Diskussionssynthese des Treffens im Juni 2006
zum Thema:
Entstehung und Bedeutung der Religion in der Menschheitsgeschichte
Novum beim Diskussionszirkel
Der Diskussionszirkel begann heute mit einem Novum. Erstmals wurde das Einleitungsreferat nicht von einem der anwesenden Zirkelteilnehmer vorbereitet. Tatsächlich war das Referat eine Zusammenfassung von einem längeren Text über die Religion, den ein Teilnehmer eines Hamburger Diskussionszirkels verfasst hat. Dies fanden wir eine tolle und anregende Idee. Den vollständigen Text findet ihr unter der Rubrik „Korrespondenz“.
Nach der Einleitung starteten wir gleich in die Diskussion. Allgemein wurde das Referat gelobt. Ein Teilnehmer lobte es ausdrücklich, auch die gute Recherche. Ein wenig Kritik wurde an der Gliederung des Textes deutlich, da erst gegen Ende auf die Entstehung der Religion eingegangen wurde. Dies sei aber für das Verständnis der Religion insgesamt sehr wichtig.
Religion – Opium des Volkes oder für das Volk?
Das Referat beginnt ja mit dem bekannten Marx Zitat „Religion ist Opium für das bzw. richtig heißt es des Volkes“. Ist diese Unterscheidung überhaupt relevante Unterscheidung? Wir klärten zunächst den Unterschied. Eine Teilnehmerin formulierte es so: Die Aussage, dass die Religion Opium für das Volk sei, lege nahe, dass die Religion sozusagen künstlich von außen dem Volk eingeflößt werde, während die Formulierung Opium des Volkes eine selbstgewählte, freie Entscheidung für die Religion nahe lege, die aus einem inneren Bedürfnis entstehe.
Hierauf begann aber eine lebhafte und kontroverse Diskussion. Ein Teilnehmer war zwar einverstanden, dass diese Unterscheidung keine Haarspalterei sei, aber mit der Aussage des Referates war er dennoch nicht einverstanden. Ihm war besonders wichtig die Unterscheidung zwischen den Entstehungsgründen und der Rolle der Religion von der Urgesellschaft bis zum Mittelalter einerseits und der Rolle der Religion im Kapitalismus. Damals sei es keine freie Entscheidung für die Religion gewesen. In den Urgesellschaften habe man die Religion gebraucht, um sich die Welt zu erklären. Die Naturgewalten seien so übermächtig gewesen, die Menschen konnten sich z.B. eine Sonnenfinsternis nicht erklären und befürchteten das Ende der Zeiten etc, da habe man einen Glauben an verstehende, schützende und mächtige Götter gebraucht. Doch heute sei dies in der Moderne des Kapitalismus nicht mehr notwendig. Es gebe schließlich die Wissenschaft, die uns die Naturgesetze größtenteils erklären konnte. Heute bräuchte die arbeitende Bevölkerung keine Religion mehr. Religion sei für den modernen, aufgeklärten Menschen nicht mehr notwendig, sie sei von außen gesteuert. Daher sei Religion heute nur noch Opium für das Volk – sprich die herrschenden Schichten förderten Religionen, um die ArbeiterInnen von ihrem Klassenkampf für eine echte Verbesserung der Welt abzuhalten. Als Beispiel nannte er die Entwicklung des Islam. In den 60ern sei der Islam im Nahen Osten nicht fundamentalistisch gewesen, die Frauen hätten vielmehr Freiheiten genossen als heute. Dies erklärte sich der Teilnehmer damit, dass die Herrschenden in den Ländern jetzt der Bevölkerung einen fundamentalistischen Islam aufzwängen, unter dem besonders auch die Frauen zu leiden hätten.
Nun wurden mehrere Stimmen laut, die wieder eine andere Argumentation verfolgten. Wieso sollte man diese zwei Funktionen der Religion konträr gegenüberstellen? Es gäbe beides. Natürlich nutzten die Regierungen die Kirchen für ihre Zwecke aus, damit die leidende arbeitende Bevölkerung sich mit dem Elend der Welt abfinde mit dem Versprechen auf ein phantastisches Leben im Jenseits, zugleich müsse man aber auch sehen: Die Menschen heute leben im Chaos, in Vereinsamung – man Suche daher einen Halt. Viele Menschen würden zwar immer wieder in Widersprüche zwischen Religion und Realität geraten, aber wenigstens lindere der Glaube erstmal den Schmerz. Von daher gebe es doch ein reelles Bedürfnis nach Trost – auch in Form von Religion. Eine andere Teilnehmerin ergänzte, dass dieses Bedürfnis nach Ablenkung oder Trost natürlich nicht nur in der Religion, sondern auch in Alkohol, Drogen oder in der sog. Spaßkultur gesucht werde. Alles, Hauptsache, ich muss mich nicht mit der Realität auseinandersetzen.
Entstehungsgründe für Religionen
Generell waren sich alle Diskussionsteilnehmerinnen darin mit dem Referat einig, dass die Religion ein Produkt der Menschen ist. Da in der Diskussion aber schon eine Unterscheidung zwischen der Bedeutung der Religion im Kapitalismus und in früheren Gesellschaften gemacht wurde, wurde der Vorschlag gemacht, sich genauer die Entstehungsgründe der Religion zu vergegenwärtigen.
Eine Teilnehmerin verwies darauf, dass in der Urgesellschaft und auch in der Antike die Religion eine wichtige Rolle innehatte. So etwa im alten Ägypten, wo die Priesterkaste Astronomie betreiben und landwirtschaftliche Kenntnisse haben musste, um dem ganzen Volk sagen zu können, wann die Felder bestellt werden sollten und wann die Nilbewässerungssysteme zum Einsatz kommen sollten, um die Ernährung der ganzen Gesellschaft sicherzustellen. Der Glaube an die Gottheiten habe daneben aber einfach auch eine vermeintliche Sicherheit gebraucht. Altaropfer sollten die Götter gnädig stimmen. Diese Funktion habe die Religion in den Industrieländern heute natürlich nicht mehr. Aber es gebe noch einen anderen Entstehungsgrund der Religion, der bis heute eine zentrale Rolle spiele – die Angst vor dem Tod. Die Angst vor der eigenen Endlichkeit. Diese Idee von einem ewigen weiteren Leben im Jenseits, von der Erlösung aus dem weltlichen Jammertal sei die zentrale Idee aller großen Weltreligionen.
Ursprünge der Religion – Ansätze bei Sigmund Freud
Im Laufe der Diskussion griffen zwei Teilnehmerinnen Erklärungsansätze Sigmund Freuds auf, der ebenfalls interessante Aufsätze über die Entstehung der Religion verfasst hat, die im Referat nicht genannt werden, obwohl es sich im Kapitel zur Wissenschaft mit der Psychoanalyse befasst. Eine Teilnehmerin griff die Idee Freuds auf, dass die Religion in der primitiven Vorzeit auch entstanden sei, um die stets fordernden Triebe der individuellen Menschen im Interesse der gesamten Gruppe zu beschränken, um das Überleben des ganzen Stammes besser zu garantieren, da die Menschen einzig in der Horde eine wirkliche Überlebenschance hatten. Die erste Form der Religion war ja der Totemismus, wo ein Tier vom Stamm heilig gesprochen wurde und nicht verspeist werden durfte. Spätere Tabus, die durchgesetzt wurden waren z.B. das Verbot des Geschlechtsverkehrs zwischen Eltern und Kindern oder unter Geschwistern. So hat also von Beginn an die Religion ein Stück Triebverdrängung geleistet, um Schutzmaßnahmen für ein besseres kollektives Überleben zu gewährleisten.
Ein weiterer Entstehungsgrund der Religion, auf den wir in der Diskussion aber nur kurz eingingen, war das Schuldbewusstsein, das sich ja besonders deutlich im Christentum zeigt. Der Vatermord an Gott, den Christus durch seinen freiwilligen Tod sühnt, erzwingt grundlegende moralische Beschränkungen, die es einzuhalten gilt, um die Kollektivschuld abzutragen. Doch waren wir uns einig, dass wir uns noch eingehender mit dieser Argumentation auseinandersetzen müssen, um fundierter Stellung zu beziehen.
Ein anderer Teilnehmer sagte, dass der Gottglaube eigentlich eine Projektion des kindlichen Glaubens an den/die schützende/n Vater/ Mutter sei, der dann auf den Gottvater übertragen wird. Das Kleinkind habe, wenn es in einer behüteten Umgebung aufwachsen könnte, nämlich ein Urvertrauen in die Eltern, wo nichts in Frage gestellt oder gezweifelt werde. Mit zunehmendem Alter gehe aber diese unbewusste Sicherheit verloren und die Menschen müssten sich Sicherheit durch bewusstes Verstehen versuchen zu erlangen. Darauf entwickelte eine Teilnehmerin den Gedankengang, dass Religion im Grunde etwas sehr kindlich-naives sei, da der Glaube, im Gegensatz zur Wissenschaft, vertrauensvoll einer übermächtigen Figur das Verstehen und Lenken überlasse, und somit die eigene Verantwortung, aber auch Handlungsmöglichkeit außen vorlasse. Glaube aber gehe niemals um wirkliches Verstehen. Hierauf regte sich in Teilen der Runde Widerspruch. Der Glaube sei nicht etwas kindlich-naives, da doch Kinder sich gerade darin auszeichneten, dass sie noch die Fähigkeit hätten der Welt voller Fragen zu begegnen. Eine andere Teilnehmerin entgegnete dem mit dem Beispiel, wenn ein Familienmitglied plötzlich schwer krank werde. Dann nämlich würden viele nicht-religiöse Menschen –durch die Überforderung mit der Konfrontation mit dem Tod einer geliebten Person – anfangen sich an Gott zu wenden. Warum? Eben weil sie diese Situation nicht wahrhaben sollten. Auch kleine Kinder glauben vieles einfach, weil sie noch nicht die Fähigkeit haben, kognitiv etwas so Unfassbares wie etwa den Tod zu verstehen. Hier sei daher durchaus eine Parallele zu erkennen.
In diesem Zusammenhang entwickelte eine Teilnehmerin eine interessante Analogie zwischen der Entwicklung des Individuums und der Menschheitsgeschichte. Der Mensch entwickle sich vom Kleinkind bis zum Erwachsenen und durchlaufe dabei verschiedene Phasen, die tendenziell vom unbewussten zum bewussten Handeln, vom Glauben zum Verstehen gehen. Dies habe seine Entsprechung auch in der Entwicklungsgeschichte. Die primitiven Gesellschaften seien sozusagen das Kleinkindstadium der Menschheit, mit ihrem naiven Glauben, wo das sich das „ich“ im Unterschied zur Gruppe noch nicht entwickelt hat (wie der Säugling zur Mutter). Die heutige Stufe der Geschichte sei im Grunde die Vorstufe zum Erwachsenenalter. Vieles könne man sich zwar bereits erklären, aber man sei z.T. noch gefangen in kindlichen Vorstellungen, wie eben der Religion. Nach den Worten Hegels: Die Menschheit befindet sich auf der letzten Stufe der Notwendigkeit. Erst wenn der bewusste und aktive Sprung der Gesellschaft ins Reich der Freiheit gelingt, ist die Menschheit Erwachsen und kann dann diese phantastischen Gebilde des Trosts wie die Religion hinter sich lassen, weil es im Kommunismus keine materielle Notwendigkeit dafür geben wird.
Nachfrage an der Ware Religion
Die Teilnehmer wurden sich im Laufe der Diskussion darüber einig – in Übereinstimmung mit der Einleitung - , dass es so lange die Religion geben wird, solange es einen materiellen Bedarf für dieselbige gibt. Zwar könne natürlich die Wissenschaft Vieles erklären, aber die Bevölkerung sei konfrontiert mit Elend, Krieg und Armut. Daher gebe es einen Bedarf an Religion, um wenigstens persönlichen Trost von oben zu erhalten. Eine Teilnehmerin betonte, dass es gerade angesichts der angeblichen objektiven Wissenschaften auch ein Bedürfnis nach Unerklärbarkeit gebe. Wenn man dann in eine persönliche Krise gerate, dann gebe es im Prinzip zwei Möglichkeiten: Einerseits die Flucht in die Religion, eine Verdrängungsstrategie, wo man eigene Verantwortung abgibt und letztlich auf göttliche Fügung hofft. Vermeintlich die einfachere Lösung. Die andere Möglichkeit sei, sich bewusst mit den Ursachen, Ängsten etc. auseinanderzusetzen und durch das Begreifen etwas selbstverantwortlich zu verbessern. Auch wenn die Auseinandersetzung mit der Realität oftmals schmerzhaft sei.
Die Frage kam auf: Warum erlebt die Religion in den letzten Jahren eine Renaissance? Es wurde als historischer Ansatz angeführt, dass man in der Geschichte immer wieder beobachten könne, dass in Zeiten der Krise und des Niedergangs eine Hinwendung zur Religion erfolge, da man angesichts des Verfalls moralischer Werte und Zukunftsängste nach Halt suche. Als Beispiel wurde etwa das niedergehende Rom angeführt, wo das Christentum entstand. Andere Beispiele aus dem Mittelalter und der Neuzeit wurden angeführt. Eine andere Teilnehmerin untermauerte diese Argumentation und verwies darauf, dass in Zeiten der Krise die Unvernunft stets Hochkonjunktur feiere. Es wurde auch dem Teilnehmer geantwortet, der meinte, in früheren Zeiten habe es ein regelrechtes Bedürfnis nach Religion gegeben, auf Grund der Unsicherheit der Naturgewalten. Ein Aspekt, der heute nicht mehr relevant sei. Hierauf wurde entgegnet, dass es zwar richtig sei, dass die Naturgewalten heute nicht mehr solche Ängste auslösen, doch das Gefühl der Unsicherheit sei im Kapitalismus vielleicht größer als je zuvor. Grund sei die Anarchie der Produktion im Kapitalismus. Man könne noch so gut qualifiziert sein, oder noch so gut seine Arbeit machen, eine Arbeitsplatzgarantie gebe es nicht. Diese schüre natürlich Existenzängste, ein Gefühl des Ausgeliefertseins gegenüber den unsichtbaren Marktgesetzen. So falle es vielen Menschen schwer – gerade heute – schwer, zuversichtlich in die Zukunft zu blicken.
Ein anderer Teilnehmer brachte ein anderes Moment ins Spiel. Als Beispiel berichtete er von einem Weltjugendtag der katholischen Kirche vor einigen Jahren. Unzählige Jugendliche nahmen daran teil, doch folgen sie der Kirche deshalb auch in allem? Am Ende des Weltjugendtages fand man die Wiese voller Kondome. Die Kirche war schockiert über die mangelnde Keuschheit. Deshalb erklärte er sich die Motivation der Jugendlichen an solchen religiösen Veranstaltungen zum großen Teilen auch durch ein tiefes Bedürfnis nach Gemeinschaft und Geselligkeit.
Religion = Religion?
Auch wenn der Zirkel hierüber nicht so ausführlich diskutierte, so kam doch die Frage auf, ob es „fortschrittlichere“ Religionen als andere gebe. So wurde der Buddhismus ins Spiel gebracht mit der Frage, ob diese Religion vielleicht besser sei, insofern als dieser Glaube ja nicht an ein Leben im Jenseits glaubt wie etwa das Christentum oder das Judentum, sondern sich im Gegenteil zum Ziel setzt, die ewige Wiederkehr zu beenden. Ist diese Religion dann weniger egozentrisch? Hierauf wurde geantwortet, dass auch in den fernöstlichen Religionen die Vorstellung vom Jammertal auf Erden bestehe; das Leben notwendig Leiden bedeute, gerade deshalb strebe man ja danach nicht mehr wiedergeboren zu werden. Auch hier findet sich der Gedanke der Determiniertheit, der Unverbesserlichkeit des Zustandes der Welt. Als weiterer Kritikpunkt wurde die Vorstellung genannt, dass der Zustand der Wiedergeburt das Individuum selbst durch sein vorheriges Leben zu verantworten habe. Wer also krank, behindert oder arm zur Welt komme, sei dieser Vorstellung nach selbst Schuld. Für die Esoterik gelte dies auch. Deshalb sei es auch kein Zufall – wie das Referat darlegt, dass esoterischen Denkrichtungen sich oftmals mit rassistischem Gedankengut mischen.
Heute sei die Welt in der Tat überflutet von einem Jahrmarkt an Religionen. Hier gebe es aber nicht nur einen politischen, sondern auch einen kommerziellen Gesichtspunkt. Alles werde verkauft und vermarktet, betonte eine Zirkelteilnehmerin – das Ideen und Glaubensbekenntnisse. Die sogenannte Religionsfreiheit sei für die Herrschenden ein wichtiger Vorteil, damit alle in der Bevölkerung eine „individuelle“ Religion finden, um sich letztlich aber mit den gesellschaftlichen Zuständen abzufinden.
Ist der Kommunismus eine Religion?
Diese Frage entstand auf Grund der Aussage im Referat, dass der Kommunismus keine Wissenschaft sei. Um uns der Frage zu nähern versuchten wir gemeinsam beide Begriffe zu definieren. Hier folgen unsere Vorschläge:
| Religion | Kommunismus |
| Hat Realität nichts zu tun | Auseinandersetzung mit wirklicher Welt heute und wie verändern |
| Mensch gibt Verantwortung ab | ArbeiterInnen/ Menschen übernehmen Verantwortung |
| Ewiger Kreislauf | Dynamischer Entwicklungsprozess |
| Hoffnung auf Erlösung nur im Jenseits | Klassenkampf für aktive Verbesserung in dieser Welt |
| Keine Wissenschaftlichkeit | Keine Wissenschaft; aber der Marxismus ist die wissenschaftliche Methode der Arbeiterkampfes |
| Nicht Verstehen, sondern Glauben | Verstehen |
| Blick in Vergangenheit: Schuld abtragen | Blick in die Zukunft; keine Garantie, aber notwendige Möglichkeit |
Insofern war der Zirkel nicht ganz einverstanden mit der Aussage des Referates, derzufolge sowohl der Kommunismus als auch die Religion einfach –wenn auch gegensätzliche – Weltanschauungen seien. Zudem ist die Religion ein Mittel zum Trost, der Kommunismus aber das Ziel der proletarischen Arbeiterbewegung als Ausweg aus den Widersprüchen des kapitalistischen Systems.
Eine Art Fazit
Leider war auch heute die Zeit zu kurz, um alle Fragen zu diskutieren. So wurden zwar auch Fragen zum Wesen des Menschen, die Haltung Lenins zur Religion (die Kritik an Lenin im Referat wurde kritisiert), zum Fundamentalismus, zur marxistischen Haltung zur Religion aufgeworfen, doch die Zeit war weit fortgeschritten, die Vorhänge fielen zu – bis zum nächsten Mal. In einer letzten Runde äußerten sich alle TeilnehmerInnen zu unser diesmaligen Zirkelrunde. Eine Teilnehmerin, die heute zum ersten Mal mitdiskutierte, lobte die „erfrischende“ Art zu diskutieren und auch, dass auch über konkrete, lebensnahe Beispiele gesprochen wurde. Außerdem habe ihr gut gefallen, dass man sich hier auch ausreden lasse und einander zuhöre. Manche Zirkelteilnehmer sagten, dass sie angesichts des nicht ganz einfachen Themas zuvor die Befürchtung gehabt hätten, dass die Diskussion schwer werden könnte – aber es sei im Gegenteil eine sehr anregende und klärende Diskussion gewesen. Der Teilnehmer, der anfangs die Religion nur als Opium für das Volk gesehen hatte, sagte, die Diskussion habe ihm geholfen zu sehen, dass auch heute noch ein materielles Bedürfnis nach Religionen gebe. Man könne eben die Religion nicht per Dekret abschaffen, es gehe nicht darum die Religion zu bekämpfen, sondern eine Welt zu schaffen, wo man Religion nicht mehr braucht.
Zum Referat wurde noch gesagt: Es sei ein sehr guter Einstieg in die Diskussion gewesen. Eine Teilnehmerin äußerte jedoch auch, dass sie an manchen Stellen Probleme mit dem Text gehabt habe, da sie nicht mit allen Begriffen vertraut war. Besonders die Unterscheidung der Religion für das oder des Volkes habe aber eine weitere wichtige Anregung zur Auseinandersetzung mit der Religion ermöglicht. Leider konnten wir aus Zeitgründen auf viele Gedanken des ganzen Textes nicht eingehen. Deshalb veröffentlichen wir unter Korrespondenz den vollständigen Text inklusive aller Fußnoten, den wir allen Interessierten nur wärmstens empfehlen können und wollen.
Alle waren mit der Diskussion sehr zufrieden. Zum Abschluss überlegten wir uns noch gemeinsam das Thema für die nächste Zirkelrunde: Wir einigten uns auf: Der realexistierende Sozialismus – wie real war er wirklich?