Kritik am mechanistischen Weltbild

von Patricia Foidl

Dieses Paradigma gilt für die progressiven Systemtheoretiker und -denker um Fritjof Capra als überholt und veraltert, da entscheidende in unserer Zeit wichtige Leitbegriffe, wie Partnerschaft, Flexibilität, Vielfalt und Vitalität vor allem im wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Bereich vernachlässigt werden und stattdessen anthropozentrisches (=selbstbehauptendes) Denken und anthropozentrische Werte die Menschen bestimmen: rational, Analyse, reduktionistisch und linear stehen den ökozentrischen (=integrativen) Wörtern intuitiv, Synthese, ganzheitlich und nicht linear zusammen mit Expansion, Konkurrenz, Quantität und Herrschaft contra Erhaltung, Kooperation, Quantität und Partnerschaft gegenüber;

Obwohl wir uns bewußt sind, daß sich dieses Jahrhundert dem Ende nähert, und die Sorge um unsere Umwelt vordringlich geworden ist, da wir vor einer ganzen Reihe alarmierender, globaler Probleme, wie Armut, Ausrottung wichtiger Tier-und Pflanzenarten, Ressourcenknappheit, Umweltzerstörung und ethnischen stammesbedingten Spannungen stehen, haben Führungspersönlichkeiten in der Regel noch nicht erkannt, daß scheinbar grundverschiedene Probleme doch miteinander zusammenhängen. Zum anderen weigern sie sich, ihre Verantwortung dafür zu erkennen, daß sich ihre sogenannten Lösungen auch auf künftige Generationen auswirken.

Die Spannung zwischen der mechanistischen und der ganzheitlichen Sichtweise ist immer wieder thematisiert worden.Sie ist die unvermeidliche Folge der althergebrachten Trennung von Substanz (Materie, Struktur, Quantität) und Form (Muster, Ordnung, Qualität).

In der Frühzeit der westlichen Philosophie und Wissenschaft unterschieden die Pythagoreer zwischen "Zahl" oder "Muster" und Substanz oder Materie und sahen in der Zahl etwas, was die Materie begrenzt und ihr Form verleiht.

Auch Aristoteles, der erste Biologe der westlichen Tradition, unterschied zwischen Materie und Form; zugleich verband er aber beides durch einen Entwicklungsprozeß.

Im 16.Jahrhundert wurde die mittelalterliche Vorstellung eines organischen, lebenden und spirituellen Universums durch die Vorstellung von der Welt als eine Maschine ersetzt. Dieser radikale Wandel wurde durch die neuen Entdeckungen in der Physik, der Astronomie und der Mathematik herbeigeführt, der sogenannten "Wissenschaftlichen Revolution", die mit den Namen Kopernikus, Galilei, Descartes, Bacon und Newton verbunden ist. Galilei bietet uns eine tote Welt, mit der neben ethnischer Sensibilität und Ästhetik vor allem die vorher angesprochenen Werte dahin gegangen sind. Rene Descartes entwickelte die Methode des analytischen Denkens, bei der komplexe Phänomene in einzelne Teile zerlegt werden, damit man das Verhalten des Ganzen aus den Eigenschaften seiner Teile verstehen kann. Sein Bild der Natur beruhte auf der grundlegenden Trennung von Materie und Geist.

Das von Galilei und Descartes errichtete Gedankengebäude wurde auf entscheidende Weise von Isaac Newton durch seine Synthese, der Newtonschen Mechanik, vollendet.

Der erste entscheidende Widerstand gegen das mechanistische Weltbild ging im 18.Jahrhundert von der romantischen Bewegung in Kunst, Literatur und Philosophie aus, als sich die Menschen wieder auf das Wesen der organischen Gestalt besannen. Zentrale Figur dieser Bewegung in der Biologie war Johann Wolfgang von Goethe (Morphologie).

Das Verstehen organischer Formen spielte auch in der Philosophie Immanuel Kants eine wichtige Rolle, gipfelte aber erst in den französischen Schulen um Georges Cuvier, die sich in erster Linie mit dem Problem der biologischen Form befaßten und Fragen der materiellen Zusammensetzung als zweitrangig betrachteten.

Interessanterweise enthalten die von Naturwissenschaftlern des 18.Jahrhunderts entwickelten Anschauungen über die lebende Erde einige wichtige Schlüsselmerkmale der gegenwärtigen systemischen "Gaia-Hypothese".

Während der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts schwang das Pendel jedoch wieder zurück zum Mechanismus, als das neu perfektionierte Mikroskop viele beachtliche Fortschritte in der Biologie ermöglichte.

Bahnbrechende Errungenschaften, wie die Formulierung der Zelltheorie durch Rudolf Virchow, die Anfänge der Embrylogie und Mikrobiologie durch Louis Pasteur, sowie die Entdeckung der Vererbungsgestze durch Gregor Mendel, ließen die Biologie wieder auf Physik und Chemie aufbauen, und die Wissenschaftler bemühten sich erneut, nach physikalischen und chemischen Erklärungen des Lebens zu suchen und doch trugen die neuen Theorien in sich bereits Ansätze zur nächsten Gegenströmung, dem Organizismus.

Bevor dieser jedoch aufkam, durchliefen viele hervorragende Biologen eine Phase des sogenannten Vitalismus. Beide Schulen räumen ein, daß sich die Gesetze von Physik und Chemie auf Organismen anwenden lassen, behaupten aber, daß sie nicht ausreichen, um das Phänomen des Lebens umfassend zu verstehen.

Vitalistische und organismische Biologen unterscheiden sich deutlich bei der Antwort auf die Frage:"In welchem Sinne genau ist das Ganze mehr als die Summe seiner Teile?"

Die Vitalisten versichern zu den Gesetzen von Physik und Chemie müsse noch irgendein nicht-physikalisches Wesen, eine Kraft oder ein Feld, kommen, damit man das Leben verstehen kann. Organismische Biologen behaupten demgegenüber, das zusätzliche Element sei das Verständnis der "Organisation" oder der "organisierenden Beziehungen", welche Beziehungsmuster sind, die der physikalischen Struktur des Organismus innewohnen, weshalb sie versichern, daß zum Verstehen des Lebens kein eigenes, nicht-physikalisches Wesen erforderlich ist. Während nun die organismischen Biologen den kartesianischen Vergleich mit einer Maschine dadurch in Frage stellen, daß sie biologische Formen im Sinne einer umfassenden Bedeutung von Organisation zu verstehen suchten, gingen die Vitalisten nicht über das kartesianische Weltbild hinaus. Ihre Sprache beschränkte sich auf dieselben Bilder und Metaphern, sie fügten nur ein nichtphysikalisches Wesen hinzu, als Schöpfer oder Leiter jener organisierenden Vorgänge, die sich mechanistisch nicht erklären ließen.

Damit führte die kartesianische Trennung von Geist und Körper sowohl zum Mechanismus als auch zum Vitalismus. Zu Beginn des 20.Jahrhunderts dann griffen die organismischen Biologen, die gegen den Mechanismus wie gegen den Vitalismus waren, das Problem der biologischen Formen mit neuem Schwung auf, indem sie viele wichtige Erkenntnisse von Aristoteles, Goethe, Kant und Cuvier ausarbeiteten und verbesserten.

Wichtige Vertreter waren neben Ross Harrison, der den Begriff der Organisation untersuchte auch der Biochemiker Lawrence Henderson sowie der Biologe Joseph Woodger, deren Ideen dazu beitrugen, daß sich eine neue Denkweise, das Systemdenken, entwickelte.

Diese Strömung enthält wichtige Kriterien, die es heute zu erfassen und zu berücksichtigen gilt, um unserem Planeten und folgenden Generationen eine gesicherte Zukunft zu bieten.

Das erste und allgemeinste Kriterium ist der Wechsel der Betrachtungsweise von den Teilen zum Ganzen. Lebende Systeme sind integrierte Ganze, deren Eigenschaften sich nicht auf die Eigenschaften kleinerer Teile reduzieren lassen. Eben weil dieses neue Paradigma die Welt als integrales Ganzes sieht, kann man es als ganzheitliches Weltbild, welches auch der ökologischen Sichtweise entspricht klassifizieren.

Die Verwendung des Begriffs "ökologisch" entspricht jener philosophischen Schule, die in den frühen 70er Jahren von dem norwegischen Philosophen Arne Naess gegründet wurde und hat darüber hinaus mit einer weltweiten, basisdemokratischen Bewegung zu tun, die man Tiefenökologie nennt.

Diese Bewegung ist bemüht, den allen Lebewesen innewohnenden Wert wahrzunehmen: sie betrachtet den Menschen gleichsam als einen der Fäden im Netz des Lebens. Letzten Endes ist tiefenökologisches Bewußtsein ein spirituelles Bewußtsein, während ökologisches Bewußtsein die grunglegende, wechselseitige Abhängigkeit aller Phänomene ebenso zur Kenntnis nehmen müßte, wie die Tatsache, daß wir alle als Individuen und als Mitglieder von Gesellschaften, in die zyklischen Prozesse der Natur eingebunden und von ihnen abhängig sind.

Als das zentrale Definitionsmerkmal der Tiefenökologie wird die Werteproblematik gesehen, weshalb von Tiefenökologen eine ihnen entsprechende Ethik entstanden ist, die ihrer Meinung nach besonders den Wissenschaftlern, deren Arbeit meist lebenszerstörend ist zu gute kommen soll.

Solange Physiker Waffesysteme konstruieren, die das Leben auf diesem Planeten auszulöschen drohen, solange Chemiker die globale Umwelt verseuchen, Biologen neue und unbekannte Arten von Mikroorganismen freisetzen, ohne die möglichen Folgen in Betrácht zu ziehen, solange Psychologen und andere Wissenschaftler Tiere im Namen des wissenschaftlichen Fortschritts foltern, solange all dies so und nicht anders weitergeht, ist es von höchster Priorität, "öko-ethische" Standards in die Wissenschaft einzuführen, nachdem wir seit der Wissenschaftlichen Revolution des 17.Jahrhunderts, wo Werte und Fakten voneinander getrennt wurden, zu der Annahme neigen, daß wissenschaftliche Fakten unabhängig von dem exsistieren, was wir tun, und daher auch unabhängig von unseren Werten sind.

Die Tiefenökologie hingegen vertritt die Ansicht, daß Werte der gesamten lebenden Natur innewohnen, auf der Erfahrung, daß Natur und Selbst eins sind, woraus sich die Grunderkenntnis, die Ausweitung des Selbst bis hin zur Identifikation mit der Natur ergibt.

Neben der Tiefenökologie gibt es noch zwei weitere wichtige philosophische Schulen der Ökologie: die Sozialökologie und der Ökofeminismus. Thema der Sozialökologie ist es, die bedeutende Erkenntnis über die kulturellen Merkmale der gesellschaftlichen Ordnung, die die gegenwärtige ökologische Krise hergeigeführt haben, darzustellen.

Die Aussage des Ökofeminismus ist die Feststellung, daß der zutiefst ökofeindliche Charakter vieler sozialer und ökomenischer Strukturen und ihrer Technologien seine Wurzeln in einem patriarchalischem Herrschaftssystem der sozialen Organisation hat. Patriarchat, Imperialismus, Kapitalismus und Rassismus sind Ausprägungen einer sozialen Herrschaftsform, die ausbeuterisch und antiökologisch orientiert ist.

Ein weiteres wichiges Kriterium des Systemdenkens ist die Fähigkeit sich wechselweise verschiedenen Systemebenen zuzuwenden. Überall in der Lebenswelt sollten wir sehen, wie Systeme innerhalb anderer nisten, und indem wir die gleichen Begriffe auf verschiedene Systemebenen anwenden, könnten wir oft mehr Erkenntnis gewinnen. (BSP: der Begriff Stress angewendet auf Organismus, Wirtschaft, Stadt). Außerdem bedeutet Systemdenken Gemeinwesen zu pflegen und zu bilden, die sich am Prinzip der Nachhaltigkeit ausrichten und Netzwerke darstellen, die organisatorisch geschlossen, aber offen für Energie- und Ressourcenfluß sind. Systemdenker fordern, daß wir wichtige Grundprinzipien der Ökologie als Richtlinien zur Bildung von menschlichen Gemeinschaften übernehmen.

Das erste Prinzip entspricht dem allgemeinen Kriterium, welches schon auf den vorigen Seiten angesprochen wurde, aber wegen seiner Wichtigkeit hier wiederholt wird, ist die wechselseitige Abhängigkeit. Diese zu verstehen, heißt, Beziehungen verstehen. Das wiederum erfordert eine veränderte Ausrichtung unserer Wahrnehmung: von den Teilen zum Ganzen, von Objekten zu Beziehungen, von Inhalten zu Mustern. Die Tatsache, daß das Grundmuster des Lebens ein Netzwerkmuster ist, bedeutet, daß die Beziehungen zwischen den Mitgliedern einer ökologischen Gemeinschaft nicht linear sind und vielfache Rückkoppelungsschleifen enthalten, auf denen Nährstoffe fortwährend recykliert werden. Diese zyklische Beschaffenheit ökologischer Prozesse ist ebenfalls ein wichtiges Prinzip der Systemtheorie und Ökologie. Dies bedeutet für die menschlichen Gemeinschaft, daß der entscheidende Konflikt zwischen Ökologie und Ökonomie aus der Tatsache resultiert, daß die Natur zyklisch ist, während unsere Industriesysteme linear sind. Unsere Unternehmen greifen auf Ressourcen zurück, wandeln sie in Produkte plus Abfall um und verkaufen die Produkte an die Verbraucher, die mehr Abfall verursachen, wenn sie das Produkt konsumiert haben. Ökosysteme unterscheiden sich von individuellen Organismen dadurch, daß sie im Hinblick auf den Rohstofffluß weitgehend (aber nicht völlig) geschlosse Systeme darstellen, während sie im Hinblick auf den Energiefluß offen sind. Die primäre Quelle dieses Energieflusses ist die Sonne. Durch die Photosynthese der Grünpflanzen wird die Sonnenenergie in chemische Energie umgewandelt und hält so die meisten ökologischen Kreisläufe im Gange. Daraus ergibt sich für das menschliche Gemeinwesen: die Sonnenenergie in ihren vielen Formen, Sonnenlicht für Solarwärme und Elektrizität, Wind und Wirtschaft, Biomasse, usw. ist die einzige Energieart, die erneuerbar, ökonomisch effizient und umweltverträglich ist.Solange unseren führenden Politiker und Wirtschaftsexperten diese ökologische Tatsache aber ignorieren, gefährden sie die Gesundheit und das Wohlergehen von Millionen auf der ganzen Welt. Der Golfkrieg von 1991 beispielsweise beruhte zum großen Teil auf der fehlgeleiteten Energiepolitik unter Reagan und Bush.Weiters behandeln die Vertreter der Privatwirtschaft nicht nur Luft, Wasser und Boden als frei verfügbare Rohstoffe, sondern auch das empfindliche Netz von Beziehungen, das durch eine ständige wirtschaftliche Expansion ernsthaft angegriffen wird. Private Profite werden durch die Beeinträchtigung der Umwelt und der allgemeinen Lebensqualität auf Kosten der Öffentlichkeit wie künftige Generationen erzielt. Der Markt vermittelt uns schlicht die falschen Informationen.

Eine der wirksamsten Möglichkeiten, die Situation zu ändern wäre eine ökologische Steuerreform, die aufkommensneutral wäre, weil sie die Steuerlast von Einkommenssteuern auf Ökosteuern verlagern würde. Dies bedeutet, daß Steuern auf bestehende Produkte, Energieformen, Dienstleistungen und Materialien aufgeschlagen würden, so daß sich die wahren Kosten in den Preisen widerspiegelten. Eine wirksame und erfolgreiche ökologische Steuerreform muß ein langsamer und langfristiger Prozeß sein. Neue Technologien müssen entwickelt werden, damit die Verbraucher ausreichend Zeit zur Umstellung haben und die Ökosteuer muß auf eine berechenbare Weise erhoben werden, um die Industrie zu Innovationen anzuregen. Eine langfristig angelegte und schrittweise eingeführte Steuerreform würde nach und nach aufwendige und gefährliche Techniken und Verbrauchsmuster vom Markt vertreiben. Partnerschaft ist eine weitere wichtige Eigenschaft ökologischer Systeme. Der zyklische Energie- und Ressourcenaustausch in ihnen wird durch umfaßende Kooperation aufrechterhalten. Wie wir gesehen haben, hat sich das Leben seit der Entstehung der ersten mit Kernen versehenen Zellen vor über zwei Mrd. Jahren durch immer komplexere Arrangements von Kooperation und Koevolution weiterentwickelt. Partnerschaft also- die Neigung, sich zu assoziieren, Verbindungen zu errichten, ineinander zu leben und zu kooperieren, bedeutet in menschlichen Gesellschaften Demokratie und persönliche Ermächtigung, denn jedes Mitglied der Gemeinschaft spielt eine wichtige Rolle. Im Laufe einer engagierten Partnerschaft versteht jeder Partner die Bedürfnisse des anderen immer besser, die Partner können voneinander lernen und sich verändern. Alle bisher erwähnten Prinzipien der Ökologie bilden verschiedene Aspekte desselben Organisationsmusters. Auf diese Weise organisieren sich Ökosysteme selbst, um ihre eigene Gestaltung gemäß dem Prinzip der Nachhaltigkeit zu optimieren. Sobald wir diese Muster einmal verstanden haben, können wir gezieltere Fragen stellen: Worauf beruht beispielsweise die Widerstandsfähigkeit dieser ökologischen Gemeinschaften? Wie reagieren sie auf Störungen von außen?

Diese Fragen führen uns zu zwei weiteren Prinzipien der Ökologie: Flexibilität und Vielfalt, die es Ökosystemen ermöglichen, Störungen zu überleben und sich veränderten Bedingungen anzupassen.

Die Flexibilität eines Ökosystems ist eine Folgeerscheinung seiner vielfachen Rückkoppelungsschleifen, die das System wieder ins Gleichgewicht zurückbringen, wenn es aufgrund sich veränderter Umweltbedingungen- zu einer Abweichung von der Norm gekommen ist.

Das Prinzip der Flexibilität legt eine entsprechende Konfliktlösungsstrategie nahe. In jeder Gemeinschaft treten unweigerlich Widersprüche und Konflikte auf, die sich nicht zugunsten der einen oder anderen Seite lösen lassen. So braucht die Gemeinschaft Stabilität und Veränderung, Ordnung und Freiheit, Tradition und Innovation. Statt durch rigide Entscheidung werden diese Konflikte viel besser durch die Errichtung eines dynamischen Gleichgewichts gelöst. Ökologisches Bewußtsein schließt das Wissen ein, daß beide Seiten eines Konflikts wichtig sein können, und zwar gemäß dem jeweiligen Kontext, und daß die Widersprüche innerhalb einer Gemeinschaft Zeichen ihrer Vielfalt und Vitaliät sind und damit zur Lebensfähigkeit des Systems beitragen .

In Ökosystemen ist die Komplexität des Netzwerks eine Folgeerscheinung seiner Lebensvielfalt, und daher ist eine vielfältige ökologische Gemeinschaft eine widerstandsfähige Gemeinschaft. In menschlichen Gemeinschaften kann die ethnische und kulturelle Vielfalt dieselbe Rolle spielen.Vielfalt heißt nämlich nichts anderes als viele verschiedene Beziehungen und Ansätze zur Lösung desselben Problems. Eine vielfältige Gemeinschaft ist außerdem eine Gemeinschaft, die fähig ist, sich veränderten Situationen anzupassen.

Allerdings ist Vielfalt nur dann ein strategischer Vorteil, wenn es sich um wahrhaft dynamische Gemeinschaft handelt, die durch ein Netz von Beziehungen aufrechterhalten wird.

Wenn die Gemeinschaft in isolierte Gruppen und Individuen zersplittert ist, kann aus der Vielfalt leicht eine Quelle von Vorurteilen und Reibungen werden. Aber wenn sich die Gemeinschaft der wechselseitigen Abhängigkeit all ihrer Mitglieder bewußt ist, wird die Vielfalt aller Beziehungen bereichert und damit die Gemeinschaft als Ganzes ebenso wie jedes einzelne Mitglied bereichert.


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