rührte nicht daher, dass sie besser waren, sondern war durch die Arbeitsteilung und durch die besondere Gesellschaftsform bedingt. In den mutterrechtlichen Gesellschaften gab es kein Matriarchat, also eine Herrschaft der Frauen über die Männer, sondern Frauen wie Männer waren für ihren jeweiligen Bereich zuständig.

Es wurde die Frage gestellt, ob die Ablösung des Mutterrechts durch das Vaterrecht mit dem Aufkommen der Klassengesellschaft zusammenfällt. Es wurde geantwortet: - Dadurch, dass die Männer für den Bereich außerhalb des Hauses zuständig waren und auf die Jagd gingen, lernten sie das Großwild kennen, was es ihnen ermöglichte, es zu zähmen und zu züchten. Dadurch war der Einfluss der Männer gestärkt, weil nun die Tierzucht einen wichtigen Teil der Versorgung bildete. - Die erste Spaltung der Gesellschaft warr die Spaltung zwischen Männern und Frauen und diese Spaltung kam auf mit dem Aufkommen des Patriarchats. - Die Tierzüchtung war wohl ursprünglich ein Teil der Gesamtwirtschaft in der primitiven Gesellschaft und war nicht Eigentum der Männer oder von einzelnen Familien. Die Männer fingen irgendwann an, um ihren Einfluss zu verstärken, die Herden als ihr Eigentum zu betrachten. Damit entstand ein Gegensatz zwischen den Viehzüchtern und der ganzen Gemeinschaft. Das Aufkommen des Privateigentums und des Vaterrechts geschieht gleichzeitig, ohne das eine kann es das andere nicht geben. Das Gemeineigentum wurde allmählich aufgeteilt in Familien, wobei der Boden noch sehr lange gemeinsames Eigentum blieb. Damit kam die Einzelfamilie in Widerspruch zum Stamm. In diesen Familien war der Vater das Oberhaupt. Diese Entwicklung zum Vaterrecht, zum Privateigentum und zur Einzelfamilie wurde dann auch in Gesetzen festgeschrieben und deren Übertretung bestraft. Das Patriarchat bedeutete Herrschaft des Mannes und Unterdrückung und Erniedrigung der Frau. Der Mann bestimmte über Leben und Tod seiner Frau oder seiner Frauen. Im alten demokratischen Griechenland wurden die Ehefrauen eingesperrt und von großen Hunden scharf bewacht.

Im Anschluss an die Einleitung wurde nochmals die Entwicklung des Geschlechtsverkehrs beschrieben. Von der Horde, in der es „regellosen“ Geschlechtsverkehr gab, über das Verbot des Geschlechtsverkehrs zwischen Mutter und Sohn, Vater und Tochter, über das Verbot des Geschlechtsverkehrs zwischen Schwestern und Brüdern, usw. bis hin zu einem ausgefeilten Verbotssystem, in dem es ziemlich schwierig wurde überhaupt noch einen Geschlechtspartner zu finden. Diese Entwicklung vollzog sich auch in einer gewissen Eigendynamik. Man konnte dieser Eigendynamik nicht freien Lauf lassen, sonst wären die Menschen ausgestorben.


Ein wichtiger Teil der Diskussion war die Bedeutung der Arbeitsteilung.

In Ackerbaugesellschaften sind Krieger notwendig, um die Ackerbauern bei ihrer Arbeit zu schützen. Die Ackerbauern haben, als sie sich Krieger zu ihrem Schutz bestellten, nicht beabsichtigt, dass sich daraus ein privilegierter Kriegerstand bildete, der sie später beherrschte. Es ist etwas Anderes entstanden, als es die Menschen wollten. Die Arbeitsteilung in Ackerbauern und Krieger führte zur Klassenspaltung. Eine andere Arbeitsteilung, die zur Klassenspaltung führte, war die Bildung einer Priesterkaste.

Wie der Kriegerstand hatte auch die Priesterkaste eine wichtige Funktion in der Gesellschaft. Sie waren von der schweren physischen Arbeit befreit und hatten so die Möglichkeit über die tägliche Schufterei hinauszublicken. Sie lernten den Zusammenhang zwischen den Nilüberschwemmungen und damit der Ablagerung von Dünger und dem Stand der Sterne kennen. Die Landwirtschaft am Nil erforderte ein Bewässerungssystem, das weit über den Bereich der einzelnen Sippen und Familien hinausging und es war die Priesterkaste, die diese hohe und über den Stamm hinausgehende Ackerbaukultur leitete. Das war nicht nur in Ägypten so, sondern auch in China oder in Mesopotamien. Eine weitere Aufgabe der Priesterkaste war dem Bedürfnis der Menschen nach einem Weltbild, nach einer Erklärung der Welt (religiöse und mythische Sichtweisen schlossen dabei die Lücken im Wissen), gerecht zu werden. Diese Welterklärungen waren wichtige Schritte hin zu unserer heutigen Erklärung der Welt. Die Menschen waren wohl von Anfang an sensibler gegenüber ihrer Umwelt, wollten diese in ihrer Ganzheit verstehen und erklären.

Im Leben der menschlichen Urhorde war es für die Alten schwer. Das Herumwandern war sehr mühselig. Das Älterwerden bedeutete für die Männer einen Bruch, sie wurden aus der Jagdgemeinschaft ausgeschlossen. Für die Frauen bedeutete das Älterwerden keinen solchen Bruch, sie blieben den Zusammenhang des Hauswesens einbezogen. Es war zum Überleben oft notwendig, dass man die Alten tötete, die nicht mehr in Lage waren, ein solches anstrengendes Wanderleben durchzuhalten und sie eine Last für die Gemeinschaft und auch für sich selber wurden. Sie sahen es als Dienst an der Gemeinschaft, dass ihr Leben beendet wurde. Mit der Entwicklung hin zur Sesshaftigkeit und zum höheren Ackerbau änderte sich das. Man brauchte nicht mehr herumzuziehen und damit entfiel die Notwendigkeit die Alten umzubringen, auch aus dem Grund, dass die Nahrung nun reichhaltiger vorhanden und die Not nicht mehr zwang, die Alten zu töten. In der höheren Ackerbaukultur häufte sich ein umfangreicheres Wissen an, das sich die Alten im Laufe ihres Lebens aneigneten. Dazu kam ihre Lebenserfahrung. Ihr Wissen und ihre Erfahrung mussten an die neue Generation weitergegeben werden. Man kann sagen, sie waren die ersten Wissenschaftler. In solchen Gesellschaften vor der Erfindung der Schrift und des Buchdrucks hatten die Alten ein sehr hohes Ansehen in der Gesellschaft. Die Erfindung der Schrift, deren Gebrauch ja nur von einer winzigen Minderheit beherrscht wurde, begünstigte die Bildung einer Elite. Vor Einführung der Schrift war man auf die mündliche Überlieferung durch die Alten angewiesen. Erst durch die Erfindung des Buchdrucks hatten viele Menschen die Gelegenheit und kam das Bedürfnis lesen und schreiben zu lernen und mit diesem Können konnte sich viele Wissen aneignen.

Eine wichtige Arbeitsteilung war auch die Pflege der Kranken und Sterbenden. Es waren in bestimmten Entwicklungsepochen der Menschen die alten Männer, die sich darauf spezialisierten, als sie sonst nutzlos waren, und sie sich zusammentun mussten, um sich in der Gemeinschaft zu behaupten.


Aufhebung der Arbeitsteilung im Kommunismus.

Die Voraussetzung dafür ist die hohe Entwicklung der Produktivkräfte. Die Arbeitsteilung, so wie wir sie heute kennen, wird im Kommunismus überwunden. Die Grundlage der zukünftigen Gesellschaft wird die vielseitig Entwicklung der Individuen sein. Im Mittelalter braucht ein Handwerker lange Jahre, um die nötige Geschicklichkeit zu entwickeln, z.B. eine Tischplatte plan zu hobeln, heute macht das eine Maschine viel besser und die Bedienung der Maschine kann leicht erlernt werden.

Lange Zeit hielt sich die Erinnerung an den Urkommunismus aufrecht bei verschiedensten Völkern als Goldenes Zeitalter, als Paradies, als Garten Eden, usw. Die Auflösung des Urkommunismus und des Mutterrechts geschah nicht ohne Kämpfe, das spiegelte sich auch in der Götterwelt wider. Die alte Götterwelt der Gaia wurde in der griechischen Mythologie durch die Götterwelt des Zeus durch eine lange Reihe von Kämpfen abgelöst.

In der Urgesellschaft konnte man allgemein von Frauen und Männer sprechen. In Klassengesellschaften nicht mehr. Da gibt es die Frauen und Männer der herrschenden Klasse und die Frauen und Männer der ausgebeuteten Klasse. Im Sklaventum hatte der Sklavenhalter Macht über Leben und Tod über alle, auch über seine Frau. Eine Männerherrschaft gab es vor allem in der herrschenden Klasse, unter den Sklaven gab es zwischen Männern und Frauen kaum einen Unterschied in der gesellschaftlichen Stellung.

Die Spaltung der Gesellschaft in verschiedene Teile, Schichten und Klassen ist ein Ergebnis des Aufkommens der Warenwirtschaft. Vor dem Aufkommen der Warenwirtschaft gehörte der Boden allen und die Produkte wurden unter alle verteilt. Die Wirtschaft wurde planmäßig betrieben und man produzierte für die Bedürfnisse des Kollektivs. In der Urgesellschaft war die Gesellschaft in Totemgruppen. Jede Totemgruppe war zuständig für eine gewisse Pflanze oder ein gewisses Tier. Sie selbst durften von ihrem Totemtier oder Totempflanze nichts für sich behalten und waren verantwortlich für das Gedeihen des bestimmten Lebewesens. Solche Forscher wie Lewis Henry Morgan erkannten, welch hohe Kultur die Wilden und Barbaren hatten und dass ihr Gesellschaftsleben sehr planmäßig und organisiert war, und sie sehr behutsam und vorschauend mit der Natur umgingen, hatte eine sehr große Hochachtung vor den Eingeborenen. In der Urgesellschaft wurden die entscheidenden Errungenschaften für die Menschheit gemacht, die Entwicklung der Sprache, die Zähmung des Feuers, die Herstellung von Kleidung und Obdach, eine hohe des sozialen Lebens innerhalb der Gruppe. Die Entwicklung im Tierreich durch die Selektion geht sehr langsam vor sich. Dadurch dass die Menschen Werkzeuge, Kleidung und Obdach herstellen lernten, wurden unabhängiger von einem bestimmten Milieu, von einer bestimmten Umwelt, und konnten sich dadurch auf die je sich verändernde Umwelt anpassen und in allen Gegenden der Erde leben. Im Gegensatz z.B. zu Sauriern, die ausstarben, als sich mit dem Einbruch einer Kältezeit ihre Umweltbedingungen änderten. Mit der Einführung der Warenwirtschaft kommt die Konkurrenz und die Anarchie der Produktion auf und sie beruht auf dem Privateigentum. Es gibt auch im Tierreich Konkurrenz, z.B. die Hackordnung unter Hühner. Aber diese Konkurrenz dient der Erhaltung der Spezies. Die Konkurrenz z.B. sichert, dass der stärkste und fähigste Löwe das Rudel anführt und dass er die Nachkommen zeugt. Anders in menschlichen Gesellschaften der Warenproduktion, da stehen die einzelnen Gruppen, Schichten und Individuen derselben Spezies in Konkurrenz zueinander. Die Konkurrenz, die in der Urgesellschaft allenfalls zwischen den Stämmen bestand, dringt jetzt in die einzelnen Gruppierungen selbst ein. Die Konkurrenz in Gesellschaften der Warenproduktion dient nicht mehr der Erhaltung der Art, sondern führt die Menschheit in den Abgrund.


Ist ein Zurück zur Urgesellschaft möglich oder eine andere Frage: Hätte man den Urkommunismus und die mutterrechtlichen Gesellschaften bewahren können? Oder noch anders: War das Verschwinden des Mutterrechts ein Fortschritt?

Man kann nicht das Rad der Geschichte zurückdrehen. Wir müssen die Entwicklung der Menschheit verstehen lernen, müssen begreifen, dass wir nur dann einen Schritt weitergehen können, wenn wir uns auf die bisherigen Errungenschaften der Menschheit stützen. Die Feministen sehen das nicht, sie verstehen nicht, dass die Menschen immer Kinder ihrer Zeit sind.

In der mutterrechtlichen Gesellschaft hörte die Welt dort auf, wo der Stamm aufhörte. Wie schon gesagt, musste im alten Ägypten über die kleine Welt des Stammes hinausgegangen werden, um die Nilüberschwemmungen für die Landwirtschaft nutzbar zu machen. Das Hauswesen in der mutterrechtlichen Urgesellschaft erforderte, vielfältige Aufgaben zu erfüllen, und das war Aufgabe der Frau. Die Frauen mussten immer ein Auge auf die Kinder und die Pflege und Erziehung der Kinder ist eine umfassende und ganzheitliche Aufgabe. Nur der Mann konnte sich für die einzelne Tätigkeiten spezialisieren und es dadurch zu einer Meisterschaft bringen. Er fertigte also nur noch z.B. Töpfe an, so viele, dass ein Überschuss entstand, und er musste jetzt tauschen, um an die anderen Sachen, die er brauchte, heranzukommen. Er betrachtete im Laufe der Zeit seine Produkte als sein Privateigentum, mit dem er machen konnte, was er wollte. Aber diese Entwicklung dauerte Jahrtausende bis hin zum Mittelalter mit seinen Zunfthandwerkern. Aber auch in den Handwerkerfamilien des Mittelalters wurden noch viele Sachen in den einzelnen Haushalten hergestellt. Lange Zeit war die Großfamilie, die zum größtenteils Selbstversorger war, die effektivste Wirtschaftsform und setzte sich deswegen durch. Heute verliert die Familie immer mehr ihrer Funktionen. Im großen und ganzen war das ein Fortschritt, auch wenn er durch viele sehr tragische Rückschritte und Verschlechterungen erkauft werden musste. Es ist sicher ein Rückschritt, dass heute der Bourgeoisie die Fortpflanzung egal ist, dass die Bedingungen für die Kindererziehung miserabel geworden sind. Es ist billiger Arbeitskräfte aus anderen Ländern als „Gastarbeiter“ zu holen. Die Geburtenrate geht zurück. Der Gesellschaft droht die Vergreisung. Die Alten haben aber immer weniger eine Funktion und Ansehen in der Gesellschaft, genauso wie die Kinder in einer kinderfeindlichen Welt aufwachsen. Kindern wird einerseits hofiert, als ob sie Prinzessinnen und Prinzen wären, andererseits verwahrlosen immer mehr Kinder.

Im Patriarchat wurden die Frauen aus dem gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen. Im Kapitalismus werden Frauen aus der Arbeiterklasse gezwungen, genau wie die Männer ihre Arbeitskraft zu verkaufen. Damit werden sie aus der Enge des häuslichen Lebens herausgerissen. Die Ausbeutung war schrecklich, die Frauen verloren ihre Kinder, die Säuglingssterblichkeit war hoch. Die Kapitalisten mussten Schutzgesetze erlassen, sonst wäre ihnen die Quelle ihres Profits ausgestorben. Trotzdem: Dass die Frauen in den gesellschaftlichen Arbeitsprozess miteinbezogen werden, stärkt die Klasse, fördert die Einheit der Arbeiterklasse, die die Frauen und die Menschheit befreien kann. Eine Voraussetzung für die Befreiung der Frauen ist die Vergesellschaftung der Kindererziehung, dass die Sorge und die Verantwortung für die Kinder eine Sache der ganzen Gesellschaft wird, und das kann erst im Kommunismus sein. Die Forderung nach mehr Kindergärten führt nicht zu einer Vergesellschaftung der Kindererziehung, wie wir sie uns im Kommunismus vorstellen.


Schlussfolgerung

Die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern, Rassen, die Spaltung zwischen jung und alt und all die anderen Spaltungen in der heutigen Gesellschaft ist kein Produkt der biologischen Spezies Mensch, wie die Feministen und Rassisten und sonstige Ideologen sagen, sondern ein historisches Produkt. Die weit in die Geschichte zurückgehende Einleitung, die so tief und anschaulich geschichtliche Stufen aufzeigte, ermöglichte es uns, zu dieser Schlussfolgerung zu gelangen. Die Diskussion lebte davon, dass wir gemeinsam versucht haben, Antworten auf unsere Fragen zu finden. Das hier dargestellte Ergebnis der Diskussion spiegelt gut wieder, wie anregend und weiterbringend kollektive Denkanstrengung ist!


Zum Beitrag von Peter

Es ist ein Teil unserer Diskussionskultur, dass Genossen, die verhindert sind, durch schriftliche Beiträge dennoch an der Diskussion teilnehmen können. Leider konnte der Beitrag diesmal noch nicht in die Diskussion einbezogen werden. Es wird das nächste Mal nachgeholt. Zum Nachlesen des Textes: Siehe Korrespondenz.


Thema des nächsten Treffens

Als Thema des nächsten Treffens wurde festgelegt: Geschlechterverhältnis im Kapitalismus und Kommunismus. Beim jetzigen Treffen wurden schon die Fragen der Eifersucht und der Verlustangst aufgeworfen, die beim nächsten Treffen wohl wieder aufgegriffen werden.

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