FC Kuhdorf gegen FC Downtown Switzerland, FACTS Webpage, 27. 12. 2001

Die Kunst des verbalen Foul-Spiels: Wenn sich Basler und Zürcher schon gegenseitig auf dem Internet beschimpfen wollen, dann bitte richtig!

Von Michael Marti

Auch Fussball-Fans sind des Lesens und Schreibens mächtig – das ist die positive Überraschung aus der Flut von E-Mail-Meldungen, die nach der Veröffentlichung des FACTS-Artikels «Basel erwartet» das FACTS-online-Forum überschwemmte; bisher über 300 Wortmeldungen löste der Beitrag aus, der mit dem FC Basel hart ins Gericht geht. Mittlerweile rufen feurige Basler gar zum FACTS-Boykott auf und auf www.zurei.ch soll der «Widerstand gegen Zürich» organisiert werden. Bravo, liebe Beppi! So heftigen digitalen Protest, so viel vernetzte Aufregung, so grosse webweite Entrüstung gabs noch nie! Das bedeutet Schweizer Rekord!

Und die negative Überraschung? Einige der E-Mail-Stürmer können auf dem schwierigen Feld des verbalen Ausdrucks das Niveau, welches man sich von den Basler Tschüttelern auf dem Rasen gewohnt ist, nicht ganz halten. Selbstverständlich, wir Zürcher, die in besagtem Artikel die Stadt am Rheinknie als «Kuhdorf» bezeichnen, müssen jetzt auch einstecken können – aber trotzdem: Wortschöpfungen wie «Dreck-Bögen», «Züri-Deppen», «Füdli-Zürcher» oder «scheiss zürcher huhrensöhne» in radikaler Kleinschreibung stammen doch eher aus der sprachlichen Regionalliga – da wird mit viel Wucht drauflos getreten, aber mehr das Grün als der Ball getroffen. Das kann sich kein Verein leisten, weder ein Basler noch einer aus Downtown Switzerland.

Ein Vorschlag zur Güte: Wenn die beiden Schweizmetropolen sich unbedingt im Internet, vor einem weltweiten Publikum also, gegenseitig beschimpfen wollen, dann bitte richtig und mit schöpferischer Sprachgewalt! Auf der Internetsite www.schimpfwoerter.de gibts nämlich Munition für mehr als einen Bürgerkrieg: Zurzeit enthält das Online- Vokabularium der Gemeinheiten 1413 Schimpfwörter, davon immerhin 1261 jugendfreie. Also: Sollte diese Kolumne irgendwelche Basler erzürnen, dann möchte ich, der Zürcher, mit folgenden Verwünschungen bedacht werden: «Arschnase mit Analantrieb», «Monsterbacke», «Foliengriller», «Fahrradhelmträger», «Fickfehler», «Maschinenölsäufer», «Unterhosenumdreher», «Mitdemwindpisser», «Samstags- Autowascher» oder «Windows-alle-2-Wochen-neu-Installierer». Das, liebe Basler, ist eine 1A-Auswahl an Fluchwörtern, die einen in die Magengrube treffen. Wie ein Tor des FCB gegen GC.

Und nun das Allerletzte: eine Mitteilung nämlich an den Wortdribbler D. Robert, der im FACTS-online-Forum prophezeit, dass sich bald die ganze Welt über die arroganten Zürcher «todlachen» werde. Das mag sein – aber dann bitte mit t. Noch ertragen wir Zürcher so viel Härte (siehe auch Interview mit P. Widmer).
 

   
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