René C. Jäggi
Euterstrasse 1
4000 Kuhdorf
Herrn
Hannes Britschgi
Chefredaktor "Facts"
Werdstrasse 21
8021 Zürich
 
Kuhdorf, 20. Dezember 2001

 

Offener Brief zum Artikel "Basel erwartet" über den FCB, den Ex-Daig und alle anderen, die im Kuhdorf Basel hinter Vitrinen gesperrt sind, publiziert im "Facts" vom 20. Dezember 2001.

Sehr geehrter Herr Chefredaktor Hannes Britschgi

Ich hätte Ihnen diesen Brief auch per Post senden können, doch da in unserem Kuhdorf die Post nur einmal wöchentlich bearbeitet und danach per Ochsenwagen quer durch jeden Fladen gefuhrwerkt wird, habe ich mich für eine Veröffentlichung auf unserer FCB-Webside entschieden, in der Hoffnung, dass er Sie auf diese so moderne Kommunikationsart erreicht, noch bevor Sie mir die nächste Ausgabe Ihres Schweizer Nachrichtenmagazins zustellen. Denn Fakt ist: Das will ich nicht mehr.

"Facts" heisst nämlich "Tatsachen". Das hat mir ein der englischen Sprache mächtiger Freund aus dem nicht mehr existierenden Basler "Daig" eingeflüstert. Da war ich wieder einmal schampar dankbar, dass selbst hier in unserem Kuhdorf ein paar Gebildete hinter Glas und zwischen Museumswänden sitzen, die sogar englisch muhen können.

Dankbar bin ich aber vor allem, dass im Artikel "Basel erwartet" im neuesten "Facts" zwei Fakten den Tatsachen entsprechen, oder wenigstens teilweise:
 

Damit müsste ich in diesem Schreiben eigentlich zu all jenen Fakten kommen, die im "Facts"-Artikel keine sind. Doch stellt mir "Facts" als Antwort auf besagten Artikel die notwendigen 20 bis 30 Seiten zur Verfügung? Mal abgesehen davon, dass ich noch anderes zu tun habe. Denn Zeit ist Geld. Und um zu verhindern, dass Sie, sehr geehrter Herr Facts-Chefredaktor Britschgi, nochmals in Ihrer früheren Funktion als Redaktor vom "Kassensturz" tätig werden müssen, will ich diese indirekten Kosten für die in diesen Brief investierte Zeit nicht auf das 30-Millionen-Budget des FCB abwälzen, sondern bezahle sie aus dem eigenen Sack. Da bin ich eisern, das ist in Beton zementiert - ich zeichne nämlich auch sonst sämtliche Checks, die nicht direkt mit dem FCB zu tun haben, immer privat. Abgesehen davon machen wir bei uns in Kuhdorf Geld ohnehin vor allem dadurch, dass wir zuverlässig melken, heuen und misten. Deshalb bescheide ich mich hier nur darauf, auf die grundsätzliche Tonalität dieses hochwissenschaftlichen, mit lauter hieb- und stichfesten Daten und Fakten wahrlich überladenen Artikels einzugehen.

Zum Schluss möchte ich mich bei "Facts" aufrichtig entschuldigen, dass Sie uns nicht auch noch der Misswirtschaft bezichtigen konnten, dass wir finanziell fit sind, dass wir zum grossen Schaden des gesamten Schweizer Fussballs ein nettes Stadion, eine sportlich wettbewerbsfähige Mannschaft und mehr als ein paar Dutzend Fans haben, kurzum, dass die Führung des FC Kuhdorf den einst eingeschlagenen Fahrplan im Grossen und Ganzen eingehalten hat. So haben wir Sie quasi zu einem Artikel gezwungen, in dem auf bemerkenswert schwungvolle Art ein journalistischer Stimmungsslalom gefahren werden musste - mangels wirklicher "Facts".

Auf die werde ich notabene ab sofort verzichten, und zwar im wahrsten Sinn des Wortes. Teilen Sie das bitte Ihrer Abonnementenabteilung mit.

Mit grosskopfeten Grüssen

René C. Jäggi
Präsident FC Basel

P.S. Alle kursiven Stellen entsprechenden wörtlichen oder sinngemässen Zitaten aus dem Facts-Artikel.  

   
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