Diskussionssynthese - Politischer Diskussionszirkel Rheinland

Politischer Diskussionszirkel Rheinland

Syntheseversuch zum Zirkeltreffen im Dezember 2006

über die Bedeutung der Revolution in Deutschland, nachdem die Revolution in Russland vorläufig siegreich war


In der Einleitung wurde durch den Bezug auf die Studentenbewegung in Frankreich im letzten Frühjahr die aktuelle Bedeutung der Revolution von 1918 bis 1919 in Deutschland deutlich gemacht.

Die Studentenbewegung in Frankreich zeigte in Form und Inhalt das Wesen der Arbeiterbewegung hin zu einer revolutionären Organisierung. Die spontan entstehende Selbstorganisation, die die Gegenwehr der staatlichen Institutionen wie den Gewerkschaften, die sich schon vor dem 1. Weltkrieg und danach kontinuierlich gegen die Interessen der Arbeiter gerichtet haben und zu Ihren Feinden wurden, hervorbrachte, konnte sich durch die Organisationsform der Vollversammlungen, dem bestreben Zusammenhänge offen und gemeinschaftlich zu klären und der Massenausdehnung bis zu einem bestimmten Umfang fortsetzen. Später im Verlauf er Diskussion über die Revolution in Deutschland, wurde zu den Gewerkschaften noch gesagt dass Sie, in der alten reformfähigen Arbeiterbewegung, Organisationen der Arbeiter waren die in Aktion traten und so erscheinen die Gewerkschaften seitdem Sie nicht mehr die Interessen der Arbeiterklasse vertreten und auch wenn die Arbeiter nichts mit Ihnen zu tun haben wollen doch allgemein als diejenigen die wenigsten noch was tun (was auch heute zu erkennen ist), was ein Erkennen Ihrer Funktion erschwert (die Studentenbewegung konnte in der Frage, was die Gewerkschaften tun, teils aufzeigen das die Gewerkschaften nicht im Interesse der Bewegung handelten).

Es wurde darauf hingewiesen dass die Erfahrungen aus der Revolution von 1918 bis 1919 in Deutschland bei der Mehrheit der Arbeiter verloren gegangen sind, insbesondere aufgrund der besonders tiefgehenden Konterrevolution der deutschen Bourgeoisie (erst ab 1960 gab es durch die ungeschlagene Arbeitergeneration wieder Streiks in Deutschland). So wurde z.B. gesagt das man in Gesprächen zu hören bekommt das die Studentenbewegung in Frankreich zwar gut gewesen wäre, aber das Deutschland zu sehr eine "Nazitradition" hätte und wenn dann wäre die Bewegung von 1918 bis 1919 ein Aufstand von einigen wenigen aber keine Revolution gewesen. Es wurde in der Diskussion, auch daraus, die Notwendigkeit der politischen Organisationen des Proletariat für die Bewusstwerdung der Lehren deutlich. Die Arbeiterklasse muss sich der Erfahrungen der revolutionären Arbeiterbewegung, das die Sozialdemokratie und die Gewerkschaften zu Ihren Feinden geworden sind..., bewusst werden um sich gegenüber den zunehmenden Angriffen wehren zu können und um die zunehmenden Widersprüche des Kapitalismus durch Ihre Selbstorganisation, hin zu einer neuen Gesellschaftsform, zu überwinden.

Es wurde schon zu Beginn die These geäußert das es eine Revolution gab und folgende anschließende Fragen gestellt: Wäre eine erfolgreiche Revolution möglich gewesen und warum ist Sie gescheitert.

Es wurde gezeigt was die Weltsituation zur Zeit der Revolution von 1918 bis 1919 in Deutschland war.

Die revolutionäre Bewegung im November entstand mit dem starken Wunsch nach Frieden und Nahrung. Das russische Proletariat hatte sich zuvor in Massen erhoben, sich über die Sowjets organisiert und seit Anfang Oktober die Macht errungen. Die Kriegsbegeisterung der Arbeiter in Deutschland war verflogen und es gab immer mehr Streiks. Nach vier Jahren Weltkrieg waren die Matrosen an der sog. Wasserkante in Norddeutschland, nicht mehr bereit in sinnlosen Schlachten zu sterben. Dieser Teil Deutschlands war aber für den Verlauf der Revolution nicht so entscheidend, da er anders als Berlin kein konzentriertes Proletariat, insbesondere der Industrie, mit politischer Bildung aufwies. Soldaten können im Krieg aufgrund Ihrer Stellung revolutionär werden, nach einem Friedensvertrag werden Sie jedoch ein unsicherer Faktor für die Revolution, Sie sind nun nicht mehr generell revolutionär. Daraus hat die Bourgeoisie gelernt und greift die Arbeiter in einer revolutionären Stimmung, möglichst ohne direkten Kontakt zu den Soldaten an (z.B. mit Bomben), damit diese nicht von Solidarität durchdrungen werden. So waren auch die Soldatenräte inhomogen (auch Hitler war einmal ein Delegierter der Soldatenräte) Dabei hat sich gezeigt dass eine Massenbewegung an Frauen einen großen Einfluss auf die Soldaten hatte, sich mit Ihnen zu solidarisieren, was auch geschah. Mit dem Aufstand der Matrosen im November solidarisierten sich die Arbeiter, die nicht mehr gewillt waren zuzulassen dass Arbeiter wie Sie auch in Frankreich und Russland durch den Krieg massenweise ermordet wurden. Die Arbeiter sammelten sich und zogen vorbei an den Fabriken in Richtung Berlin, zum Regierungsviertel, welches von Arbeitervierteln umgeben war.

In der Diskussion wurde gesagt dass die Arbeiter aber allgemein die Illusion nicht überwunden hatten, dass Sie nach dem Krieg an die Zustände wie vor dem Krieg ansetzen könnten und mit alten Mitteln Ihre Lebensbedingungen verbessern könnten. Dies nutze die in die Regierung gesetzte SPD aus, die wie die Gewerkschaften, wenn auch nicht immer offen zu erkennen, im Interesse der Bourgeoisie für den Krieg gestimmt hatte und sich damit endgültig vom Interesse der Arbeiterklasse grundlegend entfernt hatte. Die SPD sich aber nun in dieser Situation nach dem Krieg und unter dem Druck der Arbeiter wieder revolutionär und sozialistisch gab war in der Vorstellung vieler Arbeiter immer noch mit Ihnen verbunden weil die Sozialdemokratie so lange die politische Organisation der Arbeiter gewesen war; warum auf einmal nicht mehr? Durch die Bezugnahme auf die Illusion der Arbeiter nach Frieden unter den im Krieg gegeneinander gehetzten Klassenangehörigen konnte die SPD die Arbeiter täuschen, in dem Sie ausgab nun nach dem Krieg wieder auf der Seite der Arbeiter zu stehen. Der Krieg war nicht aus einer großen allgemeinen Wirtschaftskrise entstanden, sondern wie gesagt wurde aus einer Militärischen Krise (Aufeinanderprallen der Imperialistischen Länder im Kampf um Absatzmärkte, die damalige Wirtschaftskrise war nicht ausschlaggebend), deshalb konnte es die Illusion geben das ein Zurück zur Vorkriegssituation anzustreben wäre. Zur Bedeutung der allgemeinen Wirtschaftskrise wurde in der Diskussion gesagt dass es wichtig ist dass Sie weltweit ist und dass die Arbeiterklasse weltweit in die Revolution eingehen muss. Die Wirtschaftskrisen werden immer wieder kommen. Der 1. Weltkrieg war ein unverstandenes erstmaliges traumatisches Erlebnis für die Arbeiterklasse und deshalb war die Sehnsucht nach den alten Strukturen wohl so groß, der tiefere Zusammenhang konnte nicht erkannt werden, dies versuchte die SPD mit Scheidemann und Friedrich Ebert auszunutzen und sich an die Spitze der potenziell revolutionären Bewegung, die Sie nicht ohne weiteres brechen konnten, zu stellen, um von hier Ihre Manipulationen im Interesse der Herrschenden Klasse zu vollziehen. Die Entfernung von der Sozialdemokratie, der alten politischen Organisation der Arbeiter, wurde laut mehrerer Diskussionsbeiträge, auch dadurch erschwert das der revolutionäre Flügel, der Spartakusbund, so lange in der Organisation der Sozialdemokratie verblieb aber später nicht mehr mit der USPD, die aus der SPD ausgetreten war zusammenkam um mehr Arbeiter zu erreichen. Es wurde gesagt dass man nicht flexibel genug und zu bürokratisch war. Die Frage nach dem Warum wurde in der Diskussion aber nicht ganz geklärt. Einerseits gibt man die alte Organisation nicht einfach auf, bevor eine neue entstanden ist, über die Sozialdemokratie waren mehr Arbeiter zu erreichen und es sollten die revolutionären Mitglieder der Sozialdemokratie gewonnen werden. Viele Arbeiter hielten Friedrich Ebert für fähig die Revolution zu machen. Es wurde auch gesagt, ohne weitere Erfahrungen, war den Arbeitern aus dieser einmaligen Situation noch nicht klar, dass der Verrat der Sozialdemokratie nicht mehr rückgängig zu machen war. Doch gab es mit Verfliegen der Kriegsbegeisterung immer mehr wirtschaftliche Streiks und damit eine potentielle Tendenz auch die Beziehung zur Sozialdemokratie in Frage zu stellen. Denn die Konfrontation gegenüber den Interessen der Bourgeoisie im wirtschaftlichen Streiks zeigt auf welcher Seite die SPD und die Gewerkschaften stehen und vermindert die Illusionen darüber. Durch die Zunehmenden Angriffe der Bourgeoisie wurden die Arbeiter erstmal dort wo die Angriffe stattfanden radikalisiert, so weit gehend das z.B. im Ruhrgebiet eine SPD Versammlung mit Maschinenpistolen aufgemischt wurde. Die Arbeiter hatten also nach der blutigen Niederschlagung der Arbeiteraktionen erkannt auf welcher Seite die SPD steht, doch fehlte es hier an der notwendigen Organisation und Bewusstwerdung der Arbeiter darüber wie die Revolution auszudehnen ist. Die Arbeiter wurden auch landesweit hier und dort vermehrt durch das Zusammenkommen der Revolutionsbewegung und wirtschaftlicher Kämpfe (Dezember 1918 bis März 1919), über die Desillusionierung radikalisiert und politisiert. In Berlin waren die Arbeiter nun für den Generalstreik, aber es folgte kein Aufstand, im Ruhrgebiet gab es eine Massenstreikbewegung, in Mitteldeutschland war aber schon ein Vertrag mit der Regierung gemacht worden (nachdem die SPD taktisch die Abstimmung zum Ausruf zum Generalstreik verzögert hatte). Die blutigen Angriffe der Bourgeoisie im Januar mit der Ermordung von R. Luxemburg und K. Liebknecht (danach gab es eine große Demonstration) waren zu traumatisch um allgemein überwunden zu werden. Für einen Generalstreik im ganzen Land war es zu spät. In Russland war es der politischen Organisation durch die Arbeiterbewegung selber, insbesondere durch die klassenbewussten Teile früher klar dass ein Aufstand kommen wird.

Es wurde gesagt dass viele Faktoren sich negativ auf den Fortschritt der revolutionären Bewegung auswirkten.

In der Diskussion und in der Einleitung wurde noch mehr zur Situation im 1. Weltkrieg gesagt:

Die deutsche Bourgeoisie konnte sich, da eine von den Nationen gefürchtete Revolution in zentralen Ländern wie Deutschland, abzuwenden war, mit England auf einen Friedensvertrag einigen, anders als zu Beginn der Russischen Revolution, da Russland für den Weltkapitalismus nicht wichtig genug war, dort war also die Revolution die einzige Möglichkeit den Krieg zu beenden, worin sich Arbeiter und Bauern einig waren. Die Bourgeoisie wollte die Gefahr der Ausbreitung der Revolution verhindern. Der verhasste Kaiser, der für den Krieg stand und mit Truppen die "gute alte Ordnung wieder herstellen wollte, wurde am 9. November abgesetzt. Damit schien die Arbeiterklasse eine Macht errungen zu haben.

Die im Bewusstsein der herrschenden Klasse agierende SPD, die wieder im Interesse der Arbeiter, an der Spitze der Arbeiterbewegung zu agieren schien, konnte so die Illusionen der Arbeiter fördern und mit dazu beitragen der Arbeiterklasse eine große Niederlage zu bereiten. Nationen die im Krieg verloren hatten, wie Deutschland, waren bemüht mittels der Ideologie des so genannten Revanchismus der im Wesen Nationalismus bedeutete (in Form von Wiedergutmachung und Rache gegenüber den Siegermächten), die Arbeiter gegenüber den Arbeitern in Nationen die im Krieg gewonnen hatten wie England und Frankreich zu spalten. Die Siegermächte taten das gleiche mit Hilfe der Ideologie des so genannten Chauvinismus ("uns geht es bald wieder gut, wir haben Deutschland besiegt"). Es wurde gesagt das es nach dem Krieg 1918 wirklich für die Siegermächte neue Märkte und Kapitalentwicklung gab. In Deutschland gab es bis 1923 durch den Krieg eine Krise mit Inflation, einen Raubau in der Industrie und eben einen großen Konkurrenzdruck. Die Arbeiter waren erschöpft, die materiellen Lebensbedingungen verschlechtert. In England gab es erst 1926 einen Streik der Ernüchterung, was zeigt dass die Ungleichzeitigkeit und Uneinigkeit in der Revolution eben auch durch die Kriegssituation, ohne vorhergehende allgemeine Wirtschaftskrise, bedingten Illusionen und Ideologien die den Arbeiter noch anhafteten zustande kam. So ist z.B. auch gesagt worden das der Bourgeoisie mit der Ideologie "die Deutschen beuten euch aus" auch eine Spaltung zwischen deutschen Arbeitern aus Oberschlesien, welches eines der Revolutionszentren war und polnischen Arbeitern gelungen war. Es wurde erwähnt dass in Frankreich der Aufruf zum Bürgerkrieg schnell durch Ermordung erstickt wurde.

Schon in der Einleitung wurde gesagt dass durch die Illusion über die Stellung der SPD sich die teils siegreichen Arbeiter in Deutschland viele Ihrer Errungenschaften wieder entreißen ließen. So setzte die SPD im Kongress, aufgrund Ihrer offiziellen Mehrheit, die Nationalversammlung durch, anstelle alle Macht den Räten zukommen zu lassen, wofür Obleute wie R. Müller, der wie Trotzki Vorsitzender der Arbeiter- und Soldatenräte war und Mitglied der USPD war, die im gewissen Sinne zwischen SPD (rechter Flügel) und dem revolutionären Spartakusbund (linker Flügel) standen, gestimmt hatten (die USPD trat nach der großen Angriffswelle gegen die Arbeiter Ende Dezember aus der SPD aus). Obwohl Arbeiter und Soldaten- Räte als Organisationsform der Arbeitermassen Mitte Dezember gebildet worden waren, waren diese auch aufgrund des Mangels an Bezug auf eine klare politische Organisation nicht reif genug sich geschlossen der SPD entgegenzustellen, die Macht der Räte, als notwendige Organisationsform der Arbeiterklasse, auszuweiten und die Revolution voranzutreiben. So erschien nun die Nationalversammlung als offiziell von den Räten legitimiert. Den "Organen" die potentiell, aufgrund Ihrer Stellung eine vermittelnde Funktion zwischen Arbeiterräten und einer politischen Partei, die noch nicht gebildet war, "inne hatten", nämlich den so genannten "Obleuten" kam eine neue sehr bedeutende Aufgabe zu, als Bezug zu der Massenbewegung der Arbeiterklasse.

Es konnte aber nicht geklärt werden ob eine Siegreiche Revolution möglich gewesen wäre. Es wurde gesagt dass aufgrund der großen Arbeitermassen die Potenz dazu bestanden hätte. Es wurde aber andererseits das Fehlen einer organisierten, einheitlichen, marxistischen Organisation als Hauptursache für das Scheitern genannt. In Russland hatte die Partei, wobei auch in Ihr die Menschewiki entsprechend der SPD relativ großen Einfluss hatten, einen stärkeren Bezug auf die in Sowjets organisierten Arbeitermassen. In Russland war die Partei schon 1903 vor den großen wirtschaftlichen Kämpfen der Arbeiterklasse 1905 in Russland gebildet worden (die Arbeiterklasse Russlands hatte also mehr als zehn Jahre Zeit eine neue Organisationsform, die Sowjets und die bolschewistische Partei zu entwickeln). Doch gab es hier über die Bedeutung der Gewerkschaften und des Parlamentes kein klares Bewusstsein (wie im Spartakusbund bei R. Luxemburg), was Revolutionären wie Lenin klar war, war das aus dem Krieg in eine revolutionäre Bewegung umzuschenken sei und das der Revolution in Deutschland als zentrales Land zu Hilfe zu kommen sei, um den Verlauf der Revolution dort positiv zu beeinflussen. In der Diskussion wurde zu Klarstellung gefragt auf welche Weise? Zusammenkommen mit dem Proletariat in Deutschland oder taktische Verhandlungen mit der deutschen Bourgeoisie? Der Friedensvertrag mit Finnland hatte z.B. verhindert das die revolutionäre Bewegung Russlands den Arbeitern Finnlands zu Hilfe eilen konnte. Es ging aus der Diskussion hervor dass das wesendliche hätte sein müssen dass die Arbeiterklasse zusammenkommt und das dabei den Revolutionären u.a. auch "taktische" Fehler unterlaufen sind. Die Fallen der Bourgeoisie zu erkennen, die das Verbinden der Arbeitermassen mit den Revolutionären mit allen möglichen Mitteln unterbinden wollte, und die Revolution durch Abwendung von der SPD und Intensivierung der Massenkämpfe und Verstärkung der Arbeiter- und Soldatenräte voranzubringen, das Zusammenbringen von wirtschaftlichem und politischem Kampf, die Bewusstwerdung der Massen wie R. Luxemburg dies verdeutlichte. Dies wurde nicht genügend erreicht und somit konnte die 3. Internationale nicht wirklich weltweit, international werden und damit nicht revolutionär bleiben.

"Nach der Novemberrevolution in Deutschland gab es wie nach der Februarrevolution 1917 in Russland die Situation der Doppelmacht. Die Bourgeoisie konnte nicht mehr regieren wie vorher, aber die Arbeiterklasse war noch nicht soweit, um die Macht zu übernehmen. Die Arbeiter und Soldaten- Räte wollten die Regierung kontrollieren. Ein solcher Zustand der Doppelmacht kann nicht lange dauern. Entweder geht die Arbeiterklasse weiter oder die Bourgeoisie übernimmt wieder voll und ganz die Regie."

"R. Luxemburg als Teil der Spartakisten warnte davor, zu glauben, man hätte schon gesiegt. Mit der Abdankung des Kaisers ist noch nicht viel erreicht. Die Revolution muss fortgeführt werden, wenn sie nicht verloren gehen soll. Besonders sind wirtschaftliche Kämpfe gegen die katastrophalen Lebens- und Arbeitsbedingungen notwendig. Auch darum, um die Arbeiter davon zu überzeugen, dass die Sozialdemokratie und Gewerkschaften ihre Feinde sind trotz ihrer radikalen Reden."

Es wurde in der Diskussion darauf hingewiesen das R. Luxemburg die spontan entstehende Phase der Revolution von einer notwendigen zweiten Phase unterschied, in der die Ausdehnung und Organisierung wirtschaftlicher Kämpfe der Arbeiterklasse notwendig wurde, das der ökonomische Kampf aber nicht vom politischen zu trennen ist sondern das diese eine Einheit bilden. Das Ziel des Kommunismus ist durch nichts zu ersetzen. Die Notwendigkeiten der Revolution bauen aufeinander auf, dies kann nicht künstlich übersprungen werden. Der Organisierungsgrad der Revolution musste zunehmen.

Es wurde gesagt das im Januar 1919 nach der zweiten großen Angriffswelle der Bourgeoisie, ein Aufstand verfrüht war, daraufhin wurde gefragt: wenn Arbeitermassen sich bewegen was ist dann verfrüht? Eine schon vorweg gestellte Frage war Putschversuch oder Massenkampf von Millionen.

Darauf wurde gesagt dass sich zwar Arbeiter- und Soldatenräte gebildet hatten, aber diese Organisationsform hatte sich nicht genügend ausgedehnt, dem Kongress der Arbeiter und Soldaten- Räte in Berlin ist keine Ausdehnung und Vertiefung der Organisierung der Arbeiterklasse gefolgt. Die SPD hatte in den Räten noch einen zu großen Einfluss und die Stimmung der Räte drückte später im April nicht mehr die Stimmung der Arbeiter aus. Die Stimmung war nicht einheitlich. In vielen Städten war der Einfluss der SPD noch zu groß. Das ging soweit das, auf bei einer von der SPD dominierten Demonstration, "Deutschland, Deutschland über alles..." gesungen wurde. Diese nationalistische Bewegung war gegen die Revolution gestimmt. Die SPD war meist in der Mehrheit. Auf diesem Kräfteverhältnis aufbauend für einen Aufstand aufzurufen ist nicht fruchtbar. Zudem wurde gesagt das der direkte Aufruf zum Aufstand überzogen war, da es nun keine konkreten Ziele mehr gab. Andererseits wurden Massendemonstrationen nicht weiterführend unterstützt. Es wurde gesagt das es "Gift" ist wenn viele Menschen zusammenkommen daraus aber nichts weiterführendes entsteht und das die Arbeiterpositionen ernst zu nehmen sind (so wie bei der Studentenbewegung in Frankreich 2006 es wichtig war zu erkennen das es sich um Positionen der Arbeiterklasse gehandelt hat).

Grossdemonstrationen wurden in einer bestimmten Phase der Bewegung durch die Entlassung des arbeiterfreundlichen Eichhorns durch die SPD oder vorher für die Freilassung Liebknechts aus dem Gefängnis ins Leben gerufen. Was nicht genügte um die revolutionäre Bewegung fortzuführen. Zwar gab es Diskussionen an den Gefängnissen, was an die Diskussionen der Studentenbewegung in Frankreich erinnert und es gab auch keinen Terror aber die Verbindung zur SPD, den Gewerkschaften (bzw. ungenügende Entfernung) und der Mangel an einer klaren politischen Organisation war in Deutschland immer noch zu groß.

Die herrschende Klasse versuchte alles Mögliche um die Arbeiterklasse zu spalten und damit eine Ausweitung der revolutionären Bewegung zu unterbinden.

So war die Arbeiterklasse z.B. nicht einig über die Bedeutung der Pressenfreiheit und damit uneins über die Notwendigkeit der Besetzung der Zeitungsdruckerreien die gegen die Revolution hetzten und Nutzung der Zeitungsdruckerreien zum Druck der revolutionären Presse. Für die Mehrheit der Arbeiter war die Pressefreiheit "heilig". Diese Uneinigkeit machte sich die herrschende Klasse im Januar zu Nutze und provozierte, unter Einsatz eines Spitzels, die Besetzung einer Zeitungsdruckerrei (Vorwärts, der besonders gegen die Arbeiter- und Soldatenräte hetzte und schon am 25. Dezember nach einer großen Demonstration besetzt worden war) um dann einen "berechtigten" Vorwand für die Zerschlagung des Aufstandes zu haben. Daraufhin wurde zum Generalstreik aufgerufen in einer Situation wo das Kräfteverhältnis auf eine Stärkung der herrschenden Klasse hinauslief, da die Arbeiterklasse dazu nicht einig war.

"Die deutschen Arbeiter hatten großen Unwillen gegen den Bruderkrieg im 1. Weltkrieg, wo sie ihre Brüder in Frankreich und Russland ermorden mussten. Die Bourgeoisie wusste von diesem Abscheu und propagierte, die Spartakisten wollten den Bruderkrieg fortführen. Die Spartakisten wollen den Terror, sie planen das Abschlachten der Sozialdemokraten. Deshalb wollte sie die Arbeiter provozieren und wenn das gelang und die Arbeiter zurückschlugen, dieses Zurückschlagen als das Werk der Spartakisten hinstellen, als Beweis, dass die Spartakisten den Bruderkrieg wollen (so wie dies heute teils noch in den Schulbüchern dargestellt wird)."

Neben der Kontrolle über die Druckereien ist auch die Kontrolle über die Eisenbahnen für die Revolution wichtig da so z.B. keine Soldaten mehr transportiert werden konnten, wie sich dies in Russland gezeigt hatte, deshalb ließ die deutsche Bourgeoisie mit Ebert den Eisenbahnern die mit Streik drohten eine Lohnerhöhung zukommen.

In dieser komplexen Situation, wo die alten Verhältnisse zu den alten Massenparteien wie der SPD sich gewandelt hatten und damit die notwendige Organisationsweise der Arbeiterklasse neu zu erkämpfen war, unter der Besonderheit der Kriegssituation, gab es unter den verschiedenen Teilen der Arbeiterorganisation viel Unklarheit und Verwirrung, Unfähigkeit alte gewohnte Verhältnisse und Ihre Strukturen zu durchbrechen, die veränderte Situation wirklich zu begreifen, die Fallen der Provokationen der herrschenden Klasse, die oft durch Spitzel forciert wurden, zu durchschauen und entsprechend zu agieren, was sich in Ungeduld und eben dann taktischen Fehler bemerkbar machte. Die geschichtliche Situation in der die Weltrevolution zum Ziel stand war erstmalig und äußerst schwierig.

Häufig wurden von der Bourgeoisie auch falsche Informationen verbreitet oder auch verhindert das bestimmte Treffen der revolutionären Bewegung stattfinden konnten b.z.w. diese taktisch bis es zu spät war verzögert wurden, oder Verträge mit den Arbeiterräten aus bestimmten Teilen Deutschlands gemacht wurden, was an verschiedenen Punkten der Organisation der Arbeiterklasse entgegenwirkte. Verschiedene weitere Provokationen die Anlass und Rechtfertigung für die militärische Zerschlagung durch die Bourgeoisie lieferten. Zudem wurden von der Bourgeoisie "freiwilligen" Korps auch finanziell unterstützt und zur Ermordung von R. Luxemburg und K. Liebknecht, mit hoher Belohnung, aufgerufen. Wie schon gesagt die Spartakisten als "Kriegstreiber" dargestellt. Als das Kräfteverhältnis sich zugunsten der Bourgeoisie gewandelt hatte ging Sie zur brutalen Zerschlagung über: Hinrichtungen, Frauenmisshandlung, Einsatz der Luftwaffe...

Doch dies radikalisierte die Arbeiter neben der Einschüchterung, Isolierung und Paralysierung auch weiter, da Ihnen dadurch noch mehr Ihre Illusionen genommen wurden, was ohne politische Bewusstwerdung der Arbeiter zur Niederschlagung durch die Bourgeoisie verdammt war.


Schlussrunde:

Die Frage ob die Revolution von 1918 bis 1919 hätte siegen können und ob eine Weltrevolution aus dem Krieg heraus möglich ist oder nur durch eine weltweite allgemeine Wirtschaftskrise möglich ist, blieb ungeklärt.

Wobei heute die Möglichkeit der Revolution aus einem Weltkrieg heraus nicht mehr möglich ist, da ein Weltkrieg heute Menschheits- vernichtend wäre.

Wurde in der Revolution von 1918 bis 1919 der Massenstreik nicht genügend ausgedehnt?

Warum gab es keine einheitliche Parteipositionen (im Spartakusbund)?

Antworten:

Der Spartakusbund war nicht genügend organisiert.

Die Arbeiter Deutschlands waren zu autoritätsgläubig.

Die Diskussion war ein gemeinsames Bemühen Fragen konkret zu beantworten.

Eine Diskussion in der Neugierde und Emotionalität geweckt wurde, klar wurde das wir Teil dieser Klasse sind aus der die Revolution entsprang.

Es wurde für das nächste Treffen das Thema Massenstreik vorgeschlagen.

Die Diskussion brachte die Frage nahe was wir tun müssen, welche Entscheidungen wann richtig wann falsch sind und auch klar machte wie viel Lügen über die Revolution in Russland und in Deutschland verbreitet wurden und werden und wie viel falsche Vorstellungen in der Arbeiterklasse darüber bestehen.

Aus den offenen Fragen heraus wurde vorgeschlagen einen weiteren Diskussionszirkel zu diesen Fragen zu machen.

Es wurde noch bemerkt das es schade gewesen sei, dass in der Diskussion nicht verschiedene Positionen auch anderer Organisationen diskutiert werden konnten, damit das Thema von allen Seiten hätte behandelt werden können.


Nachträgliche Anmerkung: vielleicht auch zur Frage des Übergangs der Organisationsweisen der Arbeiterklasse vor und nach dem 1. Weltkrieg bzw. welche Bedeutung hatte die politische Bildung der Arbeiterklasse in Russland zwischen 1905 und 1917 und was war der Unterschied zu Deutschland?

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