Fritjof Capra will in seinem Werk "Lebensnetz" der Frage
"Was ist Leben" auf die Spur kommen. Dafür hat
er sich mit den verschiedenen Theorien der systemischen Wissenschaftler
befaßt und ist zum Schluß gekommen, daß man
die Denkansätze von Maturana, Varela und Bateson zu einer
einzigen Theorie zusammenfassen kann. Somit kann man das Ergebnis
als Synthese, als Capra-Synthese bezeichnen.
Er definiert drei Schlüsselkriterien, die ein lebendes System ausmachen:
Alle drei Kriterien sind voneinander abhängig. Sie sind unterschiedliche, aber nicht voneinander zu trennende Blickwinkel auf das Phänomen des Lebens: Das Organisationsmuster läßt sich nur erkennen, wenn es in einer materiellen Struktur verkörpert ist, und in lebenden Sytstemen ist die Verkörperung ein unaufhörlicher Prozeß.
Diese drei Kriterien lassen sich auch zum besseren Verständnis
anhand eines einfachen Beispieles, an einem Fahrrad, erklären:
Die Teile eines Fahrrads sind konstruiert und dann zusammengesetzt
worden, um eine Struktur mit festen Bestandteilen zu bilden.
Organisationsmuster: Was gehört grundsätzlich zu einem Fahrrad?
Struktur: Ein spezifisches materielles Fahrrad (ein Rennrad,
ein Moutainbike, ...)
und die Verbindung zwischen Muster und Struktur ergibt sich im
Geist des Konstrukteurs = Kognition.
Capra schlägt vor, die Autopoiese wie sie von Maturana und Varela definiert worden ist, als das Muster des Lebens (d.h. als das Organisationsmuster lebender Systeme), die dissipative Struktur, wie sie Prigogine definiert hat, als die Struktur lebender Systeme, und die Kognition, wie sie ursprünglich von Bateson und dann ausführlicher von Maturana und Varela definiert worden ist, als den Prozeß des Lebens zu verstehen.
Capra bezieht sich also auf frühere Begriffe:
Muster - Autopoiese
Struktur - dissipative Struktur
Prozeß - Kognition
Das Organisationsmuster legt die wesentlichen Merkmale eines Systems fest. Insbesondere bestimmt es, ob das System lebend oder nichtlebend ist.
Autopoiese ist in der neuen Theorie das Definitionsmerkmal des
Lebens.
Die Kognition, der Prozeß des Lebens, ist unauflöslich
mit der Autopoiese verbunden.
In der neuen Theorie sind alle lebenden Systeme kognitive Systeme,
und Kognition setzt stets die Existenz eines autopoietischen Netzwerks
voraus.
Beim dritten Kriterium, der Struktur lebender Systeme, verhält
es sich etwas anders. Die Struktur eines lebenden Systems ist
zwar immer eine dissipative Struktur, aber nicht alle dissipative
Strukturen sind autopoietische Netzwerke. Eine dissipative Struktur
kann ein lebendes oder nichtlebendes System sein.